Monatsarchiv: Oktober 2010

Erster Malariafall


Ich gehe jetzt einfach mal die Zeit seit meinen letzten Eintrag ein wenig chronologisch durch. Das Plakat, welches ich gemalt und zusammen mit Ruven gestaltet habe, hängt mittlerweile in der Bibliothek. Die Reaktionen der Schüler sind extrem geil. Als wir es aufgehängt haben, kamen direkt einige Schüler und haben erstaunt das Plakat angeguckt und alle waren noch erstaunter als sie erfahren haben, dass ich das Plakat gemalt habe, dabei ist das Plakat echt keine große Kunst. Ich habe auf jeden Fall sehr viel Lob bekommen und mir wurden sehr oft mit einen Händedruck gratuliert, als hätte ich irgendeinen Wettbewerb gewonnen, oder irgendeine besondere Leistung erbracht. Manche haben mich sogar direkt angesprochen, ob ich ihnen nicht Malunterricht geben möchte. Vielleicht mache ich sowas in der Art sogar. Wir haben neben dem im letzten Bericht angesprochen Sofa nämlich auch noch vor die Bibliothek insofern auf Vordermann zu bringen, dass wir sie neu streichen wollen und an die eine Wand etwas symbolisches Malen wollen, bzw ich werde dann daran etwas symbolisches Malen. Ich habe mir gedacht, dass man dann einen Malkurs oder eine Mal-AG machen kann und dann am Ende des Kurses, nachdem sie malen gelernt haben, zusammen die Wand gestalten kann. Aber mal gucken ich muss mir das alles noch mal genau überlegen, ob ich mich überhaupt für kompetent genug halte :) Die lustigste Reaktion war jedoch ein Schüler, der wortwörtlich zu einen anderen Schüler gesagt hat „Ey, die hat das gemalt… du musst die jetzt respektieren!“ Sehr lustig durch was für Dinge man hier Respekt bei den Schülern erlangen kann! Neben unseren Bibliotheksprojekt sind wir jetzt an der Planung eines zweiten Projekts. Wir haben schon seit längeren vor hier einen Basketballplatz zu bauen. Die Möglichkeiten für die Schüler hier Sport zu machen sind sehr begrenzt, es gibt noch nicht mal einen richtigen Sportplatz. Es gibt zwar vorne an der Straße einen Fußballplatz (mit Toren, die aus Holzlatten improvisiert sind, tuen jedoch ihren Zweck) und ein improvisiertes Volleyballfeld, bei dem einfach der Rasen abgemäht ist und man bei Gelegenheit ein Netz aufhängen kann, jedoch werden beide Möglichkeiten nicht überaus von den Schülern genutzt. Fabi und Ruven haben bei Gesprächen mit gewissen Leuten öfters die Frage von Leuten gehört, welche Möglichkeiten es denn für die Schüler gibt Sport zu machen. Also wäre vielleicht ein Basketballplatz eine Möglichkeit mehr Schüler an die Schule zu bekommen,und das braucht die Schule! Jedoch haben wir schnell nach einen ersten Kostenvoranschlag gemerkt, dass die ganze Sache für uns viel viel zu teuer wird um das ganze alleine zu tragen, weshalb wir jetzt dabei Briefe zu schreiben und uns an Firmen, Basketballvereinen der 1. und 2. Bundesliga zu wenden und um Spenden zu bitten, damit wir das Geld zusammen bekommen. Falls irgendjemand jetzt Lust hat ein super tolles Projekt ein wenig zu unterstützen, der kann sich gerne bei mir melden und nähere Informationen bekommen :) Wir haben hier jetzt noch eine Deutsche kennen gelernt mit der wir öfters mal was machen. Sie heißt Anne und wohnt hier in einer reichen Gastfamilie. Es ist echt ein nettes Mädel und am Wochenende werden wir die Vorteile ihres Pools einmal ausnutzen. Am Freitag waren wir auf der Graduation Feier von Jeffs Frau. Die offizielle Feier war an der Uni hier direkt in Tanasso, wo wir auch immer im Internet sind. Es war unglaublich heiß und man ist in der Hitze unter den Zelten fast zerlaufen. In Ghana werden an offiziellen Festen die draußen sind, egal ob es Beerdigungen, Gottesdienst oder Hochzeiten sind, immer große Zelte aufgebaut unter denen man dann sitzt. Wenn die Sonne richtig schön knallt und unter so einen Zelt mehrere hundert Leute sitzen, dann staut sich darunter natürlich wunderbar die Hitze. Ich bin echt fast gestorben! Von der Graduationfeier an sich habe ich nicht allzu viel mitbekommen, da ich vorher noch im Kindergarten war und mit Cornelius nachgekommen bin, aber ich glaube sie war auch nicht so interessant. Vor allem hat man von dem Platz an dem wir saßen auch nichts gesehen und Ruven und Fabi haben jetzt auch nichts wirklich erzählt. Was ich extrem lustig fand war, dass die Absolventen hier genauso aussehen, wie man es aus amerikanischen Filmen kennt, mit den Roben und den Hüten, das sah einfach extrem geil aus und hatte was wenn man mich fragt. Auch wenn die Graduationfeier schon fast vorbei war durften ich noch eine halbe Ewigkeit an der Uni warten, da noch tausend Fotos mit der Familie und mit uns gemacht wurden und dann das eine Familienmitglied nicht da war und dann das andere. Mein Lieblingsfamilienmitglied war der Opa. Ein extrem goldischer, jedoch schon sehr zerbrechlicher alter Mann, der kaum noch laufen konnte und die ganze Zeit von einen (villeicht) Enkel unterstützt wurde. Aber der Opa war so goldisch und hat als einziger die traditionelle ghanaische Kleidung getragen, das sah einfach richtig richtig gut aus. Die traditionelle Kleidung für Männer ist hier ein sehr langer Stoff, der bis zum Boden geht und über die eine Schulter geworfen wird, so dass die andere Schulter frei ist, ein bisschen wie bei den Römern, nur das die Stoffe natürlich typisch ghanaisch sind und viel dicker. Auf dem Weg zu Jeffs Haus habe ich das vollste Taxi gesehen was ich bis jetzt erlebt habe…9 Personen in einen Taxi… einen normalen 5 Sitzer und das Auto war noch nicht mal besonders groß. Ok bei den 9 Leuten waren 2 ca 8-9 jährige Jungs dabei, aber trotzdem. Ich mein hier ist es normal, dass man mal mit 6-7 Leuten in einen Taxi sitzt, aber das sah zu geil aus. Bei Jeff wurden wir dann gut bewirtet von 2 Haushälterinnen, denen fast die Brüste aus ihren Oberteil gefallen sind und das im biederen Ghana, dass muss man sich mal vorstellen! Es gab Fufu, die Jungs sind fast ausgerastet vor Freude und mir ist nur noch übel geworden. Ich habe gemerkt, dass ich das einfach nicht mehr essen kann. Seit dem ich das eine Wochenende so zusammen gebrochen bin und davor Fufu gegessen habe, kann ich es einfach nicht mehr sehen. Am Anfang habe ich noch versucht mir ein paar Bissen reinzuzwängen, aber mir war einfach so schnell so schlecht, es hatte keinen Sinn. Die Jungs haben dann ihre Portion aufgegessen und dann haben wir schnell und heimlich die Teller getauscht und sie haben meins aufgegessen, damit es so aussieht, als ob ich was gegessen hätte. In Ghana ist es nämlich extrem unfreudlich, wenn man nicht aufisst. Hier wird Essen sowieso auf einen ganz anderen Standard gesehen, jeder egal wie reich oder arm er ist, lädt dich zu seinen Essen ein, wenn er was isst. Auf jeden Fall hat unsere Intrige funktioniert und ich konnte guten Gewissens sitzen bleiben. Wir haben auf der Feier einen netten Menschen kennen gelernt, der sich viel mit uns über Deutschland unterhalten hat. Jedoch hatten wir ein Gespräch über Adolf Hitler, welches mich ein wenig schockiert hat. Es fing damit an, dass er uns erzählt hat, dass er Hitler mag, da Hitler ein starker Mann gewesen sei. Dann wurden wir gefragt, ob wir stolz auf Hitler seien und das wir doch stolz zu sein haben, da Hitler uns zu einen starken Staat gemacht hätte. Zu guter Letzt wurden wir gefragt, ob wir einen Nationalfeiertag für Hitler hätten. Wir haben ihn dann natürlich berichtigt, ihm klar gemacht, dass Hitler uns nicht zu einen starken Staat gemacht hat, sondern uns erst mal ruiniert hat und das die späteren Kanzler uns stark gemacht haben und haben auch sonst ein paar Fakten erzählt, weshalb der normale Deutsche nicht stolz auf Hitler ist. Am Ende hat er uns immer verstanden und das was er gesagt hat ein wenig zurück genommen, aber trotzdem bin ich mir nicht sicher, was letzendlich seine Meinung ist, weil er ist kein dummer Mensch, der Mensch studiert Jura! Naja auf jeden Fall war das Gespräch etwas erschütternt. Am Samstagabend hatten wir hier wieder wie jeden Samstag Entertainmentabend. Eigentlich müssen Ruven und ich diese Abende mit organisieren, da wir im Entertainment Komitee sind, aber irgendwie läuft das alles noch nicht so ganz. Das Problem ist, das der Head des Komitees eigentlich kein Bock auf das Komitee hat und deshalb nichts macht, weshalb Anita alles alleine organisiert und Ruven und ich ein wenig überflüssig sind. Auf jeden Fall war am Samstagabend akwaaba-night. Verschiedene Schüler haben irgendetwas vorgetanzt oder irgendwas vorgerappt oder vorgesungen. Das war sehr lustig, da die übrigen Schüler immer abgegangen sind als wären wir auf irgendeinen Konzert. Es wurde geschrien, geklatscht, es wurde nach vorne gerannt… hat echt nur noch gefehlt, dass die Leute in Ohnmacht fallen. Leider habe ich nicht verstanden was gesagt wurde, so dass ich dauerhaft im Zwiespalt war, ob die Leute die vorne standen einfach nur ausgelacht oder wirklich bewundert wurden. Das geilste war aber, als der Teil des abends anfing, an dem irgendwelchen Paar (jeweils ein Junge und ein Mädel) total zufällig zusammen gewürfelt wurden und dann nach vorne mussten und zusammen tanzen mussten. Und wenn die dann zusammen tanzen merkt man aber nichts mehr von bieder… Das sieht aus wie in irgendeinen Rapfilm! Die Tusen wackeln mit allen was sie haben und die Typen schmeißen sich an die Ärsche der Mädels ran und das ganze wird dann von den anderen (selbst den Lehrern) angefeuert, damit die Paare immer mehr ran gehen. Ist auf jeden Fall sehr interessant zu beobachten! Mich wundert vorallem, dass das alle so ohne weiteres mitmachen, wenn mich jemand mit irgendeinen Typen auf die Tanzfläche gestellt hätte und ich so tanzen sollte, das wäre garnicht klar gegangen! Ich finde es auf jeden Fall interessant das ganze Paarungsverhalten mal aus der aussenstehenden Sicht des Lehrers mitzubekommen. Die ober coolen Jungs, die wie die letzten Supergangsta den Raum betreten haben und denen fast die Augen aus dem Kopf gefallen sind als die Mädels getanzt haben und die Mädels die rumkreischen, wenn die Jungs anfangen zu rappen und sich auf der Tanzfläche mit ihren Tanz ganz schön profilieren. Ich frage mich ob ich auch so war oder bin ist auf jeden Fall sehr lustig zu beobachten! Ab Sonntag fing dann der stressige Teil der letzten Zeit an. Fabi ging es den ganzen Tag schon nicht gut und er hatte Fieber und alles, als es dann aber abends über 40°C ging habe ich ihn zu unseren Arzt Mr Nase geschleppt Dort wurde dann schnell, jedoch ohne Test, da wir wieder zu spät waren, gesagt, dass es Malaria sei. Fabis Zustand hat sich dann im Krankenhaus so verschlechtert, dass er eine Infusion brauchte, was uns aber Kekse, Malta und Cola gebracht hat, dass fand ich toll! Am nächsten Tag sollte Fabi eigentlich nur noch mal zu Mr Nase wegen Test und so, ich bin also ganz normal in den Kindergarten und Cornelius ist mit ihm zum Arzt. Als ich dann gegen halb 12, wegen meinen Deutschunterricht heim kam empfing mich Ruven schon mit der freudigen Nachricht: Fabi ist beim Arzt zusammen gebrochen wurde dann mit einen Taxi (wenn jemand ins Krankenhaus muss, dann wird hier im Taxi immer dauer gehubt, damit die anderen Autofahrer vorbei fahren und man schnell voran kommt, sonst kann das hier manchmal lange dauern, ist auf jeden Fall sehr geil) und voranfahrenden blaulicht Motorrod ins große Krankenhaus in die Emergency gefahren. Das ganze haben wir erfahren, da Fabi von einen Freund (Big Sheriff) gesehen wurde, der hat dann PK anrufen, welcher uns das ganze mitgeteilt hat. Fabi kam aber relativ schnell in die Polyklink. Wir sind dann zusammen mit Sac und Apao ins Krankenhaus gefahren. Fabi sah echt schlecht aus, wie wir später erfahren haben, hat er auch nicht allzu viel mitbekommen.Wir durften nicht lange im Raum bleiben und mussten zur Apotheke um Medikamente und Infusionen zu kaufen. Danach sind Sac und Apao nach Hause und wir haben 2-3 Stunden gewartet bis wir zu Besucherzeit rein durfte, dort haben wir dann erfahren, dass Fabi über Nacht bleiben muss. Cornelius hat ihm dann noch ein paar Sachen gebracht. Am nächsten Tag bin ich dann um viertel vor 5 aufgestanden, da von 6-7 Besucherzeit war. Fabi ging es zwar besser aber er sah immer noch nicht gut aus, er hat die ganze Nacht Infusionen bekommen. Danach durften ich dann direkt in den Kindergarten arbeiten und dann mittags wieder ins Krankenhaus, dass hat mich echt fertig gemacht. Eigentlich hieß es, dass Fabi noch eine Nacht bleiben müsse, aber abends stand er dann vor unserer Tür. Jetzt geht es ihm wieder gut, er ist relativ schnell wieder auf die Beine gekommen, das hat niemand von uns erwartet, wir haben alle gedacht, dass man bei Malaria mindestens eine Woche komplett nichts machen kann außer im Bett liegen, trotzdem will ich kein Malaria und vor allem will ich nicht in das Krankenhaus. An dem Tag an dem ich in das Krankenhaus muss werde ich durchdrehen! Das Personal war zwar wohl echt nett, aber erstens allein die Tatsache, dass es ein Krankenhaus ist und zweitens ist es halt doch kein europäisches. Es haben ca 100-200 Leute gewartet um in Behandlung zu kommen, es waren zwar keine Notfällte oder so, aber allein die Menschenmenge war krass. Und in dem Zimmer in dem Fabi lag, lagen 10 Leute oder so und alle hingen irgendwie an einen Tropf oder ka, es war echt alles andere als schön! Heute hatte ich dann auch mal wieder eine ganze tolle Erfahrung im Kindergarten. Im Kindergarten geht es im Moment etwas drunter und drüber, da die Frau, die eigentlich die Kinder unterrichtet im Moment nicht da ist und die anderen ganz offensichtlich keinen Bock haben die Kinder zu unterrichten, weshalb die Kinder einfach machen was sie wollen. Manchmal erbarmt sich dann halt doch ein Betreuer und singt mit den Kindern Lieder….genauso wie heute! Es war ein relativ neues Lied, welches die Kinder noch nicht komplett konnten und auch der entsprechenden Betreuerin war der Text des Liedes entfallen, da ich ihn noch wusste sagte ich ihn ihr, was dann dazu führte, dass ich nach vorne geschickt wurde, um den Kindern das Lied beizubringen. Sprich ich sollte die Zeilen vorsagen und die Kinder die Zeilen nachsagen und das so lange bis sie sie auswendig können. Die Betreuerin hat es danach nicht mehr interessiert was ich mache und auch die Kinder haben relativ schnell ihr Interesse verloren und ich glaube auch teilweise, dadurch dass ich halt kein Twi sprechen, einfach nicht gewusst was ich von ihnen will. Zumindestens stand ich dann ziemlich hilflos vorne und habe versucht die Zeilen vorzusagen, aber es hat keiner mitgemacht und auch keiner auf mich gehört, da die Kinder nunmal nur gewöhnt sind zu hören, wenn man sie schlägt, bzw wenn man sich dadurch schon eine gewisse Autorität verschafft hat. Und ich konnte ihnen leider auch nichts sagen, dass sie zu hören sollen, da ich erstens kein Twi spreche und zweitens meine europäische Stimme durch das ganze Stimmengewirr nicht durchkommt. Die Frauen hier haben laute und tiefe Stimmen und können extrem laut schreien und reden… ich kann das leider nicht! Auf jeden Fall möchte ich so eine hilflose Situation so schnell nicht wieder haben! Ein bisschen mehr Verantwortung ist ja ganz gut, und ich würde auch gerne irgendwas in der Richtung machen, aber dann nur wenn mir jemand beiseite gestellt wird, der die Kinder im Griff hat, weil das habe ich ganz ehrlich nicht! Naja nachdem die letzte Zeit bei uns ein wenig lau war, wird die kommende Zeit auf jeden Fall richtig interessant und wird deswegen glaube ich auch wie im Flug vergehen. Das kommende Wochenende werden wir nach Winneba fahren, um einen Strandurlaub zu machen, das darauf kommt Torsten (unser „Betreuer“ in Deutschland) und Sebi, ein Freund von Ruven, das darauf kommt dann auch noch Jonas, dann ist hier glaube ich ein wenig was los. Die zwei dann folgenden Wochenenden wollen wir verreisen, damit wir (und auch Sebi) ein bisschen was sehen und dann sind es noch 2 Wochen bis wir unseren Weihnachts-/ Silvestertrip an die Küste machen und dann ist es auch schon wieder Januar. Die Zeit wird glaub ich auf jeden Fall geil. Ich mach mir nur ein wenig Sorgen um meine Wäsche und mein Zimmer. Normalerweise ist Samstags nämlich immer mein Wasch- und Cleaningday, da das wirklich einen ganzen Vormittag in den Kauf nimmt und ich das unter der Woche mit Kindergarten nicht schaffe. Und wenn wir jetzt Samstags weg sind.. wann soll ich dann waschen? Nachmittags nach Kindergarten waschen macht kein Sinn, dann werden die Klamotten nicht trocken und wenn man sie zu lange liegen lässt, dann fangen sie an zu stinken, und vor Kindergarten… oh mein Gott muss ich dann früh aufstehen! Naja aber ich glaub das wird darauf hinaus laufen! Und ich will endlich wieder europäisch essen… Käse, Salat,… naja…. Ich sende euch liebste Grüße aus Ghana Mareike

#8


So auf geht’s in die neue Runde Blogeintrag. Ich beginne am 14.10.2010, einem Donnerstag. An den kann ich mich jetzt aber gar nicht mehr erinnern. Das einzige Highlight war wohl, wie ich meinen Notitzen entnehmen kann, ein Sportsmeeting. Das erste Sportsmeeting überhaupt. Und hier klärte sich jetzt auch endlich wofür Cornelius und ich eingetragen wurden. Zunächst wurde uns offenbart, dass der November dem Sportgewidmet werden soll. Doch sind im November auch Ferien, was das alles natürlich ein wenig kaputt macht. Naja, nach den Ferien, am 8ten nämlich soll es losgehen mit dem Training für die Spiele zwischen zufällig gewählten Schülergruppen (es gibt zur Morning Assembly 3 Reihen, diese entsprechen nun den Teams). Und eine Woche später soll es dann auch mit den Spielen losgehen: Fußball und Volleyball. Naja, wenn die Zeit gekommen ist, werde ich wohl weiter darauf eingehen. Dieses Konzept auszuarbeiten kostete uns unglaublicher Weise 2 Treffen zu je 45 Minuten. Tja, aber nun steht es und der Trainingsbeginn liegt in naher Zukunft.

