Archiv der Kategorie: Primary Denchemouso

Die Schule und erste Reisepläne


Servus männels!

Kurzer Rapport:

Ich habe meine erste komplette Schulwoche hinter mir und bin froh dass die Klassen so klein sind (3-12 Schüler). Der Bildungsstandard der Schüler ist teilweise erschreckend schwach, die schlechten bzw dummen (ja, teilweise wirklich dummen) Schüler wissen nicht mal die Hauptstadt von Ghana, die guten Schüler wissen nicht ob USA in Europa oder Frankreich in Asien liegt. Von Adolf Hitler und dem zweiten Weltkrieg haben immerhin ein paar schon mal was gehört. Außerdem glauben (fast) alle an die Schöpfungsgeschichte und an „magicians“ und sind durch keine rationalen Argumente von diesem Glauben abzubringen.

Langweilig wird mir selten, ich muss täglich Unterricht vorbereiten und die Schüler kommen alle halbe Stunde vorbei und wollen mir irgendwas zeigen oder mit mir labern. Mit Zach (Mr. Creativity^^) habe ich aus Schnur, Gummi, Dose und Holzbrett eine Mausefalle gebaut die wir heute Nacht im Busch testen. Außerdem habe ich vorsorglich die DVD-Box von The Wire und alle fünf Teile von A Tale of Ice and Fire (Game of Thrones-Bücher, 5000 Seiten auf Englisch) eingepackt.

Nächstes Wochenende (3 Tage, da ich Freitags immer frei habe) habe ich eine Tour an den Lake Bosumtwi, Ghanas größten Süßwassersee eingeplant.

Der Campus:

Blick von meiner “Terrasse”:

Ohne Wasser auf Wolke 7


Hallo ihr Lieben.

Ein Drittel der Zeit ist nun um und wir leben alle noch. Nach ein paar kleinen Krankheitsfällen, sind heute seit Langem mal wieder alle wirklich gesund. In der Letzten Zeit ist nicht viel passiert, da man sich nun eingelebt hat und der Alltag zur Routine wird.
Mein Tag in Ghana sieht folgendermaßen aus: 6.30 Uhr aufstehen, 6.45 Uhr Joggen, 7.00 Uhr Krafttraining, 7.15 Uhr Duschen (dies muss bis 7.30 Uhr geschehen, da unseren Beobachtungen zur Folge das Wasser anschließend für eine Weile abgestellt wird), 7.30 Uhr Frühstücken und dann geht’s um 8.25 Uhr zum Matheunterricht. Der Unterricht macht mir sehr viel Spaß und ich weiß so gut wie alle Namen. Leider kommen und gehen die Schüler wann sie wollen, das erschwert das Ganze etwas. Das Multiplizieren von Zahlen funktioniert auch schon viel besser. =)
Mit meinen Französischklassen läuft das Ganze jedoch nicht so harmonisch ab, da sie sich gerade alle in der Pubertät befinden und denken, dass sie durch Geschrei und Unaufmerksamkeit den Unterricht stören müssen. Am Freitag war ich mit ganzen 4 Schülern von ca. 35 im Klassenraum, da der Rest mit Fußballspielen beschäftigt war. Ausflippen hilft da nichts… Meine Schüler wollen dann immer, dass ich den Stock hole und sie Schlage. Da ich das aber nie im Leben machen werde, habe ich eh schon verloren. Auf meine Frage, ob sie überhaupt Französisch lernen wollen, bekomme ich dann immer diese Antwort: “YESSS Madame Jennifer, we want to learn French. Please don’t go. Beat us!” Nun ja, bis jetzt habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben. An sich sind sie alle sehr lieb, aber ihr Mitteilungs- und Bewegungsdrang während dem Unterricht ist einfach unerträglich. Die 35 Minuten vergehen dann wie im Flug und alle sind traurig, dass es schon vorbei ist. Nach dem offiziellen Französischunterricht unterhalte ich mich dann mit meinen Schülern, bring ihn Deutsch bei und sie mir etwas Twi. Getanzt haben wir auch schon öfter. Hier in Ghana gibt es mehrere Tänze, die Lisa und ich versuchen zu erlernen. Bis jetzt kennen wir 2: Asunto und Amanda. Wobei ich Asunto bevorzuge, da Amanda eigentlich nur aus einem Move besteht. Die Zeit mit meinen Schülern finde ich dann immer sehr angenehm.
Mit den Lehrern verstehe ich mich sehr gut. Eine Lehrerin, die mittlerweile eine Freundin von mir ist, hat mich zum Blumenmädchen für ihre baldige Hochzeit ernannt. Darauf freue ich mich schon sehr.
Vor zwei Wochen waren wir alle in Ntonso, einem Kentedorf. Dort wurde uns deren Herstellung näher gebracht und wir durften anschließend sogar noch selbst die Kentestreifen mit unseren Lieblingssymbolen bedrucken. Traditionell eingekleidet wurden wir dann auch noch; auf meinem Kopfschmuck war beispielsweise Obama abgebildet. haha
Eine Sache, die uns an unsere Grenzen getrieben hat, war die Woche ohne Wasser. Da die Solarpumpe repariert und danach noch der Tank gesäubert wurde, hatten wir kein Fließendwasser bei uns im Zimmer. Das bedeutet, dass wir mit unseren Eimern immer zum Brunnen gehen mussten, einen Kanister hinunter lassen und den vollen mit seehhrrr viel Kraft wieder hochziehen mussten. Als wir dies eine halbe Woche durchgemacht hatten, dachten wir, dass es eigentlich gar nicht mehr schlimmer gehen kann… Ja, dem war natürlich nicht so. Ständiger Stromausfall kam noch hinzu und, da es nicht genug war, fiel auch noch der Kanister in den Brunnen, da irgendjemand so schlau war und ihn dort rein geworfen hat. Um nun an Wasser zu gelangen, musste ich mit einem Schüler von hier erstmal ca. 10 Minuten zum nächsten Brunnen laufen und mit dem 17 Liter Eimer zurück laufen. Da der Brunnen nicht sehr tief und schon fast leer war, mussten die Schüler nach mir noch weiter laufen… Also, wenn ihr in Deutschland mal denkt, es geht einfach nicht mehr schlimmer, dann denkt an mich, wie ich im Dunklen, ohne Wasser in einem übertrieben heißen Zimmer auf dem Steinboden liege (im Bett ist es zu heiß!) und mit Lisa und der kleinen Box Musik höre.

Trotz den (kleinen) Zwischenfällen geht es mir hier super und ich fühl mich wie zu Hause.
Letztes Wochenende ist meine Mama in Ghana angekommen. Meine Fahrt nach Accra war nicht besonders spannend, da ich mit dem V.I.P-Bus gefahren bin. In der Hauptstadt angekommen, musste ich noch 6 Stunden warten. Deshalb habe ich mich für einen Besuch in der Accra-Mall entschieden. Nun ist klar, wir müssen mal nach Accra zum shoppen!! In einem Restaurant habe ich dann 2 sehr nette Menschen kennengelernt, die mich den ganzen Tag mitgenommen haben. Ich hatte das Gefühl, dass ich in ganz Accra unterwegs war. Wir sind in den 5 Stunden von einem Ort zum anderen gefahren. Das fand ich alles nicht weiter schlimm, da ich eh nichts Besseres zu tun hatte. An dem letzten Satz merkt man schon, dass ich eine kleine Ghanaerin geworden bin. haha
Am Sonntag bin ich dann mit meiner Mutter wieder 5 Stunden nach Kumasi gefahren. Alle haben sie mit Freude aufgenommen und sie ist so zu sagen die Mutter für jeden.. egal ob Lehrer, Student oder Schüler. Es heißt immer: “Akwaaba Mummy!” Nach einer Woche bei uns im Ort, ist sie nun in den Norden nach Tamale gefahren.
Alle die versuchen sie auf der deutschen Nummer zu erreichen, werden sie nicht an den Hörer bekommen. Wer ihre oder auch meine ghanaische Handynummer haben möchte, kann sich bei per mail oder so melden. Wenn euch mal langweilig sein sollte, könnt ihr mir auch sehr gerne eine Postkarte oder einen Brief schreiben! =) (Meine Adresse: Jennifer Danquah, P.O. BOX KS 9004, Kumasi Main, Ashanti Region, Ghana)
An dieser Stelle bedank ich mich bei meinem Onkel für die nette Postkarte! Daaaannkkkeee! :D

Kurze News aus dem Hause Hammer-Danquah: Wir habe nun schon über 5 Gekos bei uns im Zimmer und eine Maus.. Gestern gabs Pfannkuchen!!! :D Wir waren auf Wolke 7 (oder wie unsere englischen Freude zu sagen pflegen: Cloud 9; wieso genau die Zahl “9″ ist uns immer noch ein Rätsel).

