Tagesarchiv: September 24, 2010

Die Arbeit ruft!


„Obruoni, ete sän?“- Weißer Mann, wie geht’s dir?

Langsam bleiben die ersten Sprachfetzen der lokalen Sprache Twi hängen. Wenn wir auf den Markt gehen können wir einiges schon in der Landessprache ordern. „Me to paano!“- Ich möchte Brot kaufen. „Mepa wo tschäu me“- Entschuldigung. Dazu möchte ich sagen, dass ich keine Ahnung habe, wie das richtig geschrieben wird. So hört es sich aber an. Das reicht denke ich erst mal für die erste Twi- Stunde.

Ja. Was ist in den letzten Tagen so passiert? Einiges, muss ich sagen. Heute ist Donnerstag, der 23. September. Der letzte Eintrag liegt also fast eine Woche zurück. Das zurückliegende Wochenende war von Sport geprägt. Samstag Abend waren wir mit Millie in einer Bar am Fußballstadion um Kumasi. War echt schön, mal wieder wenigstens etwas feiern zu können. Hier gibt es leider keine Roonburg und auch kein Underground. Wir werden das Nachtleben Kumasis noch genauer unter die Lupe nehmen. Ansonsten haben wir nicht viel unternommen. Montag morgen habe ich Sakkordie getroffen und ihn nach dem verschobenen Meeting gefragt. Fast beleidigt hat er ausgesehen und uns versichert, dass er rechtzeitig Bescheid sagt, wann das Treffen mit dem Kollegium stattfindet. „Okay“, denke ich mir und gehe meine Runde joggen.

Als ich wieder komme läuft Sakk mir wieder über den weg: „I hope you won´t be late!“. Im gleichen Moment kommt Fabian aus den Zimmer und meint, ich solle schnell duschen, da doch gleich das Meeting stattfinde. Klasse. Rechtzeitig Bescheid gesagt hat er, der gute. Wir waren noch pünktlich. In dem Meeting ging es darum, das größtenteils neu zusammengewürfelte Kollegium mit einander bekannt zu machen. Los ging es also mit einem Frühstück und einer kleinen Vorstellungsrunde. Jeder musste dazu sagen, ob er single oder vergeben ist. War schon komisch, als die 150 kg Lehrerin Debbie (passenderweise die Catering-Lehrerin) mich fragte, ob ich single sei. Das scheint hier aber normal zu sein. Weiter ging es dann mit Jeffs (Präsident German Ghanaian Frendship Association) Rede, in der er die Lehrer zu Disziplin und Aufopferung für die Schule aufrief. Aufopferung auch dann, wenn der Lohn mal nicht pünktlich gezahlt werden kann. Umgerechnet 110 Euro verdient hier ein Lehrer der untersten Lohnklasse im Monat. Damit gehört man hier schon zu den etwas besser gestellten. Man muss sich das echt mal überlegen. Ich habe hier 150Euro im Monat. Das sind ca. 5 Euro pro Tag, von denen 3Euro pro Tag ungefähr für Essen drauf gehen. Ein Lehrer, der weniger verdient und dafür noch ein zwei Kinder hat, kommt trotzdem damit aus. Man muss dazu sagen, dass wir Wert auf gutes und vor allem viel Essen legen. Wenn man will, kann man auch mit 1Euro pro Tag für Essen auskommen.

Zurück zu dem Meeting. Es ging weiter mit verschiedenen organisatorischen Sachen, die ziemlich uninteressant und langatmig waren. Sechs Stunden hat der Spaß gedauert. Danach sind wir noch nach Kumasi gefahren um noch ein paar Sachen (ein neues Handy) zu besorgen. Eine neue Nummer habe ich bis heute noch nicht. Ich habe zwar eine Sim-Karte besorgt, habe aber noch niemanden gefunden, der mir mit der Registrierung weiterhelfen kann. Ich denke ich werde morgen oder so nochmal deswegen in die Stadt fahren.

