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Der Kurzurlaub


Lange Zeit war Funkstille, doch jetzt geht’s endlich weiter. Ein Grund war, dass sich so etwas wie ein Alltag eingestellt hatte und ich dann nie so bemerkenswerte Sachen erlebt habe, oder es schlicht und einfach vergessen habe. Mein Bericht wird sich deshalb hauptsächlich um das letzte Wochenende und das davor drehen. Besser gesagt den Freitag vor dem letzten Wochenende. An besagtem Freitag hatte unsere Schule nämlich ein Fußballspiel gegen eine andere Schule aus der Nähe. Es fing schon einmal damit an, dass ein Kleinbus kam, in den die ganze Schule rein passen sollte. Ich hab dann einen Lehrer gefragt, wie denn alle Schüler dort hinein passen sollen, worauf er geantwortet hat: „It will work. This is Ghana“. Zu meiner Überraschung hat dann wirklich fast die ganze Schule, sprich knapp 70 Schüler rein gepasst. Es wurde einfach gestapelt und gestopft, wobei der andere Lehrer und ich vorne massig Platz hatten. Den mangelnden Platz haben sich die Schüler durch die Stimmung im Bus aber wieder wettgemacht, es wurde ein Lied nach dem anderen geschmettert. Da war echt was los.

Bei der anderen Schule angekommen, mussten wir dann aber erst mal eine Stunde warten, bis das Spiel endlich losgehen konnte. Es wurde nämlich alles extrem ernst genommen. Beide Schulteams, es gab sowohl ein Mädchen, als auch ein Jungenteam hatten Trikots an. Bei dem Spiel habe ich mir meinen ersten Sonnenbrand nach knapp 2 Monaten Ghana geholt. Wir haben aber auch erst seit einer Woche wirklich Sonnenschein, weil jetzt dann die Trockenzeit kommt. Nach den Spielen, bei denen unseres Mädels 1:0 verloren haben, und die Jungs 1:1 unentschieden gespielt haben, gab es für die Lehrer Fufu im Lehrerzimmer der Schule. Ich muss sagen, das war das bisher beste, was ich gegessen hatte. Seit dem schmeckt mir Fufu auch wirklich gut. Davor hat mir oft die Konsistenz oder die Suppe nicht zugesagt. Das Fufu war oft zu schleimig, oder die Suppe hat total nach Fisch geschmeckt. In der folgenden Woche haben wir dann auch einmal selber Fufu gemacht, wobei uns eine Schülerin geholfen hat, sprich fast die ganze Arbeit gemacht hat. Die Ghanaer sind leider in solchen Dingen keine wirklich guten Lehrer. Immer wenn wir gefragt haben, ob wir irgendwas selber machen können, wurde uns nach spätestens 2 Minuten die Mörserschüssel, oder der Stab zum Fufu stampfen aus der Hand genommen. Sie können es einfach nicht aushalten, zuzuschauen, wie man sich anstellt, und wenn man fragt ob sie es einem erklären können, dann machen sie es einfach vor, aber sagen einem nicht was man anders machen soll. Vor allem beim Fufu stampfen haben sie sich immer alle schlapp gelacht. Es ist aber schon krass, was die Mädels für eine Kraft hier haben. Ich für meinen Teil konnte meine Arme nach 5 Minuten Stampfen schon fast nicht mehr heben, und die Mädels halte da fast eine Stunde durch. Also natürlich immer mit Pausen dazwischen, aber trotzdem. Nachdem hier in Ghana die Frauen komplett fürs Kochen zuständig sind, wird auch von ihnen das Fufu gestampft. Immer zu zweit, oder zu dritt wird dann abwechselnd von einem gestampft, und von einem anderen die Kochbanane und die Cassavawurzel mit der Hand gewendet. Ich hätte beim wenden so Angst um meine Hand, wenn der andere mit dem riesigen Holzprügel da draufstampft. Es geht so: Immer wenn der Stampfende ausholt wendet, oder richtet der andere das Fufu wieder so hin dass möglichst viel von der Masse gleichzeitig gestampft wird. Dann wird die Hand weggezogen und der Stampfende haut ordentlich drauf. Die Ghanaer machen das in einer Geschwindigkeit, dass es mich immer wundert, dass nicht jeder zweite hier ab und zu eine gebrochene Hand hat. Das selbst gemachte Fufu war dann echt super lecker, weil wir auch entscheiden konnten, was für ein Fleisch rein kommt. Wenn man in einer Chopbar, sprich einem Restaurant Fufu kauft, dann ist in der Soße oft so widerliches Fleisch drin, deswegen bestell ich schon immer gleich ohne Fleisch. Nun aber zum Wochenende. Quasi ein Kurzurlaub in einem traditionellen Dorf. Wir waren auf der Hochzeit von einer Kusine von Harriet, der Schneiderlehrerin unserer Schule eingeladen. Die Hochzeit hat in einem größeren Ort, eineinhalb Stunden von Kumasi entfernt statt gefunden, übernachtet haben wir aber in besagtem traditionellem Dorf etwa eine halbe Stunde von Kumasi, in der Nähe des einzigen Sees in Ghana, bzw. Westafrikas. Dieses ist das Heimatdorf von Harriets Familie und wir haben bei ihrem Vater gewohnt. Dort hat auch die Verlobungsfeier, welche hier in Ghana fast genauso groß, wie die eigentliche Hochzeit, halt nur ohne Kirche, gefeiert wird, statt gefunden. Wir sind Freitagmorgen so um 5 hier losgefahren, um auf alle Fälle rechtzeitig da zu sein. Die Taxifahrt war alles andere als komfortabel, da wir 8 Personen, Harriets einjährige Tochter inbegriffen, waren. Man kann sagen, es war eine sehr „vielschichtige“ Fahrt. Die Hälfte von uns hat danach kaum noch die Beine gespürt, weil es zu fünft hinten dann doch eher eng war. Dort angekommen wurden wir dann von Harriets Vater, einem mir wahnsinnig sympathischen Ghanaer, und seiner neuesten Frau empfangen. Die Familienverhältnisse sind mir immer noch nicht ganz klar, ich weis nur, dass er 13 Kinder von verschiedenen Frauen und Harriet anscheinend 35 Kusinen und Cousins hat. Nachdem der Vater uns unsere Zimmer gezeigt hat, sind wir gleich ins Dorf aufgebrochen, um die ganze Familie kennen zu lernen. Das Dorf hat sich schon deutlich von Denkyemouso unterschieden, vor allem, weil viele Häuser noch aus Lehm gebaut waren und dementsprechend am Verwittern. Das große Familienhaus war jedoch ein Betonbau, der an Römische Häuser erinnert hat. Ein großer Innenhof wurde komplett von den Zimmern der Hausbewohner und der Küche umschlossen. Jeder hat nur einen einzigen Raum wo ein Bett und stapelweise Klamotten drin waren (Die Zimmer in die ich rein geschaut habe zumindest).

Sämtliche Haushaltssachen, wie Waschen oder Kochen, finden im Innenhof statt. Auch sonst spielt sich das meiste draußen ab. Nach gründlicher Besichtigung des Hauses ging es dann weiter zum zweiten großen Haus der Familie, gleichzeitig das Kindheitshaus der Braut. Dort wurde fleißig Fufu gestampft und Suppe gekocht. Das gab es dann auch gleich noch zum Frühstück, wofür ich ziemlich dankbar war, weil wie zu erwarten hat die Verlobungsfeier fast drei Stunden gedauert, und sonst wäre ich mal wieder fast verhungert. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel und oft die Ghanaer essen, aber auf der anderen Seite halten sie es dann auch mal ewig ohne Essen aus. Die Verlobungsfeier war dann gar nicht so langweilig, wie erwartet, weil uns Harriet die gesamte Prozedur übersetzt hat. Es fing an mit der Vorstellung und Begrüßung der Familien, wobei die Familie des Bräutigams sitzen blieb, während die Familie der Braut, wie immer gegen den Uhrzeigersinn gehend, einem nach dem anderen die Hand geschüttelt hat. Dann wurde viel geredet, wovon wir dann nichts mehr verstanden haben. Die Familie der Braut ist für die Ausrichtung der Verlobungsfeier zuständig, die Familie des Bräutigams macht dagegen Geldgeschenke an enge Verwandte der Braut, stellt den Ring, schenkt einen Koffer ( Den Inhalt habe ich leider vergessen) und sorgt für Getränke. Ah und ganz wichtig, wurde uns sogar persönlich vom Vater der Braut und danach noch mindestens zwei Mal erklärt, dieser bekommt eine Flasche Schnaps. Wie bei der Hochzeit wird ständig dazwischen gerufen oder es werden Witze gemacht, wodurch die ganze Feier zu einer sehr lebhaften und fröhlichen Veranstaltung wird.

Wieder im Haus unseres Gastgebers hat dieser uns dazu eingeladen, uns sein Dorf zu zeigen. Ganz stolz hat er uns erst zum Brunnen, dann zu örtlichen Schnapsbrennerei gebracht. Die „Schnapsbrennerei“ bestand aus einer auf einem Feuer stehenden Tonne, aus der ein Rohr in ein Kühlbecken führt, und dann in einen Kanister. Das ganze funktioniert so: Als erstes wird eine Palme gefällt, diese wird dann aufgeschnitten und die darin befindliche Flüssigkeit wird in ein Metallfass abgefüllt. Darin gärt das ganze dann an die fünf Tage. Dann hat man Palmwein, der knapp 4% hat (Dieser wird oft schon vormittags getrunken). Um den Schnaps zu gewinnen, wird der Palmwein in die Tonne auf dem Feuer gefüllt und destilliert. Das ganze wird zwei Mal gemacht, wobei beim zweiten Mal noch mal ¼ Palmwein hinzugefügt wird. Nach dem zweiten Brennen hat man dann Akpeteschi, der ein bisschen an Tequilla erinnert, nur deutlich stärker ist, so an die 50%. Eine interessante Regel hat uns der Vater erklärt. Wenn man dort Alkohol kauft, muss der Verkäufer immer vor den Augen des Käufers einen Schluck nehmen, um zu zeigen, dass der Schnaps oder Palmwein nicht giftig, oder sonst wie gefährlich ist. Find ich sehr gut, weil so ganz Vertrauen erweckend mir das Ganze ja nicht aussah. Auch der Vater von Harriet hat immer als erster vom Palmwein oder Akpeteschi getrunken um uns zu beweisen, dass es ungefährlich ist. Nach der Destille ging es dann zum großen Brunnen des Ortes, der elektrisch Wasser in einen Tank auf fünf Meterhöhe gepumpt hat, damit immer Vorrat da ist. Für dieses Wasser müssen die Dorfbewohner aber bezahlen, dafür ist das Wasser viel sauberer. Zuerst dachten wir neben den Wasserhähnen stehen Duschen, bis zwei Ghanaerinnen mit Eimern auf dem Kopf kamen, sich darunter gestellt haben und so die Eimer gleich auf dem Kopf befüllt haben. Das ist vor allem nützlich, wenn sie niemanden dabei haben, der ihnen beim Heben des doch sehr schweren Eimers auf den Kopf helfen kann. Das war der Freitag. Für Samstag hatte der Vater, ich nenne ihn jetzt nur noch Kwame, weil ich den Rest seines Namens vergessen habe, so einiges geplant. Er hatte sich so viele Gedanken zu unserer Unterhaltung in seinem Dorf gemacht, das war echt der Wahnsinn. Nach dem Frühstück vor seinem Haus ging es als erstes auf sein Feld. Man muss dazu sagen, er war 27 Jahre lang Arbeiter in den Goldminen und hat sich jetzt in seinem Ruhestand als Hobby einen kleinen Hof aufgebaut. Er produziert Palmöl, baut Orangen an, Pepper, Cassavawurzel und hat noch dazu einen Stall in dem er Hühner hält. Bevor wir jedoch auf seine kleine Palmen/Orangenplantage gegangen sind, wollte er uns unbedingt Kokosnuss essen lassen. Wir haben sie direkt von der Palme „gepflückt“ bekommen. Ich muss leider sagen, dass mir so eine Frische Kokosnuss nicht besonders zusagt, weil mir erstens die Milch nicht schmeckt, und das Innere, was bei uns immer Hart ist, bei einer frischen Kokosnuss noch weich und fast schon schleimig ist. Trotzdem war es ein Erlebnis mal so was direkt von der Palme zu bekommen. Auf seiner Plantage hat Kwame uns dann ganz stolz jede einzelne Pflanze, von der Bananenstaude bis zu Tabakpflanze gezeigt. Wo man zunächst nur Bananenstauden gesehen hat verstecken sich dazwischen noch unzählige andere essbare Gewächse. Nach der Besichtigung der Plantage ging es wieder zurück zu seinem Haus, wo es zum eigentlichen Teil seiner Hoftour. Sie wollten für uns Kochen, und dafür wurden zwei Hühner geschlachtet. Der Schlachtvorgang war recht makaber, weil Kwame die Bibel wörtlich nimmt und somit das Huhn lebendig sein muss beim Ausbluten. Die Eva wollte gar nicht erst hinschauen, deswegen habe ich das ganze einfach mal gefilmt. Dann wurden die Hühner gerupft und ausgeweidet. Danach hatte ich dann erstmal keine Lust mehr auf Huhn und musste mich kurz hinlegen, weil mir so schlecht war. Vor allem nachdem ich gesehen hatte, was alles mit in den Topf zum Kochen kommt. Da waren die Nieren, das Herz, die Leber und zu guter letzt den Magen. Zum Glück konnten wir Kwame verständlich machen, das wir eigentlich nur das Fleisch essen wollten, und beim Essen durften wir uns dann selber das nehmen was wir wollen. Wie immer und bei so vielen Sachen wurde auch hier das Huhn nach dem Kochen noch einmal frittiert. Es ist echt der Wahnsinn, dass sie einfach alles frittieren. Bananen, Huhn, Fisch, Yamwurzel, Reis…

Und dann fragen mich die Lehrerinnen in der Schule, was sie machen können, damit sie nicht so dick sind.

Nach meiner Erholungsphase vom Schock über die Eingeweide konnte ich dann doch von dem Huhn essen, was übrigens super gut war.

Nach dem Mittagessen ging es dann zum See Busumtwe, einem See in einem Meteroitenkrater, sprich einem stehenden Gewässer. Auch hierfür wurde uns wieder Essen zubereitet, diesmal frittierte Kochbananen mit Bohnen. Das schlägt ganz schön im Magen ein, vor allem weil die Bohnen so wahnsinnig ölig sind. Der See war echt super schön. Auch wenn er nicht so groß aussah hat er einen Durchmesser von knapp 16 Kilometern. Der einzige Kritikpunkt ist wohl die Temperatur des Sees die bei gefühlten 30 Grad lag. Zum abkühlen ist dieser so gar nicht geeignet. So viel zum Samstag, ein toller Tag.

