Tagesarchiv: September 9, 2010

Sunyani und Bui-Nationalpark


Wow. Ich habe Angst, anzufangen.

Vor fünf Tagen habe ich den letzten Eintrag geschrieben. Heute ist Dienstag und wir sind vor ein paar Stunden von unserem kurzen Trip wiedergekommen.

Freitag Abend haben wir spontan entschieden, dass wir die Reise nach Sunyani durchziehen. Samstag Morgen ging es also los und wir sind ohne Probleme am Nachmittag angekommen. Wir hatten einen Reiseführer dabei, in dem ein paar Hotels im Ort eingezeichnet sind. Wir haben uns für das „Tata-Hotel“ entschieden. Wir haben echt mit dem schlimmsten gerechnet, bei 3,50Euro pro Nacht und Person. Wir wurden aber vom Gegenteil überrascht. Es gab zwar kein eigenes Bad und meistens auch kein fließendes Wasser, dafür aber ein sehr sauberes und echt gemütliches Zimmer. Außerdem war Morgens ein kleines Frühstück inklusive.

Die Nacht hatten wir gut überstanden. Das erste Mal seit unserer Ankunft haben wir ohne zu schwitzen geschlafen. Erholung!

Oh, da war doch was. Achja! Heute ist mein Geburtstag! 20 Jahre bin ich jetzt alt. Fühlt sich komisch an. Als meine Familie dann angerufen hatte musste ich mir echt die Tränen wegdrücken.

Wir sind an dem Tag einfach mal in die Stadt marschiert und haben uns überraschen lassen, was so passiert. Mitten in der Stadt haben wir dann einen kleinen Platz gefunden, auf dem Fußball gespielt wurde. Für jedes Auto mussten die provisorischen Tore abgebaut werden, aber das Spiel hatte echt Charakter. Richtig typischer Straßenfußball in den Hinterhöfen einer afrikanischen Stadt. Dann ging es weiter und ohne es zu ahnen kam ich dem besten Geschenk des Tages immer näher. Schokoladeneis! Oh mein Gott, Schokolade macht echt glücklich.

Abends haben wir uns dann in ein Restaurant gesetzt und Fufu gegessen. Das ist eine Art Brei aus Kochbananen und Yam, den man mit den Händen isst. Dazu gibt es dann eine scharfe Suppe mit Fleischeinlage. Sehr lecker! Man tunkt den Brei in die Suppe und isst ihn dann. Ich kam mir echt unbeholfen vor und Besteck sehe ich jetzt mit anderen Augen: Krücken für die Hände, meinte ein Ghanae. Das ein oder andere Bier gab es dann natürlich auch noch.

Schon brach der Montag an. Wir sind extra früh aufgestanden um schnell im Nationalpark zu sein. 50km nach Wenchi mit dem Trotro und dann weiter zum Bui-Nationalpark, Hippos gucken. Was wir nicht wussten ist, dass es von Wenchi nochmal 80km bis Bui sind. Ernüchterung machte sich breit, aber wir wollten nicht aufgeben. Wir setzten uns in das nächste Trotro. Mit 60km/h brettern wir über die übelsten Pisten. „Ihr wollt in den Bui-Nationalpark? Ihr habt aber wenig Sachen dabei.“, hatte ein sehr netter Fahrgast eingeworfen. „Ja, wir dachten es wäre nicht so weit. Wir wollen heute noch zurück.“ Darauf hatte der Mann nur ein müdes Lächeln als Antwort:“ Ihr werdet heute nicht mehr zurückkommen. Das nächste Trotro fährt erst morgen früh nach Wenchi.“

