Monatsarchiv: Dezember 2011

Für die Weihnachtszeit…


Welche Formen von Gewalt habe ich selbst schon erfahren?                                                                      Wie gehe ich eigentlich mit Konflikten um?                                                                                           Welche Strafen setze ich ein und welche Strafen habe ich schon erfahren?                                                Habe ich mein Kind, meine Geschwister, meine Eltern, meine Freunde, meine Schüler oder unbekannte Personen jemals geschlagen?

Mit diesen Fragen und Problemen wurde ich hier in Ghana schon sehr oft konfrontiert und hat mich nachdenklich gemacht. Nach meinen bisherigen Beobachtungen und Erfahrungen ziehen sich diese Probleme wie ein roter Faden durch die Gesellschaft. An dieser Stelle muss aber betont werden, dass das Folgende auf meinen persönlichen Erlebnissen beruht und nur meine Sichtweiße beinhaltet und somit keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit besitzt. Da mir dieses Thema aber sehr am Herzen liegt möchte ich hier nochmal ausführlicher darüber berichten und vielleicht ein bisschen zum Nachdenken anregen.

Das Thema Gewalt und insbesondere die Gewalt gegenüber Kindern spielt hier eine sehr große Rolle. Besser gesagt spielt das Thema für mich eine sehr große Rolle, denn die Ghanaer machen sich darüber nicht wirklich Gedanken. Bei vielen sitzt es so fest in den Köpfen, dass es schon automatisiert wurde. Auch für die Kinder gehört es zum Alltag, kurzes Beispiel: Wenn die Kinder „Schule“ spielen, steht der „Lehrer“ mit dem Sock vor seinen „Schülern“ und schlägt bei jeder Störung und falscher Antwort zu. Ich habe auch oft das Gefühl, dass es für mich zum Teil schlimmer ist mit anzusehen als für die Kinder, die geschlagen werden. So schlimm es sich anhört, aber auch die Gewalt ist ein Stück weit Kultur und hat lange „Tradition“. Die Kinder wachsen damit auf und kennen es nicht anders. Sprüche von Seiten der älteren Schüler wie „Ich möchte keine Strafarbeit machen, warum kannst du mich nicht einfach schlagen?“ sind durchaus möglich!

Aber dies als Rechtfertigung hinzunehmen und das Thema damit zu beenden wäre zu einfach, schließlich wurden Kinder bei uns in Deutschland auch noch bis vor nicht allzu langer Zeit geschlagen, sowohl Zuhause als auch in der Schule. Und wenn wir ehrlich sind, gibt es in Deutschland auch heute noch genug Kinder, die von ihren Eltern geschlagen werden, auch wenn es gesetzlich verboten ist.

In Ghana beginnt es mit den ganz kleinen Kindern im Kindergarten. Zum Teil werden sie mit der Hand geschlagen, aber zum Teil auch richtig fest mit dem Stock. Gehorsam wird sehr groß geschrieben und so wird versucht den Kindern Disziplin und Gehorsamkeit zu vermitteln. Doch die eingesetzten Mittel finde ich schon sehr fraglich, denn was dabei herauskommt ist Angst und kein Respekt. Die Kinder gehorchen den LehrernInnen weil sie Angst vor ihnen haben, sonst aber auch nichts. Eine Folge des Schlagens ist sicherlich der Verlust von Respekt und Achtung vor den LehrerInnen. Hätten die Lehrerinnen im Kindergarten den Kids Respekt vermittelt, hätten die Kinder auch vor mir Respekt. Das ist aber nicht der Fall und da sie vor mir auch keine Angst haben sind wir wieder bei null. Da die Kinder nun aber schon so auf das Schlagen fixiert sind, ist es für mich alleine unmöglich daran etwas zu ändern, vor allem wenn dazu noch die Kommunikationsprobleme kommen. Ich glaube auf weitere Auswirkungen des Schlagens auf die Kinder muss ich nicht groß eingehen. Die Folgen reichen von Rückzug, Isolation, Furcht, Stagnation der Entwicklung, Schulversagen… bis hin zur Selbstverletzung.                                                                                                                                       Ganz erstaunt schaute mich eine Lehrerin an als ich zu ihr meinte, dass Schulleistungen durch Schlagen nicht besser sondern eher schlechter werden. Ein Mädchen wurde von ihr geschlagen, weil sie einen Buchstaben nicht schreiben konnte. Das Mädchen war danach so blockiert, dass einfach nichts mehr ging. Aber das hat die Lehrerin nicht so ganz verstanden und hat es weiter mit Schlagen versucht, ohne Erfolg! Selbst Kinder mit einer geistigen Behinderung werden übrigens geschlagen, diese sind danach gar nicht mehr ansprechbar da sie überhaupt nicht begreifen was eigentlich gerade geschieht.

Ein Stock in die Hand zu nehmen um damit auf die Kinder einzuschlagen um etwas zu erreichen oder zu bewirken ist für mich kein Zeichen von Stärke sondern eher eines von Schwäche. Auf diese Art und Weiße wird jeder sein momentanes Ziel erreichen, doch über das eigene Verhalten sowie an die Folgen für das Kind wird nicht nachgedacht. Mir leuchtet schon ein, dass der Stock die schnellste und effektivste Strafe in dem Moment ist, aber sicherlich nicht auf lange Sicht. Fazit: „Gute“ Eltern bzw. Lehrer sollten in der Lage sein ein gewünschtes Verhalten auch ohne den Stock als Hilfsmittel herbeizuführen, denn das kann ja schließlich jeder und ist wohl die niedrigste Stufe der Problemlösekompetenz!                                                                    Was mir auch sehr aufgefallen ist, ist das Modelllernen. Ich bin der Meinung „wer schlägt, der lehrt das Schlagen!“. Die Kinder lernen an sich selbst, dass Gewalt die Lösung von Konflikten ist. In den Pausen bin ich nur damit beschäftigt die Kinder zu beobachten und zu schauen, dass sie sich nicht gegenseitig verletzen. Sobald ein Problem zwischen den Kindern entsteht wird versucht es mit den Fäusten zu lösen, denn sie kennen keine andere Lösung. Die Kinder greifen nicht zur Gewalt weil sie anderen Kindern absichtlich Schaden zufügen wollen, sondern einfach deshalb weil sie nicht wissen wie sie ihr Problem oder ihren Konflikt sonst lösen sollen. Die Aggressionsbereitschaft ist so hoch, dass fast kein Tag vergeht an dem kein Blut fließt. Hier ist das „Spielen“ aber ausgeschlossen, natürlich testen die Kids auch ihre Stärken und Grenzen aus und das sollen sie in einem bestimmten Umfang auch tun. Aber was ich hier zum Teil zu Gesicht bekomme hat nichts mehr mit Grenzen austesten zu tun. Und genau da liegt meiner Meinung nach ein großes Problem:              Die Aggression und Gewalt wird in das eigene Verhaltensrepertoire aufgenommen und ist nur schwer wieder herauszubekommen. Die eigenen Geschwister, Freunde und später die eigenen Kinder werden geschlagen ohne darüber nachzudenken. Die Gewaltbereitschaft ist auch hoch genug um fremde Personen zu schlagen, die einem gerade „blödkommen“ oder weil man selbst vielleicht sogar nur einen schlechten Tag hat.

Erst letztens wurden wir Zeugen von einem Familienstreit (Alle Familienmitglieder im Erwachsenenalter) der daraus hinauslief, dass der Sohn die Tochter zu Boden geschlagen hat, weil diese die Mutter angegriffen hat. Und ein anderes Mal prügelte ein Lehrer einen älteren Jungen aus dem Dorf zu Boden weil dieser aus dem schuleigenen Wasserhahn trank.Im letzten Blogeintrag habe ich euch von dem Polizisten erzählt, der unseren Fahrer erst einmal zusammengeschlagen hat, bevor er überhaupt mit ihm geredet hat. Und das war leider kein Einzelfall…                                                                                                                                              Hier bin ich bei dem roten Faden angelangt, der sich meiner Meinung nach durch die Gesellschaft zieht. Auch im Erwachsenenalter wird zur Faust gegriffen um Konflikte zu lösen oder um die eigene Machtposition zu demonstrieren. Vermutlich kann man an dieser Stelle auch eine Verbindung zur  hiesigen Korruption herstellen. Ich glaube wenn jemand seine Machtposition bzw. Vertrauensstellung in dieser Weise missbraucht, kann man auch hier von Korruption sprechen.

Abschließend möchte ich nochmal betonen, dass das Geschilderte auf meinen Erfahrungen beruht und nicht verallgemeinert werden kann. Nicht alle Ghanaer sind „gewalttätig“ und man muss auch nicht ständig Angst haben, dass jemand auf einen los geht. Ich fühle mich hier in Ghana sehr sicher und denke, dass es sich mehr um eine instrumentelle Gewalt handelt und viele einfach nie gelernt haben eine „friedliche Lösung“ für ein Problem zu finden.

Jetzt aber genug geredet: Weihnachten steht vor der Türe und vielleicht findet der eine oder andere im oft stressigen Weihnachtstrubel eine ruhige Minute zum Nachdenken. Wahrscheinlich findet jeder bei sich selbst Momente, in denen er Gewalt erfahren oder selbst angewendet hat. Und diese Gewalt wurde vermutlich, wie hier in Ghana oft beobachtet, nicht mit dem Primärziel der anderen Person Schaden zuzufügen angewendet sondern eher als Instrument um ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder ein Konflikt/Problem zu lösen.                        Doch muss das wirklich sein?  

Hiermit verabschiede ich mich in meinen zweiwöchigen Weihnachtsurlaub, den wir an der Küste verbringen werden.

Ich wünsche allen ein wunderschönes Weihnachtsfest und schließlich ein gesundes und glückliches Jahr 2012!!

Viele liebe Grüße,

Lea

Spenden und Neues


Es hat sich viel getan in letzter Zeit.

