Monatsarchiv: September 2010

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Um nun den letzten Artikel zu vervollstaendigen hier ein paar zusatzinfos:

An meinem ersten Tag in Tamale bzw. im Workcamp in der Community Kasalgu war die Eroeffnungsfeier des Camps. In einer Zeremonie mit dem Chief der Community und anderen Offiziellen der Region wurden Reden verlesen und traditionel getanzt. Zur Belustigung habe auch ich, der Oburoni, mein bestes versucht, was wohl beim Chief gut angekommen ist. Spaeter musste ich dann noch kurzfristig eine Rede im Namen des General Secretarys halten.

Im Camp gab es keine Elektrizitaet, kein fliessend Wasser und keine Toilette. Man durfte sich dafuer im nahe gelegenen Wald „befreien“. Gearbeitet wurde im Camp meist von 8 oder 9 Uhr bis 11 uhr, dann war frei! :)

Im Laufe des Camp haben wir natuerlich auch ein Fussballmatch gegen die Community ausgetragen, die meisten natuerlich Barfuss auf einem halb Asche halb Wiese Platz. Endstand 2:6 fuer die Jungs von Barfuss Kasalgu. Diese Niederlage brachte uns nicht davon ab, am naechsten Tag eine Ziege zum Abschluss des Camps zu schlachten und abends bei der Vergabe von Urkunden zu verspeissen.

Ansonsten kam ich in den Genuss viel Moped zu fahren im afrikanischen Verkehr, schon ein Highlight! :) Speedlimit? Fehlanzeige. Fuehrerscheinpflicht? 18 Jahre reicht wohl. Verkehrsregeln? Nicht wirklich. :)

Eigentlich wollte ich erst am Montag oder Dienstag zurueck nach Accra kommen, aber dann wurde fuer heute doch noch das Meeting mit den Offiziellen einberufen. Resultat: von den 5 Std Meeting durfte ich nur ca. 1 Minute dabei sein. Meine Aufgabe ist auch noch nicht klar definiert. Einzige Hoffnung: ich habe waehrend des Meetings mit einem Mitarbeiter Ideen gesammelt, wie man die Organisation wieder vorran bringen kann. Diese werden wir morgen praesentieren, mal sehen was es fuer ein Feedback gibt.

Jetzt werde ich noch etwas essen gehen und schlafen gehen.

Trip nach Sunyani und Bui


Nachdem wir uns nun seit einer guten Woche in Denkyemouso/Denchemouso eingelebt haben, sind  wir am Samstag aufgebrochen und Richtung Sunyani gereist.

Sunyani ist die Hauptstadt der Brong-Ahafo Region im Westen Ghanas. Wir sind mit dem Bus von Kumasi aus 2 Std. dorthin gefahren.

In Sunyani angekommen haben wir zu erst ein Hotel gesucht und bezogen.

Danach sind wir direkt in die Innenstadt Sunyanis gelaufen und haben uns umgeschaut. Es sah nicht viel anders aus als in Kumasi, jedoch gibt es hier auffällig mehr Moslems, was durch einige Moscheen angedeutet wird. Diese Gotteshäuser stechen durch ihre Farbe heraus, so sind sie in verschiedenen Pink – oder Grüntönen auffällig gestrichen.

Am Abend haben wir dann das erste mal Fufu gegessen. Fufu ist das Nationalgericht Ghanas und wird aus Kochbananen oder Yam gemacht. Es sieht aus wie Kartoffelbrei, nur ist es zäher. Anschließend sind wir satt ins Hotel gegangen und haben den Abend, so wie viele Abende davor auch, mit Kartenspielen ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen sind wir, nachdem wir Ruven zum Geburtstag gratuliert haben, los und haben Frühstück besorgt. Dies bestand aus Bananen, gerösteten Maiskörnern, Erdnüssen und einer Melone. Nach diesem gesunden Essen, sind wir wieder los in die Stadt. Dort haben wir zuerst ein Fußballspiel geschaut, welches umgeben vom Markt, einer Baustelle und einer Kneipe, mitten in der Stadt ausgetragen wurde. So bildete ein Sandberg, von der Baustelle und Bäume Hindernisse auf dem Spielfeld. Auch wurde das Spiel immer wieder durch Autos unterbrochen, die das Feld überquerten.

Nach dem Spiel und einer Cola sind wir ins Internetcafé für eine Stunde.

Als die Stunde vorbei war, haben wir Baguette und Käse gekauft und den Rückweg angetreten. Das Highlight des Tages war ein kleines Schokoladeneis!

Auf dem Rückweg sind wir noch an dem Stadion in Sunyani vorbei und haben uns die letzten Minuten eines Fußballspiels angeguckt.

Im Hotel angekommen haben wir das Baguette mit Käse gegessen und sind zur Bar gegangen und haben Ruven’s Geburtstag ein wenig gefeiert.

Am Montag haben wir uns dann in Richtung Bui-Nationalpark aufgemacht.

Die Fahrt kam mir endlos vor. Die Straße war schlecht ausgebaut und vom Regen ausgewaschen, deswegen war sie voll mit Schlaglöchern. So sind wir nach Bui ca. 3,5 Std. in einem überfüllten Tro-Tro gefahren. Beim Nationalpark angekommen, mussten wir erstmal feststellen, dass am selben Tag kein Tro-Tro mehr zurück fuhr.

Nach einer kurzen Wartezeit sind wir dann eine gute Stunde mit dem Ranger zum Black-Volta gelaufen, da wir eine Kanufahrt gebucht hatten.

Uns wurde zu Anfang direkt mitgeteilt, dass wir keine Nilpferde, wofür der Park bekannt ist, sehen werden, da noch Regenzeit ist und der Fluss in dieser Zeit überläuft und die Tiere somit im Wald versteckt sind. Jedoch haben wir auf andere Tiere, wie Affen oder Schildkröten gehofft, da uns erzählt wurde, dass man die mit großer Wahrscheinlichkeit sehen wird. Dies war allerdings nicht der Fall und wir haben außer Tausendfüßlern und Libellen keine besonderen Tiere gesehen. Eine Stunde Fußmarsch später mussten wir uns entscheiden, ob wir beim Nationalpark im Zimmer übernachten oder ca. 30€ für ein Tro-Tro bezahlen, welches uns zurück fahren würde. Wir entschieden uns für letzteres, da wir keine anderen Klamotten und kein Moskitonetz mitgenommen haben.

Also hieß es wieder den anstrengenden Weg zurück fahren. Da von Wenchi, der Ort an dem wir auf der Hin- wie auch auf der Rückfahrt umsteigen mussten, kein Tro-Tro nach Sunyani mehr fuhr, mussten wir wiederum ca. 10€ für ein Taxi bezahlen, welches uns zum Hotel gebracht hat.

Völlig ausgehungert im Hotel angekommen, mussten wir feststellen, dass der Höhepunkt unserer Reise leider zum Tiefpunkt umschlug. Das nächste mal werden wir unsere Reisen besser planen und zur Trockenzeit fahren. Die Trockenzeit beginnt hier ungefähr mit dem Beginn des Winters in Deutschland. Also Winter in Ghana heißt 30-40°C.

Unser Trip nach Sunjani


Da wir hier, wie schon gesagt, relativ viel Freizeit haben entschieden wir uns am Samstagmorgen (04.09.2010) mehr oder weniger spontan einen kleinen Trip nach Sunjani zu machen.

Sunjani ist nicht allzu weit von uns weg. Ist trotzdem eine größere Stadt und in der Nähe liegt der dritt größte Nationalpark von Ghana: der Bui Nationalpark.

Wir sind mit dem Bus nach Sunjani gefahren. Die Busse fahren hier alle 10 Minuten und sind richtig preiswert, wir haben pro Person ungefähr 1,10 Euro bezahlt und sind ca 2-3 Stunden Bus gefahren.

Die Schlangen beim Bus sind sehr lustig und am Anfang echt nicht leicht zu durchschauen. An der Bushaltestelle stehen mehrere Reihen Stühle auf denen die Leute chillen und irgendwo ist ein Schlangenende. Wir waren ziemlich verwirrt, weil niemand am Stand Karten kaufte, aber es eine Schlange gab. Das Rätsel löste sich als der Bus ankam. Die Leute auf den Stühlen standen auf und aus den Reihen bildete sich eine Schlange. Nun verstanden wir auch warum die Leute keine Karten kauften: weil alle Leute auf den Stühlen vor Ihnen dran waren.

Karten werden immer nur so lange verkauft bis ein Bus voll ist und dann muss auf den nächsten Bus gewartet werden.

Die Fahrt war erstaunlich angenehm und die Straße ganz gut gebaut, weshalb die Fahrt ganz angenehm war.

In Sunjani wurden wir direkt wieder von mehreren Leuten umzingelt, die uns alle helfen wollten. Somit wurde uns relativ schnell ein Taxi organisiert, das uns zum Hotel brachte (was allen Leuten bekannt war).

Wir hatten uns für das billigste Hotel entschieden, dafür haben wir dann Gemeinschaftsduschen und Toiletten in Kauf nehmen müssen.

Trotzdem hat uns der Preis immer noch positiv überrascht. Wir haben ca 45 Euro für 4 Personen für 3 Nächte bezahlt. Unsere Freude wurde noch größer als wir die Zimmer gesehen haben. Sie waren sehr viel besser als erwartet. Sie waren sauber, relativ groß und die Betten waren auch gut. Es waren auch nicht Gemeinschaftsduschen so wie wir es uns vorgestellt haben, sondern einfach 2 einzelne Duschen für das ganze Hotel. Aber sie waren durchaus annehmbar. Es gab zwar fließend Wasser, aber es kam aus dem Wasserhahn so wenig Wasser, dass man besser mit Eimer duschen konnte.

Da es noch relativ früh war, entschieden wir uns in die Stadt zu gehen und irgendein Restaurant zu suchen in dem wir was Essen konnten. In unseren Guide standen freundlicherweise ein paar Restaurants, jedoch auch nach längeren Suchen lies sich keines der Restaurants finden, weshalb wir uns entschieden zum Hotel zurück zu laufen und dort einfach mal zu fragen wo wir etwas zu Essen bekommen konnten.

