Tagesarchiv: September 26, 2010

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So ich habe gerade gemerkt, dass ich seit 10 Tagen nichts blogmäßiges geschrieben hab, also dürfte alles was jetzt kommt eher in Kurzfassung und etwas durcheinander kommen. Ich weiß noch, dass wir an einem Dienstag zurück gekommen sind und ich jetzt also über einen Mittwoch berichten sollte… Ein Mittwoch an den ich mich jedoch gar nicht erinnern kann! Nun ja, die letzten paar Tage waren auch nicht allzu eindrücklich. Ich erinnere mich noch, dass wir in letzter Zeit oft gut und viel gegessen haben, zum Beispiel Jolloffreis (Tomatenreis mit unterschiedlichem Gemüse). Außerdem haben wir im Laden um die Ecke ein Joghurteis gefunden, welches seinen Zweck mehr als genügend erfüllt, nämlich den Zuckerhaushalt aufrecht zu erhalten. Ach ja, außerdem haben wir am Freitag nach unserer Rückkehr aus Sunyani  etwa 6 Stunden Essen gemacht, mit der freundlichen Unterstützung von Milis Mutter und Mili selbst. Es gab wieder mal Kochbananen mit einer Art Spinatsoße. Diesmal jedoch nahmen wir nicht den Fisch, welcher der Soße Geschmack geben sollte. Denn uns allen schmeckt der ghanaische Fisch nicht so recht. Er sieht auch nicht allzu appetitlich aus, wenn man ihn kaufen will. Naja, dann gab es jedenfalls noch ein Highlight: Bofrot. Darunter kann man sich eine Art Pfannkuchen (also ich meine Berliner, oder wie auch immer…) vorstellen, die jedoch ohne Zuckerglasur oder Marmelade gemacht werden. Es war ein lustiger Nachmittag und Mareike und ich wurden oft wegen unserer Unfähigkeit ausgelacht. Wir aßen an diesem Abend so viel, dass wir, als wir danach in die Bar gingen kaum noch etwas trinken konnten.

Eines Tages wollten wir Bananen und Orangen holen, denn Obst ist zu meiner neuen Süßigkeit geworden, weil sie erschwinglich und lecker zugleich ist. Nun ja, nach kurzer Zeit waren die Kinder wieder um uns versammelt und wir erzählten ihnen von unserem Vorhaben. Das geniale war, dass sich Meawis für uns eingesetzt hat und wir durch sie auf irgendeinen Hinterhof gebracht wurden, auf dem wir dann Bananen für wenig Geld kaufen konnten. Die Verkäuferin hat nebenbei auch noch 2 Jahre in München verbracht. Deswegen kann sie auch das Basic-Deutsch. Das ist eigentlich immer ganz witzig. Auf dem Rückweg wollten wir noch Orangen kaufen. Meawis lief zu einer Tür, die wir vorher nie angerührt hätten, klopfte und wir bekamen 10 Orangen für umgerechnet etwa 50 Cent. Seit diesem Tag kauften wir eigentlich fast jeden Tag. 10 Orangen, etwa 20 Bananen und 10 Packungen Erdnüsse. Klingt viel, ist aber ratzfatz weg!

Am Sonntag nach der Rückkehr gingen wir mit Jeff in die Kirche. Das war alles anstrengender als gedacht. Am Vorabend rief ich Jeff an, um ihm unsere Entscheidung mitzuteilen. Er redete viel und letztendlich teilte ich den anderen mit, dass wir um 9 abgeholt werden sollten. Glücklicherweise stand ich am nächsten Morgen viel zu früh auf und erfuhr, dass wir um 8 abgeholt werden sollten. Sakkordie bestellte uns ein Taxi zur Kirche und wir genossen die Fahrt. Angekommen, liefen wir erstmal in die falsche Kirche. Nach der Aufklärung der Verwechslung gingen wir dann zur riesigen Kirche nebenan, die aber noch nicht annähernd fertig gebaut war, jedoch immerhin ein Dach hatte. Wir erfuhren, dass um 9 der Gottesdienst beginnen würde, wir waren also 30 Minuten zu früh.

