Archiv der Kategorie: Primary Denchemouso

Alles neu macht der Mai?


„… das muss reichen, um zufrieden etwas ruhigeren Zeiten in Denkyemuoso entgegenzustreben.“ Hab ich am Ende des letzten Reiseberichts geschrieben. Das „ruhig“ möchte ich im Folgenden nun gerne ein wenig relativieren.

Vorab allerdings eine kurze Frage: Ist es seit Samstag moralisch verwerflich, zum Wäschewaschen Blues Brothers zu hören?

Womit schon einmal die beiden männlichsten Dinge genannt wären, mit denen ich mir hier so die Zeit vertreib: Fußballschauen und Wäschewaschen. Während ich zu ersterem im Moment besser Stillschweigen bewahre, muss ich zum Waschen sagen, das ist ab und zu echt richtig angenehm, sich einfach mal hinzusetzen, bissl Musik zu hören und Kleidung und Gedanken in Ordnung zu bringen.

Die Vormittage verbringe ich seit einiger Zeit vor allem damit, im Kindergarteninnenhof das Alphabet mit passenden Symbolen an die Wand zu malen (von A wie „antelope“ bis Z wie „zebra“). Lisa hat schon einen Gruppenraum gestaltet und sieht richtig super aus, also ich schau, dass ich mich da ranhalten kann. Aber macht echt Spaß, sich so in seine eigene Welt zu malen, während ein Haufen kleiner Kinder fröhlich um einen herumhüpft. Und je mehr die Sache Form annimmt, desto einfacher gehts dann auch ans Werk.

Zum Unterricht in der Grundschule kann ich immer noch nicht so wirklich ein Zwischenfazit bilden. Mal klappts echt gut, die Kinder passen auf und die Übungsaufgaben werden recht ordentlich bearbeitet, aber am nächsten Tag kommt dann wieder kaum einer bei einfachsten Sachen mit und auch nach zehn Beispielaufgaben kann keiner fehlerfrei drei Übungen abliefern (sechste Klasse, müsste man doch 140 durch 7 im Kopf rechnen können oder nicht?). Zwei, drei Schüler, der Größe nach schon zweimal durchgefallen, bleiben in der Regel an vier von fünf Tagen lieber zuhause und die Lehrerin weiß auch kein anderes Mittel, als bei den Kandidaten dann für ein falsch buchstabiertes Wort den Stock besonders motiviert sausen zu lassen. Ich selber hab bis jetzt leider auch keine Idee, was man bei solchen Problemfällen machen könnte, die kaum ein Wort Englisch von mir verstehen.

Der Deutschunterricht gestaltet sich munter, die eine Klasse wollte gestern unbedingt die deutsche Nationalhymne lernen (kann ja nicht schaden für die EM) und in der anderen Klasse durfte ich vor kurzem einen neuen Positivrekord von sieben anwesenden Schüler feiern.

Auf der Suche nach passenden Studiengängen hab ich die letzten Wochen so viel Zeit im Internetcafé verbracht, dass die zwei sehr netten Betreiber mir gleich ein Jobangebot gemacht haben. Sie wüssten zwar selbst nicht genau, wie ich ihnen helfen könnte, aber sie würden sich auf jeden Fall freuen :) Klingt ganz interessant …

Was gibts sonst noch zu erwähnen: Ich war in Bonwire, einem kleinen Dorf, das für die Herstellung von traditionellen Kente-Stoffen bekannt ist, und hab mich am Muttertag mal ganz intensiv Kumasi gewidmet. Okomfo-Anokye-Schwert, National Cultural Centre mit sehr interessantem Museum, Stadtzentrum Adum und sämtliche Denkmäler und Statuen. Skurrile Geschichten, die die Ashanti-Kultur zum Teil so liefert – genannt sei ein so langsam verrottendes Bündel aus Elefantenleder, von dem keiner weiß, was drin ist, weil es der Sage nach nicht geöffnet werden darf. Fand ich echt spannend, so über die Traditionen, Erzählungen und Bräuche zu lernen, und ich bekomm mittlerweile auch richtig Lust, was schönes Kulturwissenschaftlich-Gestalterisches zu studieren, wenn ich nur wüsste, was genau. Vermutlich aber eher nichts mit Musik und Film: Hab letztens mit den Schülern hier ein kleines Tanz- und Musikvideo gedreht, und auch wenn ich nur hinter der Kamera stand, bezweifle ich doch sehr, dass sie damit wie erhofft in Europa den großen Durchbruch schaffen …

Zwei Tage innerhalb der letzten Wochen möchte ich noch besonders herausheben, was sich jetzt wohl ein wenig hinziehen wird.

Der erste sah so aus, dass ich erstmal mein Zimmer aufgeräumt hab und dabei schon ständig in irgendwelchen Mitbringseln, Karten und sonst was aus Friedberg und der Heimat hängen geblieben bin. Ich fand solche Tage in Deutschland schon immer seltsam irgendwie, stundenlang in alten und neueren Erinnerungen zu schwelgen und dann plötzlich wieder zurück ins Leben aufzuwachen – aber das Ganze dann noch hier in Ghana. Dann hab ich zu allem Überfluss auch noch in der Schulbücherei rumgestöbert und dort unser altes ‚Green Line New‘-Englischbuch aus der sechsten Klasse gefunden. Passiert mir sonst ja nie, aber dazu muss ich jetzt doch eher Sentimentalitäten als den großen Matze raushängen lassen. Nochmal „Robin Hood and the silver arrow“ durchzulesen, mehr als sieben Jahre später und nun nicht mehr als kleiner (süßer?) Schüler, sondern als Lehrer einer sechsten Klasse weit weg in einem Land, das damals für mich wohl nur ein kleiner, unscheinbarer Ort im Atlas war. An alte Zeiten und Geschichten von und mit Mark Penrose, Becky Burton und Nottingham Kaschtl zurückzudenken, an Nachmittage, die man brav mit Vokabelschreiben und glücklich mit Räuber-und-Gendarm-Spielen verbracht hat, und sich bewusst zu machen, was für eine schöne Schulzeit und Kindheit man doch hatte. Sich gleichzeitig die Gegenwart und Zukunft vor Augen zu halten, ein einziges riesiges Erlebnis und Abenteuer mitten in Afrika. Eine Mischung aus Dankbarkeit, Zufriedenheit, ein bisschen Heimweh und einer Prise Stolz.

Der zweite der erwähnten Tage war der letzte Sonntag. Schon der Abend zuvor hatte ja wenig Anlass zu Freudentänzen geboten (auch wenn die meisten Ghanaer in dieser Hinsicht anderer Meinung waren), aber – Stichwort: „Lebbe geht weider“ – alles halb so wild. Bewegender war dagegen, in einem sehr ergreifenden Buch zu lesen, das ich beim Aufräumen in meinem Zimmer entdeckt hatte. Arundhati Roy, Die Politik der Macht. Die indische Autorin beschreibt darin unter anderem, wie in ihrer Heimat durch riesige Dämme Natur und Ökosysteme unwiederbringlich zerstört und Millionen Menschen vertrieben und heimatlos gemacht wurden. Auch die wenig glanzvolle Rolle von Weltbank, indischem Staat und internationalen Entwicklungsorganisationen wird dabei nicht ausgespart:

„Ich stand auf einem Hügel und lachte laut. Ich hatte mit dem Schiff von Jalsindhi über die Narmada gesetzt und war die Anhöhe am anderen Ufer hinaufgestiegen. Von dort sah ich, verteilt über die Kuppen niedriger, kahler Hügel, die Adivasi-Stammesdörfer Sikka, Surung, Neemgavan und Domkhedi. Ich sah die luftigen, zerbrechlichen Häuser, die Äcker und Wälder dahinter, die kleinen Kinder, die mit noch kleineren Ziegen durch die Landschaft sausten wie motorisierte Erdnüsse. Ich wusste, die Kultur, die ich vor mir sah, war älter als der Hinduismus – und dazu verurteilt (mit dem Segen des Obersten Gerichts im Lande), während des nächsten Monsuns im steigenden Wasser des Sardar-Sarovar-Stausees unterzugehen.

Warum lachte ich? Weil mir plötzlich einfiel, wie väterlich besorgt die Richter des Obersten Gerichtshofes in Delhi sich (bevor sie den gerichtlich verfügten Baustopp am Sardar-Sarovar Staudamm aufhoben) danach erkundigt hatten, ob für die Kinder der Adivasi, der indischen Ureinwohner, in den Umsiedlungsdörfern auch Spielplätze vorgesehen seien. Die Anwälte der Regierung hatten sich beeilt zu versichern, dass dem so sei und dass es auf allen Spielplätzen Wippen, Rutschen und Schaukeln gebe. Ich sah zum endlosen Himmel auf und hinunter zum dahinströmenden Fluss, und einen kurzen, ganz kurzen Augenblick lang verkehrte die Absurdität des Ganzen meine Wut ins Gegenteil, und ich lachte. Ich wollte niemandes Gefühle verletzen.“

Warum ich das alles so ausführlich in meinen Blog schreibe? Weil ich mich in dem Moment daran erinnert habe, wie ich in Bui während des Sonnenuntergangs auf dem Hügel stand und über den Park blickte. Ich hatte damals kaum an den Damm gedacht, der dort gerade gebaut wird und nach seiner Fertigstellung zwar keine Menschen, aber die dort lebenden Nilpferde und anderen Tiere vertreiben wird. Der Damm hilft ganz Ghana, hatte es geheißen. Was wird er wirklich bringen, wem bringt er was? Sicher dem chinesischen Unternehmen, das für den Bau zuständig ist. Was zerstört er, wem schadet er? Wie sieht es tatsächlich aus mit der Entwicklung in Ghana, in Afrika, in der Welt? „Die Entwicklungshilfe ist ein paternalistisches Unternehmen. Wie seinerzeit der Kolonialismus. Sie hat den größten Teil Afrikas zerstört. Bangladesch ächzt unter der Last ihrer Gaben.“, schreibt Arundhati Roy. Der Leser bewegt sich auf elementare Fragestellungen zu: Was geht eigentlich vor in unserer Welt? Was ist gut, was ist schlecht? In Indien zwingen Globalisierung und Fortschritt Menschen dazu, ihre Heimat, Kultur und Identität aufzugeben. In Ghana machen es manche freiwillig, weil ihnen von Anfang an beigebracht wird, dass alles andere besser ist als das eigene. Auf einem Flachbildfernseher englische Premier League anzuschauen, das höchste der Gefühle. Auch wenn man selbst nur davon träumen kann, das Land tatsächlich einmal zu besuchen. Ist das der neue Wohlstand, den die Globalisierung überall auf der Welt verbreitet hat? Der selbsternannte Touristenführer schraubt schon mal die Eintrittspreise nach oben, damit er sich zum Frühstück in Zukunft auch importierte Marmelade leisten kann. Selbst tief in der Savanne heißt der Traumberuf auf einmal ‚Businessman‘ – mit Altkleiderspenden aus Europa lässt sich schließlich gutes Geld verdienen.

Müssen alle Bewohner unserer Erde Englisch sprechen und einen Computer bedienen können? Was ist es wirklich, was ich hier in Ghana in meinem Umfeld bewirke und verändere? Ghana ist nicht Indien, ich weiß. Hier würde kaum jemand behaupten, dass sich das Land gerade in einer negativen Entwicklung befindet – im Gegenteil. Dürfen wir also hoffen, dass zumindest dieses Fleckchen Afrikas einmal an „unsere“ Standards heranreicht und die Menschen glücklich damit sind? Ein modernes, gebildetes Volk, das zu seiner Heimat und Kultur steht?

Mit diesem Gedanken habe ich das Buch wie ein Denkarium zur Seite geschoben und war froh, dass der ghanaische Alltag mich gut gelaunt zurück empfangen hat. Was bleibt als Erkenntnis? Nicht alles, was rund ist, sich dreht und unser Leben bestimmt, ist ein Fußball. So verrückt es auch klingen mag ;)

Morgen macht die GGS einen Ausflug nach Accra, unter anderem soll das Regierungsviertel, die Börse und die Shopping Mall besichtigt werden, und da Freitag Africa-Unity-Feiertag ist, werde ich das Wochenende wohl in der Hauptstadt verbringen. Also purer Genuss mal wieder :)

Liebe Grüße ins wärmer werdende Deutschland, bei uns hat mittlerweile die Regenzeit begonnen …

Matze

Einmal Ghana mit allem, bitte!


Ein herzliches Grüß Gott mal wieder nach Deutschland! Wie der eifrige Blogleser sicherlich festgestellt hat, hab ich ja länger nix mehr von mir hören lassen. Dieser bedauernswerte Umstand lässt sich jedoch dadurch erklären, dass Schulferien waren und ich so in allerlei abstrusen Ecken Ghanas mein Unwesen treiben konnte. Dazu vorab ein kurzer Überblick:

Reiseroute: Bole, Wechiau, Wa, Tumu, Gwollu, Gbele, Wenchi, Sunyani, Kumasi, Akim Oda, Winneba, Apam, Mankessim

Nördlichster Punkt: Gwollu, kurz vor der Grenze zu Burkina Faso

Südlichster Punkt: Mankessim, ein Stück östlich von Cape Coast

Transportmittel: Trotro, Taxi, Bus, Lkw, Kleintransporter, Jeep, Motorrad, Fahrrad, Kanu

Sprachen: Twi, Dagaare, Fante, Englisch, Deutsch, Finnisch

Tiere: Ziegen, Schafe, Kühe, Schweine, Esel, Hunde, Katzen, Federvieh, Nilpferde, Krokodile, Affen, Steppenwild, Buschratten, Eidechsen und allerlei Insekten

Fazit: Super Einblick in Land, Leute und Kultur Ghanas

 

Keine Angst, für den erlauchten Kreis derer, die es noch genauer interessiert, werde ich das Ganze natürlich auch wieder in gewohnt ausschweifendem Umfang darlegen:

Los gings am Donnerstag vor zwei Wochen, wo ich mit Peter die meiste Zeit im Fahrtwind diverser Ladeflächen Richtung Norden gestartet bin. Auf halber Strecke in Wenchi hats dann allerdings richtig heftig zu schütten angefangen, dass fast kein Verkehr mehr möglich war, und so sind wir den Tag nur noch bis Bole gekommen, ein kleiner Ort mit einer sehenswerten alten Moschee. Mein Plan war eigentlich, die Woche irgendwie Mole, Wa, Bolgatanga und Tamale zu machen, aber ich hab recht schnell gemerkt, dass der beste Reiseplan hier in Ghana ist, keinen Plan zu haben. In der Früh bzw. Sehr-Früh, um halb vier „morgens“, wollten wir nämlich den einzigen Bus von Bole nach Mole nehmen, aber dann war leider aufgrund des Regens die Straße unpassierbar und die Fahrt abgesagt worden.