Na klasse. Dann nehmen wir halt ein Taxi. Mir wird langsam unwohl, als ich sehe, wie sich die Landschaft draußen immer mehr in Pampa verwandelt. Immer mehr Schlaglöcher, immer weniger Menschen. Keine Menschen, nur Schlaglöcher. Kein Teer, nur noch Erde. Dementsprechend noch mehr Schlaglöcher. Pfützen. Tiefe Pfützen. Halbe Seen auf der Straße, doch das Trotro bahnt sich seinen Weg. Plötzlich ist nur noch ein schmaler Weg übrig geblieben, der mitten in den Wald führte. Wir haben weder Moskitonetz, noch etwas zu Essen dabei. Hier wird es kein Taxi geben. Der dumme verwöhnte deutsche Tourist im Hinterland von Ghana. Endlich kommen wir an. Der Fahrgast zeigt uns, wo wir hinmüssen. Wir befinden uns in einem kleinen Dorf mitten im Wald des Nationalparks. Hätte ich nicht so schiss vor der Malaria, fänd ich es echt genial hier. Die Menschen, wie könnten sie anders sein, sind sehr freundlich und zeigen uns, wo wir etwas zu essen und zu trinken herbekommen. Dann geht die Wanderung los. Der Guide macht uns klar, dass wir heute keine Hippos sehen werden, da Regenzeit ist. Super. Nach einer halben Stunde Marsch durch die sengende Sonne Jeans und Jacke kommen wir an ein Dorf. „Die Hälfte haben wir!“, sagt der Guide. Ach du scheiße. Lange Klamotten sind hier unten Pflicht, weil es hunderte Moskitos und andere bissige Fliegen gibt. Endlich kommen wir am Ufer des Black Volta in dem beschriebenen Fischerdörfchen an. Hier gibt es keinen Strom und die Einwohner sprechen kein Englisch. Das einzige, was wir zu hören bekommen ist „Welcome, Oburoni!“. Die Fischer nehmen uns mit zu ihren Kanus. Jeder sitzt in einem Kanu und wir fahren eine Stunde lang über den Black Volta. Der Fluss ist zur Zeit fünfmal so breit wie zur Trockenzeit und uns wird klar, warum wir heute nichts sehen werden. So war es auch. Wir haben nichts gesehen. Ein bisschen Landschaft und einen Schmetterling um genau zu sein. Der Guide erzählt uns, dass in einem halben Jahr der Bau eines Staudamms beginnt. Die Fischer werden zwangsumgesiedelt und ca. 30% des Bui-Nationalparks werden geflutet. Ich komme mir vor, wie in einem Dokumentationsfilm. Wie grausam. Doch der Durst Ghanas nach Elektrizität hat gesiegt.

Auf dem Rückweg reden wir über die Blackstars und die WM. Wir kommen auf Trinidad und Tobago. „Ist das ein Land?“, fragt der Guide. Der Mann ist sehr intelligent. Wir haben kaum jemanden getroffen, der besser Englisch spricht. Er hatte halt nie die wirkliche Möglichkeit, viel zu lernen. „Ist Haiti eine Krankheit?“, er hatte schlechtes von Haiti gehört. Als ich ihm sagte, dass das auch ein Land ist und dort fast 100.000 Menschen durch ein Erdbeben gestorben sind, ist er erstaunt. Über Hitler will er auch mehr wissen. Er hat gehört, dass Hitler damals in Deutschland das Wasser vergiftet haben solle und so sehr viele Menschen gestorben seien, bis das Volk das Wasser nicht mehr getrunken hat. Man habe ihm erzählt, dass die Menschen stattdessen nur noch Bier getrunken haben. Deswegen tränken die Deutschen auch heute noch so viel Bier.

Als wir wieder an der Station ankommen wird uns klar, dass die zwei Stunden Wanderung das ganze Geld, das wir gezahlt haben und die Reise sich nicht wirklich gelohnt haben. Schade eigentlich. Der Guide entschuldigt sich bei uns und sagt, wir sollen doch in der Trockenzeit nochmal wiederkommen. Wir wollen aber nicht die Nacht in dem Dorf verbringen und fragen nach einem Taxi. Der Mann verschwindet und taucht bald mit einem Grinsen wieder auf. Er hat jemanden organisiert, der uns fährt. Wir müssen einen stattlichen Preis zahlen, aber der ist es uns wert, zumal wir gut verhandelt haben. Nur 60% des ursprünglichen Preises müssen wir hergeben.