Nach einer Stunde kam Jeff mit seiner Tochter, die wirklich unglaublich süß war. Er meinte auch, dass sie süß sei, aber fett J Nun ja, er erklärte uns die Eigenarten der Kirche und übersetzte uns die Predigt, die auf Twi war. Außerdem forderte er uns auf zu tanzen, was wir später auch taten. Alle tanzten! Zwar nicht die ganze Zeit, aber während Lieder gesungen wurden, ging es los…

Unglücklicherweise sollte zu diesem Gottesdienst ein Pastor verabschiedet werden. Es war eine meiner Meinung nach unwürdige Verabschiedung, in der es nur um Geld und Anerkennung ging. Sie erinnerte kein Stück an das Ghana, welches ich kennen gelernt hatte. Aber in einer gewissen Hinsicht, sagte Jeff, ist das wohl Tradition. Naja, nach 5 Stunden Gottesdienst waren wir erledigt und durften nach Hause.

Die nächsten Tage bestanden für mich aus Entspannung. An einem Tag ging ich mit Ruven und Cornelius Basketball spielen. Das zeigte mir, dass ich total aus der Form bin. Naja, vielleicht war ich auch nie genug in Form um ernsthaft Basketball zu spielen. Heute, am Freitag, 17. September, war ich nochmal mit am Basketballplatz, nahm mir aber einen Volleyball mit. Dadurch kam ich endlich mal wieder zum Spielen.

Am Mittwoch hätte eigentlich die Schule beginnen müssen, doch der Schulstart wurde verschoben. Genau, wie der Tag, an dem wir umsonst Internet und ID Cards bekommen sollten. Naja, anders als die beiden Dinge, wird die Schule aber relativ sicher nächste Woche Dienstag beginnen. Wir haben jetzt auch unsere Aufgabenfelder bekommen. Ich werde mehr zu tun haben, als ich erwartet habe. Was sicherlich von Vorteil sein wird, weil so die Zeit schneller vorbei gehen wird. Und ich am Ende auch auf etwas zurückblicken kann, für das ich mich nicht zu schämen brauche.

Gestern waren wir dann noch in Kumasi und haben uns das Kulturzentrum angeschaut. Das war zunächst nicht übermäßig spannend. Wir waren im Prempeh II. Museum, wo wir durch ein Rund geführt wurden und uns zu Ausstellungsstücken, wie Bildern, Trommeln und Gebrauchsgegenstände unterschiedlicher Asantekönige, Geschichten angehört haben.

Später jedoch sind wir auf eine Trommelschnitzerei gestoßen, wo Trommeln selbst gemacht wurden, pro Trommel etwa eine Woche Arbeit. Einfach geil! Dort und im nebenstehenden Souvenirshop haben wir noch lange Zeit verbracht, bevor wir nach einem Einkaufsbummel zurück nach Hause gefahren sind.

Wenn ich mir diesen Blockeintrag so anschaue, dann spiegelt er die letzten Tage ziemlich gut wieder. Es gab ein, zwei kleine Höhepunkte, aber sonst bestand unser Leben nur aus Faulenzerei und Essen (kochen).

Und wieder sind viele Tage vergangen, an denen ich nichts geschrieben habe, jedoch ist es diesmal anders… J Zunächst trug sich nicht viel zu und dann passierte so viel, dass ich entweder keine Zeit oder keine Kraft hatte um wirklich viel zu schreiben.