Dann verabschiede ich mich mal und wünsche euch allen noch eine schöne Zeit! =)

Ich vermisse euch.

Eure Jennifer

Der Ghanaer an sich


Hallo ihr Lieben

Der Ghanaer und seine grundsätzlichen Eigenschaften: Der Ghanaer an sich schläft gerne, er spuckt gerne, er liebt es zu schlürfen, einem hinterher zu zischen, einem seine Nummer und Freundschaft anzubieten und einen immer herzuwinken, auch wenn man im Auto sitzt…. Aber mehr dazu im Folgenden.

Zu Beginn möchte ich euch erstmal von meinem Schulleben erzählen, denn das interessiert wohl die meisten.
Mir wurde die 6. Klasse in der Grundschule für den Mathematikunterricht und die 7. Bzw. 8. Klasse für das Fach Französisch zugeteilt. Französisch gab es bis jetzt in der gesamten Schulzeit noch nicht, also wurde mir so zu sagen ein neues Fach auf meine Bitte hin eröffnet (ein anderes musste leider dafür gestrichen werden, wahrscheinlich war es Musik, was eh kein Mensch braucht ;) Scherz).  Nun zu meiner 6. Klasse: an sich sind es sehr nette und herzensgute Schüler, dennoch ist ihre Mathebegabung etwas zu kurz gekommen. Meine Erwartungen waren nicht hoch und ich habe auch schon damit gerechnet, sehr weit unten einzusteigen, aber nun weiß ich, dass ich irgendwo in den tiefsten Brunnen steigen muss, um die nicht vorhandene Mathematik-Basis der Schüler zu erschaffen. Es ist durchaus schwierig mit Kindern zu arbeiten, die die „Ein-mal-Einse“ nicht beherrschen und 7 von 12 nicht subtrahieren können oder sie denken, dass sie es können und als Antwort darf ich mir von einem mir ins Gesicht strahlendem Schüler dann anhören: „21 Madame Jennifer!“  Ein kleiner Stich ins Herz, dennoch denke ich, dass noch nicht alles verloren ist und ich versuche alles, um ihnen die Basis der Mathematik-Basen beizubringen.  Meine ersten Erfolgserlebnisse kamen dann auch schon bald, als ich meinen 1. Mathetest geschrieben habe und er ganz ordentlich ausgefallen ist. Während dem Test habe ich versucht alle Spicker einzusammeln (und ich kenne eigentlich alle Verstecke, da ich ja selber erst aus der Schule raus bin ;) ), dennoch ist es mir bei 40 Schülern nicht gelungen alle im Auge zu behalten.
Der Französischunterricht in der 7. Klasse ist dagegen schon was anderes. Die Kinder sind größer, älter und man muss sich schon durchsetzen können, sonst wird man von dem Lärmpegel überrannt und alle laufen wie verrückt durchs Klassenzimmer. Nachdem ich mich vorgestellt habe und ihnen klargemacht habe, dass bei mir im Unterricht weder geschrien, noch rumgerannt, noch gegessen, noch irgendwelche Stifte rumgeworfen und Plätze getauscht werden, waren sie ruhig.  Ihre Aufgabe war es frankophon-afrikanische Länder aufzuzählen. Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass sich Germany in Afrika befindet und, dass dort Französisch gesprochen wird… wusstet ihr das? Indien liegt angeblich auch in Afrika und die offizielle Sprache ist Französisch! Auch das war mir neu.
Nachdem ich einer meiner Stunden erfolgreich beendet habe, gehe ich generell ins Lehrerzimmer, um mich dort über den Neusten Klatsch und Tratsch bei Akousia (eine sehr nette Lehrerin und Freundin) zu erkundigen.
Eine Eigenschaft der Ghanaer ist, dass sie gerne schlafen (siehe oben)! Egal wo, wann, wie, ob auf, unter oder neben dem Geschäft, sie können es überall tun. Auch im Lehrerzimme durfte ich dies ein paar Mal beobachten. Hier gilt das Motto, ist man müde, wird der Kopf auf den Tisch gelegt und man schläft erstmal eine halbe Stunde, auch, wenn man eigentlich Unterricht hätte. Dies passiert oft und stets von der einen auf die andere Sekunde!
Der Ghanaer zischt einem gerne hinter her, dass ist auch eine Eigenschaft, die man hier etwas zu oft erfährt. Nicht nur auf der Straße, sondern auch, wenn man im Tro-Tro sitzt und das Fenster offen hat!
Ein Abenteuer noch zum Schluss. Gestern waren wir am Lake Bosomtwi, der so nebenbei ein sehr schöner, großer und sauberer See ist. Doch die Fahrt dorthin sollte nicht so einfach sein, wie sie in unserem netten Reiseführer beschrieben war. In Kumasi angekommen, müssen wir erstmal den halben Markt durchqueren, um an unser Ziel zu gelangen. An der Haltestelle angekommen, stehen so ca. 40 Leute vor uns (in ein Tro-Tro passen zwischen 16 und 20 Menschen), d.h., dass wir so ca. 2 Stunden anstehen müssen. Da wir von Ghana nichts anderes gewöhnt sind, außer ständig auf irgendetwas zu warten, ist das natürlich ein Kinderspiel für uns. ;) Nach gefühlten 3 Stunden kam dann eine Ghanaerin auf uns zu, die uns ein Tro-Tro nur für „Weiße“ herbeigeschafft  hat. Am See angekommen, werden wir erstmal genötigt, für das Klo dort 50 Pesuwas zu bezahlen, in dem es weder Klopapier noch Wasser gab… Wir sind halt aus Germany und haben anscheinend das Geld. Nach einer Diskussion, die aber leider nichts gebracht hat, mussten wir ihm das Geld geben… Das erste Obstakel geschafft, kommt auch schon das Nächste. Ein Ghanaer kommt auf uns zu und schreit uns an, dass wir ihm auf der Stelle 10 Cedis geben sollen!  Ich natürlich erstmal:“Ähh no!“ haha Nachdem er uns klar gemacht hat, dass es eine Spende sein soll und ich ihm erklärt hab, dass, wenn man einen anbrüllt und Geld für irgendwelche Bäume verlangt, es keine „Spende“ mehr sei, wurde er ruhiger und hat sich sogar für sein Verhalten entschuldigt!
Nach zwei Stunden sonnen mussten wir auch schon wieder nach Hause. Doch dies sollte nicht so einfach sein, wie die Hinfahrt. Ein privates Tro-Tro habe ich uns vom See zum Umsteigepunkt organisiert, dessen Fahrer eher an uns, als an der Straße vor ihm interessiert  war. Für die Fahrt hat er 1 Cedi verlangt und sein Freund wollte mich heiraten. Da wir für die Fahrt zahlen mussten, habe ich ihm gesagt, dass aus unserer Hochzeit nichts werden würde.  Das konnte er nur schwer verkraften. Um ca. 21.00 Uhr waren wir zu Hause.
Nächsten Samstag geht es dann in einen Nationalpark bei Kumasi. Mal schauen, was da so schiefgehen wird! =)

Ansonsten geht’s mir gut! Gas haben wir jetzt (nachdem mir zwei Schüler für das Tragen der Gasflasche organisiert wurden)!
Lisa Hammer ist wieder heil mit Carmen aus Accra zurückgekommen und die Schule fängt bei ihnen am Montag an.

Ihr fehlt mir!

Pour Adrien:  Envoie-moi des gateaux de ta mére, s’il te plaît! :P ❤

Eure

Madame Jennifer =)

 

Denchemouso

Denchemouso

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Bomfobiri Wildlife Sanctuary

Bomfobiri Wildlife Sanctuary

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Bomfobiri Wildlife Sanctuary

Bomfobiri Wildlife Sanctuary
Der Guide und ich!

