Tagesarchiv: Oktober 28, 2010

Immer wieder Donnerstag …


Man merkt, dass es hier in Ghana langsam auf die Trockenzeit zu geht. Besonders haben wir das am letzten Freitag zu spüren bekommen und schon sind wir da, wo ich meinen kleinen Wochenrückblick beginnen will. Freitag Morgen begann mit einer von Sakkordies spontanen Überraschungsaktionen a lá „Ihr müsst jetzt ganz schnell dieses und jenes machen!“. Um halb acht stand er bei uns in der Tür um uns zu sagen, dass um acht die Abschlussfeier von Jeffs Frau beginnt.

Also eine halbe Stunde zum Duschen, fertig machen und Frühstücken. Dann im Eilschritt durch den bis dato heißesten Tag, den ich hier erlebt habe zur Uni. Ihr könnt euch vorstellen, wie mein Hemd aussah, als ich angekommen bin. Da wir uns langsam an die ghanaischen Gepflogenheiten gewöhnt haben, waren wir so vorausschauend unsere Laptops mitzunehmen. An der Uni gibt es ein W-Lan Netz, das wir umsonst benutzen können. Die Feier begann mit einer Stunde Verspätung und Jeff kam ganze zwei Stunden zu spät. Der selbe Jeff, der uns schon einen Vorwurf wegen 10 Minuten Verspätung gemacht hat. Die nächsten Stunden saßen wir dann wie die Sardinen in der Büchse unter riesigen Pavillons, die zwar die Sonnenstrahlen, aber nicht die Wärme von uns abgehalten haben. Im schweiße unseres Angesichts haben wir dann also den Lautsprecherdurchsagen gelauscht, ohne auch nur einen Blick auf die Bühne geworfen zu haben. Zum Schluss gab es dann noch eine kurze Foto-Session und dann die Erlösung: Ende! Ende mit dem Uni-Teil der Veranstaltung. Weiter ging es bei Jeff Zuhause mit Speis und unalkoholischem Trank (Ich habe seit nunmehr 4 Wochen keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken… langsam vermisse ich die gute alte Roonburg schon ziemlich!!) in glücklicherweise kühlen Räumen, sodass das Ende der Veranstaltung mehr als Angenehm war.

Mehr als Angenehm ist auch die Neuigkeit, dass ich Besuch aus Deutschland bekomme! Mein Bester Sebi wird am 15.November eintrudeln und drei Wochen am eigenen Leib erleben, wie die Dinge hier so laufen. Ich freu mich!!!

Das Wochenende verlief dann eigentlich ganz ruhig. Fabi ging es allerdings von Samstag an immer schlechter. Sonntag Abend hatte seine Fiberkurve die 40°C-Grenze sogar geknackt und wir haben ihn direkt zum Arzt geschleppt. Der hat dann genau wie bei mir Malaria diagnostiziert. Am nächsten Tag sollte er aber zu weiteren Tests wieder kommen, um sicher zu gehen. Montag ist also Cornelius mit ihm wieder dahin. Fabi ging es aber so dreckig, dass er beim Arzt kurzzeitig ein Blackout hatte und so wurde er mit einem Taxi direkt in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses gebracht. Sogar mit Polizei-Eskorte! Da er nichts gegessen hatte und zu wenig getrunken, wurde er im Beobachtungsraum mit verschiedenen Infusionen wieder aufgepäppelt. Er sah echt schon ziemlich schlecht aus. Zwei Tage und eine Nacht hat er in einem ghanaischen Krankenhaus verbracht! Nun ist er wieder in den heimischen Wänden in Denchemouso und wir kümmern uns um ihn. Langsam kriegt er wieder Farbe. War schon krass, zu sehen wie ein Wartezimmer in Ghana aussieht. Teilweise kommen die Menschen morgens um 5 Uhr und gehen Abends wieder ohne auch nur einen Arzt gesehen zu haben. Grausam volle Wartesäle, kann ich euch nur sagen. Da soll doch noch mal einer sagen, dass deutsche Gesundheitssystem tauge nichts!

Ansonsten ist zu sagen, dass meine Tage hier immer kürzer zu sein scheinen. Am Anfang meines Aufenthalts musste ich mir teilweise überlegen, wie ich die tage verbringe, damit sie nicht langweilig werden. Jetzt muss ich mir sogar wirklich Zeit dafür nehmen einen Blog Eintrag zu schreiben, oder E-Mails zu beantworten. Es macht aber einfach Spaß hier Dinge zu erleben und zu erledigen. Das wird alles Teil des Fußabdrucks sein, den wir hier Mitte 2011 hinterlassen. Sobald man im Zimmer sitzt und ins „Nichts-Tun“ verfällt kommt auch schnell mal das Heimweh durch, muss ich sagen. Also immer her mit den Aufgaben!

Unsere Pläne, einen Basketball-Platz zu bauen werden auch konkreter. Den Hammer haben wir schon hinter uns gebracht, als Apau uns den Kostenvoranschlag über 8.500 Euro unterbreitet hat. Aber das ist ja alles kein Problem, da jeder Leser dieses Blogs sicherlich gerne den ein oder anderen Euro spendet! Ihr mögt vielleicht denken, dass man besseres mit soviel Geld anfangen könnte, als einen Basketball-Platz zu bauen. Weit gefehlt, denn wir waren mittlerweile schon auf der ein oder anderen Werbeveranstaltung für die Schule und eine der ersten Fragen war immer „Welche Sport-Angebote gibt es?“. Die Schule befindet sich in der Aufbau-Phase und je mehr Schüler die Schule besuchen, je näher rückt das Ziel der Selbstfinanzierung. Wir haben schon die ein oder andere Idee zur Finanzierung des Projektes. Zu unserem Plan und der Durchführung werde ich bald ein Dokument online stellen, dass euch genauer informiert und ich hoffe, dass vielleicht wirklich der ein oder andere ein wenig an den Verein spenden möchte. Helft uns und wir werden das gemeinsam schaffen! Wann hat man schon mal die Möglichkeit, wirklich direkt zu sehen, wo seine Spende hingeht?

Das kleinere Projekt, die Bibliothek gemütlicher zu machen ist schon aus den Kinderschuhen erwachsen. Wir haben die schuleigene Schreinerei damit beauftragt, eine Couch-Garnitur zu bauen. Mareike hat einen Entwurf fertig gestellt, nach dem wir eine Wand hier bemalen wollen und die Ordnung ist nach einigen Stunden Bücher sortieren auch hergestellt.

Mir geht es hier im Moment echt gut! Am Wochenende werden wir einen kleinen Ausflug in die Luxusklasse wagen. Anne, das Mädchen, das uns letzte Woche besucht hat, wohnt hier in Ghana bei einer ziemlich wohlhabenden Familie… mit Pool! Ich werde also endlich mal die Gelegenheit haben, meinen Bauch zu bräunen ihn den Armen anzugleichen, während bei euch doch so langsam der Winter in Sicht ist.

Also ihr Lieben. Wir hören von einander und ich freue mich über jeden Kommentar und jede E-Mail. Werde mich weiterhin bemühen, alles zu beantworten.

Euer Ruven