Tagesarchiv: Oktober 20, 2010

02.10.2010


Der 02.10.2010 war bis nun der aufregendste Tag meines Aufenthaltes hier.

 

Er begann wie viele andere Samstage zuvor auch. Wir haben, für die Verhältnisse hier, lange geschlafen, bis ca. 9Uhr. Nachdem alle aufgestanden sind, haben wir gemeinsam gefrühstückt.

Gegen 11Uhr sind Ruven und Fabian dann mit Sakkordie losgefahren und haben Werbung für die Schule gemacht. Dies bedeutet in Dörfer zu fahren und die Schule bei den Dorfobersten bekannt zu machen. Meine beiden Mitbewohner sind in diesem Fall vor allem mitgefahren, um das ‚German‘ in ‚Ghanaian-German School‘ deutlich zu machen.

Kurz nachdem die beiden weg waren, habe ich mit dem Waschen meiner Klamotten angefangen. Dies hat einige Zeit in Anspruch genommen, da zwei Ereignisse während dieser Zeit passiert sind. Das eine war aufregender als das andere.

Zu Erst konnte ich eine Gottesanbeterin dabei beobachten und fotografieren, wie sie eine Fliege gefangen und gefressen hat.

Da ich Gottesanbeterinnen, wie auch andere Tiere mit solch einer Art Tarnung, faszinierend finde, war es für mich ein Interessantes Schauspiel zusehen, wie die Gottesanbeterin von der Fliege solange unbemerkt blieb und ihren Angriff vorbereiten konnte.

Noch während des Fotografierens der Gottesanbeterin, habe ich sehen können, wie die Schüler auf der Wiese vor mir ein Tier gebraten haben.

Als ich mit meiner Wäsche gut fortgeschritten war, hat es mir keine Ruhe gelassen zu erfahren, was das für ein Tier war, welches die Schüler zubereiteten. Es war ca. 40cm lang und hatte einen etwas längeren Schwanz, dazu war der Kopf kugelförmig, demnach sah es nicht wie ein Tier aus, das wir normalerweise Essen, wie beispielsweise ein Schwein, eine Kuh oder ein Huhn.

Auch konnte es kein Hase o.Ä. sein.

Nachdem ich die anwesenden Schüler, die dabei waren das Tier auszunehmen, gefragt habe was es denn nun für ein Tier sei, habe ich zu Erst nur Antworten wie „Hase“ und „Ratte“ bekommen. Jedoch war ich mir sicher, dass es keines von beiden sein konnte.

Einige Minuten später ist dann ein Schüler dazu gestoßen, der mir dann alles erklärt hat.

Von Ihm habe ich dann wirklich jede Information bekommen, die ich haben wollte.

 

Das mysteriöse Tier war eine Katze, die der Frau gehörte, die die Näherinnen ausbildet.

Nachdem die Schüler das Tier gefangen haben, wurde es in einen Sack gesteckt. Dieser wurde dann einige Male mit voller Wucht gegen die Wand geschleudert, bis alles Leben aus dem Sack entwichen war.

Danach wurde die Katze über Feuer gehalten und gewendet, um das Fell leichter zu entfernen.

Nachdem dies geschehen war, wurde die Katze ausgenommen und zerkleinert.

In den Topf kam neben dem Fleisch auch der Kopf, der Schwanz und das Herz.

Während das Fleisch zubereitet wurde habe ich meine Wäsche beendet, bin jedoch danach direkt wieder zum Ort des Geschehens gegangen.

Als das Fleisch fertig war, habe ich ein Stück probiert. Die Schüler haben mit dem Essen noch solange gewartet, bis die Kochbananen fertig waren.

Die Katze landet hier zwar nicht täglich im Topf, sofern man jedoch eine bekommen kann, wird sie zubereitet.

Im Norden Ghanas werden sogar des öfteren Hunde gegessen.

Vielleicht komme ich auch noch auf diesen Geschmack.

Die Katze zumindest schmeckte mit der scharfen Soße dazu nicht schlecht…

 

Mein Alltag


Nunmehr sind fast 2 Monate verstrichen, was bedeutet, dass ich fast 1/3 meines Aufenthaltes beendet habe.

