Archiv der Kategorie: Kindergarten Denchemouso

Alltag


Mein letzter Tag im Kindergarten war so schön.
Die Kinder sind so entspannt gewesen, sie haben sich nicht geschlagen, nicht extrem viel geschrien,… Außerdem gibt es ein neues Mädchen, Carina. Sie ist so süß. Während dem Essen ist sie zu mir gekommen und hat sich füttern lassen. Ab dem Zeitpunkt ist sie nicht mehr von meiner Seite gewichen. Ich bin kurz aus der Tür gegangen und sie hat das Weinen angefangen, also habe ich sie mitgenommen und sie war still. Als ich dann Feierabend machen wollte, durfte ich auch nicht alleine gehen. Der Kompromiss war dann, dass ich sie einfach mitgenommen habe. Sie saß dann bei uns auf der Couch und hat mir zugeschaut. Marika und ich haben einfach ganz normal geredet und irgendwann ist sie neben mir eingeschlafen. Das war ganz gut, weil ich sie so „unbemerkt“ in den Kindergarten zurück bringen konnte.

Gestern hatte ich übrigens das erste Mal Marika-frei (für drei Stunden). Das hat unseren Nachbarn so geschockt, dass er mich gefragt hat, ob er sich zu mir setzten soll. Ich habe ihm mindestens fünf mal versichern müssen, dass es mir gut geht und ich die Ruhe auch einmal genieße. Er hat es mir zwar nicht geglaubt, aber er ist dann auch wieder gegangen.

Als Marika dann wieder da war, haben wir einen Zitronenkuchen für eine Freundin gebacken, die heute Geburtstag hat. Ich glaube das Backpulver in Ghana ist nicht so „stark“ wie das Deutsche, weil unsere Kuchen hier nicht viel aufgehen. Geschmeckt hat der Kuchen aber trotzdem sehr gut. Leider haben wir ihn fast komplett verschenkt…

Mit unserem Unterricht funktioniert es meistens, wenn die Schüler auch wirklich kommen. Heute haben wir in Form 3 einen freiwilligen Test geschrieben, der dementsprechend gut ausgefallen ist. Außer ein Mädchen, die leider 0 Punkte hat… Warum schreibe ich einen freiwilligen Test mit, wenn ich weiß das ich es nicht kann???
Unsere Lieblingsklasse war dafür mal wieder sehr lustig. Bei denen kann man auch mal so Witze bringen, wie auf eine Powerpoint Präsentation schreiben „Marika ist doof“, natürlich auf deutsch. Danach haben wir es übersetzt und alle haben gelacht. Trotz des Rumalberns, will diese Klasse wirklich etwas lernen und strengt sich an. Deswegen freuen wir uns auf diese Stunden immer ganz besonders. 🙂

Und zu meinem Alltag gehört nach wie vor das Wäsche waschen. Ich habe wirklich keine Ahnung wie lang es noch dauern wird, bis ich waschen kann ohne danach völlig zerstörte Hände zu haben…

Morgen Abend werden wir andere Obrunis treffen! Justice hat sie letztens getroffen und ihnen unsere Nummer gegeben. Die beiden sind auch Freiwillige und unterrichten in einer Montessori Schule hier in der Gegend. Ich bin wirklich gespannt auf den morgigen Abend.

Ich werde euch auf dem Laufenden halten!

Advertisements

Monkeys, waterfalls and new friends


We had an amazing weekend!
It didn’t start out that way though… we had to wait for our car to leave for four and a half hours and then it took us another three hours to get to Kintampo. That’s when our good time actually began. Short reminder: Do you remember how clumsy I am? Yes? Good, let’s get started.
First I hit my toe against the bathroom door(or the other way around, depending on which one you ask) so hard it started bleeding. Well, we cleaned the mess up and got ourselves some fried yam for dinner. During the night I noticed how bad the matress was, but only after thinking about how much worse mine in Denkyemouso is so I decided to enjoy it.
The next morning I slipped and fell into a drainage gutter… result: ripped up knee, hand and bruised leg. Good job, Marika! We also had plenty porridge with bread that morning and it only cost us 1 Cedi, which equals a bit less than 0.25€, per person!
Kintampo Falls was impressive, it was such a huge waterfall! Luckily I didn’t slip on the wet stones… our guide did instead. I don’t think she hurt herself, because she just went for a swim in her already wet clothes. She got us a taxi to Fuller Falls – and also got in with us! The girl apparently decided to go and have a good time with the white people. Fuller Falls was more of a quiet place and very beautiful in it’s own way, so we spent some time there before we went back to Kintampo in a tiny car with seven people jammed in there while listening to loud Ghanaian music! Mary, our guide, sat on my lap and got away without paying anything for that drive. In Ghana you pay per seat and I paid mine/ ours… When she asked to join us for Boabeng-Fiema her adventure had ended and we went on our own. And guess what, we even got a good price for our taxi! We paid 45 Cedis and another Obruni we met there paid 90… Justice also said we got a good price, which makes us feel very good about ourselves.
Now the time has come for a formal apology: Justice, I am sorry for misspelling your name in my previous entries!
The guest house we stayed at (after we survived our taxi ride through a muddy river/ street) was a quiet place with a relaxing atmosphere and we spent the rainy afternoon in a hut playing games.
The next day was just plain amazing! We saw and fed monkeys, climbed up the remnants of a tree that had been eaten by some sort of parasite and had a look at the monkey cemetery. Our guided walk also included a rather scary conversation with our guide:
Guide: Wait, I think I just heard the sound of a black cobra.
Group member: Is it dangerous?
Guide: Yes, yes, very dangerous.
Group member: Does it dig up the ground like that?
(I was standing on „that“)
Guide: Yes, it does that.
Group member: How big is it?
Guide: As big as this tree stump (had about the diameter of my hand) and one meter tall.