Auch im Bezug auf meinen Aufenthalt in  Ghana hat sich einiges bewegt.

Ich werde nun vorrausichtlich Anfang Februar schon nach Hause fliegen. Das hat sich ergeben durch den Stellenwechsel meiner Mama von unserer kleinen Osterkirche in die größte Bayerns, die Lorenzkirche. Dieser Wechsel ist verpflichtend mit einem Umzug verbunden. Mein Wunsch war es von Anfang an bei einem Umzug dabei zu sein und zu helfen. Ferner möchte auch ich mich in Ruhe von allem verabschieden, was mir in all den Jahren in Worzeldorf ans Herz gewachsen ist.

Nun ist diese Situation unerwartet schnell eingetreten und das ist der Grund, warum ich mich gezwungen sehe diesen Aufenthalt abzubrechen. Für mich ist es auf der einen Seite durchaus schwer, weil ich doch vieles hier lieb gewonnen habe, auf der anderen Seite sehe ich aber auch das sich so schleppende Projekt, was es mir ein wenig erleichtert zu gehen.

Nichtsdestotrotz sammeln wir über Weihnachten Spenden für unsere Bibliothek um in der Anglican Junior High School Tanoso auch unsere Spuren zu hinterlassen. Mir ist es jetzt noch wichtiger, da ich nur noch einen begrenzten Zeitraum habe um hier was zu bewirken,

Ich werde vorrausichtlich das Projekt mit starten können, Jakob und Konrad werden es dann aber ohne mich zu Ende führen müssen. Unser Bibliotheksprojekt besteht in erster Linie darin Möbel und Bücher zu beschaffen. An der Schule stehen bis jetzt nur etwa 100 Bücher zur Verfügung, die meisten davon sin ganze Klassensätze, was bedeutet, dass es wenige unterschiedliche und dazu noch alte Schulbücher sind. Wir planen neben Sachbüchern auch Geschichts- und Bilderbücher zu kaufen um den Schülern das lesen ein wenig mehr zur Freude zu machen. Leider gibt es in der hiesigen Bibliothek kein einziges Regal, was heißt, dass wir auch diese noch beschaffen müssten. Da das Holz hier sehr teuer ist, ist die ganze Sache ziemlich kostspielig. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir um die 500 Euro zusammenbekommen könnten. Um Geld zu spenden kann einfach dieses Spendenformular (https://secure.spendenbank.de/kreditkarten/karte.php?oid=1494385) ausgefüllt werden (Verwendungszweck: GGS Tanoso) und abgeschickt werden oder eine es kann eine SMS gesendet werden: Wenn Sie eine SMS mit dem Kennwort „FREI GHANA“ an die 81190 senden. Über Ihre Mobilfunkrechnung werden Ihnen 5.00 Euro berechnet, wovon 4.50 Euro bei uns ankommen. Diese Möglichkeit gilt nur aus dem deutschen Mobilfunknetz heraus.

Das Geld wird direkt auf ein Spendenkonto des Deutsch-Ghanaischen Freundschafskreises übertragen und an uns Deutsche dann übergeben. Das versichert, dass das Geld auch hundert prozentig nur für die Bibliothek verwendet wird. Wir danken im Vornherein schon für die Spenden, die ankommen und berichten, sobald das Geld eingesetzt wurde.

So, das war der formelle Teil, jetzt erzähl ich noch ein bisschen was. Die Weihnachtsstimmung fehlt leider  immer noch. Ich bekomme gelegentlich Zimtsterne oder Lebkuchen aus Deutschland (DANKE!!!), auch einen Adventskranz besitze ich, man hört gelegentlich Weihnachtsmusik (nicht so viel wie in Deutschland) und sieht ab und zu einen schwarzen Weihnachtsmann, doch die Stimmung kommt einfach nicht auf. Ich habe eher das Gefühl, welches ich früher oft in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien hatte. Gerechtfertigt, finde ich. Wir werden ab dem 23. Ausführlich unsere Ferien genießen. Es hat etwa 30 Grad (ich kann das nun behaupten, ich habe das erste mal seit dem ich hier bin ein Thermometer gesehen) und wir fahren an die Küste. Wie schon mal erwähnt werden wir 7 Tage in einer Lodge am Strand verbringen, im Hintergrund Palmen, im Vordergrund das Meer. Über Silvester werden wir nach Cape Coast in einer Hotelanlage am Meer zelten und ab dem 3. Januar gen Voltaregion reisen. Das hört sich nach Sommerurlaub an und ich bin ein wenig Wirr im Kopf, da es doch Dezember ist… ;-) Am 9. Januar sind dann die Ferien auch schon wieder vorbei und das Projekt kann hoffentlich starten!

Jetzt bedanke ich mich noch bei meinen Eltern für die viele Unterstützung in den letzten Wochen, die nicht so leicht waren, natürlich auch für die Pakete, die mir den einen oder anderen Tag gerettet haben, ich bedanke mich bei meinen Freunden, weil ich sie liebe und ich bedanke mich bei allen, die hier immer noch so interessiert mitlesen! Und das größte Dankeschön (auch im Namen der Schule [„May God bless them“]) geht an die Spender!!! Und dann noch ein kleines Dankeschön an unsere Freunde die Schwaben, die die Käsespätzle erfunden haben! Wir haben am Sonntag welche für meine Gastfamilie zubereitet. Mit echtem Käse!!! Eine Seltenheit hier, leider auch sehr teuer. Das Fazit: Ghanaer mögen keine Käsespätzle (aus Höflichkeit haben sie zwar gesagt es war gut, haben aber darauf bestanden, dass sie satt sind und sich dann hinter meinem Rücken noch etwas zu essen gemacht :D . Gewitzt diese Ghanaer!), sie mögen nur den Beilagesalat und die Deutschen mögen Käsespätzle sehr und essen alle auf…

So, dann wünsche ich euch allen ganz fröhliche und besinnliche Weihnachten, schöne Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!!! Ich bin voraussichtlich bis zum 9. Januar nicht im Internet vertreten aber gerne über mein Handy zu erreichen. Diejenigen, die es noch nicht bemerkt haben: Die Nummer steht auf dieser Seite unter „Kontakt“.

Ganz ganz liebe Grüße gehen jetzt noch an meine Familie. Ich hab euch lieb! Feiert schön!!

Liebe Grüße an alle aus dem sommerlichen Ghana,

eure Eva

18. 12. 2011


Schon wieder ein Blogg. Von der Schule gibt es eigentlich nicht viel zu berichten außer, dass ich am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag nicht in der Schule war. Das hatte den Grund, dass ich krank im Bett lag. Ich bin am Dienstag mit starken Kopfschmerzen und einem „allgemeinen Unwohlsein“, bin dann aber mit einer Schmerztablette wieder eingeschlafen. Als ich wieder aufgewacht bin hatte ich Bauchschmerzen und habe dann erst am Abend wieder etwas gegessen, wovon mir allerdings schlecht wurde. Na toll. In der Nacht habe ich dann auch noch Durchfall bekommen und das Ganze hat sich dann bis Donnerstagabend hingezogen. Am Freitag bin ich dann wieder in die Schule gegangen und am Nachmittag mit Nico, einer Freundin von Loszu, Max, Phillip und Sabine an den nahegelegenen großen See gefahren, Lake Busumtwi. Ich denke zumindest, dass man das so schreibt. So oder ähnlich. Zum See gibt es zu sagen, dass er wirklich riesig ist und weder einen Zu- noch einen Abfluss hat weil er aus einem Kometeneinschlag entstanden ist. Einige Jahre lang ist der Wasserpegel stetig angestiegen und keiner wusste warum. Es hat anscheinend sogar einige Dörfer erwischt. In der Gegend des Sees soll der höchste Gott der Ashanti (also des Volkes das in dem Gebiet hier wohnt). Twi, der Gott, soll aber kein Metall mögen, weshalb es jahrelang verboten war Metallgegenstände in die Nähe des Sees mitzubringen. Deshalb haben die Fischer auch ihre ganz eigene Fangtechnik entwickelt. Nun ja. Wir sind also zwei Stunden mit dem Trotro in das Dorf in der Nähe des Sees gefahren und dann mit einem Taxi zu unserer Lodge. Wir hatten uns Essen mitgebracht, ich hatte kalten fried rice mit Bohnen, Salat usw. Als ich das gegessen hatte war es schon Abend und sind wir dann noch lange im schönen Garten der Lodge gesessen und haben dann beschlossen noch an den See zu gehen. Als wir da waren haben fast alle ziemlich gefroren weil es vom See her sehr kalt war. Ein Max war schon schlafen gegangen und so haben die restlichen Jungs, also Nico und Phillip beschlossen Feuer zu machen. Ich war nicht so begeistert und wollte eigentlich lieber ins Bett gehen. Nichts desto trotz haben sie und Sabine dann angefangen Feuerholz gesucht und versucht das Feuer ohne Papier in Gang zu bringen. Ich habe mich zwar fast ausschließlich darauf verlegt dumme Kommentare abzugeben aber letztendlich hat es dann doch funktioniert und ich war froh mal wieder ein Lagerfeuer zu haben. Es war wirklich schön und wir saßen noch bis 1 Uhr am Strand und haben das Feuer genährt. Am nächsten Morgen hatte ich allerdings wieder ganz bösen Durchfall und ich hatte nicht mehr ganz so viel Spaß. Wir saßen aber sowieso eigentlich den ganzen Tag am Se, haben uns gebräunt und sind ab und zu schwimmen gegangen. Um zwei Uhr haben wir uns dann ein Taxi kommen lassen und sind wieder zurück zu dem Dorf gefahren wo die Trotros abfahren. Zu dem Zeitpunkt hatte ich dann schon ziemlich Magenschmerzen was die Trotrofahrt zur Hölle gemacht hat. Endlich zuhause angekommen bin ich erst mal aufs Klo gegangen und habe mich dann ins Bett gelegt und habe, dank ein paar Pillen ohne gewisse Störungen die Nacht durchgeschlafen. Heute geht es mir eigentlich wieder gut, was ich aber immer noch für die Wirkung von den Medikamenten halte. Ich hoffe mir geht es nicht wieder schlechter. Um 13 Uhr will ich mich mit Nico im Internetcafe treffen um unsere Australienreise zu planen. Wer davon noch nichts weiß: wir wollen zu zweit Ende Mai nach Australien und mit einem kleinen Campingbus die Ostküste entlangfahren. Ich freue mich schon sehr auf die Zeit aber erst einmal wird die Zeit in Ghana in vollen Zügen genossen. Bald ist Weihnachten, obwohl noch nichts von Weihnachtsstimmung aufkommt bei mindestens 30 Grad im Schatten.