Der Sonntag war dann von der Hochzeit und unserer Heimfahrt bestimmt. Die Hochzeit war super langweilig, was vor allem daran lag, dass wieder alles auf Twi war, man somit kein Wort verstanden hat und außerdem hatten wir so beschissene Plätze, dass wir ncihmal das Brautpaar sehen konnten. Die Boxen waren mal wieder viel zu laut, und trotzdem wurde ins Mikro geschrieen. Da bevorzug ich doch echt lieber die Verlobungsfeier, da gibt es wenigstens noch Essen. Insgesamt war aber das Ganze Wochenende ein super Kurzurlaub um mal wieder hier aus dem Schulalltag raus zu kommen und vor allem super um mal ein traditionelleres Leben zu sehen. Ach ja, was ich fast vergessen hätte, als wir am Samstag die Mutter von Kwame, sprich Harriets Großmutter besucht haben, um uns von ihr zu verabschieden, hat sie gleich nach mir gefragt, um mir mitzuteilen, sie wolle mir eine ihrer Enkelinnen zum Heiraten geben. Als ich dann gesagt habe, ich bin schon in Deutschland vergeben, dahat sie nur gelächelt und gemeint, hier könnte ich ja dann auch noch eine Ghanaerin Heiraten, das geht schon. Ich hab dann aber trotzdem nicht zugesagt, ich steh ja nicht so aufs Blindheiraten…

Die Schule


Warnung: Ich habe mal wieder über viel zu viele Details geschwafelt

Ich habe mir gedacht, dass ich, bevor ich zur letzten Woche komme, mal einen typischen Schultag hier beschreibe.Dieser beginnt so um 6 Uhr morgens, wenn ich das erste Mal aufwache, weil ich mich mal wieder so im Mückennetz verhakt habe, dass weitere Bewegungen unmöglich geworden sind.Noch dazu muss ich jeden morgen zwischen 6 und 7 das erste Mal aufs Klo, was bedeutet, dass ich mich unter enormem Kraftaufwand aus dem Netz befreie, und mich aus meinem Bett/ meiner Hängematte quäle. Hängematte deswegen, weil die Matratze die ca. weichste der Welt ist, und diese noch dazu auf einem Spannfederbett liegt.Wenn das alles geschafft ist, und wir gerade fließendes Wasser haben, komme ich auch schnell wieder für eineinhalb Stunden ins Bett. Falls kein fließend Wasser da ist dauert die ganze Prozedur deutlich länger, weil ich d ann mit einer halben Plastikflasche Wasser aus der Tonne bei uns im Bad in den Spülkasten schöpfen muss. (Ab exakt 10 Mal schöpfen lässt sich die Spülung das erste mal betätigen)Zwischen halb 8 und 8 wache ich dann das zweite mal auf und bin schon halbwegs fit.Problematischer Weise ist der Philipp dann gerade beim Duschen, was heißt, dass ich aufstehen muss um den Mädels die Tür aufzusperren. Unglücklicherweise ist nämlich sämtliches Frühstückszubehör bei uns im Zimmer. Einmal aufgestanden bleib ich dann wohl oder übel wach, auch wenn ich , wie heute, erst um halb 1 meine erste Unterrichtsstunde habe.

Unser Gang

Da Sport immer Nachmittags ist, und ich nur Dienstag bis Donnerstag Mathe unterrichte, habe ich Montag und Freitag immer erst so Spät Schule. Die Zeit bis dahin vertreibe ich mir dann mit lesen, oder (falls mal wieder nötig) waschen und abspülen. Das per Hand waschen ist, bis auf T-Shirts waschen, super nervig und auch anstrengend. Daher werden die Klamotten schon mal gern eine Woche länger getragen, als eigentlich annehmbar wäre.

Okay, die Zeit ist nun überbrückt, und ich begebe mich so langsam in Richtung Schule.

Der Pausenhof meiner Schule

Falls ich Mathe habe, schau ich aufm Weg noch schnell in mein Buch, welches Thema heute bearbeitet werden muss. Bis jetzt waren die Themen immer so trivial, dass ich null Vorbereitungszeit gebraucht habe. Gerade in der Einfachheit der Themen liegt aber auch der Lehranspruch. Ich finde es super schwer, ein Thema zu erklären, wo ich mir nicht einmal vorstellen kann, dass jemand das nicht weis. Was mach ich nun also? Ich versuche den Kindern das Thema anschaulich darzustellen, und rechne dann ein Paar Übungsaufgaben an der Tafel vor und erkläre währenddessen alles noch 5 bis 10 Mal. Wenn ich dann das Gefühl hab, sie könnten es einigermaßen verstanden haben gebe ich ihnen Aufgaben zum selber rechnen und gehe durch die Reihen um zu schauen, inwieweit sie es verstanden haben. Dabei merke ich meistens, dass erst etwa die Hä lfte das Thema umrissen hat. Deshalb frage ich in die Runde, ob jemand an der Tafel vorrechnen will. Dann meldet sich maximal einer, meistens Awe. Der geht dann an die Tafel und erklärt noch mal in einer Mischung aus Englisch und Twi, was er jetzt gerade macht. Anfangs war es echt schwer mathematische Aufgaben auf Englisch zu erklären, weil mir einfach das nötige Vokabular gefehlt hat. Mittlerweile aber habe ich fast alle Begriffe drauf, weil ich einfach zugehört habe, wie die Schüler dazu sagen.

So viel zu Mathe. Wenn ich Sport habe, was ich heute das erste Mal so richtig gemacht habe, weil ich mich wieder fast komplett von der Malaria erholt habe, dann spielen die Jungen Fußball, während die Mädchen im Klassenzimmer sitzen, oder Netball spielen. Heute ging leider kein Netball, weil der Korb dafür letzte Woche kaputt gegangen ist und wir den erst wieder reparieren müssen. Deshalb habe ich die Mädchen einfach machen lassen, was sie wollen, und habe mit den 5 Jungen, die anwesend waren, Fußball gespielt. Zu meiner Verzweifelung waren die alle besser als ich, obwohl sie zwischen 10 und 15 sind.

Spaß gemacht hat es trotzdem, und ich glaube ich habe selten in meinem Leben so geschwitzt, wie nach der Schulstunde. Es war einfach viel zu heiß heute, weil ausnahmsweise mal die Sonne geschienen hat. Gerade ist  noch Regenzeit, was heißt dass eigentlich immer Wolken am Himmel sind, und die Luft ziemlich feucht ist.

Zwischen eins und zwei gibt’s dann im Lehrerzimmer Mittagessen, was zwar nicht sehr abwechslungsreich ist (jede Woche der gleiche Essensplan), aber ich habe Hunger also sehe ich auch darüber hinweg, dass es fast jeden Tag irgendetwas mit Bohnen gibt.

Den Nachmittag verbringe ich dann meistens wieder mit lesen, oder Unterhaltungen mit den anderen. Morgen fahre ich aber endlich nach Kumasi rein und geh zur Post. Ich hoffe, dass mein Paket mit dem Stativschlitten, den ich daheim vergessen habe, angekommen ist, damit ich endlich mein Fotoprojekt starten kann. Noch dazu will ich mir morgen eine Gitarre kaufen, damit ich meine Freizeit auch noch anders gestalten kann, als nur zu lesen und rum zu hängen. Zurück zum Tagesablauf. Wenn es dann so zwischen 6 und 7 Abends ist kommt langsam aber sicher die Frage nach dem Abendessen auf. Meistens gehen wir nach Denchemouso rein und kaufen uns was. Zur Auswahl stehen rice and stew, auch wenn ich nicht weiß was stew genau ist(ich glaub ich will es auch nicht wissen), fried rice mit chicken, fried yam, bread and egg und Fufu.Zur Erkl� �rung: Yam ist eine Wurzel, die ähnlich wie Süßkartoffel schmeckt, bread and egg ist Rührei, das in einem Brot in der Pfanne angebraten wird und Fufu ist Kochbanane mit Maniokwurzel zerstampft.Nach dem Abendessen sind wir dann meistens so müde, dass wir schon so um 9 ins Bett gehen. Also ab unters Mückennetz und in die Hängematte. Und morgen muss ich dann wieder um 6 aufs Klo…

Der Blick aus unserer ZImmertür

Nun aber zu letzter Woche. Ich habe gleich am Montag der Mathelehrerin gesagt, dass ich eine Klasse komplett übernehmen will, und die anderen Klassen dafür gar nicht, damit es für mich, aber auch für sie einfacher wird, den unterricht vor zu bereiten. Das heißt ich habe jetzt 6 Stunden Mathe die Woche, dazu kommen noch 6 Stunden Sport, auf alle drei Klassen verteilt. Ich habe aber auch vor, ab nächster Woche Deutsch als Wahlfach zu unterrichten, was dann noch mal knapp 6 Stunden in der Woche wären, die aber auf den Nachmittag angelegt sind. Ich hätte erwartet, dass vielleicht 5 – 10 Schüler pro Klasse darauf Lust haben, aber als ich jetzt diese Woche einen Zettel hab rumgehen lassen, da hat sich fast jeder eingetragen. Das ist auch der Grund, warum ich so viele Stunden halten werde, weil ich dann pro Klasse einfac h einen Tag mit einer Doppelstunde ansetzen werde.

Der Unterricht an sich ist erst mal gewöhnungsbedürftig, weil wenn ich zum Beispiel meine Mathe Stunde nach der Mittagspause habe, dann beginnt der Unterricht zum Teil erst 15 bis 20 Minuten nach Ende der Pause, weil die Schüler noch beim Essen, oder sonst was machen sind. Da muss ich mir noch was überlegen, wie ich ihnen klar machen kann, dass sie das gerne bei den ghanaischen Lehrern machen können, ich aber dann doch gerne meinen Stoff durchziehen würde. So wirklich leise sind sie dann bei mir auch immer nicht, vor allem wenn ich was an die Tafel schreibe, dann stehen plötzlich welche auf, und gehen einfach raus oder laufen durchs Klassenzimmer. Da muss ich dann schon erst richtig sauer werden, dass sie mal Ruhe geben.

Die Schüler sind ganz klar in zwei Gruppen geteilt, die 5 oder 6 Schüler, die echt was lernen wollen, und der Rest, der einfach nur drin sitzt, und oft nicht einmal Schreibzeug dabei hat.

Aber ich denk mir immer: Solange ich wenigstens ein Paar Schülern was beibringen kann, hat sich die Stunde gelohnt. Es ist auch echt cool, wenn man eine Stunde hält, und dann am Ende der Stunde das Gefühl hat, dass der Großteil der Schüler verstanden hat, von was ich rede.

Der Sportunterricht ist eher unspektakulär, weil die Jungs einfach immer Fußball spielen, und die Mädchen Basketball, wo aber zur Zeit der Korb kaputt ist, den müssen wir in der nächsten Stunde erst noch wieder richten. Nachdem ich jetzt auch wieder Sport machen kann, habe ich letztens bei den Jungen mitgespielt, was eher frustrierend war. Die 12 bis 15 Jährigen waren einfach alle besser als ich. Dafür waren alle anderen Lehrer total begeistert, dass ich mit den Schülern gespielt habe und sie haben mich am nächsten Tag gleich gefragt ob ich wieder Sport hätte.

Die Postfächer in Kumasi

Der Besuch bei der Post war übrigens ein rechter Reinfall. Es lag nur Post für die Freiwilligen, die vor uns da waren im Postfach, weil der Kasten seit mindestens Anfang August nichtmahr gelehrt wurde. Das Postoffice gefällt mir aber echt gut. Sämtliche Boxen sind einfach aussen an dem reisigen Postgebäude, man braucht halt immer einen Schlüssel für das jeweilige Fach. Die Fächer werden dann einfach von Innen befüllt. Im Fahc lagen zwar noch 3 Paketabholzettel, diese waren leider aber ebenfalls schon seit August da drin, konnten deshalb nicht für jemanden von uns sein. Wir haben sie dann auch garnicht abgeholt, weil wir dafür dann bezahlen hätten müssen. Die Suche nach unserem Fach war dann auch wieder ein rechtes Abendteuer, weil wir bei 1 Startend dann alle Wände abgehen mussten um zu unserem Fach mit der Num mer 9004 zu kommen. Das awr aber gar nicht so einfach, weil nach 7000 kam dann plötzlich 15000 und so mussten wir nachfragen gehen, was einige Erheiterung bei den Ghanaern hervorgerufen hat, weil sies komisch fanden, dass wir nicht wissen, wo unser eigenes Fach ist.

Der Samstag war dann für die Hochzeit von Sark, unserm Nachbarn und Administrator der Schule reserviert. Dafür mussten wir um 5 Uhr morgens losfahren, da die Hochzeit in Koforidua statt gefunden hat. Nach 5 Stunden Fahrt waren wir dann dort, und da hatte die Hochzeit auch schon angefangen. Es war echt interessant mal eine ghanaische Hochzeit zu sehen, weil doch einiges anders ist. Der Gottesdienst hat knapp 3 Stunden gedauert, undman hat kein Wort verstanden, weil entweder wurde Twi geredet, oder so ins Mikro geschrieen, dass man kein Ton vom Englischen verstanden hat. Was mich echt erstaunt hat war, dass selbst auf einer Hochzeit das Gebot eingehalten wird, dass man keine Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit zeigen darf. Das Brautpaar hat sich nicht geküsst, sondern nur eine kurze Umarmung gegeben. Was ich cool fand wa r, dass bei den Liedern alle aufgestanden sind, und angefangen haben durch die Kirche zu Tanzen. Da war dann echt Stimmung. Nach dem Gottesdientwar dann gab es noch ein kurzes Fotoshooting, während dem ich fast gestorben bin, weil ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte und es schon 2 Uhr mittags war. Nach dem Fotoshooting  ging es dann weiter in die Church Hall. Dort wurde dann der nicht kirchliche Teil gefeiert. Es wurde fürs Brautpaar gespendet, der Kuchen angeschnitten, und der Toast ausgesprochen. Die ganze Zeit habe ich auf den Teil mit dem Essen gewartet, weil von Deutschen Hochzeiten bin ich einfach gewohnt, dass es irgendwann ganz viel zu essen gibt. Dem war leider nicht so. Ganz am Ende haben wir denn alle ne Box mit Reis und sonderbarem Fleisch bekommen. Meins war leider schon kalt, weil ich zu spät dran war. Direkt danach ich der Bus von unserer Schule auch schon wieder zurück gefahren, es gab gar nicht so was wie eine Party. Bei ghanaischen Hochzeiten ist ansc heinend alles eher kühl, wenn man so sagen kann. Bevor das Brautpaar noch aus der Halle raus war, wurde die Deko schon abgehängt.

