Archiv der Kategorie: Lea, Nürnberg

Leo Konrad
September 2011 bis Februar 2012
Kindergarten Denchemouso

„Und, wie wars?“


Ein letztes Hallo nach Deutschland,  

sorry, ich bin auf die letzten Wochen hin etwas schreibfaul geworden und darum ist dies nun der letzte Blogeintrag mit dem Versuch mein Praxissemester hier in Ghana in ein Fazit zu packen:

Ein Versuch deswegen weil in den vergangenen sechs Monaten so viel passiert ist, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Ich kann nicht sagen ob das halbe Jahr „gut“ oder „schlecht“ war, denn es war sicherlich beides. Es waren glückliche sowie traurige Momente, ich war frustriert, hilflos, orientierungslos aber auch motiviert, interessiert und einfach nur glücklich hier zu sein.

Mit dem Verlauf meines Praktikums bin ich soweit ganz zufrieden: Ich hatte meine Aufgaben und konnte bzw. musste selbst testen was geht und was nicht geht. Man muss sich hier in Ghana seine Arbeit auf jeden Fall selbst suchen, denn da kommt niemand, der einen einführt und sagt was zu tun ist.

Mit Sicherheit machten mir die Kommunikationsprobleme am meisten zu schaffen. Mit der „richtigen“ Sprache ist man den Menschen doch gleich ein Stück näher und so konnte ich mich mit den Kids leider nicht so unterhalten oder Dinge durchführen wie ich es gerne getan hätte. Das waren dann genau die Momente in denen ich mich einfach hilflos fühlte oder sogar von mir selbst enttäuscht war weil ich mehr von mir erwartete und auch wusste, dass ich es kann aber es halt trotzdem nicht hinbekam. Aber man lernt ja glücklicherweise auch aus negativen Erfahrungen…                                                                                                                        Doch es gab natürlich auch ganz viele schöne Momente. Vor allem wenn ich nach einer Unterrichtsstunde in lachende und glückliche Kindergesichter blickte war der ganze Stress gleich wieder vergessen. Ein Moment der mir wohl noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird: Ein kleines Mädchen kam zu mir, nachdem ich in der Pause eine Spritzpistole in die Hand nahm um die Kinder damit nass zu spritzen, schaute mich mit großen Augen an und sagte einfach nur: „Thank you, Madame Lea“. Solche Kleinigkeiten hören sich für uns total banal an sind für die Kinder hier aber nicht selbstverständlich und schon eine kleine Bereicherung ihres Alltages. Hier lernt man auf jeden Fall wieder sich über kleine Dinge zu freuen!

Natürlich habe ich auch außerhalb meines Praktikums viel erlebt und einiges von Land und Leute mitbekommen und ich muss sagen, dass ich auf lange Sicht gesehen Schwierigkeiten hätte in Ghana zu leben.                                                                                                                                                      Mit der Sonderstellung die man als „Weißer“ in Ghana hat könnte ich mich nicht abfinden. Man fällt einfach überall auf und kann nicht einfach durch die Straßen gehen ohne angesprochen zu werden. Als ich mal mit einer ghanaischen Lehrerin in der Stadt war um etwas einzukaufen meinte sie zu mir am Abend, dass sie froh sei in Ghana schwarz zu sein. Es wäre ihr zu anstrengend immer aufzufallen, angesprochen zu werden und immer nett lächeln zu müssen. Ein weiteres Problem wäre für mich die Tatsache, dass jeder mit dir befreundet sein möchte aber das wohl eher um irgendwann mal in Europa zu landen als aus Interesse an deiner Person. Aus diesem Grund ist es echt schwierig Beziehungen aufzubauen und Freundschaften zu schließen.

Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich mit dem „einfachen Leben“ Ghanas so gut zu recht komme. Ich denke ich habe in Ghana, zumindest aus europäischen Augen betrachtet, viel Armut gesehen, jedoch wenig Elend. Natürlich gibt es auch in Ghana Menschen, die absolut nichts haben, aber diese Probleme haben wir auch in Deutschland und das wird leider immer wieder vergessen…                                                             Der ghanaische Standard liegt definitiv weit unter dem deutschen und die Menschen haben einfach viel viel weniger Geld als wir. Jedoch geht es den meisten größtenteils mit den (wenigen) Dingen die sie besitzen gut, da auch die Lebenserhaltungskosten in Ghana sehr gering sind. Auch wenn oft kein Strom und fließend Wasser vorhanden ist sind die Menschen nicht am verhungern und sie haben zumindest so viel Geld um sich und ihre Kinder ausreichend zu ernähren. (Ich habe übrigens zugenommen! ;)                                                            Für einen gewissen „Luxus“ bleibt allerdings nichts übrig.

Braucht man diesen „Luxus“ nun oder nicht?

Es gibt noch viele Themen, die hier angesprochen werden könnten jedoch beende ich an dieser Stelle meinen Bericht und ziehe als Fazit, dass ich dieses halbe Jahr in Ghana mit den Höhen und Tiefen als Bereicherung und Erfahrung sehe, die ich nicht mehr missen möchte.

Ich hoffe hiermit ist die eine oder andere „und, wie wars?“-Frage beantwortet! ;)

Diesen Freitag werden wir Denchemouso verlassen und haben noch zwei Wochen Zeit zum Reisen. Um das Wetter noch richtig zu genießen, bevor es wieder ins kalte Deutschland geht, zieht es uns nochmal an die Küste.

Obwohl der Abschied schwer fallen wird freue ich mich doch sehr auf Deutschland, denn eine Sache ist mir klar geworden: Zuhause ist es einfach am Schönsten!

Danke für das fleißige Lesen meiner Berichte, hat mich gefreut!

 

Wir sehen uns in gut zwei Wochen,

Lea

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Urlaub!! :)


Ein Hallo nach Deutschland,

erst einmal wünsche ich euch allen noch ein verspätetes gutes neues Jahr, ich hoffe ihr hattet ein schönes Silvester und das Jahr hat gut begonnen!?

