Erster Eindruck im Kindergarten


Die erste Woche im Kindergarten ist hiermit vorbei und mein erstes richtiges Wochenende, nach so langer Zeit zum Chillen, bricht an. Mit dem Kindergartenanfang hat sich auch ziemlich viel von meinen Tagesrhythmus geändert. Nachdem ich aufstehe, gehe ich zu den Jungs um zu frühstücken. Um 8 fängt mein Arbeitstag an. Für die Schüler fängt der Tag jedoch schon viel früher an. Die Schüler hier in der Schule dürfen um 4.30 aufstehen. Danach haben sie eine Stunde zeit sich fertig zu machen, eine Stunde Don’t prep und dann eine Stunde frei, dann ist es 7.30 und ihre Schule fängt bald an. Ich bin echt so froh, dass ich das als Lehrer nicht mit machen muss. Bis um halb 2 bin ich dann erst mal im Kindergarten. Gegen 2 Uhr gibt es hier dann Mittagessen. Es ist echt unglaublich gut, dass wir hier in der Schule Mittagessen bekommen, das senkt unsere Essenskosten extrem. Dadurch, dass wir mittags jetzt quasi umsonst warm essen, können wir abends nur noch Brot essen, was natürlich ein wenig billiger ist als wenn man noch mal warm kochen würde. Alles was man den Tag über noch so vor hat muss man dann also nach halb 3 unter bringen. Dadurch vergehen die Tage hier echt wie im Flug. Vor allem, da ich echt immer früh ins Bett gehe, weil ich abends einfach so unglaublich müde bin. Meine erste Woche arbeiten lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Es ist schwerer als ich es mir vorgestellt habe. Manchmal fühlt man sich einfach wie ein Außerirdischer. Es wird rund um die Uhr Twi gesprochen. Die Kinder können garkein Englisch, was den Kontakt zu ihnen relativ schwer macht, es bleibt also nur noch die Verständigung mit Händen und Füßen. Aber auch die Betreuer sehen es nicht wirklich ein Englisch zu reden. Wenn man nur unter Betreuern am Tisch sitzt und ich mit dabei sitze wird auch immer Twi geredet, so dass ich mich an keinen einzigen Gespräch beteiligen kann. Was meine genaue Aufgabe im Kindergarten ist habe ich auch noch nicht wirklich rausfinden können, da mir niemand irgendwelche Arbeit zu teilt oder mir sagt was von mir erwartet wird. Ich fange aber immer mehr an mir Arbeit zu suchen und einfach mal zu fragen „Kann ich dir helfen“ oder „Soll ich das machen“. Das Problem ist nur, dass die Betreuer den größten Teil des Tages rumsitzen und nicht wirklich irgendwas machen. Eine Aufgabe, die ich mir gesucht habe ist es weinende Kinder einfach mal in den Arm zu nehmen. Das wird hier natürlich auch gemacht. Sehr viel weniger als in Deutschland, aber es wird gemacht. Trotzdem wird nicht jedes Wehwehchen weshalb ein Kind weint beachtet, oft wird auch einfach mal drüber weg gesehen. Aber auch ich beachte nicht jedes weinende Kind, das ist hier aber auch garnicht nötig, meistens hat sich das in 1 Minute von selber erledigt. Heute (01.10.) mussten die Kinder zahlen von 1-10 von der Tafel abschreiben. Jedes Kind hat seine Tafel und ein Stück Kreide bekommen, trotzdem hat es nicht wirklich irgendjemanden interessiert was die Kinder jetzt tatsächlich abschreiben. Ich hab mich dann einfach mal zu den Kindern gesetzt und mir angeguckt was sie gemacht haben und sie ggf verbessert. Die ganzen kleinen Kinder kamen zu mir und haben mir ganz stolz ihre Gemälde gezeigt, die natürlich nicht im geringsten den Zahlen von 1-10 geähnelt haben. Ich habe sie trotzdem gelobt und habe mich dann mit ihnen hingesetzt und die Zahlen 1-3 mit ihnen zusammen auf ihre Tafel geschrieben und dabei noch mal die Namen der Zahlen genannt. Die Älteren habe ich dann auch gelobt und ggf berichtigt, wenn mal kleine Fehler drinne waren. Es war aber unglaublich wie sehr sich die Kinder auf mich gestürzt haben nur um mir zu zeigen was sie gemacht haben und eine Resonanz von mir zu bekommen. Ein kleiner Junge kam ganz oft zu mir und hat mir immer wieder das selbe Bild gezeigt. Er hat mich immer mit Phillip angesprochen ( Phillip war das halbe Jahr vor mir im Kindergarten), dann habe ich ihn jedes Mal erklärt, dass ich Mareike heißt daraufhin hat er einfach immer nur noch gesagt Obruni. Es fällt mir immer wieder auf wie schwer es gerade für die kleinen Kinder ist zu verstehen, dass ich einen Namen habe und nicht nur Obruni heiße. Eigentlich gibt es einen Stundenplan nach dem unterrichtet werden soll, aber bis jetzt wurde der noch überhaupt nicht beachtet. Die Kinder werden zwar teilweise unterrichtet, aber nicht nach dem Stundenplan und auch nicht kontinuierlich. Es kommt öfters mal an, dass ein Lehrer anfängt zu unterrichten und dann zwei Minuten später wieder aufhört. Auch die Art des Unterrichtens finde ich äußert