Am darauf folgenden Freitag richteten wir endlich unsere Küche ein, in den Tagen davor hatten wir schon einige Sachen, wie Herdplatte und Gas, besorgt. Um das zu feiern und weil wir PK eingeladen hatten, gab es endlich mal wieder lecker Reisbälle mit Erdnusssoße. Und zu allem Überfluss bereitete Ruven auch noch einen feinen, kleinen Milkshake. Es war eine wahre Pracht all das zu essen! Besonders, als ich in den Milkshake noch etwas Kakao tat. Wow! Naja, genug übers Essen geredet.

Denn der nächste Tag harrte unser! Das Highlight war der Wald! Wir gingen also zu einer selbst und zufällig gewählten Zeit los und wanderten die Straße entlang nach Kwadaso, um dann irgendwann einen Seitenweg zu finden und diesen dann zu beschreiten. Nach einiger Zeit stellte sich der Wald einfach nur als riesige Plantage heraus, die in Mitten von riesigen Bäumen angelegt wurde. Wir machten trotzdem viele Bilder. Bald fand ich dann eine witzige kleine Pflanze. Ich glaube man nennt sie Mimose, denn sie zieht sich zusammen, wenn man sie berührt. Und wir haben sie berührt! Multiple Male J Es ist unglaublich wie viel Spaß man mit dieser Pflanze haben kann. Nun ja, bald zogen wir weiter. Cornelius und Ruven sahen eine Wasserschlange, die ich leider nicht zu sehen bekam, aber trauten uns auch nicht so recht sie aufzuscheuchen, weil wir ihre wahre Größe nicht kannten. Nach etwa einer halben Stunde erblickten wir dann mal den ersten Menschen, der aber kein Englisch verstand, weswegen wir schnell weiter gingen. Dann aber trafen wir einen, der sogar mal in Deutschland war und auch sonst sehr intellektuell zu sein schien. Der sagte uns dann auch, dass wir uns auf Government Eigentum befinden und eigentlich eine Berechtigung bräuchten. Aber naja, das ist halt Ghana und es testet einen ja doch keiner. Das hat er zumindest gesagt als er uns zum Abschied winkte. Die nächsten Eindrücke waren malerische Ausblicke auf versteckte Landschaften und ein verwestes Skorpion. Das war ganz nett! Wo ein totes Skorpion ist, muss auch ein lebendiges sein! Nach ewigem Suchen gaben wir dann aber auf, schade! Es wäre aber auch zu schön gewesen.

Bald darauf sind wir den Heimweg angetreten. Doch nicht wieder zurück auf die Straße, sondern diesmal mit Stil durch den Busch. Eigentlich wollten wir da nicht lang, weil man den Weg vor Busch kaum sehen konnte, aber als wir dann erstmal drin waren, war es echt schön und interessant. Wir trafen auch einen Einheimischen, der uns sogar eine Papaya anbot. Naja, durch unseren unglaublichen Orientierungssinn hatten wir genau den Weg genommen, der uns dann direkt zu Schule führte, was mir äußerst gelegen kam, denn ich war absolut abgekämpft von diesem Tag.

Am Sonntag entspannten wir, besuchten das Internet und hatten die tolle Erfahrung einer stockdunklen Nacht, weil der Strom nicht mehr so wollte, wie wir. Tja, dann begann die Woche wieder und der Alltag hatte uns wieder. Ich hatte meine zweite Deutschstunde, die diesmal nicht ganz so einfach lief, aber dafür war die Deutschstunde mit den Lehrern, die ich später auch noch hielt umso netter. Wie auch immer, am Dienstag hatten wir dann unsere erste Twi Lesson, die durchaus interessant und lustig war. Der Mittwoch fiel wegen Nässe aus. Bis um 12 waren nur 3 Lehrer da, die sich trotz Regen raus getraut hatten. Naja, da ich aber sowieso am Mittwoch keinen Unterricht hab, tangierte mich all der Regen nur peripher und ich blieb im Bett.

Dann kam der Donnerstag… Der hat mir nicht so viel Spaß bereitet! Ich hatte mir am Mittwoch extra einen kleinen Test zubereitet, den ich dann am Donnerstag servieren wollte, doch die Schüler wussten ihn nicht zu schätzen. Sie verstanden ja nicht mal die Aufgaben. Dabei wollte ich nur, dass sie aus Sätzen, die ich an die Tafel geschrieben hatte, die Nomen raus schreiben und diese dann je nach Typ (die wir vorher gelernt hatten), markieren sollten. Aber ich musste es erst ewig erklären, sodass der Test, der für 15 bis 20 Minuten geplant war, dummerweise über 70 Minuten dauerte.

Krass! Aber es hilft ja nichts. Die Ergebnisse kann man sich ja vorstellen! Und bei derart schlechten Ergebnissen macht auch das korrigieren keinen Spaß. Ich hab extra Punkte verteilt, wo ich nur konnte. Es war zum Haare raufen. Naja, sonst war ich den ganzen Tag Mädchen für alles und transportierte hier mal einen Schlüssel, holte da mal ein Heft, blablabla. Ich war auf jeden Fall ordentlich gestresst als der Tag vorbei war. Am Abend wollte ich dann eigentlich noch ein wenig mit Ziggy lesen, aber das wurde nichts, weil der nicht kam. Ich war dankbar! Da fällt mir ein. An diesem Abend kam eine Person, die Mareike auf den Blog geschrieben hatte und somit Bekanntschaft gemacht hat, bei uns vorbei. Ihr Name ist Anne und sie besuchte Ghana auf eigene Faust und ist zur Zeit bei einer Familie untergebracht, die sie durch eigene Familie entfernt kennt. Naja, das Treffen war ein wenig träge, da keiner mehr besonders munter war und somit ging sie auch bald schon wieder.

Der nächste Tag war für mich schon schön durchgeplant: ich wollte erstmal schön entspannen, dann fein ein wenig Wäsche waschen, das Internet besuchen und Volleyball spielen. Irgendwo dazwischen sollte dann auch noch nach Kumasi gefahren werden, aber was geschah stattdessen? Sakkordie erklärte uns gegen 8:15, dass Jeffs Frau ab halb neun eine Abschlussfeier an der Uni hätte und wir eine implizierte Anwesenheitspflicht. Toll, toll, toll! Ruven und ich gingen vor, während Mareike und Cornelius ihren Dienst beendeten. Und was war los als wir 10 nach 9 ankamen? Nichts! Zwar waren unzählige Leute da, aber keine Party war am anfangen. Also setzten Ruven und ich uns weit abseits und checkten das Internet. Eine dreiviertel Stunde später mischten wir uns wieder unter das Volk und es ereilte uns eine Nachricht Jeffs: er komme wohl bald und werde uns dann anrufen, sodass wir uns treffen können. Gesagt, getan. Gegen halb 11 trafen wir uns mit Jeff und seinen Sprößlingen: 2 Jungen im Alter von 6 und 8, sowie ein einjähriges, süßes fettes kleines Mädchen. Ruven und ich beschäftigten uns natürlich ausschließlich mit den Kindern und bekamen eigentlich nichts von der Feier mit, denn Jeff war die ganze Zeit Bilder machen, weswegen uns nichts zurück hielt. Nach einiger Zeit rutschte das kleine Mädchen von ihrem Stuhl, schob ihn unter ächzen und stöhnen bei Seite, stellte sich vor mich, und streckte erwartungsvoll die Arme aus. Bei so viel Courage, konnte ich nicht anders, als sie, wie verlangt auf den Schoß zu nehmen. Irgendwann kam dann auch Jeffs Frau zu uns und Jeff wollte sein Tochter zurück haben, doch sie wollte nicht so recht. Weder zu Mama, noch zu Papa. Da fühlte ich mich schlecht! Naja, dann kamen auch bald Cornelius und Mareike hinzu und wir machten ein paar Bilder zusammen. Als dann Jeffs Familie und Freunde Bilder machten, kam der ältere der beiden Brüder zu mir und wollte auch mit mir spielen. Ich erfuhr, dass er Ken William Shaun Jeff David hieß. Ein langer Name! Naja, die werden sich schon was gedacht haben, bei all den Namen. Er war jedenfalls auch sehr verspielt und es hat Spaß gemacht ihn durch die Gegend zu ziehen und zu werfen. Irgendwann ging es dann endlich nach Hause. Fufu essen! Hihi

Doch nicht nur dass, erst wurde uns Wasser, dann PEPSI!!!!!!!!! Und dann Fufu gegeben. Ich konnte kaum glauben dass es Pepsi gab. Ich könnte jetzt noch vor Freunde explodieren! Pepsi! Naja, es war auf jeden Fall lecker. Zum Fufu gab es Fisch, was nicht soo großartig war, aber annehmbar. Bei dem Treffen war auch eine Freundin Debos, mit der wir uns zunächst noch eine Runde unterhielten. Als es um Gras ging, wurde es total lustig, weil sie so tat als rauche sie, während Sakkordie vorbei lief und sie komisch anstarrte. Naja, wir konnten drüber lachen!

Nach dem Essen unterhielten wir uns mit dem Schwager Jeffs, der extra aus Accra gekommen war und sehr interessiert an uns war. Er fand meine Gedanken zu Gott so interessant, dass ich alles erklären sollte. Damit ist er der erste Ghanaer, der mir zumindest nicht sofort gesagt hat, dass ich mich ändern sollte. Na gut, PK ist auch nicht so. Aber egal, mit Nana, so hieß er, haben wir uns so ziemlich die restliche Zeit unterhalten. Und dann ging es auch schon wieder mit dem Trotro nach Hause. Dort war es Zeit Sport zu machen. Endlich mal mit den Schülern. Jetzt konnte ich mal sehen, welches Potential in den Leuten steckt. Ich kann nur sagen: es war schrecklich! Es wurde nur diskutiert, und drei Mal spielen war eine absolute Ausnahme… Als mir dann noch ein Ball abgepfiffen wurde, wegen einer sinnlosen Kleinigkeit, war bei mir alles vorbei. Ich wartete innerlich nur noch auf das Ende und entschied danach nur noch als Trainer zu fungieren, da alles andere zu stressig sein würde.

Nach einer kleinen Leserunde mit Ziggy ging ich dann endlich ins Bett um am nächsten Tag ausgeschlafen zu sein, denn es sollte drunter und drüber gehen!

Um 4:20 Uhr stand ich auf. Dann gab es Frühstück und los ging es auf den Hof, wo einige Schüler schon warteten. Es sollte gejoggt werden. Jeder Schüler musste ran! Und Ruven, Cornelius, sowie meine Wenigkeit sollten ebenfalls mitkommen. Wir joggten für insgesamt fast eine Stunde. Es war der Tod für mich, aber danach war ich munter! Ich duschte und machte mich auf den Weg zum Univolleyball. Nochmal anderthalb Stunden Sport. Es war ein geiler Morgen. Dafür ging den Rest des Tages nichts mehr bei mir. Am Nachmittag kam dann Anne wieder und alle zusammen, mich ausgenommen, weil es mir wirklich nicht gut ging, begaben sich zur Uni, um dort zu browsen und Basketball zu spielen.

Ich kann mich nicht mehr so recht an den Rest des Tages erinnern. Ich glaube es gab noch leckeres Essen und dann ein warmes Bettchen für mich. Tja, mit dem nächsten Tag begann eine anstrengende Zeit. Denn mir ging es von Beginn des Tages an nicht gut, aber ich wusch trotzdem meine Wäsche. Danach war ich so fertig, dass ich wieder einschlief und im Bett blieb, weil ich entdeckte, dass ich Fieber hatte. Ich wollte aber nicht zum Arzt. Auch nicht als ich 39,5 hatte. Es besserte sich auch bald. Doch dann gegen 18 Uhr stieg es von 38,5 auf 40,5 und ich dachte mir, dass ich vielleicht doch mal die Reise antreten sollte. Doch eigentlich wollten wir an diesem Abend zu PK und lecker essen, doch das wurde dann gar nichts. Ich fuhr mit Mareike zu Meister Nase, unserem Arzt (wenn ihr sei n Gesicht sehen könntet, würdet ihr den Namen passend finden), und der gab mir dann Tabletten und einen Tropf, weil ich nicht mehr so recht stehen konnte. Ich sollte dann geilerweise Kekse und Malzbier trinken, aber mit dem Malzzeug kam ich gar nicht zurecht und war zu schüchtern um das zu sagen. Naja, am Ende bekam ich doch noch Cola, aber von dem Malzbier war nur noch die Hälfte da. Und das lernte ich wenig später zu bereuen. Denn als das Taxi uns nach Hause gefahren hatte, gab ich die Kekse und das „Malta“ der Natur unverdaut zurück. Die anderen waren großartigerweise noch bei  PK, also offerierte mir Mereike ihr Bett und sie pennte am Schreibtisch, wovon ich aber nicht wirklich viel mitbekam, denn ich war sofort weg.

Am nächsten Tag, wachte ich auf und mir war bewusst, dass der Arzt mich zurück bestellt hatte, weil heute, am Montag, der Test auf Malaria gemacht werden konnte. Also sind Cornelius und ich hingefahren. Eigentlich wollte ich mit Trotro fahren, doch es ging wirklich nicht. In der Klinik angekommen, die übrigens absolut überfüllt war, wurden uns Stühle zugewiesen, doch das war nichts für mich. Nach kurzer Zeit suchte ich mir eine Ecke und legte mich einfach auf den Boden und begann halb zu schlafen. Die Leute belustigte das ganze natürlich ein wenig: ein Weißer, der gerade in einer afrikanischen Klinik abkackt, ist nichts Normales! Hihi

Tja, durch die Idee mit dem Hinlegen, war ich natürlich auch ziemlich schnell dran. Auch im Arztzimmer war ich nicht voll da. Ich legte mich gleich auf den Tisch und ließ alles über mich ergehen. Dann wurde mir offenbart, dass ich jetzt den Test machen solle. Ich muss zwischendurch nur mal sagen, dass der Arzt wirklich besorgt um mich aussah und war. Er nennt uns die ganze Zeit seine Kinder und kümmert sich auch wirklich ernsthaft um uns! Naja, im Labor dann wurde mir eine Nadel in den Daumen gejagt und das das austretende Blut wurde auf einen Objektträger getan, was dann passiert ist, weiß ich nicht so recht. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mich hinlegen wollte. Ich war dann auf dem Weg nach draußen. Dann bin ich einige Meter weiter wieder halbwegs klar geworden und spürt wie mich 4 starke Hände nach oben auf einen Stuhl zogen. Ab da war dann alles durcheinander. Ich kam in einen Rollstuhl und wurde in ein Taxi kutschiert und ins Taxi reingehoben, wo ich mich dann erstmal hinlegte. Die Fahrt war überaus rasant. Das Taxi hupte die ganze Zeit um einen Notfall anzudeuten irgendwann hörte ich Polizeisirenen, aber ich konnte nichts mehr so richtig zuordnen. Am nächsten Tag habe ich dann erfahren, dass es sich um ein Polizeiauto handelte, welches uns zum Hospital Geleitschutz gab, weil man als Taxi einfach nicht durch den Berufsverkehr kommt. Der Polizist war ein Freund eines Freundes von PK. Dieser erfuhr aber durch Sheriff, der wohl zufällig am gleichen Ort war und Cornelius sah, dass wir uns in einem Notfallwagen befanden. So ging es auch sehr schnell an die Schule, dass ich nicht so auf der Höhe war. Sie machten sich auch alle riesen Sorgen um mich, weil ich ins größte Krankenhaus Kumasis verfrachtet wurde und die Notaufnahme dort nimmt eigentlich nur wirkliche Ernstfälle an, also Leute die meistens auch sterben. Naja, mein Zustand war aber nicht sooo schlimm. Ich konnte zwar nur noch liegen und hab auch da kaum etwas mitbekommen, aber neben mir lag ein Kind, dass von Kopf bis Fuß mit Wunden übersät war, wohl ein Autounfall. DEM ging es schlecht!