Ich beginne mal der Reihe nach zu erzählen was ich die letzten drei Wochen so alles erlebte:

Am 22. Dezember haben wir uns auf den Weg Richtung Küste gemacht. Unser erstes Ziel war die „green turtle lodge“, die sich in der Nähe von Takoradi befand. Eine wunderschöne Lodge im Nirgendwo, ein menschenleerer Strand, hohe Wellen, Sonnenschein, Kokosnusspalmen, gute Cocktails und viel Ruhe und Zeit erwarteten uns. Da wir alle urlaubsreif waren beschlossen wir eine Woche Strandurlaub einzulegen. Wir bezahlten fünf Euro die Nacht und schliefen in einem Schlafsaal. Wenn man Glück hatte konnte man abends am Strand Riesenschildkröten beim Nesten beobachten, aber wir hatten leider kein Glück. Doch wir genossen diese Woche sehr und es war echt schön! Von so einem Strandabschnitt kann man am Mittelmeer wohl nur noch träumen… In diesem Fall beschreiben Bilder wohl mehr als Worte:

Unsere Abende am Strand
Unser Motto! ;)
Freiluftduschen: sehr cool!

Auch Weihnachten verbrachten wir in der Lodge, wobei ich sagen muss, dass nicht wirklich viel an unser Weihnachten erinnerte. Es gab Pizza zum Essen, hört sich für euch wahrscheinlich langweilig an, aber für uns war es ein Highlight!! Wir saßen dann gemeinsam am Strand, haben Stille Nacht gesungen und schließlich unsere Wichtelgeschenke ausgepackt. So hatte jeder ein Geschenk über das er sich freuen durfte. ;)

Ansonsten wird Weihnachten in Ghana vor allem in der Kirche gefeiert, ist ja schließlich auch der eigentliche Grund für das Fest. Viele Schüler und Studenten fahren auch hier über die Feiertage zu ihren Familien nach Hause und es wird Jesu Geburt gefeiert. Doch es ist lange nicht so ein „großes Familienfest“ wie bei uns. Es gibt zwar leckeres Essen, doch große Geschenke sowie Weihnachtsdekorationen bleiben aus. Wenn man Weihnahten nicht zu Hause verbringt und dazu noch in einem Land ist, in dem so ziemlich alles anders ist, wird einem doch schnell klar was eigentlich das Wichtigste an Weihnachten ist und das sind sicherlich nicht die Geschenke…

Nach unserer Woche Strandurlaub machten wir uns am 30. Dezember auf nach Cape Coast. Cape Coast liegt ebenfalls direkt an der Küste und ist neben Kumasi die geschichtsträchtigste Stadt in Ghana. Wir quartierten uns im „Oasis Beach Resort“ ein, oder besser gesagt stellten wir unsere Zelte dort auf und verbrachten in der Lodge drei weitere Tage. Da wir uns nun wieder mitten in einer Stadt befanden war es doch ein ziemlich großer Kontrast zu der Woche davor. Es waren sehr viele Leute dort, überwiegend Weiße und somit war die Ruhe erst mal verflogen. Der Strandabschnitt war nicht ganz so schön und die Wellen für mich fast schon zu hoch um überhaupt ins Wasser zu gehen. Aber es war ganz witzig und wir haben auch viele andere Freiwillige wiedergetroffen, die wir schon in den letzten vier Monaten kennengelernt haben. Cape Coast ist wohl die einzige Stadt in Ghana in der Silvester in unserem Sinne gefeiert wird. Die Ghanaer verbringen Silvester nämlich in der Kirche. Es wird Gott für das alte Jahr gedankt und für das neue Jahr wird gebetet. Vor unserer Lodge befand sich ein großer Platz auf dem in der Neujahrsnacht ein großer Gottesdienst stattfand. Vermutlich waren so ziemlich alle Einwohner von Cape Coast anwesend und es wurde viel gesungen und getanzt und es ging vor allem sehr laut zu. Egal ob gesungen oder gebetet wird, volle Lautstärke ist bei den Ghanaern immer dabei!

Da wir aber doch noch nicht so ghanaisch sind und in unserer Lodge fast nur Weiße waren und auch der Besitzer ein Deutsch-Türke ist wurde natürlich ordentlich gefeiert. Zuerst gab es ein großes Buffet mit Reis, Pommes, gegrilltem Fleisch/Fisch, Gulaschsuppe und verschiedenen Salaten (für uns ein kleines Paradies!!) und danach wurde bis in die Morgenstunden gefeiert. Um Mitternacht gab es ein Feuerwerk sowie ein großes Lagerfeuer am Strand. Die Stimmung war ganz gut und so war mit dem nächsten Tag nicht viel anzufangen. ;)

In Cape Coast selber haben wir uns die ehemalige Sklavenburg angeschaut. War auf jeden Fall interessant zu sehen aber doch auch ziemlich erschreckend. Es ist einfach unvorstellbar was da früher los war und wie mit den Menschen gehandelt wurde. Bis zu 2000 Menschen wurden in vier relativ kleine Räume ohne Licht und ohne Kleidung gepfercht. In diesen Kerkern mussten die Gefangenen bis zu drei Monaten vegetieren, bis die Schiffe kamen und sie verladen wurden. Zuvor wurden sie noch mit glühenden Eisen gebrandmarkt. Viele Menschen überlebten diese Bedingungen nicht und starben noch in der der Burg. Als wir in die Kerker kamen und unser Guide kurz das Licht ausmachte, ist mir schon anders geworden!                                                 Die folgenden Bilder sind aus Elmina, ebenfalls eine Hafenstadt westlich von Cape Coast in der wir kurz haltmachten um die dortige Sklavenburg zu besichtigen. Die Menschen wurden hier unter den gleichen menschenunwürdigen Bedingungen „gehalten“.

Innenhof
Blick in den Kerker!

Am 2. Januar ging es dann in den Regenwald, unser Ziel war der Kakum-Nationalpark. Wir benutzten den Canopy Walkway, ein in Baumkronenhöhe an Seilen aufgehängter Pfad. Es war doch eine wacklige Angelegenheit und mir wurde ein bisschen flau im Magen, aber wir haben es alle überlebt! ;) Wilde Tiere bekamen wir leider nicht zu Gesicht, aber es war trotzdem sehr schön. Obwohl eine Gruppe Ghanaer vor und hinter uns waren, die leider nicht wirklich ein Gespür für die Natur haben. Die Ghanaer sind nun mal ein lautes Volk und so wurde auch im Regenwald rumgeschrien, gelacht und gesungen.