fragwürdig, wenn man bedenkt, dass wir hier von Kindergartenkindern reden, die auch wirklich im selben alter sind wie Kindergartenkinder bei uns. Der Unterricht besteht eigentlich mehr oder weniger nur aus Rezitation. Der Lehrer schreibt irgendeinen Text an die Tafel (Das Vater unser auf Twi oder irgendwelchen englischen Kinderlieder) und dann liest er Zeile für Zeile vor und die Kinder sprechen Zeile für Zeile nach. Keines der Kinder liest, sondern alle sprechen mehr oder weniger nur auswendig. Natürlich verlieren die Kinder bei so einer Art des Unterrichts relativ schnell die Motivation ruhig und konzentriert mit zu arbeiten. Das einzige Mittel um die Kinder bei Zaum zu halten sind Schläge. Eigentlich unterrichtet kein Lehrer ohne Rohrstock. Meistens wird zur Ermahnung mit dem Rohrstock heftig auf den Tisch gehauen. Man merkt dann immer wie die Kinder alle zusammen zucken und sich alle ganz schnell wieder benehmen, aber kaum verlässt der Lehrer den entsprechenden Bereich sind die Kinder wieder unaufmerksam. Eigentlich interessiert es auch nicht, so lange bis der Lehrer wieder genervt ist. Aber wie soll ein Kind bei so einer Inkonsequenz wissen wann es sich wie zu verhalten hat. Ab und an wird der Rohrstock auch eingesetzt um ein Kind leicht zu schlagen, meistens irgendwie leicht auf dem Rücken um die Aufmerksamkeit des Kindes wieder zu gewinnen. Manchmal fallen die leichten Schläge auch ein wenig heftiger aus. Oder wenn man halt keinen Rohrstock zur Hand hat, kann man den auch einfach durch die blanke Hand ersetzen. Heute habe ich das erste mal mitbekommen, dass ein Kind auch heftiger geschlagen wurde. Mit der flachen Hand ins Gesicht und danach noch mal in den Nacken. Das Kind hat unglaublich geweint, was aber logischer Weise nicht wirklich irgendjemanden interessiert hat. Als weitere Strafe durfte es sich dann ganz alleine an die Wand setzen und musste dort dann auch alleine Essen. Es hat mir unglaublich weh getan das ganze mit angucken zu müssen. Für mich ist es einfach unverständlich wie man so ein kleines Kind schlagen kann, was so viel schwächer ist als man selbst. Ich musste danach erst mal den Raum verlassen und mich wieder sammeln. Aber ich war für eine Weile erst mal wie weggetreten und war froh als ich zur Schule rüber gehen konnte und erst mal ein wenig Abstand von dem ganzen gewinnen konnte. Mit dem Schlagen muss ich echt noch mal gucken wie ich das für mich regele, daran ändern kann ich so oder so nichts. Das ist die Kultur und wie ich selber gemerkt habe hören die Kinder auf Worte überhaupt nicht mehr. Ich kann 1000 mal sagen, dass sie doch bitte mit dem ein oder anderen aufhören mögen, das einzige was sie machen ist mich auslachen. Ich bin mal gespannt wie es jetzt weiter geht, ab nächster Woche werden die ganz kleinen Kinder dann von den größeren zum Unterrichten getrennt. Mit den kleinen Kindern werden dann Spiele gespielt, da der Unterricht für sie echt garkeinen Sinn macht. Ich hoffe, dass man dann ein bisschen mehr die Möglichkeit hat sich einbringen zu können. Nächste Woche fängt dann auch der Deutschunterricht hier in der Schule an. Ich bin echt mal gespannt was das gibt. Ich sehe mich selber einfach so garnicht in der Lehrerrolle. Ich bin echt mal gespannt, ob ich es schaffe mich irgendwie durchzusetzen oder ob mir die Schüler hier nur auf der Nase rumtanzen. Die Schüler sind eigentlich ungefähr genauso alt wie ich, manchmal ein wenig älter, manchmal ein wenig Jünger, was die ganze Sache nicht wirklich leichter macht, wenn man mich fragt. Aber egal das schaff ich schön irgendwie… ich werde einfach knallhart sein 😉 Ansonsten ist hier eigentich alles nach wie vor beim alten… nichts besonderes. Ich bin letztens das erste mal abends von Kumasi zurück nach Hause gefahren, das war eine sehr interessante Erfahrung. Am Anfang sieht alles relativ zivilisiert aus. Es gibt eine Schlange an die man sich anstellen kann und muss halt warten, bis die Trotros vorbei kommen. Jedoch wenn dann ein Trotro kommt, rennen alle Leute wie verrückt auf das Trotro los und versuchen einen Platz zu ergattern. Wenn man da nicht genug Durchsetzungsvermögen und genug Masse hat schneidet man relativ schlecht ab. Und wird von der Big Mama von neben an mal eben aus dem Trotro wieder rausgezogen, da diese den Platz besetzen möchte. Mein Resultat des Abends war, dass ich auf jeden Fall noch mehr Kampferfahrung sammeln muss, anders kann man das ganze echt nicht nennen. Sooo ich sende euch liebste Grüße aus dem im Moment nicht ganz so sonnigen Ghana Mareike

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