Tagesarchiv: Januar 9, 2012

I had the time of my life :) – Weihnachtsferien


Zuerst einmal nachträglich meiner ganzen Familie, meinen Freunden, Bekannten und allen, die meinen Blog verfolgen ein gesundes neues Jahr, Glück, Erfolg und Spaß, bei allem was ihr tut!

Ich muss nun darauf hinweisen, dass dieser Blogeintrag wohl ziemlich lang wird, da ich in den letzten zwei Wochen eine unglaublich schöne und ereignisreiche Zeit hatte. Also, los geht’s:

Wie schon erwähnt waren die letzten Wochen vor den Ferien nicht allzu entspannt und leicht für mich und so bin ich mit großer Freude am 23.12. um fünf Uhr aufgestanden, um in Richtung Süden zu fahren. Mit uns fünf (Sabine und Jakob bewegten sich ohne uns gen Accra um Familienangehörige abzuholen) fuhren noch acht andere Freiwillige an die Küste, sodass wir uns ein ganzes Trotro mieteten. Unser Ziel war die Green Turtle Lodge, eine kleine Anlage fast direkt am südlichsten Punkt Ghanas (Cape Three Points), völlig abgeschieden, umgeben von Wildnis, Palmen und einem paradiesischem Strand. Etwas überrümpelt habe ich mich bei der Ankunft gefühlt. Ich konnte meine Augen einfach nicht mehr von dem paradiesischem Bild lassen: Eine Bar, Holztische, kleine Lehmhüttchen im Palmenwald direkt am Strand und keine 30 Meter von unserem Schlafraum bis zum Meer, sonst nichts. Einfach mal Nichts. Kein Lärm, kein Gestank, keine Aufmerksamkeit. Ich wollte alles auf einmal und doch keine Hektik. Die Atmosphäre war sehr familiär. Die Bedienung kannte uns binnen kurzer Zeit (man lies sich Essen und Trinken an der Bar immer alles Aufschreiben, von daher nicht allzu schwierig), wir kannten auch die Bedienung schnell, hatten lustige Gespräche und Abende mit ihnen verbracht. Es waren viele Deutsche in der Lodge, aber auch Engländer, Amerikaner, Holländer und Franzosen waren gekommen um Weihnachten hier zu feiern. Weit, weit weg von allem Trubel. Ich dachte zuerst, dass ich Weihnachten ohne meine Familie schwer feiern könnte und ich Heimweh bekommen würde. Aber als dann Lea am 24. in der früh mit ihrer mitgebrachten Blockflöte anfing Weihnachtslieder zu trällern verging mir schnell die Lust auf dieses deutsche Weihnachten. Es ist einfach nicht das selbe und am Strand bei 30 Grad an Weihnachten zu denken. So verbrachten wir den heiligen Abend mit einem exzellentem Essen, am Strand sitzen, Konrad beim Saxophon spielen zuhören und reden. Und es war gut so, es war anders aber unglaublich schön!!! Die Tage darauf verbrachten wir einfach nur lesend,Volleyball spielend, im Wasser planschend (die Jungs sind gesurft, für uns Mädels waren die Wellen zu hoch, um tiefer als zur Hüfte ins Meer zu gehen. Wir wurden anfangs zu oft überspült und herumgewirbelt), schlafend und redend (Ich bin begeistert, wie frei und offen ich mich inzwischen auf Englisch unterhalten kann), Sandburgen bauend und nachdenkend. Für Matthias und Maria, „unsere“ Besucher aus Deutschland, war es anfangs sichtlich schwer nachzuvollziehen, wie wir sieben Tage einfach nur nichts machen konnten. Doch später, als wir wieder in das richtige ghanaische Leben einstiegen verstanden sie unser Bedürfnis.

In der Green Turtle Lodge bekamen wir morgens, mittags und abends sehr gutes europäisches oder ghanaisches Essen aufgetischt, je nachdem, was wir bestellten. So hatten wir an einem Abend Pizza, am anderen Schwertfisch mit Reis, dann mal Nudeln mit Knoblauchsoße und dann wieder Reis mit Mango-Gurken Stew. Und jedes mal beschlossen wir am nächsten Tag mit dem sparen anzufangen. Hat nie so geklappt wie wir wollten. Zu allem Überfluss gab es abends Cocktails, die man frisch gepresster gar nicht mehr bekommen konnte. Wenn wir Lust gehabt hätten, hätten wir uns sogar eine Kokosnuss von einem der vielen Palmen nehmen können, sie öffnen können (was im Übrigen unser Nachmittagssnack jeden Tag war. Danke dafür nochmal an Konrad, dessen Hobby es geworden war Kokosnüsse zu jagen und zu öffnen) und daraus einen Pina Colada trinken können… :-) Ja, in der Lodge lies es sich leben! Das alles entschädigte die (sauberen) Plumsklos, den fehlenden Strom in den Schlafräumen (Öko-Lodge) und die Sandflöhe (Füße waren am Schluss blutig gekratzt…). Es lies sich trotzdem super dort leben!

