Tagesarchiv: September 1, 2010

Meine ersten Tage und ersten Erfahrungen


An unseren ersten Tag spielten wir morgens mit den Kindern aus dem Dorf ein wenig. Ich glaube meinen Namen wird einfach niemals jemand aussprechen können! Ich werde hier glaub ich nur noch Maleika heißen, aber naja ich kann mit leben! Ich bin mittlerweile am überlegen, ob ich mich vielleicht einfach gleich als Maleika vorstelle, weil es macht eh keinen Sinn denen zu sagen, dass ich Mareike heiße! Aber ich glaube sie finden meinen Namen sehr schön. Es gibt wohl auch ein Lied mit meinen Namen, zumindestens singt das eine Kind da immer was.

Die Kinder sind hier prinzipiell richtig süß und freuen sich total, wenn man mal mit Ihnen spielt. Die Jungs haben einen Fußball und so mitgebracht, darüber freuen sie sich extrem! Wir behalten die Sachen aber trotzdem lieber bei uns, damit die Dinge auch wirklich hier bleiben und nicht direkt weg kommen!

Auch die Kinder haben uns wieder versucht ein wenig Twi beizubringen und sich sehr drüber gefreut wenn wir es lernen wollten.

Mittags haben wir dann unsere erste Einkaufserfahrung gemacht. Milli hat uns in die Stadt begleitet, um uns zu zeigen wo wir einkaufen können!

Wir sind zum ersten Mal mit dem Trotro gefahren. Das ist ein kleiner Bus in dem ungefähr 25 Menschen oder so sitzen. Der Bus hat ca die größe eines VW Buses.

Bei den Trotros muss man sich immer auf eine gewisse Wartezeit einstellen, weil man nie genau weiß wann eins kommt, was dann auch noch frei ist!

In der Stadt musste ich dann erst Mal Geld abheben, was auch erst mal eine Erfahrung waren, weil zig Geldautomaten erst mal nicht getan haben, es hat also eine Weile gedauert bis wir einen funktionierenden Automaten gefunden hatten!

Einkaufen geht hier eigentlich relativ gut. Man muss sich aber trotzdem von manchen europäischen Standard verabschieden. Ein Glas gefälschtes Nutella kostet hier zB umgerechnet 4 Euro.

Im Moment haben wir die Auswahl zwischen Reis oder Nudeln mit Tomatensoße. Wir haben aber sehr stark vor unser Reportoir zu erweitern. Morgens gibt es entweder richtig babbisches Brot, was Budderbread heißt. Es macht eigentlich nicht wirklich satt und ist noch babbischer als Weißbrot. Oder es gibt Cornflakes, die hier aber auch relativ teuer sind, mal gucken, ob wir die dann auf Dauer nehmen!

Prinzpiell ist in der Stadt aufgefallen, dass die Leute sehr positiv drauf reagieren, wenn sie merken, dass man ein wenig Twikenntnisse hat. Wenn sie dich zB mit Hey Obruni (Obruni heißt weißer Mensch) anreden, kannst du dann mit Hey beneni (schwarzer Mensch) antworten, oder wenn du auf die Frage wie geht’s (ete sen?) mit gut (eye!) antworten kannst.

Abends haben wir dann unseren ersten Kochversuch gestartet. Hier ist uns aufgefallen, dass wir keine Tomatensoße haben, sondern Tomatenmarkt! Aber ich glaube Tomatensoße gibt es hier garnicht!

Also haben wir versucht aus Tomatenmarkt eine Soße zu erstellen, das Tomatenmarkt in eine Pfanne und wahlweise mit Wasser, Öl und Milch gepanscht. Milli hat sich sehr über uns amüsiert, da sie es erstens nicht kennt Milch in die Soße zu tu und man zweitens erst Mal Zwiebeln in Öl anbrädt. Das haben wir dann halt danach gemacht.

Das Essen hat trotzdem ganz annehmbar geschmeckt.

Unser zweiter Kochversuch war schon etwas besser, was aber glaub ich eher daran lag das Milli mehr oder weniger diesmal die Soße für uns gemacht hat.

Am Sonntag haben wir dann zum ersten Mal die Kirche besucht, die hier schon um 7.00 anfängt und 3 Stunden dauert!

