Tagesarchiv: Oktober 11, 2010

#3


So, am Montag war ich also im Internetcafe um mal zu bloggen und meine Mails zu checken. Es hat sich aber ergeben, dass die meisten meiner Nachrichten auf Facebook waren. Da ich jedoch versagt habe mich erfolgreich bei Facebook anzumelden, konnte war mein Internetcafeaufenthalt schrecklich langweilig und ich hab mir nur Youtubevideos angeschaut. Wie auch immer, mein Versagen soll nicht Hauptbestandteil meines Blogs sein, also weiter im Text. Am Abend des Montags waren wir nachdem wir Yaams mit scharfer Soße und Hühnerbeinen gegessen haben noch in der Bar um die Ecke. Als wir da ankamen waren wir zunächst die einzigen, weswegen ich mich ein wenig unwohl fühlte. Dennoch bestellten wir ein Bier für jeden: Heinecken, ghanaisches Guinness und Starbeer. Interessanterweise haben mir das Star (Bier aus Kumasi) und Guinness sehr gut geschmeckt, aber die anderen fanden, dass es zu wenig nach Bier geschmeckt hat, verständlich, da zum Beispiel das Guinness irgendwie an Wein erinnerte…
Wie auch immer, später stießen auch der Coach und seine Begleitung ein. Ihr Name war Cecilia und sie war 16, weswegen ich es etwas ominös fand, dass sie mit dem Coach unterwegs war, doch für Spekulationen ist hier kein Platz. Der Coach schlug uns im Verlaufe des Abends noch vor uns am nächsten Tage den Pool zu zeigen, sowie die Volleyballanlage, so freute ich mich also auf den folgenden Tag.
Dieser fing etwas unangenehm an. Denn ich entdeckte Rote Punkte an meinen Händen, die sehr unangenehm krabbelten. Offensichtlich eine Art Allergie, was jedoch weiß und wusste ich nicht. Wie auch immer, am Morgen spielten wir wieder mit den Kindern Fußball und machten uns dann Punkt 12 auf den Weg zum Pool. Der Pool befand sich in einem riesigen und vollkommen unpassenden Hotel. Der Schwimmspaß sollte uns 6 Cedis kosten. Damit waren wir selbstredend nicht einverstanden und verhandelten. Es wurde sich darauf geeinigt, dass wir für einen Monat Poolerlaubnis 12 Cedi bezahlen sollten, was schon besser klang. Naja, der Pool war klein und überchlort. Unangenehm war auch, dass nur wir Weißen es uns leisten konnten in den Pool zu springen, weswegen ich nicht lange im Wasser blieb und mit mir selbst vereinbarte nicht wieder für dieses Erlebnis zu bezahlen. Ein Mitarbeiter, der Rettungsschwimmer, sprach im Verlauf des Poolbesuchs mit mir, weil er nach französisch sprechenden Deutschen suchte. Er war nämlich für ein halbes Jahr zur Elfenbeinküste gezogen und wollte nun seine Sprachkenntnisse ausprobieren. Dafür war ich jedoch eigentlich der falsche, denn in der Schule hatte ich ab der neunten Klasse keinen fruchtbringenden Französischunterricht mehr. Verstehen konnte ich letztendlich aber doch mehr, als ich mir zugetraut hatte. Antworten konnte ich nur mit: Je m’appelle Fabian (Ich heiße Fabian) und ähnlichem… Das Gespräch, was dann bald in Englisch geführt wurde, war jedoch ziemlich interessant. Besagter Rettungsschwimmer hatte sein Ausbildung in Kairo gemacht, was darauf schließen lässt, dass er relativ reich gewesen sein muss. Vielleicht ein Grund dafür, dass er an diesem Hotel mit Pool arbeitete.
Nun ja, irgendwann entschieden wir uns jedoch zu gehen, weil der Coach uns noch seine Mannschaft zeigen wollte, sodass wir sie motivieren sollten. Das klang schon komisch, war es im Endeffekt auch. Ruven erbarmte sich unser anderen und übernahm die peinliche Rede. Gegen Ende kamen wir dann darin überein bald mal mit dem Team zusammen zu spielen.