Gelegentlich machten wir uns dann doch mal auf um etwas zu sehen. So schauten wir uns das kleine Fischerdorf in der Nähe an, das eine fantastische Lage zwischen zwei Buchten hat, oder machten einen Turtle Walk. Leider suchten wir zwei mal vergebens nachts kilometerweit den Strand nach Schildkröten ab. Dafür hatten wir aber doch zwei sehr ruhige und schöne Strandspaziergänge, über uns Sterne, die ich selten so schön gesehen habe, und unter unseren Füßen Algen, die man nicht bei Tageslicht sieht, aber wenn man im Dunklen auf sie tritt glitzert der Sand. Wunderschön!

Leider gingen die sieben Tage meiner Meinung nach viel zu schnell vorbei. Ich habe mich selten so ausgeruht und ruhig in Ghana gefühlt. Also mussten wir uns schweren Herzens am 30. Dezember von der kleinen Lodge im Süden verabschieden und ein Trotro gen Cape Coast nehmen, wo wir in einem Beach Resort für vier Nächte Zelte gebucht hatten. Das besagte Oasis Beach Resort nahe des Zentrums von Cape Coast wurde von einem deutsch-türken aus Stuttgart aufgebaut und bis heute geführt. Kein Wunder, dass uns bei der Ankunft massenweise Deutsche empfingen. Das Oasis liegt am Strand mitten in Cape Coast. Es ist laut, es riecht wieder nach Ghana, es sind viele Menschen unterwegs und die entspannte Atmosphäre ist zerstört. Wir wurden zu den Zelten geführt, die von der Anzahl nicht ausreichend waren und so mussten wir unser Gepäck woanders hinsperren um Platz zu sparen. In der Nacht war es laut, es war hell und es war eng im Zelt. Ich war völlig überfordert, vom Kopf her noch nicht aus der ruhigen Lodge draußen. Das änderte sich aber schnell am nächsten Tag, da alle in Silvesterstimmung waren. Und schon war auch ich wieder drinnen im Trubel. Geschwommen bin ich leider nie, da es an dem Strand, im Gegensatz zu dem bei der Lodge, voll war mit Einheimischen, die die Weißen Touristen ein bisschen nerven wollten. Das war mir dann doch zu viel und so bevorzugte ich es angezogen zu bleiben.

Die Silvesterfeier im Oasis war super! Neben DJ, guten Verstärkern und einer Tanzfläche stimmte einfach die Stimmung. Es waren Weiße als auch Schwarze am feiern und es hat einfach alles gepasst. Nachdem wir schon einmal um 11 Uhr für die Deutschen anstießen wurde um 12 dann nochmal für alle angestoßen („Afehija paa!“). Ali, der Besitzer des Oasis, hatte ein großes Feuerwerk und zwei rießen Lagerfeuer am Strand organisiert und als das vorbei war ging die Party weiter. Neben dem ghanaischen Pop wurden endlich auch mal wieder Lieder gespielt, zu denen man gut tanzen konnte. Wir waren alle im siebten Himmel :-) ! Um halb acht verließ dann der letzte die Tanzfläche.

Eigentlich wollten Lea und ich um acht Uhr ein Neujahrsschwimmen machen, was aber leider ins Wasser fiel, weil die Wellen mal wieder zu hoch waren. Dafür hatten wir gleich ein sehr interessantes Gespräch mit einem Ghanaer. Mein erstes Gespräch im neuen Jahr war also mit einem Rastamann mit Joint in der Hand, der behauptete, dass er auf unsere Sachen aufpasst, wenn wir ins Wasser gehen. Außerdem bekam ich für das neue Jahr von ihm ein paar Weisheiten mit auf den Weg: die Sonne in Afrika ist nicht schädlich, da da nicht so viele Chemikalien wie in Europa drinnen sind UND Marihuana ist gut für die Gesundheit, vor allem wenn man jeden Tag einen Joint raucht. Man steigert damit sein Wissen. Somit starte ich gleich mit einem neuen Wissen ins neue Jahr. Sonst passierte an dem 1.1. nicht sonderlich viel, da alle es bevorzugten liegen zu bleiben. Am Tag darauf wurde ich dann mit Flitzepupu beschert (nur um das mal klarzustellen: Das ist durchaus das Gesprächsthema #1 hier. Jeden morgen kommt von jedem eine Analyse: „Und geht’s?“ – „Nein, es läuft“. Also ich rede hier jetzt nicht weniger offen…), was mich dazu zwang daheim zu bleiben, während die anderen den Kakum Nationalpark besuchten. Da werde ich aber sowieso in zwei Wochen nochmal hingehen, deswegen ist das nicht ein allzu großer Verlust. Am Abend gab es dann nochmal eine kleinere, schon fast Privatparty im Oasis die wir in vollen Zügen genossen. Und dann mussten wir auch am 3.1. das Oasis wieder verlassen. Eine etwas kleinere Gruppe von uns machte sich letztendlich noch auf den letzten Teil unserer Reise, in die Volta Region.

