Tagesarchiv: Oktober 16, 2010

#7


So, man sollte meinen ich hätte aus meinen Fehlern gelernt und mittlerweile gemerkt, dass es nicht so klug ist fast 2 Wochen zu warten, um dann einen zweitklassigen Eintrag zu verfassen, aber was soll’s… Hauptsache etwas J

Und es ist viel passiert! Meine erste richtige Schulwoche hat stattgefunden, ich hatte Höhen und Tiefen im Bezug auf das Unterrichten, aber dazu später…

Zunächst nochmal zurück zum Sonntag vor fast 2 Wochen. An diesem Tag entschied ich mich zu Hause zu bleiben, anstatt zu einer Kirche mitzukommen. So hatte ich Zeit mich um kleine Arbeiten zu kümmern, aber ich verpasste eine großartige Zeit in der Kirche. Denn, wie mir später berichtet wurde, gingen meine Kumpanen nicht, wie zuvor erwartet, in die Kirche Milicents, sondern auf eine Riesenveranstaltung der Pentecost Churches im Umkreis. Dort haben sie die verrücktesten Sachen gesehen: Gläubige, die, vom Holy Spirit befallen, ihren Körper nicht mehr unter Kontrolle hatten. Das heißt, sie zuckten, konnten sich nicht mehr bewegen oder rannten einfach schreiend durch die Kante ohne Sinn und Verstand. In allen 3 Fällen wurden betreffende Personen von starken Männern aus der Menge hinaus getragen, wo sie sich wieder besinnen konnten. Das Interessante daran war, dass wirklich alle 5 Minuten jemand fällig war. Tja, andre Länder, andre Sitten…

Am Abend des Sonntags kam es dann endlich dazu, dass wir Foufou aßen, den wir vorher fast selbst gemacht hatten. Soll heißen: wir schauten einigen Schülern zu, wie sie Kasawa und Plantains zermatschten (einige von uns haben es auch ausprobiert, aber wir machten es natürlich falsch). Die Soße haben wir dafür aber allein gekocht. Da uns so viele Menschen geholfen hatten, mussten wir auch ziemlich viel abgeben. Satt wurden wir aber trotzdem. Nur die Schüssel, in welcher wir den Schülern das Foufou überreichten fanden wir erst 12 Tage später wieder.

Tja, dann war Montag. Mein erster Schultag, also ordentlicher Schultag. Ich kann mich aber kaum dran erinnern, soll heißen, dass er wenig eindrucksvoll war. Eigentlich hätte ich zwei Doppelstunden gehabt, aber durch ein Meeting, in welchem uns noch ein paar Sachen erklärt wurden und die SHS Timetables ausgeteilt wurden, fiel meine zweite Stunde aus… Lustig war, dass das Meeting durch einen Regenschauer unterbrochen wurde, weil der Regen so laut auf das Wellblechdach fiel, dass man kein Wort mehr verstehen konnte. Die erste war eher anstrengend, da meine „vorgesetzte“ Lehrerin, Dabora, versuchte herauszufinden, was unsere Schüler schon gelernt hatten, die Schüler kaum Antworten gaben und sich bei Nachfragen heraustellte, dass die Schüler nicht die geringste Ahnung von ihrem Stoff hatten. Naja, es gab ein oder zwei Schüler, die sich bemühten, aber der Rest hatte offensichtlich keine Lust. Als einer von ihnen, Samson, gebeten wurde doch bitte etwas an die Tafel zu schreiben weigerte er sich vehement. Schließlich gab Dabora auf, was hätte man auch sonst machen sollen… Ein extra Assignment geben? Und was dann? Eine schlechte Zensur. Das hätte auch keinen großen Unterschied gemacht. Glücklicherweise ist an unserer Schule seit Kurzem physisches Punishment ungern gesehen, weswegen keiner der Schüler aus dem Unterricht rausgezogen wurde und erstmal einen Schlag in den Nacken bekommen hat.

Tja, wir blieben die meiste Zeit in der Bibliothek und kümmerten uns um die Bücher, brachten Ghanaern UNO bei, zeigten ihnen meinen Kartentrick, der immer wieder die großartigsten Reaktionen hervorrief… Ich konnte von den ungläubigen Blicken und Aufschreien einfach nicht genug bekommen. Ghanaer wundern sich aber auch ziemlich geil! J

Am nächsten Tag hatte ich wieder ein bisschen Unterricht, der diesmal aber erfolgreicher war, denn wir hatten ein drittes Lehrjahr, welches viele Antworten gegeben hat und auch mal für den einen oder anderen Lacher gesorgt hat. Nach der gestrigen Stunde mit dem zweiten Lehrjahr hatten Dabora und ich uns dazu entschieden jeden Tag einige Worte zu diktieren, da die Rechtschreibung echt zu wünschen übrig ließ. Von 20 Worten, waren durchschnittlich 7 bis 8 richtig geschriebene dabei. So musste also auch das dritte Lehrjahr diesen Spaß über sich ergehen lassen. Aber die Leute nahmen ihre Fehler gelassen und machten trotzdem weiter ein paar Scherze. Sonst passierte diesen Tag nicht viel mehr, außer zwei kleinen Sachen. Als ich Cornelius zum Frühstück abholte (wir bekommen nämlich Frühstück und Mittagessen gestellt, was ziemlich geil ist, da so die Ausgaben für Essen extrem eingeschränkt werden), war dieser ziemlich geladen, da er gerade zusehen musste, wie seine S chüler von einer Lehrerin geschlagen wurden: sie mussten ihre Arme austrecken und bekamen ein, zwei, drei, vier Schläge mit einem dünnen Stock auf den Arm, bis sie vor Schmerzen den Arm wegzogen. Danach gab es noch zwei extra Schläge, sodass die Kinder heulend raus rannten und von ihren Klassenkameraden ausgelacht wurden. Nach diesem Erlebnis war Cornelius echt heftig drauf. Als er mit mir zum Essen ging, fand er die unschönsten Bezeichnungen für die Lehrerin und war auch sonst nervlich etwas angekratzt. Aber irgendwann hatte er sich auch wieder gefangen, die Bilder blieben jedoch in seinem Kopf zurück. Am Abend gingen wir in die Uni, um Sport zu machen und Online zu gehen. Auf dem Rückweg merkte Cornelius, dass sein Handy nicht in seiner Tasche war. Ein Anruf auf sein Handy ergab, dass das Handy ausgeschaltet war, ein verdammt schlechtes Zeichen. Cornelius ging trotzdem einfach nochmal zurück zur Uni und kam natürlich ohne Telefon zurück. Da kann man nichts machen. Erst R uven, dann Cornelius. Mal sehen wer der nächste ist…

Ich weiß nicht wann, aber ich glaube es war noch an dem Tag, an dem Cornelius sein Handy verlor, wurde uns auch offenbart, dass wir für eine Visumsverlängerung monatlich 40 Cedi bezahlen mussten. Ganz toll! Naja, es führt kein Weg herum, wir sollten uns nun also mit Jeff um 10 Uhr an der Uni treffen. Blöd war nur, dass ich einige Tage zuvor den Schlüssel der Bibliothek verloren hatte. Wahrscheinlich ist er mir beim Chatten auf dem Unigelände aus der Tasche gefallen. So musste ich mich also mit Sakkordie auseinanderzusetzen, anstatt zur Uni zu gehen. So trug es sich zu, dass wir 12 Minuten nach 10 ankamen und Jeff war nicht mehr da, sondern beschwerte sich über unsere Unpünktlichkeit. Da konnten wir so direkt nichts Passendes drauf antworten… In Ghana wegen Unpünktlichkeit angeklagt zu werden, ist schon was Besonderes! Wir haben noch viel zu lernen.