Heute ist ein Sonntag und ich habe es mir erlaubt nicht mit zur Kirche zu gehen. Dafür erntete ich Unverständnis und misstrauische Blicke von Sakkordie, aber da muss ich wohl durch. Tja, so habe ich wenigstens Zeit mal in aller Ruhe etwas zu schreiben. So, was ist also passiert in den letzten 10 Tagen? Naja, vorletzten Freitag (der 17.9.) war eigentlich das Board Meeting geplant, also warteten wir den ganzen Tag nur darauf… Es fand letztendlich nicht statt, aber das hatte nichts mit ghanaischer Gelassenheit zu tun, sondern viel mehr mit einem unschönen Vorfall. Apau, der Architekt der Schule, erwischte eine Person (ob Schüler, oder Fremder ist uns nicht bekannt) bei einer unschönen Aktion im Badezimmer und schloss ihn daraufhin in selbigem ein. Das wiederum erzürnte dessen Familie so sehr, dass sie Apau zur Polizei schliff… Naja, im Endeffekt war Apau wohl im Recht, aber eben auch den ganzen Tag bei der Polizei. Somit konnte das Treffen nicht stattfinden. Beim eigentlichen Treffen war Apau dann jedoch nicht mal anwesend. Aber ich glaube sowieso, dass wir, was diesen Vorfall angeht einigen Missverständnissen gegenüber stehen. Nun ja, sei es, wie es ist. Samstag wollten wir uns dann endlich mal wieder dem Internet hingeben, doch, oh Schmach, das Internet Cafe wollte immer noch nicht so wie wir es wollten. Freundlicherweise wurden wir zu einem anderen Internet Cafe überwiesen. Mir war aber nach den ersten Minuten online klar, warum Jeff uns nicht in dieses geführt hatte. Nachdem wir alle enttäuscht und etwas frustriert nach Hause gingen, meldete sich aber Milicent und lud uns ein, mit ihr am Abend in eine Bar in Kumasi zu gehen. Was wir natürlich auch taten! Wir schnappten uns also ein Taxi und ein Trotro nach Kumasi und fuhren dann mit Mili zur Bar.

Zunächst setzten wir uns rein, weil es draußen zu kalt war. Hier bestellten wir unsere Getränke und vertieften uns in ein Gespräch. Ich zeigte Mili meinen Kartentrick, woraufhin sie überaus erstaunt war und es einfach nicht fassen konnte, dass ich ihre Karte gefunden habe. Daraufhin haben wir ihr Mau-Mau beibringen wollen. Das hat auch irgendwie geklappt, aber so ganz kapiert hat sie es wohl nicht… hihi Dann jedoch ereilte sie ein Anruf von ihrem Freund, der ihr erklärte, dass seine Mutter unbedingt ins Krankenhaus müsse und sie bitte kommen solle. Natürlich ließen wir sie gehen, nachdem wir ihr beteuerten, dass wir schon allein nach Hause finden würden. Die Stimmung war danach selbstredend bedrückt. Wir bestellten einfach noch etwas zu essen, nach Trinken war uns aber nicht mehr. Nach etwa 15 Minuten kam Mili zurück… Unerwartet! Sie klärte uns auf: ihr Freund sei extrem eifersüchtig, weswegen er ihr die Geschichte über seine Mutter erzählt habe. Schlussendlich, habe er nur abchecken wollen, ob sie wirklich in besagter Bar, mit besagten Leuten sei und sich nicht mit irgendwelchen Kerlen träfe… Sie konnte drüber lachen, aber ich will nicht wissen, was passiert wäre, wenn einer von uns 3 Kerlen, das bei seiner Freundin gemacht hätte.

Wie auch immer, danach haben wir uns dann trotzdem raus gesetzt, weil es drinnen einfach zu schicki micki war… Draußen ging die Post ab, da war eine Live-Band und eine Tanzfläche (auf der aber nur wenige Leute tanzten, aber mit der Zeit, stieg auch der Durchschnitt der tanzenden Personen).

Irgendwann wurden wir von Mili überredet zu tanzen, zunächst zierten wir uns, aber letztendlich fanden wir uns auf der Tanzfläche wieder. Einen der Tänzer muss ich aber noch erwähnen. Er war ziemlich offensichtlich betrunken und tanzte (wenn man das, was er tat, als tanzen bezeichnen möchte) völlig ohne Takt und Ästhetik. Man musste praktisch jedes einzige Mal lachen, wenn man ihn anschaute. Er war klein gewachsen, und hatte riesige Schuhe an. Milicent, der ich so etwas, wie Schadenfreude gar nicht zugetraut hätte, war sogar diejenige, die uns auf ihn hinwies.