Dienstag war der „Founders-Day“. Feiertag in Ghana und wir haben uns auf nach Botswumtrie gemacht. Das ist ein kleiner Distrikt ausserhalb von Kumasi, in dem es einen See geben soll. Wir wollten mal einen Tag in der Sonne liegen und schwimmen. Los ging es, mit dem Trotro nach Kumasi. Eine halbe Stunde dauert das meistens. Das nächste Trotro zu finden, sollte sich als nicht so einfach erweisen. Wir haben uns eine weitere halbe Stunde lang durchgefragt und sind schließlich doch noch am richtigen Auto angekommen. Eine Stunde später sind wir in der Stadt nahe des Lake Botswumtrie angekommen. Mit dem Taxi ging es auf die letzte 5 km-Etappe. Uns war schon die schöne Landschaft draußen aufgefallen, doch was dann kam sollte alles bisherige übertreffen. Die Gegend war dort etwas bergiger und extrem grün. Als sich unser Taxi die Straße zwischen zwei Bergen entlang hangelte konnten wir den ersten Blick auf den See werfen, der vor uns lag. Umrahmt von wunderschönen kleinen Bergen und in der Sonne glitzernd, seelenruhig wartete der See auf uns. Ich muss sagen, dass ich schon da mehr sehenswertes fotografiert hatte, als auf dem kompletten Trip in den Nationalpark in der Brong-Ahafo Region. Am Ufer des Sees lag ein kleines Dorf, das vom Tourismus dort lebt. Trotzdem waren bloß 40 Leute dort um zu baden. Ein paar hundert Meter weiter lag die Paradise-Lodge. Unglaublich schön gelegen, komplett in weiß  mit Strohdächern. Am Strand eine Kokos-Palme neben der anderen. Zwischendrin die ein oder andere Bananen-Palme. Bin ich im Urlaub oder was? Nix wie in die Badehose und ins Wasser. Das Wasser hat Pipi-Temperatur. So roch es aber glücklicherweise nicht. Im Gegenteil, der Strand war im Gegensatz zu fast allem, was man in Ghana sieht, sauber! Perfektes Urlaubsfeeling für einen Tag, denn Mittwoch ging es endlich ans Arbeiten.

Sakkordie hat uns zu sich bestellt, um jedem seine Aufgaben und Verantwortungen mitzuteilen. Ich werde Mathe als Assistance-Teacher unterrichten. Dazu kommen verschiedene Deutsch-Kurse und meine Pflichten als Bibliothekar und Assistenzhausmeister für den Jungentrakt. Einen genauen Stundenplan haben wir noch nicht bekommen, aber Sakk kümmert sich darum. Den Stundenplan brauchten wir auch erst mal nicht, denn Mittwoch ging es mit etwas alternativer Arbeit los. Erde karren um die Treppen fertig zu stellen. Unter der Sonne Afrikas echt ein spaßiges Unterfangen. Wir haben geschwitzt ohne Ende! Aber wir haben alle drei Treppen soweit fertig bekommen, dass die Bauarbeiter in den nächsten Tagen den letzten Schliff machen können. Außerdem haben wir endlich unsere ID-Cards bekommen! Internetaccess sollte eigentlich heute auch geregelt werden, aber das Netz war leider offline. Ein Passwort und einen Nutzernamen haben wir aber, sodass wir wenigstens in der Theorie die Möglichkeit haben, umsonst das Internet an der Uni zu nutzen. Ich bin mal gespannt, wann sich die ganze Internet-Kiste stabilisiert und wir regelmäßiger online sein können.

Später haben Fabian und ich uns um unser kleines Bibliothek-Reich gekümmert. Die Ordnung hier ist doch etwas fragwürdig und so haben wir uns entschieden, die Bücher neu zu registrieren und zu ordnen. Das ist, was wir heute den ganzen Tag gemacht haben. Daran werden wir denke ich auch noch die ein oder andere Woche zu knabbern haben. Witzig finde ich, dass beinah die Hälfte der Bücher auf Deutsch sind. Viele Romane und Sachbücher, mit denen hier einfach keine etwas anfangen kann. Ich denke es geht eher um Prestige, denn ich habe auch noch keinen der Schüler ernsthaft mit einem Buch hier gesehen. Der Unterricht ist noch nicht wirklich los gegangen. Ich habe auch mit dem Mathelehrer noch nicht gesprochen.