So sind wir stattdessen, begleitet vom Sonnenaufgang, nach Wa gefahren und von dort ins sogenannte Wechiau Community Hippo Sanctuary. Feine Sache, das ist ein Projekt von der Dorfgemeinde mit verschiedenen Aktivitäten rund um die Nilpferde im Schwarzen Volta und die Einnahmen werden zugunsten der Ortsentwicklung verwendet, hat auch schon mehrere Tourismuspreise bekommen. Zunächst mal konnte man für die letzten 19 km hin zum Camp Fahrräder mieten, was zwar alles andere als schweißfrei war (der Gerät lässt grüßen), aber so durch die Savanne zu radeln, war schon ein tolles Gefühl – und tat gut, wenigstens mal wieder selbst einen Lenker in der Hand zu haben, das Autofahren in Deutschland vermiss ich schon ein bisschen. Dann ist allerdings mein Reifen geplatzt und wir mussten warten, bis der Guide (auf seinem Motorrad 🙂 ) ein Ersatzfahrrad gebracht hat – was nicht weiter nennenswert gewesen wäre, wenn einem nicht tausende kleine Fliegen in Mund, Ohren, Nase und sonstwo hingeflogen wären. So haben wir kurzerhand mein Moskitonetz am nächsten Baum aufgehängt, mussten dann aber feststellen, dass die Maschen nicht eng genug für die Fliegen waren. Dumm gelaufen 😀

Der Abend im Camp war dafür sehr erholsam, zunächst noch zu den Fischern am Fluss geradelt und dann geduscht, das heißt, Wasser vom Brunnen geholt und rein in die Duschkabine: drei schulterhohe Lehmwände mit Blick in die Savanne, richtig geil. Am nächsten Morgen hieß es Kanusafari: Wir haben zwar leider nur ein Nilpferd als kurz auftauchenden schwarzen Punkt gesehen, waren dafür aber zwei Minuten lang in Burkina Faso, da wir kurz am anderen Ufer ausgestiegen sind und der Volta dort die Grenze bildet.

Anschließend ging es wieder zurück nach Wa, wo wir noch andere Volunteers zum Teil aus Kumasi getroffen haben. Sind einfach überall, diese Obrunis 😉 Danach musste Peter wieder zurück nach Kumasi und ich hab mich entschieden, nicht wie der letzte Pauschaltourist weiterzuhetzen, sondern lieber einen kleinen Intensivkurs Upper West einzulegen, nachdem mein Reiseführer (der übrigens wirklich super ist) die Region sehr vielversprechend beschrieben hatte:

„The most remote and little-visited of Ghana’s administrative regions, the Upper West boasts little in the way of formal tourist development, though in the right frame of mind this absence is amply compensated for by a timeless frontier atmosphere and deep sense of removal from the rest of modern Ghana.”

In der Tat, es war eine absolut spannende Zeit dort, geprägt von Natur, Kultur und Tradition. Trotrofahrten durch scheinbar endlose Savannenlandschaften. Vereinzelt kleine Dörfer, in denen die Frauen noch Wasser vom Brunnen holen, die Männer ursprüngliches Handwerk betreiben und Jung und Alt unterm Mangobaum zusammensitzt. Einige Lehmhütten, die sich bescheiden um die Moschee gruppieren. Kaum Verkehr, ein paar Motorräder und Eselfuhrwerke. Sengende Hitze, wenn man sich nicht gerade im staubigen Fahrtwind fröhlich zusammengequetscht auf irgendwelchen Pickup-Ladeflächen befindet. Langbärtige Muslime in traditionellen Gewändern, die einem freundlich zunicken. Ein krähender Hahn zum Gesang des Muhidzins, ein paar spielende Kinder. Alles in allem ein beschaulicher und sanfter Gang der Dinge – ein Stückchen näher an Deutschland, und doch weit, weit weg.

Ich hab mir zunächst mal Wa angeschaut, die Hauptstadt Upper Wests, in der es vor allem bedeutende alte Lehmgebäude und Moscheen zu sehen gab. War auch mal interessant, weil die Stadt so insgesamt schon einen richtig arabischen Eindruck gemacht hat. Und ich muss sagen, ich empfinde den Islam hier richtig angenehm, die Muslime sind freundlich, bescheiden, nehmen ihren Glauben ernst, aber tragen ihn nicht so aggressiv nach außen wie mancherorts in arabischen Ländern. Dagegen macht das Christentum im Süden zum Teil einen ziemlich künstlichen und kitschigen Eindruck auf mich, mit großen Jesus-liebt-mich-Sprüchen überall, glitzernden Plastik-Rosenkränzen, lauter Musik und wildem Getanze.

Von Wa aus gings weiter in den Norden Richtung Tumu, nachdem ich zuvor noch einen neuen persönlichen Highscore aufgestellt hatte: Vierzehn Mangos für 20 Pesewas, also nicht mal 10 Cent. Von dort wars noch ein kurzer Weg nach Gwollu, wo es vor allem die Reste einer alten Mauer zu bestaunen gab, die die Dorfbewohner vor ein bis zwei Jahrhunderten als Schutz gegen die Versklavung erbaut hatten. Dazu musste man aber erstmal den Chief um Erlaubnis fragen und eine kleine Spende machen (ich hatte zum Glück noch eine Packung Kekse dabei). Das war einerseits sehr bewegend, weil der Chief fast ein bisschen zeitzeugenmäßig über die Zeit der Sklaverei erzählt hat, aber andererseits dachte ich mir, besser wäre es, das Dorf würde von der Touristenattraktion profitieren und nicht nur der, der eh schon der Wohlhabendste im Ort ist. Darüber hinaus hatte Gwollu auch noch den angeblich größten Affenbrotbaum in Upper West (ich hab bisher auch noch keinen größeren gesehen) sowie einen Teich mit freilebenden Krokodilen zu bieten, welche vielerorts im Norden Ghanas als heilige Tiere angesehen werden.

Im Gegensatz zur ersten Reise hatte ich diesmal ein Zelt dabei, womit ich die Nacht kostenlos in einer sehr schönen Gästehausanlage in Tumu schlafen durfte, also die Leute dort waren zum Teil echt unglaublich freundlich und hilfsbereit. Die letzte Station im Norden war dann noch ein kleiner Naturschutzpark (Gbele Resource Reserve) auf dem Weg zurück nach Wa, wo ich einen ziemlich gechillten Tag verbracht habe. Das war schon witzig irgendwie, ich kam so gegen Mittag dort an, da saßen in dem Camp fünf oder sechs Männer rum, Guides und was noch alles, haben bisschen Radio gehört, sich was zu essen gemacht oder geschlafen, und zwei davon haben dann am Nachmittag eine Tour durch den Park mit mir gemacht. Schon ein ganz guter Job eigentlich, alle paar Tage mal einen Besucher rumführen und sonst dem Anschein nach nicht so sonderlich viel. Wir haben ein paar Paviane und Buschwild gesehen, allerdings nur von weitem, die Tiere dort waren naturgemäß wahnsinnig scheu. Ist zwar einerseits ein bisschen schade, dass ich hier bis auf die Krokodile noch nichts so wirklich gut gesehen habe, aber andererseits auch ein cooler Gedanke, dass das eben kein Zoo ist, wo man die Tiere aus zwei Metern durch Gitterstäbe betrachten kann, sondern die freie Wildbahn mitten in Afrika.

Der Weg zurück Richtung Kumasi hat deutlich mehr Zeit gekostet, als ich gedacht hatte, sodass ich letztendlich vorzeitig in Wenchi aus dem Trotro raus bin, um wenigstens noch das Ende von Real gegen Bayern zu sehen. Und es hat sich gelohnt: Ich kam etwa zur 60. Minute in so eine Art Hotelwohnzimmer, wo sieben ältere Männer das Spiel angeschaut haben. Statt dem Kommentar lief irgendein Kulturradiosender aus der Elfenbeinküste oder Burkina Faso, das heißt, zum Elfmeterschießen kamen sanfte afrikanisch-französische Chansons, was irgendwie eine ganz skurrile Stimmung erzeugt hat. Also ich werd das Spiel auf jeden Fall in Erinnerung behalten. Und ich freu mich natürlich schon aufs Finale, das ich dann wieder auf Großbildleinwand in Tanoso anschauen werde (mit passendem Kommentar und Halbzeitanalyse durch Sammy Kuffour und Bradley Carnell). Übrigens, Huber, Vale, Felix und Co., zu eurer Freude kann ich sagen, dass ich mich hier eh meistens als Bayernfan ausgebe, das ist in der Regel etwas unkomplizierter, als das mit FCA zu erklären.

Am Donnerstag auf dem Heimweg war ich dann auch noch in Sunyani, was mir gezeigt hat, dass Markt und Zentrum einer größeren Stadt nicht immer so hektisch und überfüllt sein müssen wie in Kumasi. Tatsächlich war ich jetzt ja schon an einigen Orten Ghanas, und bis jetzt war nirgendwo so ein Getümmel und Drunter und Drüber wie hier in Kumasi, also das ist denke ich schon einzigartig. Trotzdem ist die Straße von Denkyemuoso ins Zentrum interessanterweise mit die schlechteste, die ich hier bisher erlebt habe.

Nach einem Tag Pause zuhause ging es am Samstagmorgen schon wieder weiter in die Nähe von Akim Oda, wo die Beerdigung des Vaters von Milli, unserer Sekretärin, stattfand, für die ich mit noch drei anderen Lehrern die Delegation unserer Schule bildete. Dazu kann man sagen, dass eine Beerdigung hier in manchen Aspekten einer Beerdigung bei uns sehr nahe kommt und in anderen gar nicht. Die Gäste tragen alle schwarz, nahe Familienangehörige auch rot, darauf wird genauso viel Wert gelegt wie bei uns. Viel dreht sich ums Geld, ein prunkvoller Sarg muss gekauft und die Spesen bezahlt werden. Was ich allerdings schrecklich fand, es wurde laut übers Mikrofon verkündet, wie viel genau jeder Gast gespendet hatte, wofür dann von den Angehörigen im Gegenzug auch noch Spendenquittungen ausgestellt wurden. Auf dem Dorfplatz kamen alle zusammen, es wurde lautstark Musik gespielt, fröhlich getanzt und ausgelassen gefeiert. Naja, daran will ich nichts kritisieren, das ist eben eine andere Kultur und Tradition, wo mit manchen Dingen anders umgegangen wird, aber ich für meinen Teil kann mich dann doch eher mit etwas mehr Ernsthaftigkeit wie in Deutschland identifizieren. Allerdings wurde ich unter lautstarkem Jubel mit in den Trubel hineinbeordert, was dann ganz witzig war, weil die meisten Ghanaer dort genauso scheiße getanzt haben wie ich. Zum Teil sind sogar alte Omas auf der Tanzfläche richtig abgegangen, ziemlich verrückt. Zwei ältere Männer, die dem Anschein nach nicht zur Beerdigungsgesellschaft gehört haben, sind auch noch ziemlich wirr mit rumgelaufen und haben irgendwelche Selbstgespräche geführt, also das war alles in allem eine recht kuriose Veranstaltung. Verwunderlich fand ich auch, dass der Todestag bereits im Februar dieses Jahres war, und ich frag mich, wo der Leichnam solange aufbewahrt wurde. Aber vielleicht finden Beerdigungen hier ja eher als eine Art Abschluss der Trauerzeit statt (kurz: Beerdigung = Beendigung), ein paar Monate nach dem Tod, was die fröhliche Feier erklären würde. Hätte ich mal frage müssen.

Am nächsten Tag wollte ich eigentlich weiterreisen, aber weil Sonntag war, lag der Verkehr im Ort mehr oder weniger still. So war ich den ganzen Tag in dem Dorf, hab bei einer Freundin von Milli gewohnt und richtig mit den Einheimischen zusammen gelebt, Fufu gegessen, Wasser geholt und Verwandte im Dorf besucht, auch mal eine ganz interessante Erfahrung. Die Leute dort waren alle wahnsinnig gastfreundlich und haben sich ständig um mich gekümmert, was aber am Ende fast ein bisschen zu viel war, weil ich ziemlich fertig war und mich gerne einfach nur ein wenig ausgeruht hätte.

Am Montagmorgen bin ich dafür unverzüglich losgestartet Richtung Küste und hab mir erstmal Winneba angeschaut. War ja mein erster Besuch am Meer und richtig gut, ich hab mich echt wie im Urlaub in Italien oder Frankreich gefühlt: Ein kleiner pittoresker Bootshafen mit lebhaftem Fischmarkt, enge, verwundene Gassen, Salzwassergeruch in der Luft und eine laue Seebrise.

Am Nachmittag bin ich weiter in den nächsten Ort Apam, wofür ich mich mal wieder bei meinem Reisehandbuch bedanken muss: Meda ase! Man konnte dort nämlich für umgerechnet 3€ in einem alten Fort schlafen, das 1697 von den Holländern als Militärstützpunkt errichtet worden war (Fort Leydsaamsheid/Fort Patience). Auf einem kleinen Hügel über der Stadt gelegen boten der Wehrgang und mein Zimmer im obersten Stockwerk eine überragende Aussicht auf Ort und Hafen zur einen Seite bzw. offenes Meer zur anderen, was vor allem später während des Sonnenuntergangs die Möglichkeit für super Impressionen und Fotos lieferte. Auf dem Abendspaziergang wurde ich zuvor auch noch auf eine Runde Strandfußball zwischen Seilen und Fischerboten eingeladen, was den Besuch in Apam wirklich perfekt machte – wieder mal ein absoluter Höhepunkt der Zeit hier in Ghana. Cool war auch noch, im Dunkeln mit einer Öllampe bewaffnet vom Burgbrunnen Wasser zu holen und sich damit in einer neu eingebauten Badewanne abzuduschen. Nicht so cool war dagegen, am nächsten Morgen am Badestrand festzustellen, dass selbiger von den Einheimischen als öffentliche Toilette benutzt wird, mit fein säuberlich verteilten Häufchen rundherum.