Auf dem Weg haben wir glücklicherweise ein gemütliches „Restaurant“ gefunden in einen sehr gemütlicher Hintergarten. Es gab jedoch nur ein Gericht: Fufu.

Fufu ist quasi DAS Gericht hier in der Umgebung. Es wird gemacht in dem man Yam mit einen riesen Holzstab zu Brei verarbeitet.

Uns kam es sehr entgegen das es Fufu gab, so konnten wir wenigstens endich mal das Gericht probieren.

Jeder von uns bekam einen Schüssel mit Fufu, dazu die typische Soße und ein wenig Fleisch. Neben dem Essen bekommt jeder noch eine kleine Schüssel mit Wasser, in dem man sich die Hände waschen kann (hier wird nämlich mit den Händen, bzw der rechten Hand gegessen -die linke ist die Arschhand, die man hier quasi für nichts benutzt) und für alle noch ein Handtuch und Spüli.

Ich muss sagen ich war nicht so angetan von dem Essen. Es ist eine ziemlich gummiartige Masse. Die Soße war scharf aber lecker. Das Fleisch hat mich ziemlich angeekelt- es war gepunktet…

Ich konnte echt nicht viel davon essen, vielleicht lag es einfach an dem Fleisch, das mir den Appetit verdarb oder vielleicht auch einfach daran, dass ich Angst hatte, dass es mir danach nicht mehr gut geht. Wir haben hier nämlich schon öfters gesagt bekommen, dass wir unseren Bauch eine gewisse Eingewöhnungsphase gönnen sollen bevor wir uns an Fufu ran trauen.

Zurück im Hotel taten wir das, was wir hier am liebsten tun, um uns die Zeit zu vertreiben: Kartenspielen.

Am nächsten Morgen wurden wir von einen klopfen geweckt: Frühstück.

Ich find es ziemlich geil, dass man bei so einen Preis sogar noch Frühstück bekommt! Es war aber nicht wirklich viel. Es war quasi ein Frühstück, dass man sich zu 2 teilen mussten. Somit bekam jeder eine Scheibe Baguette und eine halbes Omelett, dazu einen haben Kakao.

Unser angeregter Appetit lies uns Obst für ein zweites Frühstück kaufen, bzw die Jungs kauften… ich traute mich an meine erste Eimerdusche ran!

Morgens kurz bevor wir gingen haben wir mal wieder Karten gespielt und Megamaumau entwickelt. Das ist richtig geil, mit Bonus Dingen aus dem Uno.

Der Sonntag war bei uns komplett für die Stadt Sunjani eingeplant und abends wollten wir noch was trinken, weil Ruven Geburtstag hatte.

Wir waren alle nicht so motiviert hier irgendwas zu unternehmen. Wir hatten quasi schon am Abend vorher die ganze Stadt gesehen. Sunjani ist nicht wirklich groß. Somit wussten wir einfach nicht was wir noch den ganzen Tag machen sollten.

Wir schlenderten trotzdem einfach los und ließen den Tag auf uns zukommen. Wir wurden positiv überrascht. Ich glaube in Ghana kommt es einfach nicht vor, dass man nichts findet.

Als wir so durch die Straßen schlenderten entdeckten wir mitten in Sunjani ein Fußballspiel. Auch wenn Fußball absolut nicht mein Sport ist war es trotzdem ober Interessant zu zu gucken. Die Manschaften trugen keine einheitlichen Trikos, manche trugen noch nicht mal 2 gleiche Schuhe. Das Spielfeld war einfach ein öffentlicher Platz, am Rande des Platzes war ein Schutthaufen von einer Baustelle, man ließ sich jedoch nicht stören. Der Schutthaufen wurde einfach mit einbezogen ins Spielfeld. Das Tor waren einfach zwei große Holzklötze, die man bei Gelegenheit mal schnell beiseite schieben konnte. Diese Tatsache erwies sich als ziemlich praktisch, weil es öfters vorkam, dass ein Auto über das Spielfeld fuhr, weil es in eine Straße wollte, wozu es zufälligerweise nunmal direkt das Tor durchqueren musste. Dies alles und die Mentalität der Leute machte das Spiel ziemlich Interessant.

Danach tranken wir kurz eine Cola. In der Bar wurde ich von einen Mädchen angesprochen, welches unbedingt mit mir Handynummern austauschen wollte. Als weiße Person wollen hier alle deine Freunde sein, hier wird auch viel schneller mal eben nach der Handynummer gefragt als in Deutschland. Das ist immer ein wenig doof, weil man ja nicht allen Leuten seine Handynummer geben kann. Ich fühl mich dann immer ein bisschen doof, wenn man die Leute zurückweist oder so, aber was will man machen.

Nachdem wir kurz im Internetcafe waren machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbaren. Auf dem Weg fanden wir ein Schokoeis! Ihr glaubt garnicht wie geil ein Schokoeis schmecken kann. Wenn man die ganze Zeit alles hier essen muss und das einzige Süße was man bekommt ein bisschen Obst ist, oder einen Keks pro Tag, aber auch nur einen, weil die Packung nicht so schnell  leer werden darf.

Es ist auf jeden Fall wahr: Schokolade macht glücklich. Und dann haben wir auch noch das geilste Essen überhaupt gegessen. Wir haben uns Baguette geholt, was es in Kumasi nicht gibt und dazu KÄSE! Das war einfach sooo lecker. Ein relativ vernünftiges Brot mit Käse. Ich war wirklich der glücklichste Mensch auf dieser Welt, ich konnte nicht mehr aufhören zu grinsen.

Auf den Weg zurück in unser Hotel haben wir noch mal bei einen richtigen Fußballspiel auf einen richtigen Platz vorbeigeschaut.

Mit den Leuten hier macht es einfach so viel Spaß Fußball oder so zu gucken, weil die einfach ganz anders sind.

Nachdem wir dann im Hotel unser ober geiles Mahl zu uns genommen hatten machte wir uns auf den Weg zurück in unser Restaurant/Bar um was trinken zu gehen.

Es war ein total entspannter/richtig lustiger Abend. Jedoch musste ich, wenn ich aufs Klo musste die öffentlichen Toiletten besuchen. Sprich du gehst zu so einer Frau an so einen Stand und bezahlst dafür das du aufs Klo gehen darfst. Dafür bekommst du dann ein Zeitungsblatt, welches dein Toilettenpapier dastellt.

Die Toilette war der Hammer. Es gibt mehrere Kabinen, jedoch ohne Tür oder sonstiges, aber du hast eine Mauer. Dann ist ein Loch im Boden und neben dem Loch sind zwei Backsteine auf die du deine Füße stellen kannst. Vor dem Loch ist ein Korb in dem dann das benutzte Zeitungspapier gesammelt wird.

Zu erst bin ich auf der falschen Seite reingegangen und alles war voll mit kackenden Leuten. Auf der anderen Seite war es dann relativ leer. Ich glaube die Ghanaer benutzen diese Toiletten wirklich nur zum Kacken, weil das kleine Geschäft wird hier meistens einfach so irgendwo auf der Straße verrichtet.

Am nächsten Tag, sprich Montag, hatten wir geplant den Bui Nationalpark zu besuchen.

Der Bui war ein bisschen weiter weg, weshalb wir da auch erst mal wieder hinkommen mussten. Also fuhren wir wieder zur Busstation. Diesmal fuhren wir jedoch nicht mit keinen großen Bus, sondern mit einen kleinen, quasi so eine Art Trotro.

Die Fahrt war schon ein Erlebnis. Man wurde relativ hin und her geschleudert. Der Bus ist auch wieder relativ alt und deswegen nicht so gemütlich. Dann sitzen da wieder sehr viele Leute drinnen, weshalb du 1-2 Stunden ziemlich gequetscht sitzt und die Straßen sind auch nicht gerade im besten Zustand.

Besonders toll wurde es dann nachdem wir in Wenchi umgestiegen sind. Ich kam mir echt vor wie in einen Film. Wir sind Kilometer lang nur durch die Pampa gefahren. Bergauf, Bergab den roten Schotterweg entlang und es kam uns niemand entgegen. Wenn man den Verlauf der Straße beobachtet hat, hatte man das Gefühl, dass die Straße einfach niemals endet, sondern ewig so weiter geht.

Es war trotzdem eine sehr interessante Fahrt, da wir einen Einblick in das richtige Landleben in Ghana bekamen. Wir fuhren durch Dörfer, in dem die Häuser noch wie so alte Lehmhütten aussahen. Die Dörfer waren extrem klein. Man hat sich echt einfach nur gefragt was machen die Leute den lieben langen Tag lang?!

Als wir bei Bui ankamen überkam uns die nächsten Überraschung. Erstens erfuhren wir, dass es am selbigen Tag keine Möglichkeit mehr gab von dem Ort wo wir waren weg zu kommen. Es fährt nämlich genau ein Bus pro Tag und zwar um 5 Uhr morgens!

Zweitens erfuhren wir, dass wir zur falschen Jahreszeit kamen. In der Regenzeit sieht man nämlich in dem Park keinerlei Tiere, dabei sind wir extra wegen den Hippos gekommen.

Drittens bestand das ganze Dorf irgendwie aus so eine Art Wellblechwohnwagen- sehr merkwürdig.

Gegen unser erstes Problem bekamen wir ein Zimmer in einen der Wellblechwohnwagen zur Verfügung gestellt, da wir geizig waren entschieden wir uns ein 2er Zimmer zu viert zu nehmen. Jedoch eröffneten sich hier direkt unsere nächsten Probleme. Wir hatten nur das an was wir mit hatten, wir hatten kein Moskitonetz, nichts zu Essen und nichts zu Trinken.

Da wir an der Situation nichts ändern konnten entschieden wir uns trotzdem in den Park zu gehen. Der Park befand sich jedoch ein paar Kilometer entfernt. Den Weg dahin musste man Laufen. Sprich eine Stunde hin/eine zurück. Durch wiederum eine entlos lange Straße im Nirgendwo, die aus Sand bestand und nur bergauf/bergab ging. Dieser Weg war einfach so mega anstrengend.

