10 Wochen – endlich mal wieder ein Lebenszeichen ;-)


Endlich mal wieder ein Lebenszeichen von mir… =) Viel zu viel Zeit ist vergangen seit meinem letzten Blogeintrag… Das tut mir leid und ich hoffe, dass ich in Zukunft wieder öfter Zeit finde einen zu schreiben… Doch die Zeit vergeht hier nicht wie erwartet nur schleichend, sondern rasend schnell. Das ist aber eigentlich ganz gut so, denn so kann ich meine Zeit hier genießen und freue mich trotzdem auch wieder auf daheim ;-) .

Mittlerweile ist der Alltag eingekehrt und mit ihm auch der gewohnte Stress. Zwar ist mein Leben hier bei weitem weniger stressig als das in Deutschland, aber viel zu tun habe ich mittlerweile trotzdem.

Schule

Nach wie vor bin ich der 2. vollwertige French-teacher an meiner Schule. Mir wurde zwar gesagt, dass „bald“ ein weiterer kommen wird, doch das ist auch schon wieder mindestens 4 Wochen her ;-) . Ich rechne eigentlich sowieso nicht damit, dass er oder sie kommt solange ich hier bin, denn im Moment klemmt es ja eigentlich gar nicht, weil sie ja mich haben ;-)  und so bemüht sich auch niemand darum schnell zu einem weiteren French-teacher zu kommen. Alles in allem ist es mir aber ganz recht, dass ich mir fest zugewiesene Klassen regelmäßig unterrichte. So kenne ich die Kids mittlerweile schon recht gut und das Unterrichten klappt auch immer besser. Gerade bin ich dabei die ganzen Namen zu lernen. Und das ist bei ca. 160 Schülern schon ne echte Herausforderung… Außerdem sind es zum Teil für mich sehr seltsame Namen. Zum einen gibt es Namen, die irgendwelche englischen Titel darstellen (Lord, Prince,…), dann gibt es „normale“ englische Wörter als Namen (Blessing, Miracle, Bestluck,…), dann einige für mich fremde ghanaische Namen (Kwadwo, Kwaku, Atta, Anima,…), biblische Namen (Ezekiel, Moses, Daniel, Samuel,…) und dann noch einige geläufige englische Namen (Richard, Yvonne, Victoria, Michael, John,…). Von zwei Klassen kann ich die Namen schon relativ gut, was das Unterrichten gleich mal viel leichter macht, da man viel leichter ermahnen, aufrufen,… kann (aber das kennt ihr ja…). So habe ich den Satz „Madame, please use the cane!“ jetzt schon mindestens 2 Wochen nicht mehr gehört, weil ich 3 meiner 4 Klassen mittlerweile (meistens) ziemlich gut ruhig bekomme, wenn ich das möchte ;-) . Da bin ich sehr froh darüber, denn ich hoffe ja immer noch, dass die Schüler und Lehrer merken, dass man auch ohne Stock unterrichten bzw. lernen kann und das vielleicht sogar besser als mit. Unglaublich erscheint es meinen Schülern, dass ich noch nie in meinem ganzen Leben mit dem Stock geschlagen wurde. Ich habe ihnen erklärt, dass ich vom Schlagen nichts halte und sie deshalb auch nicht schlagen werde und dass in deutschen Schulen kein Stock benutzt wird. Die Lehrer erklären mir immer wieder, wenn wir mal wieder über das Schlagen mit Stock diskutieren, dass deutsche Schüler wohl viel lieber und artiger seien als ghanaische und man sie deshalb gar nicht bestrafen müsse :D . Ich erkläre ihnen dann, dass es in Deutschland sowohl unartige Schüler, als auch Strafen gäbe, aber eben andere. Ob das nun zu spät in die Schule kommen, die Hausaufgaben nicht machen, reden oder essen im Klassenzimmer,… ist, ist hier ganz egal – bestraft wird so gut wie immer mit Schlägen. Immerhin gibt es ein paar Lehrer, die vom Schlagen genauso viel halten wie ich und die Kids deshalb anders bestrafen. So wirklich „besser“ sind diese Strafen zwar nicht (’urinating place’ putzen, auf den Knien am Eingang des Klassenzimmers sitzen oder zwei Seiten „I am not allowed to talk in class!“ schreiben), aber immerhin keine Schläge. An meiner Schule wird auch samstags unterrichtet. Bisher dachte ich, das sei freiwillig, weil immer ein paar meiner Schüler dort waren, andere aber nicht. Letzte Woche erfuhr ich aber dann, dass der Samstagsunterricht Pflicht sei. Und das lief so ab: Wie immer war ich am Dienstag in meiner 1B1 als plötzlich zwei Lehrer mit erhobenen Stöcken ins Klassenzimmer marschierten. Sie meinten dann zu mir, dass sie der Klasse kurz etwas sagen müssten. Und zur Klasse, dass alle vorkommen sollen, die am Samstag nicht da waren. Was das nun hieß, war mir sofort klar… =( Sobald Schüler in meiner Gegenwart geschlagen werden sollten, habe ich bisher zu dem jeweiligen Lehrer gesagt, dass ich das Klassenzimmer verlasse, sobald er jemanden schlägt. Für mich ist es schon schlimm genug, die Schläge zu hören, aber dann auch noch zuzuschauen, wie die Schüler zusammenzucken und hin und her hüpfen, das kann und will ich nicht. Bisher hat das immer ganz gut funktioniert, so meinten die Lehrer dann, ich müsse das Klassenzimmer nicht verlassen, sie würden die Kids dann heute nicht oder anders bestrafen. Einige meiner Schüler haben mir rückgemeldet, dass sie es gut finden, dass ich den Stock nicht benutze, weil sie auch der Meinung sind, dass man ohne die ganze Zeit mit dem Stock bedroht zu werden, besser lernen kann. Darüber habe ich mich sehr gefreut und ich hoffe, dass noch viele andere (vor allem auch die Lehrer) zu dieser Einsicht kommen. Mittwochs habe ich keinen Unterricht und so habe ich die Headmistress gefragt, ob ich daheim bleiben kann. So habe ich jetzt also mittwochs frei. Morgens wird dann gewaschen und mittags gehe ich meistens in die Stadt zum Einkaufen, ins Cultural Centre oder was uns eben sonst so einfällt. Einen Tag in der Woche frei zu haben ist ganz gut, denn ansonsten habe ich unter der Woche nicht wirklich Zeit, da ich von 7.30 – 14 Uhr in der Schule bin.

