Archiv der Kategorie: Eva, Nürnberg

Eva Grabenstein
September 2011 bis August 2012
Primary School Tanaso

letzte Nachricht aus Ghana


„Verabschiedet euch auch ganz bewusst von eurem alten Ich, wenn ihr geht. Ihr werdet als anderer Mensch zurückkommen.“

Ich weiß jetzt, was mit diesem Satz gemeint ist. Es ist jetzt 5 Monate her, da ich den ersten Bericht geschrieben habe. Und nun ist es an der Zeit meinen letzten Bericht aus Ghana zu schreiben.

Natürlich werde ich in gewisser Weise immer noch eure Eva sein, doch hat sich manch Ansicht, manches Verhalten und Denken, sowie mein Auftreten verändert (und zugegebenermaßen mein Gewicht auch :D). Meine Arbeit hier war oft sehr frustrierend und langweilig und hat mich doch enttäuscht. Ich selber habe schnell herausgefunden, dass ich nicht damit klar komme als eine Befehls gebende Person zu agieren, vor allem, weil meine Schüler doch etwas älter als erwartet waren und ich somit meist gleichaltrig war. Um doch etwas sinnvolles zu tun zu, hatten wir viel versucht zu starten, was alles den Bach runter ging. In Ghana funktioniert eben nicht jeder und alles so wie man will. Auch unser Bibliotheksprojekt hat nun ziemlich spät erst gestartet, dazu aber später noch. Das alles war sehr enttäuschend für mich und hat mich oft sehr heruntergezogen. Daneben hatte ich noch mit Themen wie mit dem Schlagen oder meiner Gastfamilie zu tun, die es mir auch nicht immer leicht gemacht haben.

Doch gerade diese Situationen haben mich hier geprägt und haben mich weiterentwickelt. Meine Standpunkte sind immer deutlicher geworden, meine Wünsche und Ziele hatte ich immer deutlicher vor Augen. Ich habe gelernt meine Meinung, wie sie auch sein mag, selber zu akzeptieren und auf meine Bedürfnisse zu achten, habe gelernt in mich zu hören und mich zu verstehen. Und das ist meiner Meinung nach das wichtigste an diesem Aufenthalt gewesen! Ja, ich komme als eine andere zurück und ich bin unendlich glücklich dieses knappe halbe Jahr in Ghana gewesen zu sein.

Es war auch eine unheimlich bereichernde Zeit, eine Zeit voller Spaß und  Entdeckungen, voller Freude, Erkenntnis und Erlebens. Ich habe viel gesehen, erlebt, gelacht, auch mal geweint, Freunde gefunden und Menschen kennengelernt. Ich würde diese Erfahrungen nie wieder hergeben wollen und empfehle das wirklich jedem jungen Menschen weiter. Egal wie schwer es manchmal war und wie sehr ich manchmal nach Hause wollte, das gehört eben dazu.

Ja, dann ist es für mich auch mal an der Zeit zu danken. (Vorsicht lange Liste… Ich danke gerne 😉 )

Ich danke zuerst einmal meinen Eltern, die diesen Aufenthalt erst für mich möglich gemacht haben. Danke Papa, dass du mit mir so viel recherchiert hast, mich bei der Suche so gut Unterstützt hast und dass du mich immer wieder neu angetrieben hast. Ich würde wohl ohne dich nicht hier sitzen. Und danke, dass du an meinem Geburtstag da warst. Im Nachhinein find ich es lustig, wie du mit den Rastas hier getanzt hast 😀 Danke Mama, dass du mich immer unterstützt hast, dass du mir Mut gemacht hast und dass du so viel Geld fürs telefonieren ausgegeben hast! Ich schätze das sehr, dass du immer für mich da bist!

Ich danke meinen Großeltern, die mich so lieb und so oft über alles informiert haben, mich auch unterstützt haben, mir ganz liebe Briefe, Postkarten und Emails geschickt haben. Danke euch für alles!

Dann danke ich meinen lieben Freunden, die sich so sehr um mich gekümmert und mich unterstützt haben und den Kontakt trotz dem Stress in der Schule, Studium oder Arbeit aufrecht gehalten haben. Danke für eure Unterstützung und für eure Infos aus Deutschland! Danke Lea, Paddy, Dani, Kellya, Lilo, Leo, Niki, Sari und all den anderen!!!

Ich danke meinen lieben Leuten hier, es decir Lea, Sabine, Philipp, Dennis, Konrad und Jakob. Ohne euch wäre ich wohl manchmal verzweifelt (obwohl…. mit euch auch manchmal…;) )! Ihr habt diesen Aufenthalt mit gestaltet und so unvergesslich gemacht. Ich denke nur an die ganzen Ausflüge, an die Ferien und an die Abende, die „Tagesreisen“ nach Adum/Kedetja, das zusammen rumhängen oder arbeiten. All das war doch eigentlich ein rießen Spaß. Ich sage nur: Wir sind unheimlich gewitzt!!

Danke natürlich an meine Gastfamilie Abena, meine Ma, Effe, meine Sister und Kwabena, mein Kumpel ;)! Danke für das Zimmer, das Essen, die Sorge, die Geduld mit mir und die Möglichkeit in einer ghanaischen Familie zu leben! Es war irgendwie eine sehr schöne Zeit.

Dann danke ich den Lehrern, die auch ihren Teil beigetragen haben, ob nun in Auseinandersetzungen, Vergleichen oder Gesprächen über Religionen und Gewohnheiten. Von den Lehrern habe ich eine Menge mitgenommen. Danke Felicia, Kossi, Vincent, Victoria, Pat, Eva, Stephen, Esther und und und…

Ich danke den Leuten an der GGS, mit denen ich auch ziemlich schöne Zeiten und Ausflüge hatte. Als allererstes mal Harriet mit Sewaa! Dann natürlich Martin, Sark, George und Millicent.

Und dann danke ich noch all den Menschen, die meinen Aufenthalt hier mitgestaltet haben. Meine ghanaischen Freunde Richard, Jaffaru, George, Richard (II), Erik meine Nachbarin Ama (Mepe wo!), die netten Friseusinnen von Gegenüber, meine Bananenfrau, meine Kiddies hier, meine lieben Schüler, die Verkäuferinnen an der Schule, die Menschen auf meinem Weg, die mich kennen, der coole Rastamann aus Cape Coast, mit dem ich sehr lange lustige Gespräche hatte, mein Sandwitchmann im Oasis, Bob und Francis von der Green Turtle Lodge, Frank, Harry, meinen Privatautofahrer, die ganzen coolen Verkäufer von dem kulturellen Shop, vor allem Piedro und meine „Mama“, die zwei vom Postoffice („I know you already. Your number is nine zelo zelo four“) und und und…

Und dann noch den ganzen Obrunis, die hier mitgestaltet haben. All die Volunteers, die ich hier kennengelernt habe, Mäxchen, Nico, Peter, Sarah, Barbara, Katie, Yorda, Severin, Jenny, Jenny, Martina, Paulina, Nicole und all die die ich flüchtig kennengelernt habe. Die Leute, die ich auf Reisen kennengelernt habe, Gary, mein lieblings Australier, Jaqueline aus Deutschland mit Sidney (die ich unbewusst dazu gebracht habe den ersten Brief ihres Lebens zu schreiben, mit 5 Jahren), Ali und Mirko vom Oasis, Roger und Carmen aus Holland, Sarah aus Wales, Jesse aus Kanada, die zwei netten Damen aus England, Amber aus Holland, Anette und Dennis ebenfalls aus Holland, Volker aus Deutschland mit seiner ghanaischen Frau Tigri und und und.

Ich danke natürlich auch all denen, die meinen Blog gelesen haben, mich seelisch unterstützt haben und immer für mich ein offenes Ohr hatten. DANKE!