Tja, wir gingen zurück und gaben das Geld erstmal Mili, woraufhin sich Jeff wenig später das Geld selbst abholte. Nach der Schule gingen wir an diesem Tag zu PK, einem der Lehrer an unserer Schule, der ganz cool drauf zu sein scheint. Eigentlich wollten wir ihn schon Montag besuchen, aber es kam immer etwas dazwischen. Tja, er führte uns also zu seinem Haus in Ohwimase, was zwischen Kwadaso und Denkyemuoso liegt. Er lebte in einer netten Gegend in einer Einzimmerwohnung, was für einen alleinstehenden Mann ganz normal ist! Doof war nur, dass PK seinen Schlüssel in der Schule vergaß, weswegen er einen Schüler beauftragte besagten Schlüssel zu ihm zu bringen. In der Zwischenzeit zeigte er uns die anliegende Muckibude… Was man halt so Muckibude nennen will… Es handelte sich um einen Hinterhof ohne Dach, in welchem aus alten Metallstangen Geräte zusammengeschweißt wurden und Gewichte aus weiteren Stangen und schweren Zahnrädern gebastelt wurden. Höchst interessa nt. Wir probierten es auch aus und ich merkte wieder mal, dass ich man wieder etwas für meinen Körper tun sollte, aber das würde ja nur unnötig Zeit kosten J

Tja, irgendwann kam der Schlüssel und wir konnten PK’s Wohnung betrachten: eine Matratze, ein Kühlschrank, ein Ventilator, ein Computer und ein Haufen Zeug. Alles noch sehr spartanisch, doch okay, wenn man bedenkt, dass er dort erst für 2 Wochen wohnte. Tja, bald musste ich wieder los, weil der Mittwoch mein großer Tag werden sollte. Heute sollte ich nämlich irgendein Spiel pfeifen. Doch dazu musste ich erstmal von Ohwimase zur Uni kommen. Ich rechnete so mit einem 40 minütigen Fußweg. Ich hatte mich um vielleicht 10 bis 20 Minuten verschätzt. Es spielte aber keine Rolle, denn nach 15 Minuten Fußweg, wollte ich von 2 Ghanaern den kürzesten Weg zur Uni erfahren. Sie rieten mir, wie zuvor auch PK, am besten ein Taxi zu nehmen. Doch ich hatte mir mit Absicht kein Geld mitgenommen, weil ich vorbeugen wollte, schwach zu werden und doch eins zu nehmen. Also luden die beiden mich ein, mich mitzunehmen. Erst hatte ich mich ein bisschen zickig, aber willigte dann dankba r ein. Wir unterhielten uns und es stellte sich heraus, dass einer der beiden schon für oder vor, ich weiß es nicht genau, 10 Jahre(n) in Deutschland war. Er konnte kaum ein Wort Deutsch, aber das macht ja nichts J

Es machte Spaß dort mit den beiden zu stehen und zu smalltalken. Irgendwann kam eine Straßenverkäuferin vorbei und verkaufte einem der beiden etwas. Wie mir nun erklärt wurde, handelte es sich um geraspelte Kasawa, die in Öl getaucht wurde und dann frittiert wurde. Dazu wurden Kokosstücke gegessen. Es war ein unglaublicher Gaumenschmaus. In Zukunft sollte ich noch viel davon kaufen. Tja, irgendwann waren wir dann an der Uni, aber bedanken konnte ich mich nie bei den beiden. Ich hatte weder mein Handy mit, noch sonst irgendwas. Das fand ich schade, war aber nicht zu ändern. Durch die Taxifahrt war ich schon etwa 20 Minuten zu früh da. Die Mannschaften waren erst eine Stunde nach meiner Ankunft vollständig… Tja, aber vorher konnte ich mich noch ein bisschen mit einem Spieler unterhalten. Er war Lehrer für Woodwork an der Uni und kam ursprünglich aus einer anderen Region, wo man kein Twi sprach, weswegen er es auch nicht sprechen, aber verstehen konnte. Weswegen eine Unterhaltung von ihm und einem Einheimischen recht lustig war. Der Einheimische redete auf Twi und der Lehrer auf Englisch. Von ihm wurde mir später auch noch getrocknete Tigernuss angeboten. Sehr geil! Und nur zu empfehlen J

Dann ging das Spiel los. Ich hatte mir extra für die Gelegenheit ein schwarzes Hemd und meine Jeans angezogen. Und natürlich entpuppte sich der Nachmittag als überaus heiß. So schwitzte ich mich zu Tode, erledigte den Schirijob aber ganz passabel. Nach dem Spiel durfte ich dann auch noch Spielen, was meine Sachen aber nicht so Recht zuließen. Ich spielte aber trotzdem und überbot mich selbst. Diesmal waren auch ziemlich viele gute Spieler dabei, was das ganze Spiel noch geiler gestaltete. Danach ging ich verschwitzt nach Hause und fand eine verschlossene Tür vor. Die anderen waren noch nicht da… Und mein Handy hatte ich großartigerweise hinter der verschlossenen Tür liegen lassen. Also wartete ich erst ein bisschen, um dann die wahnwitzige Idee zu bekommen bei den Schülern duschen zu gehen. Ich tat es nicht, bat sie aber um Hilfe. Samson gab dann irgendwann sein Handy und so konnte ich PK anrufen um die anderen zu bitten nach Hause zu kommen. So bot mir Mareike an, dass ich ja auch ein Handtuch von ihr nutzen könnte und bei ihr duschen könnte. Welch eine Wohltat! Nach der Dusche setzte ich mich zu Mili und Lucy in die Küche und ließ mich vom lustigen und sinnlosen Gelaber berieseln. Nebenbei bekam ich noch Kochbananen mit irgendeiner Soße und ich durfte auch mal von Milis Essen probieren. Das war irgendein Fisch mit sehr scharfer Soße, wie sie sagte. Sie hatte davon auch schon Tränen in den Augen. Da mir dieses Essen zu salzig war, konnte ich aber nicht mehr essen, um mal eine besondere Art von Schärfe zu erleben. Ich weiß nicht mehr worüber wir so geredet haben, es war einfach zu bedeutungslos, doch was sage ich da? Ich wurde von Lucy auf knallharte Weise davon unterrichtet, dass es einen Gott gibt und so folgte ein viertelstündiges Gespräch mit anschließendem halbstündigem Monolog Lucys. Weder Mili noch Lucy konnten verstehen, wie ich nicht an Gott glauben kann. Später erzählte mir Mareike von ihren Erlebnissen. Sie mu sste sich ebenfalls lange Monologe anhören und als sie dann sagte, dass sie, um zu glauben, irgendeine Art Beweise brauche und es die nicht gebe, wurde sie auf die Bibel hingewiesen. Als Sie sagte, dass das ja nicht vollkommen für voll genommen werden kann, wurde sie damit konfrontiert, dass es aber ein Buch ist und in Büchern die Wahrheit steht. Naja, da gab es keine Kompromisse.

Tja, irgendwann waren dann die anderen da und ich konnte in mein Zimmer. Nunmehr glücklich und zufrieden. Sie erzählten mir, dass auch der Besuch bei PK schön war. Leckeres Essen, schöne Musik und feine Unterhaltung. Mareike musste aber nebenbei nervige kleine Bemerkungen von PK aushalten, zu einem späteren Zeitpunkt sollten ihr diese dann doch sehr auf die Nerven geben.