Über Mankessim ging es schlussendlich zurück nach Kumasi, nachdem es dort noch einen sehr berühmten Schrein (posuban shrine, was auch immer das genau bedeuten mag) zu sehen gab. Konkret handelte es sich dabei um eine Art kleinen Turm mit allerlei lebensgroßen Mensch-, Tier- und Fantasiefiguren in bunten Farben, welche traditionelle Erzählungen und Sagen widergeben sollten – nur zu finden in der Fante-Kultur der Central Region und für Historiker teilweise ein Mysterium, da einige solcher Schreine anscheinend sonderbarste Dinge darstellen. Leider konnte ich die Szenerie nicht so ausführlich betrachten, da recht bald ein sogenannter Caretaker auf mich zukam, der mir eine Führung für absurde 20C und einen kurzen Wikipedia-Infoausdruck für 5C anbot (zum Vergleich: Eintritt, Übernachtung und Guides in Gbele kosteten zusammen 15C) – so wird’s leider nix mit blühendem Tourismus, liebe Ghanaer …

Gäbe noch tausende andere Kleinigkeiten zu erzählen, die das Leben hier so besonders und erlebnisreich machen, wie zum Beispiel, dass der Trotrofahrer auf dem Weg nach Kumasi plötzlich anhält und einem Jungen eine frisch erlegte Buschratte abkauft, die dann während der Fahrt neben dem Bremspedal deponiert wird, oder dass ein Ghanaer in Bole einen plötzlich in fast perfektem Deutsch anspricht und zu einem Bierchen einlädt. Aber ich denke, es ist an der Zeit, einen Punkt zu setzen: . Ich war unterwegs als Tourist, Abenteurer, Gast, Freund und Fremder, im hohen Norden und tiefen Süden, in allerlei Kulturen und Landschaftsräumen, unter exotischen Pflanzen und wilden Tieren, habe in einer Burg geschlafen und per Kanu Burkina Faso besucht, Durchfall erfolgreich mit Fufu bekämpft und unterm Strich an sieben von zehn Tagen kein fließendes Wasser gehabt, das muss reichen, um zufrieden etwas ruhigeren Zeiten in Denkyemuoso entgegenzustreben.

Nur eine Sache noch zu guter Letzt: Ich hab mir ja vor etwa zwei Wochen die Haare ratzekurz schneiden lassen, weiß nicht, ob sich das schon rumgesprochen hat. Ums kurz zu machen: Ich bin doch eher froh, dass Haare nachwachsen, aber die Leute hier freuen sich glaub ich echt, dass ich mir ne afrikanische Frisur hab machen lassen, und das ist ja die Hauptsache.

Ich hätte so viele interessante Fotos, ob nun ein Ausblick vom Moscheeturm in Wa, Fort Patience im Sonnenuntergang, ein frisch abgetrennter Stierkopf aufm Fleischmarkt oder meine neue Frisur, wobei die beiden letzteren wirklich eklig sind ;), aber ich hab leider grad ständig Viren vom Internetcafé auf meinem Stick und irgendwie funktioniert grad alles nicht so toll. Ich hoff, ich kriegs irgendwann mal hin, aber momentan bin ich froh, dass wenigstens das mit dem Bericht hier klappt, und mit unbekannten Fotos im Gepäck freut ihr euch vielleicht wenigstens ein bisschen auf meine Rückkehr 🙂 Nur noch vier Monate, ich hab schon Angst, ich schaff gar nicht mehr alles, was ich mir hier vorgenommen hab.

Also bis bald,

in treuster Verbundenheit und mit Tränen im Herzen, die eure Ferne beweinen, voll zärtlicher Gedanken an die liebliche Heimat und erfüllt von einer tiefen Sehnsucht, die von keiner ach so großen Freude hier ausgelöscht werden kann … Laaangweilig!

Liebe Grüße an alle zukünftigen Championsleague-Sieger und Europameister,

Matze

Im Westen viel Neues


Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. Unter diesem Motto ging es für mich über Ostern in den Westen – fünf Tage geprägt von richtig guten Erlebnissen.
Es ging munter los am Karfreitag – der Herr möge es mir verzeihen – wo ich im Städtchen Wenchi Quartier schlug. Die meiste Zeit dort verbrachte ich allerdings auf der Suche nach selbigem, da die zwei billigeren Hotels aus meinem Reisehandbuch beide ausgebucht waren. So stand ich am Ende vor einer recht teuren Lodge (das heißt 45 Cedi (22€) für ein Zimmer, aber das sind hier halt dreißig Abendessen oder eine Trotrofahrt durch ganz Ghana und zurück) und hab schon mal die dümmsten Alternativen durchgedacht. Die Leute in der Lodge waren dann aber supernett, haben mir erstmal frische Mangos serviert und dann zu einem vierten Hotel gebracht und dort den Preis für mich auf 30C runtergehandelt. So viel Hilfsbereitschaft, ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten, ist zwar auch hier in Ghana eher selten, aber doch häufiger als bei uns, denke ich. Glück im Unglück, Fazit: Vorher buchen oder Zelt kaufen.
Von der übrigen Zeit ging dann nochmal einiges beim verzweifelten und letztendlich erfolglosen Versuch drauf, im Internetcafé ein sechzehnsekündiges Video hochzuladen. Ansonsten hatte Wenchi schon mal viel davon zu bieten, was den Norden Ghanas vom Süden unterscheidet: Mehr Moscheen, mehr Fahrräder, mehr Kühe, und ich denke eine andere Lebensweise; einfacher, traditioneller und bescheidener. In Erinnerung bleibt mir ein Moment abends auf einem kleinen Platz – in der Mitte fußballspielende Kinder, drumherum eine Moschee, ein Ziegenstall, Palmen, darunter Großmütter mit Enkeln beim Kochen und Frauen mit Babys in traditionellen Gewändern beim Wasserholen, dazu der Gesang des Muhidzins – und ich konnte einfach nur ungestört dastehen und genießen und mich am Ende kurz und schmerzlos mit den Leuten unterhalten. Um neun im Hotelzimmer klopfts plötzlich an der Tür, ich mach vorsichtig auf und es kommt ein Typ rein, der mir nur seine Visitenkarte gegeben hat und gemeint hat, sie kümmern sich darum, dass es Fremden in Wenchi gut geht, bei Problemen soll ich ihn einfach anrufen, und ist wieder gegangen. Dubios, aber dabei ist es dann auch geblieben.
Samstagmorgen gings weiter in den Bui-Nationalpark, das ursprüngliche Hauptziel meiner Reise. Dort haben mich zwei Geschäftsleute aus den USA bzw. Indien auf ihrem Pickup mit durch den Park genommen, ein ziemlicher Glücksfall. Die angepriesenen Nilpferde im Volta haben wir zwar nicht gesehen, dafür aber eine artenreiche Savannenlandschaft, traditionelle Fischer und den Staudamm, der dort gerade von einer chinesischen Firma gebaut wird und ab nächstem Jahr zwanzig Prozent des Energieverbrauchs Ghanas liefern wird, sehr beeindruckend. Leider wird der Stausee große Teile des Parks fluten und wohl die Nilpferde vertreiben. So hat auch diese Seite zwei Medaillen (Rudi Völler, glaub ich). Auf einem nahegelegenen Hügel, von dem aus man in schier endlose Weiten blicken konnte, hab ich mir den Sonnenuntergang angeschaut und gedacht, besser gehts eigentlich nicht – doch zu früh gefreut, am Montag kams noch doller.
Zunächst bin ich jedoch am nächsten Morgen mit dem Parkguide hinten aufm Moped ins nächste Dorf gefahren, Banda Nkwanta, wo ich aufs Dach einer sehr bekannten alten Moschee in Lehmbauweise steigen durfte. Unterwegs wurden wir von einem Polizisten angehalten, der recht humorlos meine Tasche und Kamera durchschaute, wohl bezüglich diskreten Informationen über den Damm, aber bis zu den Fotos ist er zum Glück nicht vorgestoßen. Wir haben zwar alles mit offizieller Führung durch einen der Ingenieure gemacht, aber hätte womöglich trotzdem Probleme gegeben. Man kommt sich schon immer ein bisschen vor wie in einem schlechten Film, weil die Polizisten hier alle mit schweren Geräten auf dem Rücken rumlaufen, aber bis auf den einen waren bis jetzt alle recht freundlich. Die zweite Station des Tages war dann Kintampo, wo es zum einen den offiziellen Mittelpunkt Ghanas (laut dortiger Inschrift zugleich das Zentrum des Universums) und zum anderen sehr berühmte Wasserfälle zu bestaunen gab, unter denen man sich erfrischend abduschen konnte, auch wenn mein halbnackter Obruni-Astralkörper leider eine ziemliche Attraktion darstellte 😉
Das unerwartete Highlight der Reise kam dann wie gesagt am Ostermontag. Nachdem ich zwischenzeitig pleite war und das Geldabheben einige Zeit und Umwege gekostet hatte, wollte ich eigentlich nur noch kurz im als sehr schön beschriebenen Benediktinerkloster Kristo Buase nahe Techiman vorbeischauen. Sehr schön war dann allerdings so dermaßen untertrieben, dass ich spontan noch eine Nacht dort dranhängte. Das Kloster lag, durch schattige Obstwälder und wilde Feuchtsavanne abgeschieden vom Rest der Welt, zwischen canyonartigen Felsen und prächtigen Gärten – ein Paradies auf Erden, eine Oase der Ruhe. Oder, ums etwas zeitgemäßer und dennoch religionsnah auszudrücken: Holy shit, göttliche Scheiße! Die Felsen boten eine noch herrlichere Aussicht als der Hügel in Bui, die Natur war noch vielseitiger und in den Klostergärten konnte man zum Beispiel reife Sternfrucht vom Baum pflücken und essen. Auch als Kurzzeitbesucher wurde ich gleich eingegliedert in das Leben der Mönche, unter denen auch zwei Weiße aus Schottland waren. Das heißt alle paar Stunden gemeinsames Gebet, Andacht oder Gottesdienst, was ich für den einen Tag als wirklich gute und einzigartige Erfahrung aufgenommen habe – hätte ich nicht gedacht, aber nach einem komischen Gefühl am Anfang hab ich das Beten und Singen am Ende eigentlich als relativ angenehm empfunden. Und ich hab fernab der Heimat doch noch auf ganz eigene Weise Ostern gefeiert.
Keine Angst, der eine Tag hat mir schon gereicht; soweit ich jetzt sehen kann, würde ich nie ein Leben lang ins Kloster gehen. Aber ich denke, die Zeit hier in Ghana hat mir die Selbstständigkeit und Offenheit gebracht, neue und ungewöhnliche Dinge einfach mal auszuprobieren – ins Kloster zu gehen, alleine durch ein fremdes Land zu reisen ohne einen festen Plan in der Tasche, jedes noch so seltsame Essen zumindest zu probieren, neue Kulturen kennenzulernen (ghanaisch-amerikanisch-indisch-schottisch-deutsch in fünf Tagen), sich womöglich bald die Haare radikal abschneiden zu lassen und so weiter, und dafür bin ich schon jetzt dankbar. Denn wer kann schon von sich sagen, einen Tag in einem afrikanischen Kloster gelebt zu haben.
Aus Kristo Buase in den örtlichen Trubel zurückzukehren, war dann fast so, wie aus einem Traum aufzuwachen. Plötzlich wieder hupende Autos, laute Musik, aufdringliche Verkäufer, enge, schmutzige Gassen, Obruni-Zurufe von allen Seiten – aber letztendlich eben die Rückkehr in den ghanaischen Alltag, den ich hier zu schätzen und lieben gelernt habe, und der – auch wenn man es sich manchmal erst wieder neu bewusst machen muss – einfach immer noch die größte Faszination von allem ist.
Ein sehr sonderbares Déjà-vu ganz zum Schluss bot die Ankunft in Denkyemuoso: Stromausfall, das ganze Dorf stockdunkel, überall unklare Gestalten, ich selbst verschwitzt, müde, hungrig und erschöpft von einer langen Reise, aber glücklich, angekommen zu sein – genau wie in der allerersten Nacht hier.
Viele von euch werden sich wahrscheinlich fragen, warum ich hier so viel alleine unternehme. Es wäre sicherlich etwas anderes, zu zweit oder in einer Gruppe zu reisen – vielleicht manchmal angenehmer, einfacher, ausgelassener, und ich glaube, nicht viele würden es so machen wie ich. Aber wenn ich so von den Shopping-, Strand- und Partyurlauben anderer Volunteers höre, denke ich mir, das ist nicht das, wofür ich persönlich nach Ghana gekommen bin. Ich freue mich jetzt schon wieder ein klein wenig auf gemeinsame Abende mit euch zurück in Deutschland und ich werde auch hier sicherlich nicht als Eremit leben, aber ich denke, ab und zu bietet das eigenständige Reisen doch die besten Möglichkeiten, seine Wünsche zu erfüllen. Suum cuique, wie der alte Lateiner zu sagen pflegt. Und so ganz alleine ist man hier eh nie, egal ob man nun ghanaische Touristenhelfer, indische Geschäftsleute oder schottische Mönche um sich hat.
Genug der Worte, liebe Grüße nach Deutschland, viel Spaß, Glück und Erfolg bei was auch immer ihr gerade macht und vorhabt! Ich hoffe, ihr hattet schöne Osterfeiertage, habt alle Eier gefunden und euch gehts genauso gut wie mir! Meine Ferien gehen jetzt eigentlich erst richtig los, mal sehen, wohin mich meine neu gewonnene Abenteuerlust treibt 😉
Machts gut,
Matze

PS: Noch eine Anmerkung zum letzten Bericht: Ich hoffe, es kam nicht so rüber, als wäre ich hier in Denkyemuoso am Verzweifeln und würde am liebsten zurückwollen – im Gegenteil. Natürlich sind manche Sachen anders und schwierig für mich, aber mein Wunsch und Ziel war und ist es immer noch, Afrika so kennenzulernen, wie es wirklich ist, und genau das tue ich gerade. Ich bin ja nicht hierher gekommen, um das Paradies auf Erden zu finden (auch wenn mir das in Kristo Buase zufällig geglückt ist), sondern um den Alltag zu erleben und mich Problemen zu stellen. Deswegen finde ich es auch weiterhin einfach nur fantastisch, dass ich in dem, was lange Zeit so fern schien, jetzt doch mittendrin bin. Ein Alltag voller Erfahrungen und Reisen voller Erlebnisse, was will man mehr.