Zum Schluss Danke ich natürlich noch dem Deutsch-Ghanaischem Freundschaftskreis, die mich genommen haben, mir die Chance gegeben haben, mit mir einige Problemchen hatten und doch mir ein unvergessliches Erlebnis möglich gemacht haben. Danke!

Ich verlasse Ghana am Mittwoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das weinende Auge sieht die schöne Zeit und die lieben Menschen, die ich jetzt verlasse. Der Abschied hier wird wohl doch ein wenig härter, da ich ja nicht sicher weiß, wann und ob ich mal wieder zurückkomme.

Das lachende Auge sieht aber all die lieben Menschen, die in Deutschland auf mich warten. Außerdem all die Sachen, auf die ich mich so sehr freue. Angefangen mit einem Käsebrot, über einen guten Kaffee am Morgen, eine dicke Zudecke bis zum Klavier……

In Deutschland wird es dann noch einen ausführlichen Bericht über das Eingewöhnen geben (was ich mir jetzt schon schwer vorstelle)  und natürlich einen Bericht über die Spenden, de bereits eingesetzt wurden!

Man sieht/hört/schreibt sich in Deutschland! Bis dahin, alles Liebe, Ich freu mich auf euch!

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I had the time of my life :) – Weihnachtsferien


Zuerst einmal nachträglich meiner ganzen Familie, meinen Freunden, Bekannten und allen, die meinen Blog verfolgen ein gesundes neues Jahr, Glück, Erfolg und Spaß, bei allem was ihr tut!

Ich muss nun darauf hinweisen, dass dieser Blogeintrag wohl ziemlich lang wird, da ich in den letzten zwei Wochen eine unglaublich schöne und ereignisreiche Zeit hatte. Also, los geht’s:

Wie schon erwähnt waren die letzten Wochen vor den Ferien nicht allzu entspannt und leicht für mich und so bin ich mit großer Freude am 23.12. um fünf Uhr aufgestanden, um in Richtung Süden zu fahren. Mit uns fünf (Sabine und Jakob bewegten sich ohne uns gen Accra um Familienangehörige abzuholen) fuhren noch acht andere Freiwillige an die Küste, sodass wir uns ein ganzes Trotro mieteten. Unser Ziel war die Green Turtle Lodge, eine kleine Anlage fast direkt am südlichsten Punkt Ghanas (Cape Three Points), völlig abgeschieden, umgeben von Wildnis, Palmen und einem paradiesischem Strand. Etwas überrümpelt habe ich mich bei der Ankunft gefühlt. Ich konnte meine Augen einfach nicht mehr von dem paradiesischem Bild lassen: Eine Bar, Holztische, kleine Lehmhüttchen im Palmenwald direkt am Strand und keine 30 Meter von unserem Schlafraum bis zum Meer, sonst nichts. Einfach mal Nichts. Kein Lärm, kein Gestank, keine Aufmerksamkeit. Ich wollte alles auf einmal und doch keine Hektik. Die Atmosphäre war sehr familiär. Die Bedienung kannte uns binnen kurzer Zeit (man lies sich Essen und Trinken an der Bar immer alles Aufschreiben, von daher nicht allzu schwierig), wir kannten auch die Bedienung schnell, hatten lustige Gespräche und Abende mit ihnen verbracht. Es waren viele Deutsche in der Lodge, aber auch Engländer, Amerikaner, Holländer und Franzosen waren gekommen um Weihnachten hier zu feiern. Weit, weit weg von allem Trubel. Ich dachte zuerst, dass ich Weihnachten ohne meine Familie schwer feiern könnte und ich Heimweh bekommen würde. Aber als dann Lea am 24. in der früh mit ihrer mitgebrachten Blockflöte anfing Weihnachtslieder zu trällern verging mir schnell die Lust auf dieses deutsche Weihnachten. Es ist einfach nicht das selbe und am Strand bei 30 Grad an Weihnachten zu denken. So verbrachten wir den heiligen Abend mit einem exzellentem Essen, am Strand sitzen, Konrad beim Saxophon spielen zuhören und reden. Und es war gut so, es war anders aber unglaublich schön!!! Die Tage darauf verbrachten wir einfach nur lesend,Volleyball spielend, im Wasser planschend (die Jungs sind gesurft, für uns Mädels waren die Wellen zu hoch, um tiefer als zur Hüfte ins Meer zu gehen. Wir wurden anfangs zu oft überspült und herumgewirbelt), schlafend und redend (Ich bin begeistert, wie frei und offen ich mich inzwischen auf Englisch unterhalten kann), Sandburgen bauend und nachdenkend. Für Matthias und Maria, „unsere“ Besucher aus Deutschland, war es anfangs sichtlich schwer nachzuvollziehen, wie wir sieben Tage einfach nur nichts machen konnten. Doch später, als wir wieder in das richtige ghanaische Leben einstiegen verstanden sie unser Bedürfnis.

In der Green Turtle Lodge bekamen wir morgens, mittags und abends sehr gutes europäisches oder ghanaisches Essen aufgetischt, je nachdem, was wir bestellten. So hatten wir an einem Abend Pizza, am anderen Schwertfisch mit Reis, dann mal Nudeln mit Knoblauchsoße und dann wieder Reis mit Mango-Gurken Stew. Und jedes mal beschlossen wir am nächsten Tag mit dem sparen anzufangen. Hat nie so geklappt wie wir wollten. Zu allem Überfluss gab es abends Cocktails, die man frisch gepresster gar nicht mehr bekommen konnte. Wenn wir Lust gehabt hätten, hätten wir uns sogar eine Kokosnuss von einem der vielen Palmen nehmen können, sie öffnen können (was im Übrigen unser Nachmittagssnack jeden Tag war. Danke dafür nochmal an Konrad, dessen Hobby es geworden war Kokosnüsse zu jagen und zu öffnen) und daraus einen Pina Colada trinken können… :-) Ja, in der Lodge lies es sich leben! Das alles entschädigte die (sauberen) Plumsklos, den fehlenden Strom in den Schlafräumen (Öko-Lodge) und die Sandflöhe (Füße waren am Schluss blutig gekratzt…). Es lies sich trotzdem super dort leben!

Gelegentlich machten wir uns dann doch mal auf um etwas zu sehen. So schauten wir uns das kleine Fischerdorf in der Nähe an, das eine fantastische Lage zwischen zwei Buchten hat, oder machten einen Turtle Walk. Leider suchten wir zwei mal vergebens nachts kilometerweit den Strand nach Schildkröten ab. Dafür hatten wir aber doch zwei sehr ruhige und schöne Strandspaziergänge, über uns Sterne, die ich selten so schön gesehen habe, und unter unseren Füßen Algen, die man nicht bei Tageslicht sieht, aber wenn man im Dunklen auf sie tritt glitzert der Sand. Wunderschön!

Leider gingen die sieben Tage meiner Meinung nach viel zu schnell vorbei. Ich habe mich selten so ausgeruht und ruhig in Ghana gefühlt. Also mussten wir uns schweren Herzens am 30. Dezember von der kleinen Lodge im Süden verabschieden und ein Trotro gen Cape Coast nehmen, wo wir in einem Beach Resort für vier Nächte Zelte gebucht hatten. Das besagte Oasis Beach Resort nahe des Zentrums von Cape Coast wurde von einem deutsch-türken aus Stuttgart aufgebaut und bis heute geführt. Kein Wunder, dass uns bei der Ankunft massenweise Deutsche empfingen. Das Oasis liegt am Strand mitten in Cape Coast. Es ist laut, es riecht wieder nach Ghana, es sind viele Menschen unterwegs und die entspannte Atmosphäre ist zerstört. Wir wurden zu den Zelten geführt, die von der Anzahl nicht ausreichend waren und so mussten wir unser Gepäck woanders hinsperren um Platz zu sparen. In der Nacht war es laut, es war hell und es war eng im Zelt. Ich war völlig überfordert, vom Kopf her noch nicht aus der ruhigen Lodge draußen. Das änderte sich aber schnell am nächsten Tag, da alle in Silvesterstimmung waren. Und schon war auch ich wieder drinnen im Trubel. Geschwommen bin ich leider nie, da es an dem Strand, im Gegensatz zu dem bei der Lodge, voll war mit Einheimischen, die die Weißen Touristen ein bisschen nerven wollten. Das war mir dann doch zu viel und so bevorzugte ich es angezogen zu bleiben.