Endlich angekommen, bekam jeder von uns ein eigenes Kanu mit zwei Paddlern. Die Tour durch den Nationalpark besteht nämlich aus einer Tour im Kanu über den Black Volterre.

Der Fluss war einfach durch die Regenzeit viel viel viel breiter als sonst und überschwemmte das ganze Umland. Er war auch nicht mehr schwarz, sondern milchig.

Die Landschaft war atemberaubend, jedoch war es etwas langweilig irgendwann, da wir garkeine Tiere gesehen haben.

Zurück bei unserer Unterkunft waren wir alle so genervt und niemand hatte mehr Bock die Nacht über irgendwo im Nirgendwo zu bleiben. Wir baten die Ranger uns irgendwas zu organisieren in der Hoffnung und dem Glauben, dass es nicht so teuer wird.

Die Ranger organisierten uns einen Kleinbus, der den ganzen Weg nur für uns fahren sollt, weshalb wir relativ viel zahlen mussten. Im nächsten Ort mussten wir dann den Bus wechseln in den letzten Scheißbus und natürlich nahm der Busfahrer noch mehrere Leute mit. Der Busfahrer blieb auch in Wenchi über Nacht und machte am nächstn morgen ganz normal seine Tour. Wir fühlten uns ober vearscht, weil wir so viel zahlen mussten , weil es hieß wir haben einen ganzen Bus für uns und der Busfahrer müsse hin und Rückweg mit einen leeren Bus machen, weshalb wir ihn mehr oder weniger das ganze Einkommen geben mussten.

Von Wenchi aus nahmen wir dann ein Taxi. Uns wurde zwar gesagt, das von daaus jeder Zeit ein Kleinbus fährt, aber auch das stellte sich als Verarsche heraus.

Sprich wir haben scheiß viel Geld für einen scheiß Trip bezahlt! Aber zumindestens haben wir eine Erfahrung gemacht und werden den Fehler bestimmt nicht noch mal machen.

Unser leerer Magen trieb uns in unser Stammrestaurant. Und es gab… Fufu! Diesmal hat es mir schon viel besser geschmeckt, kann auch daran liegen, dass ich das Fleisch abbestellt habe.

Aber ich denke ich kann mich an das Essen gewöhnen. Die Frau hat uns dann so einen ober fairen Preis für das Fufu gemacht. Da wir kein Fleisch hatten haben wir anstatt ca 1,50 Euro nur ca 25 cent bezahlt. Dafür hat sie dann ca 50 cent Trinkgeld von uns bekommen. Die Frau hat sich soo gefreut. Das war einfach ober goldisch, die ist zurück zu ihrer Küche gehüpft einfach zu geil!

Am nächsten Tag hatten ich mein zweites Eimerduschenerlebnis. Bisher gab es immer fließend Wassser, sprich man konnte den Eimer direkt in der Dusche an einen Wasserhahn auffüllen. An jenen Morgen gab es jedoch kein fließendes Wasser. Sprich du musst deinen Eimer an dem Wassertank, der vor der Dusche steht auffüllen. Also musst du mit einen vollen Eimer beim Duschen hinkommen! Das war ein großes Problem für mich. Meine Haare wurden nicht gewaschen! Aber auch so, der Eimer ist wenn er voll ist zu schwer, dass du ihn richtig hochheben kannst und ich find es schwer den schweren Eimer so zu koordinieren, dass du nicht zu viel Wasser benutzt, so dass du noch genug Wasser hast für nach dem Einseifen, aber trotzdem überall nass wirst!

Auch auf dem Rückweg nach Denchemouso hatten wir wieder ein lustiges Erlebnis. Unser Busfahrer hat nämlich irgendwas oder irgedwen angefahren. Der ganze Bus ist aufgesprungen und  hat versucht was zu sehen. Alle haben wie wild durcheinander geredet und es war einfach total die Unruhe. Der Busfahrer stand nur draußen und hat wie wild geschimpft und gestikuliert und mit irgendeinen Mann irgendwas geklärt, sehr lustiger Zusant. Geendet hat es darin, dass wir weggefahren sind, keine Ahnung ob da noch mal irgendwann irgendwas kommt oder ob es sich damit einfach geklärt hat.

Der Bus hat uns freundlicher Weise direkt in Denchemouso rausgelassen. Der Weg vom Bus nach Hause war auch sehr lustig. Wir haben uns nämlich entschloßen mal einen anderen Weg zu laufen als den normalen, da man da immer so einen Bogen laufen muss. Der neue Weg war nur leider irgendwann kein Weg und wir sind mitten durchs hohe Feld und mussten irgendwann über einen Fluss springen und so. War mal wieder sehr abenteuerlich mit dem Gepäck.

Daheim angekommen gab es direkt die nächste Freude. Hier gibt es nämlich auch kein fließendes Wasser im Moment und das Gas für den Herd ist auch leer. Und Milli hat mir berichtet das direkt nachdem ich gegangen bin vor unseren Haus eine riesen Schlange war und das es hier davon wohl mehrere gibt, die auch nicht gerade ungefährlich sind.

Also freu ich mich auf Eimerduschen, Kochimprovisationen und Schlangen!

Liebste Grüße

03.09.2010 -kleiner Zwischenbericht


Mein Tagesrhythmus im Moment ist ziemlich eintönig. Ich wache gegen 7 halb 8 auf und verbringe hier meinen Tag mit Einkaufen für unser tägliches Abendbrot, ab und an geht man mal ins Internetcafe, oder  spielt mit den Kindern und man lernt natürlich immer wieder viele neue Dinge über die Kultur in Ghana. Trotzdem gehen die Tage hier total schnell vorbei. Man muss immer gucken das man vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause ist, damit man sich mit Autan oder sowas einsprühen kann und lange Klamotten anziehen kann. Dunkel wird es hier schon gegen 6 Uhr.

Also muss bis 6 Uhr alles was du am Tag erledigen willst geschehen sein.

Wir haben in den letzten Tagen mal den Pool besucht, der hier an ein Hotel angebunden ist. Das Hotel passt garnicht in die Umgebung, weil es so komplett neu und relativ nobel aussieht. Man hatte auch nicht das Gefühl das das Hotel irgendwelche Gäste hat. Ich glaube, dass wir überhaupt die Einzigen sind, die es sich leisten können in den Pool hier zu gehen, irgendwie fühlt man sich dabei ein bisschen doof.

Wir fangen auch immer mehr an uns wirklich an die ghanaischen Essensgewohnheiten zu gewöhnen. Wir kaufen fast nur noch auf den Markt ein. Wir haben jetzt unsere letzten Cornflakes gekauft danach wird es abgeschafft, weil es einfach viel zu teuer ist. In Ghana isst man kein Frühstück, so wie wir es in Deutschland kennen. In Ghana isst man morgens, wenn man Hunger hat die Reste von dem Abendbrot des Vortages (sprich warmes Essen). Das wollen wir hier auch bald einstellen. Daran werde ich mich auf jeden Fall erst mal richtig gewöhnen müssen!

Wir haben uns beim letzten Einkauf sogar Schokokekse gegönnt. Man bekommt jeden Tag einen Keks, dieser Moment ist immer ein kleines Highlight!

Wir kochen im Moment immer zu zweit und lassen uns von Milli ghanaische Gerichte zeigen. Es schmeckt echt gut und an die Schärfe hat man sich schon gut gewöhnt- zumindestens an unseren Schärfegrad. Ich glaub wenn wir dann bei Ghanaern zu Hause eingeladen werden wird das noch mal ganz anders sein.

Mein Bauch ist im Moment noch in der Eingewöhnungsphase zum Essen, aber da muss der jetzt durch!

Ich vermisse übrigens jetzt schon ober ein schönes Vollkornbrot mit Käse, oder einfach einen schönen Salat. Oder irgendwie Kräuterquark oder sowas!

Vorgestern hab ich mich auf dem Heimweg vom Internetcafe erst mal richtig hingelegt! Das Internetcafe kann man hier übrigens richtig gut benutzen. Die Verbindung ist zwar langsam aber gut! Der Typ ist ober lustig, wir waren jetzt 2 Mal da und er hat jedes Mal von uns Fotos gemacht, weil wir so ein Highlight für ihn waren!

Auf jeden Fall hat es während wir im Internetcafe waren richtig krass angefangen zu schütten. Auf den Weg von und zum Internetcafe müssen wir immer ein kleinen Bach überqueren. Dieser Bach hat sich jedoch durch den Regen in einen reißenden Fluss verwandelt, und jegliche Hilfsmittel um über den Bach zu kommen mit weggespült. Die Kinder haben uns eine Möglichkeit gezeigt den Fluss zu überqueren, dazu mussten man über eine Mauer klettern. Ruven hat erst versucht mich alleine „hochzuziehen“ dabei bin ich leider abgerutscht und hab mir das ganze Knie aufgehauen! Naja… halb so schlimm. Lustig sind immer nur die Reaktionen der Ghanaer jeder der dir entgegen kommt guckt dich wehleidig an und sagt „I’m sorry“. Die Leute sind hier einfach so nett und offen und jeder versucht dir zu helfen, einfach echt ganz anders als in Deutschland!

Gestern hatten wir unsere Oriantation, bei der wir noch mal offiziell begrüßt wurden und erfahren haben, was wir dürfen und was nicht. Mir ist es zB nicht erlaubt Jungs in der Öffentlichkeit einfach mal zu umarmen. Jedes Meeting wird hier mit einen Gebet eröffnet. Man wird hier sehr oft nach seinen Glauben gefragt, ich habe gemerkt, dass es viel besser ist einfach zu sagen, dass man jeden Sonntag in die Kirche geht. Die Leute hier sind sehr gläubig und verstehen es nicht, wenn man nicht , wenn man eine andere Einstellung zu Gott hat.

Wir haben auch eine richtig coole Sache erfahren. Und zwar werden wir einmal in der Woche im ghanaischen Radio sein und werden über das Radio den Leuten die Möglichkeit geben Deutsch zu lernen, etwas über Deutschland zu erfahren und sie können uns telefonisch anrufen und uns fragen stellen. Ich finde das eine richtig gute Idee und freue mich schon tierisch darauf. Wir haben auch vor dann deutsche Volksmusik aller „Ein knallrotes Gummiboot“ und sowas zu spielen. Das wird auf jeden Fall richtig geil!