Nun ja, der nächste Tag war als solches nicht besonders. Während der Schulzeit vergnügte ich mich mit den Lehrern, während Cornelius und Ruven weiter an der Bibo bastelten. Sie schafften es endlich alle Bücher zu codieren. Der Abend jedoch sollte etwas verrückter werden. Wir trafen uns wieder mit PK. Dafür gingen wir irgendwann abends zu ihm und ließen uns wieder das Yam/scharfe-Soße-Gericht vorsetzen und gingen danach in eine Bar. Eigentlich sollte es ein Club werden, aber PK meinte, dass wir es diesen Abend ruhig angehen lassen sollten und dafür dann am Abend vor seinem Bday, nämlich am Sonntag ordentlich krachen lassen sollten. Diesmal gesellte sich ein guter Freund PKs zu uns. Er war ziemlich groß und kam etwas dümmlich rüber, da er relativ aufgepumpt aussah und sonst nicht viel zu kennen schien. Es stellte sich aber heraus, dass er IT Lehrer war. Naja, er lachte auf jeden Fall lächerlich und hatte ein gewisses Verlangen sich durch Männlichkeit zu profi lieren. Aber immerhin fuhr er uns zur Bar und zurück. Er war aber der, der am Meisten getrunken hatte. Jedoch war er nach den 3 Bier und den 0,2 Litern Schnaps noch erstaunlich nüchtern, was das ganze etwas relativiert. Sein ganzes Verhalten gefiel mir nicht, aber ich sagte nichts, weil ich keinen Stress wollte. Bei der Bar angekommen, musste ich mich auf einen Abend voll Reggaemusik einstellen. Nach der ersten Runde Bier stieg ich auch schon aus, denn ich konnte und wollte es an diesem Abend nicht übertreiben. Bald jedoch sollte getanzt werden. Natürlich nicht auf einer Tanzfläche, sondern am Tisch. Die ersten waren Ruven und PK, später kamen Big Sheriff (der Freund PKs) und Mareike hinzu. Ich ließ mich noch eine Runde feiern, wurde dann aber doch überredet. Aber wie sollte man zu so einer Musik tanzen? Ich beobachtete einfach ein wenig Big Sheriff, denn der tanzte ausgesprochen komisch. Es war ein Mix aus Elvis Rock’n’Roll (sprich: er bewegte seine Hüften anzüglich), Elektrodance (sah eigentlich ganz cool aus, aber er konnte nur die eine Sache und die machte er immer wieder: es sah aus als ob ein Blitz in seine eine Hand reingeht, er zuckt, während der Blitz durch seinen Körper wandert und schlussendlich zur anderen Hand wieder austritt) und einer undefinierbaren Tanztechnik (er hielt eins seiner Beine nach vorne ausgestreckt und umschloss mit seiner Hand seinen Knöchel, alsbald begann er auf dem zweiten Bein zu hüpfen… ). Es war verrückt! Naja, natürlich ließ PK keine Chance offen Mareike zu berühren. Es hob sie hoch, ließ sich mit ihr fotografieren, blablaba… Sie tat mir schon ein wenig leid. Naja, auf dem Rückweg wurde uns dann offenbart, dass der Wagen noch Benzin bräuchte und die Tankstelle in der Nähe nur für 10 Cedi auffüllt. Die Preisfrage ist nun: wer durfte das bezahlen? Wenn mich etwas stört, dann ist es die Selbstverständlichkeit mit der wir als Geldgeber gesehen werden. Und, dass alle Haken so lange geheim gehalten werden, wie nur möglich. Ich meine ich hab gerne in der Bar für PK und Sheriff bezahlt. Kein Ding! Aber das mit dem Benzin hat mich extrem gestört!

Naja, trotz angetrunkenem Zustand sind wir aber nach Hause gekommen. Es war auch nirgendwo knapp. Ich glaube, dass Sheriff das öfter macht. Am nächsten Tag, Samstag, erzählte PK uns, dass Sheriff meinte, dass man doch gleich nochmal weggehen könnte, oder es halt so einrichten könne, dass man jedes Wochenende zusammen trinken geht. Da hätte ich auch schon wieder rot sehen können! Kann ich mir gut vorstellen, dass Sheriff mit uns trinken gehen will: er kriegt seinen Alkohol, neues Benzin und eine sorgenfreie Zeit, denn alles ist für umsonst.

Macht ja nichts und ist auch egal! Mit etwas Geschick kann ich Sheriff auch leicht aus dem Weg gehen.

Am nächsten Tag war ich am Anfang ein wenig angesäuert, weil uns komplett kurzfristig gesagt wurde, dass Ruven und ich zu einem Radiointerview zur Brong Ahafo Region müssen. Um 11 Uhr sollte es losgehen und wehe wir wären nicht rechtzeitig fertig gewesen! Das wurde uns noch gesagt. Klar, dass es erst eine Stunde später losging. Naja, der Trip entwickelte sich eigentlich als ziemlich interessant. Ab einem bestimmten Zeitpunkt begann die Landschaft echt schön zu werden und wir machten einige Fotos. Dann hatten wir auch die interessante Erfahrung eines Plattens am Auto. Man muss sich das so vorstellen. Wir fahren so dahin… Ruven und ich am lesen. Plötzlich kommt aus dem nichts ein komplett ungewöhnliches Geräusch: klackklackklackklackklack… wir schrecken alle auf und der Fahrer fährt an die Seite der Straße. Erst kann nichts gefunden werden, aber ich entdeckte dann den Schaden. An einen der Reifen ist wohl irgendetwas Scharfes gekommen, weswegen es die obere Sc hicht des Mantels auf gerissen hat. Glück im Unglück, das hätte auch richtig schief gehen können! Naja, dann haben wir den Reifen gewechselt und haben den Reifen im nächsten Dorf reparieren lassen. Weiter ging die Fahrt. Natürlich übermannte uns auch bald die Müdigkeit, so dass ich total verschlafen war, als wir endlich die Radiostation erreichten. Sie hieß Jeffreyson Fm – The Exclusive Station… Wir warteten eine Weile und dann wurden wir ins Aufnahmezimmer geholt. Auf der Fahrt hatten wir mit Sakkordie besprochen, was wann gesagt werden sollte und dass wir uns keine Sorgen machen müssten, weil wir sowieso erstmal einen Probedurchlauf machen würden. Tja, Pustekuchen von wegen Probedurchlauf. Zum ersten Mal beim Radio und gleich live dabei… Aber wir mussten glücklicherweise nicht viel reden. Sakkordie erledigte das. Wir sagten dann nur manches auf Deutsch und sagten wenige Sätze über uns selbst. Am Ende mussten wir noch die Radiostation auf Deutsch anpreisen, was eigentlich ganz witzig war. Und schon war die Vorstellung vorbei. Nach etwa 4,5 Stunden Fahrt, waren diese 30 Minuten der Grund unseres Herkommens. Halt! Noch nicht ganz. Ruven und ich musste noch etwas sagen wie: Hi, my name is Fabian Hofmann. And everytime I’m visiting Brong Ahafo, I’m listening to Jeffreyson Fm…

Aber eigentlich war das ganze ziemlich witzig. Zum gelungenen Abschluss bekamen wir dann auch noch Foufou von der Schule ausgegeben. Diesmal mit Bushmeat, was neben Chicken das leckerste Fleisch ist, das ich hier drüben gegessen hab. Auf dem Rückweg unterhielt ich mich dann noch eine Runde mit Davidad, die ebenfalls Lehrerin an unserer Schule ist und unterstützend mitgekommen ist. Ich fragte sie, was denn so das schärfste ist, was man hier in Ghana an Gericht bekommen kann. Die Antwort war Kele-Wele oder so. Und wir sollten einfach Lucy fragen, ob sie uns zeigen kann wie es geht. Unglücklicherweise bekam ich in den Tagen danach so krasse Magenbeschwerden, dass ich scharfe Speisen gar nicht herunter bekommen konnte. Naja, so ist das Leben.

Als wir wieder zu Hause waren, erzählte uns Cornelius ganz aufgeregt von seinen Erlebnissen. Er hatte eine Gottesanbeterin beim Fressen sehen und fotografieren können und das Beste: er hatte zusehen dürfen, wie die Schüler eine Katze schlachteten und aßen. Er hatte auch ein Stück probieren dürfen und meinte, dass es eigentlich ganz lecker war. Die Bilder von der Katze würde ich gerne uploaden, aber dazu ist mein Internet zu langsam. Tja, fragt mich einfach mal in einem Jahr wieder.

Und noch etwas trug sich an diesem Abend zu. Jonas, der Volunteer aus Accra kreuzte endlich bei uns auf. Und es gab viel zu erzählen! Er war nämlich kein bisschen glücklich mit seiner Stelle. Es gab Intrigen über Intrigen und nichts bewegte sich. Dadurch kam er auch nicht dazu zu arbeiten, was sich doch sehr auf sein Gemüt auswirkte. Er fühlte sich einfach relativ unnütz. Davor beneidete ich ihn unendlich um seine Stelle, weil er allein war und somit Ghana viel krasser erleben musste. Er sollte eigentlich eine Gastfamilie bekommen, die ihm natürlich Twi und Kochen beigebracht hätte. Aber er lebte nur in einer heruntergekommenen Jugendherberge und in seiner Organisation redeten die wenigsten Twi, wodurch er auch nur 2 bis 3 Worte auf Twi sprechen konnte. Naja, aber immerhin kam er viel zum Reisen, weil er als eine Art Botschafter zu einigen Treffen in ganz Ghana eingeladen war. So zeigte er uns am Samstagabend auch unglaublich viele Fotos von Sehenswürdigkeiten, d ie wir in einem Jahr nicht sehen würden.

Aber der Subtext von Jonas‘ Erzählungen war doch eher negativ. Besonders als er dann sah, was wir für ein gediegenes Leben hatten und haben.