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Lake Busomtwi

Lake Busomtwi

Nanam und die Fokn Bois


Hallo Welt

Die letzte Woche war aufregend und wir haben viel Neues erlebt. Es war alles dabei: Das erste Fufu in Ghana, das erste Konzert, die erste Beerdigung, der erste Schultag und vieles mehr…

Nun, das erste Fufu im Cultural Center in Kumasi war nicht jeder Mannssache, denn es war einfach zu scharf. Nach dem Essen haben wir, die Mädchengang, uns erstmal ein bisschen in diesem Center umgesehen. Die ersten Verehrer blieben nicht lange aus und alle 5 Meter wurde jemand von uns nach seiner Nummer gefragt (zum Glück können wir unsere Nummern nicht auswendig und können somit das ganze um ein paar Minuten hinauszögern). Der erste Handelversuch von Lias Hammer wurde auch erfolgreich abgeschlossen und es ging weiter zu unserem eigentlichen Ziel, dem großen Konzert, von dem Carmen uns schon die ganze Woche erzählt hat. Da wir Deutsche sind und somit auch automatisch pünktlich um 18 Uhr dort auftauchten, wurden wir wieder zum Warten gezwungen. Diesmal mussten wir uns drei Stunden gedulden, bis das „Big in Ghana“-Konzert endlich mit einem „Dancebattle“ begann.  Danach kamen die besten  4 Künstler Kumasis nach der Reihe auf die Bühne und präsentierten uns ihre neuen Hits. Die Gestalten auf der Bühne waren uns etwas suspekt und anfangs war uns auch nicht wirklich klar, was an diesem „Gesang“ der Gesang sein sollte; auch das Bühnenoutfit war hin und wieder etwas fragwürdig. Eigentlich waren wir auch gar nicht wegen den neuen „Superstars“ da, sondern wegen den Fokn Bois, die nach einer Stunde Stromausfall und von unserem persönlichen Drängen im Backsagebereich endlich auf die Bühne kamen und uns ihre recht amüsante Show da boten. So gegen 1 haben wir dann das Gelände verlassen und uns auf den Heimweg gemacht. Ja, das sollte jedoch nicht das Ende des Abends sein. Leider wusste der Taxifahrer nicht, wo unser Ort liegt und hat sich gleichmal verfahren (wir total aufgeschmissen und fertig). Angekommen sind wir dann trotzdem irgendwie…
Meine erste Beerdigung war was ganz Neues. Alle sitzen im Kreis auf rot-schwarzen Stühlen im (Hintergrund läuft ghanaische Tanzmusik) und geben keinen Ton von sich. In der Mitte sitzt der Chief (Nanam) und starrt auf das Bild des Verstorbenen. Einen persönlichen Schirmhalter besitzt der Chief auch, dem der Arm schon abfällt, weil der Schirm aus Holz und ziemlich schwer ist. Nach einer Weile durfte er dann aber auch eine Pause machen und etwas essen. Ja, das mit dem Essen war so eine Sache. Mir wurde etwas angeboten und da ich nicht so bin und gerne Neues ausprobiere, habe ich natürlich das Angebot angenommen (mein Bauch hat auch schon geknurrt). Ich nehme also die Styroporbox entgegen und mache sie auf. Meine Augen weiten sich und ich stehe unter Schock. In der Box liegt tatsächlich ein Fischkopf. Schnell klappe ich sie zu… Gelächter von allen Seiten. Haha
An demselben Tag bin ich das erste Mal alleine mit dem Tro-Tro („Klein-Linienbus“) nach Hause. Es war aufregend und man wollte mich mal wieder besch*****, aber jeder der mich kennt weiß, dass man eine Danquah mit Kern-Wurzeln nicht abzocken kann (ein anderer Ghanaer hat sich auch noch für mich eingesetzt. Ein Dankeschön an ihn an dieser Stelle). Das hat dann der „Geldeinsammler“ auch schnell begriffen.
Heute sollte die Schule eigentlich schon um 7.30 Uhr anfangen, aber, da wir ja in Ghana sind, kann man das nicht so ernst nehmen. Mit 1,5 Stunden Verspätung wurden wir also zur Schule neben an gebracht. Wir waren da, aber die Headmistress der Schule leider nicht. Um 10.30 Uhr traten wir unseren zweiten Marsch in Richtung „Headmistress‘ Office“ an. Das Büro der sehr netten Dame ist klein und schmuddelig. Wir werden nach unseren Namen und anderen Daten gefragt. Anschließend wurden meine ghanaischen Wurzeln, die Tatsache, dass ich kein Twi sprechen kann und warum und, was so in etwa meine Aufgaben sein werden, geklärt. Zum Einen soll ich die 6. Klasse in Mathe und Englisch unterrichten und zum Anderen die Lehrer in Deutsch. Wie ich das Letztere anstellen werde ist mir noch nicht so klar, aber ich werde es auf jeden Fall meistern! Mit Lisa Pfeffer zusammen soll ich den Kindergarten gestalten, d.h., dass wir die Wände noch weiter bemalen sollen. Alles schön und gut, nur leider können wir nicht malen… Auch dies werden wir meistern müssen. Nachdem uns der Kindergarten ausführlich gezeigt wurde, gab es Mittagessen für alle. Danach wurden wir zum „relaxen“ nach Hause geschickt.
Was ich in der Grundschule dann genau machen werde und, wie der Unterricht aussehen wird, erfahre ich dann morgen oder nächste Woche… wenn dann mal alle Schüler so gemächlich eingetrudelt sind.
Sonstige news im Hause Hammer-Danquah: Wir haben immer noch kein Gas, die Klospülung ist noch kaputt (wie ich erfahren habe schon seit mind. 1 Jahr), der Kühlschrank riecht streng und wir besitzen mittlerweile schon 2 Stühle in unserem Zimmer ! ;) Ansonsten haben wir’s uns jetzt schon richtig gemütlich gemacht und an den täglichen Stromausfall (der uns trotzdem ab und an zur Weißglut treibt) haben wir uns auch gewöhnt.

So, das war’s dann auch schon wieder von mir aus Ghana.

Pour Adrien:  Les Tapas d’Alicante me manquent!!! -.-

Eure Jennifer

Akwaaba


Hallo,

so, nach einiger Zeit haben wir es nun endlich geschafft einen Internet-Stick zu bekommen.
Die erste und wichtigste Info, die wohl alle interessiert ist: Uns geht es gut! Wir leben noch! =)
Aber alles der Reihe nach:

26.8.2012- ca. 20 Uhr (das Flugzeug hatte Verspätung) -> nächste Etappe Passkontrolle, leider hat uns niemand davor informiert, dass wir etwas Ausfüllen müssen…15min. später: Augen-scann, Fingerabdrücke.. Weiter zur Gepäckausgabe, leichtes Durcheinander -> wir finden unsere Koffer nicht; sie befinden sich natürlich nicht bei dem Laufband, wo sie eigentlich sein sollten, sondern auf der komplett anderen Seite schön sortiert. Alle freuen sich, dass alles da ist.. Doch dann die böse Überraschung, es fehlt ein Rucksack von Anja und der Beamer von Torsten. Also haben wir uns wohl zu früh gefreut.. Auf gehts mit dem ganzen Gepäck zu “Found and Lost” (Wir total fertig und müde) Die Schlange ist zwar kurz, aber irgendwie mussten wir trotzdem 1 Stunde warten. Ergebnis: Das Gepäck ist noch in Istanbul. Nachdem der Sohn von Albert ca. 2 Stunden warten musste, haben wir ein Taxi zum Hotel genommen. Ein Doppelbett für 3 Personen, wir haben es trotzdem geschafft, da sich Lisa Hammer freiwillig für den Boden entschieden hat. Am nächsten Morgen gabs erstmal die 1. ghanaische, kalte und mit sehr dünnem Strahl bestückte (das Haarewaschen viel damit für mich aus) Dusche. Das Klopapier wurde natürlich gleich eingepackt.. Wer weiß, wann es wieder eins gegeben wird. Anschließend ging es weiter nach Kumasi. Der Bus war bequem, die Fenster groß, die Klimaanlage zu kalt; wer mich kennt, weiß, dass ich etwas empfindlich auf diese Anlagen reagiere.. So war es dann auch, das Halsweh kam dann doch relativ schnell. Während ich aus dem Fenster schaute, blickte ich immer wieder in strahlende Gesichter, die mir freudig zu winkten.
Nach ein paar Stunden sind wir in Kumasi an der Busstation angekommen. Wir waren da, jedoch hat unser Abholer gefehlt. Nach einigen Telefonaten und 1,5 Stunden warten, wurden wir mit EINEM Taxi abgeholt, in das 7 Leute und 10 Gepäckstücke passten!!! Jetzt weiß ich, wieso mein Bruder und ich so gut packen können!!!! Es ist definitiv Veranlagung! haha
Endlich an der Schule angekommen, betreten wir unsere Zimmer. Ein kleiner Schock für uns alle, der sich aber schnell legte, nachdem wir unsere eigenen Betttücher auf die Matratze gelegt und uns ein bisschen eingerichtet haben. Heute morgen haben wir dann noch eine kleine Putzaktion durchgeführt und jetzt kann man das Klo auch benutzen (Die Spülung geht nur leider noch nicht..).

Der Markt auf dem wir heute waren, ist unglaublich, überall Menschen, Sachen über Sachen, man ist leicht überfordert.
Am Vormittag war ich mit einem guten Freund von meinem Vater unterwegs. Alle 5 Meter musste man anhalten, um jemanden zu begrüßen, jeder hat sich über meinen Besuch gefreut.

Da hier leider gerade Stormausfall ist und sich meine Batterie dem Ende zuneigt, muss ich mich schon verabschieden.
Ich hoffe, dass ihr euch ein bisschen vorstellen könnt, wie es hier ist und wie es mir geht! =)

Ich vermisse euch.