Die Schule läuft nun seit ca. 4 Wochen und es hat sich eine Art Alltagsleben eingestellt.

 

Ich unterrichte jeden Tag, mit Ausnahme von Mittwochs, von 8:30-10:00Uhr Mathe in einer 6. Klasse der Grundschule. Dienstags kommt von 12:00-12:40Uhr Deutsch in der Berufsschule dazu. Mittwochs habe ich bislang keinen Unterricht.

 

Der Unterricht in der Grundschule ist durchgeplant. Die Lehrerin hat sich schon vor Beginn des Schuljahres einen Plan aufgestellt, was zu welcher Zeit unterrichtet werden muss.

Diesen Plan versuche ich so gut es geht zu verfolgen. Auch übernehme ich den Verlauf des Unterrichtes der Lehrerin größtenteils. So werden die ersten 30 min. zur Erklärung verwendet, danach gebe ich Aufgaben dazu, sobald diese beendet sind, korrigiere ich selbige.

Die Lehrerin, genannt „Miss Linda“, war die erste Woche noch in meinem Unterricht vertreten, mittlerweile beschäftigt Sie sich, während dieser Zeit, mit anderen Dingen, wie zum Beispiel mit telefonieren, essen oder ihren Haaren. In den ersten Tagen, als ich den Unterricht nur verfolgt habe, hat Miss Linda des Öfteren einen Anruf angenommen, oder sich längere Zeit im Spiegel angeschaut und an ihren Haaren gearbeitet.

Das Erklären auf Englisch klappt super und nur selten muss Linda den Schülern etwas nochmal auf Twi erklären.

Die Schüler sind 11-15 Jahre alt, wobei die Zahl der 11-12 Jährigen überwiegt.

Merkbar ist, dass die Schüler nach den ersten beiden Wochen merkbar aufmüpfiger und lauter werden. Bislang hatte ich damit noch keine Probleme, bin jedoch gespannt wie und ob ich die Klasse wieder ruhigstellen kann, falls die Lautstärker einen gewissen Pegel überschreitet.

Maßnahmen, wie die Bestrafung mit Hilfe eines Schlagstockes, wie es hier üblich ist, werde ich sicher nicht anwenden. Eine andere Bestrafung muss ich mir auf Dauer dennoch einfallen lassen.

Ich persönlich komme mit dem Einsätzen des Stockes nicht klar und werde ziemlich wütend, sofern ich das sehe.

Am frühen Morgen, vor einigen Tagen, musste ich sehen wie die Kinder einige Schläge abbekommen haben, nur weil, nach Meinung der LehrerInnen, ihre Fingernägel zu lang waren und einige Schuluniformen Löcher hatten.

Die Schläge bekommen die Schüler auf die Flache Hand, oder an die Waden. Nicht selten fangen die Kinder nach dem 3-4 Schlag an zu weinen. Andere nehmen die Strafe hin und wiederum andere lachen danach sogar. Nicht selten sieht man Schüler, die andere Schüler auslachen, während sie geschlagen werden. Diese Bestrafung bekommen die Kinder, sobald sie zu laut oder unaufmerksam sind, oder wenn sie einige Aufgaben bzw, Regeln nicht einhalten, wie an dem Morgen vor einigen Tagen.

Versucht man mit den Lehrern darüber zu sprechen, stößt man nur auf Desinteresse oder auf Argumente wie „So ist das hier halt“.

Da ich nur die ersten beiden Stunden unterrichte und danach meist nicht mehr die ganze Zeit in der Klasse sitze, bekomme ich von den Schlägen nicht mehr so viel mit, wie in den ersten Tagen.

 

Nach dem ich alles korrigiert habe ist es oft 10-halb 11. Um halb 1 gibt es dann Mittagessen. In der Zwischenzeit mache ich dann nichts, oder wie Dienstags bereite ich den Deutschunterricht o.Ä. vor.

Nicht selten war ich in dieser Zeit auch einkaufen.

Sobald das Mittagessen vorbei ist, haben wir den Tag für uns.