Der nächste Tag begann mit Kirche… Debora hatte mich und Cornelius nämlich zwei, drei Tage zuvor eingeladen. Also gingen wir mit ihr und Anita zum Campusgelände. Kurz vor der Ankunft wurde uns dann auch offenbart, dass wir uns aufteilen würden, denn Anita und Debora besuchten unterschiedliche Kirchen. Also zog mich Debora ins presbyterische Kirchenzimmer (denn der Gottesdienst fand in Unterrichtsräumen statt) und Cornelius wurde von Anita verschleppt. Naja, in meinem Zimmer war schon eine ziemliche Fete am laufen. Soll heißen, es wurde geklatscht, gesungen und getanzt. Ganz normal also. Mir wurde ein Platz zugewiesen, aber ich setzte mich zurück neben Debo, weil ich sie fragen konnte, wenn ich irgendwas nicht verstanden habe. Zum Gottesdienst selbst kann ich nicht so viel sagen, aber zwischendurch regnete es wieder heftig, weswegen es am Ende der Vorstellung unmöglich war keine komplett durchgeweichten Schuhe zu haben. Sonst gibt es hierzu eigentlich nicht so vie l zu erzählen, denn der Gottesdienst hat mir nicht so viel Spaß gemacht. Aber ein, zwei Vorteile hatte er, denn erstens war er extrem kurz (nur 2 Stunden) und es gab am Ende noch Wein und Oblaten. Zu allem Überfluss gab es bei Anitas Gottesdienst auch Essen und Trinken und auch dahin wurde ich noch eingeladen. Nachdem alle Messen gesungen waren, wollten die Mädels noch Bilder machen. Danach gingen alle außer mir nach Hause, da ich noch etwas auf dem Campusgelände zu tun hatte.

Nun ja, nachdem ich dann auch wieder zu Hause war, einigten wir uns darauf Jonas Kumasi zu zeigen. Leider ist der Sonntag dafür nicht soo sehr geeignet, aber immerhin konnte er mal die Ausmaße des Zentralmarktes kennen lernen. Er zeigte uns auch, wie man Kokosnüsse richtig kauft und danach hatten Cornelius und ich (bis heute) ein ständiges Verlangen nach Kokos. Frisch und etwas gekühlt schmeckt das aber auch zu geil! Naja, als wir dann wieder in Denkyemuoso waren, machten wir uns fertig um zu PK zu gehen. Als wir kurze Zeit später bei ihm waren, mussten wir erstmal etwas zu essen klar machen. Wir kauften die Zutaten für Reis und Tomaten-Ei-Suppe im Dorf und es wurden einige Bierflaschen gekauft, von denen ich aber letztendlich nichts wollte, da mit diesem Sonntag die Phase begann, in der ich die ganze Zeit irgendwie kränklich war. Das Essen war richtig geil und obwohl mir schlecht war, aß ich immer weiter. Am Ende war mir richtig unangenehm schlecht, aber das war es irgendwie auch wert. Und wie ich so darüber schreibe, bekomme ich eine extreme Lust auf Reis mit Tomate-Ei-Soße… Alter, war die lecker!

Abe damit war der Abend für mich gelaufen. Ich bestellte ein Taxi und fuhr nach Hause. Die anderen wollten sich eigentlich noch in einen Club abseilen, aber dazu ist es dann wohl nie gekommen. So ganz hab ich es nicht mehr im Kopf, doch sie sind wohl ewig weit gelaufen ohne etwas zu erleben. Naja Mareike erlebte PK… Denn der war diesmal noch offener. Als sie alle nach Hause kamen, schien Mareike richtig geladen zu sein, deswegen fragte ich auch nicht nach. Mir tat es nur Leid für Jonas, der extra noch den Abend frei genommen hatte, um dann so eine Nacht erleben zu müssen.

Der nächste Tag war dann ziemlich besonders, denn er sollte eine Wendung bringen. Erstmal nämlich ging es Ruven auf einmal richtig schlecht. Er erbrach sich und ging diesen Tag noch ins Krankenhaus. Dort wurde gesagt, dass er wohl Malaria habe… Wow, das war eine Nachricht! Und auch irgendwie Schicksalsschlag. Denn eigentlich war ich es immer, der es drauf angelegt hat. Derjenige, der nie Mückenabwehrmittel verwendet, mal vom Mückennetz abgesehen. Und dann sollte Ruven Malaria haben. Tja, er bekam Tabletten und nach der Behandlung wurde er nochmal getestet und da kam heraus, dass er gar keine Malaria hatte. Aber die Krankheit meine ich mit Wendung gar nicht, denn für mich passierte etwas viel Eindrücklicheres. Diesen Morgen sollte ich nämlich bei dem zweiten Lehrjahr Englischunterricht geben. Jedoch mit Debo zusammen. Also ging ich davon aus, dass sie was vorbereitet hat. Hatte sie bestimmt auch, doch sie wurde zu einem Gespräch mit Sakkordie gerufen, somit wurde ich ins kalte Wasser geworfen und sollte eine Klasse unterrichten ohne auch nur irgendwie vorbereitet zu sein. Naja, ich hatte noch ein Diktat übrig, was ich auch gleich durchzog. Aber da meine Schüler meinen Akzent nur schwer verstehen, war ich oft auf die Hilfe meiner Schüler angewiesen, was das ganze etwas sinnlos gestaltete. Einer der Schüler, Sylvester, zog das Ganze auch recht stark ins lächerliche. Wenn ich ihn um Ruhe und Ernsthaftigkeit bat, ließ er für ein, zwei Sekunden von seinem Unsinn ab und konzentrierte sich. Die Sache ist ja, dass er eigentlich ein kluger Schüler ist und sicherlich der Zweit- oder Drittbeste der Klasse ist und der Beste sein könnte, aber ihm ist es einfach zu egal. Als die Leute dann meine Unsicherheit und Schwäche gelesen hatten, erlaubten sie sich mehr und mehr. Sie redeten auf Twi und als ich um English bat, wurde ich wenig bis gar nicht beachtet. Manche Schüler reagierten auch einfach überhaupt nicht auf mich. Eine Schülerin ließ si ch auch nichts sagen, schien angepisst zu sein, wenn persönlich angesprochen. Ich wusste nicht was ich mit ihr anstellen sollte. Sie aufzugeben schien mir am Anfang noch zu einfach, aber nach diesem Tag war es mir dann schon so etwas wie egal. Denn als das Diktat vorbei und korrigiert war, wusste ich nicht mehr worüber ich reden sollte. Fragte also nach einigen Sachen der letzten Stunde, was mir zeigte, dass nicht mal ich davon eine hundertprozentige Ahnung hatte. Auf jeden Fall wurden die Schüler immer unruhiger und ich hoffte immer mehr auf die Rückkehr von Debo. Und dann kam sie irgendwann. Ich war schon kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil kaum noch englische Worte im Raum schwirrten. Und kurz nach ihr kam Sakkordie und hatte die flotte Idee, sich doch mal Respekt zu verschaffen, indem er allen, die keine ordentlich rasierten Haare hatten (hier ist ein Milimeterschnitt ziemlich normal) die Haare zu verunstalten, sodass sie sie schneiden mussten. Der Einzige, der daran Spa ß hatte, war eindeutig Sak. Und ich darf behaupten, dass ich den Schaden hatte. Denn ich verstand weder den Sinn der ganzen Veranstaltung, noch konnte ich die Schüler danach auch nur ansatzweise bändigen. Ich war verzweifelt, denn die Schüler gifteten sich auf Twi an, waren echt kurz dafür einen handgreiflichen Streit anzufangen. Das war zu viel für mich. Debo schlug vor einfach aus dem Raum zu gehen, sodass die Schüler vielleicht merken würden, was sie da eigentlich taten. Danach berichtete ich die Vorfälle Sakkordie und ging zu meinem Zimmer. Als ich außer Reichweite allens war und dort Ruven und Jonas in unserem Zimmer saßen, brach ich hoffnungslos in Tränen aus. Keine Chance aufzuhören. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Die Schüler hatten mein Nervenkostüm durchlöchert, wie Motten. Es dauerte bis zum nächsten Morgen bis ich mich soweit gefangen hatte, dass ich nicht sofort zu weinen begann, wenn ich mit irgendwem sprach. Das war ein interessantes Er lebnis. Im Nachhinein hatte ich eine Rücksprache mit Sakkordie, der mir schilderte, dass seine Aktion absolut nachvollziehbar und sinnvoll wäre und Debo wegen der aus-der-Klasse-geh-Sache rügte. Das war auch wirklich nicht so professionell. Aber für mich war es vielleicht das Beste. Dann hatte ich auch noch mit zwei Schülern der Klasse eine kurze, ungezwungene Rücksprache, in der sie sich unaufgefordert entschuldigten und ihre Probleme darlegten und mir gut zusprachen. Danach ging es mir auf jeden Fall wieder gut. Denn ich wollte die Klasse auf keinen Fall aufgeben, was ich aber musste. Naja, als ich nach der ganzen Aktion bei den Lehrern saß, regten die sich über unbändige Schüler auf, die es nicht besser verdient hätten. Während mir lieb auf die Schulter geklopft wurde. Das fand ich dann auch nicht total toll, aber sie wollten ja nur helfen. Tja, no hard feelings. Am nächsten Tag war eigentlich schon alles vergeben und vergessen, denn ich sollte mit Ruven zusammen wied er als Modepüppchen mit Sakkordie mitkommen. Doch weil Ruven krank war, kam Cornelius mit. Diesmal blieben wir innerhalb der Asante Region. Wir fuhren etwa 1,5 Stunden irgendwo hin. Den Namen des Dorfes hab ich vergessen. Angekommen, liefen wir zum lokalen Informationszentrum und riefen die Attribute unserer Schule aus. Daraufhin sollten einige Leute kommen und Fragen stellen. Cornelius und ich stellten uns eigentlich nur vor und schauten dann Kindern hinterher, weil die die einzigen waren, die sich ernsthaft für uns interessierten. Naja, nachdem wir in dem Zentrum fertig waren, ließen wir uns von unseren Füßen, Sakkordie hinterher tragen. Übrigens war diesmal der Lehrer mit, mit dem ich mein erstes Gespräch über Gott hatte. Er ist ein sehr angenehmer, ruhiger Zeitgenosse. Naja, während Sakkordie und dieser Lehrer eher nach Erwachsenen suchten, die Kinder und Geld haben, suchten wir nach Kindern, mit denen man gut spielen kann. Wer jemals hier gewesen ist, wird wissen, was ich meine. Tja, irgendwann kamen wir dann bei einem Foufoustand an und durften selbst mal ein bisschen zermatschen, machten es aber offensichtlich falsch, denn die Foufoufrau lachte uns aus. Naja, auf dem Rückweg waren wieder Kinder angesagt. Dann fuhren wir ins nächste Dorf. Das war ein bisschen größer, aber der Ablauf war ähnlich. Während Sakkordie Dinge über die Schule verlauten ließ, spielten wir eine Art Verstecken mit den Kindern. Die Kinder mussten versuchen uns zu sehen, ohne dass wir sie sehen. Das war ganz witzig. Und da war auch ein übersüßes kleines Mädchen, das anfangs noch total Angst vor uns hatte und uns nach 20 Minuten schon die Hand gab. In der dritten Stadt gab es dann Foufou für uns. Wir besuchten nämlich den Vater des Lehrers und der hatte extra was für uns vorbereitet. Danach erzählten wir auch hier von unserer Schule. Diesmal aber nicht über Lautsprecher, wie in den beiden Dörfern davor, sondern diesmal auf dem öffentlichen Marktplatz. Da s war irgendwie komisch, weil einen da alle angestarrt haben. Naja, als der Spaß dann vorbei war, machte ich noch einige Fotos von einem Mann der Kentestoffe webte und gefühlte tausend Bilder von den Kindern, die auf absolut krasse Art und Weise auf eine Digitalkamera abgehen.