Pour Adrien: Je vais bien et on parle bientôt! =)

Alles Liebe

Jennifer

Erste Mädchengruppe nach Ghana unterwegs


Erstmals startet eine rein weibliche Gruppe nach Ghana, um dort für ein halbes Jahr ein Praktikum an den verschiedenen Partnereinrichtungen des Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreises zu gestalten. Gemeinsam mit Albert Osei-Wusu sind die fünf jungen Frauen heute morgen aufgebrochen und werden Accra (Ghana) heute Abend erreichen.

Sie unterstützen die Lehrerinnen in den vier Partnereinrichtungen und leben gemeinsam mit Ghanaern. Anja Schweizer wird direkt in einer ghanaischen Familie leben und an den Primary School in Tanoso, einem kleinen Ort nordwestlich von Kumasi, leben. Die anderen fünf Frauen werden auf den Einrichtungen des Schuulcambus von Denchemouso leben und arbeiten.

Albert Osei-Wusu mit Jennifer Danquah, Lisa Pfeffer, Lisa Hammer, Anja Schweizer und Carmen Lubetzki beim Vorbereitungsseminar in München (im Hintergrund: Sebastian Prothmann)

In ihren persönlichen Blogs berichten sie über ihre ganz persönlichen sechs Monate Ghana

Sweet home à la Ghana


Ein herzliches Hallo aus Ghana, vermutlich schon zum letzten Mal,

eigentlich wollte ich noch viele, viele Blogeinträge schreiben, genügend Lust und Erzählstoff hätte ich, aber Reisen, Erleben und Entdecken klingt dann doch noch besser als Schreibtisch und Laptop.

Der Abschied an Schule und Kindergarten war eine Mischung aus traurig und wunderschön, hab sogar noch voll liebe Geschenke bekommen; die ersten Ferientage war ich im Norden in Bolgatanga, Paga, Tamale und Mole und jetzt kommen dann schon die letzten drei Wochen mit meinem Papa. Also die Endphase macht grade nochmal richtig viel Spaß, dazu gibts noch dies und jenes, um das man sich kümmern muss, deswegen an dieser Stelle nur ganz kurz:

Bis bald in Deutschland, ich freu mich inzwischen auch wieder riesig auf Zuhause! Bleibt noch zu hoffen, dass ich alle Fotos, Mitbringsel, Erfahrungen und Erlebnisse sicher über Sahara und Bosporus bringe, dann steht einer fetten Fete in vier Wochen nichts mehr im Wege 😉

Bis dahin eine schöne Zeit, alles Gute, oder wie der Ghanaer zu sagen pflegt: God bless you!

Liebe Grüße

Matze

An der Würze liegen die Pfürze – eine schmackhafte Reise durch ghanaische Gaumenfreuden


„Sir Matthias, you like eating toooo much!“ Was die Ghanaer als Kompliment meinen, ist tatsächlich nicht ganz an der Realität vorbeigeschossen. Riesige Portionen Reis mit ordentlich Palmöl; Gemüse, Brot und Ei schön frittiert; dazwischen gerne mal ein Eis oder fettiges Gebäck; sportliche Betätigung meist nur in Form von Wäschewaschen und Kinder hochheben, da kann man den Blähbauch nicht mehr nur auf die erhöhte Bohneneinnahme schieben. In diesem Sinne begeben wir uns nun also, wie schon lange versprochen, auf einen kurzen Exkurs in die örtliche Kulinarik:

Vornherein zur Erklärung:

Yam: Dürften einige von meiner Abschlussfeier kennen: Eine Wurzel beträchtlichen Ausmaßes (ungefähr so groß wie eine 1,5l-Flasche) und geschmacklich der Kartoffel sehr ähnlich, von der Konsistenz her etwas mehliger.

Cassava: So ähnlich wie Yamwurzeln, nur etwas kleiner, bei uns soweit ich weiß unter dem Namen Maniok bekannt.

Kochbanane (plantain): Also es gibt hier einerseits Bananen, die so schmecken wie unsere und als Obst verzehrt werden, aber so klein sind, dass sie sich nicht nur Olli Kahn vollständig in den Mund schieben kann, und andererseits Bananen, die so groß sind und so aussehen wie die Bananen bei uns im Supermarkt, aber wie Kartoffeln schmecken und verwendet werden, die Kochbananen.

Nun zu den Gerichten:

Fufu: Gilt als das Nationalgericht Ghanas. Wenn man hier gefragt wird, ob einem Fufu schmeckt, was recht oft vorkommt, und man ehrlich mit ja antworten kann, macht man sich schonmal allseits beliebt. Es handelt sich dabei um einen Kloß aus Plantain-, Cassava- und/oder Yambrei, der von meist sog. „Mothers of Fufu“ mit einem mannshohen Stock in einem Holzbottich (woma und waduro) gestampft wird. Serviert wird das Ganze dann in einer großen Schüssel zum Beispiel mit einer ordentlich scharfen Fleisch-Fischsoße und man zupft mit der rechten Hand kleine Stücke vom gummiartigen Klumpen ab. Also mir schmeckts, solange nicht zu viele Spelter im Fufu und Gräten in der Soße sind, aber mein Lieblingsgericht ist es nicht. Auch habe ich schon mehrere Weiße getroffen, die sich wie ich fragen, warum sich die Ghanaer so wahnsinnig viel Arbeit machen, einen relativ geschmacklosen Breiklumpen zu stampfen, während die einzelnen Zutaten gekocht einen ganz guten Eigengeschmack haben. Gibts aber eh nur in Restaurants, die „canteen woman“ kann ja nicht für zig Leute rummantschen.

Gari and beans: Esse ich hier mit am liebsten und habs auch schon paarmal selber zubereitet – mit annehmbarem Ergebnis. Ist auch ganz einfach, man kocht die Bohnen weich, gibt Palmöl (je nach Wunsch mit angebratenen Zwiebeln) dazu und mixt das Ganze mit Gari, kleingeraspelten Cassavawurzeln, die man rein äußerlich auch mit Parmesan verwechseln könnte.

Daneben gibt’s noch süßes Gari, dazu werden die Raspeln mit einem Schuss Zucker in eine Tasse Wasser gegeben und man bekommt etwas, das so ganz leicht an flüssigen Grießbrei erinnern könnte, auch sehr interessant.

Reis: Gibt’s hier in allen möglichen Varianten und für die Ghanaer ist jede davon ein absolut eigenes Gericht, das man nie einfach nur salopp unter dem Stichwort Reis zusammenfassen würde. Wer damit wenig anfangen kann, sollte besser nicht nach Ghana kommen, in der Regel wird mindestens einmal am Tag Reis gegessen. Ich fühl mich aber recht wohl damit und hab mich auch schon ganz gut an die kleinen Fischköpfe in der Soße gewöhnt.

Waakye: Gibts sehr oft an der Schule, Reis mit viel Bohnen, scharfer Tomatensoße und Fisch, perfekt, wenn man viel Hunger hat. Hab auf dem Weg nach Kumasi aber auch schon eine „Waakye Boutique“ für den stilvollen Genießer gesehen 🙂

Jollof Rice: So bisschen wie der Reis, dens zum Beispiel in Kroatien gibt. An der Schule wird dann noch ein gekochtes Ei dazu gereicht, fertisch.

Rice Balls: Deftige Reisknödel mit meist guter Fleischsoße, manchmal auch schlechter Fischsoße.

Fried Rice: Erinnert stark an den Reis, den man bei uns beim Asiaten bekommt. Bisschen Salat, Karotten, Zwiebeln, Gewürze, ein Hähnchenschenkel und ein Schuss Ketchup und wenn man will, kann man noch Nudeln dazubestellen und bekommt damit eine super afrikanische Nudelbox – erhältlich an jedem gut sortierten Straßenstand.

Plain Rice mit Stew: Erklärt sich von selbst. Kontomire-Stew, eine Variante davon, ist dabei so ähnlich wie Spinat.

Yam (kommt nicht nur ins Fufu):

Boiled Yam: Gekochte kartoffelgroße Yamstücke, meistens mit „bean stew“ oder „garden egg* stew“ (*zu Deutsch: „Äthiopische Eierfrucht“ 🙂 )

Fried Yam: Frittierte Yamschnitze, die ghanaische Form von Pommes, in der Regel erhältlich zusammen mit einem wahrlich atemberaubenden Pepper-Stew

Yam Balls: Sehr lecker, Yambrei mit Karotten und anderem Gemüse in einem leicht angebratenen Knödel. Hab ich leider erst zwei Mal gegessen, im Kloster und in Cape Coast, und sonst noch nirgends gesehen.

Fried Plantain: Sehr fettige, frittierte Kochbananenstücke, ziemlich süß, gibts manchmal zu gari and beans.