Die Silvesterfeier im Oasis war super! Neben DJ, guten Verstärkern und einer Tanzfläche stimmte einfach die Stimmung. Es waren Weiße als auch Schwarze am feiern und es hat einfach alles gepasst. Nachdem wir schon einmal um 11 Uhr für die Deutschen anstießen wurde um 12 dann nochmal für alle angestoßen („Afehija paa!“). Ali, der Besitzer des Oasis, hatte ein großes Feuerwerk und zwei rießen Lagerfeuer am Strand organisiert und als das vorbei war ging die Party weiter. Neben dem ghanaischen Pop wurden endlich auch mal wieder Lieder gespielt, zu denen man gut tanzen konnte. Wir waren alle im siebten Himmel :-) ! Um halb acht verließ dann der letzte die Tanzfläche.

Eigentlich wollten Lea und ich um acht Uhr ein Neujahrsschwimmen machen, was aber leider ins Wasser fiel, weil die Wellen mal wieder zu hoch waren. Dafür hatten wir gleich ein sehr interessantes Gespräch mit einem Ghanaer. Mein erstes Gespräch im neuen Jahr war also mit einem Rastamann mit Joint in der Hand, der behauptete, dass er auf unsere Sachen aufpasst, wenn wir ins Wasser gehen. Außerdem bekam ich für das neue Jahr von ihm ein paar Weisheiten mit auf den Weg: die Sonne in Afrika ist nicht schädlich, da da nicht so viele Chemikalien wie in Europa drinnen sind UND Marihuana ist gut für die Gesundheit, vor allem wenn man jeden Tag einen Joint raucht. Man steigert damit sein Wissen. Somit starte ich gleich mit einem neuen Wissen ins neue Jahr. Sonst passierte an dem 1.1. nicht sonderlich viel, da alle es bevorzugten liegen zu bleiben. Am Tag darauf wurde ich dann mit Flitzepupu beschert (nur um das mal klarzustellen: Das ist durchaus das Gesprächsthema #1 hier. Jeden morgen kommt von jedem eine Analyse: „Und geht’s?“ – „Nein, es läuft“. Also ich rede hier jetzt nicht weniger offen…), was mich dazu zwang daheim zu bleiben, während die anderen den Kakum Nationalpark besuchten. Da werde ich aber sowieso in zwei Wochen nochmal hingehen, deswegen ist das nicht ein allzu großer Verlust. Am Abend gab es dann nochmal eine kleinere, schon fast Privatparty im Oasis die wir in vollen Zügen genossen. Und dann mussten wir auch am 3.1. das Oasis wieder verlassen. Eine etwas kleinere Gruppe von uns machte sich letztendlich noch auf den letzten Teil unserer Reise, in die Volta Region.

Unser erstes Ziel war Akosombo, ein kleines Dörfchen noch auf der linken Seite des Volta, kurz vor dem Staudamm. Dort bekamen wir eher zufällig ein Zimmer in einem teurem Wellnesshotel. In unserem Reiseführer war bei den Preisen versehentlich eine Null zu wenig gestanden, also fragten wir nach. Letztendlich bekamen wir zu acht ein Doppelbettzimmer, dafür aber auch einen Pool und eine herrliche Aussicht über den Volta. Fast schon zu kitschig, zu romantisch und zu absurd. Es ist unglaublich schade, dass die Ghanaer selber so wenig von ihrem Land zu sehen bekommen und so wenig davon profitieren. In der Hotelanlage waren wieder nur Weiße und vereinzelt Schwarze, die aber alle aus anderen Ländern stammten. Leider hat man häufig das Gefühl, dass man hier den Blick für die schöne Natur verloren hat und nur noch stolz auf die neuen Entwicklungen ist… Dieses Hotel gab uns zu denken…

Am Tag darauf fuhren wir zu unserem letzten Ziel: Hohoe. Die Trotrofahrten in der Voltaregion waren für mich die schlimmsten, da durch die doch halbwegs gut geteerten Straßen die Fahrer dachten sie könnten rasen was das Zeug hält. Frei nach dem Motto: Kommt n Schlagloch, flieg ich drüber! Überholmanöver mit 140 km/h kurz vor Kurven eingeschlossen. Aiaiaiai…. Leider machten wir mit dem Trotrofahrer keine gute Erfahrung. Der wollte von uns allen 2 Cedi Gepäckgeld. Während der Fahrt fragten wir dann Ghanaer, ob sie auch zahlen müssten für ihr Gepäck. Die mussten das nicht, deshalb protestierten wir, woraufhin der Fahrer handgreiflich wurde und mit aller Gewalt versuchte unsere Sachen am Schluss wieder einzuladen, bis wir ihm das Geld gaben. Das ist ein sehr großer Nachteil für Touristen, dass man einfach zu oft verarscht und ausgetrickst wird, wenn man nicht aufpasst. Meiner Meinung nach ist das ein rassistischer Gedanke und bringt die Ghanaer absolut nicht weiter, was uns sehr traurig macht. Auch sie sollten anfangen die Weißen wie die Schwarzen zu behandeln…

In Hohoe nisteten wir uns in ein Hotel ein, das doch eher den Volunteerpreisen entsprach, trotzdem aber gut geführt war, für ghanaischen Standard. Leider holte mich tags darauf der Durchfall wieder ein und so fiel ich mal wieder einen Tag aus. Der Tag, für den die Wli Falls, die größten Wasserfälle Ghanas vorgesehen waren. Barbara, eine Freiwillige, die mit uns kam, blieb Malariabedingt mit mir im Hotel. Dafür gingen wir am nächsten Tag alle zusammen in das Tafi Atome Monkey Sanktuary, in dem wir durch einen Wald geführt wurden und kleine Äffchen füttern dürften. Sehr süß :-) Leider bekamen wir während der ganzen Volta Region Reise den Volta See niemals zu Gesicht. Es waren doch zu viele Sachen, die wir machen wollten und eindeutig zu wenig Zeit und letztendlich auch zu wenig Geld um noch länger zu bleiben. Deshalb hieß es für uns ende der letzten Woche: Ab nach Hause – esst wieder ghanaisch!! Nach einer zehn Stunden Trotrofahrt mit keiner Beinfreiheit (Ich musste mich sogar schräg setzen, damit ich zwischen die Reihe passte) trafen wir schlapp aber glücklich und überhäuft mit Erfahrungen und Eindrücken, wieder in Kumasi ein, ich aber auch ein Handtuch, ein Shampoo und mein Handy weniger…

Diese zwei Wochen waren für mich wunderschön und ich bin unendlich dankbar Ghana auch mal aus dieser doch eher touristischen Sicht gesehen zu haben. Ghana ist ein unglaublich schönes Land und hat viele schöne, sehenswerte Ecken. Das ist ein ganz großer Pluspunkt und ich werde sicher wieder zurückkommen um noch mehr davon zu sehen!  Ich danke an der Stelle auch der Gruppe, mit der ich unterwegs war. Mit euch hat es einfach super  viel Spaß gemacht und ich würde es jederzeit wiederholen!

 Bilder

Spenden und Neues


Es hat sich viel getan in letzter Zeit.