Tja, der Chief der Stadt lud uns auch ein, mal wieder aus Spaß ins Dorf zurück zu kommen und ein anderer gab uns seine Handynummer. Hier wollten wir unbedingt wieder hin. Nicht etwa, weil wir eine so besondere Bindung zu den Menschen aufgebaut hatten, sondern viel mehr wegen der Landschaft. Den umliegenden Wald, da waren Cornelius und ich uns sicher, wollten wir unbedingt mal besuchen!

Naja, dann war nur noch eine Adresse auf unserem Fahrplan, bevor wir nach Hause fahren sollten. Wir besuchten eine Schule und haben den Principal der Schule darum gebeten, einige Schüler seiner Schule an uns weiterzureichen. Er schien ganz froh darüber zu sein und gab Cornelius und mir seine Handynummer, weil er sich mit uns treffen wollte, wenn er mal unsere Schule besuchen kommen sollte.

Danach war der Tag eigentlich auch schon wieder vorbei, denn zu Hause fiel ich einfach nur noch in mein Bett. Auf dieser Fahrt las ich übrigens auch „Wüstenblume“ aus. Ein unglaubliches Buch und überaus zu empfehlen! Es geht um eine somalische Nomadentochter, die über Umwege aus ihrem Leben heraus nach London kommt und dort eine Modelkarriere startet. Es beruht auf dem Lebenslauf der Autorin. Das Buch hat mir gezeigt, wie gut es den Leuten hier geht, im Vergleich zu den aus anderen afrikanischen Ländern.

Tja, am nächsten Tag hatte ich das erste Mal mit dem ersten Lehrjahr Unterricht. Soll heißen ich saß da, während Debo ihren Vortrag hielt. Diesmal ausgesprochen zielstrebig und, anders als sonst, hat sie diesmal kein Wort zugelassen. Deswegen lief der Unterricht ziemlich gut, nur war mir schnell langweilig, da ich nichts zu tun hatte und es auch nicht spannend war, weil ich alles schon in den anderen Klassen gehört hatte. Naja, später haben wir dann endlich mal eine Art Betaversion des Stundenplans bekommen. Da waren noch kleine Fehler, aber das war kein Problem, denn ich war so froh, dass es endlich bald geregelte Bahnen geben würde. Bahnen, in denen man im Voraus planen konnte.

Diesmal hatte ich auf dem Volleyballplatz eine interessante Erfahrung machen dürfen. Denn ich kam zu früh zum Training und nur einer war da. Er lud mich ein mit ihm zu kommen und sich in den Gemeinschaftsraum der Schule zu chillen. Das tat ich natürlich gerne. Die Leute schauten sich gerade ein Fußballspiel an. Chelsea gegen Hearts… Aha, dachte ich. Premier League. Das war es auch, aber halt die ghanaische. Die Hearts sind ein Team aus Accra, die letztes Jahr den Meisterschaftstitel gewonnen hatten. Ich hatte keine Ahnung wo Chelsea herkam, aber die meisten der Leute waren für diese Mannschaft. Die ganze Zeit machten sich die Zuschauer gegenseitig runter. Lachten einander aus, weil die jeweils andere Mannschaft Unglück hatte und ähnliches. Es war einfach zu lustig! Dann kam irgendwann einer der besseren Volleyballspieler und hielt knallhart auf Hearts. Als diese dann ein Tor schossen, flog er förmlich durch den Raum, blieb bei jedem zweiten stehen und machte Witz e. Ich fragte mich, wie ein echtes Spiel laufen würde.

Am Abend rief mich eine ehemalige Freiwillige an, Jessica Rex. Sie erzählte mir von einigen Projekten, die sie hier hatte. Zum Beispiel hatte sie einen Schützling, der tatsächlich nicht lesen konnte. Also hatte sie es sich zum Ziel gesetzt, ihm genau das beizubringen. Ich sollte ihre Arbeit nun fortführen, was ich etwa eine Woche später begann. Dann erzählte sie mir auch von einigen Problemkindern der Schule, die zwar gesponsort werden, aber nicht so recht einsehen, warum sie hier sind. Sie riet mir also, doch mal zu versuchen mich um den einen oder anderen zu kümmern. Mal sehen was daraus wird.