Kenkey: Gehört zu den wenigen Dingen, die ich überhaupt nicht mag. Ich hab mich eigentlich ziemlich drauf gefreut, als ich die Beschreibung Maisballen gehört hab, aber hat dann nicht ganz so meinen Geschmack getroffen. Der Maisbrei, den man hier überall als einen in Palm- oder Maisblätter eingewickelten Klumpen am Straßenrand kaufen kann, war recht bitter und säuerlich und in der Schule wurde das Ganze dann noch in einer ziemlich schleimigen Fischsoße serviert, also drei Mal haben mir bis jetzt gereicht. Aber anderen Leuten schmeckts super, also nichts gegen das Gericht.

Banku: Eine Mischung aus Kenkey und Fufu, meiner Meinung nach näher am Kenkey und deswegen weniger betörend.

Bread and Egg: Es wird ja bekanntlich dazu kommen, dass der Döner den Menschen ersetzen wird. Für mich hat hier aber erstmal das Bread and Egg den Döner ersetzt. Fast durchgehend erhältlich, schnell mal im Vorbeigehen zu essen, superlecker und stets mit dem Gedanken verbunden, dass man nicht unbedingt zu viel davon reinhauen sollte (Stichwort Eier aus Freimüllhaltung usw.). Rührei in Toastbrot, soweit der Gaumenschmaus in nüchterne Worte gepackt.

Was gibts sonst noch so zu schnabulieren: Gegrillte Würste, die gar nicht mal schlecht schmecken (für die Zutaten gilt: Was ich nicht weiß, macht nur die Wurst heiß…), Meat Pies, für die dasselbe gilt, Frühlingsrollen oder anders Gebäck mit Bohnen oder Kraut, gekochte oder gegrillte Maiskolben und vieles mehr.

An süßen Sachen wären zu nennen: Bofrot und Sweet Balls, süßes dampfnudel- bzw. kuchenähnliches Gebäck, handgemachte Kekse, Fan-Ice, also so ne Vanilleeiscreme in der Tüte, göttlich, oder unglaublich exquisite Karamell-Nuss-Klötze. Desweiteren taugen verschiedenste Nüsse, salziges Gebäck oder Bananenchips perfekt als Knabberzeugs.

Dazu gibts natürlich noch jede Menge Obst, frische Ananas, Orangen, Bananen, Mangos (is leider grad nicht mehr Hochsaison), Papaya, Avocados (die allerdings meistens zu Reis oder Yam gegessen werden), Kokosnüsse, Zuckerrohr zum Kauen und Ausspucken, Kakaobohnen zum Schluzen und Ausspucken, Wassermelonen usw.

Also alles in allem muss ich sagen, ich bin hier essenstechnisch wirklich sehr zufrieden. Ich hab ja auch zuhause schon ne gute Portion Spätzle dem Lachsschaummousse an Trüffel-Weißwein-Creme vorgezogen, insofern fühl ich mich super wohl damit, dass ich hier mittlerweile ganz gut weiß, was aufn Tisch kommt, und mittags nach der Schule hab ich eh meistens so Hunger, dass mir vieles egal ist.

Mit kulinarischen Kuriositäten wie frittierten Fledermäusen, gedünsteten Gelbbauchunken oder halbgaren Heuschrecken, was manche vielleicht denken, hat die ghanaische Küche von heute wenig zu tun. Ab und zu sieht man mal Leute, die Schnecken, Krebse, Tintenfisch oder Buschratten verkaufen, aber dazu würden unsere Nachbarn im Westen ja auch „Buon appétit“ sagen.

So lass ichs mir also mit Leib und Seele gutgehen – das Bäuchlein wächst und gedeiht. Das praktische hier in Ghana ist, dass einem zumindest in der Stadt das Essen meist noch in Form von großen Kisten auf den Köpfen von Verkäufern aller Altersstufen entgegenläuft, was schon ein bisschen was von Schlaraffenland hat, auch wenn man den meisten Verkäufern natürlich einen anderen Job wünschen würde.

In diesem Sinne wenden wir uns dem Verdauungsschläfchen zu, mehr Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke gibts dann wieder im nächsten Blog.

Bis dann, liebe Grüße, und bei wems bald Essen gibt: An guaden!

Le Chefkoch himself, Matze

Ghana, ein Sommermärchen?


Good afternoon, buona sera!

Eigentlich hab ich nicht viel Zeit, weil ich grade sehr mit Studienbewerbungen beschäftigt bin, aber der Juni ist vorbei, die EM hat ein jähes Ende für Deutschland gefunden und so sehe ich mich in der Pflicht, euch wieder mal auf den neuesten Stand zu bringen. Er hatte so gut angefangen, der Ayewohomommo, wie der Juni hier heißt, mit dem Länderspiel im Baba Yara Stadium, entspannten Aktionen mit den anderen Volunteers und der Vorfreude auf die Europameisterschaft. Letztendlich muss ich jetzt sagen, der Juni war leider nicht so überragend wie die drei Monate zuvor.

Samstag vor zwei Wochen waren wir recht lange bei Peter, nähen, unterhalten, Musik hören, ich wollte dann aber doch um 3 Uhr nachts noch nach Hause, damit ich sonntags gemütlich ausschlafen kann. Keine so gute Idee. Auf halber Strecke ist mir ein dubioser Typ gefolgt, hab mich schon nicht wohl gefühlt, dann haben wir allerdings kurz vor der Schule ein normales Gespräch begonnen und ich war wieder beruhigt, bis er mich nach der Uhrzeit gefragt und mir im richtigen Moment das Handy aus der Hand geschlagen hat (mit so ner Art Buschmesser, das ich erst dann richtig gesehn hab). Naja, hab dann in dem Moment irgendwie gedacht, vielleicht merkt er, dass er mit meinem schon recht alten Handy nicht viel anfangen kann, bei dem schon die erste Taste gefehlt hat, und hab ihm dafür Geld gegeben. Im Nachhinein fast zum Schmunzeln, ich hab meinen Geldbeutel rausgeholt, ihm paar Scheine gegeben und den Geldbeutel wieder eingesteckt, hat eigentlich nur noch das „Stimmt so“ gefehlt. Also obwohl ich laut um Hilfe gerufen hab und kurz danach gestürzt bin und am Boden lag, er hat mir nichts getan, hat fast höflich gefragt, ob ich ne Kamera dabeihab, und ist dann verschwunden. Wusste denk ich selber nicht so genau, was er da macht, und ich hatte auch nicht das Gefühl, der wäre in der Lage, mir wirklich was anzutun. Ich durfte sogar die Schokocreme behalten, die ich dabeihatte, auch wenn die 500g innerhalb der nächsten vier Tage aufgebraucht waren ;) So wars denk ich eine gute Warnung, in Zukunft doch etwas vorsichtiger zu sein, ich hatte zum Glück weder Laptop noch Kamera dabei, wie das auf dem Heimweg nach den Spielen um 9 oder 10 oft der Fall war, und das Handy und die umgerechnet 10 € oder so kann ich gut verkraften (lag eh noch ein Handy von den alten Volunteers in meinem Zimmer und ich bin ein paar nervige Anrufer los). Das blöde ist halt, ich hab mich bis jetzt immer so sicher gefühlt, nie ist mir irgendwas passiert und ich hab nicht im Traum daran gedacht, dass so etwas mal vorkommen könnte. Hab dann erstmal die nächsten zwei Tage in jedem verdächtig ausschauenden Mann auf dem Weg nach Tanoso den möglichen Täter gesehn, weil ich mich nicht wirklich an das Gesicht erinnern konnte, aber das  hat sich auch schnell gelegt. Ich bin nicht von der Realität in einen Alptraum gerutscht, sondern von einem Traum in die Realität. Ich hab mich hier nach einiger Zeit fast sicherer gefühlt als in Deutschland und bin bedenkenlos rumgelaufen, weil die Leute einfach alle so super freundlich und höflich waren.  Jetzt weiß ich, dass ich hier nachts um 3 ebenso wenig alleine rumlaufen sollte wie in den dunkelsten Ecken Hochzolls. Am Tag braucht man sich nix denken, da sind überall Leute unterwegs, Schüler, Kinder, Hausfrauen, Studenten … Ich lauf halt jetzt nicht mehr allein im Dunkeln nach Hause, mein Lehrerkollege und Sportsfreund Mike oder Freunde von ihm haben mich nach jedem Spiel heimbegleitet.