Aber ich hab mal wieder fest gestellt, dass es Begriffe gibt, die im Englischen einfach viel passender klingen, als im Deutschen. Trauzeuge heißt einfach mal Best Man, was einfach echt gut passt. Also. Wenn ich mal heirate, gibt’s keinen Trauzeugen, der muss auf jeden Fall Best Man heißen.

Der Rückweg war dann wieder mal ein Beweis dafür, dass man sich hier echt mittlerweile eingelebt hat. Nach ca. einer halben Stunde standen wir im Stau, weil durch den Regen die Straße auf der einen Seite weg gebrochen war und die andere Seite so verschlammt war, dass jedes zweite Fahrzeug stecken geblieben ist. Noch dazu kam, dass die Leute nicht einfach in der Autoschlange geblieben sind, sondern links und rechts vom Stau an der Schlange vorbei gefahren sind, was diesen dreispurig gemacht hat, weil das Ganze auf beiden Seiten des Engpasses geschehen ist. Unser Fahrer hat natürlich auch versucht am Stau vorbei zu fahren, was dann erheblich Probleme beim wieder einordnen gemacht hat, weil uns verständlicher Weise niemand reinlassen wollte. Warum ich gesagt habe, dass man merkt sich hier eingelebt zu haben: Wenn so was je tzt passiert, dann stört das überhaupt nicht mehr, weil man schon weis, dass es irgendwann weiter gehen wird, es halt 2 bis 3 Stunden dauern kann. Also steige ich aus, laufe durch die Gegend, unterhalte mich mit den anderen, oder Ghanaern. Vielleicht hole ich noch meine Kamera raus und vertreibe mir die Zeit mit Fotos machen.

Apropos Fotos. Während der Fahrt habe ich immer versucht Fotos aus dem Fenster raus zu machen, wozu ich aber immer aufstehen musste. Als ich dann einmal die coolste Tankstelle, die ich je gesehen habe, fotografiert habe, haben sich die Ghanaer im Bus beschwert, dass ich ja mal auch die schönen Dinge in Ghana fotografieren sollte und nicht nur die hässlichen.

Den Menschen hier gefällt es gar nicht, wenn man zum Beispiel Müllberge, oder  andere Unschöne Sachen fotografiert. Dann haben sie immer das Gefühl man zeigt nur, wie schlecht die Verhältnisse im Vergleich zu Europa sind.

Das witzige war, dass mir nach dem Foto von der Tankstelle die ganze Zeit Dinge gezeigt haben, die ich unbedingt fotografieren muss, weil sie ja genauso interessant wie die Tankstelle sind. Zum Beispiel sollte ich dann eine Wasserpfütze oder einen Strommasten fotografieren. Auch wenn die Ghanaer keine Ironie kennen glaube ich dass mich der eine damit aber eher verarschen wollte, weil er eben das Gefühl hatte, dass ich nur Blödsinn ablichte.

Bei der Pfütze wollte er dann unbedingt das Foto machen wozu ich ihm Todesmutig meine Kamera in die Hand gedrückt habe. Er ist dann nämlich nach vorne gegangen, und hat aus der offenen Bustür raus fotografiert. Genau in dem Moment sind wir durch ein riesiges Schlagloch gefahren, was mein Herz kurz zum aussetzten gebracht hat, weil ich mir nicht so ganz sicher war, ob er meine Kamera auch wirklich festhält, und er ziemlich weit aus der Tür hinaus gelehnt war. Nach sieben Stunden Fahrt waren wir dann endlich daheim und wollten nur noch einfach ins Bett, weil man im Bus mal wieder nicht hatte schlafen können.

Es sollte uns aber anscheinend nicht vergönnt sein. Als ich nämlich auf den Gang vor unserer Tür gekommen bin habe ich mich schon über die riesige Pfütze auf dem Beton gewundert. Zu meinem Entsetzen kam ein riesiger Fluss aus unserem Zimmer. Das halbe Zimmer stand unter Wasser, weil jemand den Hahn vom Spülkasten vergessen hatte zu zu drehen. Zum Glück ist unser Zimmer zur Tür hin abschüssig, sodass das meiste Wasser raus fließen konnte, sonst wäre wohl das ganze Zimmer unter Wasser gestanden. Um niemanden zu denunzieren, werde ich an dieser Stelle keine Namen nennen. Statt unseren wohlverdienten Schlaf zu genießen durften wir nun fast zwei Stunden mit allem saugfähigen was wir finden konnten, sprich Vorhängen oder Bettbezügen, das Wasser aufwischen.

Diese Woche wollten wir dann am Campus der Universität Volleyball spielen gehen, was aber bei allen drei Versuchen ins Wasser gefallen ist, da es immer um ca. halb 5, wenn das Training dort losgehen sollte, angefangen hat in strömen zu regnen. Beim zweiten Mal hatte ich mich mit Lea untergestellt, als neben uns ein fetter Jeep angehalten hat und der Fahrer uns zu verstehen gab ein zu steigen. Dieser hat uns dann nach Hause gefahren, und uns erzählt, dass er der Chauffeur von einem der Professoren ist, dieser aber gerade in Deutschland auf einer Konferenz ist. Wir haben dann Nummern ausgetauscht, weil er meinte wenn wir wollen könnte uns noch mal mitnehmen. Am nächsten Tag haben wir dann erfahren, dass er der Chauffeur vom Leiter der Universität ist.

Da geht also der Regenwald hin

Gestern wollten wir dann wieder auf den Volleyballplatz, diesmal war dort aber eine Beerdigung. Daniel, ein ghanaischer Freund aus Accra, der uns einmal die Woche besucht, hat uns deshalb seinen Freunden vorgestellt. Diese waren irgendwie alle IT Studenten, was zur Folge hatte, dass sie zu dritt in Boxershorts und Unterhemd in ihrem Zimmer saßen und am Computer zocken waren und nicht mal richtig aufgeschaut haben. Aber immerhin wissen wir jetzt wo wir hingehen müssen, wenn wir technische Probleme haben.

Der Urlaub


Da bin ich mal wieder. Nachdem ich mir jetzt echt lange Zeit gelassen hab, einen neuen Bericht zu schreiben, kann ich jetzt nicht auf jeden einzelnen Tag eingehen, sondern nur einen Überblick geben. Da wir ja  noch 2 Wochen Urlaub hier hatten, bis die Schule „losgeht“ sind wir schleunigst aufgebrochen, um was vom Land zu sehen und nicht hier aufm Campus zu versauern, wo in der Ferienzeit eh nichts los ist. Als erstes sind wir, also alle Freiwilligen (7 an der Zahl), mit Jessica, einer ehemaligen Freiwilligen in den Norden, in die Stadt Tamale gefahren. Wie auch sonst ging es dorthin über holprige Straßen. Diesmal in einem bei weitem nicht so bequemen, aber dafür umso günstigeren Bus (Immerhin gab es keinen Fernseher).

In Tamale angekommen, haben wir uns als erstes auf die Suche nach einem Hotel gemacht. Da es aber nicht genug Zimmer mehr gab, sind Konrad und ich in ein anderes „Hotel“ gegangen. Dieses befand sich in den Polizei Baracken, wodurch wir mit einem eher mulmigen Gefühl dort eingezogen sind. Man muss dazu sagen, dass die Polizei in Ghana einen echt miesen Ruf hat. Dafür war das wohl die billigste Variante die wir in ganz Tamale bekommen konnten, für sage und schreibe 3,5€ für ein Doppelzimmer. Da wir eh nur eine Nacht bleiben wollten, haben wir einfach über das Gemeinschaftsbad hinweggesehen. Da wir am nächsten Morgen um 6 schon beim Ticketverkauf für die Weiterfahrt sein mussten, war die Nacht eh verhältnismäßig kurz. Wie zu erwarten, standen wir um viertel vor 6 vor einem leeren Schalter, wo uns gesagt wurde, der Verkäufer würde gleich kommen. Gleich ist hier in Ghana wie gesagt kein gleich wie wir es kennen. Gleich heißt hier eher so viel wie er kommt im laufe des Tages, aber wir wissen nicht wann. Dies hatte zur Folge, dass um ca. viertel nach 7 endlich wer kam, um die Tickets für den Bus, der am Nachmittag fuhr, zu verkaufen.

An besagtem Nachmittag saßen wir dann endlich im (viel zu engen) Bus. Wir waren noch nicht mal losgefahren, da entbrannte schon eine hitzige Diskussion zwischen einer ziemlich massiven Frau und einem Mann. Es ging darum, in welcher Reihenfolge die Sitzplätze verteilt sind, sprich wer von beiden den Fensterplatz bekommt. Da die Ghanaer für ihr leben gerne diskutieren, war bald der halbe Bus am stehen und aufeinander einreden. Dies wurde irgendwann so laut und aggressiv zwischen zwei Männern vor mir, dass der, mittlerweile losgefahrene Bus, angehalten hat und der Busfahrer ihnen drohte, sie beide raus zu werfen.

An unserem Ziel angekommen, dem Mole Nationalpark, erwartete uns auch schon gleich die erste Überraschung. Als die Mädels ihr Zimmer beziehen wollten, mussten sie feststellen, dass eine Wildschweinmutter mit ihren zwei Ferkeln vor ihrer Tür lag. Da wir alle nicht wussten, wie wir die Wildschweinfamilie umgehen oder loswerden sollten, haben wir eine Mitarbeiterin des Nationalparks geholt. Diese hat uns dann ziemlich doof dastehen lassen, sie hat einfach mit einem Stock gefuchtelt, ihn auf die Wildschweine geworfen und sie somit verscheucht.

Für den nächsten Tag war eine Safari geplant. Diese begann dann so um 7 morgens, und ging 2 Stunden lang. Am Anfang waren wir alle ziemlich enttäuscht, weil die ersten 20 Minuten hat uns der Führer einfach auf Straßen durch den Park geführt. Dann aber ging es doch noch in den Busch, wo wir dann Antilopen von weitem durch die Bäume hindurch beobachten konnten, was eher unspannend war. Die Elefanten, weswegen ich dort hingefahren bin, haben wir dann aber doch noch gesehen.

Mole Nationalpark

Am Rückweg zum Hotel sind wir dann durch ein kleines Dorf gekommen, wo der gesamte Fußballplatz (Es gibt in jedem noch so kleinen Ort irgendeinen Fußballplatz) von Affen und Wildschweinen besetzt war.

Apropos Hotel. Die Lage vom Hotel war einfach atemberaubend. Es lag auf einem Hügel mitten im Nationalpark, und direkt oberhalb von einer Wasserstelle, wo Tagsüber immer wieder verschiedene Tiere beim trinken zu beobachten waren. Der Hammer.

Die Lage machte sich aber auch im Preis bemerkbar, da man für ein Abendessen nicht die üblichen 50cent – 1€ zahlen musste sondern gleich mal das Zehnfache.

Naja, egal. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall.

Wir haben dann noch eine Nacht dort verbracht, und sind dann morgens um halb 5 zurück nach Tamale aufgebrochen. Da wir uns dort aber nicht stressen lassen wollten, beschloss die männliche Hälfte unserer Gruppe eine Nacht noch dort zu verbringen, und dann morgens wieder nach Kumasi bzw. Denchemouso zu fahren.

Wegen den vielen und vor allem anstrengenden Busfahrten war ich dann wahnsinnig froh endlich wieder bei uns im Dorf zu sein und mal wieder Ruhe zu haben. Deswegen war mein Plan auch zunächst nicht mit den anderen am übernächsten Tag gleich wieder weiter zu fahren, sondern einfach die Ruhe zu genießen.

Aber schon der nächste Tag des Nichtstuns war so langweilig, dass ich doch mitgefahren bin.

Diesmal ging es jedoch nach Süden, in Richtung der Hauptstadt in einen Ort namens Kouforidia oder so. Ich weis bei den Orten hier nie so ganz genau, wie sie jetzt ausgesprochen, geschweige denn geschrieben werden.

Dort wollten wir zum einen auf den Perlenmarkt, und zum anderen einen Wasserfall anschauen. Der Hinweg war im Nachhinein der deutlich angenehmere von beiden, aber in dem Moment war es grausam. Wie üblich waren wir früh aufgestanden, und dementsprechend müde während der Fahrt. An schlafen war aber in keinem Fall zu denken, da in jedem noch so kleinen Ort wo wir durchgefahren sind, und deren gab es viele, mindestens 3 – 4 „Geschwindigkeitsbegrenzungshuckel“ waren. Den Fahrer hat es wenig gejuckt mit fast unvermindertem Tempo darüber hinweg zu fliegen.

Am selben Nachmittag noch waren wir dann aber auf besagtem Perlenmarkt, wo es Glasperlen, in den umliegenden Orten produziert, gab.

Für den nächsten Tag war der Besuch des Wasserfalles, mit vorheriger Wanderung durch den (meiner Meinung nach) Regenwald geplant. Wir hatten uns 2 Taxifahrer engagiert, die uns hinfahren, 2 Stunden auf uns warten und uns dann wieder heimfahren sollten, aber dazu gleich mehr. Nach der Wanderung in ein kleines Tal rein und dann hoch zu einem heiligen Stein und einer dreistämmigen Palme, haben wir uns an den Wasserfall gewagt.

Boti Waterfalls

Das Bild kann nur sehr abgeschwächt die Faszination des Wasserfalls zeigen. Leider ist mein Kameraobjektiv nicht von dem Sprühnebel des Wasserfalls verschont geblieben, was die Bildqualität der Fotos eingeschränkt hat. Nachdem wir vielleicht 10 Minuten vor dem kleinen See am Fuße des Falls gestanden hatten, waren wir fast komplett durchnässt. Genau so habe ich mir die Tropen vorgestellt. Ich freu mich auch schon drauf noch mal richtig in den Regenwald zu gehen. Allein schon die abgeschwächte Form in diesem Gebiet hat einen Ausblick auf die Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen gegeben.

Auf dem Rückweg vom Wasserfall haben wir uns dann noch in einem kleinen Ort von den Taxifahrern absetzen lassen. Dort sind wir dann in einen Glasperlenproduktion gegangen. Es war  ein Projekt zur Förderung Alleinerziehender Mütter aus der Gegend. Wir haben eine kleine Führung bekommen, und haben uns dann noch ein Paar Ketten, Ohrringe und Armbänder angeschaut und auch wieder mal gut eingekauft.