Needless to say that I was afraid of meeting that cobra… and luckily we didn’t.

The other Obruni shared a guide with us and went back to Kumasi with us – and put up his tent at our school. It always is nice to make new friends..
Our trip wasn’t the way we thought it would be, it was even better! Jana and I are already planning our next one…

Travelling!!!!


Was für ein Wochenende…

Angefangen mit der anstrengenden Hinfahrt, aufgehört mit unglaublichen Erfahrungen.

Wir haben es am Samstag wirklich noch geschafft, vor dem Sonnenuntergang in unserer Unterkunft zu sein! Die Wartezeit kann man teilweise ganz gut wieder aufholen, indem man die wirklich wenigen Geschwindigkeitsbegrenzungen ignoriert (zu praktisch, dass die meisten Tachos in den Autos hier nicht funktionieren).  Außerdem hat ein Trotro natürlich eine Wahnsinns Kurvenlage und überholen mit freier Sicht wird sowieso überbewertet…
Soweit so gut. Wir waren am Ende des Tages einfach nur froh, angekommen zu sein. Leider hatte unsere Unterkunft kein fließendes Wasser und aus dem Bad hat es auch noch gestunken, aber ich gehe jetzt mal lieber nicht ins Detail. Dafür hat jede von uns nur 15 Cedis gezahlt!

Am nächsten Morgen gab es zum Frühstück Porage an der Straße. Ihr könnt euch das nicht vorstellen, aber es ist einfach schön sich für 1 Cedi pro Person ein Frühstück an der Straße zu besorgen, das auch noch echt lecker ist. Zu dem Porage (das nach Ingwer geschmeckt hat) gab es leckeres Brot. Wir sind dann auf einer Holzbank gesessen, haben gegessen und währenddessen dem Mädchen neben uns dabei zugeschaut, wie sie irgendwas frittiert hat. Das war einfach so typisch ghanaisch…

Danach ging es dann direkt zu den Kintampo Falls. Diese bestanden hauptsächlich aus dem einen, großen Wasserfall, den ihr auf dem ersten Foto sehen könnt. Wenn man direkt davor gestanden ist und nach oben geschaut hat, war das wirklich beeindruckend. Für diese Mini-Tour hatten wir einen Guide, Mary. Das lustige daran war dann, dass sie meinte sie besorgt uns ein Taxi zu Fuller Falls, wo wir anschließend hin wollten. Das hat sie auch gemacht, aber sie ist gleichzeitig auch einfach mitgekommen. Wir haben natürlich immer zahlen müssen und sie nicht. Naja, dafür hat sie uns beide Wasserfälle gezeigt.
Fuller Falls waren dann nicht so beeindruckend wie Kintampo Falls, dafür aber schöner. Wie auf dem zweiten Bild zu erkennen ist, sind die Fuller Falls langgezogener und wirklich schön. Da die Fuller Falls extrem abgelegen sind und da nur selten ein Taxi vorbeikommt, sind wir auf der Rückfahrt in einem Auto, so groß wie ein Toyota Aygo, zu siebt gesessen. Dazu kamen dann noch unsere Rucksäcke und das viele Gepäck der anderen Reisenden. Da sag noch mal jemand, mein Polo sei klein…

