Monatsarchiv: Oktober 2012

I love Ghana


Nachdem der letzte Bericht insgesamt eher weniger positiv war, kann ich euch erfreulicherweise mitteilen, dass die letzten zwei Wochen echt toll waren!
Man gewöhnt sich an vieles und da wir jetzt die meiste Zeit wieder Wasser haben, ist das größte Problem so gut wie nicht vorhanden. Ausserdem muss man das Gute darin sehen: falls es in Deutschland irgendwann eventuell ganz vielleicht mal kein Wasser geben sollte oder nur wenig, ich kann mich jetzt inklusive Haare mit einem halben Wassereimer waschen =)
Sonst gibt es nicht viel Neues zu berichten. Der Alltag hat begonnen und im Hause Danquah- Hammer verläuft das Leben in ruhigen Bahnen: Morgens um halb 7 aufstehen, eine kleine Runde joggen gehen ( hätte ich daheim auch nie gemacht =D ) , dann schauen, dass man in die Dusche kommt, weil oft gegen halb 8 /8 das Wasser auf unbestimmte Zeit abgedreht wird. Danach gibt es ein kleines Frühstück und Jennifer geht in die Schule. Da ich immer erst später Unterricht habe, wasche oder putze ich als am Morgen und gehe dann gegen halb 10 ins Lehrerzimmer zum Frühstücken. Dort gibt es jeden Tag ein anderes, meist aus Brei bestehendes Frühstück, das sich dann jede Woche wiederholt. Meistens sitze ich dann noch mit ein paar Interns zusammen und unterhalte mich oder versuche Twi zu lernen.
Damit ihr einen Eindruck von meinen Arbeitszeiten hier bekommt:
Mo: 2.30-3.10 zweites Jahr, sieben Schüler
Di: 2.30-3.10 erstes Jahr, kein Schüler bisher also auch kein Unterricht
Mi: 11.20-12.40 drittes Jahr, acht Schüler sowie eigentl von 2.30-3.10 erstes Jahr
Do: 2.30-3.10 zweites Jahr
Freitag: FREI =)
also ihr seht vor Stress werde ich nicht umfallen … Eigentlich sollen wir uns noch um die Library kümmern aber da wir keine genaue Ansage bekommen haben, was unsere Aufgabe ist, machen wir bisher nichts. Ich habe aber schon mit George geredet und von ihm die Info bekommen, dass wir bald anfangen können, sobald mehr Stühle und Tische ( „everything will be nice“ ) da sind.

Gegen 12.30 gibt es dann Mittagessen im Lehrerzimmer. Auch dort verhält es sich wie beim Frühstück: fast jeden Tag etwas anderes aber jede Woche das gleiche! Insgesamt ist das Essen dort sehr Bohnenlastig aber es geht schon. Mir schmeckt besonders Watschi , Reis und Bohnen, beides ist aber rot, und dazu Tomatostu und Gari.
Den restlichen Tag gehen wir dann einkaufen oder treffen uns mit Anja oder machen auch mal nichts. Nichts tun können die Jenni und ich mittlerweile besonders gut und sieht ungefähr so aus.
Man nehme ein Handy oder Ipod und ihre kleine Boxen, legt sich auf den Boden (aufgrund der dort vorzufindenen Kälte) und döst vor sich hin. Hört sich nicht sonderlich spannend an, ich weis. Daheim habe ich das auch glaube ich noch nie gemacht aber hier hat man manchmal nichts anderes zu tun. Dazu kommt die Hitze und zur Zeit ist es oft auch sehr schwül.
Abends kochen wir Mädels dann oft zusammen. Wir sind wie eine kleine Wg und es klappt auch erstaunlich gut! Die eine schnippelt Gemüse, die andere kocht und die nächste spült am Ende ab. Leider steht die Kochplatte bei Jenni und mir im Zimmer und nach dem kochen ist es immer sehr heiß.
Gestern war unser zwei monatiges Ghana dasein, und das haben wir bei Cranutstue und Reis gefeiert. Einer meiner Schüler, Maxwell, hat der Carmen beim kochen assistiert. Er ist echt sehr nett und kommt uns besuchen wenn er gerade Zeit hat.
Überhaupt sind die meisten meiner Schüler total süß und lieb. Manchmal ist es leider auch sehr erschreckend an was sie glauben und wovon sie auch überzeugt sind. Zum Beispiel muss man die Tomaten entkernen, weil die Samen sonst im Bauch wachsen. Des weiteren darf man nach dem Essen nichts Süßes essen weil darin Öl war. Eine weitere Erklärung was daran das Problem sein soll gibt es aber nicht…
Letzen Sonntag kam im Übrigen Jennis Mama . Es war sehr ungewohnt jemanden von Deutschland hier zu sehen aber es war auch echt schön. Ausserdem hat sie unseren Gummibärchen Pombären und Pestosoßen Vorrat aufgestockt. Jetzt können wir einmal im Monat Gummibären und Chips essen =)
Die letzte Woche verging dann total schnell und am Freitag bin ich zu einem Fußballspiel meiner Schule mitgegangen. Wir haben gegen die Mac senior Highschool gespielt, die bei uns in der Nähe ist.
Es hat total Spaß gemacht dort zu sein. Ich habe viel mit den Schülern geredet, die Lehrer wollten Fotos mit der Obruni und am Ende haben wir auch noch gewonnen!!! Mit einer Trommel wurde das ganze musikalisch unterstützt und die Mädels haben dazu gesungen und getanzt. ich habe mich sehr wohl gefühlt und viel gelacht!
Am Abend bin ich dann in die Stadt gefahren, was schon ein Abenteuer für sich war. Ich habe mich da mit der Jenni und einem weiteren Freund getroffen. Eigentlich wollten wir Shisha rauchen aber dann gab es keine Kohle mehr. So ist das eben. Aber es war ein schöner Abend und es gab auch noch was Feines zu essen!
Samstag morgen haben es sich die Jenni und die Lisa dann richtig gut gehen lassen: Deutsche Pfannkuchen mit deutscher Marmelade und Mangosaft!! Dolce Vita pur!!! Später sind wir dann zu einem Pool und haben dort den Mittag verbracht!
Sonntag wurde dann mit ausgiebigen Nichtstun verbracht.
Heute Montag der 22.10.12 geht die Schule dann wieder los und der Alltag beginnt.
Ich habe jedoch erfahren, dass wir vom 7-12.11.12 Mid term break haben, also Ferien. Also werde ich zu dieser Zeit auf Reise sein!
Auch am kommenden Wochenende werden wir alle weg sein. Wir fahren in die Western Region mehr dazu dann im nächsten Bericht.
Das wars dann erstmal. Es ist kurz vor halb eins und Frau Hammer wird jetzt zum Mittagessen gehen. Vielleicht habe ich ja Glück und es gibt Watschi ;)

Vergisst mich nicht und immer wenn ihr Fleisch esst oder ein Glas Saft trinkt denkt ganz fest an mich =)

Eure Lisa

Essen – Wetter – Schule – und bald wieder Accra


Der letzte Bericht ist schon eine Weile her…immer wieder habe ich angefangen, aber nichts zuende geschrieben. Es fällt mir schwer einen Überbegriff zu finden, unter dem ich alles was hier so passiert platzieren kann.

Genau heute feiern wir zweimonatiges in Ghana und zwar mit „Nkatenkwan“ or you also can call ist „Groundnutsoup“ auf deutsch „Erdnusssuppe“. Ich werde es nicht mit Fleisch oder Fisch zubereiten, weil ehrlich gesagt sind die Mädels noch nicht soweit sowas hier in Ghana zu sich zu nehmen und ich hab auch noch nicht wirklich den Durchblick, welchen Fisch man nun für welchen Stew oder welche Soup verwendet. Stew ist eher eine Soße und Soup eben einen Suppe. Und wenn dir jemand auf die Frage hin, welcher Fisch in dem Stew ist „red fish“ als Antwort gibt, ist man nicht zwangsläufig schlauer. Aber so sind sie die Ghanaer. Sie geben Dingen gerne Namen, die eher beschreibed als klar definierend sind. Sie beschreiben oft, wie etwas aussieht – die Farbe, die Textur, oder die Form, als den korrekten – „artgerechten“ Namen zu verwenden, um es zu typisieren.

Bleiben wir mal beim Essen. Ampesie zum Beispiel nennt man Plantain oder Yam, die gekocht als Beilage zu Soup oder Stew gereicht werden. Die Art der Zubereitung bestimmt den Namen. Genauso kann beides auf dem Feuer geröstet werden, dann wird es zusammen mit Erdnüssen gegessen und heißt Coco. Du bestellst dann „Coco ne Nkate“ „- Gesröstetes mit Erdnüssen“.