Gestern habe ich auch das erste Mal meine Wäsche mit der Hand gewaschen. Das ist ober anstrengend ich hab heute Muskelkater und meine Hände sind solche Arbeit auch definitiv nicht gewohnt. Sie sind teilweise ein wenig kaputt. Ich glaube auch das ich teilweise das Waschpulver nicht richtig rausgewaschen habe, aber egal die Klamotten werden jetzt so getragen!

Wir haben hier noch eine Weile Leerlauf, bis wir anfangen müssen zu arbeiten. Damit wir nicht die ganze Zeit vergammeln haben wir uns überlegt noch mal für ein paar Tage zu verreisen und schonmal ein wenig von dem Land zu sehen. Wir wollen nach Sunyani fahren und uns dann da sie Stadt und den dritt größten Nationalpark: den Bui Nationalpark angucken.

Also wir versuchen jetzt hier mal unsere Reise zu planen.

Liebe Grüße

Wieder da


Hallo zusammen,

nach nun  etwas uber einer Woche hier der naechste Eintrag. Grund fuer diese laengere Auszeit war eine spontane Reise in den Norden Ghanas nach Tamale, wo ich an einem VOLU workcamp teilgenommen habe. Wir haben mit ca. 20 Leuten mehrere hundert Baeume in einem Dorf bei Tamale gepflanzt. Um es kurz zu fassen: Leute top, Tamale top und der Workcamp Leader Kizito alias Ras-Kizzy, ein Star! :)

Bevor ich heute morgen den Heimweg, von 13 Stunden Busfahrt (Hinfahrt 8Std) angetreten bin, war ich gestern noch im Touristenort Paga, an der Grenze zur Burkina Faso. Paga ist beruehmt fuer seine zahmen Krokodile. So kam ich dazu ein ca. 2m langes Krokodil zu ‘streicheln’. Dann nochmal kurz rueber ueber die Grenze nach Burkina und zurueck ueber Bolgatanga, Hauptstadt der Upper East Region, zurueck. Erwaehnenswert auch noch an dieser Stelle ist, dass ich auf der Rueckfahrt einen Bus von Bolga nach Tamale nehmen wollte der eigentlich um 14 uhr abfahren sollte, bis 16 Uhr aber noch nicht gekommen war und gegen 17 Uhr dann ungefaehr losfuhr. Nun ja, dass ist wohl Reisen in Afrika :)

Jetzt muss ich auch schon langsam Schluss machen, da ich noch so eben 30 min Internet vor Ladenschluss bekommen habe. Ich werde morgen nochmal detailliertere Infos geben und Fotos koennten auch noch Folgen!

Besten Gruss,

Jonas

#4


Am nächsten Tag dann, sollte ich es dann endlich schaffen den Arzt zu konsultieren. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Am Morgen wollte uns Apau, der Architekt der Schule erst noch über die Eigenarten Ghanas aufklären. Um 10 Uhr sollte das Treffen stattfinden, er war um 11 Uhr da. Typisch Ghana, man kann es hassen oder lieben. Ich tendiere zur Zeit noch zum ersten, weil die deutsche Pünktlichkeit sowas einfach nicht zulässt. Wie auch immer, etwas Neues haben wir bei diesem Treffen nicht wirklich erfahren. Es wurde gesagt, dass, wenn wir reisen wollen sollten, wir den Trip ordentlich planen sollten um sicherzustellen, dass es ein guter wird. Ein guter Rat, wie wir später spüren sollten.
Nach dem Treffen ging es dann in die Stadt. Zum Doktor wie ich dachte. Ich erwartete gegen 2 zurück zu sein, letztendlich war ich dann aber erst nach 6 zurück, weil mir Milicent im Trotro nach Kumasi offenbarte, dass sie für ihren Shop noch Geld bei einer Bank leihen müsste. Das erwies sich schwieriger als gedacht! Zunächst ergab es sich als problematisch entsprechende Bank zu finden, dann ließ der Kontaktmensch ewig auf sich warten, dann wurde das Anliegen abgelehnt. Auf zur nächsten Bank quer durch Kumasi. Dort wurde das Geld zur Verfügung gestellt. Ich musste hier lächerliche 2 Stunden auf einem Stuhl warten. Jedoch schlief ich nach etwa einer Stunde ein.
Irgendwann kamen wir dann doch zum Arzt, der mir sagte, was bereits vermutet wurde. Hitzefrieseln… (Heat rushes) Ich kam mir förmlich ausgelacht vor, als er das diagnostizierte. Ich bekam ominöse Tabletten gegen das Krabbeln, die jedoch nicht helfen sollten. Danach begaben wir uns auf den Heimweg. Da gab es dann Kochbananen, natürlich selbstgemacht! Beim Essen entschieden wir uns dann am Folgetag für 4 Tage nach Sunyani aufzubrechen.
Gesagt, getan! Wir packten unsere Sachen am Morgen und nahmen das nächste Taxi zur Bus Station. Für 4 Leute bezahlten wir etwa 4,50€ für eine über zweistündige Fahrt, klar das wir uns darüber freuten. In Sunyani checkten wir dann im preiswertesten Hotel ein. Doch das Tata stellte sich abgesehen von insgesamt 2 Duschen und 2 Toiletten für alle Gäste, als angenehm dar. Die Betten waren besser als in einer Jugendherberge und ein kleines Omelette zum Frühstück. Naja, 2 Omelettes für 4 Personen, aber der Gedanke zählt! Am Abend unserer Ankunft besuchten wir Sunyani und aßen in einem kleinen Restaurant zum ersten Mal Foufou, ein typisches Gericht unserer Region. Darunter kann man sich eine Art weiße, zähe Masse vorstellen, ein Brei aus gestampften Yams, welche in einer relativ scharfen, aber leckeren Soße zusammen mit Fleisch serviert wurde. Am Fleisch war die Haut noch gut zu erkennen, sodass wir dank den schwarzen Flecken auf weißem Grund auf Rind tippen konnten.
Der Folgetag war Ruvens Geburtstag. Also gab es ein großartiges fruchtiges Frühstück mit Melone, Bananen und geröstetem Mais. Danach zog es uns in die Stadt, die eigentlich nicht viel zu bieten hatte, zumindest nichts, was wir in Kumasi nicht schon gesehen hätten.
Doch als wir über ein Fußballspiel der Dorfjugend stolperten, blieben wir stehen. Das war wirklich mal interessant. Der Schiri war die Hälfte der Zeit am Lachen, bis ihm ein Spieler aus Wut gegen das Bein trat. Klar, dass das Team dieses Spielers verlor!  Es wurde aber insgesamt mit extrem viel Hingabe und Emotion gespielt, wie man es sonst nicht so oft sieht. Es war so interessant, dass wir uns das ganze Spiel ansahen. Danach schauten wir uns weitere Teile Sunyanis an, zwischendurch stolperten wir über einen Laden in dem es Schokoeis gab. Man schmeckte zwar, dass dieses Eis qualitativ eher minderwertig war, aber es schmeckte hervorragend! Bald wurde es dunkel, also gingen wir wieder zu unserem Restaurant, wo wir aber diesmal nicht aßen, sondern tranken. Schon ein Star-Beer, wäre genug gewesen, ich trank aber 3 und noch 2 Shots, weswegen der Rest des Abends ziemlich lustig war. Der nächste Morgen war es aber überhaupt nicht! Ich konnte nicht mal mehr das Omelette genießen… Zu allem Überfluss wollten wir an diesem Tag auch noch zum Bui Nationalpark. Die Busfahrt von Sunyani nach Wenchi war anstrengend und ich musste mehrere Male den Brechreiz unterdrücken. Die Busfahrt von Wenchi nach Bui war schrecklich, da die Straßen schlechter wurden… Es war ein einziges Gewackel, was meinem Magen alles andere als gut tat. Kurz vor unserer Ankunft im Nationalpark wurde uns auch noch offenbart, dass es kein Bus zurück geben werde… Damit hatten wir gar nicht gerechnet! Wir waren so weit ab vom Schuss, dass nicht mal Taxis fuhren. Das war der erste Moment an welchem wir uns an Apaus Worte erinnerten. Doch wir versuchten nicht weiter darüber nachzudenken. Ein Guard kam und wies uns in die Parkregeln ein: 5 Cedi pro Person (Eintrittspreis) + 5 Cedi pro Person (Tourpreis) + 5 Cedi pro Person pro Stunde (Guidepreis). Wir schnappten ordentlich nach Luft, als wir das hörten. Aber wir waren schonmal da und wollten den Park sehen. Also kauften wir noch einige Kekse Verpflegung ein und ließen uns von einem Ranger führen. Die eigentliche Tour sollte nur aus einer Kanufahrt bestehen auf welcher man einige Tiere sehen sollte, darunter, wie unser Reiseführer versprach, 200 Hippos. Vielleicht wäre es eine tolle Tour gewesen, wenn wir nicht zur Regenzeit gekommen wären und deswegen kein einziges Tier sehen konnten. Die Kanufahrt war also extrem langweilig. Das Schlimmste neben diesem absolut zu hohen Preis war jedoch, dass man noch eine Stunde zur Kanustelle laufen musste (und natürlich auch zurück). Diesen Weg ließ sich der Guide auch noch bezahlen. Es war also ein einziger Reinfall. Die Unterkunft, die angeboten wurde, war auch nicht wirklich großartig. Kein Strom, kein Wasser, keine Mückennetze… Wir entschieden uns ein Taxi nach Sunyani zu rufen. Das sollte jedoch ein riesiges Problem werden, da in der Umgebung keine Taxis existierten. Nur Minibusse, die viel teurer sind… Dennoch ließen wir uns einen rufen. Während wir auf den Bus warteten, unterhielten wir uns lange Zeit mit dem Guide. Er wollte einiges über Deutschland wissen und wusste gar nichts von den Vorgängen in Deutschland vor und während des Zweiten Weltkrieges, also redeten wir über die Geschichte Deutschlands und danach über die Ghanas. Bald kam dann der Bus. Der Fahrer verlangte lächerliche 100 Cedi für die Fahrt vom Park nach Wenchi. (Zum Vergleich: auf dem Hinweg haben wir für die gleiche Strecke 12 Cedis bezahlt) Wir konnten den Preis noch auf 60 Cedis runterhandeln, aber es war trotzdem zu viel. Wir wurden extrem verarscht. Denn anstatt dann, wie vorher vom Fahrer versprochen, waren wir dann nicht mal allein im Bus, sondern teilten es mit 4 anderen. Nicht mal der Bus und Fahrer waren der gleiche, wie anfangs ausgemacht. Es war eine ausgemachte Frechheit. Als wir dann in Sunyani waren, wollte ich den Preis noch um einiges kürzen, doch wir waren alle müde, sodass wir nicht die Nerven hatten den Trotz des neuen Fahrers auszuhalten. Er stellte sich taub und wartete auf das Geld. Naja, wenn ich allein gewesen wäre, hätte mir mein Stolz nicht erlaubt aufzugeben.
Es kam aber noch schlimmer. Von Wenchi fuhr (wie eigentlich vorher versprochen!!!) kein Bus zurück nach Sunyani, weswegen wir ein Taxi nehmen mussten. Irgendwann kamen wir dann doch am Hotel an, wir waren um über 200 Cedi leichter, aber glücklich alles hinter uns zu haben. Eigentlich wollte ich sofort schlafen, aber wir gingen dann doch noch ins Restaurant um die Ecke. Für das Essen bezahlten wir diesmal für 4 Leute insgesamt etwa 80 Cent! Das war so wenig, dass wir 1 Cedi (ca. 50 Cent) Trinkgeld gaben, worauf die Bedienung vor Freude durch das Restaurant hüpfte und Cornelius, der das Geld gab später sehr emotional die Hand schüttelte. Das war ein ziemlich eindrücklicher Moment. Ab diesem war uns klar, was so ein Cedi für die Leute hier wert sein muss. Es war unfassbar!
Da ich an diesem Abend so müde war, hatte ich den besten Schlaf seit Ewigkeiten. Ich schlief so fest, dass ich, als ich munter wusste für einige Sekunden wirklich keine Ahnung hatte wo ich war.
Der restliche Tag sollte sich auch als entspannter Tag ergeben. Als wir alle munter waren, fingen wir langsam an zu packen und fuhren mit dem Bus zurück nach Kumasi. Auf der Fahrt hatte ich ein etwa einstündiges Gespräch mit einem Ghanaer über Familie, Deutschland, Ghana und meine Tätigkeit hier. Zu Hause war alles, was wir taten zu entspannen und unsere Erlebnisse niederzuschreiben.