Nach den Wasserfällen wollten wir dann eigentlich ein Trotro zu dem Affendorf nehmen. Mary hat uns aber ein Taxi organisiert. Der Fahrer hat am Anfang 600 Cedis von uns verlangt. Da haben wir natürlich heftig protestiert, in echt meinte er 60 Cedis, aber die Ghanaer hängen oft noch eine Null daran. Vor ein paar Jahren gab es hier nämlich eine Währungsreform, an die sich viele noch nicht gewöhnt haben. Am Ende war unser Preis für das Taxi dann 45 Cedis. Wir dachten am Anfang, dass das teuer ist, aber das war es nicht! Die Strecke war wirklich lang und es hat geschüttet und wir waren auf einer Schlammstraße unterwegs. Ich habe aus meinem Fenster nur die braunen Wasserfontänen gesehen und der Fahrer hat ständig die Scheibe mit einem Lappen wischen müssen. Danach war ich mal wieder froh, den ghanaischen Verkehr unbeschadet überstanden zu haben… Das Taxi war übrigens am Ende fast schon billig, Justice fand den Preis fair und ein anderer Obruni, den wir getroffen haben, hat für die gleiche Strecke 90 Cedis gezahlt!

Unsere nächste Unterkunft war wirklich sehr schön, zwar mitten im Wald und total abgelegen, aber schön ruhig. Außerdem hat die Besitzerin uns Nudeln gekocht und zum Frühstück gab es Pancakes (Marika will mir allerdings noch die „echten amerikanischen“ Pancakes machen).
Da haben wir dann auch Dane getroffen. Er ist aus den USA und will das ganze nächste Jahr reisen.

Zusammen mit Dane haben wir dann heute Früh unsere Affen-Tour gemacht. Der erste Stopp, war der coole Baum auf dem dritten Bild. Innen befindet sich nichts mehr und man konnte darin klettern. Das war wirklich aufregend und man hatte einen tollen Blick von oben.
Nach den Baum ging es dann zu den Affen. Mit Bananen in der Hand, mussten wir nicht lange warten und schon nach kurzer Zeit, sind die ersten Affen an uns hoch gesprungen und haben uns aus der Hand gegessen. Das war eine unglaubliche Erfahrung. Diese wilden Tiere so nah erleben zu dürfen, war wirklich unfassbar und das werde ich nie vergessen!
Die Affen sind in ihrem Dorf übrigens heilig und werden nicht von den Einwohnern gegessen. Es gibt sogar einen eigenen Affenfriedhof und anscheinend kommen die Affen zum Sterben ins Dorf, dass sie dann begraben werden können.
Die Affentour war wirklich ein neues Highlight hier in Ghana!!!!

Die Heimreise verlief dann ausnahmsweise mal perfekt. Lustigerweise hatte Dane auch vor, nach Kumasi zu fahren und dann haben wir ihm angeboten, mit zur Schule zu kommen. Mit KK’s Erlaubnis schläft er jetzt hier in seinem Zelt. Wir haben dann die Gelegenheit genutzt und ihm zusammen mit Justice, Egg and Bread gezeigt.
Esther hat sich übrigens riesig gefreut, dass wir wieder hier sind. Und auch ich bin froh, wieder in meinem eigenen Bett zu liegen. Manche Gewohnheiten ändern sich einfach nie, egal wo man ist. 🙂

Gute Nacht ihr alle

FUNK AUS DEM BUSCH – HAPPY 2-MONATIGES! :)


Hallo ihr Lieben,

(fast) pünktlich zum Zweimonatigen melde ich mich mal wieder mit einem Funk aus dem Busch Afrikas. Seit vergangenen Sonntag bin ich nun genau 8 Wochen in Ghana – habe also schon ein Drittel meiner gesamten Zeit hier erfolgreich überstanden!

Die Wochen seit meinem letzten Blogeintrag sind wie im Fluge vergangen und ich kann überzeugt berichten, dass ich mich hier sehr gut eingelebt habe und mein Zimmer ein wirkliches zu Hause für mich geworden ist! Darauf bin ich dann auch doch ein klein wenig stolz, denn obwohl gewisse „Umstände“ für mich mittlerweile normal geworden sind, für euch Daheimgebliebenen sind sie das wohl nicht ganz.

