Tagesarchiv: Oktober 12, 2010

Step by Step- Jeder Tag ein Schritt Richtung alltag


Step by Step – Jeder Tag ein Schritt in Richtung Alltag.

Tja… Immer mehr nähern wir uns hier in Ghana dem Alltag. Täglich trifft ein neuer Schüler ein, die Zimmer selbiger füllen sich. Endlich sind mehr Schüler, als Lehrer an der Schule und alles was zu einem recht geordneten Unterricht fehlt, ist ein funktionierender Stundenplan.

Wieder ist eine Woche um und ich muss langsam wieder was zu Papier bringen, damit ich nichts wichtiges vergesse. Seit Anfang der Woche hat hier mein Lehrerdasein begonnen. Am Dienstag hatte ich meine erste Stunde als Assistenz-Lehrer (Zuschauer…) und gestern, am Donnerstag bin ich selbst aktiv geworden. Da es scheint, als würde langsam alles seine geregelten Wege gehen, möchte ich diesen Eintrag nutzen, euch ein wenig von meinem Tagesablauf nahe zu bringen.

Mein Tag fängt so um 6.15Uhr an. Dann klingelt nämlich der Wecker und der erste schleppt sich so langsam ins Bad zum duschen. Warmes Wasser gibt es hier nicht, was zur Folge hat, dass man nach der Dusche WACH (!!) ist. Jeden zweiten Tag nehme ich mir nach dem aufstehen ein bisschen Zeit für Sport.

Dann geht’s weiter mit Frühstück. Brot sieht hier nicht so aus wie in Deutschland. Riesige Auswahl von Vollkorn bis Weißbrot. Weißbrot gibt’s hier auch. Und Weißbrot. Richtig gelesen! Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal sagen würde: Ich habe richtig Bock auf ein Vollkornbrot. Jetzt ist es raus… Dazu gibt es dann Marmelade, selbstfabrizierte Erdnussbutter, Orangen und Bananen. Früchte gibt es hier genug und daran kann man sich echt gewöhnen. Die Orangen sind hier übrigens Grünangen. Kann man das so sagen? Egal, jedenfalls sind sie grün und nicht orange, aber dafür unglaublich saftig.

Sobald es dann so Richtung halb acht geht, mache ich mich mit Fabi auf den Weg zum Office um mich für den Tag als „anwesend“ einzuschreiben. Cornelius und Mareike starten in der Grundschule und dem Kindergarten um 8.00Uhr. Im Office müssen wir uns dann informieren, wann wir wo Unterricht haben. Im Moment gibt es, wie gesagt, keinen Stundenplan, sodass der Unterricht nach dem Muster des letzten Jahres stattfindet. Da es neue Fächer und neue Lehrer gibt ist das aber etwas abenteuerlich. So kommt es dann vor, dass ich in der Bibliothek sitze und ein paar Bücher neu ordne und dann aus heiterem Himmel ein Schüler reinkommt, um mir zu sagen, dass ich Unterricht geben soll. So war das diese Woche Donnerstag. Ich stand dann in der Klasse und hatte kein Buch. Erst stelle ich mich also vor und dann versuche ich herauszufinden, wie weit die Klasse denn ist. Den Lehrplan kenne ich übrigens auch nicht. Als erstes habe ich mir heute eine Liste aus dem Internet besorgt, die mir im Mathe-Unterricht auf Englisch ziemlich helfen wird. Ich könnte den Schülern alles auf deutsch vermitteln, kein Problem. Aber die ganzen Fachvokabeln auf Englisch? Jetzt, da ich die Liste habe, wird’s bestimmt besser funktionieren.

Um ca. 9.45Uhr gibt es dann Frühstück. Lucy, die Küchenfee zaubert jeden Tag zum Frühstück und zum Mittag eine Kleinigkeit. Das schont unseren Geldbeutel extrem. Ich hatte geschrieben, dass ich 3Euro pro Tag für Essen ausgebe. Wenn es so weiter geht, wie jetzt wird sich dieser Betrag deutlich reduzieren und es bleibt ein bisschen mehr übrig. Nach dem Frühstück geht’s weiter mit dem Unterricht. Wenn kein Unterricht ist, und das ist es meistens nicht für mich, dann verkrieche ich mich in die Bibliothek um das Endlos-Projekt „Wir ordnen die Bücher!“ voran zu treiben.

Bis ca. 14Uhr beschäftige ich mich dann so bis es Mittag gibt. Danach ist die Schule dann zu Ende und wir haben Freizeit. Dann geht’s an die Universität zum Basketball spielen, oder ins Internet gehen um euch mit neuen Texten zu versorgen. Wenn es gegen 18.30Uhr dann dunkel wird, machen wir uns auf den Heimweg und essen noch eine Kleinigkeit. Sobald es dunkel wird sollte man sich drinnen aufhalten, denn ab der Dämmerung steigt das Malariarisiko mit jedem Sonnenstrahl, der verschwindet. Bisher sind wir alle davon verschont- ich klopfe aufs Holz!

Sina hatte nach mehr Fotos gefragt. Ich werde mich drum kümmern. Das Ding ist, dass die Fotos sich verdammt langsam hochladen lassen. Geduld ;)

So. Jetzt ist es Freitag und 9.38Uhr. Gleich müsste es Frühstück geben. Ich sitze gerade in der Bibliothek. Mit mir zwei Lehrerkollegen, die sich die Zeit mit Kartenspielen vertreiben. Ist halt so… keine Schüler, kein Unterricht. Hier in Ghana musst du deine Schule gut verkaufen, um sie voll zu bekommen. Überzeuge die Leute davon, dass sich drei Jahre Schule mehr lohnen, als direkt ein bisschen Geld zu verdienen. Besonders wenn es viele gibt, die mit abgeschlossenem Senior-High Abschluss und zusätzlicher Ausbildung in einem Fach auf dem Bau für eine Orange und ein Ei (Apfel ist eher unpassend in Ghana..) am Tag arbeiten.

Unser Wochenende ist verplant. Heute wollen wir das erste Mal richtig feiern gehen. Ich hoffe, das  klappt. Morgen will Jonas vorbei kommen. Er bleibt dann auch über Nacht. Jonas ist mit uns nach Ghana geflogen und bleibt auch für ein Jahr. Er ist aber in Accra im Headquarter der Volu-Organisation untergebracht und hilft dort bei der Organisation verschiedener Volunteer-Workcamps. Samstag Abend ist hier Entertainment-Abend. Der Ruven ist in dem Komitee zur Vorbereitung selbiger und hat noch keine Ahnung, wie wir die Schüler am Samstag so entertainen… vielleicht basteln wir ein Tabu-Spiel oder so.

So die Damen und Herren. Langsam muss ich sagen, vermiss ich euch alle ein bisschen. Ab dem Wochenende, wenn bei euch die Uhren umgestellt werden, beträgt die Zeitdifferenz nur noch zwei Stunden. Da fühl ich mich euch allen doch direkt ein Stück näher

Bis die Tage,

Ruven

Akyire- Bis bald!