Tagesarchiv: September 11, 2010

Wieder da


Hallo zusammen,

nach nun  etwas uber einer Woche hier der naechste Eintrag. Grund fuer diese laengere Auszeit war eine spontane Reise in den Norden Ghanas nach Tamale, wo ich an einem VOLU workcamp teilgenommen habe. Wir haben mit ca. 20 Leuten mehrere hundert Baeume in einem Dorf bei Tamale gepflanzt. Um es kurz zu fassen: Leute top, Tamale top und der Workcamp Leader Kizito alias Ras-Kizzy, ein Star! :)

Bevor ich heute morgen den Heimweg, von 13 Stunden Busfahrt (Hinfahrt 8Std) angetreten bin, war ich gestern noch im Touristenort Paga, an der Grenze zur Burkina Faso. Paga ist beruehmt fuer seine zahmen Krokodile. So kam ich dazu ein ca. 2m langes Krokodil zu ‘streicheln’. Dann nochmal kurz rueber ueber die Grenze nach Burkina und zurueck ueber Bolgatanga, Hauptstadt der Upper East Region, zurueck. Erwaehnenswert auch noch an dieser Stelle ist, dass ich auf der Rueckfahrt einen Bus von Bolga nach Tamale nehmen wollte der eigentlich um 14 uhr abfahren sollte, bis 16 Uhr aber noch nicht gekommen war und gegen 17 Uhr dann ungefaehr losfuhr. Nun ja, dass ist wohl Reisen in Afrika :)

Jetzt muss ich auch schon langsam Schluss machen, da ich noch so eben 30 min Internet vor Ladenschluss bekommen habe. Ich werde morgen nochmal detailliertere Infos geben und Fotos koennten auch noch Folgen!