Auch im Bezug auf meinen Aufenthalt in  Ghana hat sich einiges bewegt.

Ich werde nun vorrausichtlich Anfang Februar schon nach Hause fliegen. Das hat sich ergeben durch den Stellenwechsel meiner Mama von unserer kleinen Osterkirche in die größte Bayerns, die Lorenzkirche. Dieser Wechsel ist verpflichtend mit einem Umzug verbunden. Mein Wunsch war es von Anfang an bei einem Umzug dabei zu sein und zu helfen. Ferner möchte auch ich mich in Ruhe von allem verabschieden, was mir in all den Jahren in Worzeldorf ans Herz gewachsen ist.

Nun ist diese Situation unerwartet schnell eingetreten und das ist der Grund, warum ich mich gezwungen sehe diesen Aufenthalt abzubrechen. Für mich ist es auf der einen Seite durchaus schwer, weil ich doch vieles hier lieb gewonnen habe, auf der anderen Seite sehe ich aber auch das sich so schleppende Projekt, was es mir ein wenig erleichtert zu gehen.

Nichtsdestotrotz sammeln wir über Weihnachten Spenden für unsere Bibliothek um in der Anglican Junior High School Tanoso auch unsere Spuren zu hinterlassen. Mir ist es jetzt noch wichtiger, da ich nur noch einen begrenzten Zeitraum habe um hier was zu bewirken,

Ich werde vorrausichtlich das Projekt mit starten können, Jakob und Konrad werden es dann aber ohne mich zu Ende führen müssen. Unser Bibliotheksprojekt besteht in erster Linie darin Möbel und Bücher zu beschaffen. An der Schule stehen bis jetzt nur etwa 100 Bücher zur Verfügung, die meisten davon sin ganze Klassensätze, was bedeutet, dass es wenige unterschiedliche und dazu noch alte Schulbücher sind. Wir planen neben Sachbüchern auch Geschichts- und Bilderbücher zu kaufen um den Schülern das lesen ein wenig mehr zur Freude zu machen. Leider gibt es in der hiesigen Bibliothek kein einziges Regal, was heißt, dass wir auch diese noch beschaffen müssten. Da das Holz hier sehr teuer ist, ist die ganze Sache ziemlich kostspielig. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir um die 500 Euro zusammenbekommen könnten. Um Geld zu spenden kann einfach dieses Spendenformular (https://secure.spendenbank.de/kreditkarten/karte.php?oid=1494385) ausgefüllt werden (Verwendungszweck: GGS Tanoso) und abgeschickt werden oder eine es kann eine SMS gesendet werden: Wenn Sie eine SMS mit dem Kennwort „FREI GHANA“ an die 81190 senden. Über Ihre Mobilfunkrechnung werden Ihnen 5.00 Euro berechnet, wovon 4.50 Euro bei uns ankommen. Diese Möglichkeit gilt nur aus dem deutschen Mobilfunknetz heraus.

Das Geld wird direkt auf ein Spendenkonto des Deutsch-Ghanaischen Freundschafskreises übertragen und an uns Deutsche dann übergeben. Das versichert, dass das Geld auch hundert prozentig nur für die Bibliothek verwendet wird. Wir danken im Vornherein schon für die Spenden, die ankommen und berichten, sobald das Geld eingesetzt wurde.

So, das war der formelle Teil, jetzt erzähl ich noch ein bisschen was. Die Weihnachtsstimmung fehlt leider  immer noch. Ich bekomme gelegentlich Zimtsterne oder Lebkuchen aus Deutschland (DANKE!!!), auch einen Adventskranz besitze ich, man hört gelegentlich Weihnachtsmusik (nicht so viel wie in Deutschland) und sieht ab und zu einen schwarzen Weihnachtsmann, doch die Stimmung kommt einfach nicht auf. Ich habe eher das Gefühl, welches ich früher oft in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien hatte. Gerechtfertigt, finde ich. Wir werden ab dem 23. Ausführlich unsere Ferien genießen. Es hat etwa 30 Grad (ich kann das nun behaupten, ich habe das erste mal seit dem ich hier bin ein Thermometer gesehen) und wir fahren an die Küste. Wie schon mal erwähnt werden wir 7 Tage in einer Lodge am Strand verbringen, im Hintergrund Palmen, im Vordergrund das Meer. Über Silvester werden wir nach Cape Coast in einer Hotelanlage am Meer zelten und ab dem 3. Januar gen Voltaregion reisen. Das hört sich nach Sommerurlaub an und ich bin ein wenig Wirr im Kopf, da es doch Dezember ist… ;-) Am 9. Januar sind dann die Ferien auch schon wieder vorbei und das Projekt kann hoffentlich starten!

Jetzt bedanke ich mich noch bei meinen Eltern für die viele Unterstützung in den letzten Wochen, die nicht so leicht waren, natürlich auch für die Pakete, die mir den einen oder anderen Tag gerettet haben, ich bedanke mich bei meinen Freunden, weil ich sie liebe und ich bedanke mich bei allen, die hier immer noch so interessiert mitlesen! Und das größte Dankeschön (auch im Namen der Schule [„May God bless them“]) geht an die Spender!!! Und dann noch ein kleines Dankeschön an unsere Freunde die Schwaben, die die Käsespätzle erfunden haben! Wir haben am Sonntag welche für meine Gastfamilie zubereitet. Mit echtem Käse!!! Eine Seltenheit hier, leider auch sehr teuer. Das Fazit: Ghanaer mögen keine Käsespätzle (aus Höflichkeit haben sie zwar gesagt es war gut, haben aber darauf bestanden, dass sie satt sind und sich dann hinter meinem Rücken noch etwas zu essen gemacht :D . Gewitzt diese Ghanaer!), sie mögen nur den Beilagesalat und die Deutschen mögen Käsespätzle sehr und essen alle auf…

So, dann wünsche ich euch allen ganz fröhliche und besinnliche Weihnachten, schöne Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!!! Ich bin voraussichtlich bis zum 9. Januar nicht im Internet vertreten aber gerne über mein Handy zu erreichen. Diejenigen, die es noch nicht bemerkt haben: Die Nummer steht auf dieser Seite unter „Kontakt“.

Ganz ganz liebe Grüße gehen jetzt noch an meine Familie. Ich hab euch lieb! Feiert schön!!

Liebe Grüße an alle aus dem sommerlichen Ghana,

eure Eva

Ein etwas anderes Wochenende


Letzten Freitag machten wir uns sehr früh auf, um nach Busua an die Küste zu fahren, das Meer zu genießen und an einem Reggaefestival teilzunehmen. Wann hat man schon mal die Chance in Afrika ein Reggaekonzert zu bekommen? Außerdem mussten wir unbedingt mal wieder raus aus dem Alltag und etwas erleben…