Wie dem auch sei. Fabi und ich haben es uns zum Ziel gemacht, die Biblio so zu gestalten, dass die Schüler und Lehrer gerne herkommen. Leseabende, Einführungskurse zu dem Thema „Wie nutze ich die Bibliothek richtig?“, eine gemütliche Leseecke und weitere Bücher, die wir anschaffen wollen sind nur die ersten Pläne. Nicht das ihr denkt, wir haben hier eine riesen Bibliothek. Der Raum ist etwa 50 qm groß und in den vier Regalen stehen ca. 600 Bücher. Von Nutzen ist aber nur ein kleiner Teil des Inventars. Heute haben wir rund ein Drittel der Bücher registrieren können. Ich bin mal gespannt, wie es weiter geht. Ein weiterer Plan von uns ist, die Mülltrennung einzuführen. Wir wollen Mülleimer aufstellen und mit einigen Trupps das Gelände vom Müll befreien. Problematisch ist, dass es hier keine Müllabfuhr gibt. Der Müll wird danach also trotzdem leider einfach verbrannt. Wenigstens den Bio-Müll wollen wir auf einem Komposthaufen sinnvoll und umweltfreundlich sammeln. Aber das ist alles noch Zukunftsmusik. Updates folgen.

So, das war es dann mal wieder von mir. Leider ist unser Internet-Café seit zwei Wochen ohne Internet. Ich fühle mich etwas abgeschottet vom Rest der Welt und hoffe, dass ich bald wieder ein oder zwei Mal die Woche ins Internet kann. Am meisten vermisse ich es, eine bestimmte Person zu sehen. Auch wenn wir nur skypen können, ist es doch total schön, sie zu sehen und zu hören.

Ihr hört von mir,

Die besten Wünsche aus Ghana an alle Leser!

Langsam aber sicher faengt es an…


Bis Montag (20.09.) haben wir Versucht unsere Tage irgendwie rumzubekommen und haben nicht wirklich irgendwas weltbewegendes gemacht.

Am Samstag wollte ich eigentlich mit meiner Familie skypen und in Ruhe mit Ihnen ein Stunde reden. Sie einfach mal wieder sehen. Aber mal wieder wurde einen ein Strich durch die Rechnung gemacht. Unser normales Internetcafe funktioniert im Moment nicht mehr. Die Ausweichcafes sind nicht wirklich gut und haben vorallem kein Skype. Jetzt dürfen wir immer extra nach Kumasi fahren um ins Internet zu gehen und die Wiedereröffnung unseres Cafes ist auch noch nicht abzusehen.

Aber so wie es aussieht geht es mit unseren free Internet langsam voran.

Samstag abend waren wir mit Milli in Kumasi in einer Bar. Das war richtig lustig. Am Anfang saßen wir drinnen, jedoch haben wir uns dann raus gesetzt. Das war auch die richtige Entscheidung. Es hat eine Lifeband gespielt, aber in einer Lautstärke… unglaublich. Alle Menschen haben irgendwie getanzt, jedoch sind nicht alle auf die Tanzfläche gegangen manche sind auch einfach an ihren Tisch aufgestanden und haben getanzt wenn sie das Bedürfnis dazu hatten. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Ghanaer wahnsinnig stolz auf ihren Arsch sind, der wird hier beim Tanzen viel mehr eingesetzt als in Deutschland, manchmal sieht das einfach nur ein wenig komisch für uns aus. Ich glaube, dass das daran liegt, dass hier einfach ein anderes Schönheitsideal gilt. Hier gelten fette Ärsche glaube ich als schön.

Ich fand die Stimmung in der Bar aber einfach nur richtig cool, weil die Leute einfach viel lockerer drauf sind. Es wirkt einfach alles viel lebensfroher dadurch, dass es lauter ist und die Leute einfach tanzen.

Am Montag hat sich dann das erste Mal hier in der Schule etwas gemacht. Wir hatten eine Oriantation. Das Geilste an der ganzen Sache war, dass wir zwar wussten, dass die Montag ist, jedoch keine Uhrzeit wussten. So kam es, dass Milli um kurz vor 9 in mein Zimmer kam und mich fragte, ob ich nicht wüsste das die Oriantation sei und hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich noch passend kleiden solle.

Die Oriantation hat fast den ganzen Tag gedauert und war so eine Art Workshop für Lehrer. Ich fand es teilweise echt ein wenig langweilig. Uns wurden Regeln ausgeteilt (ca 15 Blätter) und wir sind jeden einzelnen Punkt durchgegangen, egal wie selbsterklärend die Punkte waren… und es waren eigentlich alle Punkte selbsterklärend! Das hat echt ewig gedauert.