Das ist einer der positiven Punkte, dass ich mit Mike einen Ghanaer gefunden habe, dem ich wirklich vertraue, mit dem ich mich verstehe und der mich als Freund und nicht als Obruni sieht. Ein typischer Ghanaer, der treu seiner Kirche folgt, abartig billige Ghanaian Movies anschaut (ungefähr sowas wie die Verfilmung einer Bravo-Fotostory, köstlich), sich schön in Hemd und Anzughose kleidet, aber in einer Zwei-Zimmer-Wohnung ohne fließendes Wasser lebt und auf dem Boden kocht, gerne mal die Moskitos als „stubborn“ bezeichnet oder „small small pepper“ hinzugibt, sich leidenschaftlich dem FC Chelsea hingegeben hat und nicht gerade durch deutsche Pünktlichkeit glänzt. Aber da haben die Ghanaer eh eine ganz andere Einstellung als wir. Ich habe immer gefragt, ob er Zeit hat, zum Spiel zu kommen, oder ob ichs besser in Denkyemuoso anschaue, damit er mich nicht heimbegleiten muss. Klar kommt er und ich soll natürlich auch kommen, hieß es, was ungefähr bei jedem zweiten Mal nicht der Fall war. Wenn spontan ein anderer Freund was von einem braucht, kurzfristig noch ein Gottesdienst stattfindet oder man auf dem Weg von einem Bekannten angesprochen wird, dann ist es für Ghanaer selbstverständlich, dass dann erstmal das gemacht wird. Auch wenn man eigentlich schon eine Verabredung hat, die ist dann erstmal zweitrangig, hier wird nicht gesagt, tut mir Leid, ich hab schon was vor, oder ich hab im Moment keine Zeit. Das ist eben ein anderes Verständnis von Vereinbarungen und man sollte deswegen nicht einfach sagen, die Ghanaer sind unzuverlässig. Ich musste zwar ein paar Mal länger warten oder rumtelefonieren, aber ich bin nach jenem Tag jedes Mal mit Begleitung sicher nach Hause gekommen.

Das erste, was Ghanaer normalerweise machen, wenn sie dich ein bisschen besser kennen, ist, dass sie dich in ihre Kirche einladen. Davon hat mich Mike bisher zum Glück verschont. Hab noch einmal eine Kirche hier besucht, das ist einfach alles so oberflächlich, laute Musik, kitschige Glitzer-Gewänder, euphorische Amen- und Halleluja-Rufe zu jedem Bibelvers und zum Teil wird halt tatsächlich noch gepredigt, dass der Mann die Frau behüten soll und die Frau dem Mann gehorchen. Auch bietet mir Mike ständig Essen an und bezahlt zum Teil für mich, ich muss schon schauen, dass ich mehr bezahle, sonst geht das hier in eine Richtung, die mir nicht passt (du freust dich ja immer so über Zitate, Vale). Hab ihm vor der EM ein Deutschlandtrikot geschenkt, das hat er zu jedem Spiel getragen, ich wurde schon angesprochen mit „Oh, you germanized him!“  Schade, dass wir davon nur noch ein Trauerbild zusammen machen können.

So, ne halbe Seite fast nur über ihn, was ist da denn los? Der Matze wird doch nicht mit nem Chelsea-Fan … ? Defitidefinitiv nein. Ebenso wenig will ich mit ihm als Kumpel rumprahlen wie mit einem dressierten Schoßhündchen. Aber vielleicht interessierts ja den ein oder anderen, wie der Ghanaer an sich denn so lebt. Oder biologisch formuliert, wodurch sich der Lebenszyklus des gemeinen Wald- und Wiesenghanaers, der meistverbreiteten Spezies hier, denn so auszeichnet. Mit den Schülern kann man außerhalb der Schule leider wenig machen, weil man sonst halt immer der Onkel ist, der alles zahlt, und zu einigen ist das Vertrauen auch schon weg. Die meisten Lehrer sind nett, ohne dass man jetzt groß was mit ihnen in der Freizeit machen würde. Einer macht auch nur ständig Heiratswitze über mich und meint, wenn er nur lange genug in Twi auf mich einredet, werd ichs schon lernen. So ist halt Mike der einzige, mit dem ich so richtig das ghanaische Leben kennenlerne und deswegen gings jetzt auch hauptsächlich darum.

Das einzige, was ich irgendwie komisch finde, sind seine Freunde, zum Teil recht wohlgenährte Frauen, die nicht gerade vor Elan und Lebensfreude strotzen. Letztens haben wir zusammen Fufu gemacht und zwei Typen wollten mich beim Stampfen fotografieren, wobei ihnen meine Kamera runtergefallen ist, schön aufs Objektiv. Ein kurzes Sorry und danach gings fröhlich weiter; bis auf Mike war sich eigentlich keiner so wirklich bewusst, dass da grade ne recht gute Kamera „gespoiled“ wurde (spoil ist hier der Universalausdruck für kaputtgehen, beschädigen, verschimmeln, verschmutzen, vermiesen etc.). So war auch mein Nachmittag danach ziemlich gespoiled und ich war zum ersten Mal richtig angepisst von der Don’t-worry-Mentalität der Leute hier, weil ich mir einfach gedacht hab, wieso kommt jetzt plötzlich alles so zusammen. Wir sind dann aber am nächsten Tag nach Kumasi rein und in so nen Hinterhof, wo vier Leute an nem Tisch voller Fotozubehör saßen und tatsächlich alles wieder zusammenlöten, kleben, schrauben und ersetzen konnten (Ohne Löten kein Kleben, ohne Klöten kein Leben, fällt mir grad so auf). Danach war ich wieder „total euphorisch“, ums in Mesut Özils engagierter Ausdrucksweise zu sagen, und ziemlich begeistert von dem, was hier in Ghana alles möglich ist – wer repariert dir in Deutschland schon für umgerechnet 20 € ne Kamera mit schräg eingedrücktem Objektiv?

Die Regenzeit ist mittlerweile voll in ihrem Element, es ist fast nur noch bewölkt, merklich kühler und regnet zum Teil stundenlang durch, wahrscheinlich schlägt das auch ein bisschen aufs Gemüt. Wenn der Blog mit Sound wär, müsste jetzt von so ner Darth-Vader-Stimme „Melancholie“ kommen ;) Ist manchmal echt schwierig, die Wäsche noch ordentlich zu trocknen, und da ich zu spät von Boxershorts auf Schlafanzug umgestiegen bin, war ich jetzt auch noch bissl erkältet, wer hätts gedacht, auf natürlichem Wege ohne Klimaanlage.

Also fass mer mal zusammen: Ausgeraubt, Kamera kaputt, Regen, Niederlage gegen Italien, von der Studiensuche genervt. Naja, gehört eben auch dazu. Die ersten drei Monate waren wahrscheinlich einfach zu perfekt, alles hat irgendwie gepasst, keine Probleme weit und breit, war eigentlich klar, dass das nicht immer so bleiben kann. Ich wollte Land und Leute kennenlernen, diesen Monat hatte ich nun halt weniger Land und mehr Leute. Und genug schöne Erlebnisse gab es natürlich auch: Wir waren mal wieder als große Gruppe im italienischen Nationalzirkus, der grade in Kumasi gastiert, bin kein großer Zirkusfan, aber da waren schon paar gute artistische Nummern dabei. Passend dazu gings paar Tage später zum Pizzaessen, ist schon interessant, wie man sich mittlerweile an die Preise hier gewöhnt hat. 12 Cedi für ne Pizza, zunächst einmal wahnsinnig viel, weil Reis halt nur 1 bis 4 Cedi kostet, aber umgerechnet grade mal 6 € und war echt lecker. Trotzdem, ich persönlich brauchs nicht nochmal, Reis und Yam sind auch lecker und ich fühl mich irgendwie blöd, wenn ich wie die Superreichen hier Essen gehe und damit dazu beitrage, dass die Preise auch für die Einheimischen steigen. Auf ner Hochzeit waren wir auch noch, das war unter anderem vom Raumschmuck her so wie Prinzessinnengeburtstag 3. Klasse (der Bräutigam mit edler rosa Fliege), aber muss man auch mal erlebt haben. Lisa und ich haben zusammen Gari and beans gekocht, unser gemeinsames Lieblingsessen, hat viel Spaß gemacht und gar nicht so übel geschmeckt (ist nicht ganz einfach, von Ghanaern ein Rezept zu bekommen, da wird dies und jenes vergessen, weils für die Leute hier klar ist). Aber der nächste Versuch wird ein kulinarischer Orgasmus! Ansonsten hab ichs endlich mal geschafft, paar Stoffe zu kaufen und die zu unserem Schulschneider zu bringen, die ersten Hosen dürften bald fertig sein. Meiner sechsten Klasse hab ich den Trikotsatz übergeben, den ich von den Sportfreunden mit nach Ghana bekommen habe (herzlichen Dank schon mal an dieser Stelle!), danach gings drunter und drüber – also Schuluniformen drunter und Trikots drüber. Sind öfter mal Schulturniere, also die können die schon ganz gut gebrauchen. Die Schüler verstehen zwar immer noch nichts, passen nicht auf und streiten sich (wenn auch deutlich weniger als am Anfang), aber ich hab mir letztens mal Bilder durchgeschaut und mir gedacht, den Haufen werd ich schon vermissen, wenn ich nach Deutschland zurückkomme, so sehr sie mich hier auch nerven ;)

Jetzt bin ich doch irgendwie froh, dass die EM heute rum ist, hab bis auf Spanien gegen Kroatien und ein paar Stromausfälle alles gesehen, was es zu sehen gab. Waren natürlich super Erlebnisse dabei, mit am besten das erste Spiel gegen Portugal mit richtig viel Stimmung in der Unihalle sowie das Viertelfinale gegen Griechenland im Fernsehzimmer eines Studentenwohnheims, in dem sich die Leute sogar mitunter recht niveauvoll humorvoll auf Englisch unterhalten haben. Den griechischen Trainer fand ich eh jedes Mal super, die ganze Krise Griechenlands versinnbildlicht in einer Person, die fleischgewordene Verzweiflung (Auch wenns ja ein Portugiese war, die sind vom selben Schlag ;) ). Ein Spiel hab ich in Denkyemuoso angeschaut, in einem kleinen Innenhof, überdacht von einer Zeltplane, die Männer alle mit Feuereifer dabei, die Frauen nebendran beim Fufustampfen, auch nicht schlecht. Aber wenn jetzt dann die Bewerbungen auch noch fertig sind, kann ich mich hoffentlich wieder voll auf Ghana konzentrieren und das tun, was ich bisher am meisten genossen habe, Ausflüge machen, im Kindergarten malen und den Alltag hier erleben.