Unser erstes Ziel war Akosombo, ein kleines Dörfchen noch auf der linken Seite des Volta, kurz vor dem Staudamm. Dort bekamen wir eher zufällig ein Zimmer in einem teurem Wellnesshotel. In unserem Reiseführer war bei den Preisen versehentlich eine Null zu wenig gestanden, also fragten wir nach. Letztendlich bekamen wir zu acht ein Doppelbettzimmer, dafür aber auch einen Pool und eine herrliche Aussicht über den Volta. Fast schon zu kitschig, zu romantisch und zu absurd. Es ist unglaublich schade, dass die Ghanaer selber so wenig von ihrem Land zu sehen bekommen und so wenig davon profitieren. In der Hotelanlage waren wieder nur Weiße und vereinzelt Schwarze, die aber alle aus anderen Ländern stammten. Leider hat man häufig das Gefühl, dass man hier den Blick für die schöne Natur verloren hat und nur noch stolz auf die neuen Entwicklungen ist… Dieses Hotel gab uns zu denken…

Am Tag darauf fuhren wir zu unserem letzten Ziel: Hohoe. Die Trotrofahrten in der Voltaregion waren für mich die schlimmsten, da durch die doch halbwegs gut geteerten Straßen die Fahrer dachten sie könnten rasen was das Zeug hält. Frei nach dem Motto: Kommt n Schlagloch, flieg ich drüber! Überholmanöver mit 140 km/h kurz vor Kurven eingeschlossen. Aiaiaiai…. Leider machten wir mit dem Trotrofahrer keine gute Erfahrung. Der wollte von uns allen 2 Cedi Gepäckgeld. Während der Fahrt fragten wir dann Ghanaer, ob sie auch zahlen müssten für ihr Gepäck. Die mussten das nicht, deshalb protestierten wir, woraufhin der Fahrer handgreiflich wurde und mit aller Gewalt versuchte unsere Sachen am Schluss wieder einzuladen, bis wir ihm das Geld gaben. Das ist ein sehr großer Nachteil für Touristen, dass man einfach zu oft verarscht und ausgetrickst wird, wenn man nicht aufpasst. Meiner Meinung nach ist das ein rassistischer Gedanke und bringt die Ghanaer absolut nicht weiter, was uns sehr traurig macht. Auch sie sollten anfangen die Weißen wie die Schwarzen zu behandeln…

In Hohoe nisteten wir uns in ein Hotel ein, das doch eher den Volunteerpreisen entsprach, trotzdem aber gut geführt war, für ghanaischen Standard. Leider holte mich tags darauf der Durchfall wieder ein und so fiel ich mal wieder einen Tag aus. Der Tag, für den die Wli Falls, die größten Wasserfälle Ghanas vorgesehen waren. Barbara, eine Freiwillige, die mit uns kam, blieb Malariabedingt mit mir im Hotel. Dafür gingen wir am nächsten Tag alle zusammen in das Tafi Atome Monkey Sanktuary, in dem wir durch einen Wald geführt wurden und kleine Äffchen füttern dürften. Sehr süß :-) Leider bekamen wir während der ganzen Volta Region Reise den Volta See niemals zu Gesicht. Es waren doch zu viele Sachen, die wir machen wollten und eindeutig zu wenig Zeit und letztendlich auch zu wenig Geld um noch länger zu bleiben. Deshalb hieß es für uns ende der letzten Woche: Ab nach Hause – esst wieder ghanaisch!! Nach einer zehn Stunden Trotrofahrt mit keiner Beinfreiheit (Ich musste mich sogar schräg setzen, damit ich zwischen die Reihe passte) trafen wir schlapp aber glücklich und überhäuft mit Erfahrungen und Eindrücken, wieder in Kumasi ein, ich aber auch ein Handtuch, ein Shampoo und mein Handy weniger…

Diese zwei Wochen waren für mich wunderschön und ich bin unendlich dankbar Ghana auch mal aus dieser doch eher touristischen Sicht gesehen zu haben. Ghana ist ein unglaublich schönes Land und hat viele schöne, sehenswerte Ecken. Das ist ein ganz großer Pluspunkt und ich werde sicher wieder zurückkommen um noch mehr davon zu sehen!  Ich danke an der Stelle auch der Gruppe, mit der ich unterwegs war. Mit euch hat es einfach super  viel Spaß gemacht und ich würde es jederzeit wiederholen!

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