 

Bislang bin ich hier also noch nicht voll ausgelastet, habe aber vielen schon angeboten behilflich zu sein, falls es fragen in Mathe oder Deutsch gibt.

Die Tage gehen jedoch immer schnell vorbei. Ich hatte immer etwas zu tun, wenn ich wollte. So war bislang immer Arbeit in der Bücherei, da Ruven und Fabian, die für diese zuständig sind, dort ein Ordnungssystem eingeführt haben.

Die Bücherei ist eines unserer Projekte, die wir schon weit vorangetrieben haben. So ist die Ordnung erstellt und die geplante Leseecke in Auftrag gegeben. Oliver, der Tischler unserer Schule, baut uns Sitzgelegenheiten, wie Sessel und eine Couch.

Zu der Leseecke war eine andere Überlegung einen Basketballplatz zu bauen.

 

Dies wurde mir persönlich bei einer Art Werbeveranstaltung deutlich, bei der Fabian und ich mitgefahren sind. An diesem Tag sind wir mit Sarkkodie in einige Dörfer, ca. 1 Std. von Denkyemuso entfernt, gefahren und haben die Schule dort bekannt gemacht. Sakkordie hat dann immer mit den Dorfobersten geredet bzw. in Auskunftstationen gesprochen. Diese Auskunftstationen, ein Häuschen mit einem Mast an dem Lautsprecher befestigt sind, sieht man in jedem Dorf. Hierüber werden wichtige Informationen weitergegeben oder Musik gespielt.

Oft bekamen wir dort die Frage nach den Möglichkeiten Sport zu treiben gestellt. Häufig war dies sogar eine der ersten Frage.

Dies hat mir deutlich gemacht, wie wichtig den Ghanaern Sport ist und wir haben unserer Vorüberlegung, an einen Basketballplatz weiter vorangetrieben.

Apao, der Architekt des Kindergartens, hat uns mittlerweile auch einen Kostenvoranschlag gemacht und eine geeignete Fläche für den Platz ist auch schon ausfindig gemacht worden.

 

Leider kostet dieser Basketballplatz umgerechnet ca.8500€!

Dies ist für uns vier nicht machbar und so ist das Projekt Basketballplatz vorerst auf Eis gelegt worden.

Ich hoffe nicht für immer…

Deutschunterricht


Ich sitze gerade an einen Mittwoch morgen in meinen Zimmer und schreibe diesen Blogeintrag. Eigentlich müsste ich arbeiten, ich war auch wie jeden morgen pünktlich bei der Arbeit, das lustige ist nur, dass auch mir nur eine Betreuerin da war, da es regnet. Ich habe dann erfahren, dass es wohl normal ist bei Regen, dass die Kinder und die Betreuer erst mal nicht kommen. Ich habe mich dann dazu entschieden, dass ich auch nicht in einen leeren Kindergarten sitzen brauch und bin nach Hause gegangen um ein paar Dinge für mich zu machen.

Auch hier in der Schule ist überhaupt nichts los. Die Schüler sind zwar da, da die ja zum größten Teil hier in der Schule auch schlafen, aber 90% der Lehrer sind nicht da und auch die Köchin ist nicht da, weshalb es hier gerade ein wenig Chaos mit dem Frühstück und allen gibt.

 

Ich habe in der letzten Woche jetzt mein erster ghanaisches Kleid bekommen. Den Stoff da zu haben wir in Kumasi auf den Markt gekauft und genäht wurde es von der Dressmaking Teacher unserer Schule, ich habe sogar noch eine gratis Tasche dazu bekommen. Das Kleid sieht glaube ich echt gut aus, ich kann das leider nicht 100% beurteilen, da ich nach wie vor keinen Spiegel habe. Es ist echt lustig wenn man sich schon fast seit einen Monat oder so wirklich in garkeinen Spiegel mehr gesehen hat. Manchmal denke ich mir, dass ich das einfach das ganze halbe Jahr durchziehen müsste. Ich glaube, dass es dann voll lustig ist, wenn man sich in Deutschland wieder im Spiegel sieht.