Nachmittage

Wenn ich dann der Schule um kurz nach 14 Uhr den Rücken kehre, ist es mittlerweile immer sehr heiß (meine Schätzung: 28 – 32°C). Dann heißt es für mich erstmal 15 min heimlaufen. Meistens wir unterwegs mindestens einmal „Bra!“ (= Komm) zu mir geschrien, wonach der Obruni, dann wenn er gerade Lust hat, zu den Menschen, die gerufen haben, geht und eine Weile mit ihnen redet :D . Oft sind das ältere Damen, die weder Englisch verstehen, noch sprechen können. Doch das bisschen Twi, das ich mittlerweile spreche, reicht für eine kurze Unterhaltung und danach verabschiede ich mich dann und gehe weiter. Zwischen 15 und 16 Uhr gehe ich dann meistens wieder los. Mal geht’s nach Denchemouso zu den anderen, mal ins Zentrum von Tanoso oder was sich eben so ergibt. Zwischen 18 und 19 Uhr trete ich dann so gut wie immer meinen Heimweg an, da es ab 18 Uhr dunkel ist und ein Obruni so „spät“ nicht mehr alleine von A nach B laufen sollte, weil es ja sooooooo ’dangerous’ sei. Sobald ich später als 18 Uhr jemandem begegne, der mich kennt (und das sind auf meinen gewohnten Wegen mittlerweile einige ;-) …), werde ich gefragt, warum ich heute erst sooooooo spät nach Hause gehe und das ich mich nun aber beeilen solle. Gefährlich ist es hier aber wirklich überhaupt nicht, erst recht nicht, so früh, wenn noch die ganzen Kinder auf den Straßen herum springen und schon von weitem „Obruni!“ schreien. Das einzig „gefährliche“ bei Dunkelheit sind die zahlreichen Löcher und Unebenheiten in den Straßen ;-) .