So, das war der Bericht, wie ich ihn eigentlich gestern hochladen wollte. Blöderweise kam dann noch ein kurzer Krankenhausbesuch dazwischen (Verdacht auf Malaria und ich nehm jetzt auch die Medikamente, aber so ganz glauben kann ichs eigentlich nicht, dafür fühl ich mich zu gut). Alles halb so wild, muss man auch mal erlebt haben.
Also nochmal schöne Grüße und bis bald 🙂

Gedankenspiele


Hallo Leute,
schon mehr als einen Monat bin ich jetzt hier in Denkyemuoso. Die Zeit bisher ist einfach nur wahnsinnig schnell vergangen, weil ich in den ersten Wochen hier so viel Neues, Interessantes und Aufregendes gesehen hab, aber wenn unter der Woche morgens der Wecker klingelt, fühlt sich der Alltag doch schon fast so normal an wie zuhause in Deutschland.
Das Unterrichten in der Grundschule ist in letzter Zeit leider vor allem von ernüchternden Erkenntnissen geprägt:
Zum ersten hab ichs jetzt leider auch erlebt, dass Schüler richtig geschlagen wurden. Das war zum Beispiel, als mehrere Leute ziemlich zu spät kamen, oder als die Schüler Wörter in Englisch buchstabieren sollten und nicht konnten, da bekam dann jeder „Schuldige“ einige recht heftige Hiebe auf Rücken oder Schultern. Die Schüler waren zwar beim Buchstabieren echt erschreckend schlecht (dazu gleich mehr), aber gerade da denk ich nicht, dass man mit der Rute viel bewirken kann. Das Ziel sollte ja eigentlich sein, den Schülern beizubringen, dass Lernen extrem wichtig ist, aber auch Spaß machen kann, und so verkommt es zu stupider Zwangsarbeit. Ich hab nicht das Gefühl, dass das Geschlagenwerden die Schüler besonders fertig macht oder verstört, das ist hier eher wie bei uns eine strenge Ermahnung, sie schauen kurz betroffen und machen dann weiter Blödsinn. Aber gerade darin liegt ja eigentlich das Problem, dass Schlagen und Geschlagenwerden hier eben als etwas Natürliches gesehen werden und so von Generation zu Generation weitergetragen werden. Deswegen hoff ich, dass ich der Lehrerin, aber besonders auch den Kindern zumindest ein wenig zeigen kann, dass man mit anderen Methoden als Schlagen mehr Spaß und Erfolg haben kann.
Das zweite Problem ist, dass die Schüler zum Großteil einfach kein Englisch können. Am Anfang dachte ich ja noch, vielleicht liegts an meiner Aussprache, vielleicht müssen sie sich erstmal an den neuen Unterricht gewöhnen und sind noch etwas zurückhaltend und unsicher. Letztendlich musste ich aber leider feststellen, dass sie, auch wenn ich einfachste Aufgaben eins zu eins aus dem Buch an die Tafel schreib (Look at the bar graph: What is the smallest mass? What is the greatest mass?, so in der Art) größtenteils nicht wissen, was sie machen sollen, geschweige denn, dass jemand einen korrekten Antwortsatz auf Englisch schreiben könnte. Bei der erwähnten Buchstabierübung hats eben auch zehn erfolglose Ansätze gebraucht, bis der elfte Schüler mal ‚money‘ oder ein Wort in der Art richtig buchstabiert hat. Letztens bei einer Übung in Mathe hat ein Schüler schon drei Versuche benötigt, bis er mal seinen Namen richtig an die Tafel geschrieben hatte. Und das ist halt schon deprimierend irgendwie, den Unterricht zu halten und zu wissen, dass einem vielleicht fünf von vierzig Schülern so richtig folgen können. Für das Leben hier brauchen die Schüler zwar eigentlich kein Englisch, muss man dazusagen, weil sich die Leute im Alltag eh auf Twi unterhalten, aber trotzdem: Die Schulbücher, Zeitungen, Fernsehsendungen usw. sind auf Englisch und die Schüler, die die Schule hier besuchen, sollen ja eigentlich später mal nen besseren Beruf erlernen können, wozu Englisch einfach grundlegend ist. Da find ichs dann schon hart, wenn in einer sechsten Klasse in einem Land mit Amtssprache Englisch kaum jemand richtig Englisch kann.
Der dritte Punkt ist, dass ich doch immer mehr ins Nachdenken komme (verbunden mit Entsetzen und Enttäuschung), je mehr ich die Unterrichtsmethoden und Kompetenzen der Klassenlehrerin so miterlebe. Nächste Woche stehen hier die Zwischenprüfungen an und ich sollte mal die Matheaufgaben durchschauen, da musste ich dann erstmal die Netze von Würfel und Kegel richtig hinzeichnen. Die letzten Stunden bestanden aus einer „Revision“ für die Exams, welche folgendermaßen aussah: Die Lehrerin hat sich vorne hingesetzt, die Prüfungsbögen ausgepackt und schonmal eins zu eins die Fragen vorgelesen und beantworten lassen, die dann nächste Woche in den Prüfungen drankommen. Das war umso erstaunlicher, da es sich eigentlich hauptsächlich um Multiple-Choice-Fragen einfachster Art handelte, z.B. in Kunst: Which colour do you get, if you mix red and yellow? – a) grey b) pink c) orange d) green. Der dritte Schüler, der aufgerufen wurde, wusste dann immerhin die richtige Antwort. Also da saß ich hinten drin und hab mir nur gedacht, das kann doch echt nicht wahr sein. Die kleinen Kindergartenkinder hier sind zum Teil richtig clever und selbstständiger als bei uns, das macht einen wirklich bedrückt, wenn man sieht, wie sehr dann in der Schule durch Eintrichtern und Auswendiglernen Potenzial kaputt gemacht wird in einem Land, das gute Ingenieure und Wissenschaftler bitter nötig hätte.
So bin ich insgesamt grad ziemlich hin- und hergerissen, was das Unterrichten in der Grundschule betrifft. Einerseits denk ich mir, was hat es für einen Sinn, wenn ich vorne steh und rede und keiner versteht mich, und die Lehrerin sitzt hinten drin und schaut zu. Wärs nicht besser, irgendwo anders zu helfen? Andererseits denk ich mir, bei der Lehrerin lernen vierzig Leute irgendwas auswendig, ohne dass einer danach irgendwas davon anwenden oder weiterführen könnte, bekommen falsche geometrische Formen vorgesetzt und werden geschlagen, wenn sie etwas nicht wissen. Da ist es vielleicht dann doch besser, wenn ich zumindest einem Teil der Schüler mehr Eigeninitiative und Selbstständigkeit antrainieren und den guten Schülern, die es ohne Zweifel gibt, wirklich etwas beibringen kann. Positiv kann ich vermerken, dass ich mittlerweile so ziemlich alle Namen kann, und ich glaub, einige Schüler schätzen das auch schon, dass sie jetzt mal einen anderen Unterricht bekommen. Am Montagmorgen hab ich mal etwas bisschen Religiös-Besinnlicheres probiert, bin mit den Schülern rausgegangen, wir haben uns im Kreis um einen Baum aufgestellt, mal für einen Moment die Augen geschlossen und ich hab eine Schülerin ein Stück Brot an alle verteilen lassen. Ich hab mir gedacht, dass die mal bisschen zur Ruhe kommen, sich nicht ständig angehen und es mal nicht um Lernen und Gehorsam geht. Am Ende wollte ich gemeinsam ein kurzes Gebet sprechen, da ist mir dann leider die Lehrerin zuvorgekommen und hat einen Schüler strammstehen und vorbeten lassen, fand ich nicht so toll. Naja, insgesamt glaub ich, die meisten wussten noch nicht so recht, wie sie das aufnehmen sollen, aber vielleicht versuch ichs in Zukunft nochmal wieder.
Für meine Deutschkurse musste ich die Woche Examensprüfungen zusammenstellen und ich muss sagen, das hat mir ziemlich Spaß gemacht, sich passende Fragen und Aufgaben zu überlegen. Es sind zwar in jedem Kurs nur ein paar Schüler, die den Unterricht wirklich ernst nehmen, die anderen erscheinen meistens gar nicht zu den Stunden am Nachmittag, aber vielleicht ändert sich das ja nach einigen vernichtenden Nullingern in den Prüfungen ;)
Ansonsten zum Schulleben: Letzte Woche war so eine Art Jugend-debattiert-Wettbewerb an unserer Schule, zwei Vertreter von uns gegen zwei von einer Nachbarschule. War eine recht interessante Veranstaltung, es war sogar irgendein Parlamentsabgeordneter zu Gast. Unserer zwei Sprecher haben gewonnen und danach gings ordentlich ab in der Halle, ein paar Lehrer mittendrin im Geschehen.
Außerdem hab ich mal den sonntäglichen Schulgottesdienst besucht, was dadurch ganz interessant war, dass ein Schüler anstelle des nicht erschienen Pfarrers die Messe hielt und Schüler aller möglichen Glaubensrichtungen anwesend waren. Hab leider vom Twi nicht so viel verstanden, aber ab und zu werd mich wohl mal wieder dazugesellen. Über die Rolle von Glauben und Religion hier schreib ich wenn dann mal an eigener Stelle.
Das absolute Highlight der letzten Tage war zweifellos ein Besuch im Owabi Wildlife Sanctuary letztes Wochenende. So ein kleines Naturreservoir mit Stausee, Urwald und viel Ruhe nicht weit von uns entfernt. Wir sind zu dritt hingefahren mit noch einem Volunteer aus Tanoso und haben eine Nacht dort wunderbar gezeltet. Ein Führer hat uns durch die Landschaft um den Stausee geführt, durch Dschungel, Bambus, Bananenplantagen, Wiesen und Sümpfe, meist mit einem einzigartigen Vogelgezwitscher und interessanten Düften um uns herum. Am beeindruckendsten fand ich, auf so großen Rohren, durch die Kumasi mit Wasser versorgt wird, über eine riesige Fläche voll mit Farnen zu laufen, eingebettet zwischen Urwald und Stausee, und wie an einer Schnur durch die Ungewissheit dieser Abenteuerlandschaft gezogen zu werden. Am Abend hab ich mich dann noch allein auf den Staudamm gesetzt (aufgemerkt, jetzt wird’s noch poetischer), der See hat im Dunkeln magisch geglitzert und eine wohltuende Brise hat mir ins Gesicht geblasen, begleitet vom Zirpen der Grillen, Quaken der Frösche und Rauschen des Wasserfalls. Auf den Tag genau ein Monat nach meiner Ankunft in Ghana war vergangen. Ich hab an Zuhause gedacht, an die liebe Familie und an diejenigen von euch, die sich zu gleicher Zeit auf Jans Feier vergnügt haben. Aber ich hab mir auch gedacht, die Zeit hier vergeht so schnell, was sind schon ein paar verpasste Feiern im Vergleich zu dem Ort, an dem ich mich gerade befinde. Und ich war richtig froh, den Schritt hierher gewagt zu haben. Auch deshalb, weil ich gemerkt hab, dass ich meine Familie, Verwandten und Freunde noch mehr schätze, seit ich sie vermisse.
Abrupter Bruch, zurück zum Alltag:
Was ich schon länger mal erwähnen wollte, weil es mich hier schon sehr beschäftigt, ist die Verschmutzung und Zerstörung von Natur und Umwelt, wie sie hier, wenn man sich nicht gerade in Owabi befindet, allgegenwärtig ist. Allein im unmittelbaren Umkreis der Schule gibts einen kleineren und einen richtig großen Berg aus Plastikmüll und sonstigem Unrat, die in regelmäßigen Abständen einfach abgefackelt werden. Auch sonst ist die Landschaft in der Regel mehr oder weniger übersät mit Müll, vor allem mit den kleinen schwarzen Tüten, die man bei jedem Einkauf bekommt, und mit den durchsichtigen Tüten, in denens das Trinkwasser gibt. Auch Batterien, Rasierklingen, alte Medikamente und sowas werden einfach irgendwo ins Gebüsch oder in die Wiese geworfen. Spül- und Waschwasser werden an Ort und Stelle ausgekippt, sodass sich auf oder neben den Sandstraßen überall kleinere und größere Rinnen gebildet haben, in denen dann zum Teil richtig ekliges giftgrünes Schmutzwasser zusammen mit allerlei rumschwimmendem Abfall in die nächste Senke fließt. Von dem Dreck und Müll, der rumliegt, ernähren sich die Ziegen, Hühner und anderen Tiere auf der Straße, von denen man dann (ich versuchs nicht zu oft zu tun) Fleisch und Eier isst, keine so tolle Vorstellung. Wenn nicht das Bread and Egg so unglaublich lecker wäre …
Das Problem ist, dass ich nicht weiß, wie ich es groß anders machen kann als die Leute hier. Ich schütt mein Seifenwasser in die Dusche in der Hoffnung, dass es so in irgendeine Kläranlage kommt, aber so sicher bin ich mir da auch nicht. Zur Müllentsorgung bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als die Müllberge zu vergrößern, weil man auf Fragen, wo man denn seinen Müll sonst hinbringen kann, keine andere Antwort bekommt. Die Leute lachen schon immer, wenn ich wieder mit meiner Stofftasche zum Einkaufen ins Dorf lauf. Wenn man sagt, man möchte keine Plastiktüte, oder auch das Ganze noch durch Gestik und Mimik untermalt, schauen einen die Verkäufer meist an wie einen Wahnsinnigen, auch die, bei denen man glauben könnte, sie haben zumindest den Inhalt der Bitte verstanden. Ich reiß ihnen dann manchmal einfach freundlich das Zeug aus der Hand und stecks in meine Tasche, das begrüßen sie dann in der Regel doch, denk ich (sparen sich ja auch ne Tüte) . Das ist echt schlimm, dass die Leute hier größtenteils überhaupt kein Bewusstsein für Umweltschutz haben. Man bekommt zum Teil alles einzeln und dreimal verpackt (in einem Pack Klopapier ist zum Beispiel jede Rolle nochmal einzeln eingeschweißt), Margarine und Tomatenmark gibts (nicht nur, aber auch) in winzigen 50g(oder so)-Schachteln bzw. -Dosen, statt wechselbaren Klingen gibt’s vor allem Einwegrasierer, und wenn die Berufsschüler zum Duschen gehen (der Waschraum ist gleich neben unseren Zimmern), hört sich das meistens nach fröhlicher Schaumparty an.
Positiv ist, dass zumindest Gläser und Dosen eigentlich kaum weggeschmissen werden, sondern als Aufbewahrungsbehälter oder so aufgehoben werden. Außerdem muss man natürlich sagen, dass ein Einkauf auf dem Markt hier immer noch deutlich weniger Müll produziert als ein Einkauf bei uns im Supermarkt. Zum Wäschewaschen, Körperwaschen und Spülen gibts halt zum Beispiel normalerweise ein Stück Seife und nicht tausend verschiedene Behälter Wasch-, Dusch und Spülmittel. Allerdings steigen natürlich auch hier die Ansprüche nach mehr Komfort, immer mehr importierte „Supermarktartikel“ werden verkauft, mehr Leute können sich ein eigenes Auto leisten, die Reichen bauen sich einen Pool in den Garten usw.
Einerseits freut man sich natürlich, wenn der Standard hier steigt, aber andererseits, wenn man an das hohe Bevölkerungswachstum in Afrika und dann an die Umwelt denkt, kommt man schon auch sehr ins Nachdenken. Schmutzige Gewässer, verödete Landstriche, Müllberge, die Luft voller Staub und Abgase und dazwischen überall Kinder über Kinder, die meisten ohne ausreichende Bildung, aber alle mit großen Wünschen und Bedürfnissen. Schon jetzt denk ich mir jedesmal, wenn wir nach Kumasi ins Zentrum fahren, die Stadt platzt einfach nur vor Menschen, Waren und Fahrzeugen. Und man fragt sich, wie unsere liebe Erde das in Zukunft nur aushalten soll, grade wenn man bedenkt, dass es an vielen Orten auf der Welt ja noch schlimmer ist als in Ghana.
Naja, genug davon, ein wenig übertrieben hab ich wohl doch, wo ichs mir jetzt so zum zweiten Mal durchlese. Keine Angst, ich ersticke nicht in Müllbergen.
Afrika hat seinen eigenen Rhythmus, die Menschen hier leben anders, aber ich denke zufrieden, und wer weiß, was die Zukunft Glorreiches für uns bereithält :)
In diesem Sinne sei‘s genug. Ihr merkt, der ganze Bericht dreht sich nur ums Nachdenken, aber das nicht ganz zu unrecht. Ich mach mir hier echt, noch viel intensiver als davor, über alles Mögliche meine Gedanken, über die Zukunft, über meine Aufgaben, über Mensch und Natur, über Glauben, über Ziele und Wünsche und zuletzt darüber, was ich studieren soll, wenn ich zurückkomm, wobei nach diesem Bericht wohl Philosophie angebracht wäre. Mal schauen, Landschaftarchitektur klingt ganz gut eigentlich, dann könnte ich der Umwelt mal was Gutes tun.
Also bis zum nächsten Mal, und ich sags gleich: Wer denkt, so langsam müssten mir doch mal die Themen ausgehen, der hat sich getäuscht. Außerdem haben wir bald Ferien und ich hoffe, dass da dann wieder einige spannende Erlebnisse hinzukommen.
Relativ liebe Grüße ;)
Matze