Naja, dann war der Abend auch schon bald wieder vorbei und wir fuhren nach Hause.

Zwei Tage später fand dann besagtes Meeting statt. Wir wachten auf und wurden von Sakkordie angehalten uns doch zu beeilen, weil das Meeting gleich anfängt… Bis zu dem Zeitpunkt wussten wir nur, dass es ein Meeting geben sollte. Aber die Zeit wurde uns nie mitgeteilt. Naja, wir kamen natürlich etwas zu spät, so wie auch die meisten.

Aber da das Meeting mit einem Frühstück begann, spielte das keine Rolle. Im Meeting selber ging es eigentlich nur darum, dass uns unsere Rechte und Pflichten auf dem Campus klar gemacht werden, dazu gehörte absolute Gehorsamkeit den Autoritäten gegenüber, Vorbildcharakter für Schüler übernehmen (also keine Unanständigen Sachen tragen, oder tun), der Schule verbunden sein und, und, und… Das Meeting dauerte gute 6 Stunden oder so. Danach war ich für meinen Teil auf jeden Fall am Ende. Denn nach 3 Stunden zuhören, konnte ich mich einfach nicht mehr ernsthaft konzentrieren. Das klingt jetzt alles ziemlich negativ und ein Stück weit war die Umsetzung des Meetings nicht so großartig, aber wenn Jeff geredet hat, kam ein wenig Stimmung in die Bude, weil er alles sehr emotional besprochen hat. Naja, irgendwann war es auf jeden Fall auch wieder vorbei und wir machten uns auf nach Kumasi, weil wir noch einige Sachen brauchten, Briefe abschicken mussten und ein anderes Internetcafe ausprobieren wollten. Wir schafften es gerade so unsere Briefe zur rechten Zeit, kurz bevor die Post schloss, abzugeben, jedoch war die Interneterfahrung daraufhin nicht so positiv. Naja, man kann ja nicht alles haben. Auf dem Rückweg wollte ich partout nicht mehr als 5 Cedi für ein Taxi bezahlen müssen. Aber an ein Trotro war nicht so recht ranzukommen. Also liefen wir den Weg des Trotros, um vielleicht irgendwann mal einen Treffer zu landen. Auf dem Weg fragte uns einer wohin wir wollten. Er wohnte nur 5 Minuten von uns entfernt, weswegen er uns den preiswertesten Weg weisen wollte. Wir kamen also ins Gespräch… Es stellte sich heraus, dass er schon in Deutschland war (sogar in Leipzig!). Dadurch konnte das Gespräch auch halbwegs gut aufrecht erhalten werden. Wir liefen etwa eine halbe Stunde bis hin zum Krankenhaus, um dort doch in ein Taxi einzusteigen. Und zwar zu sechst… Unsere Begleitung war nämlich noch mit einer fülligen Frau unterwegs, weswegen Mareike dann das große, aber witzige Vergnügen hatte, sich mit besagter Frau den Vordersitz zu teilen…

Wie auch immer, Prince und seine Begleitung waren uns allen extrem sympathisch, weswegen wir die Nummern austauschten und uns bald mal wieder treffen wollten.