Andere Beilagen, die hier gern gegessen werden sind Reis, Fufu, Banku oder Kenkey. Nun kommt es darauf an, welche Beilage mit welcher Suppe oder Soße gegessen wird, denn nicht alles passt zusammen ;) . Und der Reis ist kein ursprünglich lokales Essen – „its from the Chinese, they brought it here.“

Der Reis wird gern als Joloffreis gegessen – dann wird er in einem Tomatenstew gekocht und was ich etwas abartig finde, hier werden dann Spaghuettis dazugereicht. Das liegt wohl daran, dass die Nudeln hier günstiger sind als der Reis – was auch wieder abartig ist. ODer man bestellt „Fried Rice“ was dann ein gebratener Reis mit Gemüse und Sojasoße ist und an Reisgerichte beim ASIAMAN erinnern.

Eine anderes Phänomen sind sogenannte BOFROTTS. Das sind Teigbällchen, die frittiert werden. Sie werden aus verschiedenen Mehlen hergestellt und eine Art von ihnen kann ich z.B. essen. HURRA – allerdings bin ich immernoch nicht dahintergestiegen, welches Mehl dafür verwendet wird. Die, die ich essen kann, sehen aus wie Krapfen – kann man sich das vorstellen – ich kann hier Krapfen essen!!! HURRA. Auf die Frage hin, welches Mehl sie denn verwenden, habe ich nun schon von mehreren Stellen die Antwort „normal flouver“. Leider wieder mal keine konkrete Aussage. Keiner kann mir das Getreide oder die Wurzel oder die Hülsenfrucht nennen, die dafür verwendet wird und eine krapfenartige Textur erreicht. Schade eigentlich.

frittiertes gleich in der frueh!!

Morgends gibt’s bei mir meist „Mansa und Kosi“ beides frittierte Bällchen, die einen aus Mais und wie ich heute erfahren habe, zerstampften Bananen oder Plantain. Die anderen besteht aus Bohnenmehl, etwas Zwiebeln und Chillipulver. Den Porridge – eine Art Getreidebrei aus Mais, oder Millet – eine Schalenfrucht, die ich aus Deutschland nicht kenne, von trinkbarer Konsistenz, mit Zucker und Ingwer gewürzt – gut für die Verdauung- den lass ich meist weg, aber normalerweise wird er zusammen mit den Bällchen gegessen.

Ein anderer Begleiter morgends oder für zwischendurch ist „Kwadu ne Nkate“ was Bananen und Erdnüsse bedeutet. Die Erdnüsse werden in kleinen Tütchen dazugereicht. Man kann also überall, wo man Bananen kaufen kann, geröstete, leicht gesalzene Erdnüsse kaufen. Erdnüsse gibt es hier auch in verschiedensten Varianten. Z.B. in der eigenen Schale gekocht. Geschält – aber mit roter Haut geröstet, diese gibts gesalzen oder nicht und dann richtig geschält und gesalzen, wie wir Erdnüsse kennen. Auch gern in Verbindung mit geröstetem Mais, also halb aufgepoppt – an diesen Ständen kann man dann meist auch Poppkorn finden.

Soweit mal, was das Essen angeht. Ich vermisse eigentlich nichts, wobei ich gestern beim Skypen, jemandem beim Käsebrot zubereiten zugesehen habe und bei dem Gedanken an Bergkäse auf Butter und Brot ist mir ganz schwindelig geworden.

Ein anderer Gedanke traf mal auf Salat mit Thunfisch und Zwiebeln. Was man hier theoretisch auch zubereiten könnte, aber der Essig, den sie hier verkaufen erinnert mich eher an Großkantinenmix-Essig. Also auch nicht so toll. Man kann in diversen Lokalen durchaus Salat mit Tuna bestellen oder Salat mit Chicken, dieser wird dann wie mir bereits bekannt, mit Ketchup und Majo angemacht….Danke ich verzichte.

Was gibt es zum Wetter zu sagen… Das hat sich in den letzten Wochen verändert. Die Regenzeit ist zwar offiziell am zu Ende gehen, aber ehrlich gesagt, haben wir eben jetzt Regenzeit – vielleicht ist das so wie bei uns, wo man das Gefühlt hat, das Wetter verschiebt sich etwas nach hinten. Also gut Regenzeit eben und das wohl bis Depzember – bis dann der Hamatan kommt, der trockenen Wind mitsichbringt. Dann aber wohl die Temperaturen etwas nachlassen.

Es regnet also fast täglich und die Sonne ist bis weilen unerträglich heiß – die Luft feucht und schwül. Der Regen kommt oft nachmittags. Dann schüttet es 20 Minuten oder ne halbe Stunde und dann reißt der Himmel wieder auf. Langsam aber sicher bekommt  man ein Gespür dafür, wanns losgeht. Vorher beginnt es zu winden und es wird etwas kühler.

Der erste Regen

Der erste Regen, den wir hier mitbekommen haben, haben Lisa und ich ordentlich abgefeiert – die Einheimischen haben uns etwas unverständlich dabei beobachtet, wie wir das kühle Nass geniesen. Mittlerweile weiß man, wie hinderlich so ein Regenschauer sein kann. Je nach Heftigkeit verändert er ganze Straßenabschnitte, sodass sie unpassierbar werden. Der Trotroverkehr am Ketjetia – sozusagen am Hauptbahnhof – steht still und braucht seine Zeit, wieder auf Touren zu kommen. Und auch wenn man sich durch geduldiges Warten bereits im vorderen Drittel der Warteschlange befunden hat und nach dem Regenschauer nicht mit der hier üblichen ghanaischen Forschheit vorgeht, befindet man sich jetzt wieder im hinteren Drittel der Schlange.Die Wäsche, die in mühevoller, kräftezehrender Kleinarbeit gewaschen und aufgehängt wurde, wird nass, wenn du dich zum Zeitpunkt des Ergusses nicht zu hause befindest – und auch keiner deiner Mitbewohner. Ja so isses hier momentan. Und das absurde zwischendurch war die Tatsache, dass wir zwar Wasser in Hülle und Fülle vom Himmel hatten, aber nicht fließend aus unseren Wasserhähnen. Zumindest tagsüber.

Das Wasser hier am Campus wird durch eine Solarpumpe vom Grundwasser in die hier üblichen Aufbewahrungskanistern befördert. Unser Kanister umfasst 1000 Liter. Vor ca. 3 Wochen wurde unser Kanister geleert und gereinigt, und anschließend gab es ein paar bewölkte Tage, sodass die Sonneneinstrahlung nicht ausreichend war, um das Wasser in die Kanister zu pumpen. Sind diese völlig entleert, braucht es lauf Hausmeister 8 volle Sonnenstunden, damit die 1000 Liter hochgepumpt werden, und das war eben nicht drin. Also mussten wir unser Wasser aus dem nahe gelegenen Brunnen selber schöpfen. Dabei läßt man einen Kanister an einem Seil herunter, wartet, bis er sich unten mit Wasser füllt und zieht ihn dann hoch. Das gibt Muskeln sag ich euch. Ich fands zwischendurch super – so bleibt man fit. Denn während die anderen Mädels hier täglich joggen gehen und dann Kraftübungen vor meiner Nase machen, sitze ich hier morgends und trinke „faul“ meinen Kaffee. Ja und mancher Morgen kann auch so beginnen, dass dir der durchaus ansehnliche Nachbar mit nacktem Oberkörper dabei behilflich ist, das Wasser hochzuziehen. Da sag ich nicht nein!

So lernen wir mit wenig Wasser und das nicht fließend aus dem Wasserhahn zu waschen, zu duschen, zu spühlen, während die Luft hier so feucht ist, dass mittlerweile mein Tabakbeutel und mein Rucksack angefangen hatten zu schimmeln, aber ich habe alles gerettet.

Außerdem sind die Stromausfälle, die anfangs täglich für eine Stunde oder mehr von 19:30 ab unseren Abend begleiteten, häufig vormittags und tagsüber. Fürs Wohnen und Leben sind diese „Lights off“ nicht so störend, aber die Schulen und der tägliche Betrieb wird dadurch sehr beeinträchtigt. ICT – Information and Computer Technology – findet z.B. theoretisch statt, weil die meisten der Rechner kaputt sind. Nach einem „Light off“ also einen Stromausfall, ist die Spannung zu Beginn viel höher und daduch gehen Geräte gern mal kaputt. Auch die Registrierung der Schüler für die final exams kann nicht abgeschlossen werden, wenn es keinen Strom gibt.

Noch kurz zum Schulbetrieb.

Vor der Senior High School

Evelyn und Isaak- zwei meiner Schueler

Vor meiner Abreise hat mir eine Grundschullehrerin prophezeit, dass das fehlende Material das größte Problem sein wird. Sie könnte Recht haben. Eine meiner Klassen – das 3. Jahr der SHS umfasst 36 Schüler im Alter von 17-20 Jahren. Es geht nicht darum, dass ich weder einen Lehrplan, noch einen Stoffverteilungsplan, noch irgendwelche Bücher habe an die ich mich halten könnte, sondern daran, dass es ausser der Tafel und der Kreide keinerlei Medien zur Verfügung stehen. Auf die Frage an den Headmaster, wo man den Arbetisblätter ausdrucken könnte, war sein Kommentar, nur Tests – also End of Term Tests – würden ausgedruckt, Übungsaufgaben kann man an die Tafel schreiben und die Schüler kopieren dies in ihre Hefte – na prima. Ob es Plakate gebe? „No, we dont have this. This is an Ghanian-German-School, so you have to bring it!“ Acha. Mittlerweile drucke ich tatsächlich Übungsblätter selber aus. Man versuche sich vorzustellen, dass ich in meinem letzten Studienjahr aufs Referendariat vorbereitet wurde, wo Medienschlachten ausgetragen werden müssen. Und tatsächlich ist es gar nicht so einfach seine Muttersprache in einer Fremdsprache zu unterrichten. Ich bin um jede Hilfe froh. Zum Glück bemühe ich mich hier Twi zu lernen und so erschließen sich mir Wege, wie Sprache gelernt werden kann.