Ich wurde schnell an die Recovery Station des Krankenhauses referiert und sollte dort erst von einem Arzt untersucht werden, doch ich machte wieder schlapp, wollte wieder liegen. Und endlich bekam ich was ich wollte: ein Bett. Und wieder kam ich an den Tropf. Doch am Vortag brauchte die Schwester 6 Anläufe um meine Vene zu treffen (und jeder einzelne Versuch tat tierischst weh, denn die Nadeln sind hier nicht so patientenfreundlich!), am Montag klappte es sofort! Und ich hatte meine Ruhe. Die Leute tanzten zwar noch eine Weile um mich und auch Ruven, Mareike, PK und Sakkordie kamen, aber das bekam ich alles nicht mehr mit. Ich schlief. Doch dadurch, dass ich immer wieder durch irgendwas geweckt wurde, war es leider nicht komplett entspannend. Naja, insgesamt blieb ich über 24 Stunden auf der Krankenstation und kehrte am Abend des Dienstags nach Hause zurück. Die nächsten Tage waren absolut kein bisschen mit Ereignissen gespickt. Nun ja, am Mittwoch kamen mal alle Lehrer in unserem Raum vorbei und beteten zusammen mit mir. Das war ganz süß, aber hat mir hat es gezeigt, dass ich lieber nicht mehr krank werde, denn es war doch um einiges zu stressig! Am Nachmittag des Donnerstags wollte ich dann mal bei PK vorbei und ihm das Antivirussystem installieren, was ich ihm schon lange versprochen hatte, aber ich hab durch Dummheit den Virus, der PKs Computer blockiert, auf meinen Stick drauf bekommen und jetzt geht’s einfach nicht mehr… Naja, es geht trotzdem weiter.

Jetzt ist Freitagabend und durch meine Antibiotika bin ich an den Raum gefesselt, während die anderen zusammen mit George und PK nach Kwadaso in eine Bar gegangen sind. Tja, shit happens! Hihi

In diesem Sinne, bis demnächst und lasst es euch gut gehen.

Peace out!

Immer wieder Donnerstag …


Man merkt, dass es hier in Ghana langsam auf die Trockenzeit zu geht. Besonders haben wir das am letzten Freitag zu spüren bekommen und schon sind wir da, wo ich meinen kleinen Wochenrückblick beginnen will. Freitag Morgen begann mit einer von Sakkordies spontanen Überraschungsaktionen a lá „Ihr müsst jetzt ganz schnell dieses und jenes machen!“. Um halb acht stand er bei uns in der Tür um uns zu sagen, dass um acht die Abschlussfeier von Jeffs Frau beginnt.

Also eine halbe Stunde zum Duschen, fertig machen und Frühstücken. Dann im Eilschritt durch den bis dato heißesten Tag, den ich hier erlebt habe zur Uni. Ihr könnt euch vorstellen, wie mein Hemd aussah, als ich angekommen bin. Da wir uns langsam an die ghanaischen Gepflogenheiten gewöhnt haben, waren wir so vorausschauend unsere Laptops mitzunehmen. An der Uni gibt es ein W-Lan Netz, das wir umsonst benutzen können. Die Feier begann mit einer Stunde Verspätung und Jeff kam ganze zwei Stunden zu spät. Der selbe Jeff, der uns schon einen Vorwurf wegen 10 Minuten Verspätung gemacht hat. Die nächsten Stunden saßen wir dann wie die Sardinen in der Büchse unter riesigen Pavillons, die zwar die Sonnenstrahlen, aber nicht die Wärme von uns abgehalten haben. Im schweiße unseres Angesichts haben wir dann also den Lautsprecherdurchsagen gelauscht, ohne auch nur einen Blick auf die Bühne geworfen zu haben. Zum Schluss gab es dann noch eine kurze Foto-Session und dann die Erlösung: Ende! Ende mit dem Uni-Teil der Veranstaltung. Weiter ging es bei Jeff Zuhause mit Speis und unalkoholischem Trank (Ich habe seit nunmehr 4 Wochen keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken… langsam vermisse ich die gute alte Roonburg schon ziemlich!!) in glücklicherweise kühlen Räumen, sodass das Ende der Veranstaltung mehr als Angenehm war.

Mehr als Angenehm ist auch die Neuigkeit, dass ich Besuch aus Deutschland bekomme! Mein Bester Sebi wird am 15.November eintrudeln und drei Wochen am eigenen Leib erleben, wie die Dinge hier so laufen. Ich freu mich!!!

Das Wochenende verlief dann eigentlich ganz ruhig. Fabi ging es allerdings von Samstag an immer schlechter. Sonntag Abend hatte seine Fiberkurve die 40°C-Grenze sogar geknackt und wir haben ihn direkt zum Arzt geschleppt. Der hat dann genau wie bei mir Malaria diagnostiziert. Am nächsten Tag sollte er aber zu weiteren Tests wieder kommen, um sicher zu gehen. Montag ist also Cornelius mit ihm wieder dahin. Fabi ging es aber so dreckig, dass er beim Arzt kurzzeitig ein Blackout hatte und so wurde er mit einem Taxi direkt in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses gebracht. Sogar mit Polizei-Eskorte! Da er nichts gegessen hatte und zu wenig getrunken, wurde er im Beobachtungsraum mit verschiedenen Infusionen wieder aufgepäppelt. Er sah echt schon ziemlich schlecht aus. Zwei Tage und eine Nacht hat er in einem ghanaischen Krankenhaus verbracht! Nun ist er wieder in den heimischen Wänden in Denchemouso und wir kümmern uns um ihn. Langsam kriegt er wieder Farbe. War schon krass, zu sehen wie ein Wartezimmer in Ghana aussieht. Teilweise kommen die Menschen morgens um 5 Uhr und gehen Abends wieder ohne auch nur einen Arzt gesehen zu haben. Grausam volle Wartesäle, kann ich euch nur sagen. Da soll doch noch mal einer sagen, dass deutsche Gesundheitssystem tauge nichts!

Ansonsten ist zu sagen, dass meine Tage hier immer kürzer zu sein scheinen. Am Anfang meines Aufenthalts musste ich mir teilweise überlegen, wie ich die tage verbringe, damit sie nicht langweilig werden. Jetzt muss ich mir sogar wirklich Zeit dafür nehmen einen Blog Eintrag zu schreiben, oder E-Mails zu beantworten. Es macht aber einfach Spaß hier Dinge zu erleben und zu erledigen. Das wird alles Teil des Fußabdrucks sein, den wir hier Mitte 2011 hinterlassen. Sobald man im Zimmer sitzt und ins „Nichts-Tun“ verfällt kommt auch schnell mal das Heimweh durch, muss ich sagen. Also immer her mit den Aufgaben!

Unsere Pläne, einen Basketball-Platz zu bauen werden auch konkreter. Den Hammer haben wir schon hinter uns gebracht, als Apau uns den Kostenvoranschlag über 8.500 Euro unterbreitet hat. Aber das ist ja alles kein Problem, da jeder Leser dieses Blogs sicherlich gerne den ein oder anderen Euro spendet! Ihr mögt vielleicht denken, dass man besseres mit soviel Geld anfangen könnte, als einen Basketball-Platz zu bauen. Weit gefehlt, denn wir waren mittlerweile schon auf der ein oder anderen Werbeveranstaltung für die Schule und eine der ersten Fragen war immer „Welche Sport-Angebote gibt es?“. Die Schule befindet sich in der Aufbau-Phase und je mehr Schüler die Schule besuchen, je näher rückt das Ziel der Selbstfinanzierung. Wir haben schon die ein oder andere Idee zur Finanzierung des Projektes. Zu unserem Plan und der Durchführung werde ich bald ein Dokument online stellen, dass euch genauer informiert und ich hoffe, dass vielleicht wirklich der ein oder andere ein wenig an den Verein spenden möchte. Helft uns und wir werden das gemeinsam schaffen! Wann hat man schon mal die Möglichkeit, wirklich direkt zu sehen, wo seine Spende hingeht?

Das kleinere Projekt, die Bibliothek gemütlicher zu machen ist schon aus den Kinderschuhen erwachsen. Wir haben die schuleigene Schreinerei damit beauftragt, eine Couch-Garnitur zu bauen. Mareike hat einen Entwurf fertig gestellt, nach dem wir eine Wand hier bemalen wollen und die Ordnung ist nach einigen Stunden Bücher sortieren auch hergestellt.

Mir geht es hier im Moment echt gut! Am Wochenende werden wir einen kleinen Ausflug in die Luxusklasse wagen. Anne, das Mädchen, das uns letzte Woche besucht hat, wohnt hier in Ghana bei einer ziemlich wohlhabenden Familie… mit Pool! Ich werde also endlich mal die Gelegenheit haben, meinen Bauch zu bräunen ihn den Armen anzugleichen, während bei euch doch so langsam der Winter in Sicht ist.

Also ihr Lieben. Wir hören von einander und ich freue mich über jeden Kommentar und jede E-Mail. Werde mich weiterhin bemühen, alles zu beantworten.

Euer Ruven

Ankobra Beach


Guten Abend,

Es dauerte mal wieder ein wenig laenger bis ich von mir hoeren gelassen habe, bitte dies zu entschuldigen. J

Nachdem es vor 3 Wochen nun wieder einmal die Feststellung gab, dass ich hier keine wirkliche Aufgabe habe, gab es die Idee mal ein paar Wochen raus aus dem Buero zukommen und mal etwas anderes zu sehen. So wurde ueber Deutschland Kontakt zum Management, welches auch in Deutscher Hand ist, vom Ankobra Beach Resort hergestellt und ich konnte kurz darauf hinreisen.Ankobra Beach liegt in der Western Region, zwischen Takoradi und der Elfenbeinkueste. In den gut 2 Wochen die ich dort verbringen durfte habe ich mich ein wenig um die Lagerhaltung gekuemmert, um eine kleine Aufgabe zu haben. Konnte trotzdem den wunderschoenen Strand und die intercontinental Kueche des Resorts geniessen. Habe aber wenn cih ehrlich bin am Ende das Essen in der typisch ghanaischen Chop Bar vermisst. Nebenbei konnte ich noch interessante Erfahrungen  mit Land und Leuten in Ghana vom Manager Ehepaar hoeren. Insgesamt eine nette Zeit, die gut tat.

Nun bin ich seit Montag wieder in Accra und habe mit Beendigung des heutigen Tages, 2 ganze Tage im Buero verbringen koennen. Leider habe ich feststellen muessen, dass die Dinge hier nach wie vor beim alten sind und sich nichts veraendert hat. Aufgrund der internen Machtverschiebungen und spielchen leidet das eingentliche “Geschaeft” von VOLU – die Workcamps. So wie es zurzeit aussieht wird es auch keine fuer die Wintersaison (November – Januar) geben. Schade.

Ich bin mir auch nicht mehr sicher, wie lange ich noch auf das warten soll, was denn da vielleicht irgendwann mal kommen wird….deswegen werde ich mir jetzt ueber weitere Entscheidungen genauer Gedanken machen. Bis die Tage.

Viele gruesse,

Jonas

„Is it true, that all Germans hate black people?“


Ui… so schnell sind zehn Tage um. Ich muss echt erst mal in mich kehren und zurückdenken, was so alles passiert ist. Lasst mich kurz überlegen. Heute ist Donnerstag. Den letzen Eintrag habe ich letzte Woche Montag geschrieben. In der Woche habe ich tatsächlich endlich meine feste Klasse bekommen, die ich jetzt in Mathe unterrichte. „Mengen“ heißt das Thema und am Anfang war es echt nicht einfach, das Thema in Englisch zu vermitteln. Vor allem wenn die Schüler selbst nicht wirklich gut Englisch sprechen. Da kommt es dann dazu, dass sich auf „Twi“ unterhalten wird… in solchen Momenten kommt man sich dann irgendwie fehl am Platz vor. Aber ich bin ja nicht dumm. Sobald ich höre, dass auf „Twi“ gesprochen wird, unterrichte ich einfach weiter. Und zwar in Deutsch. Damit habe ich auf jeden Fall immer direkt die Aufmerksamkeit zurück.

Ein ziemlich denkwürdiger Augenblick war am letzten Wochenende der Besuch des Gottesdienstes an unserer Schule. Jeff, der Präsident der German-Ghanaian-Friendship-Association (GGFA) war als Hauptredner eingeladen. Jetzt weiß ich wie der Himmel aussieht. Wow! Ein Fundament aus den teuersten Edelsteinen unter all der Erde. Bäume, an denen 12 verschiedene Früchte wachsen, Häuser sind gebaut aus purem Gold. Tatsächlich! Ihr glaubt mir nicht? Jeff hatte Fotos davon. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen! Eine Diashow mit Musik hinterlegt mit Fotos direkt aus dem Himmel. Den Baum mit zwölf verschiedenen Früchten hat Jeff sich übrigens schon 1993 reservieren lassen. Den Menschen werden hier tatsächlich solche Bilder verkauft. Kein Witz. Am Anfang der Rede habe ich mir fest vorgenommen, alles aufzuschreiben und meinen Senf dazu abzugeben. Am Ende wusste ich einfach nicht mehr, wie ich das überhaupt ernst nehmen kann. Die Schüler tun es jedenfalls. Und Jeff auch… Was meint ihr dazu?

Montag geht der Alltag dann weiter. Es ist ziemlich geil endlich ein wenig das Gefühl zu haben, dass sich was bewegt. Unsere Schule hier hat zwei Zweige. Einmal gibt es den „Vocational/Technical“-Zweig, der unserer Berufsschule entspricht und den „Senior-High-School“-Zweig, der vergleichbar mit unserem Gymnasium ist. Bisher waren nur die Schüler der Berufsschule anwesend. Das lag nicht an der Schule, sondern an der Regierung. Genau wie die Deutsche steckt diese gerade in dem Prozess, die Schulzeit zu verkürzen. Das endet dann damit, dass der Schulstart kurzerhand einfach weiter nach hinten geschoben wird, wenn Bedarf an Zeit herrscht. Lange Rede, kurzer Sinn: Die ersten SHS-Leute sind da und ich kann neben meinen Mathe Stunden auch endlich mit dem Deutsch-Unterricht anfangen. „Is it true, that all Germans hate black people?“… Das muss man sich dann schon mal anhören. Ziemlich krass… aber ich mache bei solchen Fragen einen kleinen Ausflug in die deutsche Geschichte und stelle klar, dass sich bis heute einiges geändert hat. Ansonsten sind die Jungs und Mädels extrem interessiert und würden gerne noch mehr Deutsch-Stunden haben. Sprachunterricht gibt es jetzt endlich auch für uns! Wir haben mit Debora gesprochen und sie wird uns jetzt einmal die Woche in „Twi“ unterrichten. Baako, mienu, miensa, enan, enum, nsia, nsum, nwoatsche, nkron und edu. Eins, zwei,… eine ziemlich geile Sprache. Ist sehr cool ein Sprachsystem kennen zu lernen, dass einfach mal null etwas mit dem romanischen zutun hat.

Gestern hat es geregnet. Wir haben also unser Frühsport-Programm ausfallen lassen. Die Schule ist auch ausgefallen. Wegen dem Regen sind nämlich 90% der Lehrer nicht gekommen. Als ich meinen Mathe-Unterricht starten wollte, standen die Schüler mit leeren Tellern noch immer vor der Essensausgabe… Richtig, die Küchenfee Lucy ist ebenfalls aus Zucker. Unglaublich für einen Deutschen, aber das ist Ghana!

Heute hat uns Anne besucht. Anne ist vor ein paar Wochen auf Mareikes Blog gestoßen und Kommentiert, dass sie auch in Kumasi sei. Heute haben wir zusammen gechillt. War echt cool!

Ein kurzer Ausblick in die Zukunft: 05.-08.11. erster Trip an die Küste nach Winneba, 23.12.-02.01.11 Urlaub in der legendären Green Turtle Lodge, die uns wärmstens von allen bisherigen Volunteers empfohlen wurde. Mir ist zu Ohren gekommen, dass ich zu viel über das Essen schreibe 😛 Liegt vielleicht daran, dass wir uns hier zum ersten Mal wirklich selbst um das Essen kümmern müssen. Heute gab es Jam und Kochbananen mit einem scharfen Tomaten, Zwiebel Dip. So. Das waren 10 Tage im Schnelldurchgang. Ihr lest von mir! Gruß, Ruven

02.10.2010


Der 02.10.2010 war bis nun der aufregendste Tag meines Aufenthaltes hier.

 

Er begann wie viele andere Samstage zuvor auch. Wir haben, für die Verhältnisse hier, lange geschlafen, bis ca. 9Uhr. Nachdem alle aufgestanden sind, haben wir gemeinsam gefrühstückt.

Gegen 11Uhr sind Ruven und Fabian dann mit Sakkordie losgefahren und haben Werbung für die Schule gemacht. Dies bedeutet in Dörfer zu fahren und die Schule bei den Dorfobersten bekannt zu machen. Meine beiden Mitbewohner sind in diesem Fall vor allem mitgefahren, um das ‚German‘ in ‚Ghanaian-German School‘ deutlich zu machen.

