Tagesarchiv: März 1, 2012

Die ersten Tage


So meine Lieben jetzt kommt von mir auch mal der erste Eintrag.

Heute ist unser fünfter Tag in Ghana und langsam gewöhnt man sich an die Lebensbedingungen hier und kommt auch mit Stromausfall über eine längere Zeit oder ohne Wasser zurecht. Wobei ich meine ersten verzweifelten sms schon am Sonntagabend verschickt habe, nachdem wir nach 10 Stunden endlich in Denchemouso angekommen sind (für ungefähr 300 Kilometer in einem zwar erwähnenswert komfortablen Bus jedoch mit sehr schlechten ghanaischen Filmen die natürlich auf voller Lautstärke liefen. Gemischt mit dem Hupen, was wohl das Lieblingshobby der Autofahrer ist, da wirklich jeder angehupt wird, Freunde, Falschfahrer, Andere Busfahrer, Weisse…, wenn man das alles zusammen zählt kommt man auf ungefähr 1 mal Hupen pro Minute, doch nach einiger Zeit konnte auch ich als sehr schreckhafter Mensch dies endlich ausblenden). Also sind wir Abends total müde nurnoch ins Bett und man schläft zwar mit Hundegebell ein, wacht ab 5 langsam durch die Hähne auf und spätestens wenn die Schüler über dir wach sind kann man nicht mehr schlafen, aber ich hab ein großes Bett und ein eigenes Bad, zwar ohne Licht aber mit meistens fließend Wasser und man kann es sich hier echt schon schön machen!

Am nächsten Tag wurden wir gleich sehr freundlich von allen Begrüßt, obwohl anscheinend noch keiner mit uns gerechnet hat. Auch die Kinder stellen sich total lieb vor oder winken einem vom Straßenrand zu oder wollen einen die ganze Zeit anfassen. Man merkt auch wirklich, dass sie das Unterrichten der Letzten Praktikanten sehr zu schätzen wissen da sie sehr enttäuscht waren, dass es dieses halbe Jahr eigentlich keinen Deutschunterricht an der Schule gibt, obwohl wir das jetzt noch unter uns aufgeteilt haben. Am Montag fängt dann endlich die Arbeit im Kindergarten an und ich freu mich schon sehr drauf, da wir jetzt schon sehr viel Freizeit haben und gar nicht wissen was wir den ganzen Tag machen sollen. Jakob hat uns netterweise die ersten Tage beim zurechtkommen geholfen aber ab heute müssen wir aber leider ohne ihn zurechtkommen.

Eine Geschichte die mir gestern aufm Markt passiert ist möchte ich noch kurz erzählen, ich hab sie zwar schon in einem anderen Bericht gelesen war jedoch wirklich schockiert und wusste nicht wie ich reagieren sollte als mich heute auf dem Markt eine Mutter angefleht hat, ihr Baby zu nehmen…

Sonst glaub ich müssen wirklich viele Ghanaer über uns lachen, vor allem als wir über den Fleischmarkt gelaufen sind, wo wirklich jedes einzelne Körperteil von Kopf bis Hufe und jegliche Innereien auf Holzbalken liegt, einem Gliedmaßen von den Balken ins Gesicht hängen und mir wirklich jeder angesehen hat, dass ich mich am liebsten in den nächsten Schweinekopf übergeben würde. Aber sie nehmen es mit Humor und die Gastfreundschaft ist hier überall zu spüren. Überhaupt fragt hier jeder wie es einem geht, wie man heißt und woher man kommt, meistens ist dann das Gespräch vorbei da man entweder weiter muss oder weil es einfach keinen weiteren Gesprächsstoff gibt aber viele Interessieren sich wirklich woher man kommt, setzen sich zu einem oder man kommt mit manchen im Trotro ins Gespräch, da einem wirklich als Kind erzählt wurde, dass in Deutschland nur Bier aus dem Wasserhahn kommt und er davon lange Zeit fest ausgegangen ist.

Eine weitere Sache an die man sich gewöhnen muss, ist das Warten. Hier ist es normal, sich um mindestens eine halbe Stunde zu verspäten oder über 2 Stunden in einem Bus zu sitzen weil man darauf wartet, dass er voll wird. Die Transportmittel hier sind eh ziemlich gewöhnungsbedürftig, in Deutschland wäre ich nie in so ein Auto eingestiegen. Man hat hier eher das Gefühl, dass alles gleich zusammenfällt wenn Fenster fehlen, sich die Türen nicht schliessen lassen oder man zusammengequetscht zwischen Zwei Ghanaern in einem stickigen Trotro sitzt.

Montagabend waren wir auch zum ersten Mal Fufu essen und ich hätte nie gedacht, dass das so lecker ist. Auch wenn die Konsistenz gewöhnungsbedürftig ist und Jakob uns erst mal zeigen musste wie man mit den Händen isst ohne dass man sich komplett die Finger verbrennt. Allgemein bin ich mit dem Essen hier sehr zufrieden vor allem mit dem Obst das sie hier überall schon geschnitten verkaufen.

Viel mehr weiß ich gerade gar nicht zu erzählen, außer dass es viel heißer ist als ich vermutet habe, die Armut schon deutlich zu spüren ist und man ihnen am liebsten viel Trinkgeld geben würde (keine Sorge Torsten machen wir nicht) wenn ein Essen hier höchstens einen Euro kostet oder mich kleine Kinder anbetteln.

Trotzdem freue ich mich schon sehr auf die nächsten Wochen und bin gespannt wie ich so zurechtkomme, vor allem Wäsche waschen ist interessant. Ich habe mich jetzt für die Einweichmethode entschieden, nach ner Zeit ist es sicher sauber weil mit der Hand waschen macht echt keinen Spass…

Ganz Liebe Grüße an alle, ihr fehlt mir wirklich sehr und sollte doch mal jemand Lust haben einen Brief zu schreiben dann Bitte an „P.O. Box 9004, Kumasi Main, Ashanti Region“ schicken, freu mich über jedes kleine Lebenszeichen :)