#2


Nun denn, nach 2 Wochen ringe ich mich doch endlich durch über die ersten paar Tage in Ghana auf Deutsch zu schreiben.

Die letzten paar Stunden in Deutschland waren eher traurig, da ich mich von allen Freunden und Bekannten, sowie der Familie verabschieden musste, bzw es schon getan hatte und erst kurz vor Abflug realisierte was hier gerade abgeht. Am Morgen meines Abflugtages traf ich die anderen Freiwilligen am Flughafen Frankfurts, wobei Mareike als einzige einige Ihrer Freunde dabei hatte, da sie in Frankfurt lebt.

Nachdem wir uns dann alle mehr oder weniger umständlich verabschiedet hatten, ging es durch den Security Check. Nach einem kleinen Frühstück (übrigens ist Frühstück eine Sache, die ich mittlerweile ein bisschen vermisse) ging unser Flug nach London, wo es natürlich regnerisch war… Was für ein Wunder -.- Aber wir mussten ja nicht nach draußen, also spürten wir nicht allzu viel davon. Statt zu lamentieren holte ich mir einen völlig überteuerten, aber leckeren Bagel. Nach einer gefühlten Stunde Wartezeit wurde dann endlich unser Gate bekannt gegeben. Bei besagtem Gate angekommen, waren wir zum ersten Mal für das kommende Jahr eine Minderheit. Doch es gab immer noch erstaunlich viele Weiße, die es nach Ghana, bzw. Afrika zog.

Der Flug nach Accra war 7 Stunden lang, aber relativ entspannend, da man eine relativ große Auswahl an Filmen zur Verfügung hatte. Da ich keinen Fensterplatz hatte, konnte ich rein gar nichts von Afrika sehen, aber von den anderen wurde mir von Eindrücken erzählt, wie dem unglaublichen Bild der Sahara und einigen afrikanischen Städten. Naja, vielleicht hab ich auf dem Rückweg mehr Glück.

In Accra angekommen erschlug uns die Bekannte Wand aus dicker Luft, doch durch Arkansas war ich an diese Art Luftfeuchtigkeit gewöhnt, weswegen ich ganz gut gegen halten konnte. Wie auch immer, die Luft war nicht wirklich das eindrücklichste, sondern es war der Flughafen. Noch nie hatte ich einen solchen Flughafen gesehen. Wir liefen vom Flugzeug zum Flughafengebäude, welches in Deutschland als altmodisch gegolten hätte. Am Einreiseschalter bekamen wir eine 60-tägige Aufenthaltsgenehmigung, nachdem wir böse vom muskulösen Beamten angeschaut wurden, der darüber den Kopf schüttelte, wie schlecht ich ihn doch verstehen konnte.

Nachdem wir glücklicherweise wirklich alle unsere Gepäckstücke zurückerhalten hatten, trafen wir Keykey. Er führte 4 von uns zu einem Taxi. Jonas blieb mit einer anderen Person am Flughafen, da er ja in Accra arbeiten sollte.

Die Taxifahrt zeigte mir eindrücklich, das Accra sehr interessant bei Nacht sein kann, dass Polizisten hier anscheinend immer eine MP mit sich rumtragen und dass es hier überall nervige Speedbumps (keine Ahnung, wie man so was im Deutschen nennt, Geschwindigkeitsstopper?) gibt, weswegen der Taxifahrer alle 2 Minuten auf 10 km/h runter bremsen musste, um uns nicht total durcheinander zu schütteln. Irgendwann waren wir im Hotel (LA Lune Logde) angekommen und konnten endlich ordentlich schlafen, gewagter Weise ohne Moskitonetz.

Doch die Nacht war nicht lang. Am Morgen trafen wir Keykey wieder, der ein Taxi mitbrachte in welches wir unsere Sachen packten und welches das Hotel zusammen mit Mareike verließ. Keykey ging auch und versprach uns nach 30 Minuten an der Busstation zu sein an welcher wir auch Mareike wieder treffen sollten, nachdem der Taxifahrer sie dort abgeladen und auch uns abgeholt hatte. Naja, nach einer Stunde ohne Taxi machten wir uns ein wenig Sorgen und begannen langsam die Kinder für uns einzunehmen. Denn die Kinder hier freuen sich extrem Weiße, oder wie sie uns nennen „buroni“, zu sehen. Das war ganz lustig. Aber nach eineinhalb Stunden kam unser Taxi und brachte uns auch zur Busstation. Die Fahrt war nun ganz anders als die Fahrt durch die Nacht. So viele Menschen, Autos (die übrigens scheinbar ohne Sinn und Verstand gelenkt wurden) und Farben! Aber komplett anders als in Deutschland. Nach nochmal 30 Minuten kam dann auch Keykey und besorgte uns Wasser, einen Platz im Bus nach Kumasi und Prepaid-Handykarten. Etwas zu Essen besorgten wir uns auf der Fahrt, Ananasstücke. Verständlich, dass wir nach der Fahrt höllischen Hunger verspürten! Übrigens war der Beifahrer ein eindrücklicher Zeitgenosse, da eins seiner Knie der Schnittpunkt zweier biogener Geraden war, die orthogonal zueinander lagen. Vermutlich wurde er ordentlich von einem Auto gerammt, konnte sich aber die Krankenhauskosten nicht leisten. Heftig!

Nun aber wieder zurück zu unserer Reise durch halb Ghana. Als wir uns langsam Kumasi näherten verließen die Menschen den Bus, was uns überlegen ließ, ob wir überhaupt wussten, wo wir auszusteigen hatten. Natürlich nicht! Also rief Ruven Sakkordie an, der erst versuchte Ruven zu erklären, was er wollte, aber da es am Telefon zu schwer war dieses akzentreiche Englisch zu verstehen, gaben wir das Telefon einfach dem Busfahrer, der uns dann sicher absetzte.

Nach einer halben Stunde Wartezeit, vielleicht auch mehr, kam dann Sakkordie und rief uns 2 Taxis mit denen wir dann endlich und wohlbehalten am Denkyemuoso (sprich: Dentschemuoso) Vocational Training Centre ankamen. Wir luden unsere Sachen ab und riefen sofort nach Essen. Dieses Bedürfnis verstand Sakk natürlich und ließ uns mit George, einem Lehrer, ins nahe gelegene Kwdaso (sprich: Quadaso) fahren und dieser besorgte uns Reis, Nudeln, Salat und Chicken Wings, aber auf ghanaische Art… ich kann es eigentlich nicht beschreiben…

Auf dem Rückweg nahmen wir dann noch Anti-Malaria-Mittel mit, für die natürlich keine Verschreibungspflicht bestand.

Zurück in Denkyemuoso hängten wir erstmal mit Hilfe von Milicent, der Schulsekretärin und „guten Seele der Schule“, wie beim Seminar von den vorhergehenden Freiwilligen betitelt, die Moskitonetze auf. Diese sollten sich, wie ich jetzt weiß, als unangenehm erweisen, da man sie beim Schlafen nicht berühren sollte, weil die Moskitos sonst trotzdem stechen können und ich durch die Netze die ganze Zeit munter werde… Naja, was soll’s.

Ach ja, wir 3 Jungs haben ein Zimmer mit 2 Betten bekommen, während Mareike ein ganzes Zimmer für sich selbst bekommen hat. Man sie einfach lieben, die ghanaischen Traditionen… Das reicht jetzt an Rumgeheule für den Anfang.