Am nächsten Tag war ein nationaler Feiertag, also dachten wir uns, dass man doch mal zum See fahren könnte, von dem wir bis dahin viel gehört hatten. Wir fuhren dafür nach Kumasi, von da aus zu einem Dorf und aus dem Dorf fuhren wir mit dem Taxi zum See Bosomtwe. Dieser war in einem absolut idyllischen Tal mit großartigster Fauna und Flora. Es sah aus, wie im Paradies! Anders kann man es einfach nicht beschreiben. Der See hatte gefühlte 30 Grad Temperatur… Aber immerhin, wir konnten endlich mal wieder baden. Und diesmal musste ich mich nicht mal schlecht dabei fühlen, weil noch ganz viele Einheimische mit uns im Wasser waren. Zum Überfluss war an diesem Dienstag auch noch das großartigste Wetter, das man sich wünschen kann (Mareike hatte am Ende des Tages einen kleinen Sonnenbrand). Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen… Wir haben den Tag genossen. Das Problem war nur, dass wir etwa 2,5 Stunden Fahrtzeit für eine Strecke hatten… Das heißt so viel hatten wir von dem See auch wieder nicht. Aber was beklage ich mich J

Die nächsten paar Tage waren extrem arbeitsreich… Am Mittwoch trafen wir uns zunächst mit Kwagye oder Kwakye (wie sein Name nun geschrieben wird, weiß ich nicht so recht, aber gesprochen wird er Quad(t)sche). Er ermöglichte uns endlich die ID Cards zu bekommen, mit denen wir uns hier in Ghana ausweisen können sollten. Dafür mussten wir zunächst erstmal unsere Namen aufschreiben und dann Bilder machen lassen. Am Abend machten wir uns dann mit Kwakye aus, wollten wir zurück kommen und uns endlich das kostenlose Internet zulegen. Doch das lag noch in weiter Ferne! Wieder zu Hause, halfen wir zunächst einmal mit den Treppen. Dafür schoben wir unzählig viele Fuhren Sand mit einer Schubkarre von A nach B. Das war extrem anstrengend, ich glaube ich war selbst nach dem heftigsten Krafttraining nicht so fertig, wie an diesem Tag. Aber mit den Treppen war es nicht getan, dann stand unsere nächste Aufgabe bevor: die Bibliothek. Wir sollten Bücher aus Deutschland in eine Liste eintragen. Klingt erstmal nicht so problematisch, aber es waren halt auch etwa 100 Bücher. Tja, es dauerte etwa zwei Stunden bis wir damit abgeschlossen hatten. Die Sache war nur, dass die existierende Liste unvollständig war und sowieso nicht so hilfreich. Also machten wir uns zur Aufgabe die Bibliothek general zu überholen. Also wollten wir alle 800 Bücher neu in eine Liste aufnehmen, dabei Autor, Titel, Thema, Sprache und Anzahl feststellen. Das nahm dann die nächsten 2 Tage in Anspruch. Nach der Bestandsaufnahme ist es nun unser Ziel, allen Büchern einen Code, basierend auf seine Daten zu geben und somit ein System in die Bibliothek zu bringen. Mittlerweile sind wir beim Code geben und haben schon weit über 10 Stunden daran gearbeitet.

Aber zurück zum Mittwoch… Nach dieser Arbeit war ich also noch geschaffter und hatte eigentlich nur noch Lust auf schlafen. Pustekuchen! Kostenloses Internet lag in der Luft. Also liefen wir zurück zur Uni und ließen an unseren Laptops rumwirtschaften. Nach gefühlten 2 Stunden hatten wir immer noch nicht das gewünschte Ergebnis erreicht. Als wir gerade nach Hause gehen wollten, sah ich, wie einige Leute Badminton spielten, also wollte ich mitmachen. Das tat ich dann auch, jedoch versagte ich, wie auch Cornelius, der später dazu kam, auf ganzer Linie. Aber das war uns egal, weil es trotzdem Spaß machte.