Am nächsten Tag hatte ich wieder eine Stunde mit dem zweien Lehrjahr und sie waren wie ausgewechselt, denn Debo zog ihren Unterricht diesmal absolut sauber durch und ließ wieder keine Gespräche zu, die nicht mit dem Unterricht zu tun hatten. Sie schrieb die ganze Zeit. Für deutsche Verhältnisse viel zu frontal, aber die Schüler fanden es gut und hatten ein positives Gefühl danach. Absolut unverständlich. Naja, eigentlich hätte ich danach meine erste richtige Stunde mit dem ersten Lehrjahr gehabt, aber ich wurde von Keykey aus Accra angerufen und der sagte uns, dass unsere Passbilder nicht von der Embassy angenommen wurden und deswegen unsere Visen nicht verlängert werden können, außer wir machen so schnell wie möglich neue. Also stürzten Mareike und ich Hals-über-Kopf nach Kumasi um dort Cornelius und Ruven zu treffen. Doch die beiden waren noch im Krankenhaus wegen Ruvens Malariatest. Also entschied ich erstmal was zu essen. Danach hatte ich ein extrem unangenehmes Bauchgefühl und schnell begann ich von Bauchkrämpfen, hervorgerufen durch ein dringendes Verlangen sich zu erleichtern, gepiesackt zu werden. Also suchten wir beide eine Bedürfnisanstalt, doch das war leichter gesagt als getan. Ich konnte teilweise nicht mehr laufen vor Schmerzen und dachte schon ich würde platzen, doch dann sagte Mareike, dass sie wüsste, dass hier irgendwo in der Nähe eine Toilette sein solle. Also liefen wir dahin, liefen aber in eine falsche Straße und staden ohne Toilette da. Ich dachte ich müsste sterben! Also sprach ich eine Frau an und wollte wissen wo ich mich erleichtern könne. Sie schickte ihre Tochter mit uns und wir ließen uns leiten. Nach einer gefühlten Ewigkeit und etwa 4 Stopps wegen Krämpfen, kamen wir endlich an und die Welt war wieder in Ordnung. Wir schossen die Bilder, ließen uns von unserem persönlichen Straßenverkäufer zur Poststation führen und schickten die Bilder endlich ab. Ach ja, die Bilder wurden ni cht etwa in einem Automaten gemacht, sondern auf offener Straße, auf einem Hocker und vor einem weißen Bettlaken. Sie waren vollkommen überbelichtet… Aber egal, Hauptsache Passbilder!