So zum Beispiel das Wasserproblem, dass vor 3 Wochen seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte: Bei unserer Ankunft in Ghana wurden wir unter anderem auch darauf hingewiesen, dass die fließend Wasser Zufuhr ab und an nicht funktionieren könnte – daher auch die Plastiktonne in unserem Badezimmer, die wir mit Brunnenwasser für den Notfall füllen könnten. In der Anfangszeit nie mit diesem Problem konfrontiert, blieb sie natürlich ungeöffnet in der Ecke stehen – bis dann vor vier Wochen eines Morgens das Wasser weg blieb. Festival-erprobt wie ich bin (an dieser Stelle danke an meine Mädels und Jungs, die mich mitgeschleppt haben!), bedeuten mal ein oder auch zwei Tage ohne fließend Wasser und Dusche natürlich nicht den Weltuntergang, zumal es zwischendurch für eine halbe bis eine Stunde auch Wasser gab. Eben jener Untergang nahm vor besagten 3 Wochen dann aber recht abrupt Gestalt an, als am Montag Morgen das Wasser weg blieb und sich erst wieder zum Wochenende hin zurück meldete… Nicht genug, das Wasser holen aus dem Brunnen nach dem 4. Eimer auch nicht mehr „wildlife“ sondern einfach nur noch anstrengend ist, wurde es pünktlich zum fehlenden Wasser kuschelig schwül-heiß (unter zwei Mal am Tag duschen ist bei solchem Wetter nicht, zumindest bei mir!). Statt Wasserhahn aufdrehen hieß es von da an Eimer füllen und Tasse eintauchen (und möglichst den teilweise doch etwas merkwürdigen Geruch des Brunnenwassers einfach ignorieren…), um sich morgens und abends zu erfrischen. Als man sich schon fast daran gewöhnt hatte, vor der Morgentoilette erst einmal etwas für den Bizeps zu tun, floss das Wasser wieder und ist seither in solch extremer Form auch nicht mehr weg geblieben (obwohl ich zugeben muss, dass wir, während ich diesen Bericht geschrieben habe, zeitweilig auch kein Wasser hatten…).

Nachdem ihr nun bestens über das Wasserthema Bescheid wisst, darf auch der Strom nicht unerwähnt bleiben – wenn er denn nicht gerade Pause macht. Eigentlich ist das schon ein alter Hut für uns, denn seit unserer Ankunft fällt mit 95- prozentiger Wahrscheinlichkeit der Strom allabendlich für mindestens eine gute Stunde aus. Ich bin von Natur aus schon kein riesen Romantiker – aber mittlerweile kann mir keiner mehr erklären, dass duschen oder essen bei Kerzenlicht doch sooo unglaublich romantisch ist! Und ein abtauender Kühlschrank hat mit Romantik spätestens dann nichts mehr zu tun, wenn einem beim Öffnen eine kleine Flutwelle entgegen schwappt. Aber der Mensch ist ja anpassungsfähig, vor allem in Afrika, und daher versuche ich ab und an eben fast blind, meine Zahnpasta auf der -bürste zu platzieren (wir hatten ja auch schon den Fall, dass es weder Wasser noch Strom gab, aber davon fange ich jetzt gar nicht erst an…).

Ein weiteres Beispiel ist der „Dreck“, in dem wir hier ganz brutal gesagt leben – was um Gottes Willen nicht heißen soll, dass man uns in eine heruntergekommene Bruchbude gesteckt hat! Aber so richtig sauber ist und wird es eben nicht – egal, wie oft man auch putzen mag. Das liegt zum einen daran, dass unser Zimmer viele schöne hohe Ecken hat, in denen es Spinnen besonders gut gefällt. Oder zum anderen daran, dass sich durch die hohe Luftfeuchtigkeit Schimmelpilze besonders wohl fühlen und es sich gern unter den Schränken oder an Rücksäcken, Koffern und Schuhen bequem machen. Aber da heißt es dann eben abwischen und weiter machen. Besagte Luftfeuchtigkeit dürfte auch für den leicht muffigen und zeitweise undefinierbaren Geruch verantwortlich sein, der von unserer Couch und den Betten ausgeht – da hilft selbst der beste Textilerfrischer nicht viel. Die gute Nachricht ist, dass man aber auch irgendwann das nicht mehr riecht und der „Dreck“ nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr ganz so dreckig erscheint. Nur die Spinnweben über meinem Bett habe ich die letzten Tage entfernt, da es dann doch zu viel des Guten war, beim Aufwachen von einer Spinne begrüßt zu werden.

Die eben genannten Sachen mögen euch jetzt vielleicht ganz harmlos erscheinen und ihr lacht darüber und fragt euch, warum ich mich denn so angestellt habe – aber lasst euch gesagt sein, so lustig ist es spätestens dann nicht mehr, wenn man krank zwischen Bett und Toilette pendelt und dann kein Wasser für die Spülung mehr kommt. Oder, wenn man mitten unter der Dusche auf einmal versuchen soll, sich das Shampoo mit vereinzelten Wassertröpfchen auszuwaschen. Für´s wildlife muss man eben geboren sein und obwohl ich sicher nicht zimperlich bin, geht es mir oft gehörig auf den Keks.

So, das wäre es jetzt erst einmal zu meinem 2-monatigen Jubiläum, ist doch schon wieder recht ordentlich geworden. Zum Schluss möchte ich aber noch sagen, dass ich es trotz zuvor genannter Schwierigkeiten nicht bereue, den Schritt gewagt zu haben und hierher gegangen bin! Wer also gegen das ein oder andere „Abenteuer“ nichts einzuwenden hat, der sollte es wagen und sich in die Büsche Afrikas begeben. ;) Ich hoffe, Studium, Schule oder Arbeit läuft bei euch daheim in Deutschland so, wie ihr es euch wünscht und es geht euch allen gut!