Der 3. Januar war dann Abreisetag und es ging wieder ins Landesinnere. Der Weg führte uns in die Voltaregion und unser erstes Ziel war Akosombo. Viel haben wir von der Stadt nicht gesehen, da wir hier nur eine Nacht Zwischenstation machten bevor es am nächsten Tag morgens wieder weiter ging. Und diese Nacht hatte nicht sehr viel mit Ghana zu tun. Wir bekamen ein Zimmer in einer großen und sehr teuren Hotelanlage. Unser Reiseführer führte uns dorthin, doch anstatt wie angenommen 3 Euro für die Nacht in einem Zelt zu bezahlen gab es nur Zimmer, die für 60 Euro die Nacht ausgeschrieben waren. Die Preise waren nicht mal in Cedis (ghanaische Währung) sondern in US-Dollar angegeben. Der Hotelinhaber war ein Inder und hat uns dann aber großzügigerweise ein Zimmer für 40 Euro die Nacht gegeben. Obwohl wir acht Leute waren nahmen wir das Zimmer und nahmen eine zum Teil unangenehme Nacht in Kauf, da fünf von uns mit Isomatten auf dem Boden schliefen mussten. Wir hatten aber ein eigenes Badezimmer und durften den Hoteleigenen Swimmingpool mitbenutzen und so war die Nacht schnell vergessen. Außerdem war die Anlage direkt am Voltasee, es gab einen Billardtisch, Tischtennisplatten, Volleyballfeld…                                                                               Aber die Tatsache, dass viele Menschen in ganz Ghana in einer Hütte ohne Strom und ohne fließendem Wasser leben konnte ich nicht so ganz ausblenden und war daher froh, dass wir am nächsten Tag gleich weitergefahren sind.                                                                                                                                  Da stimmt irgendetwas nicht:

Am 4. Januar ging es weiter nach Hohoe, wo wir für 6 Euro die Nacht in einem relativ kleinen Hotel wohnten. Es war dem ghanaischen Standard angepasst, ziemlich sauber und die Küche war ganz gut. Von Hohoe aus machten wir zwei Tagesausflüge, einer führte uns zu den Wli-Wasserfällen und der andere ging in ein Affenreservat.

Die Wli-Wasserfälle sind die höchsten von Ghana und liegen genau an der Grenze zu Togo. Das Wasser fällt ca. 60 Meter aus einer Bergwand frei herunter. Bevor wir zum Wasserfall gelangten wanderten wir ca. eine Stunde durch die Natur. Wir genossen die Ruhe und freuten uns über die vielen Schmetterlinge, die in diesem Naturschutzgebiet leben.

von links: Maria (Freundin von Konrad), Sarah, ich, Dennis, Max und Konrad

Den Tag darauf fuhren wir mit einem Tro-Tro (wir sind übrigens immer mit Tro-Tros gereist, die fahren im ganzen Land von Stadt zu Stadt)nach Tafi-Atome. Dort befindet sich ein Affenreservat mit Mona-Meerkatzen-Populationen, die dort von Wilderern geschützt werden. Es leben mittlerweile ca. 400 Affen im Reservat, die frühmorgens oder abends kurz vor Sonnenuntergang ins Dorf kommen. Da wir zu diesen Zeiten leider nicht da waren bekamen wir die Affen „nur“ im Wald zu Gesicht. Sie waren total zutraulich und ließen sich von uns Füttern. Die kleineren Äffchen setzten sich sogar auf unsere Schultern. Wir bezahlten „Eintritt“ und bekamen dann auch einen Guide, der die Affen mit Pfeiftönen anlockte. Die Eintrittsgelder werden für die Schulen im Dorf eingesetzt und somit war es auf jeden Fall eine gute Sache.

Am 7. Januar ging es dann wieder Richtung „Heimat“ nach Kumasi. Es waren sehr schöne zwei Wochen und wir haben viel vom Land gesehen. Doch als Tourist in Ghana zu reisen ist nicht immer einfach, da man leider nicht gleichbehandelt wird. Weiße bezahlen zum Beispiel grundsätzlich mindestens das Doppelte an Eintrittsgelder als die Einheimischen. Die Hautfarbe spielt hier noch eine viel zu große Rolle und Weiß ist nicht gleich Schwarz, das bekommt man hier immer wieder zu spüren… Aber davon vielleicht im nächsten Blogeintrag mehr!

Ich habe jetzt noch gut 7 Wochen in Ghana, Endspurt ist angesagt!

Viele liebe Grüße,

Lea

Für die Weihnachtszeit…


Welche Formen von Gewalt habe ich selbst schon erfahren?                                                                      Wie gehe ich eigentlich mit Konflikten um?                                                                                           Welche Strafen setze ich ein und welche Strafen habe ich schon erfahren?                                                Habe ich mein Kind, meine Geschwister, meine Eltern, meine Freunde, meine Schüler oder unbekannte Personen jemals geschlagen?

Mit diesen Fragen und Problemen wurde ich hier in Ghana schon sehr oft konfrontiert und hat mich nachdenklich gemacht. Nach meinen bisherigen Beobachtungen und Erfahrungen ziehen sich diese Probleme wie ein roter Faden durch die Gesellschaft. An dieser Stelle muss aber betont werden, dass das Folgende auf meinen persönlichen Erlebnissen beruht und nur meine Sichtweiße beinhaltet und somit keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit besitzt. Da mir dieses Thema aber sehr am Herzen liegt möchte ich hier nochmal ausführlicher darüber berichten und vielleicht ein bisschen zum Nachdenken anregen.