Besten Gruss,

Jonas

#4


Am nächsten Tag dann, sollte ich es dann endlich schaffen den Arzt zu konsultieren. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Am Morgen wollte uns Apau, der Architekt der Schule erst noch über die Eigenarten Ghanas aufklären. Um 10 Uhr sollte das Treffen stattfinden, er war um 11 Uhr da. Typisch Ghana, man kann es hassen oder lieben. Ich tendiere zur Zeit noch zum ersten, weil die deutsche Pünktlichkeit sowas einfach nicht zulässt. Wie auch immer, etwas Neues haben wir bei diesem Treffen nicht wirklich erfahren. Es wurde gesagt, dass, wenn wir reisen wollen sollten, wir den Trip ordentlich planen sollten um sicherzustellen, dass es ein guter wird. Ein guter Rat, wie wir später spüren sollten.
Nach dem Treffen ging es dann in die Stadt. Zum Doktor wie ich dachte. Ich erwartete gegen 2 zurück zu sein, letztendlich war ich dann aber erst nach 6 zurück, weil mir Milicent im Trotro nach Kumasi offenbarte, dass sie für ihren Shop noch Geld bei einer Bank leihen müsste. Das erwies sich schwieriger als gedacht! Zunächst ergab es sich als problematisch entsprechende Bank zu finden, dann ließ der Kontaktmensch ewig auf sich warten, dann wurde das Anliegen abgelehnt. Auf zur nächsten Bank quer durch Kumasi. Dort wurde das Geld zur Verfügung gestellt. Ich musste hier lächerliche 2 Stunden auf einem Stuhl warten. Jedoch schlief ich nach etwa einer Stunde ein.
Irgendwann kamen wir dann doch zum Arzt, der mir sagte, was bereits vermutet wurde. Hitzefrieseln… (Heat rushes) Ich kam mir förmlich ausgelacht vor, als er das diagnostizierte. Ich bekam ominöse Tabletten gegen das Krabbeln, die jedoch nicht helfen sollten. Danach begaben wir uns auf den Heimweg. Da gab es dann Kochbananen, natürlich selbstgemacht! Beim Essen entschieden wir uns dann am Folgetag für 4 Tage nach Sunyani aufzubrechen.
Gesagt, getan! Wir packten unsere Sachen am Morgen und nahmen das nächste Taxi zur Bus Station. Für 4 Leute bezahlten wir etwa 4,50€ für eine über zweistündige Fahrt, klar das wir uns darüber freuten. In Sunyani checkten wir dann im preiswertesten Hotel ein. Doch das Tata stellte sich abgesehen von insgesamt 2 Duschen und 2 Toiletten für alle Gäste, als angenehm dar. Die Betten waren besser als in einer Jugendherberge und ein kleines Omelette zum Frühstück. Naja, 2 Omelettes für 4 Personen, aber der Gedanke zählt! Am Abend unserer Ankunft besuchten wir Sunyani und aßen in einem kleinen Restaurant zum ersten Mal Foufou, ein typisches Gericht unserer Region. Darunter kann man sich eine Art weiße, zähe Masse vorstellen, ein Brei aus gestampften Yams, welche in einer relativ scharfen, aber leckeren Soße zusammen mit Fleisch serviert wurde. Am Fleisch war die Haut noch gut zu erkennen, sodass wir dank den schwarzen Flecken auf weißem Grund auf Rind tippen konnten.
Der Folgetag war Ruvens Geburtstag. Also gab es ein großartiges fruchtiges Frühstück mit Melone, Bananen und geröstetem Mais. Danach zog es uns in die Stadt, die eigentlich nicht viel zu bieten hatte, zumindest nichts, was wir in Kumasi nicht schon gesehen hätten.
Doch als wir über ein Fußballspiel der Dorfjugend stolperten, blieben wir stehen. Das war wirklich mal interessant. Der Schiri war die Hälfte der Zeit am Lachen, bis ihm ein Spieler aus Wut gegen das Bein trat. Klar, dass das Team dieses Spielers verlor!  Es wurde aber insgesamt mit extrem viel Hingabe und Emotion gespielt, wie man es sonst nicht so oft sieht. Es war so interessant, dass wir uns das ganze Spiel ansahen. Danach schauten wir uns weitere Teile Sunyanis an, zwischendurch stolperten wir über einen Laden in dem es Schokoeis gab. Man schmeckte zwar, dass dieses Eis qualitativ eher minderwertig war, aber es schmeckte hervorragend! Bald wurde es dunkel, also gingen wir wieder zu unserem Restaurant, wo wir aber diesmal nicht aßen, sondern tranken. Schon ein Star-Beer, wäre genug gewesen, ich trank aber 3 und noch 2 Shots, weswegen der Rest des Abends ziemlich lustig war. Der nächste Morgen war es aber überhaupt nicht! Ich konnte nicht mal mehr das Omelette genießen… Zu allem Überfluss wollten wir an diesem Tag auch noch zum Bui Nationalpark. Die Busfahrt von Sunyani nach Wenchi war anstrengend und ich musste mehrere Male den Brechreiz unterdrücken. Die Busfahrt von Wenchi nach Bui war schrecklich, da die Straßen schlechter wurden… Es war ein einziges Gewackel, was meinem Magen alles andere als gut tat. Kurz vor unserer Ankunft im Nationalpark wurde uns auch noch offenbart, dass es kein Bus zurück geben werde… Damit hatten wir gar nicht gerechnet! Wir waren so weit ab vom Schuss, dass nicht mal Taxis fuhren. Das war der erste Moment an welchem wir uns an Apaus Worte erinnerten. Doch wir versuchten nicht weiter darüber nachzudenken. Ein Guard kam und wies uns in die Parkregeln ein: 5 Cedi pro Person (Eintrittspreis) + 5 Cedi pro Person (Tourpreis) + 5 Cedi pro Person pro Stunde (Guidepreis). Wir schnappten ordentlich nach Luft, als wir das hörten. Aber wir waren schonmal da und wollten den Park sehen. Also kauften wir noch einige Kekse Verpflegung ein und ließen uns von einem Ranger führen. Die eigentliche Tour sollte nur aus einer Kanufahrt bestehen auf welcher man einige Tiere sehen sollte, darunter, wie unser Reiseführer versprach, 200 Hippos. Vielleicht wäre es eine tolle Tour gewesen, wenn wir nicht zur Regenzeit gekommen wären und deswegen kein einziges Tier sehen konnten. Die Kanufahrt war also extrem langweilig. Das Schlimmste neben diesem absolut zu hohen Preis war jedoch, dass man noch eine Stunde zur Kanustelle laufen musste (und natürlich auch zurück). Diesen Weg ließ sich der Guide auch noch bezahlen. Es war also ein einziger Reinfall. Die Unterkunft, die angeboten wurde, war auch nicht wirklich großartig. Kein Strom, kein Wasser, keine Mückennetze… Wir entschieden uns ein Taxi nach Sunyani zu rufen. Das sollte jedoch ein riesiges Problem werden, da in der Umgebung keine Taxis existierten. Nur Minibusse, die viel teurer sind… Dennoch ließen wir uns einen rufen. Während wir auf den Bus warteten, unterhielten wir uns lange Zeit mit dem Guide. Er wollte einiges über Deutschland wissen und wusste gar nichts von den Vorgängen in Deutschland vor und während des Zweiten Weltkrieges, also redeten wir über die Geschichte Deutschlands und danach über die Ghanas. Bald kam dann der Bus. Der Fahrer verlangte lächerliche 100 Cedi für die Fahrt vom Park nach Wenchi. (Zum Vergleich: auf dem Hinweg haben wir für die gleiche Strecke 12 Cedis bezahlt) Wir konnten den Preis noch auf 60 Cedis runterhandeln, aber es war trotzdem zu viel. Wir wurden extrem verarscht. Denn anstatt dann, wie vorher vom Fahrer versprochen, waren wir dann nicht mal allein im Bus, sondern teilten es mit 4 anderen. Nicht mal der Bus und Fahrer waren der gleiche, wie anfangs ausgemacht. Es war eine ausgemachte Frechheit. Als wir dann in Sunyani waren, wollte ich den Preis noch um einiges kürzen, doch wir waren alle müde, sodass wir nicht die Nerven hatten den Trotz des neuen Fahrers auszuhalten. Er stellte sich taub und wartete auf das Geld. Naja, wenn ich allein gewesen wäre, hätte mir mein Stolz nicht erlaubt aufzugeben.
Es kam aber noch schlimmer. Von Wenchi fuhr (wie eigentlich vorher versprochen!!!) kein Bus zurück nach Sunyani, weswegen wir ein Taxi nehmen mussten. Irgendwann kamen wir dann doch am Hotel an, wir waren um über 200 Cedi leichter, aber glücklich alles hinter uns zu haben. Eigentlich wollte ich sofort schlafen, aber wir gingen dann doch noch ins Restaurant um die Ecke. Für das Essen bezahlten wir diesmal für 4 Leute insgesamt etwa 80 Cent! Das war so wenig, dass wir 1 Cedi (ca. 50 Cent) Trinkgeld gaben, worauf die Bedienung vor Freude durch das Restaurant hüpfte und Cornelius, der das Geld gab später sehr emotional die Hand schüttelte. Das war ein ziemlich eindrücklicher Moment. Ab diesem war uns klar, was so ein Cedi für die Leute hier wert sein muss. Es war unfassbar!
Da ich an diesem Abend so müde war, hatte ich den besten Schlaf seit Ewigkeiten. Ich schlief so fest, dass ich, als ich munter wusste für einige Sekunden wirklich keine Ahnung hatte wo ich war.
Der restliche Tag sollte sich auch als entspannter Tag ergeben. Als wir alle munter waren, fingen wir langsam an zu packen und fuhren mit dem Bus zurück nach Kumasi. Auf der Fahrt hatte ich ein etwa einstündiges Gespräch mit einem Ghanaer über Familie, Deutschland, Ghana und meine Tätigkeit hier. Zu Hause war alles, was wir taten zu entspannen und unsere Erlebnisse niederzuschreiben.