Extending the KUMASI-Map..

Magazin-das Gebrauchtteileviertel

Es gibt einen Stadtteil in Kumasi – er heißt eigentlich SUAME – wird aberMAGAZINE oder   kurz MAZIN genannt. Ich bin mit motoriesierten Dreirädern durchgerauscht. Dieser Stadt teil ist ein Magazin für gebrauchte Autoteile. Also alles was man sich so vorstellen kann, alles was wir warscheinlich auf den Schrottplatz bringen, wird hier verkauft. Man hat uns sogar geraten, als Business gebrauchte Autoteile nach Ghana zu bringen – „somebodys waste is the others money“. Denkt man an die Reportagen von Agbobloshie, der Müllhalde Ghanas, auf der unser Elektroschrott landet, findet man in Magazine eben unsere alten Autoteile. Aber nicht nur Autoteile, sondern auch Mechaniker, Elektriker, Lakierer – alles was motorisierte Vehikel angeht ist hier zu finden und zu reparieren. Ca. 100.000 Menschen arbeiten hier!!! Jeder für sich, alles individuelle Seller, keinerlei Manufakturen, Zusammenschlüsse, Spezialisierungen, keine Kooperationen, die eine Weiterentwicklung, Rationalisierung oder ähnliches entstehen lassen könnte, findet hier statt. Die Regierung plant wohl schon seit einiger Zeit soetwas wie ein Schulungszentrum bauen zu wollen, wo die einzelnen Zweige zusammen kommen können, aber das kann noch seine Zeit brauchen.

Dann war ich noch in einem ich würds Ghetto nennen. PLATTFORM nennt sich der Bereich am Rande des Kejetiamarktes an den Bahngleisen. Nachdem das geschäftige Markttreiben zwischen 17 und 18 Uhr dem Ende zugeht, ziehen sich die Leute zurück. Nicht zum Schlafen, sondern manche zum Trinken und Tanzen, das sind dann die „Hussler“, die von weiter her sind und ihr Bett dort aufschlagen, wo die Nacht für sie zu Ende geht. Manche breiten an den Stellen, wo sie tagsüber ihre Waren verkaufen, ihr Nachtlager aus, und manche ziehen sich zu den Railways zurück, um dort das Essen für den nächsten Tag zu zu bereiten.“The fires are burning!“ Es ist dunkel, sagen wir halb neun und nach dem Markttreiben wird das Essen für den nächsten Tag zubereitet, ich wünschte ich hätte eine Kamera dabeigehabt, um unbeobachtet Bilder schießen zu können. Wieder arbeiten die Leute hier Tag und Nacht, laut Pino geht es dann morgends zwischen 4 und halb 5 wieder los.

Mit den Mädels habe ich mittlerweile zwei der hier recht berühmten Handwerksdörfern besucht. Einmal NTONSO, es liegt im Norden von Kumasi-Stadt und ist bekannr für das Bedrucken von Kentestoffen und zwar mit traditionellen ADINKRA-Symbolen. Das in Ghana sehr weit verbreitete steht für „except of god“ – symbol of the subremancy of God. Man findet es auf fast jedem Plastikstuhl in Ghana und gern auch als Halskette. Jeder von uns lässt sich die Prozedur erklären, wie aus einer Baumrinde, die lange gekocht und zerstampft wird eine schwarze breiige Farbe entsteht, mit der anschließen gedruck werden kann. Zum Drucken verwenden sie dann geschnitze Kalebassen oder Siebdruck – sehr rationell und fortschrittlich! Jeder von uns sucht sich einen Kenteschal aus und bedruckt diesen mit selbst ausgewählten Symbolen.

KENTE

Und letztens dann noch in BONWIRE, das fürs Weben der Kentestoffe berühmt ist. Allerdings sind es hauptsächlich die Männer – also 90% der Männer dieses DOrfes sind Kenteweber und 5% der Frauen – laut Nana, der am Ort einen Kentestoffladen hat und uns Mädels schon am Trotro abfängt um uns zuerst bei seiner Familie im Innenhof die Kurzfassung der Tradition der Kentestoffe und -symbole zu erklären. Das tut er natürlich in der Hoffnung, dass wir damit schon befriedigt sind und unser Geld bei ihm ausgeben. Aber er ist dann doch so nett, als er merkt, wir wollen mehr, uns zu dem Zentrum zu führen. Auch hier dürfen wir uns selber ausprobieren. Der nette Kwashi verdreht mir dabei so den Kopf, dass ich aufs erste Mal die Tüte mit unseren Mitbringseln liegen lasse…

Soweit mal. Übermorgen geht’s wieder nach Accra. Dann wird wieder vor allem GA gelernt und kein TWI mehr, dann wird wieder Busstopp geschriehen, um das Trotro zum Halten zu bringen und nicht mehr MATE. dann heisst es ei nuu shishi und nicht mente asie, um zu erklaeren, dass man keinen blassen schimmer hat, um was es gerade geht.

Am Montag kommt dann der Alex. Ich bin schon ganz aufgeregt ihn vom Flughafen abzuholen und willkommen zu heißen hier in Ghana – meinem Ghana!! Bis dahin eine gute Zeit….

FUNK AUS DEM BUSCH – HAPPY 2-MONATIGES! :)


Hallo ihr Lieben,

(fast) pünktlich zum Zweimonatigen melde ich mich mal wieder mit einem Funk aus dem Busch Afrikas. Seit vergangenen Sonntag bin ich nun genau 8 Wochen in Ghana – habe also schon ein Drittel meiner gesamten Zeit hier erfolgreich überstanden!

Die Wochen seit meinem letzten Blogeintrag sind wie im Fluge vergangen und ich kann überzeugt berichten, dass ich mich hier sehr gut eingelebt habe und mein Zimmer ein wirkliches zu Hause für mich geworden ist! Darauf bin ich dann auch doch ein klein wenig stolz, denn obwohl gewisse „Umstände“ für mich mittlerweile normal geworden sind, für euch Daheimgebliebenen sind sie das wohl nicht ganz.

So zum Beispiel das Wasserproblem, dass vor 3 Wochen seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte: Bei unserer Ankunft in Ghana wurden wir unter anderem auch darauf hingewiesen, dass die fließend Wasser Zufuhr ab und an nicht funktionieren könnte – daher auch die Plastiktonne in unserem Badezimmer, die wir mit Brunnenwasser für den Notfall füllen könnten. In der Anfangszeit nie mit diesem Problem konfrontiert, blieb sie natürlich ungeöffnet in der Ecke stehen – bis dann vor vier Wochen eines Morgens das Wasser weg blieb. Festival-erprobt wie ich bin (an dieser Stelle danke an meine Mädels und Jungs, die mich mitgeschleppt haben!), bedeuten mal ein oder auch zwei Tage ohne fließend Wasser und Dusche natürlich nicht den Weltuntergang, zumal es zwischendurch für eine halbe bis eine Stunde auch Wasser gab. Eben jener Untergang nahm vor besagten 3 Wochen dann aber recht abrupt Gestalt an, als am Montag Morgen das Wasser weg blieb und sich erst wieder zum Wochenende hin zurück meldete… Nicht genug, das Wasser holen aus dem Brunnen nach dem 4. Eimer auch nicht mehr „wildlife“ sondern einfach nur noch anstrengend ist, wurde es pünktlich zum fehlenden Wasser kuschelig schwül-heiß (unter zwei Mal am Tag duschen ist bei solchem Wetter nicht, zumindest bei mir!). Statt Wasserhahn aufdrehen hieß es von da an Eimer füllen und Tasse eintauchen (und möglichst den teilweise doch etwas merkwürdigen Geruch des Brunnenwassers einfach ignorieren…), um sich morgens und abends zu erfrischen. Als man sich schon fast daran gewöhnt hatte, vor der Morgentoilette erst einmal etwas für den Bizeps zu tun, floss das Wasser wieder und ist seither in solch extremer Form auch nicht mehr weg geblieben (obwohl ich zugeben muss, dass wir, während ich diesen Bericht geschrieben habe, zeitweilig auch kein Wasser hatten…).