Irgendwann kam dann einer der Taxifahrer rein und gab uns dadurch zu verstehen, dass er bald mal gerne fahren würde. Man hat ihm leider nur ziemlich schnell angesehen, wie er sich die Wartezeit vertrieben hat. Schon als wir vom Wasserfall losgefahren sind, haben wir uns über die seltsame Fahrweise des Fahrers gewundert, da er wahnsinnig langsam gefahren ist, und bei jeder Kurve auf der Landstraße geblinkt hat. Als er dann in der Perlenfabrik in der Tür stand hat man ihm endgültig angesehen, dass er total zugekifft war.

Zum Glück hat er uns dann doch sicher nach Kouforidia zurück gebracht. Als wir dann da waren, wollte er dann aber plötzlich 5€ mehr für die Wartezeit. Dadurch ist dann einen spitzen Diskussion entstanden, weil wir es eine absolute Frechheit fanden, dass er sich zudröhnt in der Zeit, und es dann trotzdem als Arbeitszeit deklariert. Das haben wir ihm so gesagt, aber ihm war nicht mal irgendetwas unrechtes daran bewusst, bekifft Auto zu fahren. Er meinte, solange es niemand sieht, also er’s Zuhause oder im Gebüsch macht ist es ja nichts was unsere Angelegenheiten betrifft.

Wir sind dann aber doch noch darauf eingegangen, ihm mehr zu zahlen. Diskussionen locken in Ghana immer Menschen an, die einfach mit einsteigen, auch wenn sie keinen der beiden Seiten kennen. Da im Zweifel die Leute für die Ghanaer gewesen wäre, wollten wir nichts drauf ankommen lassen.

Nachdem es mal wieder ein wahnsinnig schwüler Tag war, war ich danach so K.O. , dass ich im Hotel einen Mittagsschlaf machen musste und dann trotzdem noch früh ins Bett gegangen bin. Das passiert mir hier eigentlich so gut wie jeden Tag. Abends um 9 bin ich schon so kaputt, dass ich die Augen nur noch mit Mühe offen halten kann.Dafür wacht man schon um 7, oder noch früher auf und ist fit.

So nun zur Rückfahrt, meiner bisher traumatischsten Tro-Tro fahrt. Tro-Tros sind übrigens kleine Transporter, für 12 – 15 Personen, der als Busersatz dient, aber deutlich unbequemer ist. Dafür umso billiger. Mein Platz war so ziemlich der grausamste den man in dem Teil bekommen konnte. Direkt vor dem, viel zu lauten, Fernseher, wo 4,5 Stundenlang irgent welche verdammt schlechten ghanaischen Filme liefen. Daher mein neuester Vorsatz: Beim nächsten Mal warte ich lieber zwei Stunden aufs nächste Tro-Tro, als eins mit Fernseher zu nehmen.

Ach übrigens: Ich bin jetzt doch nicht Vegetarier, aber ich ess wirklich nur Fleisch, das ich als solches erkennen kann, wie zum Beispiel die Hendlschenkel, dies bei uns im Ort gibt. Von allem anderen, vor allem Fisch lass ich aber wirklich die Finger.

Seit Sonntag sind wir nun hier, und die erste „Schulwoche“ hat sehr unspannend begonnen.

Am ersten Schultag, dem Dienstag, war noch am meisten Action geboten. Wir wurden der Schulleiterin vorgestellt, die ich seit dem nicht mehr gesehen, weil sie immer zu spät kommt. Das heißt, selbst wenn ich um 11 nachfrage, bekomm ich als Antwort: She is late. She will come soon. Nachdem wir der Schulleiterin vorgestellt wurden war der Schultag aber auch schon wieder vorbei, weil in der ersten Schulwoche wird in Ghana immer das Schulgelände wieder auf Vordermann gebracht, was heißt dass eh nur die Hälfte der Schüler da ist, weil der Rest sich um die Arbeit drücken will. Also was habe ich die Woche gemacht? Ich war Slacklinen, was gleich ein Paar Ghanaer angelockt hat, die in etwa mein Alter waren. Einer war wahnsinnig motiviert, eh hat die ganze Zeit gemeint: Teach me! I want to do it perfect!

Als Belohnung hat er schon nach einer halben Stunde ein Paar schritte geschafft. Danach hat er mir auch gleich  seine Nummer in die Hand gedrückt, damit ich anrufen kann, sobald ich wieder gehen will.

Dann versuche ich jeden zweiten Tag joggen zu gehen, was die Ghanaer gar nicht verstehen. Immer wieder auf meiner Strecke fragen mich die Leute, warum ich renn. Anscheinend ist wirklich der einzige Sport, den sie als sinnvoll erachten, Fußball. Die Strecke ist eh ziemlich abenteuerlich, weil man erstens dauernd dass Gefühl hat bei den Leuten durchs Wohnzimmer, oder über die Baustelle rennt. Zur Info: Man sieht selten ein fertiges Haus, weil ständig an- bzw. weitergebaut wird, und zwar immer so lange, wie Geld da ist. Was aber nicht heißt, dass der Weg von leer stehenden Baustellen gesäumt ist. Nein, die Leute ziehen ein, sobald das Dach hat und leben quasi auf einer Baustelle, meistens einfach noch im Rohbau, auf hartem Betonboden.

Der zweite Abenteuerfaktor ist die Bodenbeschaffenheit. Der Weg ist ständig von Furchen durchzogen, wenn nicht gar von kleinen Bächen, wo man drüber springen muss.

Warum ich so einen Weg entlang jogge, ist ganz einfach: An der Straße wäre es mir bei der hiesigen Fahrweise viel zu gefährlich.

Eigentlich wollte ich den Bericht ja schon nächste Woche hoch laden, aber dann bin ich genau an dem Tag, an dem ich geplant hatte ins Internetcafé zu gehen, krank geworden. Die ersten zwei Tage hatte ich Fieber und Kopfschmerzen. Als ich aber dann am dritten Tag schon morgens um sieben 39°C Fieber hatte, hab ich dann doch beschlossen nach Kumasi rein zu fahren und einen Malaria Test zu machen. Das war am Montag, wo leider immer das Problem ist, dass alle plötzlich in die Stadt müssen, weil sie ja am Tag vorher den ganzen Tag in der Kirche waren. Daher konnten wir nicht einmal direkt bis zum Krankenhaus fahren, sondern mussten noch fast 20 Minuten laufen, was in meinem Zustand ziemlich heftig war.

Als wir dann an der Rezeption nach einem Malaria Test gefragt haben wurden wir erst mal durchs ganze Krankenhaus geschickt, um dann fest zu stellen, dass wir erst ein Formblatt ausfüllen müssen. Also noch mal zurück zur Rezeption. Da haben wir dann erfahren, dass wir entweder erst zum Arzt gehen, oder gleich zum Labor und einfach nur den Test machen können. Ich war zu dem Zeitpunkt eh schon so fertig, dass ich gesagt hab, ich will nur den Test machen, und dann wieder ins Bett. Im Labor musste ich dann zwar nur 10 Minuten warten, bis mir Blut abgenommen wurde, dafür lies das Ergebnis dann fast 2,5 Stunden auf sich warten. Das Ergebnis war negativ, was mir aber auch nicht viel gebracht hat, weil dadurch wusste ich nur, was ich nicht hab. Den Tag über wurde das Fieber dann immer noch nicht besser sodass ich gesagt hab, wenn es bis Mittwoch nicht gesunken ist, geh ich doch noch zum Arzt.

Am Dienstag morgen hatte ich dann gleich mal 40,5°C Fieber. Aufgrund dessen sind wir dann doch schon am Dienstag ins Krankenhaus gefahren. Zum Glück hatten wir einen Schüler von unserer Schule mitgenommen, der sich dort mit den Leuten auf Twi verständigen konnte, was die Lage deutlich vereinfacht hat. Trotz alle dem mussten wir über zwei Stunden darauf warten, dass wir überhaupt einen Zettel bekommen, um uns in der zweiten Schlange anzustellen. An der hätte man wahrscheinlich mindestens vier Stunden warten müssen, nach der Geschwindigkeit der Schlange zu urteilen. Zum Glück haben wir in dem Moment andere weiße getroffen, die uns dann gesagt haben, man muss einfach zum Notfallschalter gehen, und sagen, es ist extrem dringend. Das haben wir gemacht, und knapp 10 Minuten später saß ich beim Arzt. Der hat mir dann zu meinem Erschrecken gesagt, dass ich schon Malaria hab, auch wenn der Test negativ ist. Er meinte, das kann vorkommen. Daraufhin wurde ich in ein Krankenzimmer gebracht, wo ich an eine Infusion gehängt wurde. Nach 3 Stunden war diese dann endlich durchgelaufen, und Philipp und ich freuen uns gerade, dass wir endlich gehen können, da kommt die Schwester, und holt einfach einen neuen Beutel raus. Das war schon ein schwerer Schlag.

Nach 10 Stunden Krankenhaus durften wir dann aber endlich gehen.

Seit dem sitz ich hier den ganzen Tag rum. Das Fieber und die Kopfschmerzen sind weg, aber wirklich fähig etwas zu machen, oder mich weiter als 100 Meter vom Zimmer zu entfernen bin ich noch nicht wirklich gewesen.

Mal schauen was der heutige Tag bringen wird.

Der Anfang


30.8.2011

Wo fang ich an? Am besten einfach bei der ersten Nacht in der Hauptstadt.

Nach 17 Stunden Flug wäre es dann doch zu krass gewesen, noch weiter bis nach Kumasi zu fahren. Daher haben wir die erste Nacht in Accra im Headquarter von Volu, einer Partnerorganisation vom Deutsch-Ghanaischen-Freundschaftskreis verbracht.

Als wir dort angekommen sind ist mir dann doch erst mal die Spucke weggeblieben. Ein großes Matratzenlager mit sehr spartanischen Betten, aber trotzdem nichts im vergleich zu den Waschmöglichkeiten. Die Dusche bestand aus einem aus der Wand ragenden Wasserhahn und sonst nichts. Es gab nicht einmal ein Waschbecken, sondern nur Tonnen mit vom Brunnen geholtem Wasser, was da scheinbar auch schon mehrere Tage zu stehen schien. Nach einer trotz allem erstaunlich gut verbrachten Nacht gings dann um 8 zum Busbahnhof, an welchem wir dann knapp zwei Stunden warten mussten bis der Bus dann endlich fuhr. Zur Erklärung: In Ghana fährt ein Buß erst dann, wenn er komplett voll ist. Ist zwar ökologisch gesehen sehr fortschrittlich, wenn man es aber eilig haben sollte kann das natürlich schon nervenaufreibend sein. Gestört hat das aber wenig, weil es gab eh so viele neue Eindrücke die man erstmal verarbeiten musste, dass eine verspätete Abfahrt gar nicht sonderlich auffiel.

Dann ging es in einem so gut klimatisierten Bus, dass man doch eher einen Pulli angezogen hat, los nach Kumasi. Der Bus war nicht nur top klimatisiert, er hatte auch die größte Beinfreiheit, die ich je in einem Bus erlebt habe. An schlafen war dann aber doch eher nicht zu denken, weil zum einen auf Grund der Straßenbeschaffenheit die Fahrt eher einer Achterbahnfahrt denn einer Busfahrt glich. Auf der anderen Seite lief “Straight to your Heart“ 1 und 2 auf Höchstlautstärke (klasse Film übrigens).

In Kumasi angekommen sind wir dann mit dem Taxi weiter nach Denchemouso gefahren, dem Ort wo wir wohnen. Taxi fahren schaut hier folgendermaßen aus:

Man muss erst einmal mit dem Fahrer aushandeln wie viel die Fahrt denn kosten soll. Dann muss man sich auch schnell daran gewöhnen, dass Anschnallgurte nicht als notwendig gesehen werden. Die Fahrt war wiederum so holprig, dass man sich schon das eine oder andere mal den Kopf angehaun hat.

Immerhin wurden wir direkt bis vor unsere Tür gefahren, was scheinbar vor ein bis zwei Jahren noch gar nicht ging , da die Straße von Tälern durchzogen war.

Unser Zimmer ist voll ok, im vergleich zu Accra geradezu luxuriös.

Phillip und ich haben ein Stockbett was von den Matzratzen eher einer hängematte gleicht, und bei jeder Bewegung im Schlaf aufächzt. Da gewöhnt man sich aber nach ein bis zwei Nächten dran.

Gestern waren wir dann auf dem Zentral Markt, der wirklich so riesig und laut wie im Führer versprochen ist. Es gibt einfach so gut wie alles was man haben will zu kaufen. Das Problem war nur, dass der Besuch auf dem Fleischmarkt mich ziemlich davon überzeugt hat, für die Zeit in Ghana Vegetarier zu werden. Da lagen dann ganze Kuhköpfe neben seltsamen grauen Eingeweiden. Dann kam auch noch ein Verkäufer her und wollte uns allen die Hand, die er vorher schnell an der Hose abgeschmiert hatte, geben. Naja, Nase zu und durch…

Heute habe ich es dann endlich mal geschafft meinen Rucksack auszuräumen, und mich hier häuslich einzurichten. Unsere erste selbst gekochte Mahlzeit in Ghana, Rührei, war da schon sehr Highlight heute. Ach ja. Die Slackline hab ich auch schon spannen können, dafür sind die perfekten Bäume vor der Schule wo ich unterrichten werde. Nachdem wir da eine Weile waren kamen dann irgendwann Kinder aus dem Dorf, die dann gleich Huckepack durch die Gegend getragen werden wollten. Die großen Brüder von dem Mädchen, das sich von mir tragen ließ, haben in der Zeit mit ihren küchenmessergroßen „Schnitzmessern“ gespielt, wo uns schon beim zuschauen ganz anders wurde.

Neue Gruppe erreicht heute Ghana


Für neun junge Erwachsene ging es heute über Istanbul nach Accra. Sie starten in insgesamt fünf verschiedenen Einrichtungen an drei Standorten in Ghana ein Praktikum mit unseren Partner.

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Konrad Liebig, Jakob Spätling-Kiefer, Dennis Burkert, Markus W., Philipp Zintl, Torsten Matzak (Vorstand), Lea Konrad, Sabine Fischer, Eva Grabenstein, Cosima S. (v.l.n.r.)

Konrad Liebig, Eva Grabenstein und Jakob Spätling-Kiefer werden bei unserem neuen Kooperationspartner, der Primary and Junior Secondary School in Tanaso, als Aushilfs- und Nachhilfelehrer arbeiten. Dennis Burkert wird in der selben Funktion an der Primary and Junior Secondary School in Denchemouso tätig werden.