Mal wieder Lese-Nachschub


Nicht viel Zeit ist vergangen seit dem letzten Bericht und doch gibts schon wieder einiges zu erzählen.

Zunächst mal hab ich ja vor etwa eineinhalb Wochen angefangen, hier zu unterrichten. Also ich hab jetzt in einer 6. Klasse (gehört in Ghana noch zur Primary School) den Matheunterricht und eine Stunde Englisch-Writing von der Klassenlehrerin übernommen und mache zwischendurch auch immer mal wieder Kunst mit den Schülern. Der Start hat auch ganz gut geklappt denk ich (Einführung in Geometrie), den Unterricht auf Englisch zu halten krieg ich hin (gibt leider ein paar Schüler, die wahnsinnig schlecht Englisch können) und ich hab mir erstaunlich schnell schon einige Schülernamen merken können.

Da die Klassenlehrerin meistens noch bei mir zuschaut und ich bei ihr, wurden aber auch schnell die Unterschiede zwischen der Schule hier und in Deutschland und die damit verbundenen Schwierigkeiten deutlich. Die Schüler sind es einfach überhaupt nicht gewöhnt, mit in den Unterricht einbezogen zu werden, Transferaufgaben zu lösen oder kreativ zu werden, weil das bis jetzt offensichtlich niemand von ihnen verlangt hat. Die letzte Science-Stunde sah zum Beispiel so aus, dass die Lehrerin eine relativ komplizierte Definition mit allerlei Fachbegriffen an die Tafel geschrieben hat, welche dann dreimal von den Schülern im Chor wiederholt wurde und in der Übungsaufgabe am Ende der Stunde noch einmal eins zu eins wiedergegeben werden sollte.

In Mathe haben wir jetzt z.B. Netze von Raumkörpern durchgenommen und in der Stunde die Beispiele Würfel, vierseitige Pyramide und fünfseitige Pyramide besprochen. Als ich das in der nächsten Stunde abgefragt hab, konntens die meisten einigermaßen gut hinzeichnen. Dann hab ich noch nen Quader und ne dreiseitige Pyramide an die Tafel gemalt und wollte von ihnen das Netz haben, damit waren sie dann aber vollkommen überfordert und haben nur nochmal irgendwelche bereits bekannten Netze hingezeichnet. Das hat mir schon ziemlich zu denken gegeben, weil ich das Thema eigentlich echt ausführlich besprochen hab und auch alle möglichen Formen aus Papier gebastelt hab. War wahrscheinlich ein bisschen zu viel verlangt für den Anfang, weil die Schüler vermutlich bis jetzt nur Körper von der Tafel abzeichnen mussten, ohne wirklich ein räumliches Vorstellungsvermögen zu bekommen, und wahrscheinlich auch zum ersten Mal Formen in gebastelter, dreidimensionaler Form gesehen haben.

Anderes Beispiel, auch wenns wohl schon langweilig zu lesen wird: Ich hab nen Kreis an die Tafel gemalt, zigmal Radius und Durchmesser eingezeichnet und gefragt, wie die zwei zusammenhängen. Verständnislose Blicke. Dann hab ich hingeschrieben: Radius = 1/3 Durchmesser, stimmt das?, und alle haben im Chor ja geantwortet. Also mal schauen, wies jetzt weitergeht, Spaß machen tuts auf jeden Fall trotzdem und ich hab eine interessante, anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen. Das nächste Thema in Mathe ist das Untersuchen von Tabellen und Daten, das klappt dann vielleicht auch besser.

In Kunst wollte ich in der ersten Stunde, dass sie ein paar Sachen zeichnen, die für sie typisch für Ghana sind, und hab halt an der Tafel paar Beispiele gegeben, aber ausdrücklich gesagt, sie sollen sich eigene Sachen überlegen. Haben dann natürlich nur die wenigsten gemacht, was aber laut meinem Papa bei ihm im Kunstunterricht genauso ist 😉 Jedenfalls haben sie zum Teil echt sehr schön und gut gezeichnet. In der nächsten Stunde wollt ich sie dann eine Landschaft zeichnen lassen, wieder das gleiche Problem. Dann ist allerdings die Lehrerin durch die Reihen gegangen und hat glaub ich, so bisschen auf Englisch, mehr auf Twi, gesagt, sie sollen schön sauber das von mir an der Tafel abzeichnen, was natürlich einiges erklärt.

Sonst so allgemein zur Schule: Ich hab jetzt vor allem die Probleme aufgezählt, aber es ist auf der anderen Seite natürlich auch sehr interessant, schön, aufschlussreich und die Schüler sind teilweise richtig lieb. Mit der Lehrerin komm ich auch ganz gut klar, das ist halt einfach so, dass hier einige Sachen anders sind als bei uns, vor allem muss man bedenken, wie die Lehrerin selbst vor 20-30 Jahren wahrscheinlich erzogen wurde und was sie für eine Ausbildung gemacht hat. Meistens ist der Unterricht auch nicht so diszipliniert und streng, wie das jetzt hier vielleicht klingt, es wird auch wirklich viel gelacht, mal zusammen getanzt und gesungen und vieles ist es auch nicht groß anders als bei uns.

Dass Kinder geschlagen werden, hab ich bis jetzt zum Glück noch nicht richtig heftig erlebt (Lisa im Kindergarten leider schon). Einmal ist die Lehrerin mit ihrem Stock, der schon immer griffbereit im Klassenzimmer liegt, durch die Reihen gegangen und hat mal eher spaßhaft auf den Tisch geklopft, mal aber auch ernstgemeint und fester einigen Schülern auf Rücken oder Schultern geschlagen. Da musst ich dann zwar einerseits feststellen, dass auch ich nicht davon verschont bleibe, aber andererseits sind glaub ich auch Anzeichen für eine Besserung feststellbar, auch wenn das noch einige Zeit dauern wird. Zumindest hab ich noch nicht mitbekommen, dass jemand vor der Klasse richtig verprügelt oder bloßgestellt wurde. Vielleicht machen das die Lehrer auch nur, wenn ich nicht dabei bin, ich weiß es nicht. Das größte Problem beim Schlagen ist meiner Meinung nach, dass sich das so extrem auf die Schüler überträgt, und die wirklich bei jeder Kleinigkeit anfangen, sich gegenseitig anzugehen, eine runterzuhauen oder sich mit Sachen zu bewerfen, das ist echt traurig manchmal.

Was für uns auch ungewohnt ist, die Lehrerin isst oder telefoniert im Unterricht, wenn die Schüler gerade mit Stillarbeit beschäftigt sind, schickt Schüler los, um ihr etwas zu essen oder zu trinken zu holen, oder unterhält sich einfach mal eine halbe Stunde mit einer Kollegin und die Schüler machen, was sie wollen. Also das wechselt sich immer so ab, mal strenger Unterricht und dann geht’s wieder total locker zu und die Lehrer können sich glaub ich auch nicht so richtig entscheiden, was ihnen lieber ist.

Neben dem Unterricht in der Grundschule versuch ich noch dreimal die Woche, den älteren Berufsschülern hier ein bisschen Deutsch beizubringen. Das beschränkt sich zwar trotz dem, dass die meisten eigentlich schon ein halbes bzw. eineinhalb Jahre Deutsch hatten, auf grundlegende Sachen wie Begrüßung, Hobbies, Zahlen und Wochentage, aber es macht echt richtig viel Spaß. Ich komm mit den Schülern super klar und einige wollen sogar noch freiwillig Extrastunden haben, um die German language zu lernen (vor allem natürlich deshalb, weil sie denken, sie lernen mal schnell Deutsch und können dann nach Deutschland kommen). Naja, die Probleme fangen bei der richtigen Aussprache an und in die Tiefen der deutschen Grammatik brauch ich glaub ich eh nicht vorzudringen, aber was solls: Ich denke jedes Wort, jeder Satz ist ein kleiner Gewinn für die Schüler und mich und kürzlich hab ich eh irgendwo gelesen: Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen.

Genug von der Schule, was war sonst noch los:

Am 6. März war der ghanaische Independence Day und das wollten wir natürlich auch miterleben. Wir hatten gehört, dass im Stadion in Kumasi ein großes Fest stattfindet und sind da hin. Weil dort dann aber erstaunlich wenig los war und dafür relativ viel Eintritt verlangt wurde, bin ich als alter Stadiontourist auf eigene Faust rein. Waren etwa zehn Leute drinnen, obwohl die Show schon vor einer halben Stunde hätte anfangen sollen. So konnte ich dafür in Ruhe das Stadion erkunden und hatte von ganz oben auch noch einen herrlichen Blick über Kumasi. Mit der Zeit rührte sich dann auch auf dem Feld etwas und die Haupttribüne war mittlerweile gut gefüllt. Es begann zwar nicht, wie ichs mir vorgestellt hatte, eine Darbietung in der Art wie z.B. bei olympischen Eröffnungsfeiern, aber ein kleiner Gottesdienst, den ich mir noch eine Zeit lang anschaute und dann gemütlich noch ein wenig durch Kumasi lief, vorbei an Handwerkermärkten, einer Moschee und der weithin sichtbaren katholischen Kathedrale, errichtet in der Kolonialzeit, was den Bogen zum Unabhängigkeitstag schließt.

Letzten Samstag haben wir das Unigelände von Kumasi besucht, ein sehr schönes, weitläufiges Areal. Ich hab die meiste Zeit im botanischen Garten dort verbracht, war echt toll. Palmen, Bambus, Pinien, Termitenhügel, allerlei interessante Gewächse und Früchte und vor allem Ruhe und Besinnlichkeit, was sonst in Kumasi eher schwer zu bekommen ist. Im Schatten der Bäume hatten sich verschiedene Gruppen zu Gottesdiensten und Andachten versammelt und sangen und trommelten angenehme Rhythmen, zu denen ich richtig entspannt durch den Park schlendern konnte. Am Ende befanden sich noch einige Bäume, die am hellichten Tag von riesigen Horden Fledermäusen besetzt waren, die bei meinem Näherkommen wild über mir durch die Lüfte flatterten und ein beeindruckendes Schauspiel darboten (es blieb zum Glück bei der Befürchtung, dass mir eine davon auf den Kopf macht).