So der nächste Tag war ein Freitag. Also der geilste Tag in der Woche, denn ich habe keinen Unterricht und zukünftig sind Freitage Practicaltage und das heißt, dass es bald etwas zu essen gibt. Naja, ich hab eigentlich ziemlich hart entspannt und mich mit Ruven noch ein wenig um die Bibliothek gekümmert. Dabei haben wir es tatsächlich geschafft, auch die letzten Bücher in die richtige Reihenfolge zu bringen. Endlich! Jetzt fehlte nur noch die Beschriftung an den Schränken. Naja, die Freude war dann schnell vorüber, denn nachdem die ersten Lehrer in der neu arrangierten Bibliothek waren, war die Hälfte wieder durcheinander. Das war nicht so witzig. Aber naja, nachdem die Schule vorbei war, sollte ich mich dann endlich mal dazu zusammenreißen, mich mit Ike und Sampson zusammenzusetzten und mich ums Internet kümmern. Dafür gingen wir zusammen mit noch 4 Schülern zur Uni und ich ließ 5 Schüler beim Volleyballplatz zusammen mit einem Basketball und den Federballschlägern und nahm einen mit mir mit. Ike war der erste. Erstmal wollte er, dass wir seinen Facebookaccount auf Vordermann bringen. Doch der war noch nicht mal richtig eingerichtet. Er musste noch einige Sachen bestätigen, bevor er überhaupt Zugriff auf Facebook hatte. Dann uploadeten wir ein Profilbild und daraufhin gingen wir erstmal offline, denn er wollte eine Nachricht schreiben. Das dauert aber ewig, weil er das Ein-Finger-System verwendet. Und zwar mit Suchfunktion für jeden Buchstaben. Für eine Zeile brauchte er gefühlte 5 Minuten. Vielleicht auch 10… Ich weiß es nicht. Die ganze Nachricht wollte ich mir nicht antun, weswegen ich bald zum Volleyballfeld floh. Doch mittlerweile begann es zu regnen, stark zu regnen! Doch ich kümmerte mich nicht drum. Es fühlte sich großartig an, durch den warmen Regen zu laufen, während das Wasser in Strömen über mich floss. Dann versuchte ich ein bisschen Basketball zu spielen, versagte dabei aber heftigst. Durc h den ganzen Regen, war das Spiel unberechenbar. Naja, dann spielte ich erstmal nichts mehr, weil es mir zu dumm wurde. Aus Volleyball wurde natürlich auch nichts. Aber da die anderen Federball spielten, spielte ich ein bisschen mit, aber wegen dem Regen war das relativ gesundheitsgefährdend. Aber es hielt mich für eine lange Zeit unter dem Regen. Bald wurde es etwas windig, wodurch mir ziemlich kalt wurde. Ich war so dumm! Nach etwa 1,5 Stunden kamen Cornelius, Ruven und Ike, was mir sagte, dass ich nun Sampson in Computertechnologie unterrichten sollte. Denn er hatte noch nie vor einem Computer gesessen. Weswegen er auch kaum mit dem ganzen Zeig klar kam. Es stellte meine Geduld sehr auf die Folter. Aber wir richteten ihm einen Emailaccount ein. Ob das so sinnvoll war, weiß ich nicht, aber Sampson war glücklich. Das war auch schon mal was wert. Naja, mir ging es mit der Zeit immer schlechter und ich fühlte mich echt unwohl. Deswegen überzeugte ich Sampson bald nach Hause z u gehen. Damit war eine Woche Krankheit eingeleitet. Der nächste Tag war einfach nur total schlimm! Ich konnte kaum aufstehen und schlief den ganzen Tag. Die anderen gingen nach Kumasi und kauften dort Stoffe für spezialangefertigte Hemden und sie schauten sich noch so ein bisschen um. Naja, ich war zwar traurig wegen den Stoffen, aber ich war froh zu Hause chillen zu können. Am nächsten Tag wurden wir dann wieder zur Kirche eingeladen. Diesmal aber auf dem Schulgelände. Stephen der Mathelehrer war der Priester und Debo hat irgendwie assistiert. Als wir da ankamen, etwa eine halbe Stunde zu spät, tanzten die Schüler schon im Kreis und freuten sich. Naja es war aber sonst nicht weiter spannend und nicht annähernd so professionell, wie in richtigen Kirchen. Danach musste Mareike ins Krankenhaus, denn nachdem sie am Vortrag nach Hause gekommen war, verschwand sie in ihrem Zimmer, ohne zurück zu kehren. Jeff und Ruven begleiteten sie und Cornelius kam bald darauf nach. Ich brauchte Ewigkeiten meine Sachen zu waschen, denn ich hatte wirklich fast alles, was ich mitgenommen hatte, ungewaschen gelassen. Die 4 Stunden waschen, waren also die gerechte Strafe. Aber es sollte noch mehr Strafe kommen. Am Vortrag besuchte uns Prince und sagte uns, dass Ghana in Kumasi gegen Sudan spielen sollte. Er lud uns ein, mit ihm zu kommen, was wir auch unbedingt wollten. Er wollte uns extra Karten besorgen, sodass wir nicht anstehen müssten. Naja, Ruven und Cornelius waren schon in der Stadt und hörten, dass das Spiel schon um 3, anstatt von 5 losgehen sollte. Deswegen hasteten sie zum Stadion und merkten dort, dass es um 5 losgeht. So warfen sie sinnlos das Geld zum Fenster raus, was Prince schon für sie ausgegeben hatte. Naja, irgendwann holte mich Prince ab und wir fuhren in aller Ruhe zum Stadion. Dort trafen wir noch einige Freunde von Prince, die mit uns kommen sollten. Am Stadion verkaufte Prince die Karten auch recht schnell, weil man für die Karten a m Schalter nun ewig anstehen musste. Naja, bald gingen wir durch das Tor zum Stadion. Das war schon eine Hatz, denn man musste sich irgendwie durchquetschen und gleichzeitig darauf achten, dass einem nichts geklaut wird. Gar nicht mal so einfach, aber ich hatte Glück. IM Stadion wollte wir uns dann mit Ruven und Cornelius treffen, doch das war einfacher gesagt, als getan, denn das Stadion konnte 45000 Personen fassen und es war schon fast voll. Zwar sahen wir einige weiße Leute, aber es stellte sich heraus, dass die beiden auf der anderen Seite des Stadions waren und ich somit keine Chance hatte zu ihnen zu stoßen. Also blieben Prince und ich auf unserer Seite des Stadions. Während der Verständigung zwischen uns Oburoni ging zu allem Überfluss mein Handyguthaben flöten und im Verlauf der ersten Halbzeit auch meine Akkuladung. Naja, halb so schlimm dachte ich! Denn das Spiel begann und sorgte für viele Eindrücke. Ich dachte aber, dass die Ghanaer mehr abgehen. Es war wi tzig, sie so zu sehen, aber es war nicht mehr oder weniger als in Deutschland. Tja, was solls. In der ersten Halbzeit fiel kein Tor, also waren alle Leute etwas unruhig, aber es wurde die ganze Zeit versichert, dass man nur warten müsste, da die Ghanaer die stärkere Mannschaft sind. Tja, nach der ersten Halbzeit wollten Prince und ich uns mit den beiden anderen treffen. Also gingen wir aus dem Kessel raus und liefen um das Stadion herum, bis uns ein Tor aufhielt. Doch wir hatten Glück, es sollte geöffnet werden, zwar nur für wenige Personen, aber die wütende Menge, die um das Tor stand, riss selbiges schnell auf und eine Flut Menschen stürzte auf mich ein. Prince kam durch, doch als die Polizisten das Tor wieder schlossen, stand ich noch auf meiner Seite. Es gab scheinbar keinen Weg zu Prince und den beiden anderen zu kommen. Also machten Prince und ich uns aus, dass wir uns nach dem Spiel wieder am Tor treffen würden. Doch ich gab noch nicht ganz auf und heulte einer Poliz istin vor, dass ich meinen Fremdenführer verloren hätte, blablabla. Sie wollte mir helfen. Doch nun wurde es richtig verrückt. Die Leute fingen an total durchzudrehen. Sie kletterten über das Tor, doch damit nicht genug, auch Leute von draußen kamen ins Stadion rein, und zwar über die Zäune. Es war einfach nur krank! Naja, dann wurde das Tor auch bald geöffnet, sodass sich keiner verletzen konnte. Der Weg war frei, aber das Ziel verborgen. Ich ging also zur ausgemachten Stelle, aber da war natürlich keiner… Also musste ich sie iwie im Stadion suchen. Doch wie? Denn jetzt waren viel zu viele Leute im Stadion, denn etwa 10 Prozent der Leute, waren jetzt ohne Karte im Stadion, was es schon ordentlich voller erscheinen ließ! Ich hatte kaum Chancen nach oben zu kommen, um dort die weißen Köpfe zu suchen, also ich sie dann gefunden hatte, war es vergebens nach unten klettern zu wollen! Zu viele wütende Gesichter. Also entschied ich mich zunächst dafür auf der Brüstung d er Stadionwand zu stehen. Also so, dass ich den Zaun vor mir hab und den Abgrund unter mir, denn nur so konnte ich halbwegs entspannt schauen. Aber nach 3 Minuten waren die 15 Meter unter mir zu viel. Also kletterte ich wieder zurück und suchte mir einen passablen Stehplatz. Letztendlich war ich nur 5 bis 10 Meter von Ruven und Cornelius entfernt, aber ich hatte keine Chance zu kommunizieren. Es war schrecklich, aber naja. Was schrecklicher war, waren die Reaktionen der Menge auf mich, denn sie schrien mich an, lachten, riefen auf Englisch und Twi, doch ich verstand nichts. Das war überaus unangenehm. Naja, dann lief auch bald die zweite Halbzeit. Wieder kein Tor für Ghana. Dafür eine rote Karte für Asamoah Gyan, den Publikumsliebling. Das sorgte natürlich für Wut! Besonders, da kurz zuvor eine Art 11-Meter daneben ging. Eine Wasserschlacht wurde im Publikum entfacht und bald spritzte nicht nur das Wasser durch die Gegend, sondern es flogen auch Wasserpäckchen und Flasch en. Heftig, heftig! Naja, nachdem Gyan vom Platz war, folgten ihm auch bald die ersten Fans. Und nachdem der Schlusspfiff ertönte, wollten alle raus. Ich kam sogar mit fremder Hilfe sehr schnell raus und wartete auf Ruven und Cornelius, denn Prince konnte ich nirgendwo sehen. Wenn das mein ärgstes Problem gewesen wäre, dann wäre alles gut gewesen, doch mit der roten Karte von Gyan begann auch ein Schauer… Am Anfang war es noch ein wenig und kein Problem. Deswegen wartete ich anfangs auch noch direkt vor dem Eingang. Doch dann wurde es mehr und mehr, die Leute begannen panisch durch die Gegend zu stürzen. Ich stellte mich an irgendeine Wand, von der ich trotzdem den Eingang beobachten konnte ohne allzu nass zu werden. Hab ich schon erwähnt, dass es mittlerweile stockfinster war? Auch nicht so 100 Prozent witzig. Ruven und Cornelius ließen sich auch einfach nicht blicken, also gab ich es auf und wollte zumindest Prince treffen. Ich muss sagen, dass ich schon ein wenig ange säuert war, weil ich Ruven und Corny nicht finden konnte, weshalb ich dann einfach durch den Regen mit voller Gelassenheit zum Tor lief. Dort waren natürlich x Ghanaer, aber kein einziger Prince. Ich wartete und beobachtete das ganze Treiben und wurde immer verzweifelter. Ich machte mir sogar schon einen Text zurecht, mit dem ich im Taxi nicht so viel Geld bezahlen müsste. Dann fasste ich einen Entschluss und ging einfach los. Ich sah ein paar Weiße und es zog mich einfach zu ihnen hin, doch sie konnten mir nicht weiterhelfen, denn sie mussten ganz woanders hin. Naja, dann ging ich einfach eine Runde mit der Menge mit. Ich machte noch einen kleinen Abstecher zum Haupteingang, weil ich hoffte einen Freund von Prince zu treffen. Doch da war natürlich keiner seiner Freunde. Aber er selber! Ich weiß nicht, wie ich diese Art Zufall ausdrücken soll, es war einfach zu geil! Von da an machte ich mir keine Sorgen mehr. Er führte den Weg an, nachdem ich ihm erklärt hatte, dass es unm� �glich sei Ruven und Corny zu finden. Wir folgten also auch einfach dem Strom der Menschen, während es immer weiter und ohne Gnade schüttete. Schnell waren wir beide natürlich bis auf die Knochen durchweicht. Und da bogen wir in eine Seitengasse ab und waren vorm Regen sicher. Es war traumhaft! Er kannte dort nämlich eine Person, sie war die Freundin seiner Mutter. Diese gab uns dann erstmal ein Dach überm Kopf und später auch noch jeweils einen Pullover und sogar einen Fleischspieß. Das war ziemlicher Luxus, denn das alles geschah aus Nächstenliebe. Beim Umziehen kam ihre Tochter an und beobachtete mich… Naja, wenn sie nicht 9 gewesen wäre, hätte es mich sicherlich gezuckt, aber so konnte ich drüber lachen. Denn sie erzählte dann ganz aufgeregt ihrer Freundin was sie gesehen hatte (Prince übersetzte frei). Naja, irgendwann hörte es endlich auf zu regnen. Und wir gingen los in Richtung Kejetia (ich weiß nicht, ob ich schon erwähnt hatte, dass so die Gegend um den Busbahnhof heißt). Der Weg war lang und nass, aber uns war ja beiden glücklicherweise wieder etwas wärmer, da wir neue Oberteile anhatten. Zwischendurch sprach mich jemand an: Hey Fabian! How are you?`Are you going back to Denkyemuoso? Wow, hätte ich den Typen gekannt, wäre ich vielleicht nicht so baff gewesen! Aber er musste sich genauso schnell verabschieden, wie er sich gemeldet hatte. So konnte ich nicht weiter nachfragen. Nach etwa 45 bis 60 Minuten Laufen und viel Gespräch kamen wir in Kejetia an. Dort warteten wir dann etwa eine halbe Stunde auf den Bus. Doch der wollte ums Verrecken nicht kommen! Also gingen wir weiter nach Bantama. Nochmal 30 Minuten… Dort fanden wir nach kurzer Zeit ein Taxi, was uns mitnehmen wollte. Welch Glück! Im Taxi erfuhr ich, dass die Person, die neben mir saß, ein Premier League Fußballer war. Und zwar ein Auswechselspieler von Chelsea. Also der Mannschaft, die ich ein paar Tage zuvor im Gemeinschaftsraum der Uni gesehen hatte. D as war schon ziemlich geil. Lustig war auch, dass es sich bei besagtem Spieler um einen guten Freund von Prince handelte. Die Taxifahrt ging leider nur in Richtung Tanoso. Das heißt, wir stiegen an der Uni aus und mussten noch den beschwerlichen Weg nach Hause laufen. Als ich zu Hause war, wurde ich schon erwartet. Es war 22:30 Uhr. Das Spiel hatte 19 Uhr geendet… Ruven und Corny waren schon 1,5 Stunden da. Ich hatte mir also ordentlich Zeit gelassen. Naja, mal von den Erfahrungen abgesehen hatte meine Rückreise nur einen Vorteil gegenüber den beiden, denn ich bezahlte nur einen Cedi anstatt von 3,50 Cedi für die Rückfahrt. War es das wert? Eigentlich schon! J