Lea Konrad wird im neuen Kindergarten von Denchemouso die dortigen Erzieherinnen unterstützen und die nunmehr seit fast zwei Jahren bestehende Kooperation fortsetzen.

Sabine Fischer undPhilipp Zintl werden zusammen an der Ghanaian German School arbeiten. Sabine wird sich nach vier Jahren Vakanz – der frühere Verantwortliche in Ghana ist damals viel zu früh verstorben – um die Wiederanlage des Schulgartens kümmern.

Cosima S. und Markus W. bleiben in Accra und werden das Headquarter von Volu unterstützen.

Sie werden alle auch hier wieder über ihre Erlebnisse und Erfahrungen berichten. Und wir wünschen ihnen allen eine aufregende und spannende Zeit in einem noch unbekannten Land.

Reiseroute

vielleicht zum letzten Mal…


Liebe Blogfreunde,

das Ende naht, in sechs Wochen werde ich schon wieder in Deutschland sein. Da sieht man mal, wie schnell so ein halbes Jahr rumgeht. Und da die letzten Wochen in Ghana noch einmal Reisezeit bedeuten kann es durchaus sein, dass dies der letzte Blogeintrag sein wird. Vielleicht schaffe ich es zwischen meinen beiden Besuchern eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse zu schreiben, aber versprechen kann und möchte ich nichts. Vielleicht schreibe ich am Ende noch mal ein Fazit, aber auch da gilt: alles kann, nichts muss…

Nun aber erst mal eine kleine Zusammenfassung der letzten Tage, here we go:

Generell ist in den letzten Tagen schon eine richtige Endzeitstimmung aufgekommen. Vor allem bei Ruven ist es der Fall, schließlich wird er schon in anderthalb Wochen Ghana verlassen und nach fast zwölf Monaten nach Deutschland zurückkehren. Aber auch bei uns anderen beginnt das innere Abschied nehmen. Auch wenn wir noch länger im Land sein werden, werden wir Denkyemuoso schon früher den Rücken kehren, bzw. nur noch für kurze Stippvisiten und zum Verschnaufen zurückkehren. Und da in der Schule dann Ferien sind, heißt es zumindest schon mal den Schülern Tschüss zu sagen.

Dies haben wir dann auch letzten Samstag offiziell getan. Am letzten „entertainment-Abend“ des terms wurde noch einmal ein DJ und Boxen gemietet, um ein letztes Mal Halli-Galli zu machen. Außerdem konnten die Schüler noch etwas performen und ein paar haben dann auch getanzt oder gesungen. Wir wollten uns natürlich auch nicht lumpen lassen und nachdem Fabi einen auf Eminem gemacht hat, kam Ruvens und mein großer Auftritt. Gemeinsam haben wir von Fettes Brot „Jein“ gerappt und ich muss zugeben, es war ein großer Spaß. Zwar war es etwas problematisch, da wir nur ein Mikro haben, aber es ging ja eh nur um den Spaß an der Freud‘ und anhand der Reaktion der Schüler würde ich schon sagen, dass unser Auftritt ganz gut angekommen ist. Danach wurde noch mal ordentlich abgefeiert und wieder mal war es faszinierend zu sehen, wie die Leute hier abgehen, wenn sie einfach nur Musik haben – echt stark!

Teil des Abschiedes sind natürlich auch die Examen, die am Ende des Schuljahres geschrieben werden. Vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern, dass wir am Ende des zweiten Terms Unmengen an Examen für die Lehrer abtippen mussten. Dieses Mal war es zum Glück nicht so schlimm. Wir haben dem Schuldirektor deutlich gesagt, dass wir gerne helfen, aber nicht als Deppen vom Dienst die Arbeit der Lehrer übernehmen. Und anscheinend haben die Worte gewirkt, viele der Lehrer haben ihre Arbeiten dann selbst abgetippt, so dass wir deutlich weniger zu schreiben hatten. Die paar restlichen Examen waren dann nicht der Rede wert und so haben wir noch im Büro ein bißchen geholfen, die Fragen auszudrucken und für die Examen vorzubereiten. Alles in allem recht unproblematisch und wie gesagt, helfen tun wir ja gerne, solange wir uns nicht ausgenutzt vorkommen. Würde zu gerne wissen, ob diese Praxis jetzt beibehalten wird oder ob die Neuen auch wieder als Schreibkräfte umfunktioniert werden.

Auch bei mir an der Grundschule standen ja die Abschlussarbeiten an und da die Grundschule nach der sechsten Klasse endet, gab es dieses Mal vom Ghana Education Service vorgegebene Vergleichsarbeiten. Und als ich letzten Mittwoch zur Mathearbeit kam, hat Linda mir schon gesagt, dass die Ergebnisse in den anderen Fächern nicht wirklich gut waren. Und als ich das Aufgabenblatt für das Matheexamen gesehen habe, war mir schon klar, dass auch die Resultate in diesem Fach nicht gut sein werden. Schon die Formulierung der Fragen war für einige meiner Schüler wohl schon zu viel, jedenfalls kann man dies aus den vollkommen wirren Antwortversuchen schließen. Teilweise wurden einfach irgendwelche Zahlen in den merkwürdigsten Formeln aufgeschrieben, die nichts mit der Aufgabenstellung zu tun hatte. Dementsprechend waren dann auch die Ergebnisse. Zum Verständnis, bei 40 % der erreichten Punkte hat man bestanden und leider war das nur bei meinem Klassenbesten der Fall, der es auf 49 % gebracht hat. Zwei oder drei andere Schüler waren noch zwischen 30 % und 40 %, der Rest unter ferner liefen. Wenn man es wohlwollend beschreiben will, ein recht ernüchterndes Ergebnis, man kann es auch katastrophal nennen. Aber ich würde gerne wissen, wie die Ergebnisse in anderen Schulen ausgesehen haben, ich kann mir nicht vorstellen, dass meine kids wirklich so dumm sind und sie die Ausnahme darstellen.

Jedoch muss ich auch zugeben, dass einige wirklich nicht das Niveau der sechsten Klasse haben und für das schlechteste Viertel wird die Schulkarriere nun wohl auch beendet sein. Wenn ich es richtig verstanden habe, dürfen diese Schüler nämlich nach den Sommerferien nicht die Junior Secondary School besuchen, jedenfalls nicht die staatliche. Keine Ahnung, ob sie auch ohne entsprechende Ergebnisse auf eine private Schule können, aber solange das Schulgeld gezahlt wird kann ich mir das schon vorstellen.

Gestern stand dann zum Abschluss des Schuljahres noch ein Ausflug an. Ziel war der Kakum National Park und Cape Coast Castle. Nach den für Ghana üblichen Verzögerungen ging es um 06.30 Uhr in einem viel zu kleinem Bus los. Nach viereinhalb Stunden Fahrt hatten wir unser erstes Etappenziel erreicht und es gab erst einmal ein mitgebrachtes Mittagessen. Danach ging es mit unserer fast 50 Personen zählenden Gruppe auf den Canopy Walkway. In ca. 30 Metern Höhe wurde im und über dem Regenwald eine Bretterkonstruktion befestigt, auf der man nun über dem Urwald spazieren kann. Nichts für Leute mit Höhenangst, ich fand es aber auf jeden Fall ziemlich gut. Auch die Schüler hatten jede Menge Spaß, für sie war es sicherlich ein tolles Erlebnis. Danach ging es zur ehemaligen Sklavenburg nach Cape Coast, wo wir noch eine informative Führung bekommen haben. Vorher hatte ich aber ein sehr unschönes Erlebnis, ich hatte nämlich das erste Mal das Gefühl wegen meiner Hautfarbe anders behandelt zu werden. Alle Lehrer sollten einen Cedi für die Führung bezahlen, nur ich sollte fünf bezahlen. Begründet wurde dies mit der Tatsache, dass es steuerliche Gründe habe, weil ich kein Ghanaer bin. Auf meinen Einwand, ob denn bei jedem Besucher der Ausweis kontrolliert werde um festzustellen, ob die Person vielleicht Nigerianer, Togolese oder Ivorer sei, gab es als Antwort, dass sie das sofort sehen würden. Diese Antwort hat mich nicht wirklich befriedigt und ich war richtig wütend. Ich habe dann aber die fünf Cedi bezahlt, damit die Schüler ihre Tour machen können.

Auch wenn es keine große Sache war muss ich doch zugeben, dass es mir ziemlich nahe gegangen ist. Ich möchte nicht wissen, wie es wohl für Afrikaner in Deutschland ist, die jeden Tag mit Ungleichbehandlungen oder Diskriminierungen oder sogar Fremdenfeindlichkeit konfrontiert werden. Was wohl in ihnen vorgeht, wenn sie Tag für Tag solche Erlebnisse ertragen müssen, ich könnte das nicht.

Mit diesem ernsten Thema möchte ich diesen Eintrag beenden, natürlich nicht ohne einen kurzen Ausblick auf die nächsten Tage zu geben. Am morgigen Freitag steht die Abschiedsfeier an. Wir haben bei den Küchenfeen ein Essen bestellt und haben einige Freunde und Bekannte eingeladen. Wir wollen ein paar Fotos zeigen und nach dem „offiziellen“ Teil noch in die Bar weiterziehen.

Samstagmorgen geht es dann für Fabi und mich nach Accra, wo wir abends seine Herzensschönste und meine Freundin und Magisterleidensgenossin Jenni vom Flughafen abholen. Sonntag geht es dann zurück nach Kumasi und am Dienstag werden sich all unsere Wege für’s erste trennen, bevor wir uns am Wochenende in Accra wiedertreffen um Ruven zu verabschieden.

Damit soll’s das auch gewesen sein, genießt den restlichen Sommer (haha!) und bis spätestens in Deutschland.

Ich freu mich auf euch!

Bis dann,

Andreas

Schnelldurchlauf


Liebe Blogfreunde,

zwar ist mein letzter Eintrag noch gar nicht so lange her, aber da ich damals schon ein bißchen hintendran war, sind nun doch schon über zwei Wochen vergangen, in denen einiges passiert ist. Von daher geht’s auch schon los und dieses Mal versuche ich es wirklich kurz zu halten.

Der letzte Eintrag hat mit dem Abschied von Thomas geendet, der ab dem 03.07. ein paar Tage die Küste auf eigene Faust erkundet hat, während ich zurück nach Denkyemuoso gefahren bin, schließlich musste ich ja in die Schule.
Sonntagnachmittag war ich wieder zu Hause und habe auch direkt Stephan kennengelernt. Er ist ein junger Ingenieur, der sich bei den „Ingenieuren ohne Grenzen“ engagiert und an unserer Schule u.a. eine Solarpumpe installiert hat. Diese Pumpe wird der Schule in Zukunft einiges an Geld sparen, da nun kein Strom mehr für den Betrieb der Pumpe bezahlt werden muss. Geld, welches auch in die Verbesserung des Lehrbetriebes gesteckt werden kann.
Stephan hat auch bei uns im Zimmer gewohnt, jedoch haben wir von ihm nicht so viel von ihm mitbekommen, da er ständig auf Achse war. Und damit möchte ich es auch zu diesem Thema bewenden lassen. Wer mehr dazu erfahren möchte, muss sich bis zu meiner Rückkehr gedulden.

Am Montag ging es dann wieder in die Schule, wo ich erfahren habe, dass die Abschlussexamen noch früher beginnen als gedacht, nämlich bereits ab dem 14.07. und ich somit nur noch eine Woche zum Unterrichten hatte, in der ich den Schülern noch zwei Themen nahe bringen sollte. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt war dies nicht sonderlich erfolgversprechend, aber was soll’s. Über die Umstände hab ich ja schließlich schon oft genug jammernd, da hieß es einfach Augen zu und durch.
Außerdem habe ich mich in dieser Woche begonnen um meine Zukunft zu kümmern. Das Ende meiner Zeit Ghana bedeutet ja gleichzeitig auch den Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Wenn ich zurück bin muss und will ich mal anfangen zu arbeiten. Aus diesem Grund habe ich meine Bewerbungsunterlagen mal auf Vordermann gebracht und auch schon drei Bewerbungen abgeschickt. So richtig wird der Bewerbungsmarathon war erst nach meiner Rückkehr legen, aber so habe ich mein Gewissen schon mal beruhigt, indem ich es schon mal versucht habe.

Ansonsten ist die Woche ohne besondere Vorkommnisse verlaufen und am Freitag habe ich mich direkt nach der Schule auf den Weg nach Accra gemacht um die letzten Tage von Thomas in Ghana gemeinsam mit ihm zu verbringen. Ich bin nachmittags angekommen und nachdem wir an der Straße eine Riesenportion Banku mit Okra gegessen haben, ging es noch auf zwei Bier in die rooftop bar, eine Bar auf dem Dach eines vierstöckigen Gebäudes, von dem man einen recht schönen Überblick über die Stadt hat. Dort hat Thomas dann von seinen Erlebnissen erzählt und wir haben über seine Zeit hier gequatscht und wie es ihm hier gefallen hat. Dass er ein paar schöne Tage hatte, war auch für mich beruhigend, schließlich war ich es ja, der ihn nach hier gelockt hat.
Am Samstag haben wir nach dem Frühstück erst einmal ein bißchen relaxt, bevor wir in ein anderes Hotel umgezogen sind. Danach sind wir ins Nationalmuseum gegangen, das durchaus interessant war, auch wenn es leicht unstrukturiert aufgebaut war. Aber vor allem eine Sonderausstellung über die Geschichte des Sklavenhandels, illustriert am Beispiel eines dänischen Sklavenschiffes, war gut gemacht und aufschlussreich. Danach sind wir noch ein bißchen durch die Stadt spaziert und haben uns doch gewundert wie wenig in der Stadt los ist, zumindest in den Vierteln, wo ansonsten gearbeitet wird. Total tote Hose. Den Nachmittag haben wir dann in einer Strandbar ausklingen lassen, wo wir bei einem Bierchen den Blick über’s Meer haben schweifen lassen und noch was gequatscht haben. Nach einem kleinen Nickerchen im Hotel hat mich Thommy dann noch zu einer Riesenportion Fufuo eingeladen und nachher gab’s noch ein Malzbier zum Abschluss des Tages.
Sonntagmorgen hieß es dann Abschiednehmen. Es waren ein paar sehr schöne Tage hier mit meinem Besucher und ich hoffe, dass auch meine zwei kommenden Gäste so eine gute Zeit in Ghana haben werden! Am 30.07. kommt ja schon meine liebe Freundin Jenni um mir die Zeit bis zur meiner letzten Etappe hier zu vertreiben.