Am 23. Dezember werde ich nach Accra aufbrechen wo ich am Abend meine Familie vom Flughafen abholen und dann mit ihnen eine Nacht in Accra verbringen werde. Dann geht es zu einer Lodge am Strand in der Nähe von Accra wo wir Weinachten verbringen werden. Dann zurück nach Kumasi, die Stadt zeigen und dann wieder an die Küste nach Cape Coast. Dort werden mein Bruder und ich die anderen von der Organisation treffen und Silvester feiern. Es werden wohl ziemlich viele werden, da auch noch die Leute von Loszu mitkommen. Ab dem 3. Januar werden wir meine Eltern wieder in Cape Coast treffen und dann vielleicht noch einen Nationalpark anschauen und am 6. Januar wird schon wieder Abschied genommen. Danach habe ich vor direkt in die Voltaregion fahren und ein paar Leute von Loszu treffen die eine Tour den Volta Fluss runter machen wollen wo ich sie natürlich liebend gerne begleite. Das Dumme ist nur, dass eigentlich schon am 9. Januar wieder Schule habe und wahrscheinlich etwas überziehe ;). Danach geht es dann wieder nach Kumasi zurück in die Schule und dann kommt auch mein neuer Blogg raus.

Bis dahin, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch, Jakob.

Gold und Meer


Wow. Schon der dritte Advent. Und ich sitze hier in Ghana und würde echt gerne mal wieder eine Nacht schlafen, ohne dabei wie ein Pferd zu schwitzen.

Aber beginnen wir mal bei den letzten zwei Wochenenden, da war echt mal wieder was geboten. Die Wochenenden sind hier echt wahnsinnig langweilig, wenn wir nicht was unternehmen. Deshalb haben wir auch vorletztes Wochenende beschlossen in die Goldmienen zu fahren. Diese sind knapp eineinhalb Stunden Busfahrt von Kumasi entfernt, in Obuasi. Dort waren wir auch schon für die Hochzeit von Harriets (Für Neueinsteiger: Die Schneiderlehrerin der Schule) Cousine.

Der Plan war, um sieben in Obuasi anzukommen, da man als Besucher nur Vormittags in die Goldmienen darf. Deshalb sind wir hier um fünf mit dem Taxi zur Busstation gefahren. Wir, das waren die üblichen Verdächtigen, Philipp, Sabine, Lea, Eva, Ich und zu guter Letzt Harriet mit Tochter. Die ist mitgefahren, weil der „Vater ihres Sohnes“, so wurde er uns vorgestellt, Charles dort arbeitet und uns deshalb leichter da rein gebracht hat. Unser Zeitplan wurde dann leider durchkreuzt, weil gefühlt halb Kumasi nach Obuasi fahren wollte. Uns erwartete also eine ewig lange Schlange. Als wir dann am Schalter waren, haben Philipp, Eva und Ich Tickets bekommen, als plötzlich ein riesen Tumult entstanden ist, wo alle durcheinander geschrieen haben. Als ich Harriet gefragt habe, warum sie sich so aufregt, hat sie mir erklärt, dass der Mann am Schalter die Hälfte der Tickets zur Hintertür an Freunde von ihm verkauft hat, die sich nicht anstellen wollten. Der Rest hat dann aber auch noch Plätze in dem Bus bekommen und so konnte die Reise neben einer viel zu dicken Ghanaerin beginnen.

In Obuasi angekommen hat uns Charles mit einem Jeep der Betreiberfirma der Goldmiene abgeholt. Der war echt nicht schlecht, Klimaanlage! und eine Beschleunigung hatte der, das ist man hier sonst überhaupt nicht gewohnt von den Taxis mit denen man hier so rum fährt.

Erstmal ging es in das Tourismusbüro der Goldfirma, um uns anzumelden. 15€ mussten wir pro Person zahlen und ich musste noch mal 5€ drauf zahlen, damit ich meine Kamera mit rein nehmen durfte. Das kam mir auch ein bisschen komisch vor, weil überall Schilder hingen, dass Fotografieren in der Miene strengstens verboten ist. Wahrscheinlich gingen die 5€ einfach an die Frau an der Anmeldung, damit die kurz mal weg schaut.Golderz

Nachdem wir in wahnsinnig chice  orange Anzüge gesteckt wurden und einen Sauerstoffbehälter für Gasunfälle bekommen hatten, ging es in Charles´ Jeep auf zu den Förderschächten. Derer gibt es in Obuasi fünf. Zur Ausrüstung kam jetzt noch eine Grubenlampe hinzu, was insgesamt dann alles schon recht schwer wurde.

 

 

 

 

 

Eigentlich waren wir eh schon zu spät dran, da man normalerweise nur vor Neun in den Schacht runter darf. Bei uns wurde aber eine Ausnahme gemacht, weil wir ja mit Charles unterwegs waren. Die Regel mit vor Neun kommt daher, dass die Führung knapp zwei Stunden dauert und ab ca. ein Uhr in den Schächten gesprengt wird und da natürlich keine Besucher mehr unten sein dürfen. So ging es also auf 850 Meter Tiefe runter. Es war echt ein Erlebnis. Ich hab zwar nicht wirklich begriffen, dass wir so tief unten sind, aber trotzdem war es ein recht mulmiges Gefühl da runter zu fahren. Unten sind wir dann einen Schacht entlang gegangen und ein Mienenarbeiter hat ein bisschen erzählt. Der hatte eh viel mehr Ahnung, als der Touristenführer, der uns mitgegeben wurde. Der wusste nicht einmal wie tief der Schacht eigentlich ist, oder seit wann dort Gold abgebaut wird. Das echt beeindruckende aber war, dass der Schacht noch in Betrieb war und wir dort einfach rumlaufen durften. So etwas wäre in Deutschland niemals möglich. Das hatte zu Folge, dass der Arbeiter uns plötzlich zu geschrieen hat, dass wir so schnell wie möglich an die Wand gehen sollen, weil eine Maschine vorbei gefahren ist. Uns wurde noch die Werkstatt gezeigt, wo alles gleich unter Tage repariert wird. Dann sind wir in einen Tunnel gegangen, in dem Gleise verlegt waren. Dort sind wir eine Weile lang unbehelligt entlang gegangen, bis wir wieder angefahren wurden so schnell es nur geht in eine Nische zu kommen, weil ein Förderzug gekommen ist. Dem sind wir dann gleich gefolgt, bis er an einer Umladestation gehalten hat. Dort wurde der Inhalt der Waggons in eine große Grube gekippt und mit einem riesigen Pressluftbohrer durch ein Gitter gedrückt. Wir haben dann erfahren, dass unter dem Gitter 200 Fuß Nichts ist, bis das Erz im weiter unten gelegenen Level landet. Was in den Waggons transportiert wurde, war das Golderz, das in dem Schacht gefördert wird. An der Verladestation kommt sämtliches Erz, das in dem Schacht abgebaut wird vorbei, fällt dann ins tiefere Level und wird dort mit einem weiteren Zug zum Förderschacht und an die Oberfläche gebracht. Nach der Verladeaktion sind wir dann wieder zum Lift gegangen und nach oben gefahren. Auch wenn ich kein beengendes Gefühl dort unten hatte, war ich echt froh wieder an der Oberfläche zu sein. Die Luft ist einfach komisch dort unten, nur künstliches Licht, alles keine Umgebung, für die der Mensch gemacht ist. Beim rausgehen wurden wir dann sogar noch mit einem Metalldetektor abgetastet, dass wir auch ja nichts mitgehen lassen.

Wir wurden dann wieder von Charles mit seinem Superjeep abgeholt. Der hat uns dann gefragt, ob wir nicht noch was essen gehen wollen. Da wir ausgehungert vom andern Stern waren, haben wir einfach mal ja gesagt. Wir dachten auch eher daran einfach in eine Chopbar zu fahren und dort Fufu essen zu gehen. Er aber hatte da anscheinend andere Vorstellungen und so ging es erst einmal ein Stück aus Obuasi raus, bis wir an einen Golfplatz kamen. Dort im Clubhaus also sollten wir essen? Nach einem Blick auf die Karte ist mir erstmal anders geworden. Zum einen, weil es Spaghetti Bolognese!! gab, zum anderen aber, weil die Preise nicht zu verachten waren. Das Fufu hat zum Beispiel sechs Cedi, sprich 3€ gekostet. Als uns Charles gefragt hat, was wir trinken wollen und wir abgelehnt haben, meinte er, er würde uns auf alles einladen, also sollten wir nicht geizen. Es war gerade mal ein Uhr Mittags und er stand schon mit einem Whiskey da und wollte uns unbedingt ein Bier bestellen. Wir haben ihm dann erklärt, dass Alkohol und die Mittagshitze keine so gute Kombination für uns ist. Das hat er so lange akzeptiert, bis eine Wolke vor der Sonne war, da hat er dann gleich gesagt, jetzt sei es kälter, also könnten wir nun auch ein Bier trinken.