#2


Nun denn, nach 2 Wochen ringe ich mich doch endlich durch über die ersten paar Tage in Ghana auf Deutsch zu schreiben.

Die letzten paar Stunden in Deutschland waren eher traurig, da ich mich von allen Freunden und Bekannten, sowie der Familie verabschieden musste, bzw es schon getan hatte und erst kurz vor Abflug realisierte was hier gerade abgeht. Am Morgen meines Abflugtages traf ich die anderen Freiwilligen am Flughafen Frankfurts, wobei Mareike als einzige einige Ihrer Freunde dabei hatte, da sie in Frankfurt lebt.

Nachdem wir uns dann alle mehr oder weniger umständlich verabschiedet hatten, ging es durch den Security Check. Nach einem kleinen Frühstück (übrigens ist Frühstück eine Sache, die ich mittlerweile ein bisschen vermisse) ging unser Flug nach London, wo es natürlich regnerisch war… Was für ein Wunder -.- Aber wir mussten ja nicht nach draußen, also spürten wir nicht allzu viel davon. Statt zu lamentieren holte ich mir einen völlig überteuerten, aber leckeren Bagel. Nach einer gefühlten Stunde Wartezeit wurde dann endlich unser Gate bekannt gegeben. Bei besagtem Gate angekommen, waren wir zum ersten Mal für das kommende Jahr eine Minderheit. Doch es gab immer noch erstaunlich viele Weiße, die es nach Ghana, bzw. Afrika zog.