Nach dem Frühstück ging es für mich aber nicht direkt nach Hause, sondern erst einmal nach Kumasi. Am Nachmittag war nämlich wieder Fußball angesagt, juchuh! Die U23 Ghanas hatte das entscheidende Qualifikationsspiel für die All African Games vor der Brust. Und das ausgerechnet gegen den Erzfeind Nigeria. Dummerweise ging das Hinspiel 1-3 verloren, so dass nun ein Sieg Pflicht war. Nachdem ich die Tickets besorgt hatte und mich mit den anderen Nasen getroffen hatte, ging es auch schon ins dieses Mal nicht so gut gefüllte Baba Yara Stadium. Dass die Stimmung dennoch recht gut war, lag wohl auch am frühen Führungstreffer der „Black Meteorits“. In dem recht munteren Spiel ging es zumeist in Richtung des nigerianischen Tors, aber bis zur Halbzeit sollte es beim 1-0 bleiben. Danach spielte Ghana munter weiter munter nach vorne und nach ca. 70 Minuten gelang dann das erlösende 2-0, das die erfolgreiche Qualifikation bedeuten würde. Und dieses Resultat konnte auch über die Zeit gerettet werden, wobei die vielen „schweren Verletzungen“ der ghanaischen Jungkicker gegen Ende der 90 Minuten schon recht lächerlich und nervend waren. Na ja, aber so kennt man es ja, nicht schön, gehört aber außerhalb Englands wohl dazu.
Die gute Stimmung nach dem Sieg sollte am Abend aber abrupt verfliegen. Zu Hause angekommen habe ich nämlich festgestellt, dass ich Dummbatz irgendwo am oder im Stadion mein Portemonnaie mit 30-40 Cedi, meinem neuen internationalen Studentenausweis und meiner Kreditkarte verloren hatte. Tolle Wurst! Natürlich war ich stinksauer über meine Trotteligkeit und auch eine Portion Nudeln mit Gemüsestew und Parmesan konnte mich nicht wirklich aufmuntern. Zum Glück konnte ich wenigstens meine persönliche Finanzbeauftragte erreichen, so dass sie die Karte sperren konnte. Kein toller Abschluss des Wochenendes, aber et kütt wie et kütt, wat fott is, is fott und lebbe geht weida.

Und zwar mit meinen letzten Tagen als Lehrer. Von Montag bis Mittwoch stand Wiederholung des gesamten Stoffes auf dem Plan. Ich hatte die Schüler gebeten über’s Wochenende mal in ihre Notizen zu schauen und mir dann zu sagen, wo sie denn Probleme hätten. Die Überraschung bei mir war aber trotzdem eher gering, als ich auf meine Frage, bei welchen Themen es denn noch Schwierigkeiten gibt, nur ein Schweigen geerntet habe. Na gut, dann habe ich halt einfach auf gut Glück was zu jedem Thema erklärt und Übungen machen lassen. Ganz sicher nicht das, was ich mir unter einer vernünftigen revision vorgestellt habe, aber wenn man einfach keine Fortschritte sieht oder wenigstens den Willen zum Lernen erkennt, verlässt einen auch irgendwann die Motivation. Am Dienstag lief es zwar etwas besser, aber ich hatte trotzdem nicht das Gefühl, dass die Schüler wirklich verstehen, was sie da machen. Am Mittwoch sollte eigentlich dann meine letzte Stunde sein, zu meiner Überraschung war dann aber doch schon die erste Klassenarbeit angesetzt. Linda wollte sie zwar erst mittags schreiben lassen, aber dann hätte ich nur noch knapp anderthalb Stunden Zeit gehabt und außerdem wären die kids eh total unkonzentriert gewesen. Von daher habe ich es dann gelassen und nur noch eine Runde Süßigkeiten verteilt. Und im Gegensatz zu den (teilweise erwachsenen) Schülern an der GGS haben sich auch alle brav bedankt und keiner hat sich beschwert, dass er nur eins bekommen hat. Und ja, trotz aller Probleme und der nur kurzen Zeit, die ich an der Schule verbracht habe, bin ich doch ein bißchen wehmütig geworden. Auch wenn es nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe, gab es doch auch positive Momente und die Erfahrungen möchte ich auch nicht missen.

Donnerstag und Freitag standen dann ganz im Rahmen der „school prefect“-Wahlen. Hier gibt es für jeden möglichen Scheiß einen Beauftragten, die nun zum ersten Mal gewählt und nicht bestimmt werden sollten. In den Wochen zuvor konnten sich die Schüler für die diversen Positionen bewerben und am Donnerstagnachmittag hatten sie nun die Chance ihr „Programm“ vorzustellen und sich den Fragen der Schüler zu stellen. Wie nicht anders zu erwarten ging die ganze dreistündige Veranstaltung unter ständigem Gebrülle, Gejohle und Getrommel vonstatten. Somit habe ich auch nur die Hälfte der Veranstaltung wirklich verstanden, es war aber schon lustig zu sehen, wie so was hier abläuft. Und ein paar gute Reden waren auch dabei. Wirklich nervend waren nur mal wieder die Lehrer. Ich frage mich wirklich, wieso die sich über Respektlosigkeiten von Seiten der Schüler beschweren. Wenn man die Schüler nicht respektiert muss man sich nicht wundern, wenn auch nichts zurückkommt. Selbst wenn wie Schüler mal kurz ruhig waren, die Lehrer haben trotzdem hemmungslos weiter gequatscht. Schon traurig, dass die ganze Lehrer-Schüler-Beziehung hier nur auf Autorität und blindem Gehorsam beruht und nicht auf Zusammenarbeit.
Am Freitagmorgen fand dann die Wahl statt und als ausgebildeter Politikwissenschaftler habe natürlich gerne die Rolle als Wahlbeauftragter wahrgenommen. Ich habe also die Urne bewacht, die ihre Stimme abgebenden Schüler notiert und am Ende auch mit an der Auszählung teilgenommen. Und was dann passiert ist, kann man sich kaum vorstellen. Mit einem unglaublich hohen Maß an Kreativität, das die Schüler während der Schulzeit sehr gut zu verbergen wissen, haben sie eine symbolische Beerdigung für die Verlierer vorbereitet, inklusive provisorischem Sarg und Umzug zum „Friedhof“. Und natürlich wurde bei der Veröffentlichung der Ergebnisse erst mal richtig krass gefeiert. Die Gewinner wurden unter lautem Gebrüll auf den Schultern durch die Gegend getragen, mit Eimern voller Wasser überschüttet und mit Puder eingestaubt. Eine richtig geile Show, die sie da abgezogen haben!

Am Abend ist dann Appau vorbeigekommen um mit uns über den Fortgang des Sportplatzprojektes zu beraten. Um euch auch auf den neuesten Stand zu bringen: wir haben mittlerweile 5.000 Euro beisammen, was die Hälfte des von uns veranschlagten Betrages ist. Von daher schon mal ein dickes Dankeschön an die Spender und vielleicht ist es ja eine kleine Motivation für die anderen, auch noch den einen oder anderen Euro zusammenzukratzen. Jedenfalls haben wir Appau noch mal klargemacht, dass wir zwar eine qualitativ vernünftige Anlage wollen, aber auf irgendwelche Extras wie Tribünen oder Sitzbänke verzichten. So ein Schnickschnack kann ja immer noch gemacht werden, wenn der Platz mal fertig ist. Wir haben dann auch noch über den optimalen Standort für die Anlage diskutiert und es scheint, dass die Sache jetzt wirklich ins Rollen kommt.

Samstagvormittag bin ich mit Sabrina nach Kumasi gefahren um noch mal ein bißchen Stoff zu kaufen und Lebensmitte einzukaufen. Auf dem Rückweg hat dann Stephan angerufen, dass sich der Schnitt auf seinem Fuß, den er sich ein paar Tage zuvor zugezogen hatte, entzündet hat du nun ziemlich schmerzen würde. Schon ein mieses Timing, er sollte ja am kommenden Tag nach Accra fahren und wieder nach Hause fliegen. Er hatte schon die glorreiche Idee sich die Wunde mit einem Taschenmesser aufzuschneiden, wovon Ruven ihn aber gerade so noch abhalten konnte. Er hat sich dann erst mal mit Antibiotika von Sabrina begnügt, zum Arzt wollte er aber nicht. Nachdem wir mit Harriet Fufuo gepoundet und uns das Ergebnis haben schmecken lassen, sind die Schmerzen dann aber wohl doch so stark geworden, dass er nun doch zum Arzt wollte. Und da geteiltes Leid halbes Leid (oder in diesem Fall gevierteltes) Leid ist, sind wir alle mitgefahren. Um uns die Wartezeit zu verkürzen, haben wir uns dann aber ein Bier geholt und es draußen vor der Praxis getrunken, schon lustig. Na ja, es hat sich herausgestellt, dass der Doc in Bad Hersfeld gelebt hat und daher fließend Deutsch konnte. Nachdem Stephan nen Verband und ein paar Pillen bekommen hat, ging es dann auch wieder nach Hause.
Jedoch habe ich mich da schon ein bißchen schlapp gefühlt und bin direkt ins Bett. Nachts bin ich dann ein paar Mal aufgewacht und hatte Durchfall, Fieber, Schweißausbrüche und bin auch einmal zusammengeklappt. Alles eher uncool. Natürlich war jetzt die Frage, ob mich die Malaria nun doch erwischt hat, aber da ich „nur“ Fieber, Durchfall und ein bißchen Magenschmerzen hatte, es mir also noch recht gut ging, haben wir das ausgeschlossen. Und im Laufe des Tages habe ich mich auch langsam besser gefühlt, so dass ich Montagmorgen nach einer ordentlichen Mütze Schlaf fast wieder hergestellt war. Wahrscheinlich war es nur ein kleiner Infekt, also kein Grund zur Sorge. Mal schauen, ob ich die letzten 51 Tage weiterhin so viel Glück habe und es ohne Malaria nach Hause schaffe…

Tja, und gestern ist dann die letzte Woche an der GGS gestartet. Und zwar mit Fabis Geburtstag. 21 ist der Kleine geworden und damit wir auch ordentlich feiern können, gab es beim Frühstück die feierliche Öffnung des von Thomas mitgebrachten Käses und der Marmelade, hmmmm… Ein Geschenk hatten wir uns von Thommy auch mitbringen lassen, nämlich das tolle Kartenspiel Wizard, auf das Fabi total abgeht. Er hat sich auch sehr gefreut, sicherlich mehr als über die drei Komplettduschen, die er an seinem Geburtstag abbekommen hat. Ich muss schon sagen, dass ich ganz fro bin, dass ich an meinem Geburtstag nicht mehr hier bin, auf diesen Brauch steh ich nicht wirklich.

So, das war der Versuch eines Schnelldurchlaufs durch einen halben Monat. Demnächst gibt’s dann mehr von den letzten Schultagen und den Examen.

Bis bald,
Andreas

Voltaregion reloaded


Yo party people!

Nachdem ich euch letzte Woche schon von meinen ersten Tagen mit Thomas berichtet habe, hier nun eine kleine Zusammenfassung unseres Ausflugs in die Voltaregion. Ich war ja bereits als Ruven Besuch von seinen Freunden bekommen hat zwei Tage dort unterwegs. Und mir hat es landschaftlich so gut gefallen, dass ich unbedingt noch mal dorthin zurückwollte, zumal es noch einiges zu entdecken gab, was wir im April nicht geschafft haben.