Kurz nachdem die beiden weg waren, habe ich mit dem Waschen meiner Klamotten angefangen. Dies hat einige Zeit in Anspruch genommen, da zwei Ereignisse während dieser Zeit passiert sind. Das eine war aufregender als das andere.

Zu Erst konnte ich eine Gottesanbeterin dabei beobachten und fotografieren, wie sie eine Fliege gefangen und gefressen hat.

Da ich Gottesanbeterinnen, wie auch andere Tiere mit solch einer Art Tarnung, faszinierend finde, war es für mich ein Interessantes Schauspiel zusehen, wie die Gottesanbeterin von der Fliege solange unbemerkt blieb und ihren Angriff vorbereiten konnte.

Noch während des Fotografierens der Gottesanbeterin, habe ich sehen können, wie die Schüler auf der Wiese vor mir ein Tier gebraten haben.

Als ich mit meiner Wäsche gut fortgeschritten war, hat es mir keine Ruhe gelassen zu erfahren, was das für ein Tier war, welches die Schüler zubereiteten. Es war ca. 40cm lang und hatte einen etwas längeren Schwanz, dazu war der Kopf kugelförmig, demnach sah es nicht wie ein Tier aus, das wir normalerweise Essen, wie beispielsweise ein Schwein, eine Kuh oder ein Huhn.

Auch konnte es kein Hase o.Ä. sein.

Nachdem ich die anwesenden Schüler, die dabei waren das Tier auszunehmen, gefragt habe was es denn nun für ein Tier sei, habe ich zu Erst nur Antworten wie „Hase“ und „Ratte“ bekommen. Jedoch war ich mir sicher, dass es keines von beiden sein konnte.

Einige Minuten später ist dann ein Schüler dazu gestoßen, der mir dann alles erklärt hat.

Von Ihm habe ich dann wirklich jede Information bekommen, die ich haben wollte.

 

Das mysteriöse Tier war eine Katze, die der Frau gehörte, die die Näherinnen ausbildet.

Nachdem die Schüler das Tier gefangen haben, wurde es in einen Sack gesteckt. Dieser wurde dann einige Male mit voller Wucht gegen die Wand geschleudert, bis alles Leben aus dem Sack entwichen war.

Danach wurde die Katze über Feuer gehalten und gewendet, um das Fell leichter zu entfernen.

Nachdem dies geschehen war, wurde die Katze ausgenommen und zerkleinert.

In den Topf kam neben dem Fleisch auch der Kopf, der Schwanz und das Herz.

Während das Fleisch zubereitet wurde habe ich meine Wäsche beendet, bin jedoch danach direkt wieder zum Ort des Geschehens gegangen.

Als das Fleisch fertig war, habe ich ein Stück probiert. Die Schüler haben mit dem Essen noch solange gewartet, bis die Kochbananen fertig waren.

Die Katze landet hier zwar nicht täglich im Topf, sofern man jedoch eine bekommen kann, wird sie zubereitet.

Im Norden Ghanas werden sogar des öfteren Hunde gegessen.

Vielleicht komme ich auch noch auf diesen Geschmack.

Die Katze zumindest schmeckte mit der scharfen Soße dazu nicht schlecht…

 

Mein Alltag


Nunmehr sind fast 2 Monate verstrichen, was bedeutet, dass ich fast 1/3 meines Aufenthaltes beendet habe.

Die Schule läuft nun seit ca. 4 Wochen und es hat sich eine Art Alltagsleben eingestellt.

 

Ich unterrichte jeden Tag, mit Ausnahme von Mittwochs, von 8:30-10:00Uhr Mathe in einer 6. Klasse der Grundschule. Dienstags kommt von 12:00-12:40Uhr Deutsch in der Berufsschule dazu. Mittwochs habe ich bislang keinen Unterricht.

 

Der Unterricht in der Grundschule ist durchgeplant. Die Lehrerin hat sich schon vor Beginn des Schuljahres einen Plan aufgestellt, was zu welcher Zeit unterrichtet werden muss.

Diesen Plan versuche ich so gut es geht zu verfolgen. Auch übernehme ich den Verlauf des Unterrichtes der Lehrerin größtenteils. So werden die ersten 30 min. zur Erklärung verwendet, danach gebe ich Aufgaben dazu, sobald diese beendet sind, korrigiere ich selbige.

Die Lehrerin, genannt „Miss Linda“, war die erste Woche noch in meinem Unterricht vertreten, mittlerweile beschäftigt Sie sich, während dieser Zeit, mit anderen Dingen, wie zum Beispiel mit telefonieren, essen oder ihren Haaren. In den ersten Tagen, als ich den Unterricht nur verfolgt habe, hat Miss Linda des Öfteren einen Anruf angenommen, oder sich längere Zeit im Spiegel angeschaut und an ihren Haaren gearbeitet.

Das Erklären auf Englisch klappt super und nur selten muss Linda den Schülern etwas nochmal auf Twi erklären.

Die Schüler sind 11-15 Jahre alt, wobei die Zahl der 11-12 Jährigen überwiegt.

Merkbar ist, dass die Schüler nach den ersten beiden Wochen merkbar aufmüpfiger und lauter werden. Bislang hatte ich damit noch keine Probleme, bin jedoch gespannt wie und ob ich die Klasse wieder ruhigstellen kann, falls die Lautstärker einen gewissen Pegel überschreitet.

Maßnahmen, wie die Bestrafung mit Hilfe eines Schlagstockes, wie es hier üblich ist, werde ich sicher nicht anwenden. Eine andere Bestrafung muss ich mir auf Dauer dennoch einfallen lassen.

Ich persönlich komme mit dem Einsätzen des Stockes nicht klar und werde ziemlich wütend, sofern ich das sehe.

Am frühen Morgen, vor einigen Tagen, musste ich sehen wie die Kinder einige Schläge abbekommen haben, nur weil, nach Meinung der LehrerInnen, ihre Fingernägel zu lang waren und einige Schuluniformen Löcher hatten.

Die Schläge bekommen die Schüler auf die Flache Hand, oder an die Waden. Nicht selten fangen die Kinder nach dem 3-4 Schlag an zu weinen. Andere nehmen die Strafe hin und wiederum andere lachen danach sogar. Nicht selten sieht man Schüler, die andere Schüler auslachen, während sie geschlagen werden. Diese Bestrafung bekommen die Kinder, sobald sie zu laut oder unaufmerksam sind, oder wenn sie einige Aufgaben bzw, Regeln nicht einhalten, wie an dem Morgen vor einigen Tagen.

Versucht man mit den Lehrern darüber zu sprechen, stößt man nur auf Desinteresse oder auf Argumente wie „So ist das hier halt“.

Da ich nur die ersten beiden Stunden unterrichte und danach meist nicht mehr die ganze Zeit in der Klasse sitze, bekomme ich von den Schlägen nicht mehr so viel mit, wie in den ersten Tagen.

 

Nach dem ich alles korrigiert habe ist es oft 10-halb 11. Um halb 1 gibt es dann Mittagessen. In der Zwischenzeit mache ich dann nichts, oder wie Dienstags bereite ich den Deutschunterricht o.Ä. vor.

Nicht selten war ich in dieser Zeit auch einkaufen.

Sobald das Mittagessen vorbei ist, haben wir den Tag für uns.

 

Bislang bin ich hier also noch nicht voll ausgelastet, habe aber vielen schon angeboten behilflich zu sein, falls es fragen in Mathe oder Deutsch gibt.

Die Tage gehen jedoch immer schnell vorbei. Ich hatte immer etwas zu tun, wenn ich wollte. So war bislang immer Arbeit in der Bücherei, da Ruven und Fabian, die für diese zuständig sind, dort ein Ordnungssystem eingeführt haben.

Die Bücherei ist eines unserer Projekte, die wir schon weit vorangetrieben haben. So ist die Ordnung erstellt und die geplante Leseecke in Auftrag gegeben. Oliver, der Tischler unserer Schule, baut uns Sitzgelegenheiten, wie Sessel und eine Couch.

Zu der Leseecke war eine andere Überlegung einen Basketballplatz zu bauen.

 

Dies wurde mir persönlich bei einer Art Werbeveranstaltung deutlich, bei der Fabian und ich mitgefahren sind. An diesem Tag sind wir mit Sarkkodie in einige Dörfer, ca. 1 Std. von Denkyemuso entfernt, gefahren und haben die Schule dort bekannt gemacht. Sakkordie hat dann immer mit den Dorfobersten geredet bzw. in Auskunftstationen gesprochen. Diese Auskunftstationen, ein Häuschen mit einem Mast an dem Lautsprecher befestigt sind, sieht man in jedem Dorf. Hierüber werden wichtige Informationen weitergegeben oder Musik gespielt.

Oft bekamen wir dort die Frage nach den Möglichkeiten Sport zu treiben gestellt. Häufig war dies sogar eine der ersten Frage.

Dies hat mir deutlich gemacht, wie wichtig den Ghanaern Sport ist und wir haben unserer Vorüberlegung, an einen Basketballplatz weiter vorangetrieben.

Apao, der Architekt des Kindergartens, hat uns mittlerweile auch einen Kostenvoranschlag gemacht und eine geeignete Fläche für den Platz ist auch schon ausfindig gemacht worden.

 

Leider kostet dieser Basketballplatz umgerechnet ca.8500€!

Dies ist für uns vier nicht machbar und so ist das Projekt Basketballplatz vorerst auf Eis gelegt worden.

Ich hoffe nicht für immer…

Deutschunterricht


Ich sitze gerade an einen Mittwoch morgen in meinen Zimmer und schreibe diesen Blogeintrag. Eigentlich müsste ich arbeiten, ich war auch wie jeden morgen pünktlich bei der Arbeit, das lustige ist nur, dass auch mir nur eine Betreuerin da war, da es regnet. Ich habe dann erfahren, dass es wohl normal ist bei Regen, dass die Kinder und die Betreuer erst mal nicht kommen. Ich habe mich dann dazu entschieden, dass ich auch nicht in einen leeren Kindergarten sitzen brauch und bin nach Hause gegangen um ein paar Dinge für mich zu machen.

Auch hier in der Schule ist überhaupt nichts los. Die Schüler sind zwar da, da die ja zum größten Teil hier in der Schule auch schlafen, aber 90% der Lehrer sind nicht da und auch die Köchin ist nicht da, weshalb es hier gerade ein wenig Chaos mit dem Frühstück und allen gibt.

 

Ich habe in der letzten Woche jetzt mein erster ghanaisches Kleid bekommen. Den Stoff da zu haben wir in Kumasi auf den Markt gekauft und genäht wurde es von der Dressmaking Teacher unserer Schule, ich habe sogar noch eine gratis Tasche dazu bekommen. Das Kleid sieht glaube ich echt gut aus, ich kann das leider nicht 100% beurteilen, da ich nach wie vor keinen Spiegel habe. Es ist echt lustig wenn man sich schon fast seit einen Monat oder so wirklich in garkeinen Spiegel mehr gesehen hat. Manchmal denke ich mir, dass ich das einfach das ganze halbe Jahr durchziehen müsste. Ich glaube, dass es dann voll lustig ist, wenn man sich in Deutschland wieder im Spiegel sieht.

Die Tasche ist aber auf jeden richtig cool geworden. Und ich glaube mein Kleid sieht auch ganz gut aus, zumindestens wenn man den Kommentare der Leute um einen herum glauben kann.

 

Am Sonntag habe ich dann mal den Gottesdienst bei uns in der Dining Hall besucht. Das war echt das geilste was ich jemals an Gottesdiensten hier in Ghana erlebt habe. Nachdem am Anfang gesungen wurde, wurde sich dann zusammen gesetzt und ein paar Bibelstellen vorgelesen, an denen die Identitäten des Menschen erklärt wurden. Den Gottesdienst haben übrigens Lehrer der Schule gehalten. Danach kam aber der absolute Höhepunkt. Jeff hat eine Bildepräsentation über den Himmel mitgebracht und hat den Schülern gezeigt und erklärt wie der Himmel aussieht. Im Himmel werden wir alle auf puren Gold gehen, es gibt Bäume mit 12 Früchten, das Fundament der Häuser ist aus Diamanten, usw. Und die Bilder dazu, das ganze hat auf uns mehr als lächerlich und fragwürdig gewirkt. Jeff hat uns dann auch erzählt, dass er sich schon seinen Baum reserviert hat. Ich weiß echt nicht was ich über solche Dinge denken soll. Ich glaube, dass das ganze hier mehr oder weniger ein Schutzmechanismus ist, um mit den Tod leichter umgehen zu können, da man hier glaube ich doch noch sehr viel stärker damit konzentriert ist als in Deutschland, aber trotzdem finde ich es fragwürdig, dass ganze dann auf so eine krasse Art und Weise zu vertreten.

Es ist echt krass an was für Dinge die hier noch glauben, an die in Deutschland oder Europa wirklich fast niemand mehr glauben würde. Ein Ghanaer hat das ganz passend ausgedrückt: die Europäer haben den Glauben damals nach Ghana gebracht und leben den jetzt selber nicht mehr so. Ich glaube, dass der Glaube hier so gelebt wird wie in Deutschland mehrere Jahre zurück.

 

Soo jetzt komm ich endlich mal zu meinen ersten Deutschunterricht. Ich habe hier die Ältesten der Schule und ich glaube ich als Lehrerin bin in der Klasse eine der Jüngsten, eine etwas komische Situation aber jetzt nicht wirklich schlimm. Der Unterricht hat auch entgegengesetzt meiner Erwartungen richtig Spaß gemacht. Das ganze hat dann daran geendet, dass ich mit meiner Klasse das Alfabet gesungen habe, eine der Schülerinnen ist sogar aufgestanden und hat dazu getanzt. Es war sehr lustig und wir haben viel gelacht. Irgendwann wurden wir dann von einen Schüler aus einen Nachbarklassenraum gebeten, das wir doch bitte etwas leiser sein sollten. Sein Kommentar zu uns war nur… wie im Kinderagrten. Es war überhaupt kein typischer Unterricht, ich habe auch in der Stunde jetzt mal auf sowas wie melden garkeinen Wert gelegt. Aber ich glaube es war einfach ein guter Start um sich gegenseitig kennen zu lernen und einfach einen Einstieg zu finden.

Ich der nächsten Stunde lege ich dann auch auf sowas wie melden wieder mehr wert.

Am Dienstag hatten wir dann auch unseren ersten Twiunterricht. Wir haben einer Lehrerin der Schule gefragt, ob sie uns Twiunterricht geben könnte. Wir haben etwas gekocht und zusammen gegessen danach dann gemütlich etwas Twi gelernt. So eine Stunde Twi bringt schon richtig viel, wir wollen das jetzt regelmäßg machen und dann werden wir alle Twiprofis!^^

Davor habe ich noch ein Plakat für unsere neu sortierte Bücherei gemacht, damit die Schüler wissen, wie man die Bücherei benutzen muss. Jetzt fehlt nur noch die neue Couch, die wir in Auftrag gegeben habe und dann steht der Bücherei nichts mehr im Wege und wir können die Schüler hoffentlich auch mal ein wenig anregen zu Lesen.

Soo liebste Grüße aus dem heute regnerischen Ghana!

Mareike

#7


So, man sollte meinen ich hätte aus meinen Fehlern gelernt und mittlerweile gemerkt, dass es nicht so klug ist fast 2 Wochen zu warten, um dann einen zweitklassigen Eintrag zu verfassen, aber was soll’s… Hauptsache etwas J

Und es ist viel passiert! Meine erste richtige Schulwoche hat stattgefunden, ich hatte Höhen und Tiefen im Bezug auf das Unterrichten, aber dazu später…

Zunächst nochmal zurück zum Sonntag vor fast 2 Wochen. An diesem Tag entschied ich mich zu Hause zu bleiben, anstatt zu einer Kirche mitzukommen. So hatte ich Zeit mich um kleine Arbeiten zu kümmern, aber ich verpasste eine großartige Zeit in der Kirche. Denn, wie mir später berichtet wurde, gingen meine Kumpanen nicht, wie zuvor erwartet, in die Kirche Milicents, sondern auf eine Riesenveranstaltung der Pentecost Churches im Umkreis. Dort haben sie die verrücktesten Sachen gesehen: Gläubige, die, vom Holy Spirit befallen, ihren Körper nicht mehr unter Kontrolle hatten. Das heißt, sie zuckten, konnten sich nicht mehr bewegen oder rannten einfach schreiend durch die Kante ohne Sinn und Verstand. In allen 3 Fällen wurden betreffende Personen von starken Männern aus der Menge hinaus getragen, wo sie sich wieder besinnen konnten. Das Interessante daran war, dass wirklich alle 5 Minuten jemand fällig war. Tja, andre Länder, andre Sitten…

Am Abend des Sonntags kam es dann endlich dazu, dass wir Foufou aßen, den wir vorher fast selbst gemacht hatten. Soll heißen: wir schauten einigen Schülern zu, wie sie Kasawa und Plantains zermatschten (einige von uns haben es auch ausprobiert, aber wir machten es natürlich falsch). Die Soße haben wir dafür aber allein gekocht. Da uns so viele Menschen geholfen hatten, mussten wir auch ziemlich viel abgeben. Satt wurden wir aber trotzdem. Nur die Schüssel, in welcher wir den Schülern das Foufou überreichten fanden wir erst 12 Tage später wieder.