Der Flug nach Accra war 7 Stunden lang, aber relativ entspannend, da man eine relativ große Auswahl an Filmen zur Verfügung hatte. Da ich keinen Fensterplatz hatte, konnte ich rein gar nichts von Afrika sehen, aber von den anderen wurde mir von Eindrücken erzählt, wie dem unglaublichen Bild der Sahara und einigen afrikanischen Städten. Naja, vielleicht hab ich auf dem Rückweg mehr Glück.

In Accra angekommen erschlug uns die Bekannte Wand aus dicker Luft, doch durch Arkansas war ich an diese Art Luftfeuchtigkeit gewöhnt, weswegen ich ganz gut gegen halten konnte. Wie auch immer, die Luft war nicht wirklich das eindrücklichste, sondern es war der Flughafen. Noch nie hatte ich einen solchen Flughafen gesehen. Wir liefen vom Flugzeug zum Flughafengebäude, welches in Deutschland als altmodisch gegolten hätte. Am Einreiseschalter bekamen wir eine 60-tägige Aufenthaltsgenehmigung, nachdem wir böse vom muskulösen Beamten angeschaut wurden, der darüber den Kopf schüttelte, wie schlecht ich ihn doch verstehen konnte.

Nachdem wir glücklicherweise wirklich alle unsere Gepäckstücke zurückerhalten hatten, trafen wir Keykey. Er führte 4 von uns zu einem Taxi. Jonas blieb mit einer anderen Person am Flughafen, da er ja in Accra arbeiten sollte.

Die Taxifahrt zeigte mir eindrücklich, das Accra sehr interessant bei Nacht sein kann, dass Polizisten hier anscheinend immer eine MP mit sich rumtragen und dass es hier überall nervige Speedbumps (keine Ahnung, wie man so was im Deutschen nennt, Geschwindigkeitsstopper?) gibt, weswegen der Taxifahrer alle 2 Minuten auf 10 km/h runter bremsen musste, um uns nicht total durcheinander zu schütteln. Irgendwann waren wir im Hotel (LA Lune Logde) angekommen und konnten endlich ordentlich schlafen, gewagter Weise ohne Moskitonetz.

Doch die Nacht war nicht lang. Am Morgen trafen wir Keykey wieder, der ein Taxi mitbrachte in welches wir unsere Sachen packten und welches das Hotel zusammen mit Mareike verließ. Keykey ging auch und versprach uns nach 30 Minuten an der Busstation zu sein an welcher wir auch Mareike wieder treffen sollten, nachdem der Taxifahrer sie dort abgeladen und auch uns abgeholt hatte. Naja, nach einer Stunde ohne Taxi machten wir uns ein wenig Sorgen und begannen langsam die Kinder für uns einzunehmen. Denn die Kinder hier freuen sich extrem Weiße, oder wie sie uns nennen „buroni“, zu sehen. Das war ganz lustig. Aber nach eineinhalb Stunden kam unser Taxi und brachte uns auch zur Busstation. Die Fahrt war nun ganz anders als die Fahrt durch die Nacht. So viele Menschen, Autos (die übrigens scheinbar ohne Sinn und Verstand gelenkt wurden) und Farben! Aber komplett anders als in Deutschland. Nach nochmal 30 Minuten kam dann auch Keykey und besorgte uns Wasser, einen Platz im Bus nach Kumasi und Prepaid-Handykarten. Etwas zu Essen besorgten wir uns auf der Fahrt, Ananasstücke. Verständlich, dass wir nach der Fahrt höllischen Hunger verspürten! Übrigens war der Beifahrer ein eindrücklicher Zeitgenosse, da eins seiner Knie der Schnittpunkt zweier biogener Geraden war, die orthogonal zueinander lagen. Vermutlich wurde er ordentlich von einem Auto gerammt, konnte sich aber die Krankenhauskosten nicht leisten. Heftig!

Nun aber wieder zurück zu unserer Reise durch halb Ghana. Als wir uns langsam Kumasi näherten verließen die Menschen den Bus, was uns überlegen ließ, ob wir überhaupt wussten, wo wir auszusteigen hatten. Natürlich nicht! Also rief Ruven Sakkordie an, der erst versuchte Ruven zu erklären, was er wollte, aber da es am Telefon zu schwer war dieses akzentreiche Englisch zu verstehen, gaben wir das Telefon einfach dem Busfahrer, der uns dann sicher absetzte.