 

Liebste Grüße aus dem ghanaischen Busch,

Lisa :)

HOW TO STAY ALIVE… (VOM ESSEN)


Hallo ihr Lieben,

heute lebe ich genau seit 5 Wochen und  zwei Tagen im ghanaischen Busch – Wahnsinn, wie schnell die Zeit doch vergeht. Dabei haben sich die 6 Monate am Anfang noch wie Jahre angefühlt… Aber hier dauert ja bekanntlich alles ein wenig länger, eben auch die Eingewöhnungsphase. Alles andere wäre in einem Land, dessen Motto „There´s no hurry in life“ lautet, auch nicht typisch und nicht zu erwarten.

Da ich mich hier wie schon erwähnt ganz gut eingelebt habe, wollte ich euch in diesem Blogeintrag die ghanaische Esskultur ein wenig näher bringen. Auch wenn ich schon im Voraus gestehen muss, dass ich das meiste der folgenden Kost mehr schlecht als recht vertrage und mich daher vor allem zu Beginn hauptsächlich von Säuglingsnahrung und Brühe ernährt habe. Aber dazu später mehr.

Der Ghanaer ernährt sich vorwiegend von 3 Dingen – Yam, Plantain und Reis in allen Variationen. Während letzteres euch bekannt sein dürfte, muss ich vielleicht kurz erklären, was Yam und Plantain sind: Yam wächst als Wurzel im Boden und ist von Konsistenz und Geschmack her vergleichbar mit einer Kartoffel. Genau so kann man sie auch zubereiten: Es gibt gekochte Yam, frittierte Yam (Pommes!), gegrillte oder geröstete Yam gestampfte Yam (zusammen mit gestampfter Plantain bekannt unter dem Namen „Fufu“)…. Plantain findet man in den deutschen Afrika-Shops unter der Bezeichnung „Kochbanane“ und auch diese kann man kochen, frittieren, grillen, rösten, stampfen, pürieren… Dazu bereitet sich der echte Ghanaer ein selbstgemachtes „Stuub“ zu – oder, wie ich es nenne, eine Soße oder Dip, je nach Konsistenz. Ins Stuub kommt hinein, was schmeckt oder eben gerade zur Hand ist. Nur eines haben alle Variationen gemeinsam – sie sind scharf (für meinen Geschmack meistens zu scharf) und fettig. Mein Lieblings – Stuub ist das „tomatoe stuub“ (oder, wie der Ghanaer sagen würde, „tomatuu stuub“), was in etwa einer dickflüssigen Tomatensoße ähnelt. Allerdings schmeckt es hundert Mal besser! Auch ein Dip namens „Pepper“ (der Name lässt vielleicht schon auf den Schärfegrad schließen), der zu frittierten Yam serviert wird, hat es mir angetan (sehr zum Leidwesen meines Magens allerdings). Genau das Gleiche isst man zum Reis – oder man brät in mit Sojasoße, Spaghetti und Gemüse an und garniert das Ganze zum Schluss mit Ketchup, Majo, Krautsalat und einem Hühnerbein (davon bin ich jetzt kein allzu großer Fan…). Zu den Plantain wie auch zu den „normalen“ Bananen isst man hier geröstete, gesalzene Erdnüsse – die Kombination aus süß und salzig ist wirklich lecker, auch wenn ich anfangs meine Zweifel hatte. Allgemein hat die Kochbanane hier von der Zubereitung her wenig mit der zu tun, die man in jedem Asia – Restaurant bekommt. Natürlich ist es am Anfang etwas ungewohnt, ein Barbecue mit gegrillten Bananen zu haben, aber wenn man wie ich auf den Geschmack kommt, wird man das jeden Tag zu Mittag essen können. Lecker sind auch die frittierten Plantains, zusammen mit Vanilleeis und Sahne gäbe das einen perfekten Nachtisch (muss ich in Deutschland unbedingt mal zubereiten!).

