Tagesarchiv: Oktober 22, 2010

„Is it true, that all Germans hate black people?“


Ui… so schnell sind zehn Tage um. Ich muss echt erst mal in mich kehren und zurückdenken, was so alles passiert ist. Lasst mich kurz überlegen. Heute ist Donnerstag. Den letzen Eintrag habe ich letzte Woche Montag geschrieben. In der Woche habe ich tatsächlich endlich meine feste Klasse bekommen, die ich jetzt in Mathe unterrichte. „Mengen“ heißt das Thema und am Anfang war es echt nicht einfach, das Thema in Englisch zu vermitteln. Vor allem wenn die Schüler selbst nicht wirklich gut Englisch sprechen. Da kommt es dann dazu, dass sich auf „Twi“ unterhalten wird… in solchen Momenten kommt man sich dann irgendwie fehl am Platz vor. Aber ich bin ja nicht dumm. Sobald ich höre, dass auf „Twi“ gesprochen wird, unterrichte ich einfach weiter. Und zwar in Deutsch. Damit habe ich auf jeden Fall immer direkt die Aufmerksamkeit zurück.

Ein ziemlich denkwürdiger Augenblick war am letzten Wochenende der Besuch des Gottesdienstes an unserer Schule. Jeff, der Präsident der German-Ghanaian-Friendship-Association (GGFA) war als Hauptredner eingeladen. Jetzt weiß ich wie der Himmel aussieht. Wow! Ein Fundament aus den teuersten Edelsteinen unter all der Erde. Bäume, an denen 12 verschiedene Früchte wachsen, Häuser sind gebaut aus purem Gold. Tatsächlich! Ihr glaubt mir nicht? Jeff hatte Fotos davon. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen! Eine Diashow mit Musik hinterlegt mit Fotos direkt aus dem Himmel. Den Baum mit zwölf verschiedenen Früchten hat Jeff sich übrigens schon 1993 reservieren lassen. Den Menschen werden hier tatsächlich solche Bilder verkauft. Kein Witz. Am Anfang der Rede habe ich mir fest vorgenommen, alles aufzuschreiben und meinen Senf dazu abzugeben. Am Ende wusste ich einfach nicht mehr, wie ich das überhaupt ernst nehmen kann. Die Schüler tun es jedenfalls. Und Jeff auch… Was meint ihr dazu?

Montag geht der Alltag dann weiter. Es ist ziemlich geil endlich ein wenig das Gefühl zu haben, dass sich was bewegt. Unsere Schule hier hat zwei Zweige. Einmal gibt es den „Vocational/Technical“-Zweig, der unserer Berufsschule entspricht und den „Senior-High-School“-Zweig, der vergleichbar mit unserem Gymnasium ist. Bisher waren nur die Schüler der Berufsschule anwesend. Das lag nicht an der Schule, sondern an der Regierung. Genau wie die Deutsche steckt diese gerade in dem Prozess, die Schulzeit zu verkürzen. Das endet dann damit, dass der Schulstart kurzerhand einfach weiter nach hinten geschoben wird, wenn Bedarf an Zeit herrscht. Lange Rede, kurzer Sinn: Die ersten SHS-Leute sind da und ich kann neben meinen Mathe Stunden auch endlich mit dem Deutsch-Unterricht anfangen. „Is it true, that all Germans hate black people?“… Das muss man sich dann schon mal anhören. Ziemlich krass… aber ich mache bei solchen Fragen einen kleinen Ausflug in die deutsche Geschichte und stelle klar, dass sich bis heute einiges geändert hat. Ansonsten sind die Jungs und Mädels extrem interessiert und würden gerne noch mehr Deutsch-Stunden haben. Sprachunterricht gibt es jetzt endlich auch für uns! Wir haben mit Debora gesprochen und sie wird uns jetzt einmal die Woche in „Twi“ unterrichten. Baako, mienu, miensa, enan, enum, nsia, nsum, nwoatsche, nkron und edu. Eins, zwei,… eine ziemlich geile Sprache. Ist sehr cool ein Sprachsystem kennen zu lernen, dass einfach mal null etwas mit dem romanischen zutun hat.

Gestern hat es geregnet. Wir haben also unser Frühsport-Programm ausfallen lassen. Die Schule ist auch ausgefallen. Wegen dem Regen sind nämlich 90% der Lehrer nicht gekommen. Als ich meinen Mathe-Unterricht starten wollte, standen die Schüler mit leeren Tellern noch immer vor der Essensausgabe… Richtig, die Küchenfee Lucy ist ebenfalls aus Zucker. Unglaublich für einen Deutschen, aber das ist Ghana!

Heute hat uns Anne besucht. Anne ist vor ein paar Wochen auf Mareikes Blog gestoßen und Kommentiert, dass sie auch in Kumasi sei. Heute haben wir zusammen gechillt. War echt cool!

Ein kurzer Ausblick in die Zukunft: 05.-08.11. erster Trip an die Küste nach Winneba, 23.12.-02.01.11 Urlaub in der legendären Green Turtle Lodge, die uns wärmstens von allen bisherigen Volunteers empfohlen wurde. Mir ist zu Ohren gekommen, dass ich zu viel über das Essen schreibe 😛 Liegt vielleicht daran, dass wir uns hier zum ersten Mal wirklich selbst um das Essen kümmern müssen. Heute gab es Jam und Kochbananen mit einem scharfen Tomaten, Zwiebel Dip. So. Das waren 10 Tage im Schnelldurchgang. Ihr lest von mir! Gruß, Ruven