Aber zurück zum Fufu. Das war nämlich so unbeschreiblich gut, das mit Abstand beste, was ich bis jetzt gegessen habe, also auch seinen Preis wert. Nach dem Essen und einer weiteren runde Bier, die er uns aufgedrängt hatte, ging es dann zurück in Richtung des Busbahnhofes. Dort sind wir aber nur kurz vorbei gefahren, weil Charles meinte, die Schlange am Schalter sei zu lang, wir sollten erstmal noch mal woanders hinfahren und die Zeit vertreiben. Die Logik hat sich mir nicht so ganz erschlossen, weil dadurch die Schlange ja auch nicht kürzer geworden ist. Aber wir haben einfach mal gefolgt und sind mit ihm wieder auf das Gelände der Goldfirma gefahren. Dort sind wir in den Tennisclub der Firma gefahren um noch mal was zu trinken.

Da merkt man die gewaltigen Disparitäten in Ghana. Den Menschen geht es ja generell für ein afrikanische Land recht gut, aber die, die wirklich Geld haben, haben dann gleich so viel, dass sie mit einem dicken Auto rum fahren (Ein eigenes Auto ist hier ein Zeichen von Geld), Golf spielen, oder eben fleißig sonst Geld raus hauen. Ich kam mir da schon recht komisch vor in diesem Golfclub zu sitzen, wo nur reiche Ghanaer, oder Weiße waren. Die Weißen sahen auch gleich so aus, als würden sie bei der Goldfirma arbeiten und die Ghanaer übers Ohr hauen. Ja ich weis, ich hab schnell Vorurteile gegenüber Menschen, aber irgendwie hat mich die ganze Goldmiene an den Film Blood Diamond erinnert.

Nach dem Tennisclub jedenfalls hat Charles dann (oh Wunder) festgestellt, dass die Schlange am Busbahnhof immer noch nicht kürzer geworden ist. So hat er uns vor die Wahl gestellt: Entweder in Obuasi im Clubhaus übernachten und dann morgens nach Kumasi zurück fahren, oder er fährt uns in seinem eigenen Auto nach Hause. Ich für meinen Teil war nicht so begeistert, eine Nacht in Obuasi zu verbringen, daher hab ich dafür gestimmt uns von ihm Heim fahren zu lassen. In Deutschland würde ich niemals bei jemand ins Auto steigen, der schon zwei Whiskey und drei Bier intus hat, aber hier in Ghana bin ich da irgendwie lockerer. Was auch daran liegen mag, dass die Taxifahrer auch meistens betrunken sind, oder gekifft haben. Also dachten wir uns, bei Charles mitfahren passt schon, der hat eh noch einen recht frischen Eindruck gemacht.

Die Woche über ist dann eher wenig aufregendes passiert, es war einfach der ganz normale Schulalltag, wo gern mal ein Tag keine Schule ist, weil entweder eine Beerdigung ist, wo fast alle Lehrer sind und der Rest dann auch nicht unterrichten will, oder ein Fußballspiel, bei dem die Hälfte der Schule anwesend sein muss. Ich versteh einfach nicht, warum solche Turniere immer unter der Woche statt finden müssen, noch dazu vormittags und am besten noch in der Woche vor den Prüfungen.

 

Letztes Wochenende. Das war echt Wahnsinn. Freitagmorgen ging es auf Richtung Süden, sprich ans Meer. Endlich! Morgen ist vielleicht ein bisschen der falsche Ausdruck, halb sechs war Treffpunkt mit den anderen. Die anderen waren Konrad, Jakob und noch 15 andere Freiwillige von anderen Organisationen, die wir hier kennen gelernt haben. Der Plan war, fünf bis sechs Stunden zu brauchen und dann mittags noch ins Meer springen zu können. Wie so oft war die deutsche Zeitgenauigkeit total sinnlos. Nach acht Stunden waren wir erst an der Küste in Cape Coast.

Von dort aus ging es dann die Küste entlang nach Westen. Bis wir bei einer Polizeikontrolle plötzlich raus gezogen wurden. Zuerst dachten wir, die Polizisten hätten das mal wieder nur gemacht, weil sie gesehen haben, dass Weiße im Trotro sitzen und nun erwarten, dass sie mit einem Euro geschmiert werden, damit der Fahrer weiter fahren darf. Als dieser nun ausgestiegen ist, haben die Polizisten angefangen auf ihn ein zu schreien. Dann ist, wie ich vermute der Chef der Kontrollstation gekommen und hat auch zuerst den Fahrer angeschrieen, als der aber dann wieder einsteigen wollte, hat der Polizist ihm mehrmals ins Gesicht geschlagen und mit auf die Station genommen. Das war mal wieder ein Schock. Ich bin ja jedes Mal wieder geschockt, wenn Kinder in der Schule geschlagen werden, aber so was. Mitten auf der Straße schlägt der Polizist dem Mann ins Gesicht und niemand unternimmt was. Die ganze Aktion hatte dann zur Folge, dass wir dort nun rum standen und gar nicht wirklich wussten was der Fahrer nun falsch gemacht hat. Ein paar sind dann auf die Wache mit gegangen, um zu erfahren, was eigentlich los ist. Der Fahrer steckte mittlerweile im Gefängnis. Sein Vergehen: Er war an der vorherigen Polizeikontrolle einfach durchgefahren, die Station hat dann  die Nächste, sprich die wo wir nun standen angerufen, sodass die uns raus ziehen konnten. Der Grund dafür, dass der Fahrer weiter gefahren ist, war, dass er keinen Führerschein hatte. An sich hier ja gar kein Problem. Wenn Taxifahrer nach ihrem Führerschein gefragt werden, geben sie oft einfach zwei drei Cedi her und die Sache ist gegessen. Darauf hatte unser Fahrer anscheinend keine Lust. Zum Glück kannte einer der anderen Freiwilligen einen Taxifahrer, der wiederum einen Polizisten kennt, der an der Küstenstraße stationiert ist. Dieser kam dann zu unserem Kontrollpunkt und hat raus gehandelt, dass der Fahrer gegen Kaution wieder frei kommt und sogar weiter fahren darf. Die Kaution war echt gesalzen, 150 Cedi, was fast dem Monatsgehalt der Sekretärin unserer Schule entspricht. Hätte er doch lieber mal die zwei Cedi an der ersten Kontrolle abgedrückt.

Immerhin ging es dann nach zweieinhalb Stunden weiter in Richtung Urlaub. Nach elf Stunden Fahrt sind wir dann schlussendlich in der Lodge angekommen. Und ich muss sagen, die elf Stunden Fahrt haben sich so was von gelohnt. Es war einfach traumhaft, genau so, wie man sich einen Karibikstrand vorstellt. Die Lodge bestand aus kleinen Holzhütten für insgesamt 30 Gäste. Der Strand war 50 Meter weit weg. Am Strand hingen unter Palmen Hängematten und wir konnten uns noch den Sonnenuntergang anschauen.

 

Der erste Abend

Am ersten Abend sind wir in der Lodge geblieben und haben am Strand gelegen und spiele gespielt. Am nächsten Morgen bin ich dann um sechs aufgestanden, um mir den Sonnenaufgang anzuschauen. Leider war ich schon zu spät dran und die Sonne war schon relativ hoch. Dafür bin ich dann gleich noch am Strand joggen gegangen, was ich ja eh liebe, aber dann noch an so einem Strand, das war echt unbeschreiblich.

Vormittags lagen wir dann am Strand, oder besser gesagt waren im Meer. Die Wellen waren echt der Wahnsinn. Dann ist Konrad auch noch mit einem Surfbrett angekommen, das er sich ausgeliehen hatte. Das weitere Tagesprogramm war nun also auch schon bestimmt. Auch wenn ich es zum ersten Mal versucht habe, und das längste Mal drauf stehen vielleicht drei Sekunden betrug, hat es so unglaublich viel Spaß gemacht. Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich noch einmal eine Sportart entdecke, die mir nach einmal probieren so viel Spaß macht. Es war einfach super mal wieder richtig Sport machen zu können. Kein Klettern, kein Mountainbiken und natürlich auch kein Snowboarden. Ich merk einfach, wie mir der Sport hier fehlt und dann noch das ewig ölige Essen. Nur Joggen gehen ist da auch keine wirkliche Alternative.

Eine Sache hat ausnahmslos jeder bekommen, einen Sonnenbrand. Trotz zweimal eincremen, was ich hier sonst gar nicht mache, hatte ich einen Ganzkörpersonnenbrand. Ich bin zwar die Sonne mittlerweile gewohnt wenn ich einfach nur draußen bin, aber am Strand und dann noch fast den ganzen Tag im Wasser, das ist dann wohl doch zu viel des Guten.

Abends sind wir in die nächste größere Stadt gefahren, da dort ein Festival statt gefunden hat. Noch dazu  war die Bühne direkt am Strand. Am Anfang war mir noch ein bisschen zu viel ghanaische Musik, sprich Hiplife und Highlife. Dann gegen Ende aber wurde auch mal mehr elektronisches Zeug gespielt, was fast schon an Drum and Bass oder Dubstep erinnert hat. Da hat es dann schon deutlich mehr Laune gemacht.

Trotz wenig Schlaf bin ich am nächsten Morgen so früh wie möglich aufgestanden, um noch Zeit zum Baden zu haben und nicht ewig aufs Frühstück warten zu müssen. Apropos Essen, das war in der Lodge echt ein Witz. Als wir am ersten Abend total ausgehungert dort angekommen sind, gab es für 12! Cedi eine Schüssel Suppe und ein Stück Quiche für jeden. Und so ging es dann auch noch weiter, es gab einfach immer so wenig zu essen, das hat schon an einen Diäturlaub gegrenzt. Vor allem an dem Samstag, nach Stunden im Wasser und Surfen war das eine Qual so wenig zu bekommen.

 

Trotz Radikaldiät war das Wochenende so wunderschön, wenn auch nicht wirklich erholsam, weil man einfach so wenig Schlaf bekommen hat und die Fahrten waren auch immer der Hammer. Da bin ich echt froh, dass wir über Weihnachten länger am Meer bleiben damit man sich auch mal entspannen kann. Es war auch einfach mal so angenehm, dem ständigen Lärm zu entkommen, dem man hier ständig ausgesetzt ist.