Der nächste Tag war ein Samstag. Wir wollten ihn nutzen um endlich mal einen Nahrungsvorrat anzuhäufen. Doch bevor wir in die Stadt fahren konnten, bekamen wir unseren ersten kleinen Besucher, Dennis, den Sohn einer guten Freundin Milicents, der hier über die Ferien wohnte. Wir entschieden mit ihm Fußball spielen zu gehen, doch kaum waren wir draußen und spielten etwas hin und her, kamen schon andere Kinder und wollten auch spielen. Zunächst Meawis und Measi, 2 Mädchen, die wir, wie ich jetzt weiß noch öfter treffen sollten.

Nun ja, die beiden Mädchen wollten lieber reden als spielen und so verrieten wir unsere Namen, Alter, blablabla… Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass die Beiden im Verhältnis gesehen gut Englisch sprechen konnten, aber es reichte dennoch nicht für viel mehr als die Gespräche, die man in den ersten Jahren Englischunterricht beigebracht bekommt… Erschwerend kam noch hinzu, dass man den jeweils anderen Akzent nur schwer verstehen konnte, aber man gewöhnt sich langsam dran. Nach einer gewissen Zeit kamen dann auch noch einige Kinder und bald war ich das „menschliche Klettergerüst“ und musste nebenbei auch das Fußballspiel im Auge behalten. Klingt einfach, aber in diesem heißen und humiden Wetter war es gar nicht so einfach!

Einer der kleinen Jungs fand Schlagen ganz toll aber ich wusste nicht so recht, wie ich ihm bedeuten könnte, dass ich das nicht so toll finde. Denn Worte zählen bei der Erziehung dieser Kinder nicht so viel wie eine strenge Hand. Auch wenn es nicht wirklich geholfen hat, hab ich immer wieder „Stopp“ und „Chai“ (Stopp auf Twi) gesagt bis die anderen Kinder den Übeltäter von mir wegzerrten und ihn zu schlagen begannen…

Wie auch immer, nachdem wir entspannt hatten, ließen wir uns dann von Milicent nach und durch Kumasi führen. Aber zu fünft nach Kumasi zu kommen war ein zeitaufwendiger Auftrag. Denn alle Trotros (eine Art Bus) waren voll, bzw zu voll für uns. Letztendlich nahmen wir ein Trotro welches von Kumasi kam und blieben dann am Wendepunkt einfach sitzen. So dauerte die Fahrt aber auch eine gefühlte Stunde.

In Kumasi tauschten wir dann Geld und hoben Geld ab, was aber gar nicht so einfach war, da kaum ein Visaautomat funktionierte… Insgesamt waren wir an 4 unterschiedlichen Banken um etwas Geld zu bekommen, doch erst der fünfte brachte das erwünschte Ergebnis. Danach gingen wir in einen Supermarkt, der aber verhältnismäßig teuer war, denn wir bezahlten umgerechnet 40 Euro (80 Cedis) für Nahrung, die für nur 4 Tage reichte… Wobei Abendessen noch extra organisiert werden musste. Aber naja, im Verlaufe unseres Aufenthalts merkten wir, dass es nur halb so teuer ist, wenn man auf dem Markt einkaufen geht (und europäische Sachen, wie Corn Flakes weglässt).

Nach all diesen Geschehnissen war ich extrem müde und wollte einfach nur noch nach Hause, was dankbarerweise auch unser nächstes Ziel war. Das Trotro nach Denkyemuoso stand auf dem riesigen Busbahnhof und ohne Milicent hätten wir das Trotro wohl nie gefunden. Als wir endlich im Trotro saßen wurde ich noch schön von einem Missionar vollgequatscht, dem ich dann einfach versicherte gläubig zu sein, um dem Schlimmsten zu entgehen.

Zu Hause machten wir uns etwas Reis und aßen ihn zusammen mit Tomatenmarksoße. Sehr kulinarisch, aber in unserer Lage wäre uns vieles Recht gewesen, da dies unser erster Snack des Tages war. Nach dem Essen wollte ich eigentlich Abwaschen, aber auf dem Weg zur Küche wurde mir von einem einheimischen Mädchen zugewunken. Nichts Unnormales, denn die ganze Zeit waren wir nur am winken und begrüßen und „how are you“-en. Wie auch immer, sie stellte, wie gewöhnlich einige Fragen. Da wir über eine relativ große Entfernung redeten, kam sie zu uns herüber und kam dann auch bald zum Punkt. Sie wollte meine Handynummer (gar nicht gewöhnlich!!!!). Nun ja, irgendwie schaffte ich es mich nach einer gefühlten halben Stunde von ihr zu verabschieden ohne sie zu sehr gekränkt zu haben und ohne meine Handynummer preisgegeben zu haben.

Danach säuberte ich meinen Rucksack, der nach vergammelter Ananas stank und legte ihn nach draußen zum trocknen. Am nächsten Morgen war er dann weg… Toll! Aber glücklicherweise stellte sich heraus, dass Sakkordie ihn bei sich aufbewahrt hatte, um Diebstahl vorzubeugen. Den Schock bestohlen worden zu sein, hatte ich aber für einen ganzen Tag.

Abgelenkt wurde ich dann aber in der Kirche, denn es war Sonntag und wir folgten Milicent strebsam zur Pentecost Church in Kwdaso. Aber wir sind nicht in den Twi-sprachigen Unterricht gegangen, weil wir etwas verstehen sollten. Der Gottesdienst war auf jeden Fall verrückt. Die ganze Zeit wurde gesungen und getanzt und es wurden epische Reden geschwungen, darüber, dass Entscheidungen und somit das ganze Leben im Gehirn beginnen und man durch das Lesen der Bibel und Jesus‘ Taten zu einem Bild Jesus werden kann. In Amerika fühlte sich ein einstündiger Gottesdienst immer an wie 3 Stunden. Der 3-stündige Gottesdienst hier ging dafür extrem schnell vorbei! Am Ende wurden unsere Personalien aufgenommen und wir wurden gebeten doch bald wieder zu kommen.

Als wir nach Hause kamen, war ich müde, wie eigentlich die ganze Zeit! J Nach einem erholenden Mittagsschlaf kam Dennis vorbei und wir spielten wieder Fußball und wieder kamen alle möglichen Kinder und spielten mit uns. Dummerweise verdrehte ich mir bei einem unvorsichtigen Manöver den Knöchel und musste aufhören.

Am Abend des Tages wollten die anderen noch einen trinken gehen, aber ich war so müde, dass ich schon gegen halb 8 einschlief.

Montag, so entschied ich sollte Waschtag werden und so geschah es auch. Die Nachbarin, eine ältere Frau, zeigte mir wie, obwohl sie große Probleme zu gehen hatte und sie in Deutschland sicherlich in ihrer Wohnung geblieben wäre ohne sich um mich zu kümmern. Ohne Waschmaschiene zu waschen erwies sich als leichter als gedacht, aber es war auch zeitaufwendiger als ich es mir gewünscht hätte. Naja, als dann alles aufgehängt war, wurde ich sogar von Oti, einem anderen Lehrer, beglückwünscht es so gut gemacht zu haben, weil er nicht erwartet hätte, dass ein weißer Mann sowas beim ersten Mal hinbekommen könnte. Hihi

Sunyani und Bui-Nationalpark


Wow. Ich habe Angst, anzufangen.

Vor fünf Tagen habe ich den letzten Eintrag geschrieben. Heute ist Dienstag und wir sind vor ein paar Stunden von unserem kurzen Trip wiedergekommen.

Freitag Abend haben wir spontan entschieden, dass wir die Reise nach Sunyani durchziehen. Samstag Morgen ging es also los und wir sind ohne Probleme am Nachmittag angekommen. Wir hatten einen Reiseführer dabei, in dem ein paar Hotels im Ort eingezeichnet sind. Wir haben uns für das „Tata-Hotel“ entschieden. Wir haben echt mit dem schlimmsten gerechnet, bei 3,50Euro pro Nacht und Person. Wir wurden aber vom Gegenteil überrascht. Es gab zwar kein eigenes Bad und meistens auch kein fließendes Wasser, dafür aber ein sehr sauberes und echt gemütliches Zimmer. Außerdem war Morgens ein kleines Frühstück inklusive.

Die Nacht hatten wir gut überstanden. Das erste Mal seit unserer Ankunft haben wir ohne zu schwitzen geschlafen. Erholung!

Oh, da war doch was. Achja! Heute ist mein Geburtstag! 20 Jahre bin ich jetzt alt. Fühlt sich komisch an. Als meine Familie dann angerufen hatte musste ich mir echt die Tränen wegdrücken.

Wir sind an dem Tag einfach mal in die Stadt marschiert und haben uns überraschen lassen, was so passiert. Mitten in der Stadt haben wir dann einen kleinen Platz gefunden, auf dem Fußball gespielt wurde. Für jedes Auto mussten die provisorischen Tore abgebaut werden, aber das Spiel hatte echt Charakter. Richtig typischer Straßenfußball in den Hinterhöfen einer afrikanischen Stadt. Dann ging es weiter und ohne es zu ahnen kam ich dem besten Geschenk des Tages immer näher. Schokoladeneis! Oh mein Gott, Schokolade macht echt glücklich.

Abends haben wir uns dann in ein Restaurant gesetzt und Fufu gegessen. Das ist eine Art Brei aus Kochbananen und Yam, den man mit den Händen isst. Dazu gibt es dann eine scharfe Suppe mit Fleischeinlage. Sehr lecker! Man tunkt den Brei in die Suppe und isst ihn dann. Ich kam mir echt unbeholfen vor und Besteck sehe ich jetzt mit anderen Augen: Krücken für die Hände, meinte ein Ghanae. Das ein oder andere Bier gab es dann natürlich auch noch.