Tja, dann war Montag. Mein erster Schultag, also ordentlicher Schultag. Ich kann mich aber kaum dran erinnern, soll heißen, dass er wenig eindrucksvoll war. Eigentlich hätte ich zwei Doppelstunden gehabt, aber durch ein Meeting, in welchem uns noch ein paar Sachen erklärt wurden und die SHS Timetables ausgeteilt wurden, fiel meine zweite Stunde aus… Lustig war, dass das Meeting durch einen Regenschauer unterbrochen wurde, weil der Regen so laut auf das Wellblechdach fiel, dass man kein Wort mehr verstehen konnte. Die erste war eher anstrengend, da meine „vorgesetzte“ Lehrerin, Dabora, versuchte herauszufinden, was unsere Schüler schon gelernt hatten, die Schüler kaum Antworten gaben und sich bei Nachfragen heraustellte, dass die Schüler nicht die geringste Ahnung von ihrem Stoff hatten. Naja, es gab ein oder zwei Schüler, die sich bemühten, aber der Rest hatte offensichtlich keine Lust. Als einer von ihnen, Samson, gebeten wurde doch bitte etwas an die Tafel zu schreiben weigerte er sich vehement. Schließlich gab Dabora auf, was hätte man auch sonst machen sollen… Ein extra Assignment geben? Und was dann? Eine schlechte Zensur. Das hätte auch keinen großen Unterschied gemacht. Glücklicherweise ist an unserer Schule seit Kurzem physisches Punishment ungern gesehen, weswegen keiner der Schüler aus dem Unterricht rausgezogen wurde und erstmal einen Schlag in den Nacken bekommen hat.

Tja, wir blieben die meiste Zeit in der Bibliothek und kümmerten uns um die Bücher, brachten Ghanaern UNO bei, zeigten ihnen meinen Kartentrick, der immer wieder die großartigsten Reaktionen hervorrief… Ich konnte von den ungläubigen Blicken und Aufschreien einfach nicht genug bekommen. Ghanaer wundern sich aber auch ziemlich geil! J

Am nächsten Tag hatte ich wieder ein bisschen Unterricht, der diesmal aber erfolgreicher war, denn wir hatten ein drittes Lehrjahr, welches viele Antworten gegeben hat und auch mal für den einen oder anderen Lacher gesorgt hat. Nach der gestrigen Stunde mit dem zweiten Lehrjahr hatten Dabora und ich uns dazu entschieden jeden Tag einige Worte zu diktieren, da die Rechtschreibung echt zu wünschen übrig ließ. Von 20 Worten, waren durchschnittlich 7 bis 8 richtig geschriebene dabei. So musste also auch das dritte Lehrjahr diesen Spaß über sich ergehen lassen. Aber die Leute nahmen ihre Fehler gelassen und machten trotzdem weiter ein paar Scherze. Sonst passierte diesen Tag nicht viel mehr, außer zwei kleinen Sachen. Als ich Cornelius zum Frühstück abholte (wir bekommen nämlich Frühstück und Mittagessen gestellt, was ziemlich geil ist, da so die Ausgaben für Essen extrem eingeschränkt werden), war dieser ziemlich geladen, da er gerade zusehen musste, wie seine S chüler von einer Lehrerin geschlagen wurden: sie mussten ihre Arme austrecken und bekamen ein, zwei, drei, vier Schläge mit einem dünnen Stock auf den Arm, bis sie vor Schmerzen den Arm wegzogen. Danach gab es noch zwei extra Schläge, sodass die Kinder heulend raus rannten und von ihren Klassenkameraden ausgelacht wurden. Nach diesem Erlebnis war Cornelius echt heftig drauf. Als er mit mir zum Essen ging, fand er die unschönsten Bezeichnungen für die Lehrerin und war auch sonst nervlich etwas angekratzt. Aber irgendwann hatte er sich auch wieder gefangen, die Bilder blieben jedoch in seinem Kopf zurück. Am Abend gingen wir in die Uni, um Sport zu machen und Online zu gehen. Auf dem Rückweg merkte Cornelius, dass sein Handy nicht in seiner Tasche war. Ein Anruf auf sein Handy ergab, dass das Handy ausgeschaltet war, ein verdammt schlechtes Zeichen. Cornelius ging trotzdem einfach nochmal zurück zur Uni und kam natürlich ohne Telefon zurück. Da kann man nichts machen. Erst R uven, dann Cornelius. Mal sehen wer der nächste ist…

Ich weiß nicht wann, aber ich glaube es war noch an dem Tag, an dem Cornelius sein Handy verlor, wurde uns auch offenbart, dass wir für eine Visumsverlängerung monatlich 40 Cedi bezahlen mussten. Ganz toll! Naja, es führt kein Weg herum, wir sollten uns nun also mit Jeff um 10 Uhr an der Uni treffen. Blöd war nur, dass ich einige Tage zuvor den Schlüssel der Bibliothek verloren hatte. Wahrscheinlich ist er mir beim Chatten auf dem Unigelände aus der Tasche gefallen. So musste ich mich also mit Sakkordie auseinanderzusetzen, anstatt zur Uni zu gehen. So trug es sich zu, dass wir 12 Minuten nach 10 ankamen und Jeff war nicht mehr da, sondern beschwerte sich über unsere Unpünktlichkeit. Da konnten wir so direkt nichts Passendes drauf antworten… In Ghana wegen Unpünktlichkeit angeklagt zu werden, ist schon was Besonderes! Wir haben noch viel zu lernen.

Tja, wir gingen zurück und gaben das Geld erstmal Mili, woraufhin sich Jeff wenig später das Geld selbst abholte. Nach der Schule gingen wir an diesem Tag zu PK, einem der Lehrer an unserer Schule, der ganz cool drauf zu sein scheint. Eigentlich wollten wir ihn schon Montag besuchen, aber es kam immer etwas dazwischen. Tja, er führte uns also zu seinem Haus in Ohwimase, was zwischen Kwadaso und Denkyemuoso liegt. Er lebte in einer netten Gegend in einer Einzimmerwohnung, was für einen alleinstehenden Mann ganz normal ist! Doof war nur, dass PK seinen Schlüssel in der Schule vergaß, weswegen er einen Schüler beauftragte besagten Schlüssel zu ihm zu bringen. In der Zwischenzeit zeigte er uns die anliegende Muckibude… Was man halt so Muckibude nennen will… Es handelte sich um einen Hinterhof ohne Dach, in welchem aus alten Metallstangen Geräte zusammengeschweißt wurden und Gewichte aus weiteren Stangen und schweren Zahnrädern gebastelt wurden. Höchst interessa nt. Wir probierten es auch aus und ich merkte wieder mal, dass ich man wieder etwas für meinen Körper tun sollte, aber das würde ja nur unnötig Zeit kosten J

Tja, irgendwann kam der Schlüssel und wir konnten PK’s Wohnung betrachten: eine Matratze, ein Kühlschrank, ein Ventilator, ein Computer und ein Haufen Zeug. Alles noch sehr spartanisch, doch okay, wenn man bedenkt, dass er dort erst für 2 Wochen wohnte. Tja, bald musste ich wieder los, weil der Mittwoch mein großer Tag werden sollte. Heute sollte ich nämlich irgendein Spiel pfeifen. Doch dazu musste ich erstmal von Ohwimase zur Uni kommen. Ich rechnete so mit einem 40 minütigen Fußweg. Ich hatte mich um vielleicht 10 bis 20 Minuten verschätzt. Es spielte aber keine Rolle, denn nach 15 Minuten Fußweg, wollte ich von 2 Ghanaern den kürzesten Weg zur Uni erfahren. Sie rieten mir, wie zuvor auch PK, am besten ein Taxi zu nehmen. Doch ich hatte mir mit Absicht kein Geld mitgenommen, weil ich vorbeugen wollte, schwach zu werden und doch eins zu nehmen. Also luden die beiden mich ein, mich mitzunehmen. Erst hatte ich mich ein bisschen zickig, aber willigte dann dankba r ein. Wir unterhielten uns und es stellte sich heraus, dass einer der beiden schon für oder vor, ich weiß es nicht genau, 10 Jahre(n) in Deutschland war. Er konnte kaum ein Wort Deutsch, aber das macht ja nichts J

Es machte Spaß dort mit den beiden zu stehen und zu smalltalken. Irgendwann kam eine Straßenverkäuferin vorbei und verkaufte einem der beiden etwas. Wie mir nun erklärt wurde, handelte es sich um geraspelte Kasawa, die in Öl getaucht wurde und dann frittiert wurde. Dazu wurden Kokosstücke gegessen. Es war ein unglaublicher Gaumenschmaus. In Zukunft sollte ich noch viel davon kaufen. Tja, irgendwann waren wir dann an der Uni, aber bedanken konnte ich mich nie bei den beiden. Ich hatte weder mein Handy mit, noch sonst irgendwas. Das fand ich schade, war aber nicht zu ändern. Durch die Taxifahrt war ich schon etwa 20 Minuten zu früh da. Die Mannschaften waren erst eine Stunde nach meiner Ankunft vollständig… Tja, aber vorher konnte ich mich noch ein bisschen mit einem Spieler unterhalten. Er war Lehrer für Woodwork an der Uni und kam ursprünglich aus einer anderen Region, wo man kein Twi sprach, weswegen er es auch nicht sprechen, aber verstehen konnte. Weswegen eine Unterhaltung von ihm und einem Einheimischen recht lustig war. Der Einheimische redete auf Twi und der Lehrer auf Englisch. Von ihm wurde mir später auch noch getrocknete Tigernuss angeboten. Sehr geil! Und nur zu empfehlen J

Dann ging das Spiel los. Ich hatte mir extra für die Gelegenheit ein schwarzes Hemd und meine Jeans angezogen. Und natürlich entpuppte sich der Nachmittag als überaus heiß. So schwitzte ich mich zu Tode, erledigte den Schirijob aber ganz passabel. Nach dem Spiel durfte ich dann auch noch Spielen, was meine Sachen aber nicht so Recht zuließen. Ich spielte aber trotzdem und überbot mich selbst. Diesmal waren auch ziemlich viele gute Spieler dabei, was das ganze Spiel noch geiler gestaltete. Danach ging ich verschwitzt nach Hause und fand eine verschlossene Tür vor. Die anderen waren noch nicht da… Und mein Handy hatte ich großartigerweise hinter der verschlossenen Tür liegen lassen. Also wartete ich erst ein bisschen, um dann die wahnwitzige Idee zu bekommen bei den Schülern duschen zu gehen. Ich tat es nicht, bat sie aber um Hilfe. Samson gab dann irgendwann sein Handy und so konnte ich PK anrufen um die anderen zu bitten nach Hause zu kommen. So bot mir Mareike an, dass ich ja auch ein Handtuch von ihr nutzen könnte und bei ihr duschen könnte. Welch eine Wohltat! Nach der Dusche setzte ich mich zu Mili und Lucy in die Küche und ließ mich vom lustigen und sinnlosen Gelaber berieseln. Nebenbei bekam ich noch Kochbananen mit irgendeiner Soße und ich durfte auch mal von Milis Essen probieren. Das war irgendein Fisch mit sehr scharfer Soße, wie sie sagte. Sie hatte davon auch schon Tränen in den Augen. Da mir dieses Essen zu salzig war, konnte ich aber nicht mehr essen, um mal eine besondere Art von Schärfe zu erleben. Ich weiß nicht mehr worüber wir so geredet haben, es war einfach zu bedeutungslos, doch was sage ich da? Ich wurde von Lucy auf knallharte Weise davon unterrichtet, dass es einen Gott gibt und so folgte ein viertelstündiges Gespräch mit anschließendem halbstündigem Monolog Lucys. Weder Mili noch Lucy konnten verstehen, wie ich nicht an Gott glauben kann. Später erzählte mir Mareike von ihren Erlebnissen. Sie mu sste sich ebenfalls lange Monologe anhören und als sie dann sagte, dass sie, um zu glauben, irgendeine Art Beweise brauche und es die nicht gebe, wurde sie auf die Bibel hingewiesen. Als Sie sagte, dass das ja nicht vollkommen für voll genommen werden kann, wurde sie damit konfrontiert, dass es aber ein Buch ist und in Büchern die Wahrheit steht. Naja, da gab es keine Kompromisse.

Tja, irgendwann waren dann die anderen da und ich konnte in mein Zimmer. Nunmehr glücklich und zufrieden. Sie erzählten mir, dass auch der Besuch bei PK schön war. Leckeres Essen, schöne Musik und feine Unterhaltung. Mareike musste aber nebenbei nervige kleine Bemerkungen von PK aushalten, zu einem späteren Zeitpunkt sollten ihr diese dann doch sehr auf die Nerven geben.

Nun ja, der nächste Tag war als solches nicht besonders. Während der Schulzeit vergnügte ich mich mit den Lehrern, während Cornelius und Ruven weiter an der Bibo bastelten. Sie schafften es endlich alle Bücher zu codieren. Der Abend jedoch sollte etwas verrückter werden. Wir trafen uns wieder mit PK. Dafür gingen wir irgendwann abends zu ihm und ließen uns wieder das Yam/scharfe-Soße-Gericht vorsetzen und gingen danach in eine Bar. Eigentlich sollte es ein Club werden, aber PK meinte, dass wir es diesen Abend ruhig angehen lassen sollten und dafür dann am Abend vor seinem Bday, nämlich am Sonntag ordentlich krachen lassen sollten. Diesmal gesellte sich ein guter Freund PKs zu uns. Er war ziemlich groß und kam etwas dümmlich rüber, da er relativ aufgepumpt aussah und sonst nicht viel zu kennen schien. Es stellte sich aber heraus, dass er IT Lehrer war. Naja, er lachte auf jeden Fall lächerlich und hatte ein gewisses Verlangen sich durch Männlichkeit zu profi lieren. Aber immerhin fuhr er uns zur Bar und zurück. Er war aber der, der am Meisten getrunken hatte. Jedoch war er nach den 3 Bier und den 0,2 Litern Schnaps noch erstaunlich nüchtern, was das ganze etwas relativiert. Sein ganzes Verhalten gefiel mir nicht, aber ich sagte nichts, weil ich keinen Stress wollte. Bei der Bar angekommen, musste ich mich auf einen Abend voll Reggaemusik einstellen. Nach der ersten Runde Bier stieg ich auch schon aus, denn ich konnte und wollte es an diesem Abend nicht übertreiben. Bald jedoch sollte getanzt werden. Natürlich nicht auf einer Tanzfläche, sondern am Tisch. Die ersten waren Ruven und PK, später kamen Big Sheriff (der Freund PKs) und Mareike hinzu. Ich ließ mich noch eine Runde feiern, wurde dann aber doch überredet. Aber wie sollte man zu so einer Musik tanzen? Ich beobachtete einfach ein wenig Big Sheriff, denn der tanzte ausgesprochen komisch. Es war ein Mix aus Elvis Rock’n’Roll (sprich: er bewegte seine Hüften anzüglich), Elektrodance (sah eigentlich ganz cool aus, aber er konnte nur die eine Sache und die machte er immer wieder: es sah aus als ob ein Blitz in seine eine Hand reingeht, er zuckt, während der Blitz durch seinen Körper wandert und schlussendlich zur anderen Hand wieder austritt) und einer undefinierbaren Tanztechnik (er hielt eins seiner Beine nach vorne ausgestreckt und umschloss mit seiner Hand seinen Knöchel, alsbald begann er auf dem zweiten Bein zu hüpfen… ). Es war verrückt! Naja, natürlich ließ PK keine Chance offen Mareike zu berühren. Es hob sie hoch, ließ sich mit ihr fotografieren, blablaba… Sie tat mir schon ein wenig leid. Naja, auf dem Rückweg wurde uns dann offenbart, dass der Wagen noch Benzin bräuchte und die Tankstelle in der Nähe nur für 10 Cedi auffüllt. Die Preisfrage ist nun: wer durfte das bezahlen? Wenn mich etwas stört, dann ist es die Selbstverständlichkeit mit der wir als Geldgeber gesehen werden. Und, dass alle Haken so lange geheim gehalten werden, wie nur möglich. Ich meine ich hab gerne in der Bar für PK und Sheriff bezahlt. Kein Ding! Aber das mit dem Benzin hat mich extrem gestört!

Naja, trotz angetrunkenem Zustand sind wir aber nach Hause gekommen. Es war auch nirgendwo knapp. Ich glaube, dass Sheriff das öfter macht. Am nächsten Tag, Samstag, erzählte PK uns, dass Sheriff meinte, dass man doch gleich nochmal weggehen könnte, oder es halt so einrichten könne, dass man jedes Wochenende zusammen trinken geht. Da hätte ich auch schon wieder rot sehen können! Kann ich mir gut vorstellen, dass Sheriff mit uns trinken gehen will: er kriegt seinen Alkohol, neues Benzin und eine sorgenfreie Zeit, denn alles ist für umsonst.

Macht ja nichts und ist auch egal! Mit etwas Geschick kann ich Sheriff auch leicht aus dem Weg gehen.