Diese Woche waren die Prüfungen für das erste Trimester. Die haben am Mittwoch begonnen, die Lehrer haben aber schon zu Beginn der Woche nicht mehr unterrichtet, sodass ich der einzige war, der noch voller Panik seine letzten Themen durchgeboxt hat. Die Prüfung schreib nämlich nicht ich, sondern die wird mir gestellt. Das bedeutet, dass wenn ich ein Thema aus Zeitmangel nicht durchnehmen konnte, die Schüler einfach blank da stehen. Sau doof. Vor allem weil man hier einfach so wahnsinnig langsam im Stoff voran kommt. Das liegt zum einen daran, dass die Schüler oft nichts verstehen, weil ich ja nur auf Englisch unterrichte, zum anderen aber auch daran, dass ständig der Unterricht ausfällt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einmal fällt der Unterricht aus, weil mal wieder ein Fußballtunier statt findet und das ja unbedingt Mittwoch vormittags sein muss. Ein andern Mal komm ich in die Schule, und die Lehrer sitzen im Lehrerzimmer und als ich sie dann frage, warum kein Unterricht ist, wird mir nur gesagt, dass die restlichen Lehrer auf einer Beerdigung sind und somit sie auch nicht unterrichten. Dann versuche ich natürlich trotzdem zu unterrichten, was aber einfach nicht möglich ist, weil die Hälfte der Klasse essen holen gegangen ist, 10 noch beim Fußball spielen sind und mit fünf Schülern brauch ich dann auch nicht anfangen.

Also hab ich als einziger am Dienstag noch meine letzte Stunde mit ach und krach gehalten, weil ungefähr nur zwei Schüler zugehört haben und der Rest es nicht eingesehen hat, unterricht zu haben, wenn die anderen Klassen frei haben. Dann gehe ich also zu den anderen Lehrern, beschwere mich über meine viel zu laute Klasse und was kommt als Antwort? „Die Schüler waren einfach nicht darauf eingestellt heute Unterricht zu haben“. Was soll das denn heißen? Wenn sie schon zur Schule gehen sollten sie sich gefälligst auch darauf einstellen, dass sie was lernen müssen. Noch dazu wenn am nächsten Tag genau über das Thema Prüfung geschrieben wird. Jetzt weis ich dafür endlich mal, wie nervtötend die Argumentationsketten von Schülern wirklich sein können.

Also habe ich mich am Mittwoch bei einer Klasse rein gesetzt, um Prüfungsaufsicht zu halten. Wiederum war ich der einzige Lehrer, der das wirklich durch gezogen hat. Ich hatte Aufsicht bei den Form 1, die Aufsicht von der Form 2 hat vor dem Klassenzimmer geschlafen und die von der dritten Klasse war gleich ganz im Lehrerzimmer und hat damit den anderen Lehrern abgehangen. Das hätte mich ja gar nicht so gestört, wenn sie nicht alle 15 Minuten in die Klassen gegangen wären und einen x-beliebigen Schüler geschlagen hätten, der wie der Rest natürlich am Reden war. Auch bei mir kam immer mal wieder die Mathelehrerin rein und hat gschaftelt. Daher hab ich beschlossen, Donnerstag und Freitag Prüfung einfach Prüfung sein zu lassen und einfach nur daheim zu korrigieren. Das war auch wieder so ein Punkt, wo ich mich aufregen musste. Wie kann es sein, dass eine staatliche Prüfung in der Angabe unzählige Fehler enthält und dann auch noch in den für die Lehrer gegebenen Lösungen. Daher musste ich alle Aufgaben noch einmal durchrechnen, was 40 an der Zahl waren. Davon waren echt fünf Mal die Lösungen falsch angegeben. Na ja andere Länder, andere Sitten. Die Lehrer hat das alles nicht so erschüttert, die sind das ja schon gewohnt und wissen damit umzugehen.

Bei solchen Aktionen merk ich erst, wie spießig und genau ich das eigentlich alles aus Deutschland gewohnt bin und auch schätze.

Unabhängig von den letzten Wochen wollte ich auch mal die Vorurteile der Ghanaer uns gegenüber ansprechen. Total oft wird man schon nach zwei Minuten darauf angesprochen, warum man eigentlich in Ghana ist, weil die Deutschen doch keine schwarzen mögen. Wenn man versucht sie dann vom Gegenteil zu überzeugen, hören sie nicht zu, oder sagen einfach ein Freund, der in Deutschland lebt hat das gesagt, also stimmt das schon.

Das andere große, weniger erschreckende, aber dafür um so erheiternde Vorurteil ist, dass wir Deutschen angeblich nur Bier trinken. Das hat für die Ghanaer unterschiedlichen Ursprung. Die Einen meinen, dass wir das Wasser, vor allem in Ghana, nicht vertragen und somit nur Bier trinken. Die Anderen glauben, dass wir in Deutschland durch den zweiten Weltkrieg einen Wassermangel haben und deshalb nur noch Bier trinken. Ich hab echt keine Ahnung, wie die auf so einen Schmarn gekommen sind, lustig ist es aber trotzdem immer wieder wenn sie einen darauf ansprechen.

So schön kann Ghana sein!


Ein Hallo nach Deutschland,

Letztes Wochenende waren wir am Meer und es war richtig schön! Ein Wochenende (bzw. ein Samstag) Urlaub pur. :)

Doch als wir Freitagabend ankamen hatten wir eine ziemlich lange und stressige Fahrt hinter uns. Freitagmorgen ging es um 6 Uhr morgens mit einem Tro-Tro (Kleinbus) los. Wir waren ca. 20 Leute, alles Freiwillige von verschiedenen Hilfsorganisationen. Die meisten waren aus Deutschland, aber auch die französische Schweiz, Finnland, Lettland und die USA waren vertreten. Das Tro-Tro haben wir über das Wochenende gemietet und so kamen noch zwei Ghanaer mit, die den Fahrerjob übernahmen. Unsere Fahrer hätten wir uns vor der Fahrt mal lieber genauer angeschaut, denn wir kamen in eine Polizeikontrolle und es stellte sich heraus, dass unser Fahrer kein Führerschein bei sich hatte. Dazu kam, dass er die Polizeikontrolle davor einfach übersehen hat bzw. nicht sehen wollte und weitergefahren ist. Er wurde dann schließlich rausgezogen und wurde von einem Polizisten regelrecht aus dem Auto gezerrt und erst mal zusammengeschlagen. Das war echt krass, ich saß im Auto und dachte ich bin im falschen Film. Wie ein Schwerverbrecher wurde er dann aufs Polizeirevier gebracht. Die Korruption ließ dann natürlich nicht lange auf sich warten und unser Fahrer musste freigekauft werden. Wir warteten dann schließlich zwei Stunden bis Freunde von ihm kamen und den Polizisten Geld zustecken. Wir haben auch versucht mit den Polizisten zu verhandeln aber da war nichts zu machen, sie wollten einfach nur Geld sehen. Aber da wir mit der Sache nichts zu tun hatten, waren auch die Polizisten der Meinung, dass der Fahrer da ohne unser Geld wieder rauskommen muss.Da dann auch noch viel Verkehr auf den Straßen war, waren wir erst um 17 Uhr am Ziel.

Aber als ich den Strand, die Palmen und das Wasser gesehen habe, war die ganze Fahrt schon wieder vergessen! Wir waren in einer Lodge, die ziemlich abgelegen war, weit und breit nichts, aber total schön gemacht, trotz ghanaischem Standard (Freiluftdusche und Toilette waren mal wieder angesagt). Die Lodge wurde von einer Französin mit ihrem Mann betrieben und so gab es auch kontinentales Essen, zur Abwechslung mal wieder ganz gut. ;) Es waren auch nur Weiße zu Gast, viele Ghanaer können sich das einfach nicht leisten und Urlaub am Meer ist hier auch nicht so beliebt wie bei uns. Die meisten Ghanaer können nicht mal schwimmen. Aber für uns war es ein kleines Paradies: Hängematten hingen an den Palmen, Surfbretter und Spiele für den Strand wurden zur Verfügung gestellt und eine Bar war vorhanden.

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang waren wir am Strand und haben die Landschaft genossen. Samstagabend gingen wir in die nächste größere Stadt zu einem Reggea-Festival, wobei Festival etwas übertrieben ist. Es war eine Bühne aufgebaut, auf der verschiedene Künstler den Tag über auftraten. Es wurde gefeiert, getanzt und das coolste war, dass es direkt am Strand war. Um 4 Uhr morgens waren wir schließlich wieder in unserer Lodge, ich bin dann aber schon um 8 Uhr wieder aufgestanden um noch ein bisschen das Meer genießen zu können, da wir am Vormittag schon wieder gefahren sind.

Fazit: Trotz der langen Fahrtzeit hat es sich gelohnt und es war echt schön!!

sieht man hier leider nicht, aber wir hatten sehr hohe Wellen!

sieht man hier leider nicht, aber wir hatten sehr hohe Wellen!

 

 
Sonnenaufgang 

Sabina und ich

Weihnachtsstimmung!

Weihnachtsstimmung!