Wir hatten uns Morgens um 7Uhr auf den Weg gemacht. Nun war es 21Uhr, als wir wieder in Tatas sicheren Wänden angekommen waren. Wir schliefen wie Steine. Abenteuer pur und gelernt hatten wir auch. In Zukunft werde ich vorausschauender packen.

Heute ist Dienstag und wir sind gut in Denchemouso angekommen. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen. Achja: Wir duschen auch hier im Moment mit dem Eimer. Die Wasserversorgung ist ausgefallen. Genauso haben wir auch schon mehrere Stromausfälle erlebt. Apau sagt, wir sollen uns keine Sorgen machen. Ghana sei nun mal ein Entwicklungsland.

So. Ich hatte Angst mit dem Schreiben anzufangen, weil ich die neuen Eindrücke kaum in Worte zu fassen vermochte. Ich hoffe, ich habe es trotzdem geschafft.

Habe fertig!

Das naechste Lebenszeichen


I hate layzieness!

Heute ist Donnerstag. Die erste Woche in Ghana ist also rum. Bleiben noch 51. Sport haben wir gemacht. Kleidung gewaschen haben wir auch. Zwei Stunden lang mit der Hand. Gelobt sei der Erfinder der Waschmaschine!

Sport. Wir sind eine halbe Stunde joggen gewesen und haben die schwere feuchte Luft Ghanas kennen gelernt. Es war um einiges anstrengender als daheim.

Außerdem sollte heute unser „Orientation-Meeting“ stattfinden. Von 13 bis 16 Uhr hatten wir also Zeit. Das erste Mal langweile ich mich hier. Als die drei Stunden abgesessen waren, gingen wir zu dem Meeting. Jeff, der Präsident der „Ghanaian-German Friendship Association“ und Sakkordie, seines Zeichens Sekretär des „GGF“ und Principal der „German-Ghanaian School“, waren anwesend. Dazu kam Apau, der sich um verschiedene Projekte des Vereins kümmert. Jeffs Vater ist Japaner. Ein Mix aus schwarz und gelb. Sowas hatte ich bisher noch nicht gesehen.

Die Drei erzählten uns einiges zu den Regeln hier. Wir als Lehrer sollen hier schließlich als Vorbilder dienen und man höre und staune: das einzige, was Sakkordie hasst ist „layzieness“. Die Menschen hier in Ghana sind alles andere als faul. Ich wüsste nicht, welcher Deutsche bei den Temperaturen die gleiche Arbeit verrichten könnte, wie die Menschen hier. Doch trotzdem ist Sakkordie, der beim Militär seine Ausbildung erhalten hat, der erste Mensch in Ghana für mich, der offen Anspricht, dass ihm Pünktlichkeit und Arbeit wichtig sind. Was er liebt ist übrigens Arbeit. Wow. Er ist Manager des Schule und studiert nebenbei an der Uni in Kumasi. No layzieness!!

Im weiteren Gespräch erläuterte das Tribunal uns, was so auf uns zukommt, wie der Unterricht aussehen wird und das wir eine Radiosendung moderieren sollen.

WAAAAS?!

Tatsächlich. Ich habe das Grinsen kaum noch wegbekommen. Ein örtlicher Radiosender („Mynd FM“) hat Interesse angemeldet, probeweise eine Sendung mit deutschen Moderatoren und typisch deutscher Musik ins Programm zu nehmen. Einheimische sollen anrufen können und von ihren Erfahrungen mit Deutschland sprechen, von ihren Verwandten in Deutschland oder ganz einfach Fragen stellen. Wie wird was in Ghana gemacht und wie geht ein Deutscher etwas an? Das Ganze soll die Kulturen näher an einander bringen und erst mal wäre es nur eine Show. Der Radiosender würde dann die Reaktionen abwarten und den weiteren Verlauf dann planen. Aber wäre das nicht eine sau coole Sache?? Ich bin echt mal gespannt, was das gibt und ich denke alle, die das hier lesen auch. Oh man, bin ich aufgeregt! Wir werden von der Show auch aufnahmen bekommen. Ich behalte mir aber noch vor, ob ich die dann veröffentliche… Je nachdem, ob ich mehr als nur Gestotter herausbekomme.