Nachdem ihr nun bestens über das Wasserthema Bescheid wisst, darf auch der Strom nicht unerwähnt bleiben – wenn er denn nicht gerade Pause macht. Eigentlich ist das schon ein alter Hut für uns, denn seit unserer Ankunft fällt mit 95- prozentiger Wahrscheinlichkeit der Strom allabendlich für mindestens eine gute Stunde aus. Ich bin von Natur aus schon kein riesen Romantiker – aber mittlerweile kann mir keiner mehr erklären, dass duschen oder essen bei Kerzenlicht doch sooo unglaublich romantisch ist! Und ein abtauender Kühlschrank hat mit Romantik spätestens dann nichts mehr zu tun, wenn einem beim Öffnen eine kleine Flutwelle entgegen schwappt. Aber der Mensch ist ja anpassungsfähig, vor allem in Afrika, und daher versuche ich ab und an eben fast blind, meine Zahnpasta auf der -bürste zu platzieren (wir hatten ja auch schon den Fall, dass es weder Wasser noch Strom gab, aber davon fange ich jetzt gar nicht erst an…).

Ein weiteres Beispiel ist der „Dreck“, in dem wir hier ganz brutal gesagt leben – was um Gottes Willen nicht heißen soll, dass man uns in eine heruntergekommene Bruchbude gesteckt hat! Aber so richtig sauber ist und wird es eben nicht – egal, wie oft man auch putzen mag. Das liegt zum einen daran, dass unser Zimmer viele schöne hohe Ecken hat, in denen es Spinnen besonders gut gefällt. Oder zum anderen daran, dass sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit Schimmelpilze besonders wohl fühlen und es sich gern unter den Schränken oder an Rücksäcken, Koffern und Schuhen bequem machen. Aber da heißt es dann eben abwischen und weiter machen. Besagte Luftfeuchtigkeit dürfte auch für den leicht muffigen und zeitweise undefinierbaren Geruch verantwortlich sein, der von unserer Couch und den Betten ausgeht – da hilft selbst der beste Textilerfrischer nicht viel. Die gute Nachricht ist, dass man aber auch irgendwann das nicht mehr riecht und der „Dreck“ nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr ganz so dreckig erscheint. Nur die Spinnweben über meinem Bett habe ich die letzten Tage entfernt, da es dann doch zu viel des Guten war, beim Aufwachen von einer Spinne begrüßt zu werden.

Die eben genannten Sachen mögen euch jetzt vielleicht ganz harmlos erscheinen und ihr lacht darüber und fragt euch, warum ich mich denn so angestellt habe – aber lasst euch gesagt sein, so lustig ist es spätestens dann nicht mehr, wenn man krank zwischen Bett und Toilette pendelt und dann kein Wasser für die Spülung mehr kommt. Oder, wenn man mitten unter der Dusche auf einmal versuchen soll, sich das Shampoo mit vereinzelten Wassertröpfchen auszuwaschen. Für´s wildlife muss man eben geboren sein und obwohl ich sicher nicht zimperlich bin, geht es mir oft gehörig auf den Keks.

So, das wäre es jetzt erst einmal zu meinem 2-monatigen Jubiläum, ist doch schon wieder recht ordentlich geworden. Zum Schluss möchte ich aber noch sagen, dass ich es trotz zuvor genannter Schwierigkeiten nicht bereue, den Schritt gewagt zu haben und hierher gegangen bin! Wer also gegen das ein oder andere „Abenteuer“ nichts einzuwenden hat, der sollte es wagen und sich in die Büsche Afrikas begeben. ;) Ich hoffe, Studium, Schule oder Arbeit läuft bei euch daheim in Deutschland so, wie ihr es euch wünscht und es geht euch allen gut!

 

Liebste Grüße aus dem ghanaischen Busch,

Lisa :)

Ohne Wasser auf Wolke 7


Hallo ihr Lieben.

Ein Drittel der Zeit ist nun um und wir leben alle noch. Nach ein paar kleinen Krankheitsfällen, sind heute seit Langem mal wieder alle wirklich gesund. In der Letzten Zeit ist nicht viel passiert, da man sich nun eingelebt hat und der Alltag zur Routine wird.
Mein Tag in Ghana sieht folgendermaßen aus: 6.30 Uhr aufstehen, 6.45 Uhr Joggen, 7.00 Uhr Krafttraining, 7.15 Uhr Duschen (dies muss bis 7.30 Uhr geschehen, da unseren Beobachtungen zur Folge das Wasser anschließend für eine Weile abgestellt wird), 7.30 Uhr Frühstücken und dann geht’s um 8.25 Uhr zum Matheunterricht. Der Unterricht macht mir sehr viel Spaß und ich weiß so gut wie alle Namen. Leider kommen und gehen die Schüler wann sie wollen, das erschwert das Ganze etwas. Das Multiplizieren von Zahlen funktioniert auch schon viel besser. =)
Mit meinen Französischklassen läuft das Ganze jedoch nicht so harmonisch ab, da sie sich gerade alle in der Pubertät befinden und denken, dass sie durch Geschrei und Unaufmerksamkeit den Unterricht stören müssen. Am Freitag war ich mit ganzen 4 Schülern von ca. 35 im Klassenraum, da der Rest mit Fußballspielen beschäftigt war. Ausflippen hilft da nichts… Meine Schüler wollen dann immer, dass ich den Stock hole und sie Schlage. Da ich das aber nie im Leben machen werde, habe ich eh schon verloren. Auf meine Frage, ob sie überhaupt Französisch lernen wollen, bekomme ich dann immer diese Antwort: “YESSS Madame Jennifer, we want to learn French. Please don’t go. Beat us!” Nun ja, bis jetzt habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. An sich sind sie alle sehr lieb, aber ihr Mitteilungs- und Bewegungsdrang während dem Unterricht ist einfach unerträglich. Die 35 Minuten vergehen dann wie im Flug und alle sind traurig, dass es schon vorbei ist. Nach dem offiziellen Französischunterricht unterhalte ich mich dann mit meinen Schülern, bring ihn Deutsch bei und sie mir etwas Twi. Getanzt haben wir auch schon öfter. Hier in Ghana gibt es mehrere Tänze, die Lisa und ich versuchen zu erlernen. Bis jetzt kennen wir 2: Asunto und Amanda. Wobei ich Asunto bevorzuge, da Amanda eigentlich nur aus einem Move besteht. Die Zeit mit meinen Schülern finde ich dann immer sehr angenehm.
Mit den Lehrern verstehe ich mich sehr gut. Eine Lehrerin, die mittlerweile eine Freundin von mir ist, hat mich zum Blumenmädchen für ihre baldige Hochzeit ernannt. Darauf freue ich mich schon sehr.
Vor zwei Wochen waren wir alle in Ntonso, einem Kentedorf. Dort wurde uns deren Herstellung näher gebracht und wir durften anschließend sogar noch selbst die Kentestreifen mit unseren Lieblingssymbolen bedrucken. Traditionell eingekleidet wurden wir dann auch noch; auf meinem Kopfschmuck war beispielsweise Obama abgebildet. haha
Eine Sache, die uns an unsere Grenzen getrieben hat, war die Woche ohne Wasser. Da die Solarpumpe repariert und danach noch der Tank gesäubert wurde, hatten wir kein Fließendwasser bei uns im Zimmer. Das bedeutet, dass wir mit unseren Eimern immer zum Brunnen gehen mussten, einen Kanister hinunter lassen und den vollen mit seehhrrr viel Kraft wieder hochziehen mussten. Als wir dies eine halbe Woche durchgemacht hatten, dachten wir, dass es eigentlich gar nicht mehr schlimmer gehen kann… Ja, dem war natürlich nicht so. Ständiger Stromausfall kam noch hinzu und, da es nicht genug war, fiel auch noch der Kanister in den Brunnen, da irgendjemand so schlau war und ihn dort rein geworfen hat. Um nun an Wasser zu gelangen, musste ich mit einem Schüler von hier erstmal ca. 10 Minuten zum nächsten Brunnen laufen und mit dem 17 Liter Eimer zurück laufen. Da der Brunnen nicht sehr tief und schon fast leer war, mussten die Schüler nach mir noch weiter laufen… Also, wenn ihr in Deutschland mal denkt, es geht einfach nicht mehr schlimmer, dann denkt an mich, wie ich im Dunklen, ohne Wasser in einem übertrieben heißen Zimmer auf dem Steinboden liege (im Bett ist es zu heiß!) und mit Lisa und der kleinen Box Musik höre.