Blick aufs Meer

Beim Arbeiten war es diese Woche dafür umso anstrengender, da Madame Mariama (die Lehrerin in meiner Klasse) krank war bzw. immer noch ist. Sie hat Malaria und kommt erst am Dienstag wieder. Somit war ich alleine in der Klasse und am ersten Tag war dann das Chaos schon vorprogrammiert und ich war mit der Situation ziemlich überfordert. Die anderen drei Lehrerinnen sind aber nicht mal auf die Idee gekommen mir zu helfen, sie waren weiterhin in ihren zwei Klassen bzw. eigentlich haben sie diese Woche fast gar nichts gemacht außer rumgesessen. Außer wenn ich sie dann um Hilfe gebeten habe sind sie gekommen, aber dann haben sie die Kids meistens auch nur verschlagen. Einmal war es so heftig, dass ich dazwischen gegangen bin und meinte, dass es jetzt genug sei. Aber dann hat sie den Jungen einfach mit vor die Türe genommen und weiter geschlagen. Naja, ein Versuch war es wert! Das ist echt nicht schön mit anzusehen… Aber im Laufe der Woche ging das Unterrichten dann immer besser und ich habe geschafft was ich mir vorgenommen habe, auch wenn es immer ziemliches Chaos war. Wir haben Weihnachtssterne angemalt, Zahlen und Buchstaben geschrieben und gespielt. ;)

So brav sind die Kids sonst nicht! Am Mittwoch hatte Philip noch Geburtstag, wir haben ein bisschen gefeiert und ihn kräftig mit Wasser übergeschüttet, wie es hier nun mal üblich ist! Wir sind schon richtig ghanaisch. ;)

Soweit das Neueste aus Ghana und viele Grüße,

Lea

06./07. 12. 2011


Heute ist Dienstag nach unserem Trip an die Küste. Aber bevor ich davon berichte werde ich erst einmal noch von den Fußballspielen in den letzten zwei Wochen schreiben. Vor zwei Wochen war das erste Turnier der Mädels aus unserer Schule gegen viele andere Schulen. Wir sind morgens um 9 Uhr mit einem gemieteten Kleinbus (Trotro) zum Prempeh College losgefahren, wo das Turnier stattfinden sollte. Max, der zu der Zeit immer noch bei uns gewohnt hat, Konrad und ich saßen auf dem Beifahrersitz und die ganze Man(-n)schaft und einige Fans saßen hinten drin. So sind wir also mit viel „Halleluja!“ von der Schule weggefahren. Auf der Fahrt sind die Mädels dann richtig abgegangen. Sie haben so laut gesungen und geklatscht, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstanden hat. Konrad hatte zwei Sätze Trikots dabei worüber sich die Mädels sich auch riesig gefreut haben. Die Trikots waren von „FSV Zwickau“, was dann zu sehr lustigen Bildern geführt hat. 11 schwarze Mädels in zu großen FSV-Zwickau-Trikots. Das Spiel an sich war dann eher Mittelmaß, deshalb haben sie dann auch verloren. Auf der Rückfahrt gab’s dann trotzdem wieder Geschrei. Das nächste Spiel war gegen eine andere öffentliche Schule in Kumasi. Hier haben dann aber auch noch die Jungs Mannschaften gegeneinander gespielt. Die Hinfahrt (mit Max, Konrad, Eva und mir auf dem Beifahrersitz) war länger als beim letzten Mal und deshalb noch ungemütlicher. Die Spiele waren ganz lustig, diesmal waren auch noch einige andere Lehrer dabei und wir saßen im Schatten und haben bei Softeis und das geilste Süß-zeug das ich jemals gegessen habe gegessen: Erdnüsse mit Karamell zusammengeklebt. Einfach nur genial. Aber so langsam habe ich kein Geld mehr für den Monat und da war diese Versuchung jetzt nicht gerade hilfreich. Allerdings habe ich mir gleich noch Kopfhörer und Boxen gekauft, was jetzt so langsam zu einer echten Finanzkrise führen würde, hätte ich nicht bei SICK gearbeitet. (Danke nochmal Schwesterlein!) Also zurück zu meiner Geschichte: Als wir vom Fußballplatz zur Schule zurückkamen, gab es erst einmal Rice Balls von der Schule spendiert. Als es dann an die Rückfahrt ging haben wir erst einmal in die Röhre geschaut. Es gab nämlich nicht genug Platz. Nach mehreren Stunden warten, bis es schon wieder dunkel wurde, kam dann der nächste Bus. Ein Mercedes Sprinter. Nun ja. Wir haben uns erst mal auf den Vordersitz gesetzt und hatten somit schon mal einen Platz. Den Schülern hat man einfach gesagt, dass es jetzt ein paar weitere Stunden dauern wird bis das nächste Trotro kommt. Da waren die Schüler so angespornt, dass wir unglaublich viele Schüler auf teilweise sehr unkonventionellen Plätzen im „Bus“ untergebracht haben. Nach einer wirklich sehr unbequemen Fahrt, die nicht dadurch verbessert wurde, dass die Kinder hinten drin geschrien haben, angekommen sind, haben wir die Schüler mal durchgezählt weil es uns dann doch interessiert hat wie viele Kids man in einen Mercedes Sprinter reinbekommt. Insgesamt (mit uns und dem Fahrer) waren es dann 57 Personen! Ich glaube nicht, dass das Auto dafür zugelassen war… Nun weiß ich zufällig, dass in einen gemeinen Reisebus knapp 30 Leute reinpassen. Ich glaube ich habe eine neue Geschäftsidee…?! Das letzte Spiel war dann am von ein paar Schweden(-innen) organisiert. Am Vormittag sind einige Leute von Los-zu-Ghana zu unserer Schule gekommen weil das Mädchen die das ganze Turnier organisiert hatte die Mädchenmannschaft als Projekt von der Organisation trainiert. Wir saßen dann also den ganzen Tag in der Sonne und haben uns einige Spiel angeschaut. Es war ganz lustig und am Ende wurden die besten Spieler mit Fußballschuhen, und alle anderen mit Medaillen geehrt.

Jetzt fällt mir im Moment erst mal nichts Neues aus dem Alltag ein. Also weiter zu meinem Geburtstag am Freitag letzte Woche. Nico und ein paar Leute von Los-zu, wie wir die Organisation nur noch nennen (und ich ab jetzt auch), wollten am Donnerstagabend unbedingt noch mit mir in meinen Geburtstag reinfeiern. Da wir aber am Freitag um 4:30 aufstehen mussten, denn wir mussten um 5:30 Uhr unseren gemieteten Bus erwischen. Eva war leider krank und konnte nicht mitkommen. Severin, ein Freiwilliger der jetzt schon länger in Ghana ist, hat uns einen „Obroni-Bus“ organisiert (Obroni = Weißer/Fremder) der aus Tanoso direkt zu unserer Lodge am Strand fahren sollte. Deshalb sollten wir eigentlich auch nur 6 Stunden brauchen. Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass ich das Wort „eigentlich“ benutze… Denn nach etwa 6 Stunden Fahrt saßen wir noch nicht einmal annähernd im Paradies von dem wir so geträumt hatten. Wir standen viel eher. Und zwar in einem Kaff bei irgendeiner Polizeistation wo unser Fahrer in einer kleinen Zelle saß und dumm rausgeschaut hat. Er hatte nämlich keinen Führerschein und war zu schnell gewesen. Bei der Bestechlichkeit der Polizisten wäre das ja auch alles kein Problem gewesen, hätte er bei den Polizisten die ihn aus dem Verkehr ziehen wollten auch wirklich angehalten und hätte die paar Cedi gezahlt. Das hat er aber leider nicht getan und so haben die Polizisten von besagter nächster Polizeistation ihn aus dem Verkehr gezogen und zwar, indem sie ihn brutal hinter dem Steuer vorgezogen haben und ihn erst mal ordentlich ins Gesicht geschlagen haben. Nach einigen Argumenten die der Fahrer vorgebracht hat, die die Polizisten alle als Lügen abgetan haben, wurde er wie gesagt eingesperrt und wir haben zwei Stunden damit verbracht im und um das Trotro zu warten und allen möglichen Kram von den Frauen an der Straße zu kaufen (wir haben schon vermutet, dass die alle unter einer Decke stecken…). Als wir dann endlich so gegen Abend an der Lodge ankamen dacht man wirklich man steht im Paradies. Ich meine, wenn es ein Paradies gibt, dann kann es nicht sehr viel anders sein. Überall Sand, Palmen schützen ein wenig vor dem Wind vom Meer der die Luft angenehm frisch macht aber niemals kalt: wir sind immer noch in Ghana! Der Strand besteht aus warmem feinen Sand, eingerahmt von ein paar Felsen. Die Wellen sind große schöne Brecher die zum Surfen einladen und einen die Macht des Meeres jedes Mal spüren lässt wenn man dagegen wirft. Unsere Schlafplätze wurden als Schlafsäle beschrieben. Es sah dann eher so aus, dass wir zwei Häuser für uns hatten. Wir waren insgesamt etwa 25 Leute und 15 haben in dem einen geschlafen, 10 in dem anderen. Das eine Haus hatte zwei Stockwerke und bestand hauptsächlich aus Lehm und Bambusrohren. Das zweite Haus, in dem auch ich geschlafen habe, bestand nur aus Bambus und statt Fenstern gab es nur Fliegengitter durch die der Wind geweht hat und immer für frische Luft gesorgt hat. Die Betten waren guter Standard und ich habe nach der Fahrt so gut geschlafen wie schon lange nicht mehr. Am Abend waren wir eigentlich nur noch am Strand, haben den Sonnenuntergang noch mit einem Bier begossen und haben noch etwas gegessen. Ich habe dann leider (immer noch an meinem Geburtstag wohl gemerkt) ziemlich starke Kopfschmerzen bekommen. Deshalb bin ich schon gegen 12 Uhr ins Bett und musste noch eine Schmerztablette nehmen. Am nächsten Morgen war ich dann schon um 6:30 wach und bin als allererstes schwimmen gegangen. Als Konrad dann aufgewacht ist, haben wir beschlossen für 10 Cedi (5€) ein Surfboard zu mieten. Vollkommen unerfahren also mit dme Surfboard ins Wasser und einfach den ganzen Tag Spaß gehabt und am Strand „gechillt“. Am Nachmittag sollte es dann zu dem „Reggae-Festival“ ins eine Stunde entfernte Busua gehen. Wir sind dann erst abends gegen 7 Uhr los. Unser Trotro hat uns abgeholt, da dann aber noch ein paar Holländer mitfahren wollten mussten 3 Leute auf dem Dach platznehmen was aber niemanden groß zu stören schien. In Busua mussten wir dann feststellen, dass das mit dem Reggae wohl etwas falsch verstanden worden war. Erst kam irgendein Hip-Hop Verschnitt und später dann die Musik die man auch in jeder Bar in Tanoso zu hören bekommt. Wir haben dann erst mal die Drinks in den Bars ausprobiert. Als die Nacht dann schon fortgeschritten war, wurde sehr tanzbarer Elektro gespielt. Das darf man sich so vorstellen. Ganz viele Weiße die aus den umliegenden Lodges gekommen waren und anfangs auch genauso viele Schwarze, zum Ende hin waren die Weißen dann aber in der Überzahl. Schon lange nicht mehr so viele Weiße auf einem Fleck gesehen. Alle am warmen Strand, laute Musik, Scheinwerfer und ganz viel gute Laune. Man hat also einfach die Schuhe ausgezogen und barfuß im warmen Sand direkt am Meer getanzt bis man Müde wurde, hat sich dann einen Stuhl geschnappt und sich ein bisschen weiter weg zu allen anderen gesetzt und sich bei Meeresrauschen unterhalten. Die Heimfahrt hat sich sehr gezogen weil alle sehr müde waren, einige auch sehr betrunken. Trotzdem saßen wieder viele auf dem Dach. Am nächsten Morgen bin ich dann erst um 9 Uhr aufgestanden weil wir erst um 4 Uhr im Bett waren. Dann noch eine Runde joggen am Strand und dann eine Runde alleine schwimmen, manche hatten es noch nicht einmal um 9 Uhr geschafft aus dem Bett zu kommen… Zum Frühstück gab es French Toast, leider nur zwei Scheiben. Wir wollten eigentlich um 10 Uhr losfahren, nur waren noch nicht einmal alle aufgestanden. Also haben wir es erst um 11 Uhr geschafft. Im nächsten Ort habe ich mir dann erst mal drei Portionen Fried Rice gekauft weil ich von den kleinen Portionen in der Lodge echt ausgehungert war. Kurz vor Kumasi, schon wieder nach sieben Stunden Fahrt, ist dann auch noch unser Bus kaputt gegangen und die Leute haben erst mal eine halbe Stunde daran rumgeschraubt. Um 8 Uhr waren wir dann etwa zuhause und sind ziemlich müde ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen bin ich dann etwas zu spät in die Schule gekommen, Am Dienstag hatte ich meine erste Stunde um 9:10 Uhr, blöd wenn man da erst um 9 Uhr aufwacht… Also bin ich einfach zuhause geblieben und habe gesagt ich sei krank. Funktioniert hier sehr gut, da Konrad so oft wirklich krank ist, kann man das auch ab und an als brauchbare Ausrede verwenden. Am Nachmittag habe ich dann noch Dennis getroffen weil wir ein Geschenk für Phillip kaufen wollten (einen MP3- Player) und ich kannte ja nach dem Kauf meines Handys, meiner Kopfhörer und der Boxen den Verkäufer so langsam so gut, dass er mir einen guten Preis macht. Beim Laden angekommen haben wir uns die MP3-Player angeschaut, ausprobieren konnten wir sie noch nicht, der Typ der den Laden sonst immer schmeißt musste erst noch Stromeinheiten kaufen. Wir haben die Frauen im Laden nach dem Preis gefragt: Die Antwort kam nach einem kurzen Austausch zwischen den beiden Frauen. Als der Typ zurück kam mit dem ich sonst immer zu tun gehabt hatte sind wir mit ihm einfach in den benachbarten Laden gegangen und haben den MP3-Player einfach da kurz an den Strom gesteckt. Als wir den Verkäufer dann noch mal nach dem Prei gefragt haben war der sofort 10 Cedi unter dem was die beiden Frauen verlangt haben. Den Preis kann ich hier ja jetzt schlecht verraten, war ja ein Geschenk. Falls Phillip das hier liest! 😉