Das Thema Gewalt und insbesondere die Gewalt gegenüber Kindern spielt hier eine sehr große Rolle. Besser gesagt spielt das Thema für mich eine sehr große Rolle, denn die Ghanaer machen sich darüber nicht wirklich Gedanken. Bei vielen sitzt es so fest in den Köpfen, dass es schon automatisiert wurde. Auch für die Kinder gehört es zum Alltag, kurzes Beispiel: Wenn die Kinder „Schule“ spielen, steht der „Lehrer“ mit dem Sock vor seinen „Schülern“ und schlägt bei jeder Störung und falscher Antwort zu. Ich habe auch oft das Gefühl, dass es für mich zum Teil schlimmer ist mit anzusehen als für die Kinder, die geschlagen werden. So schlimm es sich anhört, aber auch die Gewalt ist ein Stück weit Kultur und hat lange „Tradition“. Die Kinder wachsen damit auf und kennen es nicht anders. Sprüche von Seiten der älteren Schüler wie „Ich möchte keine Strafarbeit machen, warum kannst du mich nicht einfach schlagen?“ sind durchaus möglich!

Aber dies als Rechtfertigung hinzunehmen und das Thema damit zu beenden wäre zu einfach, schließlich wurden Kinder bei uns in Deutschland auch noch bis vor nicht allzu langer Zeit geschlagen, sowohl Zuhause als auch in der Schule. Und wenn wir ehrlich sind, gibt es in Deutschland auch heute noch genug Kinder, die von ihren Eltern geschlagen werden, auch wenn es gesetzlich verboten ist.

In Ghana beginnt es mit den ganz kleinen Kindern im Kindergarten. Zum Teil werden sie mit der Hand geschlagen, aber zum Teil auch richtig fest mit dem Stock. Gehorsam wird sehr groß geschrieben und so wird versucht den Kindern Disziplin und Gehorsamkeit zu vermitteln. Doch die eingesetzten Mittel finde ich schon sehr fraglich, denn was dabei herauskommt ist Angst und kein Respekt. Die Kinder gehorchen den LehrernInnen weil sie Angst vor ihnen haben, sonst aber auch nichts. Eine Folge des Schlagens ist sicherlich der Verlust von Respekt und Achtung vor den LehrerInnen. Hätten die Lehrerinnen im Kindergarten den Kids Respekt vermittelt, hätten die Kinder auch vor mir Respekt. Das ist aber nicht der Fall und da sie vor mir auch keine Angst haben sind wir wieder bei null. Da die Kinder nun aber schon so auf das Schlagen fixiert sind, ist es für mich alleine unmöglich daran etwas zu ändern, vor allem wenn dazu noch die Kommunikationsprobleme kommen. Ich glaube auf weitere Auswirkungen des Schlagens auf die Kinder muss ich nicht groß eingehen. Die Folgen reichen von Rückzug, Isolation, Furcht, Stagnation der Entwicklung, Schulversagen… bis hin zur Selbstverletzung.                                                                                                                                       Ganz erstaunt schaute mich eine Lehrerin an als ich zu ihr meinte, dass Schulleistungen durch Schlagen nicht besser sondern eher schlechter werden. Ein Mädchen wurde von ihr geschlagen, weil sie einen Buchstaben nicht schreiben konnte. Das Mädchen war danach so blockiert, dass einfach nichts mehr ging. Aber das hat die Lehrerin nicht so ganz verstanden und hat es weiter mit Schlagen versucht, ohne Erfolg! Selbst Kinder mit einer geistigen Behinderung werden übrigens geschlagen, diese sind danach gar nicht mehr ansprechbar da sie überhaupt nicht begreifen was eigentlich gerade geschieht.

Ein Stock in die Hand zu nehmen um damit auf die Kinder einzuschlagen um etwas zu erreichen oder zu bewirken ist für mich kein Zeichen von Stärke sondern eher eines von Schwäche. Auf diese Art und Weiße wird jeder sein momentanes Ziel erreichen, doch über das eigene Verhalten sowie an die Folgen für das Kind wird nicht nachgedacht. Mir leuchtet schon ein, dass der Stock die schnellste und effektivste Strafe in dem Moment ist, aber sicherlich nicht auf lange Sicht. Fazit: „Gute“ Eltern bzw. Lehrer sollten in der Lage sein ein gewünschtes Verhalten auch ohne den Stock als Hilfsmittel herbeizuführen, denn das kann ja schließlich jeder und ist wohl die niedrigste Stufe der Problemlösekompetenz!                                                                    Was mir auch sehr aufgefallen ist, ist das Modelllernen. Ich bin der Meinung „wer schlägt, der lehrt das Schlagen!“. Die Kinder lernen an sich selbst, dass Gewalt die Lösung von Konflikten ist. In den Pausen bin ich nur damit beschäftigt die Kinder zu beobachten und zu schauen, dass sie sich nicht gegenseitig verletzen. Sobald ein Problem zwischen den Kindern entsteht wird versucht es mit den Fäusten zu lösen, denn sie kennen keine andere Lösung. Die Kinder greifen nicht zur Gewalt weil sie anderen Kindern absichtlich Schaden zufügen wollen, sondern einfach deshalb weil sie nicht wissen wie sie ihr Problem oder ihren Konflikt sonst lösen sollen. Die Aggressionsbereitschaft ist so hoch, dass fast kein Tag vergeht an dem kein Blut fließt. Hier ist das „Spielen“ aber ausgeschlossen, natürlich testen die Kids auch ihre Stärken und Grenzen aus und das sollen sie in einem bestimmten Umfang auch tun. Aber was ich hier zum Teil zu Gesicht bekomme hat nichts mehr mit Grenzen austesten zu tun. Und genau da liegt meiner Meinung nach ein großes Problem:              Die Aggression und Gewalt wird in das eigene Verhaltensrepertoire aufgenommen und ist nur schwer wieder herauszubekommen. Die eigenen Geschwister, Freunde und später die eigenen Kinder werden geschlagen ohne darüber nachzudenken. Die Gewaltbereitschaft ist auch hoch genug um fremde Personen zu schlagen, die einem gerade „blödkommen“ oder weil man selbst vielleicht sogar nur einen schlechten Tag hat.