Trotz den (kleinen) Zwischenfällen geht es mir hier super und ich fühl mich wie zu Hause.
Letztes Wochenende ist meine Mama in Ghana angekommen. Meine Fahrt nach Accra war nicht besonders spannend, da ich mit dem V.I.P-Bus gefahren bin. In der Hauptstadt angekommen, musste ich noch 6 Stunden warten. Deshalb habe ich mich für einen Besuch in der Accra-Mall entschieden. Nun ist klar, wir müssen mal nach Accra zum shoppen!! In einem Restaurant habe ich dann 2 sehr nette Menschen kennengelernt, die mich den ganzen Tag mitgenommen haben. Ich hatte das Gefühl, dass ich in ganz Accra unterwegs war. Wir sind in den 5 Stunden von einem Ort zum anderen gefahren. Das fand ich alles nicht weiter schlimm, da ich eh nichts Besseres zu tun hatte. An dem letzten Satz merkt man schon, dass ich eine kleine Ghanaerin geworden bin. haha
Am Sonntag bin ich dann mit meiner Mutter wieder 5 Stunden nach Kumasi gefahren. Alle haben sie mit Freude aufgenommen und sie ist so zu sagen die Mutter für jeden.. egal ob Lehrer, Student oder Schüler. Es heißt immer: “Akwaaba Mummy!” Nach einer Woche bei uns im Ort, ist sie nun in den Norden nach Tamale gefahren.
Alle die versuchen sie auf der deutschen Nummer zu erreichen, werden sie nicht an den Hörer bekommen. Wer ihre oder auch meine ghanaische Handynummer haben möchte, kann sich bei per mail oder so melden. Wenn euch mal langweilig sein sollte, könnt ihr mir auch sehr gerne eine Postkarte oder einen Brief schreiben! =) (Meine Adresse: Jennifer Danquah, P.O. BOX KS 9004, Kumasi Main, Ashanti Region, Ghana)
An dieser Stelle bedank ich mich bei meinem Onkel für die nette Postkarte! Daaaannkkkeee! :D

Kurze News aus dem Hause Hammer-Danquah: Wir habe nun schon über 5 Gekos bei uns im Zimmer und eine Maus.. Gestern gabs Pfannkuchen!!! :D Wir waren auf Wolke 7 (oder wie unsere englischen Freude zu sagen pflegen: Cloud 9; wieso genau die Zahl “9″ ist uns immer noch ein Rätsel).

Dann verabschiede ich mich mal und wünsche euch allen noch eine schöne Zeit! =)

Ich vermisse euch.

Eure Jennifer

daily life


Zeit für einen weiteren bericht, der euch einen Einblick über das tägliche leben geben wird =)

Mein letzter bericht endete ja damit, dass Montag die schule losgeht.
Mh oder eben auch nicht, die realität sah dann doch anders aus…
Da mir nur erzählt wurde das ich mich mit dem headmaster treffen sollte, mir aber keine Uhrzeit genannt wurde, ging ich einfach mal auf gut glück um 8 zum Schulgebäude. Dort standen noch zwei andere, wie sich später herausstellte Interns (Praktikanten). In der nächsten halben stunde gesellten sich dann noch 3 weitere dazu sodass wir schliesslich zu sechst waren. Vom headmaster keine spur von Schülern kein lebenszeichen. Nach einem anruf beim headmaster wurde uns der tag freigegeben wir sollen doch bitte morgen wieder kommen…
Am Dienstag war ich dann mit der carmen beim headmaster, ein lustiger verplanter mann, und es wurde gefragt was wir unterrichten wollen. Stundenpläne gab es leider noch nicht und uns wurde gesagt, dass die Schüler dann bald kommen würden. AHA Aber um fair zu bleiben muss ich sagen das er nicht ganz unrecht hatte: Dienstag 3 Uhr bequemte sich tatsächlich der erste Schüler an die Schule mit dem kommentar: I´m the first one?! That sucks.
Bis Donnerstag (20.9.12) wiederholte sich die headmaster besuche ohne gro0e ereignisse. Donnerstag war dann Staffmeeting, bei dem sich so gut wie alle Lehrer versammelten und das wichtigste besprochen wurden. Man kann sagen die hälfte der Lehrer sind Praktikanten dh studenten von der Uni die so eine art praxissemester machen. Sie bleiben nur das first term, dass bis zum 19. Dezember geht.
Am Abend war ich mit Carmen das erste mal Piito trinken (Hirsebier) und wir haben festgestellt das Kumasi abends viel entspannter ist!
DA am Freitag feiertag war haben wir uns überlegt wegufahren, was anja und lisa auch taten.
Jenni Carmen und ich sind mit Mikel ,ein Student, an die Uni in Kumasi gefahren. Sie ist rießig mit Pool , 6 wohnkomplexen fussballpllatz…. Den Pool haben wir dann auch erstmal genutzt und einen schönen mittag verbracht. Kleine Anmerkung zur kulturellen Bildung:
Ghanaer knnen zum Großteil nicht schwimmen!! Das führt dazu das alle im nichtschwimmer becken stehen , was bei den meisten aufgrund ihrer Muskelmasse ziemlich witzig aussieht. Gestandene Männer die im Wasser plantschen.
AM abend waren wir dann das erste Mal bei Freunden aus England, die zum Teil Ghanaer sind und deshalb hier im Moment wohnen. Glücklicherweise haben wir sie getroffen und verstehen uns so gut mit ihnen aber dazu später mehr.
Das Wochenende war sonst recht entspannt haben mit Mikel gekocht um langsam mal selbst die ghanaische Küche zu erforschen.. =)
Die ersten Tage der folgende Woche liefen nicht sonderlich spannend ab , kein Unterricht, da kein Stundenplan. Und dann das unglaubliche:
DO 27.9.2012 ich habe meinen ersten Unterricht!!!
Ich habe die vocational/technical school, jahrgang 1,2,3. Da aber der erste Jahrgang aufgrund fehlenden Schüler nicht existiert. Deshalb wurde der einzige vorhandene chüler aus dem ersten Jahrgang in den zweiten Jahrgang gesteckt. Den zweiten Jahrgang durfte ich dann am Donnerstag unterrichten. Ganze fünf schüler (den aus dem ersten jahr mit eingerechnet) saßen auf ihren Holzbänken und warteten darauf die letzte stunde des tages hinter sich zzu bringen.
Da in Deutsch keine final exams geschrieben werden, ist die motivation deutsch zu lernen nur teilweise zu sehen. Zudem wurde mir auch immer noch die letzte Stunde gegeben, in der eh keiner mehr bock auf irgendwas hat…
Zwei der fünf sind echt nicht schlecht, die anderen haben gar kein plan von irgendwas. Sie sind zwischen 16 und 19 o ä.
Auf die Frage wie viele den noch fehlen,meinten sie : they will come madame they will come.
Es ist wohl so das manche ihre Schulgebühren nicht zahlen können und deshalb erst später in die schule kommen, wenn sie das Geld haben. So ganz verstanden hab ich es aber auch nicht.

Am Freitag kam uns Lisa Kreilinger besuchen, die das halbe Jahr vor uns da war. Sie ist wieder in Ghana aber in einem anderen Projekt. Am Abend waren wir mit einem Teil der Manchesterherren feiern und ich muss sagen es war echt richtig gut. Es war gar nicht so anstrengend wie erwartet von wegen angaffen und sowas. Trotzdem ist es in einigen Dingen doch etwas anders aber alles in allem ein top abend!!
Das restliche Wochenende war dann ganz chillig. Aber was einfach richtig ätzend ist das wir derzeit kein fließendes Wasser haben!!!! Manchmal kommts aber die meiste Zeit haben wir kein Wasser.
Wir müssen dann die Eimer mit Wasser aus dem Brunnen füllen….
Wenn man kein Wasser hat und dann auch noch der Strom ausfällt , fühlt man sich echt wie im Mittelalter. Es ist einfach nur nervig weil man gerade vom wasser doch abhängig ist. Abspülen, spülen, duschen ( was bei den ghanaischen temperaturen ja auch mal nötig ist), putzen , waschen, kochen einfach alles.
Zum Glück haben die Engländer immer wasser und strom, sodass ich dann eben zum duschen zu ihnen gegangen bin.. Wie gesagt wir hatten echt glück sie getroffen zu haben!!
Auf Nachfragen wegen dem wasser kommen immer irgendwelche verschiedenen Gründe oder auch gar keine wirkliche Antwort.
Um das ganze noch zu krönen ist wohl gerade die Regenzeit angebrochen, das heisst einen täglichen Regenschauer. Das kann man sich dann so vorstellen. Kein Strom Kein Wasser Regen und nach dem Regen sind die Straßen teilweise eine Katastrophe.. cool!!
Heute ist Mittwoch der 3. Oktober ( tag der dt Einheit ;) ) und ich sitze wieder hier ohne strom und wasser.
Ich werde nachher das erste mal den dritten Jahrgang unterrichten und freue mich schon drauf.
Essen gibt’s im Lehrerzimmer immer so gegen halb 1 und frühstück um hlab 10.
Ich verstehe mich immer besser mit den Lehrern vor allem den Interns. Ich kriege meistens wenn ich da rumsitze twi unterricht. Eigentlich wollten wir als Gruppe welchen haben aber der headmaster kriegts nicht auf die reihe also muss es jetzt eben auch so gehen.
Trotzdem bin ich teilweise geschockt, was sich die leute hier denken.
Es ist wirklich nicht viel was ich bisher gelernt habe und alle sagen immer wie schnell ich lernen würd. In Deutschland würde man das alles in einer Stunde machen hier eben eine Woche… Dasselbe eben auch in der Schule, wie kann es sein das man nach einem jahr deutsch, selbst wenn man nicht immer da war oder nicht aufgepasst hat, nicht fähig ist, hallo wie geht’s zu sagen??!! Das ist echt bedenklich aber auch schade weil manche wirklich nicht sooo dumm sind.