Die Kirche ist aber prinzipiell viel lauter und interessanter als in Deutschland. Die 3 Stunden hier gehen viel schneller rum als der Gottesdienst in Deutschland. Für die Kirche kleiden sich extra alle Leute ganz schick man merkt fast den Unterschied zwischen arm und reich nicht mehr. Die Leute singen und Tanzen viel mehr.  Es ist so laut, man hat fast das Gefühl, dass sie der Meinung sind, dass sie so laut sein müssen, dass Gott im Himmel sie auf jeden Fall hören muss. Es gab auch eine kleine Naming Ceremony. Zum Schluß wurden wir nach vorne gerufen und vorgestellt und mussten am Ende noch einen Wisch ausfüllen mit unseren Daten und ob wir Mitglied werden wollen und all solchen Kram. Prinzipiell find ich die Kirche echt interessant, aber ich werde glaub ich trotzdem nicht jeden Sonntag hingehen. Was ich absolut nicht nachvollziehen kann ist wie man Spenden von Leuten einsammeln kann, die eh nichts haben nicht viel haben und ich fand es auch ziemlich daneben, dass sie das Geld schon gezählt haben während der Pfarrer gerade die Predigt gehalten hat.

Auf dem Rückweg haben wir noch schnell unser Wasser umgestellt und haben uns die kleine Tüten mit Wasser geholt. Die sind nämlich viel billiger! Man kann sich allerdings auch nicht hundert pro sicher sein, dass das Wasser nicht verunreinigt ist. Warm ist das Wasser echt nicht genießbar, es schmeckt, um es mit den Worten von Fabi zu sagen: wie Wasser aus dem Luftballon! Aber wenn man es kühlt schmeckt es nicht mehr so stark nach Plastik ich glaub wir müssen uns einfach erst mal dran gewöhnen dann geht das alles schon irgendwie.

Zu guter letzt haben wir heute noch gelernt, dass man das Fleisch auf den Markt, welches nicht gekühlt wird und den ganzen Tag auf den Markt in der Sonne liegt, gut kaufen kann.

Also ich bin da echt skeptisch. Ich glaube ich werde es nicht essen außer ich werde irgendwo eingeladen, dann kann man das Fleisch natürlich nicht ablehnen das wäre ein bisschen arg unhöfflich, wenn die extra ihr Geld für Fleisch ausgeben.

Ruven und ich sind haben am Sonntag auch unseren ersten Versuch gemacht alleine nach Kumasi in die Stadt zu fahren. Es ist echt schwer heraus zu bekommen welche Preise ok sind und welche garnicht. Wir haben für unsere Tiegernüsse einfach viel zu viel gezahlt die Leute die uns das verkauft haben, haben sich sehr darüber gefreut, dass sie so viel Geld von uns bekommen haben. Danach waren wir eher vorsichtig und habe lieber einmal mehr den „Stand“ gewechselt, um verschiedene Preise miteinander zu vergleichen. Man muss halt erst mal ein Gefühl für die Preise bekommen!

Ich habe noch ein paar mehr Haustiere bekommen. Ich habe zu meinen Gecko und meiner Kakerlake jetzt auch noch eine Maus in meinen Zimmer. Ich habe mich entschloßen den Tieren einfach Namen zu geben und sie als meine Haustiere zu betrachten. So heißt meine Maus Minny, mein Gecko heißt Bebbo und meine Kakerlake heißt Pete! Das macht viel sehr viel einfach zB gestern hat mich wieder mein Gecko auf dem Kloh erschreckt und daraufhin konnte ich dann einfach ganz easy reagieren und sagen „Ach Bebbo mach doch nicht immer solche Faxen!“. Minny hat mich die ganze Nacht wach gemacht, weil sie meinen Schrank aufgegessen hat. Ich hab zwar ein paar mal mit ihr geschimpft und ihr gesagt, dass sie mich endlich mal schlafen lassen soll, aber sie hat nicht wirklich auf mich gehört.

Ich gewöhne mich langsam an meine Tiere!

Das Beste mein ganzes Gesicht ist aufgeplustert, weil ich glaub ich das NO BITE (Moskitospray) nicht vertrag und darauf allergisch reagier. Mal gucken, ob ich Autan wenigstens im Gesicht vertrag, aber erst mal versuch ich wieder eine normale Gesichtshaut zu bekommen

Also machts gut. Heute gehe ich ins Internetcafe um die Dinge zu posten und villeicht mit den ein oder anderen zu schreiben. Ich bin mal gespannt wie es da so ist.

Ruven und ich werden heute das erste Mal versuchen ghanaisch zu kochen das wird sicher ein Spaß.

Also machts gut. Bald gibt’s neue News.

Liebe Grüße

Mareike

Meine Ankunft in Ghana


Unseren Flug nach Ghana haben wir gut überstanden und wir kamen auch pünktlich in Ghana an.