Am 29.06. hat der Wecker um 05.00 Uhr geklingelt und es hieß auf nach Kumasi um einen Platz im Metro Mass Bus nach Hohoe zu ergattern. Regelmäßige Leser kennen diese Busse schon, hierbei handelt es sich um ein staatliches Unternehmen, dass alle großen Städte Ghanas zu äußerst geringen Preisen miteinander verbindet. Nach Hohoe fährt aufgrund der großen Entfernung aber nur ein Bus von Kumasi aus, so dass frühes Erscheinen am Abfahrtsort ratsam ist. Und wir hatten Glück, als wir gegen 06.45 Uhr am Bus ankamen waren nur noch wenige Plätze frei. Dies hatte zur Folge, dass wir auch nicht mehr so lange auf die Abfahrt warten mussten und um 07.30 Uhr losgerollt sind. Die Entfernung zwischen Kumasi und Hohoe ist eigentlich nicht besonders groß, aber da der Voltastausee zwischen den beiden Städten liegt, ist ein großer Umweg leider nicht zu vermeiden. Somit waren wir inklusive zweier Pausen knapp sieben Stunden unterwegs, aber noch nicht am Ziel unserer Reise angekommen. Mit dem Tro-Tro ging es weiter nach Wli, wo wir die nächsten zwei Nächte in einer kleinen, von Deutschen betriebenen Lodge, übernachten sollten. Und man kann es nicht anders formulieren, wir haben wirklich einen Glücksgriff getan. Wir hatten ein kleines, sauberes Zimmer mit eigenem Bad für 26 Cedi und vom Garten hat man einen schönen Blick auf den bekannten Wasserfall. Auch die Küche konnte sich sehen lassen. Für ein Hotel waren die Preise wirklich akzeptabel, zudem es große Portionen gab. Mit uns war noch ein in Frankreich lebendes US-amerikanisches Pärchen mit ihren zwei adoptierten ghanaischen Mädchen und einem Freund da, mit denen wir auch den ein oder anderen Plausch gehalten haben. Außerdem haben wir an einem Nachmittag noch ein bißchen mit der sechsjährigen Tochter und dem Freund der Familie ne Runde Fußball gespielt, was richtig Laune gemacht hat. Aber kommen wir zum interessanten Part.
Im April war ich, wie gesagt, schon mal in Wli. Leider konnten wir damals nur den unteren der zwei Wasserfälle besuchen. Sabrina ist damals noch ein paar Tage dageblieben und hat dann noch eine Tour zum oberen Wasserfall gemacht, von dem sie durchaus begeistert war. Da diese mit einer längeren Wanderung verbunden ist, wollte ich die Tour auch noch gerne machen. Also ging es am Donnerstagmorgen höchst motiviert zum Besucherzentrum um von dort zu starten. Bereits am Abend zuvor hatte ich versucht unseren netten Guide von letzten Mal, Wisdom aka Mighty, zu erreichen, aber leider ging er nicht an sein Telefon. Umso größer war dann natürlich die Freude, als er mich auf dem Weg zum Büro erkannt hat. Schließlich hatte ich im vor zwei Monaten schon gesagt, dass ich noch mal wiederkommen würde. Somit war auch klar, dass wir natürlich seine Dienste in Anspruch nehmen würden um zum oberen Wasserfall zu wandern.
Nachdem wir uns für die fünfstündige Tour entschlossen und bezahlt hatten, ging es auch schon los. Zuerst ging es auf den Weg zum unteren Wasserfall als wir dann plötzlich ins Unterholz abgebogen sind und uns mit Stöcken bewaffnet haben. Und die konnte man wahrlich gut gebrauchen! Die nächsten zwei Stunden ging es querfeldein, über Stock und Stein, auf und nieder immer wieder. Im Ernst, es war wirklich ziemlich anstrengend, da auch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit nicht wirklich wanderfreundlich waren und es teilweise steil nach oben ging. Aber gleichzeitig war es ein Riesenspaß und genau das, was ich machen wollte, seitdem ich die Berge das erste Mal vom Tro-Tro aus gesehen hatte. Und dass sich die Anstrengungen gelohnt haben, war uns klar, als wir dann am oberen Wasserfall angekommen waren. Im Vergleich zum unteren ist dieser zwar kleiner und daher weniger beeindruckend, aber durch seine Abgeschiedenheit viel naturbelassener und ruhiger. Es war wirklich wunderschön da oben, aber nach einer kleinen Verschnaufpause und einem Picknick sind wir wieder aufgebrochen. Baden wollten wir nämlich am unteren Pool, am oberen Wasserfall war es nämlich ziemlich windig und daher doch recht kühl. Also ging es auf demselben Weg wieder runter und nach einer insgesamt vier Stunden langen schweißtreibenden, aber sehr schönen und spaßigen Wanderung waren wir dann am beeindruckenden unteren Wasserfall angekommen, wo wir uns nach einer kurzen Verschnauf- und Bananenpause dann badefertig gemacht haben. Bevor wir uns ins kühle Nass gestürzt haben, musste ich aber natürlich noch meinen kleinen, orangen Oktopus-Kumpel Thees aus dem Rucksack befreien, der selbstverständlich auch mit unterm Wasserfall planschen wollte. Nach der damit natürlich verbundenen Fotosession ging es dann auch wieder zurück in Richtung Lodge, wo wir den restlichen Nachmittag fußballspielenderweise, vor allem aber mit Lesen und Relaxen verbracht haben. Abends gab es dann wieder was leckeres zu Essen, noch ein Bierchen sowie ein paar schmachvolle Niederlagen für mich beim Heckmecken, bevor wir gegen 21 Uhr todmüde ins Bett gefallen sind.
Am nächsten Morgen stand dann ein weiteres Abenteuer an. Zusammen mit unserem guide Wisdom wollten wir in den Nachbarort fahren um dort eine Höhlenwanderung zu unternehmen. Aber zuerst haben wir eine Stunde lang unsere ghanaische Lieblingssportart betrieben: warten. Als wir dann immer noch kein Tro-Tro oder Taxi ergattern konnten, haben wir ein verwegenes Abenteuer gewagt. Wisdom hat einen Motorradfahrer gefragt, ob der uns nicht die ca. acht km fahren könnte, was der dann auch für fünf Cedi gemacht hat. Wenn ihr jetzt aber glaubt, dass er uns in drei Etappen einzeln gefahren hat, geht das doch ziemlich an der ghanaischen Realität vorbei. Natürlich haben wir drei uns irgendwie mit auf den Sitz gequetscht und sind zu viert auf einer kleinen Maschine die paar Kilometer ins übernächste Dorf geknattert. Gemütlich war es natürlich nicht, aber ein sehr aufregendes Erlebnis, an das ich mich dank einer Brandwunde am Bein (blöder Auspuff…) auch noch lange erinnern werde. Am Ziel angekommen musste erst einmal ein guide geholt werden, so oft kommen wohl keine Touris vorbei. Laut Mightys Aussage hat unser guide gerade Besuch von einem wohl recht attraktiven Mädchen bekommen, das mit ihm den Republic Day feiern wollte… Im Nachhinein noch mal eine dicke Entschuldigung für die von uns zu verantwortene Verzögerung ;) Nach Bezahlen des Eintritts ging es dann auch los in Richtung Höhlen. An einer Abzweigung hatten wir die Wahl zwischen einer anstrengenden Abkürzung und dem längeren, regulären Pfad. In unserem jugendlichen Übermut und mit unseren vom Vortag gestählten Waden haben wir uns natürlich für die Abkürzung entschieden. Zwar war der Weg weniger holprig als der am Vortag, aber dafür ging es für eine halbe Stunde fast andauernd steil nach oben. Und ich muss zugeben, zwischendurch musste ich schon an meine Grenzen gehen und zwei-, dreimal ordentlich verschnaufen und durchpusten. Aber die Aussicht, die wir von da oben genießen konnten, war Entschädigung für jeden einzelnen Schweißtropfen, einfach atemberaubend!
Doch das wahre Abenteuer sollte ja erst noch kommen. Mit unserem guide ging es zu und in insgesamt sechs Höhlen, in denen die Dorfbewohner vor einigen Jahrhunderten Zuflucht vor ihren Feinden gesucht haben. Die Höhlen waren jetzt an sich nicht besonders beeindruckend, aber die Kletterpartien zu den verschiedenen Verstecken waren ein großartiges Erlebnis. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, sonst machen sich Mama und die Omas im Nachhinein noch Sorgen, wobei doch alles gut gegangen ist. Aber in Deutschland würde man so eine Tour nur machen können, wenn man durch Seile gesichert ist, einen Helm trägt und diverse andere Sicherheitsmaßnahmen beachtet. Wir sind hingegen einfach so (manchmal gab es ein Seil zum Festhalten) am Abgrund langgekraxelt und im Dunkel durch die Höhlen gekrochen. Nicht ganz ungefährlich, aber genau wegen solcher Abenteuer macht man solche Touren ja. Mit dem ganzen security-Gedöns wäre es sicherlich nur halb so spaßig gewesen. Nach der ca. einstündigen Tour und einer kleinen Picknickpause inklusive tollem Panoramablick ging es dann wieder vom Berg, und dieses Mal auf der „gemütlichen“ Seite, herunter und zurück nach Wli. Da haben wir dann eben unsere Sachen aus der Lodge geholt um über Hohoe zum Affenschutzreservat nach Tafi Atome zu fahren. Das letzte Teilstück durften wir auch hier wieder auf dem Rücksitz eines Motorrades zurücklegen, dieses Mal aber ganz brav jeder auf seinem eigenen Motorrad :)
Nachdem wir uns angemeldet und unser Zimmer, übrigens dasselbe wie bei meinem ersten Besuch, bezogen hatten, haben wir direkt eine kleine Tour durch’s Dorf gemacht und dabei bereits die ersten Affen entdeckt, die wir eine Viertelstunde beim Kämpfen beobachtet haben. Den Rest des Nachmittags haben wir dann lesenderweise (ist ja schließlich Urlaub…) verbracht und abends ging es nach einem Bierchen, das wir uns nach den Anstrengungen auch verdient hatten, früh ins Bett. Schließlich ging am nächsten Morgen um 06 Uhr die Führung durch den ans Dorf angrenzenden Wald inklusive Affenfütterung los. Ganz entgegen der Gewohnheit war unserer ghanaischer guide auch pünktlich, dafür hatten zwei unserer weißen Mitstreiter wohl verpennt, sowas soll’s auch mal geben ;) Auch Thees war wieder mit am Start, schließlich will ich mir nicht vorwerfen lassen, dass er bei und mit mir nichts erlebt hätte! Die Fütterung der Affen war natürlich wieder das Highlight, ist schon ein lustiges Gefühl einen kleinen Affen auf dem Arm sitzen zu haben, der versucht eine Banane aus der Hand zu grapschen.
Nach einem umfangreichen, ausgiebigen und sehr leckeren Frühstück (Tee, Brot, Margarine) haben wir uns dann auch direkt auf den Weg gemacht. Unser Ziel war Aburi, eine Kleinstadt im Dunstkreis von Accra, die vor allem durch den 1890 eröffneten Botanischen Garten bekannt ist, der auch unser Ziel war. Davor stand aber eine beschwerliche Reise, zumindest hatte ich dies erwartet. Doch nichts da! Bei drei von vier Umstiegen mussten wir weniger als zwei Minuten (!) auf unsere nächste Fahrtmöglichkeit warten und auch bei unserem einzig längeren Zwischenstopp hat die Zeit gerade gereicht um uns einen kleinen Snack zu besorgen und uns zu stärken. So waren wir dann auch schon gegen Mittag in Aburi und nachdem wir ein Hotel gefunden hatten ging es auch schon in den Botanischen Garten. Auch wenn dieser von Ausflüglern und Kirchengruppen bevölkert war (Wochenende halt…) und es dementsprechend recht laut zuging, war es doch ganz nett da. Wir sind einmal durchspaziert und haben ein paar ruhige Ecken gefunden. Auf einer Bank haben wir dann ein bißchen relaxt und die letzten Tage Revue passieren lassen.
Mir hat der Trip großen Spaß gemacht, die Landschaft in der Voltaregion ist einfach umwerfend und das Wandern hat irre Laune gemacht. Außerdem war es noch mal gut ein paar Tage aus dem Alltagstrott rauszukommen, bevor jetzt der Endspurt losgeht. Das beste war aber natürlich die Zeit mit einem Freund zu verbringen und endlich mal jemandem nahebringen zu können, was ich hier alles erlebt habe und was Ghana so ausmacht, auch wenn wir nur an der Oberfläche kratzen können. Bevor es dann ins Hotel zurückging haben wir uns noch mit einer leckeren Portion Fufuo gestärkt und Thomas hat ein paar Souvenirs gekauft. Ich habe auch mal zugeschlagen und bin jetzt stolzer Besitzer eines Schlüsselanhängers in Form eines kleinen Holzelefanten.
Am nächsten Morgen haben sich Thomas‘ und meine Wege dann vorerst getrennt. Ich bin zurück nach Kumasi gefahren während Thommy in den folgenden Tagen die Küste erkunden und ein bißchen Strandurlaub, den er sich auch redlich verdient hatte, machen wollte.

Tja, und damit sind wir auch schon am Ende meines/unseren kleinen Reiseberichts angelangt. Mittlerweile sind wieder ein paar Tage vergangen und morgen geht’s für mich nach Accra um die letzten beiden Tage von Thomas Ghanabesuch gemeinsam mit ihm zu verbringen. Ihr werdet diese Zeilen aber erst lesen, wenn er schon wieder in Deutschland ist, aber das macht nüscht.

Ich kann nur sagen, dass ich die Zeit mit meinem Besuch sehr genossen habe und ich mich unheimlich gefreut habe, dass er weder Kosten noch Mühen gescheut hat, mich hier zu besuchen. Danke! Und da wir noch ein paar „Andenken“ im Kühlschrank haben, wird diese Freude noch ein paar Tage anhalten ;)
Gleichzeitig steigt schon die Vorfreude auf die nächste Besucherin, denn in gut drei Wochen wird Jenni in Accra landen und dann werden wir, nachdem wir ein gutes Dreivierteljahr engste Lern-, Suppen- und Apfelkollegen waren, einen verdienten Magisterurlaub machen. Ich freue mich…

Bis dahin gibt es natürlich noch ein paar Neuigkeiten aus Denkyemuoso inklusive Solarpumpe, Schulende, etc. Also, seid gespannt.

Viele Grüße,
Andreas

Kindergarten & Thomas


Liebe Blogfreunde,

 

hier mal wieder Neuigkeiten aus dem fernen Ghana. Da ich in den letzten Tagen unterwegs war will ich gar nicht lange rumschnacken sondern direkt loslegen.

 

Am 23.06. war der große Tag der Kindergarteneröffnung gekommen. Wie nicht anders zu erwarten waren die letzten Arbeiten noch nicht abgeschlossen, so dass noch am frühen Morgen geklopft, gehämmert, gefegt und dekoriert wurde. Zumindest von außen sah das Gebäude dann auch wirklich gut aus, der erste Eindruck muss halt stimmen für die Gäste. Im Inneren muss auf jeden Fall noch was gemacht werden, mal schauen, ob das auch noch zeitnah geschieht oder ob das jetzt wieder aufgeschoben wird, wo der zeitliche Druck weg ist.

Um 10.30 Uhr ging dann die Eröffnungsfeier los, an der auch Vertreter von Politik und Medien, sowie der Chief samt seines Gefolges teilgenommen haben. Schön war, dass es keine steife Veranstaltung war, sondern dass die KG-Kids, die ja im Zentrum des Ganzen standen, auch wirklich miteinbezogen wurden. Sie haben ein paar Lieder gesungen und eine kleine Aufführung gemacht, was wirklich niedlich war und alle Anwesenden begeistert hat.

Leider konnte ich die offizielle Eröffnung dann nicht mehr erleben, da ich mich auf den Weg nach Accra machen musste, um Thomas vom Flughafen abzuholen. Die Reise war auch unproblematisch, so dass ich um 20 Uhr am Flughafen war und eine Viertelstunde später kam auch schon eine SMS von Thomas, dass er gelandet ist und nun nur noch das Prozedere von Pass- und Zollkontrolle hinter sich bringen müsse. Ab diesem Moment war ich richtig gespannt und auch ein kleines bißchen aufgeregt. Nachdem ich bereits zweimal mit am Flughafen war als die anderen Besuch bekommen haben, würde nun auch ich endlich wieder ein bekanntes Gesicht wiedersehen. Und eine halbe Stunde später war es dann so weit. Nach der Begrüßung hieß es dann aber erst mal warten. Da unsicher war, ob ich Thomas abholen könne oder nicht, hatte er vorsichtshalber ein Zimmer in einem Hotel mit Shuttle-Service gebucht. Bis die anderen Gäste dann auch da waren haben wir schon mal ein bißchen gequatscht und Thomas hat die ersten ghanaischen Snacks probiert, die ich mitgebracht hatte. Im Hotel und im Zimmer angekommen musste ich mich erst einmal an den ungewohnten „Luxus“ gewöhnen: Fernseher, Klimaanlage, fließendes, heißes Wasser! Natürlich hatte das auch seinen Preis, das Doppelzimmer hat 130 US-$ (!) gekostet. Sobald man hier höheren Standard möchte, gehen die Preise direkt unverhältnismäßig in die Höhe, so dass ein Zimmer auf normalem europäischen Niveau deutlich teurer ist als zu Hause. Dies ist aber auch verständlich, wenn man bedenkt, dass die Hotels qualifiziertes Personal benötigen, Getränke und Speisen sowie Technik und Baumaterialien importieren müssen. Aber was soll’s, ich habe diesen ungewohnten Luxus, der auch ein umfangreiches Frühstücksbuffet eingeschlossen hat, sehr genossen.