Das Meiste von dem zuvor genannten schmeckt also wie schon gesagt ziemlich lecker – trotzdem habe ich mich in den ersten 2 Wochen vorwiegend von Babynahrung und Gemüsebrühe aus Deutschland ernährt und bin zum Vegetarier mutiert, was allerdings nicht ganz freiwillig war. Wie bereits erwähnt, wird hier fast ausschließlich sehr scharf und fettig gekocht – eine Tatsache, auf die mein Magen nicht ganz optimal reagiert hat. Da ich also nur von Big Mama gekochtes Essen zu mir nehmen kann, wenn eine Toilette in Reichweite ist, bleibt als Alternative nur selbst Kochen. An sich gar kein Problem, allerdings war die Gasflasche leider aufgebraucht und da hier ja alles etwas länger dauert, musste ich mich mit Essen begnügen, dass mit einem Wasserkocher zubereitet werden konnte. Mittlerweile haben wir aber unser Gas und bekochen uns selbst. Dann gibt es unscharfe Nudeln mit Tomatensoße. Oder „Bratkartoffeln“ aus Yam mit Ketchup. Oder gekochten Reis mit Ei. Oder Nudeln mit Ei. Oder „Ratatouille“ aus Paprika und Tomaten und Reis oder Nudeln. Da fühlt man sich dann manchmal schon fast wieder wie daheim… Jetzt noch zu der Sache mit dem Vegetarismus: Wer mich kennt, weiß, dass ich einem leckeren Burger oder Steak nicht gerade abgeneigt bin. Mein Besuch der Fleisch- und Fischabteilung in Kumasi Market hat allerdings einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und da ich nun jedes Mal einen von Fliegen umschwirrten, vertrockneten Ziegenkopf und die dazu gehörenden Gedärme vor Augen habe, wenn ich ein gutes Stück Fleisch sehe, habe ich mich dann doch nicht ganz so schweren Herzens dazu entschlossen, mal ein halbes Jahr lang auf Fleisch zu verzichten. Ich muss aber zugeben, dass ich schon das ein oder andere Mal nachts von guten schwäbischen Maultaschen geträumt habe oder von Rührei mit Speck…

Vielleicht noch kurz etwas zum Frühstück: Der original Ghanaer kennt kein richtiges Frühstück, er isst irgendwann im Laufe des Vormittags und das dann richtig deftig mit Reis, Stuub und Fleisch/Fisch. Da die Deutschen aber mal wieder eine Extrawurst brauchen, um voller Elan in den Tag starten zu können, haben sie sich das gute englisch Toastbrot, das es hier gibt, Marmelade, Streichkäse und Honig (und das den Umständen entsprechend nicht gerade wenig Geld) gekauft und frühstücken morgens gemütlich auf ihrer „Veranda“ (zu dem guten Toast sei allerdings noch gesagt, dass es innerhalb zweier Tage gegessen sein muss – zumindest, wenn man nicht auf Brot mit Barthaar steht). Oder holen sich Bread&Egg, ein Gemüse-Omelett zwischen zwei Toastscheiben, schön fettig angebraten natürlich. Oder wieder der gute alte Babybrei mit Obststückchen.

So, mehr kann ich zum Thema Essen gerade nicht anbieten. Vielleicht noch, dass wir einen relativ ordentlichen Nutella-Ersatz mit dem Namen „Choco Delight“ gefunden haben. Schmeckt zwar mehr nach Erdnüssen als nach Haselnüssen, lässt sich aber mindestens genau so gut pur abends zum Film essen… Das war´s dann jetzt aber auch wieder für dieses Mal, ich hoffe natürlich wie immer, dass es euch allen gut geht wo immer ihr euch auch gerade befindet! :)

Liebste Grüße,

Lisa

NEUES AUS DEM TOLLHAUS


Hallöchen,

 