Soo das wars wieder vorerst von meiner seite.
Hoffen wir auf fließendes Wasser- wäre doch auch mal wieder angenehm sich in der eigenen dusche die haare zu waschen…

Viele liebe grüße nach Hause!!!
Ich vermisse euch !!!

p.s. : mir wurde übrigens erzählt das es augentropfen gibt das ich wieder besser sehen kann und keine Brille mehr brauche. Wieso gibt’s die nicht in deutschland??!! =P

HOW TO STAY ALIVE… (VOM ESSEN)


Hallo ihr Lieben,

heute lebe ich genau seit 5 Wochen und  zwei Tagen im ghanaischen Busch – Wahnsinn, wie schnell die Zeit doch vergeht. Dabei haben sich die 6 Monate am Anfang noch wie Jahre angefühlt… Aber hier dauert ja bekanntlich alles ein wenig länger, eben auch die Eingewöhnungsphase. Alles andere wäre in einem Land, dessen Motto „There´s no hurry in life“ lautet, auch nicht typisch und nicht zu erwarten.

Da ich mich hier wie schon erwähnt ganz gut eingelebt habe, wollte ich euch in diesem Blogeintrag die ghanaische Esskultur ein wenig näher bringen. Auch wenn ich schon im Voraus gestehen muss, dass ich das meiste der folgenden Kost mehr schlecht als recht vertrage und mich daher vor allem zu Beginn hauptsächlich von Säuglingsnahrung und Brühe ernährt habe. Aber dazu später mehr.

Der Ghanaer ernährt sich vorwiegend von 3 Dingen – Yam, Plantain und Reis in allen Variationen. Während letzteres euch bekannt sein dürfte, muss ich vielleicht kurz erklären, was Yam und Plantain sind: Yam wächst als Wurzel im Boden und ist von Konsistenz und Geschmack her vergleichbar mit einer Kartoffel. Genau so kann man sie auch zubereiten: Es gibt gekochte Yam, frittierte Yam (Pommes!), gegrillte oder geröstete Yam gestampfte Yam (zusammen mit gestampfter Plantain bekannt unter dem Namen „Fufu“)…. Plantain findet man in den deutschen Afrika-Shops unter der Bezeichnung „Kochbanane“ und auch diese kann man kochen, frittieren, grillen, rösten, stampfen, pürieren… Dazu bereitet sich der echte Ghanaer ein selbstgemachtes „Stuub“ zu – oder, wie ich es nenne, eine Soße oder Dip, je nach Konsistenz. Ins Stuub kommt hinein, was schmeckt oder eben gerade zur Hand ist. Nur eines haben alle Variationen gemeinsam – sie sind scharf (für meinen Geschmack meistens zu scharf) und fettig. Mein Lieblings – Stuub ist das „tomatoe stuub“ (oder, wie der Ghanaer sagen würde, „tomatuu stuub“), was in etwa einer dickflüssigen Tomatensoße ähnelt. Allerdings schmeckt es hundert Mal besser! Auch ein Dip namens „Pepper“ (der Name lässt vielleicht schon auf den Schärfegrad schließen), der zu frittierten Yam serviert wird, hat es mir angetan (sehr zum Leidwesen meines Magens allerdings). Genau das Gleiche isst man zum Reis – oder man brät in mit Sojasoße, Spaghetti und Gemüse an und garniert das Ganze zum Schluss mit Ketchup, Majo, Krautsalat und einem Hühnerbein (davon bin ich jetzt kein allzu großer Fan…). Zu den Plantain wie auch zu den „normalen“ Bananen isst man hier geröstete, gesalzene Erdnüsse – die Kombination aus süß und salzig ist wirklich lecker, auch wenn ich anfangs meine Zweifel hatte. Allgemein hat die Kochbanane hier von der Zubereitung her wenig mit der zu tun, die man in jedem Asia – Restaurant bekommt. Natürlich ist es am Anfang etwas ungewohnt, ein Barbecue mit gegrillten Bananen zu haben, aber wenn man wie ich auf den Geschmack kommt, wird man das jeden Tag zu Mittag essen können. Lecker sind auch die frittierten Plantains, zusammen mit Vanilleeis und Sahne gäbe das einen perfekten Nachtisch (muss ich in Deutschland unbedingt mal zubereiten!).

Das Meiste von dem zuvor genannten schmeckt also wie schon gesagt ziemlich lecker – trotzdem habe ich mich in den ersten 2 Wochen vorwiegend von Babynahrung und Gemüsebrühe aus Deutschland ernährt und bin zum Vegetarier mutiert, was allerdings nicht ganz freiwillig war. Wie bereits erwähnt, wird hier fast ausschließlich sehr scharf und fettig gekocht – eine Tatsache, auf die mein Magen nicht ganz optimal reagiert hat. Da ich also nur von Big Mama gekochtes Essen zu mir nehmen kann, wenn eine Toilette in Reichweite ist, bleibt als Alternative nur selbst Kochen. An sich gar kein Problem, allerdings war die Gasflasche leider aufgebraucht und da hier ja alles etwas länger dauert, musste ich mich mit Essen begnügen, dass mit einem Wasserkocher zubereitet werden konnte. Mittlerweile haben wir aber unser Gas und bekochen uns selbst. Dann gibt es unscharfe Nudeln mit Tomatensoße. Oder „Bratkartoffeln“ aus Yam mit Ketchup. Oder gekochten Reis mit Ei. Oder Nudeln mit Ei. Oder „Ratatouille“ aus Paprika und Tomaten und Reis oder Nudeln. Da fühlt man sich dann manchmal schon fast wieder wie daheim… Jetzt noch zu der Sache mit dem Vegetarismus: Wer mich kennt, weiß, dass ich einem leckeren Burger oder Steak nicht gerade abgeneigt bin. Mein Besuch der Fleisch- und Fischabteilung in Kumasi Market hat allerdings einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und da ich nun jedes Mal einen von Fliegen umschwirrten, vertrockneten Ziegenkopf und die dazu gehörenden Gedärme vor Augen habe, wenn ich ein gutes Stück Fleisch sehe, habe ich mich dann doch nicht ganz so schweren Herzens dazu entschlossen, mal ein halbes Jahr lang auf Fleisch zu verzichten. Ich muss aber zugeben, dass ich schon das ein oder andere Mal nachts von guten schwäbischen Maultaschen geträumt habe oder von Rührei mit Speck…

Vielleicht noch kurz etwas zum Frühstück: Der original Ghanaer kennt kein richtiges Frühstück, er isst irgendwann im Laufe des Vormittags und das dann richtig deftig mit Reis, Stuub und Fleisch/Fisch. Da die Deutschen aber mal wieder eine Extrawurst brauchen, um voller Elan in den Tag starten zu können, haben sie sich das gute englisch Toastbrot, das es hier gibt, Marmelade, Streichkäse und Honig (und das den Umständen entsprechend nicht gerade wenig Geld) gekauft und frühstücken morgens gemütlich auf ihrer „Veranda“ (zu dem guten Toast sei allerdings noch gesagt, dass es innerhalb zweier Tage gegessen sein muss – zumindest, wenn man nicht auf Brot mit Barthaar steht). Oder holen sich Bread&Egg, ein Gemüse-Omelett zwischen zwei Toastscheiben, schön fettig angebraten natürlich. Oder wieder der gute alte Babybrei mit Obststückchen.

So, mehr kann ich zum Thema Essen gerade nicht anbieten. Vielleicht noch, dass wir einen relativ ordentlichen Nutella-Ersatz mit dem Namen „Choco Delight“ gefunden haben. Schmeckt zwar mehr nach Erdnüssen als nach Haselnüssen, lässt sich aber mindestens genau so gut pur abends zum Film essen… Das war´s dann jetzt aber auch wieder für dieses Mal, ich hoffe natürlich wie immer, dass es euch allen gut geht wo immer ihr euch auch gerade befindet! :)

Liebste Grüße,

Lisa

Ghana-Basics ;-)


Da es nichts wirklich „Neues“ zu berichten gibt, möchte ich euch heute ein paar grundlegende Sachen erzählen:

1. Wetter
Entgegen meiner Erwartungen ist es hier nicht die ganze Zeit nur heiß. Morgens hat es so um die 20 Grad schätzungsweise (ein Thermometer habe ich bisher noch nicht gesehen…), nachmittags wird es dann meistens schon richtig heiß (zwischen 25 und 30 Grad – meine Schätzung) und abends kühlt es dann aber immer ab. Wir befinden uns gerade in der Regenzeit. Das heißt, es regnet mittlerweile fast täglich und das relativ stark. So schüttet es dann mal eine halbe Stunde, mal aber auch 2 Stunden. Regen heißt in Ghana, das danach die Straßen eine Weile so gut wie nicht mehr begeh- oder befahrbar sind, da sie sich in Flüsse und Bäche verwandelt haben, was wiederum bedeutet, dass man bei Regen erstmal daheim bleibt und alles Vorgehabte vergisst ;-)

2. Essen
Zum ghanaischen Essen kann man vor allem zwei Sachen sagen: Es ist (fast) alles sehr fettig und scharf.
Da ich in einer Gastfamilie lebe, genieße ich täglich ghanaisches Essen. So gibt es meistens Reis mal mit ’tomato-’, mal mit ’vegetable stew’, und so gut wie immer mit Hähnchenfleisch oder Fisch. Manchmal gibt es auch Yam (ähnlich wie Kartoffeln), ebenfalls mit irgendwelchen Soßen. Immer wieder gibt es Spaghetti mit angebratenen Karotten, ’sausages’ und ’garden eggs’ (schmeckt wie Paprika). Das Essen ist echt superlecker und mein Magen verträgt bisher auch alles bestens, darüber bin ich echt froh!