Bald war auch dieser Tag zu Ende, doch schlafen wurde dank meiner Haut zu einer Qual, da sich die roten Punkte verteilten und höllisch begannen zu jucken. Am folgenden Tag suchte ich dann Milicent auf um sie zu fragen, was das sein könnte. Sie meinte, dass es „Heat rushes“ sind, also Hitzeröteln (keien Ahnung, ob man das in Deutschland auch so nennt). Meine Haut, sagte sie, stelle sich wohl nur auf die Temperaturen Afrikas ein. Sie stellte in Aussicht, dass diese Hautkondition nach 3 bis 4 Tagen weg sein sollte. Beschwingt durch diese Nachricht zogen ich zusammen mit dem Trotro nach Kumasi um mir den Markt anzuschauen. Doch die Fahrt war mehr als ermüdend und so ging es mir schon schlecht, als ich aus dem Trotro ausstieg. Nur bei halben Bewusstsein folgte ich den anderen 3 durch die Menschenmassen, wobei wir wiederholt angesprochen wurden: „broni, buy!“ und „how are you?“ Letztendlich gingen wir nur durch das Textilienabteil des Marktes, welches dennoch riesig groß und absolut dreckig war. Kaufen konnte man alles, was man auch in Deutschland kriegen konnte. Man musste nur danach suchen. Bald entschieden wir nur noch zum Supermarkt zu gehen und dann nach Hause zu fahren. Auf dem Weg dahin verlor ich die anderen, was mir ein Stück weit entgegen kam, weil ich so die Möglichkeit hatte, Kumasi selbst zu erkunden. Ich fand den Supermarkt auch ohne große Umwege.
Nachdem wir wieder zu Hause waren, kochten Corny und ich ein leckers Mahl nach ghanaischer Art. Wie genau es auf Twi heißt, weiß ich nicht mehr, aber es gab Reisbälle mit einer Art Erdnusssoße. Natürlich war Milicent uns eine riesen Hilfe, da sie eigentlich alles für uns machte sodass wir nur zuschauen mussten.
Das Essen reichte sogar noch für den nächsten Morgen, kalt war es nicht so lecker, also erwärmten wir es und aßen somit zum ersten Mal ghanaisch Frühstück. An diesem Tag packte uns dann auch das Verlangen endlich mal wieder Sport zu machen. Nach einigen Kraftübungen gingen wir ein wenig laufen, doch ich musste schon nach der Hälfte der Zeit aussetzen und lief durch die Dörfer nach Hause. Auf dem Weg lief ich durch eines, in welchem viele kleine Kinder auf einem Haufen waren und bei meinem Anblick „broni“ in einer Art Chor zu singen, was einerseits irgendwie lustig war, aber andererseits auch angsteinflößend. Also ich wieder zu Hause ankam, warteten wir noch einige Zeit bis das Orientation Meeting anfangen sollte, bei welchem wir in das Schulleben eingewiesen werden sollten. Uns wurden die Regeln vorgestellt, besonders wurde uns ans Herz gelegt, keine Ghanaer in unser Zimmer einzuladen, kein Alkohol oder Zigaretten auf dem Campusgelände zu konsumieren, sowie etwaige Geschlechtspartner nicht auf dem Campusgelände zu bespaßen. Alles in allem also kein Problem. Außerdem mussten wir für die Visumsverlängerung noch ein Formular ausfüllen. Im Verlaufe der Gespräche wurde uns auch offenbart, dass wir die Möglichkeit haben würden bei einem regionalen Rundfunksender MYND FM, ein eigenes Programm zu erstellen und damit über Deutschland zu informieren.
Nach dem Meeting wurde ich wegen meiner Haut zum Arzt geschickt, weil es nicht besser werden wollte und sich nunmehr auf meinen ganzen Körper ausgebreitet hatte. Ich ging also zu Milicent, die mich begleiten sollte. Jedoch lud sie mich Lucy, die Schulköchin, erstmal zum Essen ein. Nebenbei redete sie viel und schnell, sodass ich kaum ein Wort verstand. Als wir dann losgingen war ich mehr als verwirrt. Auf dem Weg zum Arzt erfuhr ich von Milicent, dass sie nebenbei auch ein „deutsche Kosmetik“-Laden unterhielt und damit einiges an Geld verdiente.
However, der Arzt war nicht anwesend, als wir im Krankenhaus ankamen, also warteten wir noch ein bisschen mehr und so erfuhr ich auch noch via eine Newssendung, dass ghanaische Waisenhäuser von Korruption zerfressen waren. Kinder sterben und Gelder werden veruntreut. Die News erinnerten mich aber ein bisschen an die BILD, weil nur einprägsame Bilder gezeigt wurden und viel mit rethorischen Fragen gearbeitet wurde… Nun ja, als der Arzt dann kam, sagte er, dass ich morgen wieder kommen müsste, weil man Hautprobleme nicht bei Nacht betrachtet. Einfach großartig, aber etwas Gutes hatte es. Da ich mit Milicent unterwegs war, erfuhr ich einige Weisheiten über Ghana, die ich sonst nicht erfahren hätte. Ich erzählte ihr auch, dass es ein komisches Gefühl sei, bei Nacht durch die Gegend zu laufen und all die Menschen um einen herum kaum erkennen zu können. Sie lachte mich aus…