Den Rest des Tages haben wir in Ideen geschwärmt, was wir hier alles bewegen wollen. Ich bin gespannt, was am Ende des Jahres den Wandel vom Status „Idee“ in „Realität“ geschafft hat. Tatsächlich ist es so, das hier jeder von uns lernen muss, selber aktiv zu werden, wenn er oder sie etwas erreichen möchte. Man kann den ganzen Tag im Zimmer sitzen, oder man kann rausgehen und was bewegen. Ich will an zweiter Stelle genanntes machen. Ich will meinen Fußabdruck hier hinterlassen und freue mich unglaublich auf die Zeit, die noch kommt.

Genug geschwärmt. Wollen wir über die weiteren Geschehnisse sprechen. Freitag Morgen begann mit Muskelkater in Beinen, Bauch, Armen und Rücken. Die Liste wäre kürzer gewesen, hätte ich die Muskeln erwähnt, die nicht vom Kater befallen sind. Wir stehen hier übrigens so gegen halb acht auf. Wenn die Schule am 14.09. beginnt müssen wir schon um sieben fertig für den Unterricht sein. Abends sind wir meistens recht früh kaputt, sodass ich das erste Mal seit einigen Jahren pünktlich vor 23 Uhr im Bett liege und schlafe. Vielleicht ändert sich das noch, wenn wir uns an das Klima gewöhnt haben.

Zurück zu Freitag Morgen. Frühstück kennen die Ghanaer nicht. Wir brauchen aber was zwischen die Zähne! Zum Glück haben wir in dem Supermarkt in Kumasi wunderbare, wenn auch teure Kellogs gefunden. So kommt es, das wir hier Morgens jeder mit einer Schale Kellogs sitzen und noch nicht wirklich zu Kommunikation in der Lage sind. Um 11 Uhr haben wir ein Meeting mit Apau. Er will uns einige Dinge über sein Land näher bringen. Wir haben verinnerlicht: Ghana is a nation of many different cultures!

Nach dem Treffen ist Millie mit Fabian ins Krankenhaus gefahren. Er hat seit Tagen einen ziemlich üblen Hautausschlag. Mir geht’s bis auf ein paar Essensumstellungs bedingte Magenverstimmungen richtig gut. Heute kochen wir übrigens Kochbananen mit eines Sauce aus Trockenfisch, Contamrie, Tomaten, Eiern und Palmöl. Magenverstimmung olé! Das ist das erste Mal, dass ich mich an den Trockenfisch vom örtlichen Markt hier traue.

Wir planen, in den nächsten Tagen einen Trip nach Sunyani zu machen. Das ist die Hauptstadt der Nachbarregion. Kumasi ist die Hauptstadt der Ashanti-Region und Sunyani die der Brong-Ahafo-Region. Dort gibt es in der Nähe den Bui-Nationalpark, der sehr sehenswert sein soll. Meinen 20. Geburtstag verbringe ich also vielleicht auf Reisen. Ich hoffe, die Organisation klappt.

Jo. Das ist soweit, was ich zu berichten habe. Im Moment warten wir auf Fabi, bzw. Millie, damit wir anfangen können zu kochen. Die Zeit hab ich hier für den nächsten kleinen Eintrag genutzt. Ich bin gespannt, wann ich es das nächste Mal zum Internetcafé schaffe.

Bis dahin,

Ruven

Wellblechhuetten und Luxushotels


Wellblechhütten und Luxushotels

„Over there. The House with the blue iron top!” Man kann das Haus von unserer Gemeinschaftsterasse aus sehen. Seths Bokko, der Coach der Fußball Mannschaft im Nachbarort hat uns angeboten, uns zu Hotel mit Pool in der Nähe zu führen. „After swimming I will go and coach my Kids. They are great Football Players.“ Hier spricht man von Football und nicht von Soccer. Wir wollen mitkommen, wo der Coach uns doch schon seit unserer Ankunft seine Jungs anpreist: “They  play Football with their Hearts!”.