So oder ähnlich hätte mein Blog wohl angefangen, wenn ich nicht am Donnerstag plötzlich von starken Glieder- und Kopfschmerzen geplagt gewesen wäre. Eigentlich versprach der Tag gut zu werden, wir hatten ein großangelegtes Fußballturnier an unserer Schule, zu dem viele weitere Deutsche, Finnen und Schweden kamen. Sie hatten den Schülern Trikots und Fußballschuhe zur Verfügung gestellt. Also saßen wir während des Spiels neben dem Platz, waren umgeben von begeisterten Schülern und einer euphorischen Stimmung. Ich konnte das leider erst genießen, nachdem ich meine erste Schmerztablette genommen hatte. Dann ging es mir aber den ganzen Tag gut und ich machte mir keine Sorgen mehr, freute mich einfach nur noch auf das Wochenende und packte am Abend noch meinen Rucksack. Dann wurde ich leider ernüchtert, die Schmerztablette hatte nachgelassen, ich hatte starke Kopfschmerzen und meine Temperatur stieg im Laufe das Abends auf 39 Grad. Irgendwann musste ich mir dann leider auch eingestehen, dass ich es nicht schaffen würde fit am nächsten Morgen um vier Uhr aufzustehen und eine sechs Stunden Trotrofahrt auf mich zu nehmen. Also sagte ich schweren Herzens ab. Am nächsten Tag ging ich dann ins Krankenhaus. Das Labor hatte zu dem Zeitpunkt leider schon geschlossen, also konnte ich mir nur den Rat des Arztes einholen. Der Vermutete stark, dass es sich hierbei um Malaria handelt und gab mir Medikamente mit. Als ich am nächsten Tag im Labor alle meine Proben untersuchen lassen habe, stellte sich aber heraus, dass es kein Malaria ist. Mich hat das ehrlich gesagt nicht erleichtert, sondern eher erschreckt, weil ich davon ausgegangen  war, dass es Malaria ist, und ich nicht wissen wollte, was mich sonst so herrichtet. Nach einem weiteren Gespräch mit dem Arzt wurde ich endlich aufgeklärt. Ich hatte eine Harnwegsinfektion und musste um diese schneller zu behandeln bis zum Abend im Krankenhaus bleiben und am Tropfen hängen. Da ich ja sowieso nichts besseres zu tun hatte willigte ich also ein und lies mich in eines der Krankenzimmer bringen. Nach meinem Erlebnis auf Korfu dachte ich eigentlich meine Krankenhauserfahrungen können nur noch besser werden. Falsch gedacht!

In dem Zimmer, in das ich kam, standen drei Betten und zwei Nachttische. Nichts sonst, was an ein KH erinnern könnte. Weder eine Steckerleiste, noch Geräte. Der Boden übersät von Ameisen, die Wände dreckig und ein Ventilator an der Decke, der zwar ging aber nicht richtig befestigt war, sodass er bei jedem Dreher quietschte und klickte. Die Temperatur in diesem Raum war viel zu hoch, um darin auf einem Bett liegen zu können, ohne ständig zu schwitzen und die Frau, die mit ihrem kleinen Sohn noch darin lag hatte gerade Banku gegessen, was meiner Meinung nach nach Erbrochenem riecht. Aber wen juckt das, wenn man sich so schlecht fühlt, dass man alles tut, was von einem verlangt wird. Also lag ich bis um 22 Uhr in dem Zimmer an einer 500 ml Infusion, schlief, schwitze und wartete. Die Schwestern fanden es anscheinend nur lustig einen Weißen im KH liegen zu haben und haben mich ständig nur Twi reden hören wollen oder mit mir einfach nur Twi geredet. Das fand ich ein bisschen unprofessionell, da sie einfach gar nicht mehr erst herübergekommen sind, eher so, als wäre das alles eine Spaßveranstaltung und ich sei gar nicht krank. Da es mir am Abend wieder gut ging und mir versprochen wurde ich dürfe nach Hause, freute ich mich sehr, als die Schwester meine Infusion abnahm. Umso mehr erschrak ich, als sie eine neue 500 ml Infusion an meinen Schlauch hängte. Ich fragte dann etwas irritiert, ob es nicht hieße, dass ich an dem Abend noch nach Hause dürfte. Sie meinte dann, dass die Infusion ja auch nur eine Stunde dauern würde, danach dürfte ich heim. Die andere habe nur sieben Stunden gedauert, weil die Schwestern den Tropfen zu langsam eingestellt hatten….

Als die Infusion dann eine Stunde später wirklich durchgelaufen war, kam eine Schwester und meinte, dass der „Night Doctor“ leider nicht mehr kommen könne, weil es jetzt zu spät sei. Morgen früh würde ein Doktor kommen und mich entlassen. Ich solle doch jetzt einfach schlafen. So verließ sie das Zimmer mit den Worten „Eva, sleep!“ Die Nacht war leider gar nicht schön. Mein „Bettlaken“ und mein Kopfkissen waren inzwischen nass, der Ventilator quietschte, das Licht war die ganze Nacht  an und es war heiß. In der früh fragte ich sofort nach dem Arzt, der mich entlassen könne. „He’s coming soon!“…. Zwei Stunden später, um neun Uhr fragte ich nochmal. „He’s coming soon!“ Langsam wurde ich hungrig. Leider gibt es hier kein Essen im KH (wenn man sogar für den Urinbecher zahlen muss…), also wartete ich auf meine Gastfamilie, die, wie ich hoffte, sich um mich sorgt. Zwei Stunden später waren weder Gastfamilie mit Essen noch der  Doktor in Sicht. Mein Handyakku war leer, also konnte ich niemanden anrufen. Ich glaube ich habe mich noch nie so alleine gefühlt. Also die Schwestern ein weiteres mal hereinkamen und herausfanden, dass ich noch nichts zu Essen bekommen habe reifen sie entsetzt meine Gastmama an. Die schickte sofort meine Gastschwester und ihren Cousin los um mir eine Scheibe Brot zu bringen. Ich war glaube ich auch noch nie so enttäuscht von meiner Gastmama, dass sie so wenig Sorge zeigte. Der Doktor kam zu dem Zeitpunkt immer noch „soon“.

Fünf Stunden und etliche „He’s coming soon“s später wurde es mir zu bunt und ich habe eine Krankenschwester ein wenig unfreundlicher aufgefordert endlich den Arzt zu holen. Soviel zu dem Thema, „du kommst morgen früh raus“. Der Arzt kam dann auch endlich und war ein bisschen überrascht, mich noch hier zu sehen, da er dachte, der Nachtdoktor hätte mich gestern schon entlassen… 24 Stunden Krankenhaus und etliche Cedis später kam ich dann endlich wieder nach Hause.

Die letzten Tage habe ich noch viel zuhause verbracht. Ich hatte nach dem Krankenhaus eine Tablettendosis von 14 Tabletten am Tag und das lag mir ziemlich schwer im Magen. Außerdem war ich einfach sehr geschwächt und ständig müde. Aber es wird besser und wenn das hier im Internet steht, dann ist auch sicher, dass ich es bis zum Internetcafé geschafft habe. Macht euch keine Sorgen, ich bin auf dem Weg der Besserung und nachdem was alles passiert ist letztes Wochenende kann es nur noch besser werden!

Damit liebe Adventsgrüße und ganz viel Sonne!

Ausflug nach Obuasi


Am Samstag habe ich etwas getan, was ich normalerweise niemals getan hätte. Nachdem wir nicht wieder das Wochenende nur in Kumasi rumhängen wollten haben wir beschlossen die Goldgräberstadt Obuasi, wo wir Anfang November auch schon zu einer Hochzeit waren, zu besuchen und uns die Goldmine anzuschauen. Also sind wir (wir = Sabine, Lea, Dennis, Philipp und ich) „early, early in the morning“, um fünf Uhr aufgebrochen. Wie immer war die Busfahrt kein großer Spaß, da ich nur 2/3 meines Platzes beanspruchen konnte, von der anderen Seite einen beachtlich großen Hintern in mein Gesicht gedrückt bekommen habe und eine Handtasche auf meinem Schoß abgestellt wurde. Naja, man gewöhnt sich an alles und wenn man so müde ist, wie ich es war kann man auch in der Situation gut schlafen. Wenn da nicht die Nachbarin gewesen wäre, die mich jedes mal geweckt hat, als mein Kopf beim Einnicken auf ihr Schulter gefallen ist. In Obuasi angekommen wurden wir von Harriats Exmann Charles (mit einem echt schicken Landrover) abgeholt, der im Communication Center der AngloGold Ashanti arbeitet. Er hatte uns den ganzen Tag organisiert. Wir wurden in das Office gefahren, wo wir einen Overall, Helme mit Lampen, einem Gürtel mit einer Oxygenflasche und Stiefel bekamen. Dann ging es mit dem Landrover raus aus Obuasi in Richtung Goldmine. Im Landrover sitzend fühlten wir uns alle ein bisschen wie in dem Film „Blood Diamond“ – die Vegetation, die Situation und die Menschen um uns herum waren authentisch, bis auf dass es natürlich keine Sklavenarbeit ist! Dennoch malten wir uns schon im Auto die skurrilsten Spielfilm Situationen aus um die Angst zu überspielen, die uns doch allmählich überfiel. Noch hatte man uns nicht erklärt wofür die Oxygenflasche für den Notfall funktioniert und langsam wurden wir uns erst der Situation bewusst. Wir würden gleich Untertage gehen. Und so wohl war uns bei dem Gedanken allen nicht.