Nach einer halben Stunde Wartezeit, vielleicht auch mehr, kam dann Sakkordie und rief uns 2 Taxis mit denen wir dann endlich und wohlbehalten am Denkyemuoso (sprich: Dentschemuoso) Vocational Training Centre ankamen. Wir luden unsere Sachen ab und riefen sofort nach Essen. Dieses Bedürfnis verstand Sakk natürlich und ließ uns mit George, einem Lehrer, ins nahe gelegene Kwdaso (sprich: Quadaso) fahren und dieser besorgte uns Reis, Nudeln, Salat und Chicken Wings, aber auf ghanaische Art… ich kann es eigentlich nicht beschreiben…

Auf dem Rückweg nahmen wir dann noch Anti-Malaria-Mittel mit, für die natürlich keine Verschreibungspflicht bestand.

Zurück in Denkyemuoso hängten wir erstmal mit Hilfe von Milicent, der Schulsekretärin und „guten Seele der Schule“, wie beim Seminar von den vorhergehenden Freiwilligen betitelt, die Moskitonetze auf. Diese sollten sich, wie ich jetzt weiß, als unangenehm erweisen, da man sie beim Schlafen nicht berühren sollte, weil die Moskitos sonst trotzdem stechen können und ich durch die Netze die ganze Zeit munter werde… Naja, was soll’s.

Ach ja, wir 3 Jungs haben ein Zimmer mit 2 Betten bekommen, während Mareike ein ganzes Zimmer für sich selbst bekommen hat. Man sie einfach lieben, die ghanaischen Traditionen… Das reicht jetzt an Rumgeheule für den Anfang.

Der nächste Tag war ein Samstag. Wir wollten ihn nutzen um endlich mal einen Nahrungsvorrat anzuhäufen. Doch bevor wir in die Stadt fahren konnten, bekamen wir unseren ersten kleinen Besucher, Dennis, den Sohn einer guten Freundin Milicents, der hier über die Ferien wohnte. Wir entschieden mit ihm Fußball spielen zu gehen, doch kaum waren wir draußen und spielten etwas hin und her, kamen schon andere Kinder und wollten auch spielen. Zunächst Meawis und Measi, 2 Mädchen, die wir, wie ich jetzt weiß noch öfter treffen sollten.

Nun ja, die beiden Mädchen wollten lieber reden als spielen und so verrieten wir unsere Namen, Alter, blablabla… Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass die Beiden im Verhältnis gesehen gut Englisch sprechen konnten, aber es reichte dennoch nicht für viel mehr als die Gespräche, die man in den ersten Jahren Englischunterricht beigebracht bekommt… Erschwerend kam noch hinzu, dass man den jeweils anderen Akzent nur schwer verstehen konnte, aber man gewöhnt sich langsam dran. Nach einer gewissen Zeit kamen dann auch noch einige Kinder und bald war ich das „menschliche Klettergerüst“ und musste nebenbei auch das Fußballspiel im Auge behalten. Klingt einfach, aber in diesem heißen und humiden Wetter war es gar nicht so einfach!

Einer der kleinen Jungs fand Schlagen ganz toll aber ich wusste nicht so recht, wie ich ihm bedeuten könnte, dass ich das nicht so toll finde. Denn Worte zählen bei der Erziehung dieser Kinder nicht so viel wie eine strenge Hand. Auch wenn es nicht wirklich geholfen hat, hab ich immer wieder „Stopp“ und „Chai“ (Stopp auf Twi) gesagt bis die anderen Kinder den Übeltäter von mir wegzerrten und ihn zu schlagen begannen…

Wie auch immer, nachdem wir entspannt hatten, ließen wir uns dann von Milicent nach und durch Kumasi führen. Aber zu fünft nach Kumasi zu kommen war ein zeitaufwendiger Auftrag. Denn alle Trotros (eine Art Bus) waren voll, bzw zu voll für uns. Letztendlich nahmen wir ein Trotro welches von Kumasi kam und blieben dann am Wendepunkt einfach sitzen. So dauerte die Fahrt aber auch eine gefühlte Stunde.

In Kumasi tauschten wir dann Geld und hoben Geld ab, was aber gar nicht so einfach war, da kaum ein Visaautomat funktionierte… Insgesamt waren wir an 4 unterschiedlichen Banken um etwas Geld zu bekommen, doch erst der fünfte brachte das erwünschte Ergebnis. Danach gingen wir in einen Supermarkt, der aber verhältnismäßig teuer war, denn wir bezahlten umgerechnet 40 Euro (80 Cedis) für Nahrung, die für nur 4 Tage reichte… Wobei Abendessen noch extra organisiert werden musste. Aber naja, im Verlaufe unseres Aufenthalts merkten wir, dass es nur halb so teuer ist, wenn man auf dem Markt einkaufen geht (und europäische Sachen, wie Corn Flakes weglässt).