Erst letztens wurden wir Zeugen von einem Familienstreit (Alle Familienmitglieder im Erwachsenenalter) der daraus hinauslief, dass der Sohn die Tochter zu Boden geschlagen hat, weil diese die Mutter angegriffen hat. Und ein anderes Mal prügelte ein Lehrer einen älteren Jungen aus dem Dorf zu Boden weil dieser aus dem schuleigenen Wasserhahn trank.Im letzten Blogeintrag habe ich euch von dem Polizisten erzählt, der unseren Fahrer erst einmal zusammengeschlagen hat, bevor er überhaupt mit ihm geredet hat. Und das war leider kein Einzelfall…                                                                                                                                              Hier bin ich bei dem roten Faden angelangt, der sich meiner Meinung nach durch die Gesellschaft zieht. Auch im Erwachsenenalter wird zur Faust gegriffen um Konflikte zu lösen oder um die eigene Machtposition zu demonstrieren. Vermutlich kann man an dieser Stelle auch eine Verbindung zur  hiesigen Korruption herstellen. Ich glaube wenn jemand seine Machtposition bzw. Vertrauensstellung in dieser Weise missbraucht, kann man auch hier von Korruption sprechen.

Abschließend möchte ich nochmal betonen, dass das Geschilderte auf meinen Erfahrungen beruht und nicht verallgemeinert werden kann. Nicht alle Ghanaer sind „gewalttätig“ und man muss auch nicht ständig Angst haben, dass jemand auf einen los geht. Ich fühle mich hier in Ghana sehr sicher und denke, dass es sich mehr um eine instrumentelle Gewalt handelt und viele einfach nie gelernt haben eine „friedliche Lösung“ für ein Problem zu finden.

Jetzt aber genug geredet: Weihnachten steht vor der Türe und vielleicht findet der eine oder andere im oft stressigen Weihnachtstrubel eine ruhige Minute zum Nachdenken. Wahrscheinlich findet jeder bei sich selbst Momente, in denen er Gewalt erfahren oder selbst angewendet hat. Und diese Gewalt wurde vermutlich, wie hier in Ghana oft beobachtet, nicht mit dem Primärziel der anderen Person Schaden zuzufügen angewendet sondern eher als Instrument um ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder ein Konflikt/Problem zu lösen.                        Doch muss das wirklich sein?  

Hiermit verabschiede ich mich in meinen zweiwöchigen Weihnachtsurlaub, den wir an der Küste verbringen werden.

Ich wünsche allen ein wunderschönes Weihnachtsfest und schließlich ein gesundes und glückliches Jahr 2012!!

Viele liebe Grüße,

Lea

So schön kann Ghana sein!


Ein Hallo nach Deutschland,

Letztes Wochenende waren wir am Meer und es war richtig schön! Ein Wochenende (bzw. ein Samstag) Urlaub pur. :)

Doch als wir Freitagabend ankamen hatten wir eine ziemlich lange und stressige Fahrt hinter uns. Freitagmorgen ging es um 6 Uhr morgens mit einem Tro-Tro (Kleinbus) los. Wir waren ca. 20 Leute, alles Freiwillige von verschiedenen Hilfsorganisationen. Die meisten waren aus Deutschland, aber auch die französische Schweiz, Finnland, Lettland und die USA waren vertreten. Das Tro-Tro haben wir über das Wochenende gemietet und so kamen noch zwei Ghanaer mit, die den Fahrerjob übernahmen. Unsere Fahrer hätten wir uns vor der Fahrt mal lieber genauer angeschaut, denn wir kamen in eine Polizeikontrolle und es stellte sich heraus, dass unser Fahrer kein Führerschein bei sich hatte. Dazu kam, dass er die Polizeikontrolle davor einfach übersehen hat bzw. nicht sehen wollte und weitergefahren ist. Er wurde dann schließlich rausgezogen und wurde von einem Polizisten regelrecht aus dem Auto gezerrt und erst mal zusammengeschlagen. Das war echt krass, ich saß im Auto und dachte ich bin im falschen Film. Wie ein Schwerverbrecher wurde er dann aufs Polizeirevier gebracht. Die Korruption ließ dann natürlich nicht lange auf sich warten und unser Fahrer musste freigekauft werden. Wir warteten dann schließlich zwei Stunden bis Freunde von ihm kamen und den Polizisten Geld zustecken. Wir haben auch versucht mit den Polizisten zu verhandeln aber da war nichts zu machen, sie wollten einfach nur Geld sehen. Aber da wir mit der Sache nichts zu tun hatten, waren auch die Polizisten der Meinung, dass der Fahrer da ohne unser Geld wieder rauskommen muss.Da dann auch noch viel Verkehr auf den Straßen war, waren wir erst um 17 Uhr am Ziel.

Aber als ich den Strand, die Palmen und das Wasser gesehen habe, war die ganze Fahrt schon wieder vergessen! Wir waren in einer Lodge, die ziemlich abgelegen war, weit und breit nichts, aber total schön gemacht, trotz ghanaischem Standard (Freiluftdusche und Toilette waren mal wieder angesagt). Die Lodge wurde von einer Französin mit ihrem Mann betrieben und so gab es auch kontinentales Essen, zur Abwechslung mal wieder ganz gut. ;) Es waren auch nur Weiße zu Gast, viele Ghanaer können sich das einfach nicht leisten und Urlaub am Meer ist hier auch nicht so beliebt wie bei uns. Die meisten Ghanaer können nicht mal schwimmen. Aber für uns war es ein kleines Paradies: Hängematten hingen an den Palmen, Surfbretter und Spiele für den Strand wurden zur Verfügung gestellt und eine Bar war vorhanden.

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang waren wir am Strand und haben die Landschaft genossen. Samstagabend gingen wir in die nächste größere Stadt zu einem Reggea-Festival, wobei Festival etwas übertrieben ist. Es war eine Bühne aufgebaut, auf der verschiedene Künstler den Tag über auftraten. Es wurde gefeiert, getanzt und das coolste war, dass es direkt am Strand war. Um 4 Uhr morgens waren wir schließlich wieder in unserer Lodge, ich bin dann aber schon um 8 Uhr wieder aufgestanden um noch ein bisschen das Meer genießen zu können, da wir am Vormittag schon wieder gefahren sind.