Ausflüge

2 Samstage verbrachten wir in den umliegenden Orten von Kumasi. Dort gibt es einige ehemalige Handwerksdörfer, die mittlerweile zwar zu Vororten Kumasis geworden sind, ihr Handwerk aber immer noch ausüben. So waren wir am Samstag 6. Oktober in Ntonso, das bekannt ist für seine Färberei. Hier werden Stoffe mit Naturfarben gefärbt und danach mit Adinkra-Mustern verziert. Jedes Stempelsymbol hat eine eigene Bedeutung. In einem extra für Besucher eingerichteten Zentrum wurde uns erklärt, wie die Farben aus Baumrinde gewonnen werden und wir durften einen Stoffstreifen mit von uns ausgewählten Symbolen bestempeln. Danach wurden wir dann noch in traditioneller Art und Weise in solch bestempelte Stoffe eingekleidet.

Und am 20. Oktober waren wir dann in Bonwire. Bonwire ist der Geburtsort des Kente-Stoffes. Kente ist eine traditionelle Art zu Weben – es werden verschiedene Symbole (vergleichbar mit den Adinkra-Symbolen) in mehreren Farben in ein Stück Stoff gewebt, was Kente sehr zeitaufwändig macht. Am Webstuhl sitzen traditionell meist Männer. Uns wurde gezeigt wie man den Webstuhl bedient und dann durften wir selbst jeder ein Stückchen weben.