Nach all diesen Geschehnissen war ich extrem müde und wollte einfach nur noch nach Hause, was dankbarerweise auch unser nächstes Ziel war. Das Trotro nach Denkyemuoso stand auf dem riesigen Busbahnhof und ohne Milicent hätten wir das Trotro wohl nie gefunden. Als wir endlich im Trotro saßen wurde ich noch schön von einem Missionar vollgequatscht, dem ich dann einfach versicherte gläubig zu sein, um dem Schlimmsten zu entgehen.

Zu Hause machten wir uns etwas Reis und aßen ihn zusammen mit Tomatenmarksoße. Sehr kulinarisch, aber in unserer Lage wäre uns vieles Recht gewesen, da dies unser erster Snack des Tages war. Nach dem Essen wollte ich eigentlich Abwaschen, aber auf dem Weg zur Küche wurde mir von einem einheimischen Mädchen zugewunken. Nichts Unnormales, denn die ganze Zeit waren wir nur am winken und begrüßen und „how are you“-en. Wie auch immer, sie stellte, wie gewöhnlich einige Fragen. Da wir über eine relativ große Entfernung redeten, kam sie zu uns herüber und kam dann auch bald zum Punkt. Sie wollte meine Handynummer (gar nicht gewöhnlich!!!!). Nun ja, irgendwie schaffte ich es mich nach einer gefühlten halben Stunde von ihr zu verabschieden ohne sie zu sehr gekränkt zu haben und ohne meine Handynummer preisgegeben zu haben.

Danach säuberte ich meinen Rucksack, der nach vergammelter Ananas stank und legte ihn nach draußen zum trocknen. Am nächsten Morgen war er dann weg… Toll! Aber glücklicherweise stellte sich heraus, dass Sakkordie ihn bei sich aufbewahrt hatte, um Diebstahl vorzubeugen. Den Schock bestohlen worden zu sein, hatte ich aber für einen ganzen Tag.

Abgelenkt wurde ich dann aber in der Kirche, denn es war Sonntag und wir folgten Milicent strebsam zur Pentecost Church in Kwdaso. Aber wir sind nicht in den Twi-sprachigen Unterricht gegangen, weil wir etwas verstehen sollten. Der Gottesdienst war auf jeden Fall verrückt. Die ganze Zeit wurde gesungen und getanzt und es wurden epische Reden geschwungen, darüber, dass Entscheidungen und somit das ganze Leben im Gehirn beginnen und man durch das Lesen der Bibel und Jesus‘ Taten zu einem Bild Jesus werden kann. In Amerika fühlte sich ein einstündiger Gottesdienst immer an wie 3 Stunden. Der 3-stündige Gottesdienst hier ging dafür extrem schnell vorbei! Am Ende wurden unsere Personalien aufgenommen und wir wurden gebeten doch bald wieder zu kommen.

Als wir nach Hause kamen, war ich müde, wie eigentlich die ganze Zeit! J Nach einem erholenden Mittagsschlaf kam Dennis vorbei und wir spielten wieder Fußball und wieder kamen alle möglichen Kinder und spielten mit uns. Dummerweise verdrehte ich mir bei einem unvorsichtigen Manöver den Knöchel und musste aufhören.

Am Abend des Tages wollten die anderen noch einen trinken gehen, aber ich war so müde, dass ich schon gegen halb 8 einschlief.

Montag, so entschied ich sollte Waschtag werden und so geschah es auch. Die Nachbarin, eine ältere Frau, zeigte mir wie, obwohl sie große Probleme zu gehen hatte und sie in Deutschland sicherlich in ihrer Wohnung geblieben wäre ohne sich um mich zu kümmern. Ohne Waschmaschiene zu waschen erwies sich als leichter als gedacht, aber es war auch zeitaufwendiger als ich es mir gewünscht hätte. Naja, als dann alles aufgehängt war, wurde ich sogar von Oti, einem anderen Lehrer, beglückwünscht es so gut gemacht zu haben, weil er nicht erwartet hätte, dass ein weißer Mann sowas beim ersten Mal hinbekommen könnte. Hihi