Heute, Mittwoch, war dann also Phillips Geburtstag und wir sind nach der Schule direkt nach Denkyemouso gegangen. Schule hat sich heute darauf beschränkt im Lehrerzimmer zu sitzen. Jetzt werden einige sagen, was mache ich denn sonst den ganzen Tag? Wohl war. Aber heute, morgen und Freitag sind nur Exams und deshalb haben wir erstmal frei. Am Montag geht dann das Korrigieren los. Oje. Also In Denkyemouso haben wir dann ein bisschen Phillip gefeiert und beglückwünscht zu seinem 20. Geburtstag. Alter Sack. Ups. Ich bin auch schon 20! Scheiße. Nun ja. Noch kurz eine lustige ghanaische Geburtstagstradition: Der Glückliche wird den ganzen Tag mit Eimern voll Wasser begossen. Ich hatte an meinem Geburtstag nur einmal das Vergnügen, Phillip durfte es gleich viele Male genießen.

Jetzt sitze ich hier schon wieder seit Stunden und schreibe, mein Akku ist leer und der Strom ist aus, also werde ich jetzt wohl mal aufhören.

Bis demnächst, Jakob.

Ein etwas anderes Wochenende


Letzten Freitag machten wir uns sehr früh auf, um nach Busua an die Küste zu fahren, das Meer zu genießen und an einem Reggaefestival teilzunehmen. Wann hat man schon mal die Chance in Afrika ein Reggaekonzert zu bekommen? Außerdem mussten wir unbedingt mal wieder raus aus dem Alltag und etwas erleben…

So oder ähnlich hätte mein Blog wohl angefangen, wenn ich nicht am Donnerstag plötzlich von starken Glieder- und Kopfschmerzen geplagt gewesen wäre. Eigentlich versprach der Tag gut zu werden, wir hatten ein großangelegtes Fußballturnier an unserer Schule, zu dem viele weitere Deutsche, Finnen und Schweden kamen. Sie hatten den Schülern Trikots und Fußballschuhe zur Verfügung gestellt. Also saßen wir während des Spiels neben dem Platz, waren umgeben von begeisterten Schülern und einer euphorischen Stimmung. Ich konnte das leider erst genießen, nachdem ich meine erste Schmerztablette genommen hatte. Dann ging es mir aber den ganzen Tag gut und ich machte mir keine Sorgen mehr, freute mich einfach nur noch auf das Wochenende und packte am Abend noch meinen Rucksack. Dann wurde ich leider ernüchtert, die Schmerztablette hatte nachgelassen, ich hatte starke Kopfschmerzen und meine Temperatur stieg im Laufe das Abends auf 39 Grad. Irgendwann musste ich mir dann leider auch eingestehen, dass ich es nicht schaffen würde fit am nächsten Morgen um vier Uhr aufzustehen und eine sechs Stunden Trotrofahrt auf mich zu nehmen. Also sagte ich schweren Herzens ab. Am nächsten Tag ging ich dann ins Krankenhaus. Das Labor hatte zu dem Zeitpunkt leider schon geschlossen, also konnte ich mir nur den Rat des Arztes einholen. Der Vermutete stark, dass es sich hierbei um Malaria handelt und gab mir Medikamente mit. Als ich am nächsten Tag im Labor alle meine Proben untersuchen lassen habe, stellte sich aber heraus, dass es kein Malaria ist. Mich hat das ehrlich gesagt nicht erleichtert, sondern eher erschreckt, weil ich davon ausgegangen  war, dass es Malaria ist, und ich nicht wissen wollte, was mich sonst so herrichtet. Nach einem weiteren Gespräch mit dem Arzt wurde ich endlich aufgeklärt. Ich hatte eine Harnwegsinfektion und musste um diese schneller zu behandeln bis zum Abend im Krankenhaus bleiben und am Tropfen hängen. Da ich ja sowieso nichts besseres zu tun hatte willigte ich also ein und lies mich in eines der Krankenzimmer bringen. Nach meinem Erlebnis auf Korfu dachte ich eigentlich meine Krankenhauserfahrungen können nur noch besser werden. Falsch gedacht!

In dem Zimmer, in das ich kam, standen drei Betten und zwei Nachttische. Nichts sonst, was an ein KH erinnern könnte. Weder eine Steckerleiste, noch Geräte. Der Boden übersät von Ameisen, die Wände dreckig und ein Ventilator an der Decke, der zwar ging aber nicht richtig befestigt war, sodass er bei jedem Dreher quietschte und klickte. Die Temperatur in diesem Raum war viel zu hoch, um darin auf einem Bett liegen zu können, ohne ständig zu schwitzen und die Frau, die mit ihrem kleinen Sohn noch darin lag hatte gerade Banku gegessen, was meiner Meinung nach nach Erbrochenem riecht. Aber wen juckt das, wenn man sich so schlecht fühlt, dass man alles tut, was von einem verlangt wird. Also lag ich bis um 22 Uhr in dem Zimmer an einer 500 ml Infusion, schlief, schwitze und wartete. Die Schwestern fanden es anscheinend nur lustig einen Weißen im KH liegen zu haben und haben mich ständig nur Twi reden hören wollen oder mit mir einfach nur Twi geredet. Das fand ich ein bisschen unprofessionell, da sie einfach gar nicht mehr erst herübergekommen sind, eher so, als wäre das alles eine Spaßveranstaltung und ich sei gar nicht krank. Da es mir am Abend wieder gut ging und mir versprochen wurde ich dürfe nach Hause, freute ich mich sehr, als die Schwester meine Infusion abnahm. Umso mehr erschrak ich, als sie eine neue 500 ml Infusion an meinen Schlauch hängte. Ich fragte dann etwas irritiert, ob es nicht hieße, dass ich an dem Abend noch nach Hause dürfte. Sie meinte dann, dass die Infusion ja auch nur eine Stunde dauern würde, danach dürfte ich heim. Die andere habe nur sieben Stunden gedauert, weil die Schwestern den Tropfen zu langsam eingestellt hatten….