Am Donnerstag passierte nicht viel… Ruven und ich verbrachten den halben Tag der Bibliothek (zwischendurch ließ ich mich im Tischtennis von Schülern abziehen) und am frühen Abend dann besorgten wir für Cornelius und Mareike noch die Zutaten für Red-Red (Bohneneintopf mit fritierten, reifen Kochbananen). Dabei holten wir unter anderem auch Palmenöl, was wir aber unglücklicherweise am Stand liegen ließen, es jedoch nicht bemerkten. Auf dem Rückweg fiel uns ein, dass wir doch noch Antimalariamittel brauchten. Also gingen wir zurück in Richtung Markt, in dessen Nähe eine Apotheke war. Gerade als wir wieder aufbrechen wollten, kam uns die Frau vom Stand entgegen und brachte uns das Palmöl. Einfach so… Es war unglaublich! In Deutschland hätte es keine Sau so sehr gezuckt, dass sie dir hinterher rennt! Es war natürlich verhältnismäßig einfach uns zu finden, denn man musste nur den Broni-rufenden Kindern hinterher laufen, aber es geht auch ums Prinzip! J

Am Freitag beendeten Ruven und ich dann die Liste der Bücher, Zeitungen und Schallplatten (dabei waren auch einige Schätze, die man sicherlich für gutes Geld verkaufen könnte…). Aber es gab hier noch einen kleinen besonderen Zwischenfall… An unserem WC muss das Wasser manuell an und aus gestellt werden, um dann, wenn der Behälter voll ist, spülen zu können. Irgendwie muss ich es vor Müdigkeit am Vorabend vergessen haben, den Hahn zurück zu drehen… So ist es jedenfalls nicht verwunderlich, dass wir am nächsten Morgen etwas ungemütlich von Cornelius geweckt wurden. Denn unsere ganze Wohnung stand unter Wasser… Bzw, wortwörtlich etwa drei Viertel. Und unter der Tür ist das Wasser auch noch nach draußen geflossen und den Gang entlang… Bestimmt 10 Meter. Zum Glück ist es Cornelius relativ früh aufgefallen, sodass wir die Spuren meines Versagens noch Verwischen konnten. Ich fing sogleich an meine Sachen zu Waschen, so fragte auch keiner nach, woher die Wasserlachen vor unserer Tür kamen. Alles in allem ein sehr turbulenter Start in den Tag. Tja, danach und nachdem Ruven und ich in der Bibo fertig waren, begab ich mich dann mit Cornelius zurück zu Uni, um endlich mal das mit dem Internet hinzubekommen. Und es funktionierte natürlich wieder nicht, also gingen wir ganz unverblümt zurück zum Computermenschen (der übrigens übertrieben cool drauf war) und ließen uns sagen, dass es eigentlich funktionieren müsste. Also probierten wir es an einer anderen Stelle aus, und siehe da es lief. Sogar erstaunlich schnell. Fast so schnell, wie in Deutschland! Aber wir probierten es an einer Stelle aus, an der es keinen Strom gab, weswegen der Spaß auch ziemlich genau nach einer Stunde vorbei war, was aber auch gar nichts ausmachte! Denn wir waren neben der Angelegenheit mit dem Internet auch wegen Sport gekommen. Ich wollte sehen, ob ich endlich mal zum Volleyball spielen kommen würde und Cornelius wollte Basketball spielen, denn wie wir vom Badmintonspieler gehört hatten, war jeden Tag ab etwa 4 Uhr Sport bis Sonnenuntergang (also etwa 2 Stunden) angesagt. Also ich zum Feld kam, war dort aber absolut niemand… Also fragte ich nach. Ich wurde von 4 älteren Herren an einen jüngeren überwiesen, der mir anbot bis es losgeht doch bei ihm auf dem Zimmer zu chillen. Da ich nicht so recht wusste, was ich davon halten sollte, sagte ich einfach mal ja. Wir holten noch schnell Cornelius ab, der noch im Internet war und gingen mit besagter Person, deren Name ich leider vergessen habe, mit. Ich fühlte mich unwohl bei dem Gedanken, dass er wusste, dass ich einen Laptop mithabe und dann noch auf seinem Zimmer zu sein. Tja, es stellte sich heraus, dass er selbst einen Laptop hatte und extrem entspannt drauf war. Auch seine Zimmergenossen waren ganz cool drauf und spielten alle Basketball. Naja, irgendwann gingen wir zurück zum Sportplatz und sofort war mein Herz erfüllt von Freude! Da spielten ernsthaft welche Volleyball! Ich stellte mich an, um möglichst bald mitzuspielen. Nach einem Satz, war ich dann dabei. Es spielte keine Rolle, dass ich zunächst versagte, denn es war einfach großartig wieder ordentlich Volleyball zu spielen! Naja, ordentlich ist jetzt die Frage, aber es kamen ganze Spielzüge zustande und es war niveauvoller also das Spielen der meisten Hobbyligen. Am Ende des Trainings hielt der Trainer noch eine kleine Rede und sagte, dass am nächsten Tag um 5:30 Trainingsbeginn sei. Natürlich in der Frühe… Das möge jetzt manchen abschrecken, aber ich freute mich so sehr, dass ich mich am freitäglichen Abend schon um 20:30 ins Bett begab und mich zum Schlafen zwang. Und der nächste Tag war großartig! Zwar waren die ersten, wie es sich für Ghana gehört erst gegen 6 bis 6:30 da, aber das machte nichts, denn so konnte ich mich in aller Ruhe aufwärmen, sodass ich sogar ziemlich gut spielte und extrem viel Spaß mit den ganzen Leuten hatte. Gegen 8:45 wir der ganze Spaß vorbei… glücklicherweise, sonst wäre ich wohl noch umgefallen! Aber es zwischendurch gab es sogar eine kleine Verschnaufpause mit kostenlosem Getränk. Echt luxuriös! Naja, am Ende des Trainings kamen wir nochmal zusammen und stellten uns alle vor. Dann ließ der Trainer verlauten, dass wohl auch Spiele bevor stehen würden. Mitspielen, denke ich werde ich nicht dürfen, weil ich kein Mitglied der Universität bin, aber ich wurde eingeladen, am kommenden Mittwoch Schiedsrichter für ein Freundschaftsspiel zu sein. Das finde ich ganz gelungen! J