Seths ist ein sehr lieber Mensch, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Als wir am Abend davor in der Ortskneipe ein leckeres Guinnes, brewed in Ghana getrunken haben, machte er uns auf böse Menschen aufmerksam. Aber wir hatten Glück, denn: „I am a strong man. I will guide you!“. Niemand ist uns auf dem Rückweg begegnet, geschweige denn haben wir jemanden aus der Entfernung gesehen. Ich denke diese kurze Geschichte beschreibt den Coach ganz gut. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag um 12 Uhr.

Mit ghanaischer Pünktlichkeit ging es dann los. Runter auf die kleine Straße vor unserem Hostel, durch einige Vorgärten und über einen kleinen Fluss. Überall liegt hier Müll. Der Müll wird in Ghana nicht gesammelt auf  einer Deponie gelagert, sondern an bestimmten Stellen im Ort einfach verbrannt. Alles, was es nicht zu diesen Orten schafft, bleibt einfach unterwegs liegen. Dann kommen wir auf ein Haus zu. Groß. Pompös. Ein riesen Hotel ohne einen Gast, so sagt uns unser Gefühl. Das passt hier überhaupt nicht rein, da sind wir vier uns einig. Der Coach ist ein bisschen stolz, ein solches Gebäude im Ort zu haben. Dieser Anblick hat mir ziemlich vor den Kopf gestoßen. Links und rechts, vorne und hinten Wellblechhütten und Kinder, die mit rostigen Blechdosen spielen und mitten drin ein mit Stacheldraht umzäuntes mit verspiegelten Fenstern stehendes Luxushotel mit Pool. Wir gehen rein. 5 Cedi will man von uns für das Schwimmen haben, was ca. 2,50 Euro entspricht. Ein stattlicher Preis, finden wir. Wir können den Preis auf 4 Cedi drücken. Im Hinterhof ist der Pool. Klein, aber fein und sehr sauber. Wie angenommen, liegt dort nicht ein Gast. Schwimmen geht auch zu viert ganz gut. Seths möchte nicht schwimmen und seine Begleitung auch nicht. Seine Begleitung hatten wir am Vorabend in der Bar schon kennen gelernt. Sie ist eine Schülerin hier am Ort und wird, so schätze ich, 16 Jahre alt sein. Uns kommt es so vor, als wäre sie eine Art Sekretärin. Sie trägt dem Coach alles hinterher. Wenn sein Telefon klingelt, spricht man erst mit ihr.

Ghanaer haben Angst vor Wasser, habe ich mir sagen lassen. Wir planschten also unbehelligt 2 Stunden vor uns hin. Die Ruhe hat auch mal ganz gut getan.

„Are you ready now?“, das Training fängt bald an und wir müssen weiter. Der Fußballplatz ist nicht vergleichbar mit den Plätzen in good ol´Germany. Rasen sieht man nur da, wo niemand lange niemand mehr langgelaufen ist. Die Erde ist rot. Der Platz hat aber nichts mit dem roten Ascheplatz des glorreichen BC Efferen zutun, sondern eher mit einem Acker. Die Erde hier ist allgemein durch den hohen Eisengehalt rot. Die Altersklassen von 12 bis 17 Jahre spielen heute zusammen und gegeneinander. Der Coach ist mächtig stolz und als alle zusammen Dehnübungen machen, sieht es wirklich so aus, als hätte er die Jungs im Griff. Plötzlich kommen alle zu uns gelaufen. Seths Bokko sagt irgendetwas von „… motivates them Kids, when whites are talking to them!“. Wir sollen die Kinder also motivieren. Hm. „You are all good football-players!“. Ja, was soll ich sonst noch sagen, wo gerade ich so unendlich viel Ahnung von Fußball habe. 4 Deutsche in Denchemouso und kein Fußballer dabei. Schon seltsam. Hilflos gucke ich den Coach an. Er verspricht den Kids, dass wir bald kommen um ein Training mitzumachen. Gerne! Man hat den Jungs wirklich angesehen, dass Fußball extrem wichtig für sie ist. „Das ist noch ein richtiger Straßenfußballer, Typ Spielmacher.“ , die Fifa- Zocker unter uns wissen, was ich meine.