Schöner Artikel, Nela! Hat mir gut gefallen, mit viel Fußball, passend zur EM ;) Ich hoffe, meine Äußerungen über das Schulsystem kamen nicht zu negativ und überzogen rüber, ich hab den Fragebogen glaub ich in einer Zeit ausgefüllt, in der ich grade bisschen genervt von allem war ;D Ist inzwischen viel besser. Jetzt war ich in der Zeitung, im Harthauser Pfarrbrief, im Jahresbericht komm ich auch noch, ich geh den Leuten wahrscheinlich langsam ziemlich auf den Sack :D Hier in Ghana gäbs nur eins, was man über einen derart verhaltensauffälligen Störenfried sagen würde: „Foolish boy, don’t mind him!“

Liebe Grüße, und wers schon gar nicht mehr erwarten kann, auch wieder live und hautnah von mir penetriert zu werden: Neun Wochen sinds noch, dann ist die Schonzeit vorbei!

Viel Spaß im Juli an der Uni, in der Freizeit, bei der Arbeit, in der Schule, auf Reisen, beim Lernen, in der Ausbildung, aufm Klo, unter der Brücke, über den Wolken, unter aller Sau, im siebten Himmel oder wo auch immer!

Matze

Halbzeitanalyse


GHANAIAN GERMAN SCHOOL

Denkyemuoso – Kumasi

MID-TERM EXAMINATION

Subject: German language

Date: 10th June 2012

 Themenstellung:

Verfasse eine Reizwortgeschichte, in der die Begriffe Tröten, Kröten, Röten, Töten und Löten einen zentralen Stellenwert haben. Die Geschichte kann sich in einem alltäglichen oder abenteuerlichen Handlungsumfeld abspielen. Achte auf korrekte Rechtschreibung, Grammatik und eine saubere äußere Form.

Bearbeitungszeit: Bis(s) zum nächsten Stromausfall

Viel Glück!

Nichts leichter als das! Und keine Angst, es geht weder um satanistische Opferrituale noch um eine feingeistig-abstrakte Neuinterpretation des Walpurgisnachttraums aus Goethes Faust. Stattdessen hier die Gliederung:

 

A Kurze Begrüßung im Zeichen jüngster Ereignisse

B Zusammenschau der seit dem letzten Bericht vergangenen Wochen

B.1 Besondere Erlebnisse

B.2 Aktuelles Alltagsgeschehen

B.3 Zwischenfazit

C Verabschiedung und Ausblick in die Zukunft (klingt immer gut)

 

Yippie Yippie Yeah! Meda’ase paa Manual Newer, Thomas Muller, Tony Cruise & Co.! Schade, dass ich die Stimmung in Deutschland nicht erleben kann, aber Public Viewing hier ist auch nicht schlecht 🙂

Und damit rein in die vergangenen Tage: Am Donnerstag vor zwei Wochen (kommt mir vor wie zwei Monate) bin ich ja wie schon angekündigt mit der Schule nach Accra gefahren. Schön ordentlich mit Kente-Krawatte gings rein in das Regierungsgebäude, wo wir eine Zeit lang eine Parlamentsversammlung angeschaut haben. Hauptsächlich ging es dabei um den Neubau einer Kultur- und Versammlungshalle in Sunyani, mit welchem 1963 begonnen wurde, dessen aktueller Stand aber niemandem so ganz klar war. Bei der vorliegenden Finanzierungstabelle war nämlich blöderweise nicht ganz herauszulesen, ob die Beträge in der alten 2007 abgeschafften Währung oder im neuen Ghana Cedi angegeben waren. Hat für einige Kontroversen gesorgt, letztendlich waren aber alle optimistisch, dass die Halle für eine große bevorstehende Kulturveranstaltung im August 2012 fertig sein würde 🙂 Kurz waren wir dann auch noch am Labadi Beach und in der Accra Mall, soweit ich weiß die einzige City Galerie Ghanas mit dem vermutlich einzigen Laden, in dem es originale Fußballtrikots zu kaufen gab. Die Schüler liefen alle mit großen Augen durch die ungewohnte Glanz- und Glamourwelt, aber letztendlich war es wahrscheinlich für mich selbst noch ungewohnter, das von Zuhause bekannte plötzlich in Ghana zu sehen. Aufgrund einer sehr intensiven Obruni-Konzentration, die sich in Form eines milchig-trüben bis rötlichen Farbausschlags beobachten ließ, sowie der Zugabe einer ätzenden, silbrigen Lösung, genannt Apple-Store, hakte ich das Ganze jedoch als einmaliges Experiment ab und beende den komisch-chemischen Schreibstil hiermit auch wieder.

Statt alleine im Moloch Accra zu bleiben, wie ich eigentlich vorhatte, bin ich dann doch lieber am Abend wieder mit dem Partybus unserer Schule zurück nach Kumasi getuckert. Die richtige Entscheidung. Am Freitag habe ich erstmal das wohlklingende Bobiri Forest Butterfly Sanctuary in der Nähe von Kumasi besucht, in dem es wieder einmal wunderbare Regenwaldnatur und eine wirklich unglaubliche Schmetterlingsvielfalt zu genießen gab. Und ich konnte sogar zusammen mit einer englisch-indischen Forscherfamilie Spaghetti essen. Von dort aus fuhr ich direkt weiter an den vielgerühmten Lake Bosumtwi, der, wie sich herausstellen sollte, zu Recht gerühmt wird. Wir waren insgesamt neun Volunteers aus vier Nationen und haben einfach einen der Fischer gefragt, ob wir gegen etwas Bezahlung an seinem Strand zelten dürfen. Durften wir, genauso wie ein gemütliches Lagerfeuer machen und mit einem der traditionellen Einbäume auf den See hinauspaddeln. Nach der Ashanti-Kultur ist es nämlich nicht erlaubt, normale Fischerboote zu benutzen. Ein rundum gelungenes Wochenende, an dem auch die nach Baden und Wandern recht gerötete Haut nichts änderte!

Mit in etwa der gleichen Gruppe, zahlenmäßig nun sogar unter dem Motto „Zehn Freunde sollt ihr sein“, hieß es am 1. Juni ab ins Stadion! WM-Qualifikation Ghana – Lesotho. Für alle, die sich in der Materie des runden Leders nicht sonderlich passsicher fühlen, sei erwähnt: Ghana gilt auf dem afrikanischen Kontinent fußballerisch als absolutes Schwergewicht, während Lesotho ebenbürtige Gegner wohl eher in San Marino oder den Färöer Inseln finden würde. So muss man letztendlich sagen, wer weiß, was passiert wäre, wenn sich die Spieler von Lesotho nicht innerhalb eines etwa einstündigen Flutlichtausfalls in den Kabinen hätten erholen können – das Endergebnis von 7:0 wäre wohl erst der Anfang gewesen. Wir haben es ihnen jedoch gleichgetan und uns in der nächstbesten Bar erholt, unwissentlich, wie es weitergehen würde, bis dann plötzlich der Mob wieder ins Stadion gerannt ist. Stimmungstechnisch war das Ganze natürlich erwartungsgemäß ein Highlight, zumal wir uns vorbildlich mit allen möglichen Fahnen, Trikots und sanft-melodischen Tröten eingedeckt hatten. Für alle, die immer noch über die Namensgebung meiner Blogadresse rätseln, sei an dieser Stelle des Pudels Kern offenbart – halt, wir wollten ja von Goethes Faust die Finger lassen: „Black Stars“ lautet der Spitzname für die ghanaische Nationalmannschaft, den auch jeder Fan verwendet, wenn über das Team gesprochen wird. Ganz unspektakulär.

