Tagesarchiv: Oktober 14, 2010

News aus Ghana


So… Da bin ich mal wieder. Heute sitze ich im Lehrerzimmer und es ist Montag. Montag 12:30Uhr und ich habe gerade ziemlich gut gegessen. Gleich werden wir unsere erste Deutsch-Stunde für das Lehrerpersonal und die Öffentlichkeit halten. Das ist ein Angebot der Schule für die Gemeinde. Jeder der möchte, kann her kommen und ohne Kosten den ein oder anderen Fetzen Deutsch mit nach Hause nehmen.

Letzten Mittwoch habe ich den jüngsten Eintrag geschrieben.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass die letzte Woche durchwachsen war von Heimweh, Krankheit und einem richtig gutem Hochgefühl, welches mich gerade im Moment noch immer beflügelt. Aber langsam. Starten wir da, wo ich euch beim letzten Eintrag etwas verschwiegen habe. Starten wir am Sonntag Abend.

Nachdem wir von P.K.´s Geburtstag zurück waren ging es mir gar nicht gut. Die Nacht habe ich auf dem Klo verbracht und der ganze Montag war geplagt von ordentlichen Glieder, Kopf und Bauchschmerzen. Am Abend bin ich dann also mit Millie zum Arzt gegangen. „Malaria!“, meinte der sofort. Ich war natürlich erst mal geschockt, weil ich als Europäer erstens keine Ahnung von der Krankheit habe und zweitens böse Gerüchte existieren, von wegen die Krankheit bleibt dann chronisch für immer. „Malaria macht, dass du im gleichen Moment sitzen, liegen und stehen willst, weil du nicht weißt was am wenigsten weh tut.“, das war, was Millie mir zu der Krankheit gesagt hat.

Da wir spät am Abend beim Arzt waren, hatte das Labor schon zu und wir konnten den Test nicht machen. Der Arzt wollte aber keine Zeit verlieren und so haben wir direkt mit den Medikamenten angefangen. Bis Donnerstag musste ich die nehmen und bis Donnerstag musste ich auch mit dem Test warten, weil die Medikamente das Ergebnis sonst verfälscht hätten. Donnerstag wurde mir also Blut abgenommen und ich bekam das Ergebnis eine Stunde später: Keine Malaria!

Short Note: Ein Foto von dem guten Herrn Doktor findet ihr bei Facebook! Sehr sehenswert.

So. Jetzt können wir weiter machen, ihr wisst jetzt alles. Die Tage von Mittwoch bis Freitag überspringen wir einfach mal, weil ihr ja über meinen Tagesablauf Bescheid wisst. Samstag also.

Am Samstag waren wir in Kumasi auf dem Zentralmarkt um mit Millie Stoff zu kaufen. Keine Angst… anderer Stoff, als ihr jetzt denkt. Kleidungsstoff. Wir wollen uns typisch ghanaische Hemden schneidern lassen und Millie kennt eine Frau auf dem Markt, die typische Stoffe verkauft. Wir hatten uns recht schnell entschieden, da es nur ein oder zwei Muster gibt, die wenigstens ein bisschen dem europäischen Geschmack entsprechen. Bald sehe ich also aus wie ein weißer Ghanae J

Zusätzlich haben wir uns einen Gaskocher besorgt, weil wir in nächster Zeit eine eigene Gasflasche bekommen sollen, damit wir in unserem Zimmer kochen können. Langsam wird’s also echt gemütlich! Unsere Dusche hat jetzt auch einen Vorhang, sodass das Waschen möglich ist, ohne den ganzen Raum zu fluten. Wir haben Initiative ergriffen und uns nach einer solchen Vorrichtung umgeschaut.

