Noch eine Woche warten.


Genug Zeit ist ins Land gegangen und ich denke, ich habe wieder genug Stoff für einen neuen Beitrag. Heute ist Freitag, der 17. September. Morgen hat mein Vater Geburtstag. Übermorgen Nathalie.
Ich werde mir überlegen müssen, wie ich die beiden erreichen kann, denn ein paar Tage liegen hinter mir, die von Pech geprägt waren. Zu dem Kontaktproblem später mehr. Alles fing damit an, dass ich am Montag ein Foto machen wollte. Es sollte ein vorher-nachher Foto werden. Vor unserer Haustür haben wir die kaputte Holztreppe abgerissen und ein paar Bauarbeiter starteten den Bau einer Beton-Treppe. Der Display blieb schwarz. Kamera kaputt. So halb jedenfalls. Ich kann immer noch fotografieren, sehe aber nicht was genau ich da knipse.
Dienstag war super. Wir sind in die Stadt gefahren mit dem Reiseführer in der Tasche. Bei Vic Baboo haben wir wie die Könige westliche Pizza gespeist!! Alter Schwede, war das lecker. Dann ging es auf ins Gewusel. Wenn ich Gewusel sage, dann meine ich das auch so. Wir wollten den Kejetia-Markt in Kumasi erkunden.
Nebenbei bemerkt: Kejetia ist der größte Markt in Westafrika und mit seinen über 10.000 Ständen auf ca. einem Quadratkilometer ziemlich unübersichtlich.
Von der Schneider-Ecke aus stürzten wir uns in das Getümmel. Vorher hatten wir schon abgesprochen, wo wir uns wiedertreffen, wenn wir uns verlieren. Außerdem hatte ich da noch ein Handy für den Notfall, aber dazu später mehr. Ich will kurz versuchen zu beschreiben, wie dieser Markt aussieht. Die Hütten sind Wand an Wand fest aufgestellt. Eine Hütte ist kaum größer als ein Miniatur-Gartenhaus und um einiges klappriger. Die Gänge zwischen diesen Hütten sind unterschiedlich breit. Die Hauptgassen sind so breit, dass notfalls ein Auto hindurch passt. Alle Gassen, die von diesen Hauptgassen abgehen sind ca. einen Meter breit. Auf diesem Meter quetschen sich Frauen mit unglaublich großen Schüsseln, gefüllt mit den verschiedensten Sachen zum Verkauf und allerhand mögliche Kunden durch. Diese Kunden gilt es zu überzeugen. Ein unglaubliches Stimmengewirr und Lautstärke ist also allgegenwärtig. Wir sind also durch die engen Gassen- ein Foto werde ich in der nächsten Woche auf jeden Fall noch hochstellen- und kamen nach und nach in das Nahrungsmittel-Viertel. Fliegen ohne Ende. Fleisch, dass bei 30°C im Schatten ungekühlt verkauft wird. Blut läuft in schmalen Rinnsalen über den Boden. Wow. Das ist fast zu viel für den Supermarkt-gewöhnten Deutschen. Das Fleisch, das wir hier essen ist aber nicht anders oder besser. Wir kaufen es ebenfalls auf solchen Märkten, nur sind diese Märkte deutlich kleiner. Kochen ist da die Devise. Kochen bis kein Bakterium mehr am Leben sein kann, auch wenn das durchaus eine Schuhsohlen ähnliche Fleischkonsistenz mit sich zieht. Zurück zum Getümmel. Wir sind eine dreiviertel Stunde durch den Markt gelaufen. Wir haben kaum die Richtung gewechselt, damit wir am anderen Ende wieder herauskommen und uns nicht verlaufen; sind also nur gerade aus gelaufen. So kann man, denke ich, eine Vorstellung von den Ausmaßen dieses Marktes bekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man hier irgendetwas nicht bekommen kann. Wir haben wunderschöne und wunderekelige Sachen gesehen. Von kunstvoll gewebten Kente-Stoffen bis zu getrockneten Affenhälften für den Verzehr. Wie gesagt, ich werde noch ein Foto hochstellen.
Mittwoch begann wieder mit einer Runde Basketball an der University Winneba in Kumasi. Eigentlich sollte heute unser erster Schultag aus der Lehrerperspektive sein. Kurzerhand wurde aber der Schulstart um eine Woche verschoben. Noch eine Woche, in der wir uns überlegen müssen, wie wir uns beschäftigen. „Morgen“ ist ein sehr beliebtes Wort in Ghana. „Wann bekommen wir unsere ID-Cards?“, fragen wir Jeff schon seit zwei Wochen. Seit zwei Wochen ist die Antwort: „ Tomorrow. I will call the guy.“ Ich denke mal, ich werde mich noch daran gewöhnen.
Am darauffolgenden Tag hatten wir uns einen Besuch im Cultural-Centre of Ghana vorgenommen. Dort werden alle möglichen ghanaischen Handwerkstraditionen wie Trommelschnitzerei oder Kente-Weberei vorgestellt. Echt sehr interessant. An dieser Stelle möchte ich erst auf meine Sonnenbrille und dann auf mein Handy zusprechen kommen. Sonnenbrille. „Denk dran, die gleich wieder mitzunehmen, wenn du die hier im Taxi auf die Ablage legst.“, Ruven steigt ohne Sonnenbrille aus dem Taxi. Weiter geht’s mit dem Trotro. Nachdem ich ausgestiegen bin, fällt mir meine leere Tasche auf. Das Handy muss mir aus der Tasche gerutscht sein. Als wir mein Handy anwählen, ist es bereits ausgeschaltet. Klasse -.-
Ich hoffe das war es jetzt ersteimal an Pech und Dummheit für die nächste Zeit. Ich weiß schon, was die werte Famlie zu diesen Zeilen sagen wird. „Typisch Ruven!“. Naja, ein bisschen recht haben sie.
Heute ist Freitag und Meeting mit dem Lehrerkollegium und dem Chief der Region angesagt. Um zwei Uhr soll es losgehen. Mit deutscher Pünktlichkeit sind wir am Treffpunkt und warten. Gleich werden wir den Chief treffen. Etwas nervös sind wir. Außerdem werden wir uns dem Lehrerkollegium vorstellen.
„Morgen.“, mehr muss ich dazu ja wohl nicht sagen.
Euer Ruven

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