nach einer weiteren Woche im Outback Ghanas gibt es nun endlich Erfolg in Sachen Arbeit zu vermelden – mehr oder weniger zumindest. Nachdem diese Woche an sich nicht besser begonnen hat als die Woche zuvor (rum sitzen, nichts tun, abwarten…) habe ich am Freitag dann endlich die Möglichkeit bekommen, bei den Ältesten im Kindergarten zu unterrichten – oder eher, dass ich es versuchen konnte… :D Aber vielleicht sollte ich zuerst erklären, wie ich diesen Teilerfolg erringen konnte: Am Donnerstag wurde mir eröffnet, dass Freitag eine Lehrerfortbildung in Kumasi stattfinden sollte, zu dem ein Großteil der Erzieherinnen gehen wollte. Nachdem letzten Freitag mit ganzen 10 Kindern ja nicht unbedingt die Hölle los war, habe ich mich also auf einen ruhigen Vormittag mit nur 10 anstatt 20 Kindern auf mir eingestellt – allerdings war dem nicht ganz so, denn wie sich heraus gestellt hat, waren die Köchin und ich die einzigen Volljährigen Besucher des Kindergartens – gemeinsam mit ungefähr 40 tobenden, sich auf das Wochenende freuenden Kindern. Eins war mir nach 10 Minuten schon klar, langweilig würde es sicher nicht werden! Wie schon erwähnt, da keine Lehrerin da war, habe ich dann die Ältesten (5 bis 7 Jahre) zugeteilt bekommen – „just try to get them busy“ waren die letzten Worte der Köchin, bevor sie mich kichernd mit den Kindern allein ließ. Da ich durch mein Trainer Dasein ja eigentlich große Kindergruppen gewöhnt bin, hatte ich schon den festen Vorsatz, die Kinder irgendwie zu beschäftigen… Nachdem sich der englische Wortschatz und das Verständnis der Kinder jedoch ausschließlich auf das Alphabet und die Zahlenreihe bis 30 beschränkt, verlief das mit dem Unterrichten auf Englisch aber dann auch relativ schnell wieder im Sand. Ich bin demnach zu dem Schluss gekommen, dass das Projekt „Unterrichten im Kindergarten“ wohl gescheitert ist – und nachdem ich Freitag ja mal kurz reinschnuppern konnte, bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich das wirklich nur Schade finde. ;) Allerdings darf ich Freitags jetzt auch immer Sport für die Ältesten „unterrichten“, habe ich natürlich auch gleich ausprobiert. Da aber ein erneutes Eingestehen von Scheitern nicht gut für mein Ego wäre, werde ich es wohl so ausdrücken: 40-50 Kinder aus Kindergarten und Schule jagen einer 18-jährigen Weißen hinterher, die einen Ball in der Hand hält. :D Im Nachhinein muss ich aber zugeben, dass das mit zu den schönsten Erfahrungen gehört, die ich bisher mit den Kindern machen konnte. Man fühlt sich wie in eine Doku über kickende afrikanische Kinder auf Arte hinein versetzt… Das ist schon ein mega Gefühl, die ganzen lachenden, schreienden Kinder um sich rum, wieder so ein Moment in dem man denkt: „Ich bin wirklich in Ghana, ich hab das tatsächlich durchgezogen…“ Soviel also erst mal zu meiner Tätigkeit als Lehrerin im Kindergarten. Ich glaube allerdings, dass ich mir noch einen zweiten Job an der Primary School suchen werde, sonst ist mein Hintern nach den 6 Monaten an einem Stuhl fest gewachsen.

Vielleicht sollte ich noch ein oder zwei Worte zu den Kindern hier sagen, sonst könnte man glaube ich denken, ich würde in einem Tollhaus arbeiten… Das Problem liegt meiner Meinung daran, dass Honeylove, Blessing oder Godfred hier seit frühester Kindheit wegen jedem Ungehorsam und Fehler geschlagen werden, sie also daran gewöhnt sind, dass man ihnen mit einem Stock sagt, was richtig oder falsch ist. Demnach wird auf fast nichts anderes mehr als „Gewalt“ gehört und da ich nicht vorhabe, mit dem Zollstock im Anschlag durch die Gegend zu rennen, muss ich mich wohl damit abfinden, dass ich als Lehrerin im Kindergarten nur schwer durchkommen werde.

Jetzt noch etwas zu Honeylove, Blessing und Godfred – diese Kinder existieren wirklich und die Namen sind absolut real! Ich war im ersten Moment auch etwas irritiert, ob ich tatsächlich richtig lesen kann (gut, bei meinem 0-8-15 Lisa bin ich so etwas Außergewöhnliches auch wirklich nicht gewohnt), aber das scheinen hier ganz normale Namen zu sein. Im Trend liegen aber auch Martha, Esther und Hans, wobei ich Jacklyn (genau so geschrieben) auch ganz nett finde… ;) Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Aber gut, das war´s dann auch erst mal wieder zum Thema „Arbeiten“, falls sich in dieser Hinsicht doch noch ein weiterer Erfolg verbuchen lässt, werde ich euch das natürlich wissen lassen.

Ich hoffe, euch geht es gut im kalten Deutschland, ich werde mich jetzt mal wieder in die Sonne bequemen, um meinen Bikini-Streifen zu intensivieren. ;)

 

Liebste Grüße,

Lisa

IMMER DIESE “ARBEIT”… ;)


Hallo ihr alle,

 