Fazit: Trotz der langen Fahrtzeit hat es sich gelohnt und es war echt schön!!

sieht man hier leider nicht, aber wir hatten sehr hohe Wellen!

sieht man hier leider nicht, aber wir hatten sehr hohe Wellen!

 

 
Sonnenaufgang 

Sabina und ich

Weihnachtsstimmung!

Weihnachtsstimmung!

Blick aufs Meer

Beim Arbeiten war es diese Woche dafür umso anstrengender, da Madame Mariama (die Lehrerin in meiner Klasse) krank war bzw. immer noch ist. Sie hat Malaria und kommt erst am Dienstag wieder. Somit war ich alleine in der Klasse und am ersten Tag war dann das Chaos schon vorprogrammiert und ich war mit der Situation ziemlich überfordert. Die anderen drei Lehrerinnen sind aber nicht mal auf die Idee gekommen mir zu helfen, sie waren weiterhin in ihren zwei Klassen bzw. eigentlich haben sie diese Woche fast gar nichts gemacht außer rumgesessen. Außer wenn ich sie dann um Hilfe gebeten habe sind sie gekommen, aber dann haben sie die Kids meistens auch nur verschlagen. Einmal war es so heftig, dass ich dazwischen gegangen bin und meinte, dass es jetzt genug sei. Aber dann hat sie den Jungen einfach mit vor die Türe genommen und weiter geschlagen. Naja, ein Versuch war es wert! Das ist echt nicht schön mit anzusehen… Aber im Laufe der Woche ging das Unterrichten dann immer besser und ich habe geschafft was ich mir vorgenommen habe, auch wenn es immer ziemliches Chaos war. Wir haben Weihnachtssterne angemalt, Zahlen und Buchstaben geschrieben und gespielt. ;)

So brav sind die Kids sonst nicht! Am Mittwoch hatte Philip noch Geburtstag, wir haben ein bisschen gefeiert und ihn kräftig mit Wasser übergeschüttet, wie es hier nun mal üblich ist! Wir sind schon richtig ghanaisch. ;)

Soweit das Neueste aus Ghana und viele Grüße,

Lea

Halbzeit! ;)


Hallo meine Lieben,
heute ist der 27. November 2011 und genau vor drei Monaten bin ich in Ghana gelandet. Es ist echt erstaunlich wie schnell die Zeit vergeht, aber ich denke, das ist auch ein gutes Zeichen. Ich habe bisher echt viel erlebt und gesehen, positive wie negative Erfahrungen gemacht und auch einiges gelernt, über das Land, die Kultur, aber auch über mich selbst.
Gesundheitlich geht es mir immer noch sehr gut, bisher hatte ich noch nichts Ernstes. Ich hoffe das bleibt auch so, da ich jetzt meine Malariaprophylaxe abgesetzt habe.

Da jetzt schon die Hälfte der Zeit vorbei ist, haben wir angefangen ein Denkmal zu setzen. ;)
Wir sind gerade dabei ein Volleyballplatz für die Schüler auf dem Campus zu „bauen“. Das Projekt war von einem Lehrer schon geplant, aber die Motivation anzufangen hat vor allem auf Seiten der Schüler gefehlt. So haben wir versucht alle zu mobilisieren und haben einfach angefangen zu arbeiten. Die Schüler zu motivieren ist  gar nicht so einfach, da ihr Stundenplan ziemlich vollgepackt ist und am Samstag muss dann Wäsche gewaschen werden. Die Bereitschaft zu arbeiten und aktiv etwas zu tun ist bei vielen Ghanaern nicht sehr hoch, vor allem wenn sie ihren eigenen Nutzen davon nicht sehen.
Naja, spielen wollen dann wahrscheinlich alle… aber davor muss noch eine Menge Arbeit getan werden. Wir haben das Feld abgesteckt, das erst mal begradigt werden muss. Dabei stehen uns lediglich Eimer, Schaufeln und ein Beil zur Verfügung. Meist ist es so heiß, dass man eh nur vormittags arbeiten kann und um 18 Uhr endet der Tag in Ghana schon, da es um diese Uhrzeit bereits dunkel ist. Somit bleibt gar nicht mehr so viel Zeit übrig, aber ich bin zuversichtlich und freue mich schon auf das erste Spiel! :)

Die Jungs hart am Arbeiten!

So sportlich wie die Jungs in Ghana übrigens sind, so unsportlich sind die Mädels. Letzten Freitag war ein Sporttag für die Schüler, ich habe im Kindergarten frei bekommen und so sind wir ein Dorf weiter auf einen „Sportplatz“ gefahren. Leichtathletik stand auf dem Programm und es wurden die besten Athleten der Schule ermittelt, die dann auf Wettkämpfe geschickt werden um gegen andere Schulen anzukämpfen. Die Jungs sind echt fit, Dennis hatte beim 1500-Meterlauf keine Chance, dafür hab ich die Mädels dann im Weitsprung abgezogen. Was aber keine große Leistung war! ;)

Gestern sind wir nach Obuasi gefahren und haben eine Goldmine besichtigt. Obuasi liegt ca. eine Stunde Busfahrt von Kumasi entfernt und wir wurden mal wieder von Harrioth begleitet, da ihr 8-jähriger Sohn dort mit seinem Vater, Charles, lebt. Charles arbeitet in der Goldmine und hat seine Beziehungen für uns spielen lassen. Wir wurden mit Spezialkleidung ausgerüstet und ab ging es mit einem Aufzug in 800 Meter Tiefe. Die Mine hat vier verschiedene Schächte, in denen auf unterschiedlichen Höhen („level“) gearbeitet wird. Ich hatte echt ein mulmiges Gefühl im Bauch, aber es war total interessant zu sehen. Wir sind in eine richtige „Untergrundwelt“ gekommen. Auf unserem Level befanden sich schwere Maschinen, die das Material abtragen und befördern sowie eine kleine Werkstatt, Büroräume und ein Aufenthaltsraum. Unvorstellbar wie das alles überhaupt in die Tiefe gelangt. Seit 1895 wird in Obuasi Gold abgebaut und fast alle Einwohner der Stadt arbeiten oder leben vom Goldabbau.  Die Bergbauindustrie ist außerdem sehr wichtig für Ghanas Wirtschaft. Viel Gold haben wir leider nicht zu Gesicht bekommen, aber kleine Goldpartikel sind doch zum Vorschein gekommen.
Danach hat uns Charles noch zum Essen eingeladen, er war sehr nett und großzügig und wollte mit uns auch unbedingt noch ein Bier trinken. Naja, aus einem sind dann drei geworden und somit haben wir den Tag nett ausklingen lassen. Es kursiert hier übrigens das Gerücht, dass wir in Deutschland auf Grund des zweiten Weltkrieges Probleme mit dem Wasser haben und daher nur Bier trinken. Klingt witzig, ist aber eigentlich ziemlich traurig da die Menschen das wirklich glauben und uns schon einige darauf angesprochen haben. Und wenn man sie dann nach den angeblichen Gründen fragt wissen sie  keine Antwort, das haben sie halt mal irgendwann gehört und geglaubt.
Gestern war auf jeden Fall wieder ein erlebnisreicher Tag und wir hatten viel Spaß. :)