Naja, bald darauf bin ich mit Ruven, der später zum Basketballspielen gekommen ist, wieder in Richtung Denkyemuoso gegangen. Als ich dann im Sessel saß, war ich tot! Den Rest des Tages bewegte ich mich nur noch sehr langsam und versuchte viele Pausen einzulegen. Aber ganz ohne Arbeit ging es dann doch nicht, denn die Bibliothek betreute sich nicht von alleine! Und eingekauft und gekocht werden musste auch noch. An diesem Abend hatten wir uns auch mit Prince verabredet. Er wollte vorbei kommen, sodass wir eine Zeit und einen Ort ausmachen könnten. Er kam aber nicht vorbei. Und um 20:30 schließlich rief er dann an, um zu fragen, wann es losgeht… Das hatten wir nicht erwartet, also mussten wir absagen. Schade, aber ich bin ja auch noch ein paar Wochenenden hier J

Eine kleine Sache fällt mir noch zum Samstag ein… Es viel uns nämlich auf, dass wir 120 Cedi, die wir 3 Tage zuvor in die Gemeinschaftskasse eingezahlt hatten, schon wieder zu 2 Dritteln aufgebraucht hatten. Eigentlich sollten die 120 Cedi für eine Woche reichen… Also entschieden wir uns die Ausgaben für das Essen auf ein Minimum zu beschränken. Es gab Reis mit Tomatensoße… Dazu sei gesagt, dass der Reis halbvergammelt war, weil er ja im Wasser übernachtet hatte, die Tomaten waren auch nicht mehr die reifsten und auch die Pfefferschoten hatten schon bessere Tage gesehen. Als Nachtisch verarbeiteten wir kulinarisch komplett schwarz angelaufene Bananen Zusammen mit Milch und Zucker (der natürlich angenehm durchsetzt von Ameisen war) zu einer Art Milkshake. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig unappetitlich, hat aber annehmbar geschmeckt! Und war überaus preiswert! J

Das war es erstmal wieder von mir. Peace out!