Bei der Oriantation ist aufgefallen, dass man in einer anderen Kultur ist. Zum Beispiel wurde uns als Lehrern aufgetragen, dass wir, sofern wir irgendwelche Homosexualtiät sehen, diese sofort fotografieren sollen und an die Pinnwand heften sollen. Wir sollen die Leute quasi an den Pranger stellen. Ich weiß jetzt schon, dass ich das definitiv nicht machen werden.

Es ist ein wenig merkwürdig auf einmal auf der anderen Seite zu stehen und nicht mehr Schüler, sondern Lehrer zu sein und auch die ganzen Pflichten der Lehrer zu haben.

Wir müssen uns ab jetzt jeden Tag um 8.00 Uhr einschreiben und gegen 3.00 Uhr dürfen wir uns dann wieder austragen und sofern wir das Grundstück verlassen müssen wir uns in das Movementbook einschreiben. Es findet zwar im Moment noch keine Schule statt, aber trotzdem müssen wir uns aus- und einschreiben und alle Lehrer müssen da sein, damit das besser aussieht.
Am Dienstag war in Ghana jedoch erst mal ein Feiertag. Der Founders Day. Er errinnert an Nkurumah und die Leute um ihn, die Ghana geholfen haben zu einen unabhängigen Land zu werden. Man hat aber von dem Feiertag an sich eigentlich garnichts mitbekommen.

Wir haben den Tag genutzt um einen Ausflug zu machen und sind in zu dem nahe gelegenen Bosumtwi (einen See) gefahren. Wir sind sehr viel länger hingefahren als wir erwartet haben, was dazu geführt hat, das wir nicht sehr viel Zeit am See hatten. Aber der See ist einfach so wunderschön, wie aus einen Bilderbuch…richtig geil.

Hier werden wir auf jeden Fall noch mal hinfahren und einen Tag verbringen, jetzt wissen wir ja auch, dass man länger fährt und früher los fahren muss.

Am Mittwoch haben wir dann endlich unsere ID Cards bekommen.

Mittwoch war auch unser erster „Arbeitstag“ nachdem wir uns also eingeschrieben haben, durften wir uns also direkt in das Movementbook einschreiben.

Wir alle waren etwas erstaunt, dass man das was wir bekommen haben, wirklich als ID Card bezeichnen darf. Das ist einfach eine Karte, mit Name, Natianalität und Foto. Drauf steht auch nicht ID Card sondern GGFA Membership Card. Naja so lange das alles so funktioniert, wie es uns gesagt wurde das es funktioniert, soll es mir egal sein.

Abends haben wir dann den Typen vom free Internet getroffen, der hat das ganze zwar auf einen unserer Laptops installiert, jedoch konnten wir es irgendwie dann doch nicht benutzen. Naja mal gucken wann wir es endlich benutzen können.

Am Donnerstag wurde ich im Kindergarten eingeführt. Wie alles war auch das ganze wieder relativ informell. Ich wurde den Frauen vorgestellt, habe dann 2-3 Stunden im Kindergarten gechillt, nicht viel mitbekommen, da die ganze Zeit Twi geredet wurde und habe meinen Stundenplan abgeschrieben. Ich bin ja echt mal gespannt wie das dann mit den Sprachen wird, wenn ich da arbeite und ob ich überhaupt wirklich die Möglichkeit habe mit den Kindern so richtig in Kontakt zu treten. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen jetzt mal ranzuklotzen und Twi zu lernen.

Am Montag ist dann mein erster Arbeitstag. Ich arbeite jeden Tag von 8.15- 1.30 im Kindergarten und assistiere den Betreuern. Der Tagesablauf ist eigentlich immer abwechselnd Unterricht und Pause. In Ghana lernen die Kinder schon im Kindergarten rechnen und schreiben.

Ich habe heute Wäsche gewaschen und meine ganzen Hände sind kaputt und das obwohl ich alle Ratschläge von Milli beachtet habe, aber meine Wäsche ist sauber, hat ja auch nur 3 Stunden gedauert. Ich frag mich echt wann ich mich daran gewöhnen werde… meine ganzen Arme tun weh.

Jetzt weiß ich zumindestens warum alle ghanaischen Frauen so Monsteroberarme haben, die haben ja auch genug Training die ganze Zeit.

Also… Meko ne merebedidi afei mebesua twi.

(Das ist zwar nicht ganz richtig wahrscheinlich, soll aber heißen: Ich gehe und werde essen danach werde ich Twi lernen)

Also liebste Grüße

Mareike