Die Tasche ist aber auf jeden richtig cool geworden. Und ich glaube mein Kleid sieht auch ganz gut aus, zumindestens wenn man den Kommentare der Leute um einen herum glauben kann.

 

Am Sonntag habe ich dann mal den Gottesdienst bei uns in der Dining Hall besucht. Das war echt das geilste was ich jemals an Gottesdiensten hier in Ghana erlebt habe. Nachdem am Anfang gesungen wurde, wurde sich dann zusammen gesetzt und ein paar Bibelstellen vorgelesen, an denen die Identitäten des Menschen erklärt wurden. Den Gottesdienst haben übrigens Lehrer der Schule gehalten. Danach kam aber der absolute Höhepunkt. Jeff hat eine Bildepräsentation über den Himmel mitgebracht und hat den Schülern gezeigt und erklärt wie der Himmel aussieht. Im Himmel werden wir alle auf puren Gold gehen, es gibt Bäume mit 12 Früchten, das Fundament der Häuser ist aus Diamanten, usw. Und die Bilder dazu, das ganze hat auf uns mehr als lächerlich und fragwürdig gewirkt. Jeff hat uns dann auch erzählt, dass er sich schon seinen Baum reserviert hat. Ich weiß echt nicht was ich über solche Dinge denken soll. Ich glaube, dass das ganze hier mehr oder weniger ein Schutzmechanismus ist, um mit den Tod leichter umgehen zu können, da man hier glaube ich doch noch sehr viel stärker damit konzentriert ist als in Deutschland, aber trotzdem finde ich es fragwürdig, dass ganze dann auf so eine krasse Art und Weise zu vertreten.

Es ist echt krass an was für Dinge die hier noch glauben, an die in Deutschland oder Europa wirklich fast niemand mehr glauben würde. Ein Ghanaer hat das ganz passend ausgedrückt: die Europäer haben den Glauben damals nach Ghana gebracht und leben den jetzt selber nicht mehr so. Ich glaube, dass der Glaube hier so gelebt wird wie in Deutschland mehrere Jahre zurück.

 

Soo jetzt komm ich endlich mal zu meinen ersten Deutschunterricht. Ich habe hier die Ältesten der Schule und ich glaube ich als Lehrerin bin in der Klasse eine der Jüngsten, eine etwas komische Situation aber jetzt nicht wirklich schlimm. Der Unterricht hat auch entgegengesetzt meiner Erwartungen richtig Spaß gemacht. Das ganze hat dann daran geendet, dass ich mit meiner Klasse das Alfabet gesungen habe, eine der Schülerinnen ist sogar aufgestanden und hat dazu getanzt. Es war sehr lustig und wir haben viel gelacht. Irgendwann wurden wir dann von einen Schüler aus einen Nachbarklassenraum gebeten, das wir doch bitte etwas leiser sein sollten. Sein Kommentar zu uns war nur… wie im Kinderagrten. Es war überhaupt kein typischer Unterricht, ich habe auch in der Stunde jetzt mal auf sowas wie melden garkeinen Wert gelegt. Aber ich glaube es war einfach ein guter Start um sich gegenseitig kennen zu lernen und einfach einen Einstieg zu finden.

Ich der nächsten Stunde lege ich dann auch auf sowas wie melden wieder mehr wert.

Am Dienstag hatten wir dann auch unseren ersten Twiunterricht. Wir haben einer Lehrerin der Schule gefragt, ob sie uns Twiunterricht geben könnte. Wir haben etwas gekocht und zusammen gegessen danach dann gemütlich etwas Twi gelernt. So eine Stunde Twi bringt schon richtig viel, wir wollen das jetzt regelmäßg machen und dann werden wir alle Twiprofis!^^

Davor habe ich noch ein Plakat für unsere neu sortierte Bücherei gemacht, damit die Schüler wissen, wie man die Bücherei benutzen muss. Jetzt fehlt nur noch die neue Couch, die wir in Auftrag gegeben habe und dann steht der Bücherei nichts mehr im Wege und wir können die Schüler hoffentlich auch mal ein wenig anregen zu Lesen.

Soo liebste Grüße aus dem heute regnerischen Ghana!

Mareike