Als Belohnung hatte ich am nächsten Tag wieder Kopfschmerzen, Fieber und ich war auf Duty. Das heißt um 4:30 aufstehen und die Schüler aus den Betten klingeln. Dann sollte ich die Schüler sowieso die ganze Zeit überwachen, also zu ihrer Hausaufgaben und Lernzeit. Beim ins Bett gehen. Und danach. Soll heißen ich sollte von 4:30 bis 12:00 munter sein. Das wurde am ersten Tag natürlich nichts. Schon nur weil ich nichts von den Aufgaben wusste, nur, dass ich Duty hatte. Und das für einen Woche… Naja, ich stand also rechtzeitig auf und war Teil der Morning Assembly, wo die Schüler beten, singen, zuhören und meistens auch etwas Prügel aushalten müssen. Also mit dem Stock eins auf die Finger, oder so. Vielleicht auch mal auf den Po, je nach Vergehen. Die Lehrer auf jeden Fall stehen zu dieser Methode. Bei der Assembly wird auch eine Motivationsrede gehalten, was eigentlich eine coole Sache ist, wie ich finde! Aber meistens sind die Reden nie so recht vorbereitet, de nn der, der sie eigentlich halten sollte, ist gerne mal abwesend, also hatte Stephen, der mit mir auf Duty ist, das für die ersten 3 Tage erledigt und am vierten Tag kam auch Stephen zu spät, also haute ich eine geklaute Geschichte raus. Ich erzählte etwas von zwei Mäusen, die in einem Krug Milch sind. Die erste ertrinkt und die zweite Maus strampelt so lange, bis sie die Milch zu Sahne geschlagen hat. Fazit: Gib niemals auf. Das formulierte ich noch ein wenig aus, fertig ist die Rede. Wer kennt sie? Jeder, der „Catch me, if you can“ gesehen hat. Aber ich fand es einfach lustig, anstatt einem Bibelzitat so eine Parabel einzubauen.

Naja, aber zurück zum Montag. Ich hatte endlich mal meine erste Deutschstunde. Und zwar glücklicherweise mit dem ersten Lehrjahr. Die waren ein entspanntes Völkchen. Wir haben viel gelacht, als sie versuchten die deutschen Worte zu formulieren. Es war leider viel zu schnell vorbei, aber ich hab ja noch viele Stunden vor mir.

Den Rest des Tages konnte ich vergessen, da mich die Krankheit langsam aber sicher umhaute. Ich war an der absoluten Spitze der Genervtheit angelangt. Ich konnte kein Geräusch mehr ertragen und schnappte mir Mareikes Zimmerschlüssel (hab ich schon erwähnt, dass sie jetzt endlich neben uns wohnt und wir ordentlich Platz in unserem Zimmer haben? Nein, na dann weißt du es jetzt!) und legte mich auf den Boden, packte die Ohrstöpsel in meine Löffel und deckte die Kreation mit einem Kissen ab. Ich hörte nur noch das Zirpen der Grillen. Das ging mir zwar auch auf die Eier, doch es war immerhin nur ein nerviges Geräusch und nicht eintausend. Und endlich schlief ich für 2 Stunden ein. Danach war das meiste wieder in bester Ordnung. Aber da ich auf dem Boden geschlafen hatte, war ich am nächsten Tag kränker, fiel aber trotzdem 4:30 aus dem Bett um die Menschen zu wecken. Ich bereute es. Denn dafür war ich nicht gemacht. Ich wollte dann eigentlich zum Frühstück aufstehe n, doch es ging nicht mehr. Ich schlief bis 12 durch. Und dann ging ich zum Krankenhaus. Der Hinweg war kein Problem. Ich war schnell da, wurde schnell behandelt und bekam 0,7 Liter Salzlösung zum Trinken. Lecker… -.- Und ein paar absolut ekelhafte Tabletten sollte ich auch noch schlucken. In meinem Übermut kaufte ich mir erstmal ein riesiges Bofrot. Das schmeckte zwar extrem lecker, aber war einfach zu fettig. Durch die Salzlösung und das Dessert hätte ich kotzen können. Ich wollte nur noch nach Hause. Doch dafür hätte ich erstmal ein Auto finden müssen, das mich nach Hause bringt. Pustekuchen! Ich durfte eine geschlagene Stunde warten, bis mich ein paar freundliche Ghanaerinnen in ein Taxi hievten und mich zu Hause absetzten. Dann fiel ich ins Bett und der Tag war gelaufen. Die anderen gingen noch zu einer Jazzveranstaltung, die, wie mir im Nachhinein gesagt wurde, ganz TOLL gewesen sein soll, aber das war mir in dem Moment so ziemlich egal! Der Mittwoch darauf war ebenfa lls träge. Ich entspannte die meiste Zeit und tat möglichst nichts. Eigentlich wollte ich mit Ziggy, dem Schützling Jessicas noch ein wenig lesen, wie ich es am Montag getan hatte, während Ruven den Lehrern Deutsch beibrachte, aber ich schaffte es gesundheitlich nicht mehr.

Dann kam der Donnerstag. Das ist heute. Und heute war erstmal ein Meeting, nachdem es heiß her ging. Denn nach der Morning Assembly und meiner tollen Rede, entbrannte ein Streit zwischen einem Lehrer und einem Schüler. Danach erfuhr ich, dass der Schüler, Wisdom mit Namen, den Lehrer, der Gemütliche, der damals mit Cornelius, mir und Sakkordie unterwegs war, beleidigt habe. Dafür ging der Lehrer ihm erstmal an die Gurgel, um ihn dann durch die Assembly Hall und über den halben Hof trieb, ihn die ganze Zeit mit dem Stock unaufhörlich schlug und peinigte. Es war kein witziger Anblick. Naja, kurz darauf hatte Ike eine Uneinigkeit mit Milicent. Es passierte ganz schön viel auf einen Haufen. Soooo, danach fand erstmal ein Meeting statt. Aber das liegt nicht an den Vorfällen, aber die Vorfälle wurden mit in das Meeting eingebaut.

Zunächst wurde über die neuen Schüler geredet und dass man sie gut aufnehmen solle. Blabla… ich kann mich auch nicht mehr so genau dran erinnern. Auf jeden Fall wurde dann irgendwann etwas bezüglich den Vorkommnissen geäußert und es entbrannte ein kleiner Kampf. Jeder fühlte sich ungerecht behandelt. Ein Schüler hielt eine erstaunlich gute Rede, dass man doch bitte für voll genommen und nicht als Gegner gesehen werden will. Die Lehrer schossen zurück, es war ein ziemlicher Kindergarten, doch was rede ich davon, das eigentlich schlimme kam dann ja noch. Ike und Wisdom wurden nach vorne gerufen und mussten sich hinknien. Es sah aus, als ob sie gleich geköpft werden würden. Wie in einem schlechten Film, dann wurde über die Vergehen geredet. Ike hatte wohl angeblich einige Lehrer beleidigt, doch ich hatte das Gefühl, dass er einfach nur Kritik geäußert hatte und das etwas emotional. Tja, doch Sakkordie war der Meinung, dass Ike ihn während der Haarschneideak tion beleidigt habe und schon war Ike, nach einem 20 minütigen Monolog Sakkordies, in dem er erklärte wie viel besser als die Schüler er sei, für 3 Wochen suspendiert. Wenn ich ein Schüler gewesen wäre, hätte ich diese Rede nicht ausgehalten. Ich wäre am liebsten rausgegangen , um zu kotzen. Tja, dann ging der Unterricht weiter. Naja, ich sollte eigentlich Englisch unterrichten, aber da fast alle meine Schüler verschollen waren, weil sie elektrische Leitungen verlegen mussten, spielte ich mit den verbleibenden noch eine halbe Stunde lang Hangman. Danach chillte ich den restlichen Tag. Bis jetzt. Und jetzt gibt es essen, also bis später mal… J