von links: Philip, Dennis, ich, Sabine und Eva

Hier werden einige Ersatzteile fuer die Maschinen gelagert und repariert

Verschiedene Maschinen mit denen das Gold abgetragen und transportiert wird.

im Aufzug: Ich war froh wieder hochfahren zu koennen! :)

 

Nächstes Wochenende sind wir am Meer!! Ich freue mich total, denn ich habe hier das Meer noch nicht zu Gesicht bekommen. Es findet ein Straßenfestival statt und somit bekommen wir hoffentlich noch gute Musik zu hören. Ich werde berichten!

Ich wünsche euch noch einen schönen ersten Adventssonntag! In Ghana kommt übrigens überhaupt keine Weihnachtsstimmung auf, es ist viel zu heiß dafür…

Viele Grüße,
Lea

Mein Geburtstag und ein echt schoenes Wochenende!


Hallo liebe Leser,

danke für die vielen Glückwünsche zum Geburtstag, hat mich echt gefreut!

Ich habe einen Tag vor meinem Geburtstag mein Handy verloren und war dementsprechend frustriert, aber ich hatte dann noch einen echt schönen Geburtstag. Montag war ein muslimischer Feiertag in Ghana und somit hatte ich frei. Wir haben dann am Morgen Muffins gebacken, ohne Rührgerät gar nicht so einfach, und mittags sind die anderen Freiwilligen zum Feiern gekommen. Auch von den Ghanaern wurde ich „gefeiert“. Hier ist es Tradition, dass das Geburtstagskind mit Wasser überschüttet wird. Ich hatte Glück, dass die Berufsschüler gerade Ferien hatten und die meisten heimgefahren sind, somit war ich nur zweimal nass. ;) Dienstagmorgen haben dann die Kinder und Lehrerinnen im Kindergarten für mich gesungen, es war total süß, ich hätte filmen sollen! Alle haben sich gefreut und die Kinder sind dann immer wieder zu mir gekommen und haben „happy birthday“ gesungen und haben nach meinem Alter gefragt. Ansonsten werden hier aber Geburtstage nicht so groß gefeiert. Viele Kinder wissen gar nicht wann sie Geburtstag haben und auch das Alter von Geschwistern wird zum Beispiel oft nur geschätzt. So viel zum Thema Geburtstag…

Ich wollte euch noch von letztem Wochenende erzählen, das ich im „Home village“ von Harriot, einer Lehrerin, verbrachte. Es war ca. eine Stunde Autofahrt entfernt und ein richtig schönes, kleines afrikanisches Dörfchen. Doch im Vergleich zu diesem Dorf haben wir sogar in Denchemouso puren Luxus. Es gab zwei gemeinsame „Dorftoiletten“, unsere war im Busch und bestand aus einer Grube, die mit ein paar Holzbrettern bedeckt war. Außerdem gibt es kein fließendes Wasser, geduscht wird mit einem Eimer in einem kleinen Waschraum vor dem Haus und auch gekocht wird vor dem Haus über offenem Feuer.

Unsere Toilette: Eine Grenzerfahrung!

Kochstelle vor dem Haus

Wir wohnten von Freitag bis Sonntag bei der Familie von Harriots Vater, die alle total nett und sehr gastfreundlich waren. Sie überlegten sich ein Programm für uns und gaben sich echt viel Mühe.

Unser Gastvater

Alle zusammen :)

Freitagmorgen waren wir zu einer Verlobungsfeier im Dorf eingeladen und die Hochzeit folgte dann am Sonntag. Die Verlobungsfeier wird als die traditionelle ghanaische Hochzeit bezeichnet und ist für die Ghanaer sehr wichtig. Familie, Freunde und Dorfbewohner waren anwesend. Leider war alles auf Twi und so haben wir nicht wirklich viel verstanden. Aber es wird viel gebetet und die Familien haben ihre Glückwünsche ausgesprochen. Normalerweise wird noch getanzt aber da gerade Stromausfall war blieb die Musik und somit auch das Tanzen aus. Ich habe hier übrigens erst eine Live band gesehen und es wird auch nicht so viel getrommelt wie man sich es immer vorstellt.

Braut mit Familie

Am Samstag wurden dann zwei Hühner für uns geschlachtet und wir sollten uns es unbedingt mit anschauen. Es war sehr grausam! Dem Huhn wird nicht einfach der Kopf auf einmal abgeschlagen sondern es wird mit einem eher stumpfen Messer nur angeschnitten und dementsprechend lange dauert es bis das Tier tot ist und es hat doch lange zu leiden. Der Sinn dahinter ist, dass kein Blut spritzen soll und wenn das erste Blut fließt muss das Tier noch leben. Das tote Huhn wurde dann in heißes Wasser gelegt und gerupft, danach auseinandergenommen und geschnitten. Es war auf jeden Fall interessant zu sehen und es hat dann auch sehr gut geschmeckt! J


Samstagmittag sind wir zum Lake Bosomtwi gefahren, dem größten natürlichen See Ghanas. Wir haben uns auf eine Abkühlung gefreut, doch die blieb leider aus, denn der See war ziemlich warm. Landschaftlich war es sehr schön und idyllisch und wir konnten einfach mal ein bisschen entspannen.