Schon brach der Montag an. Wir sind extra früh aufgestanden um schnell im Nationalpark zu sein. 50km nach Wenchi mit dem Trotro und dann weiter zum Bui-Nationalpark, Hippos gucken. Was wir nicht wussten ist, dass es von Wenchi nochmal 80km bis Bui sind. Ernüchterung machte sich breit, aber wir wollten nicht aufgeben. Wir setzten uns in das nächste Trotro. Mit 60km/h brettern wir über die übelsten Pisten. „Ihr wollt in den Bui-Nationalpark? Ihr habt aber wenig Sachen dabei.“, hatte ein sehr netter Fahrgast eingeworfen. „Ja, wir dachten es wäre nicht so weit. Wir wollen heute noch zurück.“ Darauf hatte der Mann nur ein müdes Lächeln als Antwort:“ Ihr werdet heute nicht mehr zurückkommen. Das nächste Trotro fährt erst morgen früh nach Wenchi.“

Na klasse. Dann nehmen wir halt ein Taxi. Mir wird langsam unwohl, als ich sehe, wie sich die Landschaft draußen immer mehr in Pampa verwandelt. Immer mehr Schlaglöcher, immer weniger Menschen. Keine Menschen, nur Schlaglöcher. Kein Teer, nur noch Erde. Dementsprechend noch mehr Schlaglöcher. Pfützen. Tiefe Pfützen. Halbe Seen auf der Straße, doch das Trotro bahnt sich seinen Weg. Plötzlich ist nur noch ein schmaler Weg übrig geblieben, der mitten in den Wald führte. Wir haben weder Moskitonetz, noch etwas zu Essen dabei. Hier wird es kein Taxi geben. Der dumme verwöhnte deutsche Tourist im Hinterland von Ghana. Endlich kommen wir an. Der Fahrgast zeigt uns, wo wir hinmüssen. Wir befinden uns in einem kleinen Dorf mitten im Wald des Nationalparks. Hätte ich nicht so schiss vor der Malaria, fänd ich es echt genial hier. Die Menschen, wie könnten sie anders sein, sind sehr freundlich und zeigen uns, wo wir etwas zu essen und zu trinken herbekommen. Dann geht die Wanderung los. Der Guide macht uns klar, dass wir heute keine Hippos sehen werden, da Regenzeit ist. Super. Nach einer halben Stunde Marsch durch die sengende Sonne Jeans und Jacke kommen wir an ein Dorf. „Die Hälfte haben wir!“, sagt der Guide. Ach du scheiße. Lange Klamotten sind hier unten Pflicht, weil es hunderte Moskitos und andere bissige Fliegen gibt. Endlich kommen wir am Ufer des Black Volta in dem beschriebenen Fischerdörfchen an. Hier gibt es keinen Strom und die Einwohner sprechen kein Englisch. Das einzige, was wir zu hören bekommen ist „Welcome, Oburoni!“. Die Fischer nehmen uns mit zu ihren Kanus. Jeder sitzt in einem Kanu und wir fahren eine Stunde lang über den Black Volta. Der Fluss ist zur Zeit fünfmal so breit wie zur Trockenzeit und uns wird klar, warum wir heute nichts sehen werden. So war es auch. Wir haben nichts gesehen. Ein bisschen Landschaft und einen Schmetterling um genau zu sein. Der Guide erzählt uns, dass in einem halben Jahr der Bau eines Staudamms beginnt. Die Fischer werden zwangsumgesiedelt und ca. 30% des Bui-Nationalparks werden geflutet. Ich komme mir vor, wie in einem Dokumentationsfilm. Wie grausam. Doch der Durst Ghanas nach Elektrizität hat gesiegt.

Auf dem Rückweg reden wir über die Blackstars und die WM. Wir kommen auf Trinidad und Tobago. „Ist das ein Land?“, fragt der Guide. Der Mann ist sehr intelligent. Wir haben kaum jemanden getroffen, der besser Englisch spricht. Er hatte halt nie die wirkliche Möglichkeit, viel zu lernen. „Ist Haiti eine Krankheit?“, er hatte schlechtes von Haiti gehört. Als ich ihm sagte, dass das auch ein Land ist und dort fast 100.000 Menschen durch ein Erdbeben gestorben sind, ist er erstaunt. Über Hitler will er auch mehr wissen. Er hat gehört, dass Hitler damals in Deutschland das Wasser vergiftet haben solle und so sehr viele Menschen gestorben seien, bis das Volk das Wasser nicht mehr getrunken hat. Man habe ihm erzählt, dass die Menschen stattdessen nur noch Bier getrunken haben. Deswegen tränken die Deutschen auch heute noch so viel Bier.

Als wir wieder an der Station ankommen wird uns klar, dass die zwei Stunden Wanderung das ganze Geld, das wir gezahlt haben und die Reise sich nicht wirklich gelohnt haben. Schade eigentlich. Der Guide entschuldigt sich bei uns und sagt, wir sollen doch in der Trockenzeit nochmal wiederkommen. Wir wollen aber nicht die Nacht in dem Dorf verbringen und fragen nach einem Taxi. Der Mann verschwindet und taucht bald mit einem Grinsen wieder auf. Er hat jemanden organisiert, der uns fährt. Wir müssen einen stattlichen Preis zahlen, aber der ist es uns wert, zumal wir gut verhandelt haben. Nur 60% des ursprünglichen Preises müssen wir hergeben.

Wir hatten uns Morgens um 7Uhr auf den Weg gemacht. Nun war es 21Uhr, als wir wieder in Tatas sicheren Wänden angekommen waren. Wir schliefen wie Steine. Abenteuer pur und gelernt hatten wir auch. In Zukunft werde ich vorausschauender packen.

Heute ist Dienstag und wir sind gut in Denchemouso angekommen. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen. Achja: Wir duschen auch hier im Moment mit dem Eimer. Die Wasserversorgung ist ausgefallen. Genauso haben wir auch schon mehrere Stromausfälle erlebt. Apau sagt, wir sollen uns keine Sorgen machen. Ghana sei nun mal ein Entwicklungsland.

So. Ich hatte Angst mit dem Schreiben anzufangen, weil ich die neuen Eindrücke kaum in Worte zu fassen vermochte. Ich hoffe, ich habe es trotzdem geschafft.

Habe fertig!

Das naechste Lebenszeichen


I hate layzieness!

Heute ist Donnerstag. Die erste Woche in Ghana ist also rum. Bleiben noch 51. Sport haben wir gemacht. Kleidung gewaschen haben wir auch. Zwei Stunden lang mit der Hand. Gelobt sei der Erfinder der Waschmaschine!

Sport. Wir sind eine halbe Stunde joggen gewesen und haben die schwere feuchte Luft Ghanas kennen gelernt. Es war um einiges anstrengender als daheim.

Außerdem sollte heute unser „Orientation-Meeting“ stattfinden. Von 13 bis 16 Uhr hatten wir also Zeit. Das erste Mal langweile ich mich hier. Als die drei Stunden abgesessen waren, gingen wir zu dem Meeting. Jeff, der Präsident der „Ghanaian-German Friendship Association“ und Sakkordie, seines Zeichens Sekretär des „GGF“ und Principal der „German-Ghanaian School“, waren anwesend. Dazu kam Apau, der sich um verschiedene Projekte des Vereins kümmert. Jeffs Vater ist Japaner. Ein Mix aus schwarz und gelb. Sowas hatte ich bisher noch nicht gesehen.

Die Drei erzählten uns einiges zu den Regeln hier. Wir als Lehrer sollen hier schließlich als Vorbilder dienen und man höre und staune: das einzige, was Sakkordie hasst ist „layzieness“. Die Menschen hier in Ghana sind alles andere als faul. Ich wüsste nicht, welcher Deutsche bei den Temperaturen die gleiche Arbeit verrichten könnte, wie die Menschen hier. Doch trotzdem ist Sakkordie, der beim Militär seine Ausbildung erhalten hat, der erste Mensch in Ghana für mich, der offen Anspricht, dass ihm Pünktlichkeit und Arbeit wichtig sind. Was er liebt ist übrigens Arbeit. Wow. Er ist Manager des Schule und studiert nebenbei an der Uni in Kumasi. No layzieness!!

Im weiteren Gespräch erläuterte das Tribunal uns, was so auf uns zukommt, wie der Unterricht aussehen wird und das wir eine Radiosendung moderieren sollen.

WAAAAS?!

Tatsächlich. Ich habe das Grinsen kaum noch wegbekommen. Ein örtlicher Radiosender („Mynd FM“) hat Interesse angemeldet, probeweise eine Sendung mit deutschen Moderatoren und typisch deutscher Musik ins Programm zu nehmen. Einheimische sollen anrufen können und von ihren Erfahrungen mit Deutschland sprechen, von ihren Verwandten in Deutschland oder ganz einfach Fragen stellen. Wie wird was in Ghana gemacht und wie geht ein Deutscher etwas an? Das Ganze soll die Kulturen näher an einander bringen und erst mal wäre es nur eine Show. Der Radiosender würde dann die Reaktionen abwarten und den weiteren Verlauf dann planen. Aber wäre das nicht eine sau coole Sache?? Ich bin echt mal gespannt, was das gibt und ich denke alle, die das hier lesen auch. Oh man, bin ich aufgeregt! Wir werden von der Show auch aufnahmen bekommen. Ich behalte mir aber noch vor, ob ich die dann veröffentliche… Je nachdem, ob ich mehr als nur Gestotter herausbekomme.

Den Rest des Tages haben wir in Ideen geschwärmt, was wir hier alles bewegen wollen. Ich bin gespannt, was am Ende des Jahres den Wandel vom Status „Idee“ in „Realität“ geschafft hat. Tatsächlich ist es so, das hier jeder von uns lernen muss, selber aktiv zu werden, wenn er oder sie etwas erreichen möchte. Man kann den ganzen Tag im Zimmer sitzen, oder man kann rausgehen und was bewegen. Ich will an zweiter Stelle genanntes machen. Ich will meinen Fußabdruck hier hinterlassen und freue mich unglaublich auf die Zeit, die noch kommt.

Genug geschwärmt. Wollen wir über die weiteren Geschehnisse sprechen. Freitag Morgen begann mit Muskelkater in Beinen, Bauch, Armen und Rücken. Die Liste wäre kürzer gewesen, hätte ich die Muskeln erwähnt, die nicht vom Kater befallen sind. Wir stehen hier übrigens so gegen halb acht auf. Wenn die Schule am 14.09. beginnt müssen wir schon um sieben fertig für den Unterricht sein. Abends sind wir meistens recht früh kaputt, sodass ich das erste Mal seit einigen Jahren pünktlich vor 23 Uhr im Bett liege und schlafe. Vielleicht ändert sich das noch, wenn wir uns an das Klima gewöhnt haben.