Nachdem wir noch einige Meter bis zur Mine laufen mussten und dann dort noch 15 Minuten auf den Chief warten mussten waren wir schon komplett durchgeschwitzt. Der Overall über der langen Hose, der mindestens 5 Kilo Gürtel, der Helm und die schweren Stiefel waren einfach nicht passend für die hier herrschenden Temperaturen. Und dann standen wir vor dem Aufzug nach unten. Spätestens da hat mich die Panik ein bisschen eingeholt. In einen Aufzug zu steigen, der über ein Kilometer nach unten geht passte meiner Höhenangst und meiner Platzangst nicht so sehr. Aber was tut man nicht alles, ich habe meinen Schatten hier schon des öfteren selber überwunden. Also stiegen wir zusammen in den Aufzug, der beim Einsteigen schon gefährlich wackelte und ab ging die rasante Fahrt 850 Meter in die Tiefe.

Im Gegensatz zu den Minen in Deutschland darf man in Ghana Minen besuchen, die noch in Betrieb sind. Also wurden wir schon beim Aussteigen von vielen Bergarbeitern freudig begrüßt. Diese sind 12 Stunden am Tag unter der Erde und bekommen, denke ich, selten etwas anderes zu sehen. In der Mine wurden wir zu Lagerstätten, Büroräumen, Werkstätten, Zuggleisen, über große Straßen, Berg hoch und Berg ab und zu großen Maschinen geführt. Die Mine ist eine eigene Welt, größer, als man sich vorstellen kann, und dabei waren wir nur auf einer Ebene von 52 Ebenen. Für mich ist es unvorstellbar, wie groß diese Mine ist, wo ich schon zu spüren bekommen habe, wie groß Ebene 26 war. Aber nein, in einer Goldmine sieht man kein Gold. Hier wird nur das Golderz abgebaut. Man sieht gelegentlich Steine, die glitzern, die sehen aber auch nicht anders aus, wie Kieselsteine, die so glitzern. Und nein, in der Mine war es nicht, wie erwartet, kalt. Es war so warm wie Oberirdisch. Leider. Denn nachdem wir doch sehr viel laufen mussten ,mit unserer schweren Bekleidung, waren wir nun endgültig nass. Deshalb waren wir doch alle ziemlich froh, als wir wieder hochfahren konnten.

Der Besuch in der Mine war ziemlich interessant und es war vor allem sehr interessant Bergarbeiter arbeiten zu sehen. Nachdem uns aber ein Job dort angeboten wurde lehnten wir doch lieber dankend ab. Um den Tag noch schön ausklingen zu lassen wurden wir von Charles in einen Golfclub, der in einem wunderschönen Tal liegt, zum Essen eingeladen. Man merkt deutlich, dass Obuasi eine reiche Stadt ist, denn selten sieht man so viele Sportvereine wie hier. Neben dem Golfclub gab es auch noch einen Tennisplatz, ein Swimmingpool, Billiardtische, ein Gym und und und. Hier laufen auch dementsprechend viele Weiße herum. Etwas klischeehaft wirkt es leider schon. Es laufen nur weiße Männer herum, die ihre Golfausrüstung von den schwarzen tragen lassen, aussehen wie korrupte Geschäftsmänner oder wie Reiche, die sich einen Zweitwohnsitz in Ghana bauen lassen haben. Das Essen war jedoch unglaublich köstlich und wir genossen jede Sekunde unserer wenigen „Luxusstunden“.

Nachdem Charles uns dann am Busbahnhof in Obuasi absetzen wollte, er aber feststellte, dass die Schlange nach Kumasi zu lang ist, fuhr er uns selber mit seinem kleinen Auto nach Hause. Die Fahrt war noch weniger bequem, da wir zu 4 ½ (Sewaa gilt als halb) auf der Rückbank saßen und zu zweit auf dem Beifahrersitz. Leider wurden wir dann von der Polizei kontrolliert, die feststellte, dass das Auto „overloaded“ war. Leider ist uns zu spät eingefallen, dass wir, so wie die anderen überladenen Autos, hätten tricksen müssen, das heißt, zwei Leute vor der Polizekontrolle aussteigen, daran vorbeilaufen und danach wieder einsteigen. Charles konnte das trotzdem irgendwie klären. Ihm wurde zwar der Führerschein abgenommen, das hinderte ihn aber nicht daran weiterzufahren. Später gab er zu dem Polizisten nur eine Kopie gegeben zu haben…. So läuft das eben hier ;-)

Etwas erfreuliches habe ich noch zu  verkünden: Am Freitag war eine Lehrerversammlung und die Headmistress hat aufgefordert weniger zu schlagen, und es versuchen möglichst gar nicht zu machen. Wir drei sind nun ein bisschen Stolz durchgehalten zu haben und schon heute (Montag) habe ich bemerkt, dass deutlich weniger geschlagen wurde. Und ich musste mich auch keiner Diskussion stellen. Darüber bin ich unendlich froh und bin auch stolz auf meine Ma, die Headmistress!

Alltaegliche Freuden und Enttaeuschungen


In den letzten ein einhalb Wochen ist nicht unglaublich viel passiert, um euch trotzdem wieder ein bisschen Einblick in mein Leben hier zu geben berichte ich mal über den Alltag, seinen Freuden und Enttäuschungen.

Die Schule ist aktuell kein Ort mehr, an den ich unheimlich  gerne gehe und auch die Lehrer lassen jetzt zu wünschen übrig. Ich habe vor etwa 3 Wochen das Unterrichten aufgegeben, weil es mir zu krass war und ich die Verantwortung nicht tragen konnte. Als unerfahrene, gerade vom Abitur kommende Weiße, die europäischen Unterricht gewohnt ist, war es für mich letztendlich ein schlag in mein Gesicht. Auch habe ich dann erst mir wieder in den Sinn gerufen, dass es unsere Aufgabe war den Lehrern hier zu assistieren und kleine Nachhilfegruppen zu machen. Das haben wir an die Leitung so weitergegeben, die leider aber damit gar nichts anfangen konnte. Daher müssen wir bzw. ich uns gerade eine neue Tätigkeit an der Schule suchen. Leider geht das nicht so einfach. Unsere Bibliothek geht nicht voran, nachdem uns die Hilfe von der Montessorischule verwehrt wurde haben wir nicht einmal mehr Aussichten auf Bücher. Unsere Aufgabe war es nun die Bibliothek zu säubern, was sich nun auch als Problem rausstellte, da plötzlich Schreiner ihre Werkstatt darin aufgebaut hatten und nun alles nur noch dreckiger gemacht haben und uns keine Chance geben alles zu säubern.