3. Familie
Der Begriff „Familie“ kann in Ghana nicht so verstanden werden wie der der deutschen Familie. Im Haus meiner Gastfamilie wohnen zur Zeit zum Beispiel 3 Töchter von Geschwistern meiner Gasteltern (also Nichten) und ein Mädel, das sie von der Gemeinde kennen. Doch alle sagen „Mum“ und „Dada“ (= Papa). Das ist für mich noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig und es hat erstmal auch zwei Wochen gebraucht, bis ich jetzt endlich mal alle Namen den richtigen Gesichtern zuordnen kann und zudem noch weiß, wer hier eigentlich wie mit wem verwandt ist. Es reden auch alle von sich gegenseitig als ’brother’ und ’sister’ auch wenn sie „nur“ Cousine und Cousin sind. Die 5 leiblichen Kinder studieren oder arbeiten auswärts und wohnen so nicht zu Hause, kommen aber immer wieder zu Besuch.

4. Ghanaer
Die meisten Ghanaer sind recht freundlich und grüßen auf der Straße (oder zumindest grüßen sie zurück). ’Welcome’ hört man auch die ganze Zeit, ob ich nach Hause komme oder auf meinem täglichen Marsch durch’s Wohngebiet, stets werde ich gefragt „How are you?“ oder willkommen geheißen.
Die Kinder, denen ich jeden Tag auf dem Weg in die Schule, nach Denchemouso oder sonst wo hin begegne, sind echt witzig. Sobald sie mich erblicken, fangen sie an in voller Lautstärke ’Obrooooooni!!!’ zu schreien und das hält dann an, bis ich an ihnen vorbei gelaufen bin. Jetzt schreien sie ’Obroni, byebye!’ entweder bis sie mich nicht mehr sehen oder ich mich noch oft genug umgedreht und gewunken habe.
Etwas nervig dagegen ist das Zzzzz. Ghanaer zischen einfach unglaublich gerne. Ob weil sie etwas verkaufen wollen, du einfach nur zu ihnen schauen sollst oder aus irgendeinem anderen Grund, Zischen hört man es die ganze Zeit und egal wo man gerade ist.
Aufgrund unserer Hautfarbe müssen wir auch ständig aufpassen, dass wir nicht verarscht werden, denn da ’Obronis’ ja reich sind, verdoppeln viele einfach mal den Preis für alles – so kostet ein Brot dann mal 7 Cedis, anstatt nur wie sonst immer 3 Cedis ;-) .
Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass jeder dein Freund sein und von dir nach Deutschland mitgenommen werden möchte. Die Meisten stellen sich das Leben in Deutschland total einfach und paradiesisch vor.
Und noch etwas: Ghanaer machen total oft NICHTS. So wird auf alles unglaublich lange gewartet und das stört hier auch keinen. Auch wird sich, wenn man das Bedürfnis eines Nickerchens verspürt, einfach mit dem Kopf auf den Tisch, auf die Bank in seinem Laden, oder auf den Boden gelegt und dann geschlafen. So sieht man wo man auch hinkommt (vor allem in der Mittagshitze) Leute liegen und vor sich hin dösen.

5. Schule
Über die Schule hier habe ich ja schon einiges berichtet…
Im Allgemeinen finde ich es mega anstrengend hier zu unterrichten. Zum einen sind die Klassen viel zu groß, so sitzen dir zwischen 35 und 40 Kids gegenüber. Dazu kommt dann, dass sie es gewöhnt sind für jeden Fehler oder wenn sie laut sind mit dem Stock geschlagen zu werden. Da ich mich weigere sie zu schlagen, habe ich quasi schon verloren und bekomme sie nicht immer leise, wenn ich das gerne hätte. Gebe ich ihnen dagegen eine Aufgabe, die sie in ihrem Heft lösen müssen, sind sie immer total still und konzentriert. Noch dazu kann ich mir die ganzen Namen leider noch überhaupt nicht merken. So weiß ich bisher ca. 5 Namen pro Klasse, was das aufrufen und ermahnen nicht gerade leichter macht ;-) .

So, das wär’s für heute =)
Seid ganz <3-lich gegrüßt von eurem ’Obroni’
Eure Anja

Momentaner Wohnort: KUMASI


Map of Kumasi

Mittlerweile sind gut zwei Wochen vergangen seitdem ich von Accra zurück in Kumasi bin. Die Schule hatte ihr offizielles Reopening am 17. September. In der Woche darauf waren dann auch genügend Schüler anwesend, um stundenplanmäßig wie letztes Jahr mit dem Unterricht zu beginnen und ich hatte damit meine erste Deutschstunde in Englisch – hiermit ein Gruß an die liebe Dani und den Tobi ich mach jez praktisch DAF – Deutsch als Fremdsprache. Es gibt keinen Lehrplan, es gibt keinen Stoffverteilungsplan, mit etwas Glück findet man Aufzeichnungen der letzten Voluteers und auch Tests, die geschrieben wurden. Ich unterrichte in der SHS – Senior High School – die Schüler sind zwischen 17 und 20 Jahre alt und teilweise aus den umliegenden Dörfern oder als Boarding-Students von weiter her – z.B. Oseekodorom – als Studenten, die hier am Campus wohnen. Die Studenten schreiben kein Abschlussexamen in meinem Fach. Das heißt man ist sehr frei in den Themen, die man bearbeiten möchte, es bedeutet aber auch, dass die Studenten vielleicht nicht unbedingt motiviert sind. Mal sehen, ich kann dazu noch nichts sagen – ich jedenfalls bin motiviert, dem stupiden Auswendiggelerne, das hier viel zu finden ist – dem Lernen ohne Denken etwas entgegen zu setzen.

Daneben gilt es, sich Kumasi als Stadt zu erschließen – als meinen Wohnort für die nächsten fünf Monate. Wie macht man das? Sich eine Stadt erschließen und sich dort zu hause fühlen? Mir fällt bei zu hause spontan so was wie Alltag und Freunde ein. Oder sowas wie Plätze, die man kennt und wo man sich wohlfühlt, feiern gehen kann und weiß was einen erwartet.

Beginnen wir mit Kumasi TOWN. Auch wenn es auf der Karte so scheint, als sei Kumasi innerhalb des Straßenringes zu finden, dann täuscht man sich, wenn man so denkt. Kumasi besteht aus seinem Stadtkern – dazu gehört ADUM, der Ketjetia-Market vielleicht noch ASAFO, der Umschlagplatz für Busse und Taxis für ganz Ghana – und vielen Stadtteilen oder auch Dörfern, die etwas ausserhalb liegen – wie z. B. Denkyemuoso oder auch Denchemuoso, mein zuhause. Will man nun in die Stadt, z.B. um einen Brief zur Post zu bringen, oder Dinge des täglichen Gebrauchs zu erwerben oder wenn einem nach Ausflug ist, mal schauen was passiert, dann sagt man „I am going to town“. Von Denkyemuoso aus heißt das ein Sharing-Taxi an die Trotrostation in Kwadaso und von dort aus ein Trotro zum Ketjetia-Market.

Das National Culture Center liegt im Stadtteil Bantama, der „on the way to town“ vom Westen her kommend das Tor zu Kumasis Stadtkern ist. Dort findet man ein Restaurant, das völlig überteuert – für uns Touristen – Jollofreis anbietet oder „Spaguetti Bolognese“, die allerdings eher an Gulasch erinnern. Parkartig angelegt findet man des weiteren einen kleinen Buch- und Postkarten-Shop, in dem man Hefte über die Geschichte und Kultur des Ashantivolkes kaufen kann. Mehrere Ausstellungshallen und Werkstätten von Schreinern, Trommelbauern und dem Keramikhandwerk. 3 kleine Souvenir-Shops runden das Ganze ab. In einem dieser Shops lernte ich in der ersten Woche Kwaku kennen. Er stellt aus den sog. „Kingbeads“, den Bronzeperlen der Könige im Ashantireich und den lokalen Glasperlen Schmuck her, den er dort verkauft. Er meinte er könnte mir zeigen, wo die gemacht werden, also tauschten wir Nummern aus.