Am Sonntag sind wir nach Obuasi gefahren wo die Hochzeit von Harriots Cousine stattfand. Doch die Fahrt hätten wir uns auch sparen können, ich habe das Brautpaar nicht mal zu Gesicht bekommen. Wir waren in der Kirche und es waren sehr viele Leute da. Zudem war der Raum ziemlich verwinkelt und ich saß genau hinter einem Pfosten und so sah ich so gut wie nichts. Während dem Gottesdienst haben wir mal wieder nichts verstanden und so mussten wir eher aufpassen nicht einzuschlafen…Wir sind dann auch nach dem Gottesdienst gleich nach Hause gefahren.

Es war ein echt schönes Wochenende und wir haben vieles erlebt und gesehen! Ich staune immer wieder über die Lebensverhältnisse hier und komme zum Entschluss, dass Weniger oft Mehr ist!

Sonnige Grüße,

Lea

Ein kleines Erfolgserlebnis! :)


Liebe Blogleser,

mich packt gerade die Motivation euch einen Bericht zu schreiben!

Erst mal ein kleiner Nachtrag zum Thema Fufu aus dem Reiseführer:;)

„Die Welt verdankt Ghana die Existenz des Wortes Fufu! Darunter versteht man eine klebrige Masse auf Maniokbasis. Gekochte Maniokwurzeln und Kochbananen werden in breiten Mörsern zu einer gummiartigen Paste zusammengestampft. Entweder es wird sofort abgelehnt oder es wird heiß geliebt. Fufu muss mit einer Suppe (z.B. klare Suppe, Palmkernsuppe, Erdnusssuppe…) gekostet werden, dann kommt die Erleuchtung! Wem sie nicht beim ersten Mal kommt, sollte nicht gleich aufgegeben werden, sie kommt bestimmt!“ ;)

Oft wird dann auch noch Fleisch oder Fisch dazu gegessen. Als wir es selber gemacht haben kam Chicken mit rein. Ansonsten lasse ich das Fleisch meistens weg weil es oft Ziege ist…

Also mir ist die Erleuchtung gleich beim ersten Probieren gekommen! ;)

Fufu stampfen

fast fertig gestampft!

Fufu wird natuerlich mit den Haenden gegessen!

@Cori: Ich hoffe, deine Frage ist hiermit beantwortet!? :)

 

Nach meinem Tief in den letzten zwei Wochen geht es jetzt wieder Bergauf.

Mein Praktikum im Kindergarten hat mich doch sehr mitgenommen und ich musste erst mal lernen Dinge so hinzunehmen wie sie sind, mir nicht alles zu Herzen zu nehmen und es auch zu akzeptieren, dass ich Dinge nicht umsetzen kann.

Wenn ich die Kinder unterrichte bestehe ich auf die Anwesenheit einer Lehrerin, ansonsten tue ich mir selber und auch den Kindern keinen Gefallen. Auch wenn es frustrierend ist, dass schon allein die Anwesenheit einer Einheimischen reicht um die Kinder ruhig zu bekommen.Aber dann kann man mit den Kindern auch was machen und das ist ja der Sinn der Sache. Wobei überraschenderweise  Spiele schwieriger sind als die Kinder ein bisschen zu unterrichten. „Reise nach Jerusalem“ musste ich zum Beispiel abbrechen, weil sie das Spiel erstens nicht verstanden und sich zweitens gegenseitig fast umgebracht haben. Naja, auch Spielen muss gelernt sein…

Gestern habe ich mit den Kindern ein Plakat gestaltet und jeder durfte mit Wassermalfarben seinen Handabdruck auf das Papier bringen. Sie haben sich total gefreut, waren ruhig und haben sich auch gegenseitig zugeschaut. Das war dann wieder ein Erfolgserlebnis! Man muss sich ja auch ueber kleine Dinge freuen koennen! ;)

Meine Klasse und die Lehrerin

 

Letzte Woche ist mir auch wieder richtig bewusst geworden wo ich mich hier eigentlich befinde. Ein kleines Mädchen ist im Nachthemd in den Kindergarten gekommen worauf sie von der Lehrerin wieder heimgeschickt wurde mit dem Auftrag ihre Schuluniform anzuziehen. Sie wollte aber nicht alleine gehen, weil ihre Oma sie sonst schlagen würde, wenn sie alleine über die Straße geht. Also bin ich mit ihr mitgelaufen und bin mit zu ihrer Oma gegangen, bei der sie lebt. Ich war dann doch etwas schockiert als ich die Lebensbedingungen gesehen habe. Die Oma kam erst mal halbnackt aus ihrer Hütte raus und war wahrscheinlich genauso überrascht mich zu sehen wie ich sie. Sie hat sich dann ein Tuch rumgewickelt und etwas Passendes zum Anziehen für das Mädchen gesucht. Die Schuluniform war leider zu dreckig und so wurden eine Hose und ein T-Shirt angezogen, die aber auch nicht wirklich sauber waren!

Auf jeden Fall wäre es für uns unvorstellbar so zu leben. In unseren Augen einfach dreckig, unfertig, ungemütlich, leer… ich kann es gar nicht beschreiben, sorry!

Ansonsten haben wir gerade noch ein Wasserversorgungsproblem im Kindergarten, das aber hoffentlich bald behoben ist. Da der Kindergarten erst im Sommer gebaut wurde, sind glücklicherweise sanitäre Anlagen vorhanden aber noch nicht betriebsfähig. Wasserleitungen müssen noch verlegt und angeschlossen werden, doch die Handwerker sind leider nicht jeden Tag da und so zieht sich das Ganze ziemlich lange hin.

Die letzten Wochenenden waren wir Zuhause und haben uns von der Woche erholt. Die zwei Tage Erholung habe ich auch immer noetig!

Naechstes Wochenende sind wir bei einer Lehrerin eingeladen. Wir werden in ihr home village fahren, das Dorf in dem sie geboren wurde. Eine Verlobungsfeier und eine Hochzeit stehen auf dem Programm, ich werde berichten!

 

Viele Gruesse,

Lea