Am nächsten Tag war ich am Anfang ein wenig angesäuert, weil uns komplett kurzfristig gesagt wurde, dass Ruven und ich zu einem Radiointerview zur Brong Ahafo Region müssen. Um 11 Uhr sollte es losgehen und wehe wir wären nicht rechtzeitig fertig gewesen! Das wurde uns noch gesagt. Klar, dass es erst eine Stunde später losging. Naja, der Trip entwickelte sich eigentlich als ziemlich interessant. Ab einem bestimmten Zeitpunkt begann die Landschaft echt schön zu werden und wir machten einige Fotos. Dann hatten wir auch die interessante Erfahrung eines Plattens am Auto. Man muss sich das so vorstellen. Wir fahren so dahin… Ruven und ich am lesen. Plötzlich kommt aus dem nichts ein komplett ungewöhnliches Geräusch: klackklackklackklackklack… wir schrecken alle auf und der Fahrer fährt an die Seite der Straße. Erst kann nichts gefunden werden, aber ich entdeckte dann den Schaden. An einen der Reifen ist wohl irgendetwas Scharfes gekommen, weswegen es die obere Sc hicht des Mantels auf gerissen hat. Glück im Unglück, das hätte auch richtig schief gehen können! Naja, dann haben wir den Reifen gewechselt und haben den Reifen im nächsten Dorf reparieren lassen. Weiter ging die Fahrt. Natürlich übermannte uns auch bald die Müdigkeit, so dass ich total verschlafen war, als wir endlich die Radiostation erreichten. Sie hieß Jeffreyson Fm – The Exclusive Station… Wir warteten eine Weile und dann wurden wir ins Aufnahmezimmer geholt. Auf der Fahrt hatten wir mit Sakkordie besprochen, was wann gesagt werden sollte und dass wir uns keine Sorgen machen müssten, weil wir sowieso erstmal einen Probedurchlauf machen würden. Tja, Pustekuchen von wegen Probedurchlauf. Zum ersten Mal beim Radio und gleich live dabei… Aber wir mussten glücklicherweise nicht viel reden. Sakkordie erledigte das. Wir sagten dann nur manches auf Deutsch und sagten wenige Sätze über uns selbst. Am Ende mussten wir noch die Radiostation auf Deutsch anpreisen, was eigentlich ganz witzig war. Und schon war die Vorstellung vorbei. Nach etwa 4,5 Stunden Fahrt, waren diese 30 Minuten der Grund unseres Herkommens. Halt! Noch nicht ganz. Ruven und ich musste noch etwas sagen wie: Hi, my name is Fabian Hofmann. And everytime I’m visiting Brong Ahafo, I’m listening to Jeffreyson Fm…

Aber eigentlich war das ganze ziemlich witzig. Zum gelungenen Abschluss bekamen wir dann auch noch Foufou von der Schule ausgegeben. Diesmal mit Bushmeat, was neben Chicken das leckerste Fleisch ist, das ich hier drüben gegessen hab. Auf dem Rückweg unterhielt ich mich dann noch eine Runde mit Davidad, die ebenfalls Lehrerin an unserer Schule ist und unterstützend mitgekommen ist. Ich fragte sie, was denn so das schärfste ist, was man hier in Ghana an Gericht bekommen kann. Die Antwort war Kele-Wele oder so. Und wir sollten einfach Lucy fragen, ob sie uns zeigen kann wie es geht. Unglücklicherweise bekam ich in den Tagen danach so krasse Magenbeschwerden, dass ich scharfe Speisen gar nicht herunter bekommen konnte. Naja, so ist das Leben.

Als wir wieder zu Hause waren, erzählte uns Cornelius ganz aufgeregt von seinen Erlebnissen. Er hatte eine Gottesanbeterin beim Fressen sehen und fotografieren können und das Beste: er hatte zusehen dürfen, wie die Schüler eine Katze schlachteten und aßen. Er hatte auch ein Stück probieren dürfen und meinte, dass es eigentlich ganz lecker war. Die Bilder von der Katze würde ich gerne uploaden, aber dazu ist mein Internet zu langsam. Tja, fragt mich einfach mal in einem Jahr wieder.

Und noch etwas trug sich an diesem Abend zu. Jonas, der Volunteer aus Accra kreuzte endlich bei uns auf. Und es gab viel zu erzählen! Er war nämlich kein bisschen glücklich mit seiner Stelle. Es gab Intrigen über Intrigen und nichts bewegte sich. Dadurch kam er auch nicht dazu zu arbeiten, was sich doch sehr auf sein Gemüt auswirkte. Er fühlte sich einfach relativ unnütz. Davor beneidete ich ihn unendlich um seine Stelle, weil er allein war und somit Ghana viel krasser erleben musste. Er sollte eigentlich eine Gastfamilie bekommen, die ihm natürlich Twi und Kochen beigebracht hätte. Aber er lebte nur in einer heruntergekommenen Jugendherberge und in seiner Organisation redeten die wenigsten Twi, wodurch er auch nur 2 bis 3 Worte auf Twi sprechen konnte. Naja, aber immerhin kam er viel zum Reisen, weil er als eine Art Botschafter zu einigen Treffen in ganz Ghana eingeladen war. So zeigte er uns am Samstagabend auch unglaublich viele Fotos von Sehenswürdigkeiten, d ie wir in einem Jahr nicht sehen würden.

Aber der Subtext von Jonas‘ Erzählungen war doch eher negativ. Besonders als er dann sah, was wir für ein gediegenes Leben hatten und haben.

Der nächste Tag begann mit Kirche… Debora hatte mich und Cornelius nämlich zwei, drei Tage zuvor eingeladen. Also gingen wir mit ihr und Anita zum Campusgelände. Kurz vor der Ankunft wurde uns dann auch offenbart, dass wir uns aufteilen würden, denn Anita und Debora besuchten unterschiedliche Kirchen. Also zog mich Debora ins presbyterische Kirchenzimmer (denn der Gottesdienst fand in Unterrichtsräumen statt) und Cornelius wurde von Anita verschleppt. Naja, in meinem Zimmer war schon eine ziemliche Fete am laufen. Soll heißen, es wurde geklatscht, gesungen und getanzt. Ganz normal also. Mir wurde ein Platz zugewiesen, aber ich setzte mich zurück neben Debo, weil ich sie fragen konnte, wenn ich irgendwas nicht verstanden habe. Zum Gottesdienst selbst kann ich nicht so viel sagen, aber zwischendurch regnete es wieder heftig, weswegen es am Ende der Vorstellung unmöglich war keine komplett durchgeweichten Schuhe zu haben. Sonst gibt es hierzu eigentlich nicht so vie l zu erzählen, denn der Gottesdienst hat mir nicht so viel Spaß gemacht. Aber ein, zwei Vorteile hatte er, denn erstens war er extrem kurz (nur 2 Stunden) und es gab am Ende noch Wein und Oblaten. Zu allem Überfluss gab es bei Anitas Gottesdienst auch Essen und Trinken und auch dahin wurde ich noch eingeladen. Nachdem alle Messen gesungen waren, wollten die Mädels noch Bilder machen. Danach gingen alle außer mir nach Hause, da ich noch etwas auf dem Campusgelände zu tun hatte.

Nun ja, nachdem ich dann auch wieder zu Hause war, einigten wir uns darauf Jonas Kumasi zu zeigen. Leider ist der Sonntag dafür nicht soo sehr geeignet, aber immerhin konnte er mal die Ausmaße des Zentralmarktes kennen lernen. Er zeigte uns auch, wie man Kokosnüsse richtig kauft und danach hatten Cornelius und ich (bis heute) ein ständiges Verlangen nach Kokos. Frisch und etwas gekühlt schmeckt das aber auch zu geil! Naja, als wir dann wieder in Denkyemuoso waren, machten wir uns fertig um zu PK zu gehen. Als wir kurze Zeit später bei ihm waren, mussten wir erstmal etwas zu essen klar machen. Wir kauften die Zutaten für Reis und Tomaten-Ei-Suppe im Dorf und es wurden einige Bierflaschen gekauft, von denen ich aber letztendlich nichts wollte, da mit diesem Sonntag die Phase begann, in der ich die ganze Zeit irgendwie kränklich war. Das Essen war richtig geil und obwohl mir schlecht war, aß ich immer weiter. Am Ende war mir richtig unangenehm schlecht, aber das war es irgendwie auch wert. Und wie ich so darüber schreibe, bekomme ich eine extreme Lust auf Reis mit Tomate-Ei-Soße… Alter, war die lecker!

Abe damit war der Abend für mich gelaufen. Ich bestellte ein Taxi und fuhr nach Hause. Die anderen wollten sich eigentlich noch in einen Club abseilen, aber dazu ist es dann wohl nie gekommen. So ganz hab ich es nicht mehr im Kopf, doch sie sind wohl ewig weit gelaufen ohne etwas zu erleben. Naja Mareike erlebte PK… Denn der war diesmal noch offener. Als sie alle nach Hause kamen, schien Mareike richtig geladen zu sein, deswegen fragte ich auch nicht nach. Mir tat es nur Leid für Jonas, der extra noch den Abend frei genommen hatte, um dann so eine Nacht erleben zu müssen.

Der nächste Tag war dann ziemlich besonders, denn er sollte eine Wendung bringen. Erstmal nämlich ging es Ruven auf einmal richtig schlecht. Er erbrach sich und ging diesen Tag noch ins Krankenhaus. Dort wurde gesagt, dass er wohl Malaria habe… Wow, das war eine Nachricht! Und auch irgendwie Schicksalsschlag. Denn eigentlich war ich es immer, der es drauf angelegt hat. Derjenige, der nie Mückenabwehrmittel verwendet, mal vom Mückennetz abgesehen. Und dann sollte Ruven Malaria haben. Tja, er bekam Tabletten und nach der Behandlung wurde er nochmal getestet und da kam heraus, dass er gar keine Malaria hatte. Aber die Krankheit meine ich mit Wendung gar nicht, denn für mich passierte etwas viel Eindrücklicheres. Diesen Morgen sollte ich nämlich bei dem zweiten Lehrjahr Englischunterricht geben. Jedoch mit Debo zusammen. Also ging ich davon aus, dass sie was vorbereitet hat. Hatte sie bestimmt auch, doch sie wurde zu einem Gespräch mit Sakkordie gerufen, somit wurde ich ins kalte Wasser geworfen und sollte eine Klasse unterrichten ohne auch nur irgendwie vorbereitet zu sein. Naja, ich hatte noch ein Diktat übrig, was ich auch gleich durchzog. Aber da meine Schüler meinen Akzent nur schwer verstehen, war ich oft auf die Hilfe meiner Schüler angewiesen, was das ganze etwas sinnlos gestaltete. Einer der Schüler, Sylvester, zog das Ganze auch recht stark ins lächerliche. Wenn ich ihn um Ruhe und Ernsthaftigkeit bat, ließ er für ein, zwei Sekunden von seinem Unsinn ab und konzentrierte sich. Die Sache ist ja, dass er eigentlich ein kluger Schüler ist und sicherlich der Zweit- oder Drittbeste der Klasse ist und der Beste sein könnte, aber ihm ist es einfach zu egal. Als die Leute dann meine Unsicherheit und Schwäche gelesen hatten, erlaubten sie sich mehr und mehr. Sie redeten auf Twi und als ich um English bat, wurde ich wenig bis gar nicht beachtet. Manche Schüler reagierten auch einfach überhaupt nicht auf mich. Eine Schülerin ließ si ch auch nichts sagen, schien angepisst zu sein, wenn persönlich angesprochen. Ich wusste nicht was ich mit ihr anstellen sollte. Sie aufzugeben schien mir am Anfang noch zu einfach, aber nach diesem Tag war es mir dann schon so etwas wie egal. Denn als das Diktat vorbei und korrigiert war, wusste ich nicht mehr worüber ich reden sollte. Fragte also nach einigen Sachen der letzten Stunde, was mir zeigte, dass nicht mal ich davon eine hundertprozentige Ahnung hatte. Auf jeden Fall wurden die Schüler immer unruhiger und ich hoffte immer mehr auf die Rückkehr von Debo. Und dann kam sie irgendwann. Ich war schon kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil kaum noch englische Worte im Raum schwirrten. Und kurz nach ihr kam Sakkordie und hatte die flotte Idee, sich doch mal Respekt zu verschaffen, indem er allen, die keine ordentlich rasierten Haare hatten (hier ist ein Milimeterschnitt ziemlich normal) die Haare zu verunstalten, sodass sie sie schneiden mussten. Der Einzige, der daran Spa ß hatte, war eindeutig Sak. Und ich darf behaupten, dass ich den Schaden hatte. Denn ich verstand weder den Sinn der ganzen Veranstaltung, noch konnte ich die Schüler danach auch nur ansatzweise bändigen. Ich war verzweifelt, denn die Schüler gifteten sich auf Twi an, waren echt kurz dafür einen handgreiflichen Streit anzufangen. Das war zu viel für mich. Debo schlug vor einfach aus dem Raum zu gehen, sodass die Schüler vielleicht merken würden, was sie da eigentlich taten. Danach berichtete ich die Vorfälle Sakkordie und ging zu meinem Zimmer. Als ich außer Reichweite allens war und dort Ruven und Jonas in unserem Zimmer saßen, brach ich hoffnungslos in Tränen aus. Keine Chance aufzuhören. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Die Schüler hatten mein Nervenkostüm durchlöchert, wie Motten. Es dauerte bis zum nächsten Morgen bis ich mich soweit gefangen hatte, dass ich nicht sofort zu weinen begann, wenn ich mit irgendwem sprach. Das war ein interessantes Er lebnis. Im Nachhinein hatte ich eine Rücksprache mit Sakkordie, der mir schilderte, dass seine Aktion absolut nachvollziehbar und sinnvoll wäre und Debo wegen der aus-der-Klasse-geh-Sache rügte. Das war auch wirklich nicht so professionell. Aber für mich war es vielleicht das Beste. Dann hatte ich auch noch mit zwei Schülern der Klasse eine kurze, ungezwungene Rücksprache, in der sie sich unaufgefordert entschuldigten und ihre Probleme darlegten und mir gut zusprachen. Danach ging es mir auf jeden Fall wieder gut. Denn ich wollte die Klasse auf keinen Fall aufgeben, was ich aber musste. Naja, als ich nach der ganzen Aktion bei den Lehrern saß, regten die sich über unbändige Schüler auf, die es nicht besser verdient hätten. Während mir lieb auf die Schulter geklopft wurde. Das fand ich dann auch nicht total toll, aber sie wollten ja nur helfen. Tja, no hard feelings. Am nächsten Tag war eigentlich schon alles vergeben und vergessen, denn ich sollte mit Ruven zusammen wied er als Modepüppchen mit Sakkordie mitkommen. Doch weil Ruven krank war, kam Cornelius mit. Diesmal blieben wir innerhalb der Asante Region. Wir fuhren etwa 1,5 Stunden irgendwo hin. Den Namen des Dorfes hab ich vergessen. Angekommen, liefen wir zum lokalen Informationszentrum und riefen die Attribute unserer Schule aus. Daraufhin sollten einige Leute kommen und Fragen stellen. Cornelius und ich stellten uns eigentlich nur vor und schauten dann Kindern hinterher, weil die die einzigen waren, die sich ernsthaft für uns interessierten. Naja, nachdem wir in dem Zentrum fertig waren, ließen wir uns von unseren Füßen, Sakkordie hinterher tragen. Übrigens war diesmal der Lehrer mit, mit dem ich mein erstes Gespräch über Gott hatte. Er ist ein sehr angenehmer, ruhiger Zeitgenosse. Naja, während Sakkordie und dieser Lehrer eher nach Erwachsenen suchten, die Kinder und Geld haben, suchten wir nach Kindern, mit denen man gut spielen kann. Wer jemals hier gewesen ist, wird wissen, was ich meine. Tja, irgendwann kamen wir dann bei einem Foufoustand an und durften selbst mal ein bisschen zermatschen, machten es aber offensichtlich falsch, denn die Foufoufrau lachte uns aus. Naja, auf dem Rückweg waren wieder Kinder angesagt. Dann fuhren wir ins nächste Dorf. Das war ein bisschen größer, aber der Ablauf war ähnlich. Während Sakkordie Dinge über die Schule verlauten ließ, spielten wir eine Art Verstecken mit den Kindern. Die Kinder mussten versuchen uns zu sehen, ohne dass wir sie sehen. Das war ganz witzig. Und da war auch ein übersüßes kleines Mädchen, das anfangs noch total Angst vor uns hatte und uns nach 20 Minuten schon die Hand gab. In der dritten Stadt gab es dann Foufou für uns. Wir besuchten nämlich den Vater des Lehrers und der hatte extra was für uns vorbereitet. Danach erzählten wir auch hier von unserer Schule. Diesmal aber nicht über Lautsprecher, wie in den beiden Dörfern davor, sondern diesmal auf dem öffentlichen Marktplatz. Da s war irgendwie komisch, weil einen da alle angestarrt haben. Naja, als der Spaß dann vorbei war, machte ich noch einige Fotos von einem Mann der Kentestoffe webte und gefühlte tausend Bilder von den Kindern, die auf absolut krasse Art und Weise auf eine Digitalkamera abgehen.

Tja, der Chief der Stadt lud uns auch ein, mal wieder aus Spaß ins Dorf zurück zu kommen und ein anderer gab uns seine Handynummer. Hier wollten wir unbedingt wieder hin. Nicht etwa, weil wir eine so besondere Bindung zu den Menschen aufgebaut hatten, sondern viel mehr wegen der Landschaft. Den umliegenden Wald, da waren Cornelius und ich uns sicher, wollten wir unbedingt mal besuchen!

Naja, dann war nur noch eine Adresse auf unserem Fahrplan, bevor wir nach Hause fahren sollten. Wir besuchten eine Schule und haben den Principal der Schule darum gebeten, einige Schüler seiner Schule an uns weiterzureichen. Er schien ganz froh darüber zu sein und gab Cornelius und mir seine Handynummer, weil er sich mit uns treffen wollte, wenn er mal unsere Schule besuchen kommen sollte.

Danach war der Tag eigentlich auch schon wieder vorbei, denn zu Hause fiel ich einfach nur noch in mein Bett. Auf dieser Fahrt las ich übrigens auch „Wüstenblume“ aus. Ein unglaubliches Buch und überaus zu empfehlen! Es geht um eine somalische Nomadentochter, die über Umwege aus ihrem Leben heraus nach London kommt und dort eine Modelkarriere startet. Es beruht auf dem Lebenslauf der Autorin. Das Buch hat mir gezeigt, wie gut es den Leuten hier geht, im Vergleich zu den aus anderen afrikanischen Ländern.