Als zweites Projekt wurden wir gefragt ob wir nicht einen Volleyballplatz neben der Schule bauen wollen. Natürlich haben wir begeistert zugestimmt, jedoch geht da auch nichts voran, weil bevor wir das anfangen können zuerst der Müllberg weggeschafft werden muss. Die Schule hat dazu irgendein Unternehmen beauftragt, das schon seit zwei Monaten da sein sollte („It’s coming tomorrow“) Aus dem Grund sitze ich zur Zeit nur im Lehrerzimmer, von acht bis um zwei Uhr. Manchmal sitze ich im Unterricht hinten drinnen oder schreibe etwas für einen anderen Lehrer. Sonst versuche ich die Zeit für mich zu nutzen und habe aufgehört mich über die Trägheit hier zu ärgern. Leider kommt es nämlich viel zu oft vor, dass man hier einfach zu spät oder gar nicht kommt oder einfach Sachen vor sich hin schiebt, bis es fast zu spät ist.

Was mich leider auch sehr ärgert sind die Lehrer an meiner Schule. Wenn man nämlich den ganzen Tag im Lehrerzimmer sitzt hat man auch viel Zeit zu reden. So haben wir schon des öfteren über viele Sachen diskutiert. Über Kirche, Religion (die sind ganz entsetzt, wie wenig man in D in die Kirche geht), unsere Essensgewohnheiten (auch ein Grund entsetzt zu sein, da wir normalerweise am Tag nur ein mal „heavy food“ essen und nicht drei mal) und dann die Diskussionen über das Schlagen an der Schule. Ein ewiges Thema, vor allem für Konrad und mich. Ich betone hierbei, dass ich nicht die Absicht habe den Ghanaern zu sagen, dass das furchtbar falsch ist und dass sie sich sofort ändern müssen und dass wir das in Deutschland viel besser wissen. Nein, ich will ihnen nur klar machen, dass es auch andere Methoden gibt Kinder zu bestrafen. Die Diskussionen enden oft offen, die Lehrer belegen an der Bibel, behaupten, dass wir keine Ahnung von der Bibel haben und dass das einfach ein Teil ihrer Kultur ist (kann Gewalt Teil einer Kultur sein?) und dass wir das natürlich nicht verstehen, weiße Kinder können ohne schlagen lernen, schwarze Kinder können so was nicht… Nachdem die Lehrer jetzt wissen, dass ich mich so sehr für die Kinder einsetze und mich immer wegdrehe, wenn jemand schlägt vor mir, und ich ihn nicht davon abhalten konnte, ärgern sie mich – „Eva, I’m going to cane some students right now“. Ich habe mich die ersten male fürchterlich darüber aufgeregt und sie immer wieder überzeugen wollen, woraufhin ich aber leider immer nur ausgelacht wurde. Daraufhin habe ich versucht die Lehrer zu ignorieren um ihnen keinen Spaß an meinem Ärger zu geben. Das lief dann so ab: – „Eva, I’m going to cane some children“ – „Have fun…..“ – [Verwirrtheit] „Eva, I said, I’m going to cane!“ – „Yes I know, I heard it!“ – „I need you as my assistent“ – „No, take someone else.“ – „But I need you!“ [allgemeines Gelächter] – „No!“ Daraufhin werden die Schüler vor meine Nase gezogen und da geschlagen, ich kann nichts mehr tun. Nach dieser Aktion habe ich die Lehrer, die das alles sehr amüsiert beobachtet haben, mehrere Tage ignoriert, was sie wiederum ziemlich lustig fanden, sie haben doch „nur“ geschlagen. Einige Tage später kam dann eine Lehrerin, die dabei war zu mir und hat wieder das Diskutieren anfangen wollen, woraufhin ich gleich gesagt habe, dass das nichts bringt und ich darauf keine Lust mehr habe. Sie meinte dann, dass ich einfach jeden Tag mit den Lehrern diskutieren solle, vielleicht verstehen sie ja irgendwann was wir ihnen vermitteln wollen. Ich denke das zeigt, dass wir es wenigstens schon erreicht haben, dass sie darüber nachdenken.

Ich hatte erwartet, dass das Schlagen an der Schule mir nicht leicht fallen würde, dass es mir aber so schwer fällt, wusste ich auch nicht. Zum Glück weiß ich, dass es in Ghana schon Schulen gibt, an denen gar nicht oder so gut wie gar nicht geschlagen wird. Aus diesen Gründen bereitet es mir zur Zeit nicht so viel Spaß an die Schule zu kommen. Dafür genieße ich die Wochenenden umso mehr. Die letzten zwei Wochenenden habe ich in Denchemouso an der GGS geholfen ein Volleyballplatz zu errichten. Dazu haben wir einfach die ganze Zeit Erde geschaufelt und damit versucht den ausgewählten Platz zu ebnen. Davon habe ich ziemlich Muskelkater und einen rießen Sonnenbrand. Aber es fühlt sich gut an mal wieder etwas gemacht zu haben!!

Sonst erfreue ich mich morgens an meinem Kaffee, den ich mir aus Deutschland einschicken lassen habe, hier haben sie nämlich nur so auflösenden Krümelkaffee, der nicht besonders gut schmeckt. Ich erfreue mich oft an den Kindern, bin ganz gerührt, wie lebenslustig sie sind und finde es immer noch sehr lustig, wenn ein Kind panisch vor uns flüchtet. Ich freue mich, wenn ich nach Hause komme und die Menschen, die mich hier schon kennen begrüßen: „Yaa, akwaaba!“ (Also mein Twi Name Yaa und Willkommen) oder „Sister Eva, Welcome home!“. Ich freue mich, wenn ich Leuten auf Twi antworten kann, oder kleine Unterhaltungen mit ihnen auf Twi machen kann, sie somit überrasche und sichtlich erfreue .  Ich freue mich, dass so viele Leute hier auf mich zu kommen und mir helfen, wenn ich Hilfe brauche. Die Ghanaer sind neben ihren ganzen Nervereien einfach unglaublich nett, das sollte hier ganz wichtig mal erwähnt werden. Leider oft so nett, dass es uns Europäern schon wieder aufdringlich vorkommt. Aber das muss man hinnehmen, ich bin ja schließlich nicht in Europa!

Wochenendsausflug


Nachdem es jetzt seit etwa zwei Wochen nicht mehr geregnet hat merkt man deutlich, dass die Trockenzeit nun da ist. Man hat uns gesagt früher konnte man genau auf den Tag sagen, wann es aufhören würde zu regnen, heute weiß niemand mehr wann die Trockenzeit anfängt und die Regenzeit aufhört. Es ist erschreckend wie deutlich die Menschen hier den Klimawandel erfahren.

Die Sonne scheint jetzt fast ununterbrochen und es ist eine trockene Hitze, die es uns fast unmöglich macht während dem Tag etwas zu unternehmen. Für mich ist es nicht vorstellbar, wie es nun wohl in Deutschland sein muss, beziehungsweise, dass es Anfang November ist und ich mit einem frischen Sonnenbrand herumlaufe. Ich habe mich schon gewundert, dass ich so wenig Sonnenbrand bekomme, aber jetzt, wo nicht mehr ständig Wolken am Himmel hängen ist die Sonne deutlich spürbar und meine Sonnencreme kommt erstmals zum Einsatz. Die Hitze macht auch den Pflanzen zu schaffen und so können wir hier beobachten wie die Blätter aufgrund der Hitze langsam alle von den Bäumen fallen.