Am Freitag, dem 26. Oktober war dann mal wieder Feiertag. Michael, ein Student der Uni in Tanoso, der letztes Jahr an der GGS in Denchemouso unterrichtet hatte, lud uns ein mit einigen seiner Studenten-Freunde über’s verlängerte Wochenende in die Western Region zu fahren. So ging es für uns (2x Lisa, Jenny, Jennys Mama und ich) am Donnerstagabend um 22 Uhr zu Fuß in Richtung Tanoso zu Michaels ’home’. Unterwegs trafen wir dann auf einen Geländewagen, der Streife fuhr diese Nacht. Natürlich wurden wir gleich gefragt, was wir (5 weiße Frauen) denn um diese Zeit auf der Straße machen würden. Doch nach kurzem Hinweis darauf, dass es nachts in Ghana für Obrunis zu gefährlich ist um draußen rumzulaufen, durften wir dann weitergehen. Wohlbehalten kamen wir dann bei Michael an und gingen von dort aus weiter zum Uni-Campus. Dort fehlte natürlich von dem Bus und den anderen Mitreisenden noch jede Spur und so hieß es erstmal wieder warten (aber das sind wir ja schon gewohnt…). Um kurz vor Mitternacht kam dann der Bus und dann wurde eingeladen. Schnell war klar, dass wir nie alle in den Bus passen würden. Der Bus hatte ca. 32 Plätze und wir waren 50 (45 Studenten + 5 Obrunis). Doch das ist in Ghana gar kein Problem. Die Sitzplatzzahl wird einfach durch Holzstühle, die in den Gang gestellt werden, erweitert. So hat dann jede Reihe 5 statt 4 Sitzplätze, die dann wiederum mit 6 Personen befüllt werden (wir saßen als einzige zu fünft auf 5 Plätzen auf der Hinfahrt). Etwa 5 der Studenten standen wirklich die komplette Fahrt (9h) und das ohne jegliche Anzeichen von Müdigkeit. So wurde die ganze Nacht über lautstark gesungen oder sich unterhalten. Mein erhoffter Schlaf kam dadurch etwas zu kurz und beschränkte sich auf ca. 1 Stunde. Am Freitag um 9 Uhr kamen wir dann an unserem ersten Ziel an: Nzulezo. Wir stiegen aus dem Bus aus und standen plötzlich am Strand. Leider regnete es just in dem Moment, doch nachdem alle Erinnerungsfotos mit dem Meer gemacht waren, hörte es dann auch schon wieder auf ;-) . Zum Frühstück gab’s dann erstmal Kenkey mit ’fish stew’. Eigentlich hätte es Reis geben sollen, doch der wurde in Tanoso vergessen… Danach wurden uns allen Schwimmwesten verpasst und dann ging’s los mit Kanus zum Stelzendorf, das wir besichtigen wollten. Die Häuser sehen dort in etwa so aus wie die Pfahlbauten am Bodensee, nur dass es halt ein großes Dorf bestehend aus Häusern auf Stelzen ist, dessen einziger Weg ins und aus dem Dorf übers Wasser führt. Es wohnen dort 700 Menschen und es gibt sogar eine Schule. Bis vor kurzem gab es dort nicht einmal Strom und uns ist unvorstellbar, wie Menschen dort freiwillig leben können. Entsetzt bin ich darüber, dass es hier nicht einmal irgendwelche Geländer, Zäune oder ähnliches gibt. So krabbeln die Kleinsten auf den Holzplanken herum und neben ihnen ist nichts als Wasser… Am Nachmittag geht’s dann mit dem Bus weiter nach Takoradi (2h). Dort sind wir in drei Räumen einer ’Seventh-Day-Adventist-Church’ untergebracht. Wir erfahren, dass all die Studenten, die dabei sind, Adventisten sind. Am Samstagmorgen geht es deshalb in die Kirche (Adventisten feiern den Sabbat, nicht den Sonntag). Etwas verwundert bin ich, dass der Gottesdienst dem mir bekannten sehr ähnlich ist (inhaltlich), nur dass er samstags ist und wir insgesamt von 8.30 Uhr bis um 14.30 Uhr im Gottesdienst verbringen. Danach geht es für uns dann zum ’harbour’ der NAVY in Sekondi-Takoradi. Dort werden uns die Kriegsschiffe von Ghana gezeigt. Zwei der zwölf Schiffe kommen aus Deutschland und da ’Germany’ für ’good quality’ bekannt ist wollen die Ghanaer unbedingt eines der deutschen Schiffe von innen sehen. Am Sonntag geht es dann wieder heim. Dieses Mal schaffen sie es irgendwie, dass jeder einen Sitzplatz (oder zumindest einen halben) hat, so sitzen auch wir nun zu sechst auf 5 Plätzen, was dann dementsprechend bequem ist ;-) . Abwechselnd sitzt deshalb pro Reihe mindestens einer auf die Rückenlehne, damit jeder einen ganzen Sitzplatz hat. Die Rückfahrt dauert dann (warum auch immer) nur 6 Stunden, so sind wir nachmittags schon wieder in Tanoso.

Auch ein viel zu langer Blogeintrag hat mal ein Ende ;-) Ganz liebe Grüße aus Ghana!!! Bis bald =) Eure Anja

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2 Antworten zu “10 Wochen – endlich mal wieder ein Lebenszeichen ;-)

  1. Hallo, durch welche Organisation bist Du nach Tanoso gekommen. Ich habe vom 15.12.2012 bis 2.2.2013 privat bei Freunden in der Nähe von Tanoso
    gewohnt. Da habe ich mir gedacht, es müßte doch möglich sein, länger als 6 Wochen in Ghana bleiben zu können. Hast Du eine Adresse wo man sich bewerben kann? Gruß Franziska

    • Hallo Franziska =) Ich war über den Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreis (DTGHF) bzw. German-Ghanaian Friendship Association (GGFA) in Ghana. Ich würd dir gern noch n bisschen genauer Bescheid geben, das ist aber über E-Mail denke ich geschickter… 😉 LG, Anja

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