Tja, am nächsten Tag hatte ich das erste Mal mit dem ersten Lehrjahr Unterricht. Soll heißen ich saß da, während Debo ihren Vortrag hielt. Diesmal ausgesprochen zielstrebig und, anders als sonst, hat sie diesmal kein Wort zugelassen. Deswegen lief der Unterricht ziemlich gut, nur war mir schnell langweilig, da ich nichts zu tun hatte und es auch nicht spannend war, weil ich alles schon in den anderen Klassen gehört hatte. Naja, später haben wir dann endlich mal eine Art Betaversion des Stundenplans bekommen. Da waren noch kleine Fehler, aber das war kein Problem, denn ich war so froh, dass es endlich bald geregelte Bahnen geben würde. Bahnen, in denen man im Voraus planen konnte.

Diesmal hatte ich auf dem Volleyballplatz eine interessante Erfahrung machen dürfen. Denn ich kam zu früh zum Training und nur einer war da. Er lud mich ein mit ihm zu kommen und sich in den Gemeinschaftsraum der Schule zu chillen. Das tat ich natürlich gerne. Die Leute schauten sich gerade ein Fußballspiel an. Chelsea gegen Hearts… Aha, dachte ich. Premier League. Das war es auch, aber halt die ghanaische. Die Hearts sind ein Team aus Accra, die letztes Jahr den Meisterschaftstitel gewonnen hatten. Ich hatte keine Ahnung wo Chelsea herkam, aber die meisten der Leute waren für diese Mannschaft. Die ganze Zeit machten sich die Zuschauer gegenseitig runter. Lachten einander aus, weil die jeweils andere Mannschaft Unglück hatte und ähnliches. Es war einfach zu lustig! Dann kam irgendwann einer der besseren Volleyballspieler und hielt knallhart auf Hearts. Als diese dann ein Tor schossen, flog er förmlich durch den Raum, blieb bei jedem zweiten stehen und machte Witz e. Ich fragte mich, wie ein echtes Spiel laufen würde.

Am Abend rief mich eine ehemalige Freiwillige an, Jessica Rex. Sie erzählte mir von einigen Projekten, die sie hier hatte. Zum Beispiel hatte sie einen Schützling, der tatsächlich nicht lesen konnte. Also hatte sie es sich zum Ziel gesetzt, ihm genau das beizubringen. Ich sollte ihre Arbeit nun fortführen, was ich etwa eine Woche später begann. Dann erzählte sie mir auch von einigen Problemkindern der Schule, die zwar gesponsort werden, aber nicht so recht einsehen, warum sie hier sind. Sie riet mir also, doch mal zu versuchen mich um den einen oder anderen zu kümmern. Mal sehen was daraus wird.

Am nächsten Tag hatte ich wieder eine Stunde mit dem zweien Lehrjahr und sie waren wie ausgewechselt, denn Debo zog ihren Unterricht diesmal absolut sauber durch und ließ wieder keine Gespräche zu, die nicht mit dem Unterricht zu tun hatten. Sie schrieb die ganze Zeit. Für deutsche Verhältnisse viel zu frontal, aber die Schüler fanden es gut und hatten ein positives Gefühl danach. Absolut unverständlich. Naja, eigentlich hätte ich danach meine erste richtige Stunde mit dem ersten Lehrjahr gehabt, aber ich wurde von Keykey aus Accra angerufen und der sagte uns, dass unsere Passbilder nicht von der Embassy angenommen wurden und deswegen unsere Visen nicht verlängert werden können, außer wir machen so schnell wie möglich neue. Also stürzten Mareike und ich Hals-über-Kopf nach Kumasi um dort Cornelius und Ruven zu treffen. Doch die beiden waren noch im Krankenhaus wegen Ruvens Malariatest. Also entschied ich erstmal was zu essen. Danach hatte ich ein extrem unangenehmes Bauchgefühl und schnell begann ich von Bauchkrämpfen, hervorgerufen durch ein dringendes Verlangen sich zu erleichtern, gepiesackt zu werden. Also suchten wir beide eine Bedürfnisanstalt, doch das war leichter gesagt als getan. Ich konnte teilweise nicht mehr laufen vor Schmerzen und dachte schon ich würde platzen, doch dann sagte Mareike, dass sie wüsste, dass hier irgendwo in der Nähe eine Toilette sein solle. Also liefen wir dahin, liefen aber in eine falsche Straße und staden ohne Toilette da. Ich dachte ich müsste sterben! Also sprach ich eine Frau an und wollte wissen wo ich mich erleichtern könne. Sie schickte ihre Tochter mit uns und wir ließen uns leiten. Nach einer gefühlten Ewigkeit und etwa 4 Stopps wegen Krämpfen, kamen wir endlich an und die Welt war wieder in Ordnung. Wir schossen die Bilder, ließen uns von unserem persönlichen Straßenverkäufer zur Poststation führen und schickten die Bilder endlich ab. Ach ja, die Bilder wurden ni cht etwa in einem Automaten gemacht, sondern auf offener Straße, auf einem Hocker und vor einem weißen Bettlaken. Sie waren vollkommen überbelichtet… Aber egal, Hauptsache Passbilder!

So der nächste Tag war ein Freitag. Also der geilste Tag in der Woche, denn ich habe keinen Unterricht und zukünftig sind Freitage Practicaltage und das heißt, dass es bald etwas zu essen gibt. Naja, ich hab eigentlich ziemlich hart entspannt und mich mit Ruven noch ein wenig um die Bibliothek gekümmert. Dabei haben wir es tatsächlich geschafft, auch die letzten Bücher in die richtige Reihenfolge zu bringen. Endlich! Jetzt fehlte nur noch die Beschriftung an den Schränken. Naja, die Freude war dann schnell vorüber, denn nachdem die ersten Lehrer in der neu arrangierten Bibliothek waren, war die Hälfte wieder durcheinander. Das war nicht so witzig. Aber naja, nachdem die Schule vorbei war, sollte ich mich dann endlich mal dazu zusammenreißen, mich mit Ike und Sampson zusammenzusetzten und mich ums Internet kümmern. Dafür gingen wir zusammen mit noch 4 Schülern zur Uni und ich ließ 5 Schüler beim Volleyballplatz zusammen mit einem Basketball und den Federballschlägern und nahm einen mit mir mit. Ike war der erste. Erstmal wollte er, dass wir seinen Facebookaccount auf Vordermann bringen. Doch der war noch nicht mal richtig eingerichtet. Er musste noch einige Sachen bestätigen, bevor er überhaupt Zugriff auf Facebook hatte. Dann uploadeten wir ein Profilbild und daraufhin gingen wir erstmal offline, denn er wollte eine Nachricht schreiben. Das dauert aber ewig, weil er das Ein-Finger-System verwendet. Und zwar mit Suchfunktion für jeden Buchstaben. Für eine Zeile brauchte er gefühlte 5 Minuten. Vielleicht auch 10… Ich weiß es nicht. Die ganze Nachricht wollte ich mir nicht antun, weswegen ich bald zum Volleyballfeld floh. Doch mittlerweile begann es zu regnen, stark zu regnen! Doch ich kümmerte mich nicht drum. Es fühlte sich großartig an, durch den warmen Regen zu laufen, während das Wasser in Strömen über mich floss. Dann versuchte ich ein bisschen Basketball zu spielen, versagte dabei aber heftigst. Durc h den ganzen Regen, war das Spiel unberechenbar. Naja, dann spielte ich erstmal nichts mehr, weil es mir zu dumm wurde. Aus Volleyball wurde natürlich auch nichts. Aber da die anderen Federball spielten, spielte ich ein bisschen mit, aber wegen dem Regen war das relativ gesundheitsgefährdend. Aber es hielt mich für eine lange Zeit unter dem Regen. Bald wurde es etwas windig, wodurch mir ziemlich kalt wurde. Ich war so dumm! Nach etwa 1,5 Stunden kamen Cornelius, Ruven und Ike, was mir sagte, dass ich nun Sampson in Computertechnologie unterrichten sollte. Denn er hatte noch nie vor einem Computer gesessen. Weswegen er auch kaum mit dem ganzen Zeig klar kam. Es stellte meine Geduld sehr auf die Folter. Aber wir richteten ihm einen Emailaccount ein. Ob das so sinnvoll war, weiß ich nicht, aber Sampson war glücklich. Das war auch schon mal was wert. Naja, mir ging es mit der Zeit immer schlechter und ich fühlte mich echt unwohl. Deswegen überzeugte ich Sampson bald nach Hause z u gehen. Damit war eine Woche Krankheit eingeleitet. Der nächste Tag war einfach nur total schlimm! Ich konnte kaum aufstehen und schlief den ganzen Tag. Die anderen gingen nach Kumasi und kauften dort Stoffe für spezialangefertigte Hemden und sie schauten sich noch so ein bisschen um. Naja, ich war zwar traurig wegen den Stoffen, aber ich war froh zu Hause chillen zu können. Am nächsten Tag wurden wir dann wieder zur Kirche eingeladen. Diesmal aber auf dem Schulgelände. Stephen der Mathelehrer war der Priester und Debo hat irgendwie assistiert. Als wir da ankamen, etwa eine halbe Stunde zu spät, tanzten die Schüler schon im Kreis und freuten sich. Naja es war aber sonst nicht weiter spannend und nicht annähernd so professionell, wie in richtigen Kirchen. Danach musste Mareike ins Krankenhaus, denn nachdem sie am Vortrag nach Hause gekommen war, verschwand sie in ihrem Zimmer, ohne zurück zu kehren. Jeff und Ruven begleiteten sie und Cornelius kam bald darauf nach. Ich brauchte Ewigkeiten meine Sachen zu waschen, denn ich hatte wirklich fast alles, was ich mitgenommen hatte, ungewaschen gelassen. Die 4 Stunden waschen, waren also die gerechte Strafe. Aber es sollte noch mehr Strafe kommen. Am Vortrag besuchte uns Prince und sagte uns, dass Ghana in Kumasi gegen Sudan spielen sollte. Er lud uns ein, mit ihm zu kommen, was wir auch unbedingt wollten. Er wollte uns extra Karten besorgen, sodass wir nicht anstehen müssten. Naja, Ruven und Cornelius waren schon in der Stadt und hörten, dass das Spiel schon um 3, anstatt von 5 losgehen sollte. Deswegen hasteten sie zum Stadion und merkten dort, dass es um 5 losgeht. So warfen sie sinnlos das Geld zum Fenster raus, was Prince schon für sie ausgegeben hatte. Naja, irgendwann holte mich Prince ab und wir fuhren in aller Ruhe zum Stadion. Dort trafen wir noch einige Freunde von Prince, die mit uns kommen sollten. Am Stadion verkaufte Prince die Karten auch recht schnell, weil man für die Karten a m Schalter nun ewig anstehen musste. Naja, bald gingen wir durch das Tor zum Stadion. Das war schon eine Hatz, denn man musste sich irgendwie durchquetschen und gleichzeitig darauf achten, dass einem nichts geklaut wird. Gar nicht mal so einfach, aber ich hatte Glück. IM Stadion wollte wir uns dann mit Ruven und Cornelius treffen, doch das war einfacher gesagt, als getan, denn das Stadion konnte 45000 Personen fassen und es war schon fast voll. Zwar sahen wir einige weiße Leute, aber es stellte sich heraus, dass die beiden auf der anderen Seite des Stadions waren und ich somit keine Chance hatte zu ihnen zu stoßen. Also blieben Prince und ich auf unserer Seite des Stadions. Während der Verständigung zwischen uns Oburoni ging zu allem Überfluss mein Handyguthaben flöten und im Verlauf der ersten Halbzeit auch meine Akkuladung. Naja, halb so schlimm dachte ich! Denn das Spiel begann und sorgte für viele Eindrücke. Ich dachte aber, dass die Ghanaer mehr abgehen. Es war wi tzig, sie so zu sehen, aber es war nicht mehr oder weniger als in Deutschland. Tja, was solls. In der ersten Halbzeit fiel kein Tor, also waren alle Leute etwas unruhig, aber es wurde die ganze Zeit versichert, dass man nur warten müsste, da die Ghanaer die stärkere Mannschaft sind. Tja, nach der ersten Halbzeit wollten Prince und ich uns mit den beiden anderen treffen. Also gingen wir aus dem Kessel raus und liefen um das Stadion herum, bis uns ein Tor aufhielt. Doch wir hatten Glück, es sollte geöffnet werden, zwar nur für wenige Personen, aber die wütende Menge, die um das Tor stand, riss selbiges schnell auf und eine Flut Menschen stürzte auf mich ein. Prince kam durch, doch als die Polizisten das Tor wieder schlossen, stand ich noch auf meiner Seite. Es gab scheinbar keinen Weg zu Prince und den beiden anderen zu kommen. Also machten Prince und ich uns aus, dass wir uns nach dem Spiel wieder am Tor treffen würden. Doch ich gab noch nicht ganz auf und heulte einer Poliz istin vor, dass ich meinen Fremdenführer verloren hätte, blablabla. Sie wollte mir helfen. Doch nun wurde es richtig verrückt. Die Leute fingen an total durchzudrehen. Sie kletterten über das Tor, doch damit nicht genug, auch Leute von draußen kamen ins Stadion rein, und zwar über die Zäune. Es war einfach nur krank! Naja, dann wurde das Tor auch bald geöffnet, sodass sich keiner verletzen konnte. Der Weg war frei, aber das Ziel verborgen. Ich ging also zur ausgemachten Stelle, aber da war natürlich keiner… Also musste ich sie iwie im Stadion suchen. Doch wie? Denn jetzt waren viel zu viele Leute im Stadion, denn etwa 10 Prozent der Leute, waren jetzt ohne Karte im Stadion, was es schon ordentlich voller erscheinen ließ! Ich hatte kaum Chancen nach oben zu kommen, um dort die weißen Köpfe zu suchen, also ich sie dann gefunden hatte, war es vergebens nach unten klettern zu wollen! Zu viele wütende Gesichter. Also entschied ich mich zunächst dafür auf der Brüstung d er Stadionwand zu stehen. Also so, dass ich den Zaun vor mir hab und den Abgrund unter mir, denn nur so konnte ich halbwegs entspannt schauen. Aber nach 3 Minuten waren die 15 Meter unter mir zu viel. Also kletterte ich wieder zurück und suchte mir einen passablen Stehplatz. Letztendlich war ich nur 5 bis 10 Meter von Ruven und Cornelius entfernt, aber ich hatte keine Chance zu kommunizieren. Es war schrecklich, aber naja. Was schrecklicher war, waren die Reaktionen der Menge auf mich, denn sie schrien mich an, lachten, riefen auf Englisch und Twi, doch ich verstand nichts. Das war überaus unangenehm. Naja, dann lief auch bald die zweite Halbzeit. Wieder kein Tor für Ghana. Dafür eine rote Karte für Asamoah Gyan, den Publikumsliebling. Das sorgte natürlich für Wut! Besonders, da kurz zuvor eine Art 11-Meter daneben ging. Eine Wasserschlacht wurde im Publikum entfacht und bald spritzte nicht nur das Wasser durch die Gegend, sondern es flogen auch Wasserpäckchen und Flasch en. Heftig, heftig! Naja, nachdem Gyan vom Platz war, folgten ihm auch bald die ersten Fans. Und nachdem der Schlusspfiff ertönte, wollten alle raus. Ich kam sogar mit fremder Hilfe sehr schnell raus und wartete auf Ruven und Cornelius, denn Prince konnte ich nirgendwo sehen. Wenn das mein ärgstes Problem gewesen wäre, dann wäre alles gut gewesen, doch mit der roten Karte von Gyan begann auch ein Schauer… Am Anfang war es noch ein wenig und kein Problem. Deswegen wartete ich anfangs auch noch direkt vor dem Eingang. Doch dann wurde es mehr und mehr, die Leute begannen panisch durch die Gegend zu stürzen. Ich stellte mich an irgendeine Wand, von der ich trotzdem den Eingang beobachten konnte ohne allzu nass zu werden. Hab ich schon erwähnt, dass es mittlerweile stockfinster war? Auch nicht so 100 Prozent witzig. Ruven und Cornelius ließen sich auch einfach nicht blicken, also gab ich es auf und wollte zumindest Prince treffen. Ich muss sagen, dass ich schon ein wenig ange säuert war, weil ich Ruven und Corny nicht finden konnte, weshalb ich dann einfach durch den Regen mit voller Gelassenheit zum Tor lief. Dort waren natürlich x Ghanaer, aber kein einziger Prince. Ich wartete und beobachtete das ganze Treiben und wurde immer verzweifelter. Ich machte mir sogar schon einen Text zurecht, mit dem ich im Taxi nicht so viel Geld bezahlen müsste. Dann fasste ich einen Entschluss und ging einfach los. Ich sah ein paar Weiße und es zog mich einfach zu ihnen hin, doch sie konnten mir nicht weiterhelfen, denn sie mussten ganz woanders hin. Naja, dann ging ich einfach eine Runde mit der Menge mit. Ich machte noch einen kleinen Abstecher zum Haupteingang, weil ich hoffte einen Freund von Prince zu treffen. Doch da war natürlich keiner seiner Freunde. Aber er selber! Ich weiß nicht, wie ich diese Art Zufall ausdrücken soll, es war einfach zu geil! Von da an machte ich mir keine Sorgen mehr. Er führte den Weg an, nachdem ich ihm erklärt hatte, dass es unm� �glich sei Ruven und Corny zu finden. Wir folgten also auch einfach dem Strom der Menschen, während es immer weiter und ohne Gnade schüttete. Schnell waren wir beide natürlich bis auf die Knochen durchweicht. Und da bogen wir in eine Seitengasse ab und waren vorm Regen sicher. Es war traumhaft! Er kannte dort nämlich eine Person, sie war die Freundin seiner Mutter. Diese gab uns dann erstmal ein Dach überm Kopf und später auch noch jeweils einen Pullover und sogar einen Fleischspieß. Das war ziemlicher Luxus, denn das alles geschah aus Nächstenliebe. Beim Umziehen kam ihre Tochter an und beobachtete mich… Naja, wenn sie nicht 9 gewesen wäre, hätte es mich sicherlich gezuckt, aber so konnte ich drüber lachen. Denn sie erzählte dann ganz aufgeregt ihrer Freundin was sie gesehen hatte (Prince übersetzte frei). Naja, irgendwann hörte es endlich auf zu regnen. Und wir gingen los in Richtung Kejetia (ich weiß nicht, ob ich schon erwähnt hatte, dass so die Gegend um den Busbahnhof heißt). Der Weg war lang und nass, aber uns war ja beiden glücklicherweise wieder etwas wärmer, da wir neue Oberteile anhatten. Zwischendurch sprach mich jemand an: Hey Fabian! How are you?`Are you going back to Denkyemuoso? Wow, hätte ich den Typen gekannt, wäre ich vielleicht nicht so baff gewesen! Aber er musste sich genauso schnell verabschieden, wie er sich gemeldet hatte. So konnte ich nicht weiter nachfragen. Nach etwa 45 bis 60 Minuten Laufen und viel Gespräch kamen wir in Kejetia an. Dort warteten wir dann etwa eine halbe Stunde auf den Bus. Doch der wollte ums Verrecken nicht kommen! Also gingen wir weiter nach Bantama. Nochmal 30 Minuten… Dort fanden wir nach kurzer Zeit ein Taxi, was uns mitnehmen wollte. Welch Glück! Im Taxi erfuhr ich, dass die Person, die neben mir saß, ein Premier League Fußballer war. Und zwar ein Auswechselspieler von Chelsea. Also der Mannschaft, die ich ein paar Tage zuvor im Gemeinschaftsraum der Uni gesehen hatte. D as war schon ziemlich geil. Lustig war auch, dass es sich bei besagtem Spieler um einen guten Freund von Prince handelte. Die Taxifahrt ging leider nur in Richtung Tanoso. Das heißt, wir stiegen an der Uni aus und mussten noch den beschwerlichen Weg nach Hause laufen. Als ich zu Hause war, wurde ich schon erwartet. Es war 22:30 Uhr. Das Spiel hatte 19 Uhr geendet… Ruven und Corny waren schon 1,5 Stunden da. Ich hatte mir also ordentlich Zeit gelassen. Naja, mal von den Erfahrungen abgesehen hatte meine Rückreise nur einen Vorteil gegenüber den beiden, denn ich bezahlte nur einen Cedi anstatt von 3,50 Cedi für die Rückfahrt. War es das wert? Eigentlich schon! J

