Tagesarchiv: September 13, 2010

Time flies, when you enjoy yourself.


Schon wieder sind fünf Tage vorbei und ich will ein bisschen zusammenfassen, was so passiert ist. Heute ist Sonntag, der 12. September.

Cornelius und mich hat die Basketball- Lust gepackt. Wir haben also den Coach gefragt, ob er uns einen Platz in der Nähe zeigen kann und wir verabredeten uns für Samstag Morgen um acht Uhr. Dazu muss man sagen, dass es hier in Ghana irgendwie nicht gerne gesehen wird, wenn man zu spät Sport macht. Den Grund dahinter habe ich bisher noch nicht herausgefunden. Ich habe beim Joggen gemerkt, dass man nach halb neun doof angeschaut wird. Je früher, je ruhiger sind die Straßen.  Sowieso muss ich sagen, dass ich zum Frühaufsteher mutiere. Wir sind meistens so ab sieben Uhr auf den Beinen.

Es wurde Freitag und ein unglaublich leckeres Festessen wartete auf uns. Fabian und Mareike haben spontan entschieden, Plantains und Contombrie- Sauce zu machen. Auf was süßes hatten die beiden auch Lust. Also wurden Zutaten für Bofrots gekauft. Jetzt ersteimal für alle dummen Europäer eine kurze Erläuterung: Plantains sind Kochbananen und Contombrie könnte man als den afrikanischen Spinat beschreiben. Bofrots sind frittierte Hefeteigbällchen mit Muskat. Wow, ich war selten so überfressen. Im Land des Nutellas schwer zu verstehen, doch hier in Ghana gibt es kaum Süßes zu essen. Deswegen war das Schokoeis, was wir in Sunyani gefunden haben auch ein wahrer Orgasmus für die unter Schokoentzug stehenden Geschmacksnerven.

Es wurde Samstag und es wurde acht Uhr. Kein Coach zu sehen. Wir haben  uns also erkundigt und sind auf eigene Faust los. Wie immer wurde uns direkt zurecht geholfen. Wir gingen zur Universität, die hier ganz in der Nähe ist und dort zeigte Sam, dessen Lieblingsspieler Jürgen Klinsmann und Franz Beckenbauer sind, den Platz. Fünfundzwanzig Leute tummelten sich dort und sogar drei weitere Weiße. Drei Missionare aus Texas, wie sich herausstellte. Die Cowboys hatten ihr erstes von zwei Jahren in Ghana bereits hinter sich gebracht. Nach zwei Stunden Basketball in der stickigen heißen Luft Ghanas schrien unsere Körper nach Wasser und Schatten und wir machten uns auf den Rückweg.

Es wurde Sonntag. Kirche mit Jeff. Letzte Woche hatten wir ihm wegen unserem Sunyani- Trip abgesagt. Nicht die üblichen vier, sondern fünf Stunden Service to God standen uns bevor. Nach drei Stunden wartete ich also auf das Ende, aber Pustekuchen. Auf dem Programm, das ausgeteilt wurde, waren keine Uhrzeiten eingetragen. „Es dauert so lange, wie es dauert.“, meint Jeff. Der Pastor wurde in Pension geschickt. Das war der Grund dafür, dass der Gottesdienst so lange gedauert hatte. Fünf Stunden Twi. Richtig, der Gottesdienst war nicht auf Englisch. Unglaublich interessant, fünf Stunden nur Bahnhof zu verstehen. Da waren die Tanzeinlagen zwischendurch echt eine willkommene Abwechslung und wir haben uns nicht lumpen lassen. Dann ging es zum dem Teil über, der mir Gewissenskonflikte breitet hat. „Wenn jemand für eine lange Zeit geht, ist es in Ghana Brauch, ihm ein Geschenk zu machen, damit es demjenigen unterwegs gut geht.“, wurde uns von hinten souffliert. Es wurde eine Spendenbox aufgestellt, dann ging es los. „Twenty Ghana Cedi!!“, alle die zwanzig Cedi spenden wollten, gingen nach vorne. „Ten Ghana Cedi…“, ziemlich krass, dass das nicht anonym passiert. „Five Ghana Cedi!“, ich habe mich entschieden, nichts zu geben. Ich hatte schon einen kleinen Betrag für die Gemeinde gespendet. Wie dekadent, offen zu zeigen, wer wie viel spendet. Ein Cedi von einer Person, die nur 6 Cedi pro Tag zur Verfügung hat ist schließlich mehr wert, als zwanzig von dem, den der Betrag sowieso nicht kümmert.

Die nächste Stunde habe ich mir Gedanken gemacht, wie es denn sein kann, dass Armut hier direkt auf Reichtum trifft und niemand ein schlechtes Gewissen hat. Dann kam der Punkt, an dem ich mir an die eigene Nase gefasst habe. Was habe ich denn Jahre lang in Deutschland in dem Wissen praktiziert, dass hier materielle Armut herrscht? Was werde ich vermutlich genauso weiterleben, wenn ich in einem Jahr wieder in Deutschland bin? Genau. Gut, dass das nächste Lied anfängt und ich meine Gedanken hinten anstellen muss. Ich bin gespannt, wie ich in einem Jahr über all das denke.

Heute morgen habe ich eine Monsterkakerlake mit dem in weiser Voraussicht gekauften Insektenspray in unserem Bad erledigt. Schlangen gibt es hier auch.

Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich bis zum nächsten mal.