Sonnenbrand! Es war den ganzen Tag bewölkt. Merke: Afrikanische Sonne brennt!

Aktivität!

Straffes Programm steht heute an. Einkaufen in Kumasi- Kellogs und Milch sind leer. Um 12 Uhr verabschieden wir uns von Millie Richtung Trotro Station. Um 12.30 Uhr kommt sie die Straße runter. Wir stehen noch immer da. Peinlich. Sie lacht. Sie steigt noch vor uns in ein Taxi und ist weg. Im nächsten Trotro sind tatsächlich noch Plätze frei. Eigentlich hätten wir das konsequent durchziehen und noch warten müssen, bis sie wieder kommt. In Kumasi ist heute verdammt viel los. Wir gehen die letzten 500m zu Fuß. Wo ist Fabian? Weg! Keiner erreicht ihn. Dann ruft er an. Wir wollen uns am Supermarkt treffen. Wir sind uns selber nicht mal sicher, ob wir den überhaupt noch wieder finden. Nach 20min Pathfinding sind wir dann angekommen. Er sitzt schon da: „Eigentlich bin ich ja sogar extra verloren gegangen. Ich find´ das immer so Touri-mäßig, wenn wir hier mit vier weißen durch die Straßen laufen.“. Natürlich Fabian.

Tatsächlich habe ich in der Woche hier erst drei weitere Weiße gesehen. Minority!

Die Sachen waren dann schnell besorgt und wir auf dem Rückweg. Heute ist es richtig drückend warm. Mir läuft der Schweiß aus jeder Pore, als wir in dem Trotro warten. Um 16 Uhr habe ich mich mit Kati zum chatten verabredet. Ich müsste es pünktlich schaffen. Um 15.30 Uhr sind wir zurück am Hostel. Genug Zeit um zum Internetcafé zu kommen. Wir überqueren auf dem Weg immer einen schmalen Bach auf ein paar Steinen.

Regen. Rückweg. Aus Bach wird Fluss. In der Roten Erde Ghanas sieht dieses fließende Wasser sehr kraftvoll aus. Aufgewühlt und im Hintergrund hören wir Donner. Wir müssen uns beeilen, weil das Malariarisiko mit der Dämmerung extrem steigt. Auch das „Mit-leeren-Taschen-nach-Hause-kommen“ Risiko steigt auf der unbeleuchteten Straße nachts. Ich balanciere auf einer kleinen Steinmauer zur nächsten Brücke. Dort will ich Mareike hochziehen. Sie klatscht gegen die Steinwand. Ihr Knie blutet. Sie wird’s überleben, sagt sie. Wir schaffen es so gerade auf die andere Seite. Die Kinder, die uns beobachtet hatten fragten Mareike, ob alles in Ordnung sei. Dann spazieren sie mit vier geübten Schritten über den Fluss. So geht’s auch…

Heute kochen Fabian und Cornelius. Es gibt Riceballs mit Groundnut Sauce, nach einem Rezept und tüchtiger Hilfe von Millie. War echt lecker. Ich habe den Geschmack noch immer im Mund, während ich hier sitze und schreibe. Draußen regnet es wieder. In einer Stunde bin ich eine Woche weg von Zuhause. Ich fühle mich hier echt wohl. Morgen ist eine kleine Veranstaltung um uns offiziell „Akwaaba“ zu heißen. Morgen ist Waschtag. Und Sporttag. Das haben Cornelius und ich uns so überlegt.

Gute Nacht,

Ruven