Als Belohnung hatte ich am nächsten Tag wieder Kopfschmerzen, Fieber und ich war auf Duty. Das heißt um 4:30 aufstehen und die Schüler aus den Betten klingeln. Dann sollte ich die Schüler sowieso die ganze Zeit überwachen, also zu ihrer Hausaufgaben und Lernzeit. Beim ins Bett gehen. Und danach. Soll heißen ich sollte von 4:30 bis 12:00 munter sein. Das wurde am ersten Tag natürlich nichts. Schon nur weil ich nichts von den Aufgaben wusste, nur, dass ich Duty hatte. Und das für einen Woche… Naja, ich stand also rechtzeitig auf und war Teil der Morning Assembly, wo die Schüler beten, singen, zuhören und meistens auch etwas Prügel aushalten müssen. Also mit dem Stock eins auf die Finger, oder so. Vielleicht auch mal auf den Po, je nach Vergehen. Die Lehrer auf jeden Fall stehen zu dieser Methode. Bei der Assembly wird auch eine Motivationsrede gehalten, was eigentlich eine coole Sache ist, wie ich finde! Aber meistens sind die Reden nie so recht vorbereitet, de nn der, der sie eigentlich halten sollte, ist gerne mal abwesend, also hatte Stephen, der mit mir auf Duty ist, das für die ersten 3 Tage erledigt und am vierten Tag kam auch Stephen zu spät, also haute ich eine geklaute Geschichte raus. Ich erzählte etwas von zwei Mäusen, die in einem Krug Milch sind. Die erste ertrinkt und die zweite Maus strampelt so lange, bis sie die Milch zu Sahne geschlagen hat. Fazit: Gib niemals auf. Das formulierte ich noch ein wenig aus, fertig ist die Rede. Wer kennt sie? Jeder, der „Catch me, if you can“ gesehen hat. Aber ich fand es einfach lustig, anstatt einem Bibelzitat so eine Parabel einzubauen.

Naja, aber zurück zum Montag. Ich hatte endlich mal meine erste Deutschstunde. Und zwar glücklicherweise mit dem ersten Lehrjahr. Die waren ein entspanntes Völkchen. Wir haben viel gelacht, als sie versuchten die deutschen Worte zu formulieren. Es war leider viel zu schnell vorbei, aber ich hab ja noch viele Stunden vor mir.

Den Rest des Tages konnte ich vergessen, da mich die Krankheit langsam aber sicher umhaute. Ich war an der absoluten Spitze der Genervtheit angelangt. Ich konnte kein Geräusch mehr ertragen und schnappte mir Mareikes Zimmerschlüssel (hab ich schon erwähnt, dass sie jetzt endlich neben uns wohnt und wir ordentlich Platz in unserem Zimmer haben? Nein, na dann weißt du es jetzt!) und legte mich auf den Boden, packte die Ohrstöpsel in meine Löffel und deckte die Kreation mit einem Kissen ab. Ich hörte nur noch das Zirpen der Grillen. Das ging mir zwar auch auf die Eier, doch es war immerhin nur ein nerviges Geräusch und nicht eintausend. Und endlich schlief ich für 2 Stunden ein. Danach war das meiste wieder in bester Ordnung. Aber da ich auf dem Boden geschlafen hatte, war ich am nächsten Tag kränker, fiel aber trotzdem 4:30 aus dem Bett um die Menschen zu wecken. Ich bereute es. Denn dafür war ich nicht gemacht. Ich wollte dann eigentlich zum Frühstück aufstehe n, doch es ging nicht mehr. Ich schlief bis 12 durch. Und dann ging ich zum Krankenhaus. Der Hinweg war kein Problem. Ich war schnell da, wurde schnell behandelt und bekam 0,7 Liter Salzlösung zum Trinken. Lecker… -.- Und ein paar absolut ekelhafte Tabletten sollte ich auch noch schlucken. In meinem Übermut kaufte ich mir erstmal ein riesiges Bofrot. Das schmeckte zwar extrem lecker, aber war einfach zu fettig. Durch die Salzlösung und das Dessert hätte ich kotzen können. Ich wollte nur noch nach Hause. Doch dafür hätte ich erstmal ein Auto finden müssen, das mich nach Hause bringt. Pustekuchen! Ich durfte eine geschlagene Stunde warten, bis mich ein paar freundliche Ghanaerinnen in ein Taxi hievten und mich zu Hause absetzten. Dann fiel ich ins Bett und der Tag war gelaufen. Die anderen gingen noch zu einer Jazzveranstaltung, die, wie mir im Nachhinein gesagt wurde, ganz TOLL gewesen sein soll, aber das war mir in dem Moment so ziemlich egal! Der Mittwoch darauf war ebenfa lls träge. Ich entspannte die meiste Zeit und tat möglichst nichts. Eigentlich wollte ich mit Ziggy, dem Schützling Jessicas noch ein wenig lesen, wie ich es am Montag getan hatte, während Ruven den Lehrern Deutsch beibrachte, aber ich schaffte es gesundheitlich nicht mehr.

Dann kam der Donnerstag. Das ist heute. Und heute war erstmal ein Meeting, nachdem es heiß her ging. Denn nach der Morning Assembly und meiner tollen Rede, entbrannte ein Streit zwischen einem Lehrer und einem Schüler. Danach erfuhr ich, dass der Schüler, Wisdom mit Namen, den Lehrer, der Gemütliche, der damals mit Cornelius, mir und Sakkordie unterwegs war, beleidigt habe. Dafür ging der Lehrer ihm erstmal an die Gurgel, um ihn dann durch die Assembly Hall und über den halben Hof trieb, ihn die ganze Zeit mit dem Stock unaufhörlich schlug und peinigte. Es war kein witziger Anblick. Naja, kurz darauf hatte Ike eine Uneinigkeit mit Milicent. Es passierte ganz schön viel auf einen Haufen. Soooo, danach fand erstmal ein Meeting statt. Aber das liegt nicht an den Vorfällen, aber die Vorfälle wurden mit in das Meeting eingebaut.

Zunächst wurde über die neuen Schüler geredet und dass man sie gut aufnehmen solle. Blabla… ich kann mich auch nicht mehr so genau dran erinnern. Auf jeden Fall wurde dann irgendwann etwas bezüglich den Vorkommnissen geäußert und es entbrannte ein kleiner Kampf. Jeder fühlte sich ungerecht behandelt. Ein Schüler hielt eine erstaunlich gute Rede, dass man doch bitte für voll genommen und nicht als Gegner gesehen werden will. Die Lehrer schossen zurück, es war ein ziemlicher Kindergarten, doch was rede ich davon, das eigentlich schlimme kam dann ja noch. Ike und Wisdom wurden nach vorne gerufen und mussten sich hinknien. Es sah aus, als ob sie gleich geköpft werden würden. Wie in einem schlechten Film, dann wurde über die Vergehen geredet. Ike hatte wohl angeblich einige Lehrer beleidigt, doch ich hatte das Gefühl, dass er einfach nur Kritik geäußert hatte und das etwas emotional. Tja, doch Sakkordie war der Meinung, dass Ike ihn während der Haarschneideak tion beleidigt habe und schon war Ike, nach einem 20 minütigen Monolog Sakkordies, in dem er erklärte wie viel besser als die Schüler er sei, für 3 Wochen suspendiert. Wenn ich ein Schüler gewesen wäre, hätte ich diese Rede nicht ausgehalten. Ich wäre am liebsten rausgegangen , um zu kotzen. Tja, dann ging der Unterricht weiter. Naja, ich sollte eigentlich Englisch unterrichten, aber da fast alle meine Schüler verschollen waren, weil sie elektrische Leitungen verlegen mussten, spielte ich mit den verbleibenden noch eine halbe Stunde lang Hangman. Danach chillte ich den restlichen Tag. Bis jetzt. Und jetzt gibt es essen, also bis später mal… J

News aus Ghana


So… Da bin ich mal wieder. Heute sitze ich im Lehrerzimmer und es ist Montag. Montag 12:30Uhr und ich habe gerade ziemlich gut gegessen. Gleich werden wir unsere erste Deutsch-Stunde für das Lehrerpersonal und die Öffentlichkeit halten. Das ist ein Angebot der Schule für die Gemeinde. Jeder der möchte, kann her kommen und ohne Kosten den ein oder anderen Fetzen Deutsch mit nach Hause nehmen.

Letzten Mittwoch habe ich den jüngsten Eintrag geschrieben.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass die letzte Woche durchwachsen war von Heimweh, Krankheit und einem richtig gutem Hochgefühl, welches mich gerade im Moment noch immer beflügelt. Aber langsam. Starten wir da, wo ich euch beim letzten Eintrag etwas verschwiegen habe. Starten wir am Sonntag Abend.

Nachdem wir von P.K.´s Geburtstag zurück waren ging es mir gar nicht gut. Die Nacht habe ich auf dem Klo verbracht und der ganze Montag war geplagt von ordentlichen Glieder, Kopf und Bauchschmerzen. Am Abend bin ich dann also mit Millie zum Arzt gegangen. „Malaria!“, meinte der sofort. Ich war natürlich erst mal geschockt, weil ich als Europäer erstens keine Ahnung von der Krankheit habe und zweitens böse Gerüchte existieren, von wegen die Krankheit bleibt dann chronisch für immer. „Malaria macht, dass du im gleichen Moment sitzen, liegen und stehen willst, weil du nicht weißt was am wenigsten weh tut.“, das war, was Millie mir zu der Krankheit gesagt hat.

Da wir spät am Abend beim Arzt waren, hatte das Labor schon zu und wir konnten den Test nicht machen. Der Arzt wollte aber keine Zeit verlieren und so haben wir direkt mit den Medikamenten angefangen. Bis Donnerstag musste ich die nehmen und bis Donnerstag musste ich auch mit dem Test warten, weil die Medikamente das Ergebnis sonst verfälscht hätten. Donnerstag wurde mir also Blut abgenommen und ich bekam das Ergebnis eine Stunde später: Keine Malaria!

Short Note: Ein Foto von dem guten Herrn Doktor findet ihr bei Facebook! Sehr sehenswert.

So. Jetzt können wir weiter machen, ihr wisst jetzt alles. Die Tage von Mittwoch bis Freitag überspringen wir einfach mal, weil ihr ja über meinen Tagesablauf Bescheid wisst. Samstag also.

Am Samstag waren wir in Kumasi auf dem Zentralmarkt um mit Millie Stoff zu kaufen. Keine Angst… anderer Stoff, als ihr jetzt denkt. Kleidungsstoff. Wir wollen uns typisch ghanaische Hemden schneidern lassen und Millie kennt eine Frau auf dem Markt, die typische Stoffe verkauft. Wir hatten uns recht schnell entschieden, da es nur ein oder zwei Muster gibt, die wenigstens ein bisschen dem europäischen Geschmack entsprechen. Bald sehe ich also aus wie ein weißer Ghanae J

Zusätzlich haben wir uns einen Gaskocher besorgt, weil wir in nächster Zeit eine eigene Gasflasche bekommen sollen, damit wir in unserem Zimmer kochen können. Langsam wird’s also echt gemütlich! Unsere Dusche hat jetzt auch einen Vorhang, sodass das Waschen möglich ist, ohne den ganzen Raum zu fluten. Wir haben Initiative ergriffen und uns nach einer solchen Vorrichtung umgeschaut.

Wir nähern uns langsam dem Highlight. Kurze Vorgeschichte: Donnerstag war ich kurz mit den anderen in Kumasi, weil wir ein paar Fotos machen lassen mussten für die Verlängerung unseres Visums. Dabei sind wir dann auf den „Street-Hustla“ getroffen, der uns jedes Mal dort auflauert. Der Typ verkauft verschiedene selbst gemalte Bilder, von denen jetzt auch eins in unserem Zimmer hängt. Dazu hat er Trikots von Ghana im Angebot. Jedes Mal versucht er die an uns los zu werden. Worauf ich hinaus will, ist seine neue Verkaufsstrategie: „Ej, am Wochenende spielt Ghanas Nationalteam hier in Kumasi. Soll ich euch Karten besorgen? Ein Trikot braucht ihr dann aber auch.“, so hat es ungefähr geklungen und wir dachten uns „ Ja klar… Nationalteam spielt am Wochenende. Guter Versuch, dein Trikot los zu werden!“. Ehe wir uns versahen war Sonntag und wir sitzen im Stadion. Die Begegnung lautet Ghana gegen Sudan. Afrika-Cup Qualifikation. Wir waren total aus dem Häuschen, als wir rausgefunden haben, dass das wahr ist und Ghana wirklich in Kumasi spielt. Wir haben unsere Vorfreude aber extra zurückgehalten, weil wir mittlerweile Bescheid wissen, wie die Dinge hier laufen… gemeint ist: „Kein Ding, ich besorge euch die Karten…“, wer weiß ob man wirklich die Karten bekommt.

Jedenfalls hat aber wirklich alles geklappt und ich saß mit Cornelius in der Nordkurve im Kumasi-Prachtstadion mit einer Kapazität von 40.000 Menschen. Das ist jetzt keine Ironie, das Stadion kommt wirklich an europäischen Standard heran. Über das Spiel gibt es nicht viele Worte, die man verlieren kann. Ein relativ unspektakuläres 0:0 mit einer Roten Karte für N´Diang in der heißesten Phase des Spiels kurz vor Ende. Das Stadion war so voll, dass die Leute in den Gängen vorne über gestolpert sind und die Treppen herunter gefallen sind… Glücklicherweise sind alle weich gefallen. Wir waren früh genug da und hatten gute Plätze. Umgerechnet 1,50 Euro kostet der Eintritt. Den Rest erzählen die Bilder auf Facebook, meine Lieben! Soviel sei gesagt: Unglaubliche Atmosphäre.

Nach dem Spiel ist nicht vor dem Spiel. Jedenfalls nicht in unserem Fall. Unsere Version heißt: Nach dem Spiel ist mitten im Regen! Direkt nach dem Abpfiff hat es richtig heftigst angefangen zu Regnen. Es war dunkel, hat gewittert und mir war das erste Mal kalt in Ghana. Wir haben zwei Stunden gebraucht um zurück im wohlig warmen Zimmer zu sein und eine schöne warme Dusche zu nehmen. Jetzt kommt die Ironie: Warmes Wasser gibt es hier nicht.

Wäre schwach, wenn das alles an Ironie wäre, was ich zu bieten habe, oder? Weiter geht’s… Draussen REEEEEGNET es in Strömen und ich stehe unter der Dusche, drehe den Wasserhahn auf und nur ein läppischer Tropfen findet den Weg durch die Wasserröhren. Dann halt ohne Duschen pennen.

Heute ist Montag, wie gesagt. Eine Woche ist meine tiefste Tiefphase her und mir geht es richtig gut. Ich vermisse zwar immer noch jemanden von Tag zu Tag mehr, aber dadurch, dass jetzt tatsächlich Unterricht nach Plan stattfindet habe ich viel zu tun.

So. Wir hören von einander. Ich freue mich über jeden Kommentar und jede E-Mail und bemühe mich recht fix zu antworten.

Alles liebe aus Ghana!

P.S.: Wir wurden bei der Volkszählung, die hier im Moment im Gange ist zum Ghanaischen Volk gezählt. Alle, die länger als bis Dezember in Ghana sind, werden erfasst.