Wir nähern uns langsam dem Highlight. Kurze Vorgeschichte: Donnerstag war ich kurz mit den anderen in Kumasi, weil wir ein paar Fotos machen lassen mussten für die Verlängerung unseres Visums. Dabei sind wir dann auf den „Street-Hustla“ getroffen, der uns jedes Mal dort auflauert. Der Typ verkauft verschiedene selbst gemalte Bilder, von denen jetzt auch eins in unserem Zimmer hängt. Dazu hat er Trikots von Ghana im Angebot. Jedes Mal versucht er die an uns los zu werden. Worauf ich hinaus will, ist seine neue Verkaufsstrategie: „Ej, am Wochenende spielt Ghanas Nationalteam hier in Kumasi. Soll ich euch Karten besorgen? Ein Trikot braucht ihr dann aber auch.“, so hat es ungefähr geklungen und wir dachten uns „ Ja klar… Nationalteam spielt am Wochenende. Guter Versuch, dein Trikot los zu werden!“. Ehe wir uns versahen war Sonntag und wir sitzen im Stadion. Die Begegnung lautet Ghana gegen Sudan. Afrika-Cup Qualifikation. Wir waren total aus dem Häuschen, als wir rausgefunden haben, dass das wahr ist und Ghana wirklich in Kumasi spielt. Wir haben unsere Vorfreude aber extra zurückgehalten, weil wir mittlerweile Bescheid wissen, wie die Dinge hier laufen… gemeint ist: „Kein Ding, ich besorge euch die Karten…“, wer weiß ob man wirklich die Karten bekommt.

Jedenfalls hat aber wirklich alles geklappt und ich saß mit Cornelius in der Nordkurve im Kumasi-Prachtstadion mit einer Kapazität von 40.000 Menschen. Das ist jetzt keine Ironie, das Stadion kommt wirklich an europäischen Standard heran. Über das Spiel gibt es nicht viele Worte, die man verlieren kann. Ein relativ unspektakuläres 0:0 mit einer Roten Karte für N´Diang in der heißesten Phase des Spiels kurz vor Ende. Das Stadion war so voll, dass die Leute in den Gängen vorne über gestolpert sind und die Treppen herunter gefallen sind… Glücklicherweise sind alle weich gefallen. Wir waren früh genug da und hatten gute Plätze. Umgerechnet 1,50 Euro kostet der Eintritt. Den Rest erzählen die Bilder auf Facebook, meine Lieben! Soviel sei gesagt: Unglaubliche Atmosphäre.

Nach dem Spiel ist nicht vor dem Spiel. Jedenfalls nicht in unserem Fall. Unsere Version heißt: Nach dem Spiel ist mitten im Regen! Direkt nach dem Abpfiff hat es richtig heftigst angefangen zu Regnen. Es war dunkel, hat gewittert und mir war das erste Mal kalt in Ghana. Wir haben zwei Stunden gebraucht um zurück im wohlig warmen Zimmer zu sein und eine schöne warme Dusche zu nehmen. Jetzt kommt die Ironie: Warmes Wasser gibt es hier nicht.

Wäre schwach, wenn das alles an Ironie wäre, was ich zu bieten habe, oder? Weiter geht’s… Draussen REEEEEGNET es in Strömen und ich stehe unter der Dusche, drehe den Wasserhahn auf und nur ein läppischer Tropfen findet den Weg durch die Wasserröhren. Dann halt ohne Duschen pennen.

Heute ist Montag, wie gesagt. Eine Woche ist meine tiefste Tiefphase her und mir geht es richtig gut. Ich vermisse zwar immer noch jemanden von Tag zu Tag mehr, aber dadurch, dass jetzt tatsächlich Unterricht nach Plan stattfindet habe ich viel zu tun.

So. Wir hören von einander. Ich freue mich über jeden Kommentar und jede E-Mail und bemühe mich recht fix zu antworten.

Alles liebe aus Ghana!

P.S.: Wir wurden bei der Volkszählung, die hier im Moment im Gange ist zum Ghanaischen Volk gezählt. Alle, die länger als bis Dezember in Ghana sind, werden erfasst.