Am Sonntag war ich dann noch mit einem der Schüler zum zweiten Mal im Stadion, diesmal zum Erstligaspiel Asante Kotoko (der Heimverein aus Kumasi und aktueller Tabellenführer) gegen die Wa Allstars. Das Stadion war nun auch sehr gut gefüllt, Kotoko siegte relativ problemlos 2:0 und wir hatten einen schönen Nachmittag ganz nach meinem Geschmack. Einmal war ich kurz geschockt und dachte, im gegenüberliegenden Block gehen üble Randale los, bis sich herausgestellt hat, dass sich die Leute da nur eine fröhliche Wasserschlacht mit Tütenwasser geliefert haben 🙂

Die letzten zwei Tage gings mir zum ersten Mal nicht besonders gut, die typischen Reisebeschwerden und ich fühlte mich ziemlich matt und war auch nicht in der Schule. Hab aber gleich mit den Leuten hier gesprochen und Malaria wäre schon nochmal ein Stück übler gewesen. Also ich befind mich schon wieder auf dem Weg der Besserung, keine Sorge, und ich habs jetzt heute ja immerhin schon wieder ins Internetcafé in Tanoso geschafft.

Damit belass ichs bei einigen wenigen kurzen Zeilen und melde mich nächstes Mal wieder ausführlicher 😉

Liebe Grüße nach Deutschland, ich fang so langsam an, euch zu vermissen 😉

Matze

Ps: Supercool, meine Hände werden schon ein bisschen afrikanisch, man sieht richtig die Grenze zwischen hell und dunkel 🙂

Angekommen im Alltag


Die erste Woche ist vorbei, schneller als gedacht, und ich meld mich mal wieder.

Wir mussten die ersten Tage noch nicht unterrichten und haben dafür unter der Woche doch schon recht viel von der Umgebung gesehn, anfangs mit Hilfe von Jakob und dann schnell auch selbstständig: Den Zentralmarkt von Kumasi, den ich bisher am beeindruckendsten fand, weil man dort einfach mit so vielen Gerüchen, Geräuschen und Eindrücken überhäuft wurde, dass einem Hören und Sehen alles andere als verging (laut Reiseführer ist der Markt größer als 14 Fußballfelder und einfach unbeschreiblich, ich hoff die meisten haben die Bilder gesehn); den Stadtkern von Kumasi, in dem sich z.B. Poststation, Supermarkt und größere Läden befinden sowie ein paar kleinere Orte in der unmittelbaren Umgebung.

Für den Weg dorthin nutzten wir in der Regel den legendären afrikanischen Trotro-Verkehr, also so alte Vans oder Kleinbusse mit vielen klapprigen Sitzen, noch mehr Insassen und ordentlich Rost und Flickzeug außenrum, die dann so über Stock und Stein rumpeln. Immer wieder ein schönes Erlebnis meiner Meinung nach, weil man da einfach so super ins afrikanische Leben eintaucht bzw. reingequetscht wird, ohne irgendwelche Obruni-Besonderheiten und hundert Prozent authentisch. Im Trotro hatten wir dann auch schon einige ganz nette Gespräche über das obligatorische „How are you?“ hinaus beispielsweise mit einem älteren Mann, der von seinem Urlaub in Deutschland geschwärmt hat.

Fußläufig in etwa ner Viertelstunde erreichbar ist Tanoso, also der größere Nachbarort von Denkyemuoso, in dem es auch eine Apotheke, Bank und eben eine Uni mit Internetcafé gibt, welches mir den Kontakt nach Hause recht einfach und erschwinglich macht (eine Stunde etwa 35 ct inklusive Special Entertainment durch Stromausfälle und Computeraussetzer). In Tanoso gibt’s auch eine gute Chop Bar (Restaurant und Bar), in der wir abends öfter waren und interessanterweise mit Weihnachtsliedern wie Jingle Bells unterhalten wurden.

Zum Kontakt mit den Leuten kann man sagen: Es wird denk ich schon erwartet, dass man als fremder Weißer jeden mit einem freundlichen Blickkontakt, Zuwinken oder ein paar Worten grüßt, was ich auch gerne tu. Wenn man von wildfremden Leuten nach Geld oder Kontaktadressen gefragt wird, was eigentlich nicht so oft vorkommt (also z.B. beim Gang über den Zentralmarkt nur ein Mal), muss man sich halt irgendwie freundlich rausreden, bis jetzt konnte ich da ehrlicherweise sagen, dass ich noch keine ghanaische Simcard und Nummer habe (will ich mir jetzt dann aber unbedingt mal besorgen). Die Kinder im Dorf fragen häufig nach Geld, was zu essen oder zu trinken, aber da sagt man dann halt zum Beispiel, es ist von der Schulleitung nicht gewünscht, als Lehrer Sachen zu verteilen. Den Kindern geht’s ja nicht so schlecht hier, die wollen eigentlich eher testen, ob sie erfolgreich sein können.

Was ich mir sehr wünschen würde, wären ein paar ghanaische Freunde, mit denen man mal einen Ausflug machen kann oder so. Die Berufsschüler sind zum Teil sehr nett, aber man ist halt auch deren Lehrer und muss sich einigermaßen dementsprechend verhalten. Die Lehrerkollegen sind 10 bis 30 Jahre älter als man selbst und glaub ich nicht so dran interessiert, wobei ein Lehrer uns mal wo mithinnehmen wollte. Im Trotro bin ich schon mal mit einem Studenten ins Gespräch gekommen, der nicht diese ganz naiven Vorstellungen von Europa hatte und gleich auf Geld oder Adressen aus war, dahingehend hoff ich, dass sich vielleicht mal in der Uni oder so nette, gebildete Leute finden, mit denen man sich anfreunden kann, weils find ich einfach cool wär, das Land auch zusammen mit Einheimischen kennenzulernen, wobei man halt leider bei Freundschaften erstmal immer skeptisch bleiben muss.

So haben wir die Woche in der Regel zu dritt oder viert mit noch einigen anderen Freiwilligen aus Tanoso verbracht, was zwar immer schön war, aber ich mir auf Dauer ein bisschen weniger europäisch wünschen würde. Freitagabend waren wir in Bantama, sozusagen der Maxstraße Kumasis, wo sich insgesamt so um die zehn Freiwillige aus der Gegend in einer Bar eingefunden hatten. War sehr angenehm und man hat sich auch ganz nett unterhalten. Am Tisch saßen auch noch einige Ghanaer, wir kamen bisschen später und mir wurde nicht ganz klar, ob die sich einfach nur dazugesellt hatten oder was, jedenfalls haben sie einem hauptsächlich ständig freudig die Hand gereicht und zugezwinkert.

Gestern wollte ich dann einfach mal einen ruhigen Tag einlegen, was echt nicht am Vorabend lag. Lisa hat mit zwei anderen einen Ausflug gemacht, aber ich hatte am Vormittag etwas Durchfall, war recht müde und bin dann lieber zuhause geblieben. Hab bisschen aufgeräumt, entspannt und zum ersten Mal Wäsche gewaschen, ein paar Schüler haben mir auch gleich geholfen. Nachmittags hab ich mit paar Leuten im Gemeinschaftsraum der Schule bisschen Premier League und Carling Cup angeschaut und ich bin sehr zuversichtlich, dass dort dann auch fleißig die EM verfolgt wird 🙂

Am Abend hab ich mir spontan noch meinen Lebenstraum erfüllt und mit den Berufsschülern auf unserem sandigen, steinigen, unebenen Schulhof Fußball gespielt – und es hat einfach nur richtig viel Spaß gemacht. Ich als filigraner Edeltechniker hätte mir natürlich lieber einen tip top gepflegten Rasenplatz gewünscht, aber ich habs mir dann doch nicht verkneifen können, zumindest ein herrliches Tor aus unglaublichen zwei Metern passgenau ins leere Gehäuse zu erzielen. Fazit der Veranstaltung: Viel Schweiß, paar Schrammen und richtig gute Laune. Ich weiß, wie ich in Zukunft jeden Abend hier verbringen werd 😉

Heute Morgen wollte ich eigentlich in die Kirche, bin gestern auch um halb 10 ins Bett, aber ich hab dann doch lieber noch ausgeschlafen und hatte auch nochmal Durchfall, obwohls mir gestern Abend eigentlich richtig gut ging.

Morgen geht dann unsere Arbeit los und damit wohl hoffentlich auch eine Art ghanaischer Alltag. Ich werd an der Grundschule irgendwie Mathe/Englisch unterrichten und nebenbei vielleicht noch Kunst, weil ich gesagt hab, dass ich ganz gerne zeichne. Wie, wo, was weiß ich noch nicht, die Einzelheiten bekommen wir morgen gesagt. Ich kanns mir auch noch gar nicht vorstellen, aber ich freu mich schon. Was ich schon weiß, ist, dass ich auch noch zwei Stunden in der Woche den Berufsschülern Deutsch beibringen soll. Das stell ich mir auf jeden Fall sehr interessant vor, weils da ja vor allem um die wichtigsten Wörter und grundlegenden Ausdrucksweisen geht und ich hoff, dass mir dazu dann paar gute und witzige Methoden zum Einüben einfallen. Die Schüler sind ganz wild drauf, Deutsch zu lernen und fragen einen schon alle, ob oder wann sie denn endlich wieder Deutsch haben. Ich vermute zwar, dass die wenigsten später in ihrem Leben irgendwann mal Deutschkenntnisse brauchen werden, aber es macht sich gut in ihrem Lebenslauf und es geht ja auch um den Austausch von deutscher und ghanaischer Kultur, also es freut einen auf jeden Fall, wenn die Schüler Interesse zeigen.

Noch einige Anmerkungen:

  1. Eifrige Leser werden festgestellt haben: Moment a mal, Halt Stop, da sind ja ä, ö, ü und ß im Text, da stimmt doch was nicht! Damit ihr weiterhin glaubt, ich sei in Ghana: Ich schreib die Berichte aufm Laptop und muss sie dann im Internetcafé nur noch hochladen.
  2. Ich würde gerne viele, viele Bilder hier hochladen, aber das dauert so ewig und wenn mans dann fast geschafft hat, fällt der Strom aus. Deswegen gibt’s ab und zu welche auf facebook, da geht’s etwas flotter.
  3. Das Essen hier schmeckt größtenteils super, ich schreib mal einen eigenen Bericht drüber, wenn ich noch paar mehr Gerichte kenn.
  4. Mein Zimmer ist für die hiesigen Verhältnisse absoluter Luxus; Kühlschrank, Ventilator, Herdplatten, Sofa, Schreibtische, Bad, … Und abends sein eigenes Zimmer zu haben, ist schon auch manchmal sehr angenehm.
  5. Ums gleichmal vorweg zu nehmen: Ich denk nicht, dass ich euch jede Woche so nen fetten Oschi-Bericht um die Ohren hauen werd, aber für den Anfang muss es einfach sein.
  6. WICHTIG!: Wer mir mal etwas schicken möchte, worüber ich mich sehr freuen würde:

BOXKS 9004, KUMASI MAIN, ASHANTI REGION, GHANA

 

Damit liebe Grüße in die Heimat, ich bin gespannt aufs Unterrichten, auf den ghanaischen Unabhängigkeitstag am 6. März, der hier groß gefeiert wird, und auf Neuigkeiten von euch!

Machts gut oder ums mit einer Englischlehrerin am WvB zu sagen: I wish you what!

Matze

Erste Eindruecke


So, hallo Leute,

also als allererstes: Mir geht’s super :)

Ich wollte ja eigentlich vor der Abreise noch einen Bericht schreiben, dazu bin ich leider nicht mehr gekommen. Was ich aber unbedingt noch loswerden wollte: Die letzten Tage und Wochen vorm Abflug waren echt schön und wertvoll, das hat schon was, nochmal mit fast allen Freunden gemeinsam oder einzeln was zur Verabschiedung zu machen, nochmal länger Oma, Opa und Verwandte zu besuchen und von jedem gute Wünsche mit auf den Weg zu bekommen. Da sieht man das schon nochmal mit anderen Augen, was man alles hat. Danke an alle für die lieben Wünsche, Geschenke und vor allem für die Zeit, die sich viele trotz Prüfungsstress für mich genommen haben!

Traurig wars dann natürlich auch noch am Flughafen in München, wobeis mir deutlich besser ging als ich erwartet hab, was denk ich daran lag, dass ich zum einen noch nix so wirklich realisiert hatte und zum anderen ständig von so vielen Eindrücken erschlagen wurde, dass ich gar nicht groß Zeit fand, nachzudenken.

Samstagabend gegen 9 kamen wir dann also in Accra an und begaben uns nach draußen in die schwüle afrikanische Hitze. Alles kam einem so unwirklich vor, der Gang durch verschiedene Sicherheitsschleusen, durch Menschenmassen und der Gedanke: Yeah Mann, ich bin in Ghana.

KK, der Sohn des Chefs unserer Organisation, holte uns vom Flughafen ab und brachte uns durch die quirlige Stadt in ein Hotel, wo wir uns dann einfach nur noch ins Bett legten, ohne so richtig einschlafen zu können.

Am nächsten Morgen wachten wir wie in einer anderen Welt auf. Sonnenschein, Palmen vorm Fenster und alle möglichen Geräusche von draußen. Wir schauten uns ums Hotel herum um: kleine Hütten, huggelige Sandstraßen, Schutthaufen, Katzen und Hühner … und natürlich Leute, die Wäsche wuschen, kochten, herumliefen, Sachen transportierten und uns alle groß anschauten. Man sagte Hallo, winkte oder so, aber ich kam mir schon irgendwie blöd vor, aus der relativ noblen Hoteleinfahrt rauszulaufen und mich umzuschauen wie in einem Zoo. Die Leute lächelten aber alle freundlich zurück und so wars dann schön aufregend und neu. Da ja Sonntag war, wurden wir auch noch kurz von einer sehr freundlichen Passantin in einen Gottesdienst gebracht mit viel Gesang und lauter Musik. Dort in der Kirche fand ichs zum ersten Mal so richtig wunderbar und aufregend, in Ghana zu sein und von nun an am Leben dort teilhaben zu können. KK holte uns vom Hotel ab und gab uns bei ihm zuhause ein super Früchstück inklusive der leckersten Ananas ever, bevor wir dann zur Busstation fuhren. Die Straßen wechselten immer zwischen geteert und sandig, aber auch im größten Dreck und Staub liefen die Menschen mit absolut sauberen Gewändern und Anzügen herum. Die Straßen waren alle so überbevölkert, überall kleine Stände, Leute, die Gefäße und Bündel aufm Kopf trugen und hupende Fahrzeuge, die nach ihren eigenen Regeln fuhren. Ich saß glaub ich mit offenem Mund im Auto und hab einfach nur gestaunt und die Eindrücke genossen.