Zurück zu Freitag Morgen. Frühstück kennen die Ghanaer nicht. Wir brauchen aber was zwischen die Zähne! Zum Glück haben wir in dem Supermarkt in Kumasi wunderbare, wenn auch teure Kellogs gefunden. So kommt es, das wir hier Morgens jeder mit einer Schale Kellogs sitzen und noch nicht wirklich zu Kommunikation in der Lage sind. Um 11 Uhr haben wir ein Meeting mit Apau. Er will uns einige Dinge über sein Land näher bringen. Wir haben verinnerlicht: Ghana is a nation of many different cultures!

Nach dem Treffen ist Millie mit Fabian ins Krankenhaus gefahren. Er hat seit Tagen einen ziemlich üblen Hautausschlag. Mir geht’s bis auf ein paar Essensumstellungs bedingte Magenverstimmungen richtig gut. Heute kochen wir übrigens Kochbananen mit eines Sauce aus Trockenfisch, Contamrie, Tomaten, Eiern und Palmöl. Magenverstimmung olé! Das ist das erste Mal, dass ich mich an den Trockenfisch vom örtlichen Markt hier traue.

Wir planen, in den nächsten Tagen einen Trip nach Sunyani zu machen. Das ist die Hauptstadt der Nachbarregion. Kumasi ist die Hauptstadt der Ashanti-Region und Sunyani die der Brong-Ahafo-Region. Dort gibt es in der Nähe den Bui-Nationalpark, der sehr sehenswert sein soll. Meinen 20. Geburtstag verbringe ich also vielleicht auf Reisen. Ich hoffe, die Organisation klappt.

Jo. Das ist soweit, was ich zu berichten habe. Im Moment warten wir auf Fabi, bzw. Millie, damit wir anfangen können zu kochen. Die Zeit hab ich hier für den nächsten kleinen Eintrag genutzt. Ich bin gespannt, wann ich es das nächste Mal zum Internetcafé schaffe.

Bis dahin,

Ruven

Wellblechhuetten und Luxushotels


Wellblechhütten und Luxushotels

„Over there. The House with the blue iron top!” Man kann das Haus von unserer Gemeinschaftsterasse aus sehen. Seths Bokko, der Coach der Fußball Mannschaft im Nachbarort hat uns angeboten, uns zu Hotel mit Pool in der Nähe zu führen. „After swimming I will go and coach my Kids. They are great Football Players.“ Hier spricht man von Football und nicht von Soccer. Wir wollen mitkommen, wo der Coach uns doch schon seit unserer Ankunft seine Jungs anpreist: “They  play Football with their Hearts!”.

Seths ist ein sehr lieber Mensch, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Als wir am Abend davor in der Ortskneipe ein leckeres Guinnes, brewed in Ghana getrunken haben, machte er uns auf böse Menschen aufmerksam. Aber wir hatten Glück, denn: „I am a strong man. I will guide you!“. Niemand ist uns auf dem Rückweg begegnet, geschweige denn haben wir jemanden aus der Entfernung gesehen. Ich denke diese kurze Geschichte beschreibt den Coach ganz gut. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag um 12 Uhr.

Mit ghanaischer Pünktlichkeit ging es dann los. Runter auf die kleine Straße vor unserem Hostel, durch einige Vorgärten und über einen kleinen Fluss. Überall liegt hier Müll. Der Müll wird in Ghana nicht gesammelt auf  einer Deponie gelagert, sondern an bestimmten Stellen im Ort einfach verbrannt. Alles, was es nicht zu diesen Orten schafft, bleibt einfach unterwegs liegen. Dann kommen wir auf ein Haus zu. Groß. Pompös. Ein riesen Hotel ohne einen Gast, so sagt uns unser Gefühl. Das passt hier überhaupt nicht rein, da sind wir vier uns einig. Der Coach ist ein bisschen stolz, ein solches Gebäude im Ort zu haben. Dieser Anblick hat mir ziemlich vor den Kopf gestoßen. Links und rechts, vorne und hinten Wellblechhütten und Kinder, die mit rostigen Blechdosen spielen und mitten drin ein mit Stacheldraht umzäuntes mit verspiegelten Fenstern stehendes Luxushotel mit Pool. Wir gehen rein. 5 Cedi will man von uns für das Schwimmen haben, was ca. 2,50 Euro entspricht. Ein stattlicher Preis, finden wir. Wir können den Preis auf 4 Cedi drücken. Im Hinterhof ist der Pool. Klein, aber fein und sehr sauber. Wie angenommen, liegt dort nicht ein Gast. Schwimmen geht auch zu viert ganz gut. Seths möchte nicht schwimmen und seine Begleitung auch nicht. Seine Begleitung hatten wir am Vorabend in der Bar schon kennen gelernt. Sie ist eine Schülerin hier am Ort und wird, so schätze ich, 16 Jahre alt sein. Uns kommt es so vor, als wäre sie eine Art Sekretärin. Sie trägt dem Coach alles hinterher. Wenn sein Telefon klingelt, spricht man erst mit ihr.

Ghanaer haben Angst vor Wasser, habe ich mir sagen lassen. Wir planschten also unbehelligt 2 Stunden vor uns hin. Die Ruhe hat auch mal ganz gut getan.

„Are you ready now?“, das Training fängt bald an und wir müssen weiter. Der Fußballplatz ist nicht vergleichbar mit den Plätzen in good ol´Germany. Rasen sieht man nur da, wo niemand lange niemand mehr langgelaufen ist. Die Erde ist rot. Der Platz hat aber nichts mit dem roten Ascheplatz des glorreichen BC Efferen zutun, sondern eher mit einem Acker. Die Erde hier ist allgemein durch den hohen Eisengehalt rot. Die Altersklassen von 12 bis 17 Jahre spielen heute zusammen und gegeneinander. Der Coach ist mächtig stolz und als alle zusammen Dehnübungen machen, sieht es wirklich so aus, als hätte er die Jungs im Griff. Plötzlich kommen alle zu uns gelaufen. Seths Bokko sagt irgendetwas von „… motivates them Kids, when whites are talking to them!“. Wir sollen die Kinder also motivieren. Hm. „You are all good football-players!“. Ja, was soll ich sonst noch sagen, wo gerade ich so unendlich viel Ahnung von Fußball habe. 4 Deutsche in Denchemouso und kein Fußballer dabei. Schon seltsam. Hilflos gucke ich den Coach an. Er verspricht den Kids, dass wir bald kommen um ein Training mitzumachen. Gerne! Man hat den Jungs wirklich angesehen, dass Fußball extrem wichtig für sie ist. „Das ist noch ein richtiger Straßenfußballer, Typ Spielmacher.“ , die Fifa- Zocker unter uns wissen, was ich meine.

Sonnenbrand! Es war den ganzen Tag bewölkt. Merke: Afrikanische Sonne brennt!

Aktivität!

Straffes Programm steht heute an. Einkaufen in Kumasi- Kellogs und Milch sind leer. Um 12 Uhr verabschieden wir uns von Millie Richtung Trotro Station. Um 12.30 Uhr kommt sie die Straße runter. Wir stehen noch immer da. Peinlich. Sie lacht. Sie steigt noch vor uns in ein Taxi und ist weg. Im nächsten Trotro sind tatsächlich noch Plätze frei. Eigentlich hätten wir das konsequent durchziehen und noch warten müssen, bis sie wieder kommt. In Kumasi ist heute verdammt viel los. Wir gehen die letzten 500m zu Fuß. Wo ist Fabian? Weg! Keiner erreicht ihn. Dann ruft er an. Wir wollen uns am Supermarkt treffen. Wir sind uns selber nicht mal sicher, ob wir den überhaupt noch wieder finden. Nach 20min Pathfinding sind wir dann angekommen. Er sitzt schon da: „Eigentlich bin ich ja sogar extra verloren gegangen. Ich find´ das immer so Touri-mäßig, wenn wir hier mit vier weißen durch die Straßen laufen.“. Natürlich Fabian.

Tatsächlich habe ich in der Woche hier erst drei weitere Weiße gesehen. Minority!

Die Sachen waren dann schnell besorgt und wir auf dem Rückweg. Heute ist es richtig drückend warm. Mir läuft der Schweiß aus jeder Pore, als wir in dem Trotro warten. Um 16 Uhr habe ich mich mit Kati zum chatten verabredet. Ich müsste es pünktlich schaffen. Um 15.30 Uhr sind wir zurück am Hostel. Genug Zeit um zum Internetcafé zu kommen. Wir überqueren auf dem Weg immer einen schmalen Bach auf ein paar Steinen.

Regen. Rückweg. Aus Bach wird Fluss. In der Roten Erde Ghanas sieht dieses fließende Wasser sehr kraftvoll aus. Aufgewühlt und im Hintergrund hören wir Donner. Wir müssen uns beeilen, weil das Malariarisiko mit der Dämmerung extrem steigt. Auch das „Mit-leeren-Taschen-nach-Hause-kommen“ Risiko steigt auf der unbeleuchteten Straße nachts. Ich balanciere auf einer kleinen Steinmauer zur nächsten Brücke. Dort will ich Mareike hochziehen. Sie klatscht gegen die Steinwand. Ihr Knie blutet. Sie wird’s überleben, sagt sie. Wir schaffen es so gerade auf die andere Seite. Die Kinder, die uns beobachtet hatten fragten Mareike, ob alles in Ordnung sei. Dann spazieren sie mit vier geübten Schritten über den Fluss. So geht’s auch…

Heute kochen Fabian und Cornelius. Es gibt Riceballs mit Groundnut Sauce, nach einem Rezept und tüchtiger Hilfe von Millie. War echt lecker. Ich habe den Geschmack noch immer im Mund, während ich hier sitze und schreibe. Draußen regnet es wieder. In einer Stunde bin ich eine Woche weg von Zuhause. Ich fühle mich hier echt wohl. Morgen ist eine kleine Veranstaltung um uns offiziell „Akwaaba“ zu heißen. Morgen ist Waschtag. Und Sporttag. Das haben Cornelius und ich uns so überlegt.

Gute Nacht,

Ruven