Drei Wochen später also steh ich wieder bei ihm im Shop. Mein erster autark veranstalteter Stadtausflug führt mich zu Kwaku, um mal herauszufinden, wo die Werkstatt so ist und wie lang man da hinfährt, was das kostet und trallalla – vielleicht wollen die Mädels ja mit. ZIemlich gleich nach der Begrüßung erklärt mir Kwaku, dass wir heute gleich fahren können. Wir warten nur auf seine Schwester, ihr gehört der Laden, und dann können wir los. Ich habe also Zeit, mir den Shop genauer anzugucken – mit gekonntem Blick finde ich wertvolle alte Perlen in seinem Sortiment und irgendwann wird mir klar, dass sich das Ganze noch eine kleine Weile hinziehen kann und ich such mir ein schönes Plätzchen um zu Rauchen, einfach rum zu gucken und warum nicht – Tagebuch zu schreiben. Ich habe sonst heut nichts vor. Kaum sitze ich dort eine halbe Stunde sammelt sich peu a peu ein kleiner Haufen Kinder um mich herum – so im Alter von 4-12 Jahren und ich werd sie nur mit Mühe und der Hilfe einer netten Mama mit Baby auf dem Rücken los. Scheinbar findet hier jeden Samstag eine Rastafarien Preach statt. Die hör ich mir dann das nächste Mal an. Das Culture Center läd dank der parkarigen Anlage mit seinen Wiesen und Weiten gut zum Relaxen und Seele baumeln lassen ein.

Die Fahrt nach Kofroum lohnt sich im Übrigen. Das Dorf ist nicht mehr auf dem Stadtplan zu finden, aber gehört nach wie vor zu Kumasi. Nicht wie gedacht, werden die Perlen in einer Fabrik oder eher Manufactur hergestellt, sondern einfach von den Leuten dieses Dorfes auf der Straße. Wieder gibt es jemanden, der sich Zeit nimmt, den Arbeitsprozess zu erklären. Das Dropping-Taxi kostet 7 Cedi, die Rückfahrt mit dem Trotro hingegen 50 Pesewas (20 Cent).

Noch vom letzten Jahr kenne ich den Baboo Basar, er befindet sich im Stadtteil ADUM. Ein Basar für Souvenirs, Trommeln und allerlei Malereien, wo scheinbar knapp 30 Leute ihre Sachen verkaufen. Sie sind Seller mit Leib und Seele und haben ihre Basis in Kumasi. Für manche ist es üblich hin und wieder nach Accra und an die dortigen Strände zu fahren, „to change the environment“. Einer der Seller ist Ras Pino. Er und seine Mutter sind ursprünglich aus dem Norden. Die Mutter ist vor gut 30 Jahren nach Kumasi gekommen, weil hier das Business viel besser ist als im spärlich besiedelten Norden und Ras Pino begleitet sie dabei. Der Rest der Familie, also Vater und Geschwister sind im Norden geblieben.

 

 

Wenn man gerne lokale Getränke wie z.B. Hirsebier – das eigentlich auch aus dem Norden kommt und PIITO heißt so ursprünglich und einfach wie möglich probieren mag, der findet hinter dem Opoku Supermarkt in Kumasi ein Lokal ziemlich versteckt gleich am Eingang vom „The Garden“. Piito wird in Kalebassen serviert, etwas befremdlich aber eindeutig sinnvoll stellt man die befüllten Kalebassen auf ein Stück Rohr, so kippen sie nicht um und sie bekommen einen Aludeckel damit die Fliegen fern bleiben. Er schmeckt leicht säuerlich mit wenig Kohlensäure – also nicht mit dem uns bekannten Bier zu vergleichen. Ein Liter kostet 2 Cedi.

 

„The Garden“ ist eine rießige Fläche Land, die zum Großteil mit Bananen- und Plantainbäumen versehen ist und offiziell der Regierung gehört. Von dieser bisher aber nicht beachtet, haben sich hier Kleinstdörfer gebildet, von nur 4-8 Leuten, die dort sehr einfach leben und teilweise die Felder bestellen oder vom Verkauf des Piito leben. Hier kann man ausspannen – man fühlt sich nicht wie mitten in der Stadt, und ist es doch. Allerdings kommt man hier wahrscheinlich nur mit einem ortsansässigen Begleiter her.

Was man aber auch machen kann, ist den Campus der KNUST besuchen – dIe Kwame Nkruma Univeristy of Science und Technology. Das erste Mal schaut man sich die ganze Anlage an, die einzelnen Wohnblocks der Studenten, die an Hochhäuser in Lechhausen erinnern. Der Campus ist vielleicht halb so groß wie der Stadtkern von Kumasi. Er hat sein eigenes Taxinetz, da die Lehrräume teilweise zu weit voneinander entfernt liegen, als die Wege zu Fuß zurück zu legen. Außerdem hat der Campus einen eigenen Pool – was vor allem der Grund ist, warum wir einen Ausflug dorthin machten. Ein Nachmittag am Pool in Ghana kann bedeuten, dass man das Schwimmerbecken als Europäer ganz für sich alleine hat, während sich die Ghanaer im viel kleineren Nichtschwimmerbecken tummeln. Warum das so ist? Weil der Ghanaer an sich nicht gern schwimmt, oder es hier eben nicht so üblich ist. Normalerweise so sportlich und körperbewusst, ist das Wasser nicht unbedingt ihr Element, sie wirken bisweilen etwas unbeholfen und tabsig, wenn man sie beim Schwimmen beobachtet.

Will man ein bißchen Europa, was das Ausgehen angeht, hat AHODWO wohl etwas zu bieten. Wir landeten einmal in einem Club – APHRO genannt, was die Abkürzung für APHRODISIAC bedeutet. Für schlappe 20 Cedis – umgerechnet etwa 8 Euro bekommt man einen klimatisierten Tanzbereich mit großer Bar, wo allerdings KEINE lokalen Getränke verkauft werden. Dafür gibt es Campari, Smirnoff, Jägermeister, Sambuca oder was auch immer. Natürlich alles zu seinem Preis. So kosten 2 shots (also 4 cl) Sambuca z.B. 8 Cedi, 2 shots Campari dagegen 10 Cedi, 2 shots des örltichen Gins Akpeteshie hingegen, den ich gerne mit Lime trinke, kostet normalerweise zwischen 1 und 2 Cedi. Lustigerweise finde ich außerhalb des Clubs drei Jungs, die auf einem kleinen Holztisch eben die lokalen Getränke zu lokalen Preisen verkaufen. HURRA- Fragt man mich also, wie es mir an diesem Abend gefallen hat, antworte ich „I liked the Akpeteshie-Spot most.“

 

Im Club selber werden die Charts rauf und runter gespielt, auch hier viel Europäisches und erst gegen Ende werden die lokalen Highlites ausgepackt. Für mich völlig unüblich wird meist paarweise getanzt. Man findet zusammen, heiße, innig wirkende Performances finden statt, und je nachdem, wie es gefallen hat wird in der selben Kombi, oder eben anderweitig weitergetanzt. Auch unerwartet sind wir Mädels nicht der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, was uns einen schönen Abend beschert.

 

Um sich zu hause zu fühlen, braucht man aber auch Alltag. Das Gefühl sich in der Gegend aus zu kennen, zu wissen wo die Straßen so hinführen und wo man was finden kann. Zum Beispiel Essen, Trinken, Duschgel oder Shampoo.

Fangen wir mit den Straßen an. Die Definition für Straße oder Weg verändert sich mit der Zeit, die man in Ghana unterwegs ist. Zu Beginn ist es klar, dass man die eindeutig als Straßen zu erkennenden Wege geht. Ich nenne sie gern die Mainroads. Sie weißen sich dadurch aus, dass vermehrt Verkehr auf ihnen stattfindet und sie eine gewisse Breite aufweisen. Die Mainroads geben uns Ausländern Sicherheit, weil wir uns auf einem offiziellen Weg zu befinden. Das ist gut so, kann aber dazu führen, dass man rießige Umwege geht, um von A nach B zu kommen. Die Challenge, sich seine neue Gegend zu erschließen, sieht hier so aus, dass man nachmittags, nachdem der Schuldienst erledigt ist, seine Sachen packt und einfach mal links läuft, anstelle wie sonst immer rechts, um nach Tanaso zu laufen. Über Wiesen und Felder, kleine Brücken, manchmal direkt im Vorgarten eines Hauses vorbei, vielleicht auch mal durch einen Friseur hindurch, kommt man irgendwann irgendwo auf derselben Mainroad an, wie sonst auch, nur an einer anderen Stelle. Mit viel Glück findet man bei solchen Ausflügen, einen neuen, kürzeren Weg um von A nach B zu kommen. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit, wenn man mitten im Nirgendwo nach dem Weg fragt – zum Glück. Irgendwann beginnt man dann ein Gefühl dafür zu bekommen, was ein Weg ist. Man darf sich dabei eben nicht davon ablenken lassen wo genau er gerade entlang führt.

Auf genau diesen Ausflügen findet man dann die Shops, in denen es die Dinge des täglichen Gebrauchs gibt – mit Glück ganz in seiner Nähe.