Über das Wochenende hatten wir wieder etwas besonderes vor. Harriats (eine Lehrerin der GGS) Cousine (eine von 53 glaube ich) hatte am Freitag Verlobung und am Sonntag Hochzeit, dazu waren wir eingeladen. Die Verlobung fand in der „Homevillage“ ihres Vaters statt, wo wir auch die zwei Nächte blieben. Das Dörfchen, das geschätzt weniger als 1000 Einwohner hat ist im Gegensatz zu unserem Vorstädtchen ziemlich ursprünglich. Die Erwachsenen können kaum Englisch, die Kinder lernen es zwar in der Schule, können es aber deutlich schlechter als die Kinder hier. Harriats Vater besitzt ein großes Haus, eine Plantain- sowie eine Orangenplantage, Ananasgewächs (wie sagt man denn dazu?) Kokospalmen, Sweetapple-Bäume, Kakaobäume, Schafe, Hühner, Guinea(…..irgendwas, was wie ein Fasan aussah, ich aber noch nie gesehen habe und ich auch den Namen vergessen habe^^) Katzen….. Kurz: ein rießen Grundstück, auf dem wir viel gelernt haben. Dazu später. Am Freitag kamen wir also an und wurden gleich in die Vorbereitungsarbeiten der Verlobung einbezogen. Hier feiert man die Verlobung groß. Das gehört zur Tradition, die Familien werden gegenseitig vorgestellt und Geschenke von Familie zu Familie überreicht. Wir haben mal wieder nichts verstanden von alle dem, was geredet wurde, es ist aber jedesmal wieder interessant für uns etwas neues zu sehen.

In dem Dorf sind wir stärker als sonst Magnet für Kinder. Ich hatte das Gefühl, dass irgendwann jedes Kind auf der Straße stand und uns verfolgt hat (es gab nur eine Straße, die sehr lang war. Von daher war das nicht allzu schwierig.) Für mich sehr amüsant und dann auch irgendwann sehr nervig war, dass sich alle Kinder von Anfang an meinen Namen am besten merken konnten, da es noch eine Eva im Dorf gibt. Ich weiß jedoch nicht, von wem sie den Namen erfahren haben, aber schon am ersten Abend kam immer irgendwo aus dem dunkeln „Sister Eva, how are you?“ oder von den frecheren: „Sister Eva, I love you“. Das ging dann zwei Tage so. Die anderen Namen sind nie gefallen… (erinnert mich übrigens an Leos Geburtstag: „Hää? Woher wissen die alle meinen Namen?“ ;-) ) Am Freitag Abend wurden wir dann von Harriats Vater noch ein wenig rumgeführt und uns wurde gezeigt, wie man Palmwein gewinnt und wie daraus Palmschnaps gebraut wird (schwarz….), wie die Brunnenanlage funktioniert und wo das Klo sich befindet. Ja, das Klo war ein sehr akutes Problem dieses Wochenende. Da wir uns auf dem Land befanden und wie gesagt alles etwas ursprünglich ist gibt es eben nur eine Dorftoilette. Besser gesagt zwei: eine neue und eine alte.  Die neue ist ein Haus, in dem es mehrere Toiletten gibt. Jeweils ein Loch im Boden in jedem abgetrennten Abteil. Der Gestank, das Aussehen und die Lautstärke des Fliegengebrumms haben mich dann  aber daran gehindert dort auf die Toilette zu gehen und mein „Pupu“ (wie Harriat liebevoll sagt) zu verrichten. Uns wurde daraufhin die zweite Klovariante eröffnet. Ein kleines Häuschen, Wellblechdach und Wellblech- Sichtschutz außen rum, mit einem langen großem Loch in der Mitte, wo eine Art Leiter drübergelegt ist, auf deren Sprossen man sich stellen muss um sein Geschäft (von uns liebevoll „small-“ oder „big Business“ genannt) zu verrichten. Nachdem das ausprobiert wurde und als ungenügend empfunden wurde haben wir uns entschieden das Wochenende „wild Business“ zu haben. So, Klogeschichte vorbei. Ich bin froh wieder meines hier zu haben! Die Dusche, ein kleines Steingebäude mitten auf dem Hof, natürlich kein fließend Wasser, war dagegen fast schon Luxuriös, verglichen zu meiner Dusche hier aber natürlich nicht.

Nachdem an dem ersten Abend noch ein Palmwein (übrigens nur 3-4%) die Runde machte gingen wir ziemlich erschöpft um 20 Uhr ins Bett.

Gefrühstückt und später auch Mittag gegessen haben wir auf dem Hof, jeder auf einem Hocker sitzend. Die Tische hatten die Größe von den Hockern, also man hätte die sich auch sparen können, war aber urig ;-) .  Danach besuchten wir etliche Plantainplantagen, Orangenplantagen und anderes Gewächs. Wir schauten uns an, wie Yams wächst, wo man Pepper findet, wie man die roten Orangen gewinnt (Wassermelonen- und Orangensaat mischen…), uns wurden frische Kokosnüsse gepflückt, Sweetapple probiert, Kakaobohnen gekostet und schließlich zwei Hähne für uns geschlachtet. Ich ließ mir das Spektakel entgehen und widmete mich höchst interessiert allem anderen, was mich ablenkte. Daraufhin war ich jedoch mit großem Interesse beim Sezieren (andere nennen das Ausnehmen) des Hahns dabei und dem Kochen, das kurz danach folgte. Am Nachmittag machten wir uns dann endlich auf um an den Bosomtwi See zu fahren. Die Taxifahrt zu siebt in einem Taxi war, im Gegensatz zu der Hinfahrt am Freitag, bei der wir zu neunt, eine Stunde lang, in einem kleinen Taxi saßen, durchaus angenehm. Der 28 km² große Bosumtwi See ist gilt als heiliger See und gibt viele Rätsel auf. Angeblich ist er durch einen Meteoriteneinschlag entstanden, was der Grund für die makellose Kreisform des Sees und die Berge um den See wäre. Der See könne anscheinend auch explodieren, aufgrund irgendwelcher chemischen Reaktionen im See, der Stellenweise bis zu 70 Meter tief ist. Das Ufer um den See ist wunderschön, der See selber sehr sauber und ohne gefährliche Tiere, von daher schön zum schwimmen. Der einzige Nachteil ist, dass es einfach keine Abkühlung ist, da der See ca. 25-30 Grad warm ist.  Außerdem freuen sich die Ghanaer hier mehr als sonst, wenn weiße kommen, wir haben ja dann nur noch Badekleidung an, und werden leider schneller aufdringlich. Trotzdem war der Ausflug an den See wunderschön und wieder bin ich einen Ticken brauner ;-) .

Am Sonntag fuhren wir schließlich nach Obuasi, ein Goldgräberstädchen, wo die Hochzeit stattfinden sollte. Nachdem wir eine Stunde zu spät in die Kirche kamen hatten wir nur noch in der hintersten Reihe platz und bekamen rein gar nichts zu sehen. Verstehen konnten wir, wie immer, auch nichts, von daher war die Hochzeit sehr langweilig. Leider ging das nicht nur eine Stunde so, sondern geschlagene drei Stunden. Wir verließen dann früher die Kirche (das ganze Ausmaß war wohl 5 Stunden) und fuhren ziemlich erschöpft gen Heimat.

Das ganze Wochenende war für mich unheimlich schön und fast wie Urlaub, Harriats Vater war unheimlich nett und umsorgte uns fantastisch! Ich habe ziemlich viel neues gelernt und habe viel neues probieren dürfen. Wir wurden auch gleich schon gezwungen im Januar, bevor alle wieder fliegen nochmal vorbeizukommen und noch ein Wochenende in dem kleinen Örtchen verbringen. Vielleicht gibt es ja auch bis dahin eine Toilette… ;-)

Abendimpression
Abendimpression 2
alte Klovariante 2
Frühstück
Harriats Tochter Sewua auf dem Rücken
Harriats Vaters Hof
Kakao
Kakaobohne mit essbarem Inhalt
Kokosnuss pflücken
Kokosnuss schnabulieren
Lake Bosomtwe
Lake Bosomtwe (2)
mal wieder zu viert auf der Rückbank
modernere Klovariante 1
Obuasi
Palmweinherstellung
Pepper
Plantainplantage mit Müllbergen...
reife Ananas
reifer Sweetapple
Rose beim Hühner rüpfen
Sewua und ich
Traube Kinder
wir fünf =)