Am Flughafen in Ghana haben wir sofort unsere erste typische ghanaische Erfahrung gemacht. Wir durften uns bei der Schlange mit den ghanaischen Pässen anstellen, weil diese Schlange kürzer war, wir haben letzendlich aber länger gebraucht als wenn wir einfach bei der richtigen Schlange gestanden hätten. Kurz nachdem ich dran war viel der Strom aus. Ich fands einfach nur richtig lustig, weil genau das für mich einfach eine typisch ghanaische Sache ist: Stromausfall. Es hat aber nur wenige Sekunden gedauert und das Licht tat wieder.

Entgegengesetzt unseren Erwartungen warten sogar die Leute die uns abholen sollten am Flughafen auf uns.

Jonas musste sich direkt am Flughafen von uns übernachten, weil er direkt zu seiner Unterkunft nach Accra (wo auch der Flughafen ist) ging. Wir anderen (Ruven, Cornelius, Fabi und ich) hatten hingegen noch eine längere Reise bis Kumasi vor uns. Da es schon ziemlich spät war haben wir in einen Hotel übernachtet, welches La Luna Lodge hieß.

Das Hotel was für uns organisiert wurde reichte natürlich überhaupt nicht aus, wenn man bedenkt das wir allein 5 Personen waren, von denen 4 ziemlich viel Gepäck dabei hatten. Das Gepäck nahm fast das gesamte Taxi ein. Ich sollte schon mal mit den Taxi mitfahren und die Jungs suchten sich noch ein Taxi. Ich weiß nicht genau, ob ich mit den Taxi mitfahren sollte weil ich eine Frau bin, ich kann es mir zumindestens gut vorstellen. Die Rolle der Frauen hier in der Gesellschaft ist nämlich noch ein wenig anders als wir es in Europa gewöhnt sind.

Wir bekamen noch ein paar kurze Dinge über Ghana erklärt. Entgegengesetzt zu dem was ich in Deutschland zum Thema Malariaprophylaxe erzählt bekam wurde mir hier dazu geraten das gesamte halbe Jahr diese Prophylaxe einzunehmen. Gut, dass ich einfach garkeine dabei hatte. Genauso wenig hatte ich dran gedacht Geld zum wechseln mitzunehmen, was ziemlich dumm ist, weil wir natürlich irgendwie unser Hotel und unsere Weiterreise bezahlen mussten! (aber ich bekam zum Glück was geliehen^^)

Am nächsten morgen wurden wir wieder abgeholt und zu unseren Busbahnhof, von dem aus unsere Reise weiter geht, gebracht.

Ich sollte wieder mit dem Gepäck zusammen im ersten Taxi fahren. Es war der selbe Taxifahrer, wie gestern. Ich bekam hier meinen ersten Twi Unterricht und lernte ein paar wenige Dinge. Er fand mein Bemühen und meine Ausprache sehr amüsant. Ich glaub es hört sich auch echt komisch an wenn ich Twi rede, weil die Sprache einfach so komplett anders ist!

Am Busbahnhof musste ich erst mal eine gefühlte Ewigkeit auf die Jungs warten. Mir wurde aber natürlich sofort ein Stuhl zur Verfügung gestellt, so das ich mich hinsetzen konnte.

Wir bekamen alle noch eine Handykarte und ab ging unsere Reise nach Kumasi.

Der Bus war erstaunlich komfortabel. Die Sitze waren viel größer und gemütlicher als man es in Deutschland gewöhnt ist, man hatte auch viel mehr Möglichkeiten die Sitze zu verstellen!

Der Busfahrer machte direkt afrikanische Musik im Bus an. Ich finds sau cool wie hier immer überall die afrikanische Musik läuft. Ich mag die Musik echt gern.

In der kurzen Pause kauften wir uns noch schnell eine Ananas. Die hat einfach so extrem geil geschmeckt richtig saftig. Wir hatten erst Angst das uns die Frau so richtig krass über den Tisch gezogen hat, aber eine nette Frau im Bus bestätigte uns das wir den richtigen Preis bezahlt hatten.

Im zweiten Teil der Busfahrt wurden irgendwie afrikanische Serien oder sowas gezeigt. Auf jeden Fall waren die sehr komisch, so dass ich noch weiter geschlafen habe (Ich hatte die Nacht vorher vor Aufregung eigentlich fast garnicht geschlafen).

Als wir mit unseren Bus in Kumasi ankamen überkam uns unsere nächste Angst. Uns fiel nämlich sehr schnell auf, dass wir garnicht wussten wo genau wir aussteigen mussten. Wir riefen Saccordie an, um ihn zu fragen. Da wir es aber irgendwie immer noch nicht gepeilt haben übergaben wir ihn einfach mal den Busfahrer der uns dann freundlicher Weise sagte, wo wir genau aussteigen mussten.