Als die Infusion dann eine Stunde später wirklich durchgelaufen war, kam eine Schwester und meinte, dass der „Night Doctor“ leider nicht mehr kommen könne, weil es jetzt zu spät sei. Morgen früh würde ein Doktor kommen und mich entlassen. Ich solle doch jetzt einfach schlafen. So verließ sie das Zimmer mit den Worten „Eva, sleep!“ Die Nacht war leider gar nicht schön. Mein „Bettlaken“ und mein Kopfkissen waren inzwischen nass, der Ventilator quietschte, das Licht war die ganze Nacht  an und es war heiß. In der früh fragte ich sofort nach dem Arzt, der mich entlassen könne. „He’s coming soon!“…. Zwei Stunden später, um neun Uhr fragte ich nochmal. „He’s coming soon!“ Langsam wurde ich hungrig. Leider gibt es hier kein Essen im KH (wenn man sogar für den Urinbecher zahlen muss…), also wartete ich auf meine Gastfamilie, die, wie ich hoffte, sich um mich sorgt. Zwei Stunden später waren weder Gastfamilie mit Essen noch der  Doktor in Sicht. Mein Handyakku war leer, also konnte ich niemanden anrufen. Ich glaube ich habe mich noch nie so alleine gefühlt. Also die Schwestern ein weiteres mal hereinkamen und herausfanden, dass ich noch nichts zu Essen bekommen habe reifen sie entsetzt meine Gastmama an. Die schickte sofort meine Gastschwester und ihren Cousin los um mir eine Scheibe Brot zu bringen. Ich war glaube ich auch noch nie so enttäuscht von meiner Gastmama, dass sie so wenig Sorge zeigte. Der Doktor kam zu dem Zeitpunkt immer noch „soon“.

Fünf Stunden und etliche „He’s coming soon“s später wurde es mir zu bunt und ich habe eine Krankenschwester ein wenig unfreundlicher aufgefordert endlich den Arzt zu holen. Soviel zu dem Thema, „du kommst morgen früh raus“. Der Arzt kam dann auch endlich und war ein bisschen überrascht, mich noch hier zu sehen, da er dachte, der Nachtdoktor hätte mich gestern schon entlassen… 24 Stunden Krankenhaus und etliche Cedis später kam ich dann endlich wieder nach Hause.

Die letzten Tage habe ich noch viel zuhause verbracht. Ich hatte nach dem Krankenhaus eine Tablettendosis von 14 Tabletten am Tag und das lag mir ziemlich schwer im Magen. Außerdem war ich einfach sehr geschwächt und ständig müde. Aber es wird besser und wenn das hier im Internet steht, dann ist auch sicher, dass ich es bis zum Internetcafé geschafft habe. Macht euch keine Sorgen, ich bin auf dem Weg der Besserung und nachdem was alles passiert ist letztes Wochenende kann es nur noch besser werden!

Damit liebe Adventsgrüße und ganz viel Sonne!

Ausflug nach Obuasi


Am Samstag habe ich etwas getan, was ich normalerweise niemals getan hätte. Nachdem wir nicht wieder das Wochenende nur in Kumasi rumhängen wollten haben wir beschlossen die Goldgräberstadt Obuasi, wo wir Anfang November auch schon zu einer Hochzeit waren, zu besuchen und uns die Goldmine anzuschauen. Also sind wir (wir = Sabine, Lea, Dennis, Philipp und ich) „early, early in the morning“, um fünf Uhr aufgebrochen. Wie immer war die Busfahrt kein großer Spaß, da ich nur 2/3 meines Platzes beanspruchen konnte, von der anderen Seite einen beachtlich großen Hintern in mein Gesicht gedrückt bekommen habe und eine Handtasche auf meinem Schoß abgestellt wurde. Naja, man gewöhnt sich an alles und wenn man so müde ist, wie ich es war kann man auch in der Situation gut schlafen. Wenn da nicht die Nachbarin gewesen wäre, die mich jedes mal geweckt hat, als mein Kopf beim Einnicken auf ihr Schulter gefallen ist. In Obuasi angekommen wurden wir von Harriats Exmann Charles (mit einem echt schicken Landrover) abgeholt, der im Communication Center der AngloGold Ashanti arbeitet. Er hatte uns den ganzen Tag organisiert. Wir wurden in das Office gefahren, wo wir einen Overall, Helme mit Lampen, einem Gürtel mit einer Oxygenflasche und Stiefel bekamen. Dann ging es mit dem Landrover raus aus Obuasi in Richtung Goldmine. Im Landrover sitzend fühlten wir uns alle ein bisschen wie in dem Film „Blood Diamond“ – die Vegetation, die Situation und die Menschen um uns herum waren authentisch, bis auf dass es natürlich keine Sklavenarbeit ist! Dennoch malten wir uns schon im Auto die skurrilsten Spielfilm Situationen aus um die Angst zu überspielen, die uns doch allmählich überfiel. Noch hatte man uns nicht erklärt wofür die Oxygenflasche für den Notfall funktioniert und langsam wurden wir uns erst der Situation bewusst. Wir würden gleich Untertage gehen. Und so wohl war uns bei dem Gedanken allen nicht.

Nachdem wir noch einige Meter bis zur Mine laufen mussten und dann dort noch 15 Minuten auf den Chief warten mussten waren wir schon komplett durchgeschwitzt. Der Overall über der langen Hose, der mindestens 5 Kilo Gürtel, der Helm und die schweren Stiefel waren einfach nicht passend für die hier herrschenden Temperaturen. Und dann standen wir vor dem Aufzug nach unten. Spätestens da hat mich die Panik ein bisschen eingeholt. In einen Aufzug zu steigen, der über ein Kilometer nach unten geht passte meiner Höhenangst und meiner Platzangst nicht so sehr. Aber was tut man nicht alles, ich habe meinen Schatten hier schon des öfteren selber überwunden. Also stiegen wir zusammen in den Aufzug, der beim Einsteigen schon gefährlich wackelte und ab ging die rasante Fahrt 850 Meter in die Tiefe.

Im Gegensatz zu den Minen in Deutschland darf man in Ghana Minen besuchen, die noch in Betrieb sind. Also wurden wir schon beim Aussteigen von vielen Bergarbeitern freudig begrüßt. Diese sind 12 Stunden am Tag unter der Erde und bekommen, denke ich, selten etwas anderes zu sehen. In der Mine wurden wir zu Lagerstätten, Büroräumen, Werkstätten, Zuggleisen, über große Straßen, Berg hoch und Berg ab und zu großen Maschinen geführt. Die Mine ist eine eigene Welt, größer, als man sich vorstellen kann, und dabei waren wir nur auf einer Ebene von 52 Ebenen. Für mich ist es unvorstellbar, wie groß diese Mine ist, wo ich schon zu spüren bekommen habe, wie groß Ebene 26 war. Aber nein, in einer Goldmine sieht man kein Gold. Hier wird nur das Golderz abgebaut. Man sieht gelegentlich Steine, die glitzern, die sehen aber auch nicht anders aus, wie Kieselsteine, die so glitzern. Und nein, in der Mine war es nicht, wie erwartet, kalt. Es war so warm wie Oberirdisch. Leider. Denn nachdem wir doch sehr viel laufen mussten ,mit unserer schweren Bekleidung, waren wir nun endgültig nass. Deshalb waren wir doch alle ziemlich froh, als wir wieder hochfahren konnten.

Der Besuch in der Mine war ziemlich interessant und es war vor allem sehr interessant Bergarbeiter arbeiten zu sehen. Nachdem uns aber ein Job dort angeboten wurde lehnten wir doch lieber dankend ab. Um den Tag noch schön ausklingen zu lassen wurden wir von Charles in einen Golfclub, der in einem wunderschönen Tal liegt, zum Essen eingeladen. Man merkt deutlich, dass Obuasi eine reiche Stadt ist, denn selten sieht man so viele Sportvereine wie hier. Neben dem Golfclub gab es auch noch einen Tennisplatz, ein Swimmingpool, Billiardtische, ein Gym und und und. Hier laufen auch dementsprechend viele Weiße herum. Etwas klischeehaft wirkt es leider schon. Es laufen nur weiße Männer herum, die ihre Golfausrüstung von den schwarzen tragen lassen, aussehen wie korrupte Geschäftsmänner oder wie Reiche, die sich einen Zweitwohnsitz in Ghana bauen lassen haben. Das Essen war jedoch unglaublich köstlich und wir genossen jede Sekunde unserer wenigen „Luxusstunden“.

Nachdem Charles uns dann am Busbahnhof in Obuasi absetzen wollte, er aber feststellte, dass die Schlange nach Kumasi zu lang ist, fuhr er uns selber mit seinem kleinen Auto nach Hause. Die Fahrt war noch weniger bequem, da wir zu 4 ½ (Sewaa gilt als halb) auf der Rückbank saßen und zu zweit auf dem Beifahrersitz. Leider wurden wir dann von der Polizei kontrolliert, die feststellte, dass das Auto „overloaded“ war. Leider ist uns zu spät eingefallen, dass wir, so wie die anderen überladenen Autos, hätten tricksen müssen, das heißt, zwei Leute vor der Polizekontrolle aussteigen, daran vorbeilaufen und danach wieder einsteigen. Charles konnte das trotzdem irgendwie klären. Ihm wurde zwar der Führerschein abgenommen, das hinderte ihn aber nicht daran weiterzufahren. Später gab er zu dem Polizisten nur eine Kopie gegeben zu haben…. So läuft das eben hier ;-)

Etwas erfreuliches habe ich noch zu  verkünden: Am Freitag war eine Lehrerversammlung und die Headmistress hat aufgefordert weniger zu schlagen, und es versuchen möglichst gar nicht zu machen. Wir drei sind nun ein bisschen Stolz durchgehalten zu haben und schon heute (Montag) habe ich bemerkt, dass deutlich weniger geschlagen wurde. Und ich musste mich auch keiner Diskussion stellen. Darüber bin ich unendlich froh und bin auch stolz auf meine Ma, die Headmistress!