Am nächsten Tag ging es mal wieder auf den Markt nach Kumasi, diesmal zum Lederkaufen. Stichwort Leder, die Handwerkerabteilung hat schon ihren ganz eigenen Charme: Da wird gelötet und geschweißt, gehämmert und geschraubt, gesägt und gebohrt, und das meiste mit recht wenigen technischen Hilfsmitteln. Rastabruni Max, einer aus der Gruppe, hatte in seinem Projekt gelernt, wie man selber Schuhe macht, und wollte uns nun auch in jene feinen Künste einweihen. Dank ghanaisch gelassener Herangehensweise unsererseits, kombiniert mit Stromausfall, begann das Schnibbeln und Schablonieren erst abends im Kerzenlicht. Romantisch, hatte bisschen was von Weihnachtsbastelei. Für meine Plattfüße gabs allerdings noch keine passenden Muster, sodass ich erstmal mit Lederarmbändern angefangen habe.

Der Alltag in Denkyemuoso ist zurzeit gerade geprägt von allem möglichen zu tun. Da ist erstmal der Unterricht in der Grundschule, der sich mühsam wie eh und je gestaltet. Man muss es leider so traurig sagen, aber selbst mit den letzten zwei Themen, für die mich Grundschüler in Deutschland auslachen würden, konnte ich die mathematischen Blockaden der Schüler hier nicht abbauen. Ich zeichne Zahlenpyramiden nach dem Schema 1, 1+2, 1+2+3 und 1+2+3+4 hin, die Schüler wissen nicht, wie sie dasselbe für 5 und 6 machen sollen. Dafür habe ich am Freitag ganz schön mit der Klasse gemalt und es war auch ohne die Klassenlehrerin erträglich diszipliniert. Wenn ich die Schüler im Dorf oder so sehe, grüßen alle immer super süß und freuen sich, und im Unterrichten ist dann vieles so unglaublich schwierig, einfach schade.

Die eine Deutschklasse will ständig Neues lernen und Überstunden machen, aber wenn ich alten Stoff abfrage, kann sich kaum einer noch erinnern, auch nicht so optimal. 🙂 Oft kommen irgendwelche Schüler vorbei, der eine will, dass ich ihm einen Facebookaccount einrichte, der nächste ein bisschen Mathenachhilfe, der dritte braucht nur ein Pflaster. Manches mache ich gerne, keine Frage, aber manches nervt auch, wenn zum Beispiel Schüler, die nie zum Unterricht kommen, plötzlich um ein Handout mit sämtlichem Stoff betteln. Viele Lehrer hier haben grade so eine Art Referendariatszeit, die bald zu Ende ist, und brauchen für ihre Beurteilung ein Video über eine Unterrichtsstunde. Ein Lehrer, mit dem ich mich gut verstehe, hat mich da gefragt, ob ich ihn filmen könnte und war auch sehr interessant und nett, aber dann sind halt nach und nach noch fünf andere gekommen, die mich zum Teil bisher nie besonders beachtet haben, da kommt man sich dann auch mal ein bisschen blöd vor. Mit dem Alphabet im Kindergarten bin ich jedenfalls nicht besonders weitergekommen die letzte Woche und das muss ja auf alle Fälle fertig sein, wenn Ende Juli das Reisen losgeht. Übrigens wird mich da dann die letzten drei Wochen mein Papa besuchen, freu mich schon wie ein ghanaischer Schneekönig.

Apropos Wetter: Mittlerweile stecken wir hier mittendrin im Schlamm-Assel, also in der Regenzeit. Das heißt, es schüttet und gewittert regelmäßig richtig rasant runter, vor allem abends, und kühlt auch mal für ein, zwei Tage angenehm ab. Aber ansonsten ists tagsüber auch wieder gewohnt heiß, dass einem die Suppe nur so über den Kühler rinnt. Kennzeichnend für einen Spaziergang nach Tanoso im feucht-fröhlichen Milieu sind vor allem zahlreiche Kröten, die einem von links und rechts über den Weg hüpfen. Hätten wir das auch abgehakt.

Ich fühle mich grade ein bisschen so, als würde sich die Zeit hier schon dem Ende zuneigen, derweil ist ja erst etwas mehr als die Hälfte vorbei. Alles vergeht einfach so schnell, ich hab noch so viel zu tun und richtig an der Schule bin ich ja nicht mal mehr für zwei Monate, von denen sich die nächsten drei Wochen nachmittags vor allem um Erdnussknabbern und Arschwundsitzen in Tanoso drehen werden.

Was bleibt als Fazit nach über drei Monaten Ghana? Am Anfang natürlich erstmal ein Schwall an neuen Eindrücken, der die ersten Wochen zu einem überwältigenden Abenteuertrip gemacht hat. Faszination und purer Genuss am afrikanischen Alltag. Der Gedanke, endlich in Ghana angekommen zu sein, hat mich stets aufs Neue mit wohligen Glücksgefühlen einschlafen lassen. Danach kam die Reisezeit, zum ersten Mal alleine durch ein fremdes Land zu kreuzen, Norden, Süden und Westen abzugrasen, interessanteste Begegnungen und Entdeckungen zu machen – unglaublich tolle Wochen, an die ich mich immer noch gerne zurückerinnere.

Mittlerweile der Schulalltag, wozu ich ehrlicherweise sagen muss, dass ich nicht jeden Tag voller Elan morgens aus dem Bett hüpfe. Das Unterrichten an der Grundschule ist einfach in vielen Dingen so ernüchternd, wenn ich es zum Beispiel damit vergleiche, wie viele schöne Momente mir die Praktika im Kindergarten in Deutschland gebracht haben. Da bin ich eben hier nach drei Monaten immer noch mehr ein Fremdkörper als nach zwei Wochen dort. Ich meine gar nicht so sehr, dass die Schüler den Stoff nicht verstehen, sondern eher, dass sie sich zum Beispiel immer noch ständig streiten und nicht aufpassen und mir damit quasi klarmachen (bzw. auch direkt sagen), dass sie mich erst dann voll respektieren, wenn ich zu schlagen anfange. Aber man darf es auch nicht ständig vergleichen, das hier ist eine einzigartige Erfahrung, etwas ganz anderes, man muss eine angemessene Sichtweise behalten und sich an den vielen kleinen Dingen erfreuen, die einem vielleicht erst bei einem genaueren Hinblick bewusst werden. Die knuddeligen Hosenscheißer hier im Kindergarten machen natürlich auch einiges wett. Ich habe meinen Platz gefunden, schwierige und schöne Aufgaben an der Schule und im Kindergarten, Freunde unter Lehrern und Schülern und nette Volunteers, mit denen man auch mal kurz aus dem Alltag hier abtauchen kann. Ganz unabhängig von Ghana genieße ich es auch, meine eigene kleine Wohnung zu haben und mal ganz für mich selbst zu sorgen, den „Haushalt“ zu schmeißen und nicht in die Verwahrlosung abzurutschen 😉 Eine Erfahrung, die fürs Studium sicher nicht schlecht ist. Dazu gibt es übrigens nur zu sagen, dass ich mich bei der Fachsuche die letzten Tage ziemlich im Kreis gedreht habe und weiterhin vieles interessant finde, aber auch überall kleinere oder größere Unstimmigkeiten sehe.

Das solls erstmal gewesen sein. Ich hoffe, am Mittwoch ein packendes Spiel ohne Strom- oder Bildausfall zu sehen, denn dank Franz Beckenbauer wissen wir ja schließlich: Die Holländer sind vorne vom Feinsten bestückt! Ich hab mal kurz überlegt, ob ich hier wirklich ständig EM schauen will oder nicht besser was mache, was ich in Deutschland nicht machen kann – aber wenn schon die Ghanaer nur noch Fußball im Kopf haben, wieso dann nicht auch ich.

Gäbe noch drei Themen, die ich gerne mal hier im Blog ausführen würde, aber ich will auch nicht die ganze Zeit nur vorm Laptop hocken: Erstens eine Sammlung von allen möglichen Beobachtungen, die ich hier so seit meiner Ankunft gemacht habe, zweitens ein kurzer Blick in die ghanaische Küche und drittens ein kleiner Sprachkurs Ghanaian English, was angeblich sogar als eigene Sprache anerkannt ist.

Also machts gut, für blöde Sprüche sind mir die Holländer zu sympathisch und hier in Ghana gibts eh keine Müllabfuhr!

Ach ja, das letzte Reizwort fehlt noch: Gesundheitlich gehts mir erstaunlich gut – Chilli und Pepper töten eben alle Keime 🙂 Auch wenn nach 285 Minuten Fußball wie am Samstag schon mal der Schädel brummt: Ghana – Sambia, Holland – Dänemark, Deutschland – Portugal und noch ne Viertelstunde Brasilien –Argentinien.

Wünsch euch allen nen schönen und erholsamen Fußballsommer!

Mit freundlichen Grüßen

Matze