Um 12 saßen wir dann im Bus nach Kumasi, um 2 war er einigermaßen gefüllt und fuhr los. Den ersten Teil der Strecke gings fast nur über Huckelpiste durch die Stadt und dann durch die Botanik, besser als in jedem Freizeitpark. Ich saß am Fenster, mit den Augen und Gedanken zwischen irgendwo und nirgendwo, der Fahrer hatte Bob Marley aufgelegt und ich hätte mir echt nirgendwo anders zu sein gewünscht als hier in Ghana und war echt glücklich und dankbar.

Um 8 kamen wir in Kumasi an und wurden in unser neues Zuhause in Denkyemuoso (so wird’s hier in Ghana geschrieben) gebracht. Da grade Stromausfall war, konnte ich mein Zimmer erst am nächsten Morgen in seiner vollen Pracht bestaunen. Dafür sind wir momentan zu dritt, da Jakob von den Praktikanten vor uns noch drei Tage in Denkyemuoso ist. Praktisch, da wir so schon einiges von ihm gezeigt bekommen haben. Heute waren wir z.B. in Denkyemuoso und im nächsten Ort Obst und Getränke einkaufen. Man sieht und erlebt so viel, über das man alles schreiben könnte, ich weiß echt nicht, wo ich anfangen und aufhören soll. Die Lehrer und Angestellten, die ich bis jetzt getroffen hab, und Sark, der Schuldirektor, sind alle sehr nett. Wenn man im Ort rumläuft, wird man natürlich angeschaut, aber wir sind halt auch was Besonderes, also einfach freundlich und locker bleiben. Mit den Taxifahrern und Verkäufern kann man, wenn man so bisschen die Preise raushat, auch ganz normal verhandeln und hat denk ich nicht jedes Mal ein besonderes Prozedere. Also kurzum: Das wird denk ich recht bald alles Alltag werden, aber was Besonderes wirds und solls natürlich auch bleiben.

Die natürliche Landschaft ist echt toll, Hügel, Palmen, Sträucher, Termitenhügel, Eidechsen … In den Dörfern gibt’s immer so ein, zwei Hauptstraßen, an der die ganzen Stände und Läden sind. Meistens sind die Dörfer irgendwie so auf eine Ware spezialisiert, also im einen Dorf gibt’s überall Töpferware, im nächsten überall Ananas, auf dem Markt heute haben bestimmt zwanzig Stände nur Zwiebeln verkauft. Die Läden sind auch interessant, da stehen dann z.B. im Sand und Staub aufm Gehweg blitzeblanke Flachbildfernseher zum Verkauf.

Das hört sich jetzt alles relativ nüchtern an glaub ich, wie ich so schreib, aber ich bin echt von allem total fasziniert, genieß jeden Moment und freu mich auch schon auf meine Arbeit, auch wenn ich mir noch nicht wirklich vorstellen kann, wie die so ablaufen wird.

Also bis jetzt geht’s mir echt gut, das wird vielleicht nicht immer so sein, aber ich bin super glücklich, dass ich nach Ghana gegangen bin und ich glaub es hat sich auch jetzt schon gelohnt.

Damit liebe Grüße nach Deutschland,

Matze

Zwei neue Praktikanten


Wieder machen sich zwei Praktikanten, Lisa Kreilinger und Matthias Oberfrank, nach Ghana auf, um ein sechs Monate in Denchemouso zu leben und zu arbeiten.

Lisa wird am Albert Osei-Wusu Kindergarten anfangen, der im letzten Sommer in ein neues Gebäude umgezogen ist. Matthias wird an der Primary & Junior Secondary School in Denchemouso als Aushilfslehrer arbeiten.

Wir wünschen beiden eine spannende Zeit.

countdown


Liebes Tagebuch ;)

Nicht mal mehr vier Wochen bis zum Abflug nach Ghana, Zeit für einen ersten Eintrag hier.

Die Vorbereitungen gehen so langsam zu Ende, noch letzte Arztbesuche machen, Dokumente zusammenstellen und das Visum einholen, dann sollte der offizielle Teil erledigt sein. Dadurch, dass ich ja auch noch ne Zeit lang gearbeitet hab, war’s schon ganz schön Versicherungszeugs und so, also zum Teil dachte ich mir schon, ich such den Passierschein A38.

Die Gefühle, die jetzt so langsam aufkommen, sind natürlich schwer zu beschreiben. Man stapft hier im Schnee rum, lebt so wie immer und tut so, als wär nix gewesen, und in einem Monat soll man dann plötzlich für ein halbes Jahr in ein völlig fremdes Land fliegen. Die Unterschiede konnte ich mir gestern wieder schön bewusst machen, erst ein ernüchternder Stadionbesuch beim FCA und dann ein Sieg Ghanas beim Africa Cup gegen Mali mit zwei super Toren und stimmungsvollen Zuschauern (:

Die Gedanken und Gefühle so sind ja denk ich ganz normal für die Situation, aber ist trotzdem komisch. Man freut sich total drauf, aber zwischendurch kommen dann auch immer wieder plötzlich Zweifel und Bedenken hoch.

Ich versuch einfach, einigermaßen locker zu bleiben und die Zeit in Ghana offen und positiv anzugehen, dann, bin ich mir sicher, werd ich eine super Zeit dort haben, wahnsinnig viele neue Erfahrungen machen und ein tolles Land kennenlernen.

Den nächsten Eintrag gibt’s dann denk ich kurz vor Abflug, mal schauen, wie da dann das Stimmungsbild aussieht.

Bis dahin schöne Grüße und beste Wünsche!

Gold und Meer


Wow. Schon der dritte Advent. Und ich sitze hier in Ghana und würde echt gerne mal wieder eine Nacht schlafen, ohne dabei wie ein Pferd zu schwitzen.

Aber beginnen wir mal bei den letzten zwei Wochenenden, da war echt mal wieder was geboten. Die Wochenenden sind hier echt wahnsinnig langweilig, wenn wir nicht was unternehmen. Deshalb haben wir auch vorletztes Wochenende beschlossen in die Goldmienen zu fahren. Diese sind knapp eineinhalb Stunden Busfahrt von Kumasi entfernt, in Obuasi. Dort waren wir auch schon für die Hochzeit von Harriets (Für Neueinsteiger: Die Schneiderlehrerin der Schule) Cousine.

Der Plan war, um sieben in Obuasi anzukommen, da man als Besucher nur Vormittags in die Goldmienen darf. Deshalb sind wir hier um fünf mit dem Taxi zur Busstation gefahren. Wir, das waren die üblichen Verdächtigen, Philipp, Sabine, Lea, Eva, Ich und zu guter Letzt Harriet mit Tochter. Die ist mitgefahren, weil der „Vater ihres Sohnes“, so wurde er uns vorgestellt, Charles dort arbeitet und uns deshalb leichter da rein gebracht hat. Unser Zeitplan wurde dann leider durchkreuzt, weil gefühlt halb Kumasi nach Obuasi fahren wollte. Uns erwartete also eine ewig lange Schlange. Als wir dann am Schalter waren, haben Philipp, Eva und Ich Tickets bekommen, als plötzlich ein riesen Tumult entstanden ist, wo alle durcheinander geschrieen haben. Als ich Harriet gefragt habe, warum sie sich so aufregt, hat sie mir erklärt, dass der Mann am Schalter die Hälfte der Tickets zur Hintertür an Freunde von ihm verkauft hat, die sich nicht anstellen wollten. Der Rest hat dann aber auch noch Plätze in dem Bus bekommen und so konnte die Reise neben einer viel zu dicken Ghanaerin beginnen.

In Obuasi angekommen hat uns Charles mit einem Jeep der Betreiberfirma der Goldmiene abgeholt. Der war echt nicht schlecht, Klimaanlage! und eine Beschleunigung hatte der, das ist man hier sonst überhaupt nicht gewohnt von den Taxis mit denen man hier so rum fährt.

Erstmal ging es in das Tourismusbüro der Goldfirma, um uns anzumelden. 15€ mussten wir pro Person zahlen und ich musste noch mal 5€ drauf zahlen, damit ich meine Kamera mit rein nehmen durfte. Das kam mir auch ein bisschen komisch vor, weil überall Schilder hingen, dass Fotografieren in der Miene strengstens verboten ist. Wahrscheinlich gingen die 5€ einfach an die Frau an der Anmeldung, damit die kurz mal weg schaut.Golderz

Nachdem wir in wahnsinnig chice  orange Anzüge gesteckt wurden und einen Sauerstoffbehälter für Gasunfälle bekommen hatten, ging es in Charles´ Jeep auf zu den Förderschächten. Derer gibt es in Obuasi fünf. Zur Ausrüstung kam jetzt noch eine Grubenlampe hinzu, was insgesamt dann alles schon recht schwer wurde.

 

 

 

 

 

Eigentlich waren wir eh schon zu spät dran, da man normalerweise nur vor Neun in den Schacht runter darf. Bei uns wurde aber eine Ausnahme gemacht, weil wir ja mit Charles unterwegs waren. Die Regel mit vor Neun kommt daher, dass die Führung knapp zwei Stunden dauert und ab ca. ein Uhr in den Schächten gesprengt wird und da natürlich keine Besucher mehr unten sein dürfen. So ging es also auf 850 Meter Tiefe runter. Es war echt ein Erlebnis. Ich hab zwar nicht wirklich begriffen, dass wir so tief unten sind, aber trotzdem war es ein recht mulmiges Gefühl da runter zu fahren. Unten sind wir dann einen Schacht entlang gegangen und ein Mienenarbeiter hat ein bisschen erzählt. Der hatte eh viel mehr Ahnung, als der Touristenführer, der uns mitgegeben wurde. Der wusste nicht einmal wie tief der Schacht eigentlich ist, oder seit wann dort Gold abgebaut wird. Das echt beeindruckende aber war, dass der Schacht noch in Betrieb war und wir dort einfach rumlaufen durften. So etwas wäre in Deutschland niemals möglich. Das hatte zu Folge, dass der Arbeiter uns plötzlich zu geschrieen hat, dass wir so schnell wie möglich an die Wand gehen sollen, weil eine Maschine vorbei gefahren ist. Uns wurde noch die Werkstatt gezeigt, wo alles gleich unter Tage repariert wird. Dann sind wir in einen Tunnel gegangen, in dem Gleise verlegt waren. Dort sind wir eine Weile lang unbehelligt entlang gegangen, bis wir wieder angefahren wurden so schnell es nur geht in eine Nische zu kommen, weil ein Förderzug gekommen ist. Dem sind wir dann gleich gefolgt, bis er an einer Umladestation gehalten hat. Dort wurde der Inhalt der Waggons in eine große Grube gekippt und mit einem riesigen Pressluftbohrer durch ein Gitter gedrückt. Wir haben dann erfahren, dass unter dem Gitter 200 Fuß Nichts ist, bis das Erz im weiter unten gelegenen Level landet. Was in den Waggons transportiert wurde, war das Golderz, das in dem Schacht gefördert wird. An der Verladestation kommt sämtliches Erz, das in dem Schacht abgebaut wird vorbei, fällt dann ins tiefere Level und wird dort mit einem weiteren Zug zum Förderschacht und an die Oberfläche gebracht. Nach der Verladeaktion sind wir dann wieder zum Lift gegangen und nach oben gefahren. Auch wenn ich kein beengendes Gefühl dort unten hatte, war ich echt froh wieder an der Oberfläche zu sein. Die Luft ist einfach komisch dort unten, nur künstliches Licht, alles keine Umgebung, für die der Mensch gemacht ist. Beim rausgehen wurden wir dann sogar noch mit einem Metalldetektor abgetastet, dass wir auch ja nichts mitgehen lassen.

Wir wurden dann wieder von Charles mit seinem Superjeep abgeholt. Der hat uns dann gefragt, ob wir nicht noch was essen gehen wollen. Da wir ausgehungert vom andern Stern waren, haben wir einfach mal ja gesagt. Wir dachten auch eher daran einfach in eine Chopbar zu fahren und dort Fufu essen zu gehen. Er aber hatte da anscheinend andere Vorstellungen und so ging es erst einmal ein Stück aus Obuasi raus, bis wir an einen Golfplatz kamen. Dort im Clubhaus also sollten wir essen? Nach einem Blick auf die Karte ist mir erstmal anders geworden. Zum einen, weil es Spaghetti Bolognese!! gab, zum anderen aber, weil die Preise nicht zu verachten waren. Das Fufu hat zum Beispiel sechs Cedi, sprich 3€ gekostet. Als uns Charles gefragt hat, was wir trinken wollen und wir abgelehnt haben, meinte er, er würde uns auf alles einladen, also sollten wir nicht geizen. Es war gerade mal ein Uhr Mittags und er stand schon mit einem Whiskey da und wollte uns unbedingt ein Bier bestellen. Wir haben ihm dann erklärt, dass Alkohol und die Mittagshitze keine so gute Kombination für uns ist. Das hat er so lange akzeptiert, bis eine Wolke vor der Sonne war, da hat er dann gleich gesagt, jetzt sei es kälter, also könnten wir nun auch ein Bier trinken.

Aber zurück zum Fufu. Das war nämlich so unbeschreiblich gut, das mit Abstand beste, was ich bis jetzt gegessen habe, also auch seinen Preis wert. Nach dem Essen und einer weiteren runde Bier, die er uns aufgedrängt hatte, ging es dann zurück in Richtung des Busbahnhofes. Dort sind wir aber nur kurz vorbei gefahren, weil Charles meinte, die Schlange am Schalter sei zu lang, wir sollten erstmal noch mal woanders hinfahren und die Zeit vertreiben. Die Logik hat sich mir nicht so ganz erschlossen, weil dadurch die Schlange ja auch nicht kürzer geworden ist. Aber wir haben einfach mal gefolgt und sind mit ihm wieder auf das Gelände der Goldfirma gefahren. Dort sind wir in den Tennisclub der Firma gefahren um noch mal was zu trinken.