Saccordie war noch nicht am Bahnhof, so dass wir im Waiting Room auf ihn warten mussten.

Wir mussten aber nicht lange warten.

Auch Saccordie war mit einen Taxi da. Ein Junge half uns freundlicher Weise unsere Koffer in das Auto zu tun. Wir gaben ihn dafür unser Kleingeld, was ungefähr 40 cent waren. Bemerkten aber dann das es warscheinlich viel zu wenig war, weil Saccordie ihm 10 cedi gab, was ungefähr 5 Euro sind.

Diesmal durfte ich sogar mit den Jungs zusammen in einen Taxi sitzen.

Als wir im Center ankamen bekamen wir unsere Zimmer.

Ich habe im Moment noch ein Zimmer in einen anderen Haus, jedoch nur bis Dienstag, weil mein jetziges Zimmer noch belegt ist. Am Dienstag zieh ich dann in ein Zimmer neben den Jungs, die sich zu dritt ein Zimmer teilen dürfen, was wir aber vielleicht noch ändern, wenn ich in meinen richtigen Zimmer bin.

Nachdem wir uns kurz ein wenig sortiert hatten und ich mein Problem mit dem Moskitonetz, was noch aufgehängt werden musste geklärt hatte, machten wir uns mit Sac zusammen auf die Suche nach was Essbaren und einer Malariaprophylaxe.

Ich muss echt sagen, dass ich viel zu tollpatschig für den Weg von dem Center zur Straße bin, ich hab mich gefühlte 10000 mal fast auf die Fresse gelegt.

Wir sind mit dem Taxi in die nächste Stadt gefahren, das ist hier echt so unglaublich billig. Wir haben ca 15 cent pro Person gezahlt.

In der Stadt haben wir für einen Euro pro Essen Fried Chicken mit Reis bekommen. Hier durfte ich gleich meine nächste Lektion als Frau machen. Als Frau darf man nämlich den Einkauf in Ghana tragen, aber diese Regel wird hier direkt mal wieder abgeschafft 😉 die Jungs dürften genauso schleppen wie ich!

Zurück zu Hause durfte ich nach dem Toilletengang erst mal das Spülwasser auffüllen, damit ich überhaupt spülen konnte, dabei hab ich mir erst mal die Hälfte übergekippt. Und danach hab ich auch noch die Hälfte von meinen Essen runter geschmissen… Ihr seht meine Tollpatschigkeit hat an diesen Abend kein Ende genommen!

Als ich dann in mein Bad gegangen bin um mich Bettfertig zumachen, hab ich mein nächste supertolle Erfahrung gemacht. In meiner Dusche waren 1000 Krabbeltiere..! Und als ich auf dem Kloh war lief an der Wand gegenüber ein Gecko lang. Zurück in meinen Zimmer schrieb ich noch ein wenig Tagebuch für mich und bemerkte dabei, dass in der Innenseite von meinen Moskitonetz eine Kakerlake saß… ich habe fast die Krise bekommen. Aber ich habe mich dazu überwunden sie todesmutig mit der Hilfe eines Bechers und meines Ghanareiseführers wegzumachen. Danach war sie in dem Becher auf meinen Buch gefangen und stand in meinen Zimmer. Das kam mir aber relativ schnell sehr suspekt vor, so dass ich mich dazu entschied alles so wie es ist vor meine Tür zu stellen, damit ich ja nicht mit diesen Tier in einen Zimmer bin.

Ich konnte aber trotzdem die ganze Nacht ganz schlecht schlafen draußen war ein tierischer Lärm und um 5 Uhr morgen fingen der Hahn an zu krähen und irgendwelche super netten Leute haben irgendeine Lautsprecheransage gemacht!

Als ich aufgestanden bin und mich dazu durchgerungen hatte zu Duschen…. ich hatte noch nie so einen Ekel beim Duschen, entschloß ich mich sogar meine Kakerlake frei zu lassen, weil ich sie einfach nicht töten konnte. Also ging ich vor die Tür und meine liebe Kakerlake war garnicht mehr da! Naja ich glaub ich will garnicht wissen wo sie die Nacht über jetzt doch war. Ich habe die leise Vermutung, dass ich zu dumm war die Kakerlake zu fangen und das sie bei dem Versuch irgendwie in mein Bett gefallen ist!

Naja ich lebe mal mit meiner Kakerlake und meinen Gecko weiter.

Ich hoffe es geht euch gut!

Liebe Grüße
Mareike