schon wieder eine Woche vergangen, geht ja alles ganz fix. Wobei ich mir diese Woche eigentlich öfter gewünscht habe, sie würde noch schneller vergehen… Als Erklärung hierfür nur so viel: Kindergarten hat begonnen! :D Eigentlich war ich ja schon mega gespannt auf den Start, hab ich ja in meinem letzten Blogeintrag auch geschrieben… Endlich was sinnvolles zu tun, nicht mehr nur den ganzen Tag rumhängen, nichts tun und warten, das die Zeit verstreicht… Dachte ich zumindest!:D Aber weit gefehlt! Mein offizieller erster Arbeitstag am Dienstag begann um halb 11 (ausgemacht war, dass ich um 7.00 Uhr abgeholt werden würde, aber das nur am Rande) und endete um 12 Uhr damit, dass ich den Kindern Essen ausgeben durfte. Kann ja nur besser werden, das war zumindest mein Gedanke als ich mich am Mittwoch um 8.00 Uhr in den Kindergarten aufgemacht habe. Aber ich wurde auch diesmal enttäuscht, von nützlicher und beschäftigender Arbeit weit und breit keine Spur, zumindest für mich nicht. Demnach habe ich den gesamten Vormittag (Gott sei Dank macht der Kindergarten Mittwochs wohl um halb 1 statt um 2 Uhr zu) auf einem Stuhl am Eingang zusammen mit den anderen Erzieherinnen sitzend verbracht. Allerdings habe ich wirklich süße Kinder kennen gelernt und auch gleich an paar nette Bilder geschossen. :) Die Kinder sind hier wirklich allesamt zuckersüß und auch unglaublich höflich, viel höflicher als in den deutschen Kindergärten! So wird jede Erzieherin persönlich mit einem „Good morning, Madamé“ und einem Knicks (von den Mädchen) begrüßt, die Jungen salutieren dazu. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob dieser Gehorsam nur der autoritären Ausstrahlung der Erzieherinnen zu verdanken ist oder anderen Maßnahmen, auch wenn ich bis jetzt (zum Glück!) noch keine beobachten konnte. Zu mir sagen die Kinder „Madamé Lisa“ und ich muss ja zugeben, dass ich das wirklich süß finde… ;) Und da sie mich mindestens genau so interessant finden wie ich sie, war der Morgen auch nur noch halb so langweilig, als sie auf mir und um mich rum gekrabbelt sind. Davon überzeugt, dass Donnerstag nach den vergangenen zwei Tagen ja interessanter werden muss, war ich auch an diesem Tag pünktlich um 8.00 Uhr da, ebenso wie die Kinder. Von den Erzieherinnen aber noch weit und breit keine Spur, also warten vor verschlossenen Türen. Aber nur 5 Minuten, dann kamen die Lehrerinnen (an denen ich mich in meinem Auftreten den Kindern gegenüber orientieren soll, aber das wieder nur am Rande ;) ) und mein Hinterteil fand dann schlussendlich doch wieder den wohlbekannten Platz auf dem Stuhl am Eingang (leider ging der Kindergarten diesmal bis um 2 Uhr….). Allerdings hatten sie diesmal Bastelzeug mitgebracht, also konnte ich zumindest ein kleines bisschen Ausschneiden und Kleben. Man mag es zwar kaum glauben, aber eigentlich hätte ich nicht mal das machen sollen, erst nach mehrmaligem Nachfragen wurden mir dann die leichten Sachen aufgetragen (meine Mami ist zwar keine ghanaische Big Mummy, die ihren Kindern das Überleben im Busch lehrt, aber Schneiden und Kleben hat sie mir auch beigebracht :D Ich komme zu dieser Schlussfolgerung, da sie mir ziemlich kritisch zugeschaut haben und dann aber doch zufrieden zu sein schienen). Es besteht jedoch Hoffnung, das kommende Woche mehr zu tun ist, denn dann beginnt auch der Unterricht. Das Problem diese Woche war schlicht und ergreifend, dass es die erste Woche nach den Ferien ist. Und die zählt für viele Ghanaer eben auch noch zu den Ferien, also kommen die meisten Kinder erst die Woche danach. Und da beginnt dann eben auch erst der Unterricht, davor lohnt es sich nicht. Tags darauf habe ich dann auch noch gleich zwei weitere wichtige Regeln gelernt, um sich das Leben hier entspannter und angenehmer zu machen: 1. Freitage gehören zum Wochenende, 2. regnet es am Morgen, kommt man wenn überhaupt erst, nachdem der Regen aufgehört hat. Ganz einfach. Damit lässt sich dann auch die überwältigende Zahl von genau 10 Kindern erklären, die ich am Freitag dann damit bespaßt habe, dass ich mit den Erzieherinnen die Spiele, die am Vortag gebastelt worden waren, gespielt habe (Domino und Memorie). Auf die Woche zurück blickend lässt sich wohl das Fazit ziehen, dass ich nicht wirklich viel zu der Woche davor (rumsitzen, nichts tun, warten, dass die Zeit vergeht) geändert hat. Mir wurde allerdings versichert, dass kommende Woche „a lot of work, a lot of work“ (O-Ton Erzieherin) auf mich zukommt. Bin also gespannt und hoffe, dass ich euch dann endlich sagen kann , wie meine eigentliche Arbeit hier so aussieht! :D

Liebste Grüße ins herbstliche Deutschland (so wurde mir berichtet?!) :)

Lisa