Da merkt man die gewaltigen Disparitäten in Ghana. Den Menschen geht es ja generell für ein afrikanische Land recht gut, aber die, die wirklich Geld haben, haben dann gleich so viel, dass sie mit einem dicken Auto rum fahren (Ein eigenes Auto ist hier ein Zeichen von Geld), Golf spielen, oder eben fleißig sonst Geld raus hauen. Ich kam mir da schon recht komisch vor in diesem Golfclub zu sitzen, wo nur reiche Ghanaer, oder Weiße waren. Die Weißen sahen auch gleich so aus, als würden sie bei der Goldfirma arbeiten und die Ghanaer übers Ohr hauen. Ja ich weis, ich hab schnell Vorurteile gegenüber Menschen, aber irgendwie hat mich die ganze Goldmiene an den Film Blood Diamond erinnert.

Nach dem Tennisclub jedenfalls hat Charles dann (oh Wunder) festgestellt, dass die Schlange am Busbahnhof immer noch nicht kürzer geworden ist. So hat er uns vor die Wahl gestellt: Entweder in Obuasi im Clubhaus übernachten und dann morgens nach Kumasi zurück fahren, oder er fährt uns in seinem eigenen Auto nach Hause. Ich für meinen Teil war nicht so begeistert, eine Nacht in Obuasi zu verbringen, daher hab ich dafür gestimmt uns von ihm Heim fahren zu lassen. In Deutschland würde ich niemals bei jemand ins Auto steigen, der schon zwei Whiskey und drei Bier intus hat, aber hier in Ghana bin ich da irgendwie lockerer. Was auch daran liegen mag, dass die Taxifahrer auch meistens betrunken sind, oder gekifft haben. Also dachten wir uns, bei Charles mitfahren passt schon, der hat eh noch einen recht frischen Eindruck gemacht.

Die Woche über ist dann eher wenig aufregendes passiert, es war einfach der ganz normale Schulalltag, wo gern mal ein Tag keine Schule ist, weil entweder eine Beerdigung ist, wo fast alle Lehrer sind und der Rest dann auch nicht unterrichten will, oder ein Fußballspiel, bei dem die Hälfte der Schule anwesend sein muss. Ich versteh einfach nicht, warum solche Turniere immer unter der Woche statt finden müssen, noch dazu vormittags und am besten noch in der Woche vor den Prüfungen.

 

Letztes Wochenende. Das war echt Wahnsinn. Freitagmorgen ging es auf Richtung Süden, sprich ans Meer. Endlich! Morgen ist vielleicht ein bisschen der falsche Ausdruck, halb sechs war Treffpunkt mit den anderen. Die anderen waren Konrad, Jakob und noch 15 andere Freiwillige von anderen Organisationen, die wir hier kennen gelernt haben. Der Plan war, fünf bis sechs Stunden zu brauchen und dann mittags noch ins Meer springen zu können. Wie so oft war die deutsche Zeitgenauigkeit total sinnlos. Nach acht Stunden waren wir erst an der Küste in Cape Coast.

Von dort aus ging es dann die Küste entlang nach Westen. Bis wir bei einer Polizeikontrolle plötzlich raus gezogen wurden. Zuerst dachten wir, die Polizisten hätten das mal wieder nur gemacht, weil sie gesehen haben, dass Weiße im Trotro sitzen und nun erwarten, dass sie mit einem Euro geschmiert werden, damit der Fahrer weiter fahren darf. Als dieser nun ausgestiegen ist, haben die Polizisten angefangen auf ihn ein zu schreien. Dann ist, wie ich vermute der Chef der Kontrollstation gekommen und hat auch zuerst den Fahrer angeschrieen, als der aber dann wieder einsteigen wollte, hat der Polizist ihm mehrmals ins Gesicht geschlagen und mit auf die Station genommen. Das war mal wieder ein Schock. Ich bin ja jedes Mal wieder geschockt, wenn Kinder in der Schule geschlagen werden, aber so was. Mitten auf der Straße schlägt der Polizist dem Mann ins Gesicht und niemand unternimmt was. Die ganze Aktion hatte dann zur Folge, dass wir dort nun rum standen und gar nicht wirklich wussten was der Fahrer nun falsch gemacht hat. Ein paar sind dann auf die Wache mit gegangen, um zu erfahren, was eigentlich los ist. Der Fahrer steckte mittlerweile im Gefängnis. Sein Vergehen: Er war an der vorherigen Polizeikontrolle einfach durchgefahren, die Station hat dann  die Nächste, sprich die wo wir nun standen angerufen, sodass die uns raus ziehen konnten. Der Grund dafür, dass der Fahrer weiter gefahren ist, war, dass er keinen Führerschein hatte. An sich hier ja gar kein Problem. Wenn Taxifahrer nach ihrem Führerschein gefragt werden, geben sie oft einfach zwei drei Cedi her und die Sache ist gegessen. Darauf hatte unser Fahrer anscheinend keine Lust. Zum Glück kannte einer der anderen Freiwilligen einen Taxifahrer, der wiederum einen Polizisten kennt, der an der Küstenstraße stationiert ist. Dieser kam dann zu unserem Kontrollpunkt und hat raus gehandelt, dass der Fahrer gegen Kaution wieder frei kommt und sogar weiter fahren darf. Die Kaution war echt gesalzen, 150 Cedi, was fast dem Monatsgehalt der Sekretärin unserer Schule entspricht. Hätte er doch lieber mal die zwei Cedi an der ersten Kontrolle abgedrückt.

Immerhin ging es dann nach zweieinhalb Stunden weiter in Richtung Urlaub. Nach elf Stunden Fahrt sind wir dann schlussendlich in der Lodge angekommen. Und ich muss sagen, die elf Stunden Fahrt haben sich so was von gelohnt. Es war einfach traumhaft, genau so, wie man sich einen Karibikstrand vorstellt. Die Lodge bestand aus kleinen Holzhütten für insgesamt 30 Gäste. Der Strand war 50 Meter weit weg. Am Strand hingen unter Palmen Hängematten und wir konnten uns noch den Sonnenuntergang anschauen.

 

Der erste Abend

Am ersten Abend sind wir in der Lodge geblieben und haben am Strand gelegen und spiele gespielt. Am nächsten Morgen bin ich dann um sechs aufgestanden, um mir den Sonnenaufgang anzuschauen. Leider war ich schon zu spät dran und die Sonne war schon relativ hoch. Dafür bin ich dann gleich noch am Strand joggen gegangen, was ich ja eh liebe, aber dann noch an so einem Strand, das war echt unbeschreiblich.

Vormittags lagen wir dann am Strand, oder besser gesagt waren im Meer. Die Wellen waren echt der Wahnsinn. Dann ist Konrad auch noch mit einem Surfbrett angekommen, das er sich ausgeliehen hatte. Das weitere Tagesprogramm war nun also auch schon bestimmt. Auch wenn ich es zum ersten Mal versucht habe, und das längste Mal drauf stehen vielleicht drei Sekunden betrug, hat es so unglaublich viel Spaß gemacht. Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich noch einmal eine Sportart entdecke, die mir nach einmal probieren so viel Spaß macht. Es war einfach super mal wieder richtig Sport machen zu können. Kein Klettern, kein Mountainbiken und natürlich auch kein Snowboarden. Ich merk einfach, wie mir der Sport hier fehlt und dann noch das ewig ölige Essen. Nur Joggen gehen ist da auch keine wirkliche Alternative.

Eine Sache hat ausnahmslos jeder bekommen, einen Sonnenbrand. Trotz zweimal eincremen, was ich hier sonst gar nicht mache, hatte ich einen Ganzkörpersonnenbrand. Ich bin zwar die Sonne mittlerweile gewohnt wenn ich einfach nur draußen bin, aber am Strand und dann noch fast den ganzen Tag im Wasser, das ist dann wohl doch zu viel des Guten.

Abends sind wir in die nächste größere Stadt gefahren, da dort ein Festival statt gefunden hat. Noch dazu  war die Bühne direkt am Strand. Am Anfang war mir noch ein bisschen zu viel ghanaische Musik, sprich Hiplife und Highlife. Dann gegen Ende aber wurde auch mal mehr elektronisches Zeug gespielt, was fast schon an Drum and Bass oder Dubstep erinnert hat. Da hat es dann schon deutlich mehr Laune gemacht.

Trotz wenig Schlaf bin ich am nächsten Morgen so früh wie möglich aufgestanden, um noch Zeit zum Baden zu haben und nicht ewig aufs Frühstück warten zu müssen. Apropos Essen, das war in der Lodge echt ein Witz. Als wir am ersten Abend total ausgehungert dort angekommen sind, gab es für 12! Cedi eine Schüssel Suppe und ein Stück Quiche für jeden. Und so ging es dann auch noch weiter, es gab einfach immer so wenig zu essen, das hat schon an einen Diäturlaub gegrenzt. Vor allem an dem Samstag, nach Stunden im Wasser und Surfen war das eine Qual so wenig zu bekommen.

 

Trotz Radikaldiät war das Wochenende so wunderschön, wenn auch nicht wirklich erholsam, weil man einfach so wenig Schlaf bekommen hat und die Fahrten waren auch immer der Hammer. Da bin ich echt froh, dass wir über Weihnachten länger am Meer bleiben damit man sich auch mal entspannen kann. Es war auch einfach mal so angenehm, dem ständigen Lärm zu entkommen, dem man hier ständig ausgesetzt ist.

Diese Woche waren die Prüfungen für das erste Trimester. Die haben am Mittwoch begonnen, die Lehrer haben aber schon zu Beginn der Woche nicht mehr unterrichtet, sodass ich der einzige war, der noch voller Panik seine letzten Themen durchgeboxt hat. Die Prüfung schreib nämlich nicht ich, sondern die wird mir gestellt. Das bedeutet, dass wenn ich ein Thema aus Zeitmangel nicht durchnehmen konnte, die Schüler einfach blank da stehen. Sau doof. Vor allem weil man hier einfach so wahnsinnig langsam im Stoff voran kommt. Das liegt zum einen daran, dass die Schüler oft nichts verstehen, weil ich ja nur auf Englisch unterrichte, zum anderen aber auch daran, dass ständig der Unterricht ausfällt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einmal fällt der Unterricht aus, weil mal wieder ein Fußballtunier statt findet und das ja unbedingt Mittwoch vormittags sein muss. Ein andern Mal komm ich in die Schule, und die Lehrer sitzen im Lehrerzimmer und als ich sie dann frage, warum kein Unterricht ist, wird mir nur gesagt, dass die restlichen Lehrer auf einer Beerdigung sind und somit sie auch nicht unterrichten. Dann versuche ich natürlich trotzdem zu unterrichten, was aber einfach nicht möglich ist, weil die Hälfte der Klasse essen holen gegangen ist, 10 noch beim Fußball spielen sind und mit fünf Schülern brauch ich dann auch nicht anfangen.

Also hab ich als einziger am Dienstag noch meine letzte Stunde mit ach und krach gehalten, weil ungefähr nur zwei Schüler zugehört haben und der Rest es nicht eingesehen hat, unterricht zu haben, wenn die anderen Klassen frei haben. Dann gehe ich also zu den anderen Lehrern, beschwere mich über meine viel zu laute Klasse und was kommt als Antwort? „Die Schüler waren einfach nicht darauf eingestellt heute Unterricht zu haben“. Was soll das denn heißen? Wenn sie schon zur Schule gehen sollten sie sich gefälligst auch darauf einstellen, dass sie was lernen müssen. Noch dazu wenn am nächsten Tag genau über das Thema Prüfung geschrieben wird. Jetzt weis ich dafür endlich mal, wie nervtötend die Argumentationsketten von Schülern wirklich sein können.

Also habe ich mich am Mittwoch bei einer Klasse rein gesetzt, um Prüfungsaufsicht zu halten. Wiederum war ich der einzige Lehrer, der das wirklich durch gezogen hat. Ich hatte Aufsicht bei den Form 1, die Aufsicht von der Form 2 hat vor dem Klassenzimmer geschlafen und die von der dritten Klasse war gleich ganz im Lehrerzimmer und hat damit den anderen Lehrern abgehangen. Das hätte mich ja gar nicht so gestört, wenn sie nicht alle 15 Minuten in die Klassen gegangen wären und einen x-beliebigen Schüler geschlagen hätten, der wie der Rest natürlich am Reden war. Auch bei mir kam immer mal wieder die Mathelehrerin rein und hat gschaftelt. Daher hab ich beschlossen, Donnerstag und Freitag Prüfung einfach Prüfung sein zu lassen und einfach nur daheim zu korrigieren. Das war auch wieder so ein Punkt, wo ich mich aufregen musste. Wie kann es sein, dass eine staatliche Prüfung in der Angabe unzählige Fehler enthält und dann auch noch in den für die Lehrer gegebenen Lösungen. Daher musste ich alle Aufgaben noch einmal durchrechnen, was 40 an der Zahl waren. Davon waren echt fünf Mal die Lösungen falsch angegeben. Na ja andere Länder, andere Sitten. Die Lehrer hat das alles nicht so erschüttert, die sind das ja schon gewohnt und wissen damit umzugehen.

Bei solchen Aktionen merk ich erst, wie spießig und genau ich das eigentlich alles aus Deutschland gewohnt bin und auch schätze.

Unabhängig von den letzten Wochen wollte ich auch mal die Vorurteile der Ghanaer uns gegenüber ansprechen. Total oft wird man schon nach zwei Minuten darauf angesprochen, warum man eigentlich in Ghana ist, weil die Deutschen doch keine schwarzen mögen. Wenn man versucht sie dann vom Gegenteil zu überzeugen, hören sie nicht zu, oder sagen einfach ein Freund, der in Deutschland lebt hat das gesagt, also stimmt das schon.

Das andere große, weniger erschreckende, aber dafür um so erheiternde Vorurteil ist, dass wir Deutschen angeblich nur Bier trinken. Das hat für die Ghanaer unterschiedlichen Ursprung. Die Einen meinen, dass wir das Wasser, vor allem in Ghana, nicht vertragen und somit nur Bier trinken. Die Anderen glauben, dass wir in Deutschland durch den zweiten Weltkrieg einen Wassermangel haben und deshalb nur noch Bier trinken. Ich hab echt keine Ahnung, wie die auf so einen Schmarn gekommen sind, lustig ist es aber trotzdem immer wieder wenn sie einen darauf ansprechen.