Am nächsten Morgen sind wir dann aber in ein deutlich günstigeres Hotel umgezogen, bevor wir dann durch Accra gelaufen sind. Wir haben die wenigen Sehenswürdigkeiten besucht und sind einfach durch die Stadt gelaufen, damit Thomas mal einen ersten Eindruck einer afrikanischen Stadt gewinnt. Nach einer kleinen Pause ging es dann am frühen Nachmittag in eine Chop Bar, wo es dann auch schon direkt eine ghanaische Mahlzeit (Red-Red) für meinen Besucher gab, die ihm gut geschmeckt hat. Danach konnte ich mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und wir sind ins „Creamy inn“ gegangen, wo ich mir, wie bei meinem letzten Accra-Besuch, ein Eis gegönnt habe. Genießen konnte ich es aber nicht wirklich, was an den Gästen am Nachbartisch lag. Es sah aus wie ein Kindergeburtstag von etwa einem Dutzend 15-16 Jahre alter ghanaischer Kids, die den Tisch voller Fast Food und Hähnchenschenkeln hatten. Als sie dann fertig waren, sind dann insgesamt fünf unberührte Teller mit Reis zurückgegangen. Da musste ich dann doch kurz schlucken. Nur ein paar Kilometer entfernt verrecken die Leute, weil sie nicht genug zu essen haben und hier wird das Essen einfach weggeschmissen. Wenn man dieses krasse Wohlstandsgefälle hautnah mitbekommt ist es dann doch was anderes, als wenn man in Deutschland sagt, dass irgendwo in der Welt die Leute verhungern und wir leben im Überfluss. Auf jeden Fall hat mir das wieder klar gemacht, wie gut es uns eigentlich geht und jeder, der in Deutschland jammert, wie schlecht es ihm doch geht, sollte sich diese Vorstellung mal ins Gedächtnis rufen. Na ja, der Tag fand dann aber noch ein positives Ende. Wir sind noch auf zwei Bier in die rooftop-Bar gegangen, von der man einen netten Ausblick über Accra hat und haben über alles Mögliche gequatscht, bevor wir um 21.15 Uhr todmüde ins Bett gefallen sind.

 

Am nächsten Morgen ging es dann zur bus station, wo wir uns wegen des Gepäcks gegen ein Tro-Tro und für einen luxuriöseren Bus mit Klimaanlage und deutlich mehr Platz entschieden haben. Das Problem ist, dass es ungleich länger dauert, bis der Bus voll ist, so dass wir noch fast drei Stunden bis zur Abfahrt warten mussten. Das Schlimmste sollte aber noch kommen: Die ersten anderthalb Stunden Fahrt, die aufgrund der miserablen Straßenverhältnisse eh schon eine Qual sind, wurden uns dann noch durch einen Prediger versüßt, der uns 45 Minuten lang auf Twi angebrüllt hat, sowie einen Pillenverkäufer, der den Reisenden irgendwelche Wundermittelchen andrehen wollte. Man kann es sich kaum vorstellen, aber ich war wirklich froh, als endlich der Fernseher mit den ghanaischen Schundfilmen angestellt wurde ;)

In Denkyemuoso stand dann erst mal Kennenlernen von Umgebung und den anderen Leuten auf dem Programm, bevor Thomas weiter in die ghanaische Küche samt ihrer Obstspezialitäten eingetaucht ist und wir den Abend einer Runde Wizard abgerundet haben.

 

Den Sonntag haben wir dann ruhig angehen lassen. Nach einem gemütlichen Frühstück sind wir zum Markt gefahren, haben eingekauft und waren im Internet-Café. Am Nachmittag stand dann schon ein weiteres Ghana-Highlight auf dem Programm. Wir haben, mit Hilfe unseres ghanaischen Freundes Eric, selber Fufuo gemacht und auch Thomas hat eine Runde gestampft, wobei er sich wirklich geschickt angestellt hat. Dementsprechend gut hat es uns dann auch geschmeckt, selbstgemachtes Essen schmeckt halt immer noch am besten :)

 

Der Montag hielt dann eine Premiere für mich bereit: zum ersten Mal, seit ich hier bin, hat es am Morgen geregnet. Das hatte natürlich Auswirkungen auf meinen Unterricht, denn die Schüler (und übrigens auch die anderen Lehrer) kamen erst nach und nach zur Schule. Aber so ist das halt hier, wenn es regnet… Nach der Schule sind Thomas und ich dann nach Kumasi gefahren, wo wir eine Erkundungstour über den Central Market gedreht haben. In diesem unüberschaubaren Gewusel lässt man sich am besten einfach von der Menge treiben, ein geordnetes Durchgehen ist eh nicht möglich. So haben wir dann auch nur zufällig die „Fischabteilung“ gefunden, die es aber in sich hatte. Dutzende, vielleicht Hunderte von Ständen, an denen Unmengen an Fisch verkauft wurde: frisch, geräuchert, getrocknet, usw. Und auch wenn alles in Körben und auf Tischen gelagert wird, ist es nicht unappetitlich, eher im Gegenteil. Es hat sehr gut gerochen und ich hatte schon Lust auf ein schönes Stück Fisch. Leider ist es auf dem Markt viel zu eng und zu hektisch, als dass man mal Fotos machen könnte. Aber man muss die gesamte Atmosphäre mit all seinen Sinnen aufnehmen, auf Bildern kommt die Stimmung, die auf dem Markt herrscht, nicht im entferntesten rüber. Von daher müsst ihr wohl nach hier kommen, wenn ihr euch ein Bild vom Kejetia Market machen wollt.

Abends stand dann noch ein Treffen mit Albert auf dem Programm , auf dem wir mal ein paar Probleme angesprochen haben, die uns bewegen und was man in Zukunft verbessern könnte. Albert ist wirklich ein unheimlich faszinierender Mensch, der eine unheimliche Präsenz ausstrahlt und bei dem man das Gefühl hat, dass er hier Sachen wirklich verändern kann. Er versteht halt die ghanaische Mentalität, hat aber gleichzeitig keine Scheu auf Probleme hinzuweisen und Kritik zu üben, so dass er Sachen bewegen kann.

 

Der Dienstag ging dann, schon wieder, mit Regen los. Nicht dass das hier zur Gewohnheit wird. Oder liegt es einfach an Thomas? Auf jeden Fall ein bißchen blöd für ihn, denn während es in Afrika regnet und ich wegen der Kälte sogar eine lange Hose anziehen musste, hat Deutschland unter Temperaturen von über 35 Grad geächzt, verrückt. Nichtsdestotrotz war auch heute wieder Unterricht angesagt und dieses Mal habe ich Thomas mitgenommen, so dass er mal einen Einblick in mein Leben als Lehrer gewinnt. Und auch er war von den selben Dingen geschockt wie ich: schlechte Sprachkenntnisse, mangelndes Interesse und die fehlende Fähigkeit eben Gelerntes auf andere Sachverhalten anzuwenden.

Um 13 Uhr sollte dann noch ein Meeting mit Albert sowie Mitgliedern des GGFA stattfinden. Auch hier konnten wir Thomas das typische Ghana präsentieren. Um 13 Uhr war natürlich niemand bei uns und es hat auch keiner angerufen, dass sich das Treffen verzögert. Stattdessen kam dann um 13.50 Uhr jemand um Bescheid zu sagen, dass wir jetzt den Ausflug machen würden, der eigentlich nach dem Meeting stattfinden sollte, und zwar sofort. Tja, das ist halt Ghana :)

Dieser Ausflug mit Albert und Appau, dem Architekten des Vereins, führte uns zuerst zu einem alten Freund von Albert, von dem wir mit leckersten Bananen und Orangen (sooo saftig!) versorgt wurden. Danach ging es zu einem Workcamp, wo der Sohn eines Bekannten von Albert aus München für fünf Wochen ist. Auch er hat schon einiges der hiesigen Mentalität mitbekommen. Denn leider konnte er noch nicht am Bau einer Schule teilnehmen, weswegen er eigentlich hier ist. Denn trotz gegenteiliger Ansagen war weder Werkzeug noch Baumaterialien vorhanden, so dass er nichts machen konnte. Wir haben so etwas zwar bereits auch kennengelernt, aber wenn man nur fünf Wochen im Land ist kann das schon sehr frustrierend sein. Der Höhepunkt des Tages erwartete Sabrina, Thomas und mich dann aber auf der Rückfahrt. Da wir noch jemanden aus dem Workcamp mit nach Kumasi genommen haben, war leider nicht genug Platz auf der Rückbank. Somit sind wir auf die Ladefläche geklettert, wo wir dann stehenderweise einen Großteil der Rückfahrt verbracht haben. Ziemlich lässig und ein Heidenspaß, so was könnte man in Deutschland nie machen und so haben wir dieses Abenteuer dann auch sehr genossen. Den Abend haben wir dann in der Bar ausklingen lassen, was angesichts des für Thomas und mich anstehenden Programms vielleicht nicht die beste Idee war. Am nächsten Morgen hat nämlich bereits um 5 Uhr der Wecker geklingelt und wir haben uns auf den Weg in die Voltaregion gemacht. Doch davon mehr beim nächsten Mal…

 

So viel schon vorweg, wir haben viel erlebt und hatten eine Menge Spaß. Ich bin gut wieder in Kumasi angekommen, nachdem sich unsere Wege am gestrigen Sonntag getrennt haben. Thomas erkundet jetzt die Küste, während ich die letzte Unterrichtswoche an der Schule bestreite und wir dem fleißigen Ingenieur bei der Installation der neuen Solarpumpe und der generellen Optimierung der Wasserversorgung zu Hand gehen. Ihr seht, es gibt viel zu tun. Mehr dazu dann in ein paar Tagen.

 

Gehabt euch wohl!

 

Andreas

Mango-Dinner und Kindergarten


Liebe Blogfreunde,

 

schnell noch einen neuen Eintrag, bevor morgen ein paar spannende Wochen beginnen.

 

Hinter uns liegt ein sehr langes Wochenende, da es an der Schule von Donnerstag bis Montag mid-term-Ferien gab. Dementsprechend hieß das für uns, dass wir mittags nun kein Essen aus der Schulkantine bekommen würden. Also haben wir uns nach Alternativen umgeschaut und haben uns gegen Kochen entschieden. Da wir am Donnerstag alle große Lust auf Fufuo hatten, sind wir am Nachmittag in eine Chop Bar gegangen und haben uns eine Portion des leckeren Maniok-Kochbananen-Breis gegönnt. Und weil es so lecker war und wir nichts zu tun hatten, haben wir uns danach noch ein Bierchen in der Bar gegönnt. Es war ein richtig gemütlicher Nachmittag und es hat uns so gut gefallen, dass wir das am Freitag gleich wiederholt haben. Schon wurden wir herzlich von den Mitarbeiterinnen begrüßt und eine Frau hat mich auch direkt gefragt, ob ich sie nicht heiraten möchte. Tja, so schnell geht das hier… Auch am Montag waren wir wieder da um eine Runde Fufuo zu futtern und mittlerweile werden wir schon begrüßt wie langjährige Stammgäste. Ich weiß auch nicht, wie sie es schaffen uns nach ein paar Besuchen direkt wiederzuerkennen :) Übrigens werde ich gleich wieder dort zu Mittag essen, da es an der Schule mittwochs Red-Red gibt, das ich aufgrund des dafür benutzten roten Palmöls leider nicht vertrage.

 

Am Wochenende ging zudem Sabrinas Geburtstag in die nun aber wirklich letzte Runde. Wir hatten ihr ja ein „perfektes Mango-Dinner“ zum Geburtstag geschenkt und das wollten wir Samstag zubereiten. Nachdem wir mittags auf dem Markt alles eingekauft hatten, ging es gegen 15 Uhr los mit den Vorbereitungen. Als Vorspeise sollte es eine Mango-Tomaten-Suppe mit Ingwer geben, als Hauptgang dann Mangoreis mit Hühnchen und Salat und zum Dessert ein Mangosorbet. Da unsere Kochutensilien sehr begrenzt sind und wir nur über zwei Gaskochplatten verfügen, wurde natürlich viel improvisiert. Zum Glück hat uns Fabis Gastmutter ihren Mixer ausgeliehen, der uns die Arbeit doch erheblich erleichtert hat. Ohne groß um den (Mango-) Brei herumzureden: es war sehr lecker! Doch noch mehr als das Essen habe ich das Kochen genossen. Endlich mal wieder „richtig“ in der Küche arbeiten und was leckeres zaubern, da freue ich mich jetzt auch wieder in Deutschland drauf. Da wir keine Rezepte hatten und auf gut Glück ausprobiert haben war das Dinner aber natürlich nicht perfekt. Die Suppe war doch ziemlich scharf und weniger Ingwer hätte es auch getan, aber die Suppe werde ich auf jeden Fall zu Hause noch mal Nachkochen. Der Mangoreis war zwar nicht besonders geschmacksintensiv, aber doch war es etwas anderes als man sonst bekommt. Der Nachtisch hingegen war der Knaller, da kann ich nicht anders als uns selbst loben. Einfach das Mangofleisch vom Kern lösen und in den Mixer und dann das Ganze ohne irgendwelche Zusätze in Tassen und ab ins Eisfach. Dann haben wir noch ein paar Melonenwürfel geschnitten und sie oben drauf gelegt und wieder ins Eisfach. Kurz vorm Dessert dann in den Kühlschrank, antauen lassen und fertig war das leckerste Mangoeis, das ihr euch vorstellen könnt. Einfach nur der pure, erfrischende Fruchtgeschmack. Das war wirklich der Hammer.

 

Der Sonntag war dann eher ereignisarm, jedenfalls bis zum späten Nachmittag. Da habe ich nämlich erfahren, dass mich auch noch meine liebe Freundin Jenni zu besuchen gedenkt! Da wir gemeinsam unsere Magisterarbeit geschrieben haben und auch danach oft zusammen für die Prüfungen gelernt haben, ist dies dann unser kleiner „Magisterurlaub“, den wir uns auch redlich verdient haben. Sie kommt pünktlich zum Ende des Schuljahres und wird Ghana zwei Tage vor Lisas Ankunft verlassen, so dass ich die letzten fünf Wochen quasi am Stück unterwegs bin und mir bestimmt nicht langweilig wird. Ich freu mich jetzt schon!

 

Montagabend haben wir uns dann mit Albert, dem Präsidenten des Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreises, getroffen. Er kommt aus Denkyemuoso, hat die Schule gegründet und ist wegen der Kindergarteneröffnung nun hier. Wir haben lange über alles Mögliche, hauptsächlich aber unsere Erfahrungen in Ghana, gequatscht. Dabei kam dann auch das Thema auf die doch vorhandenen Sprachprobleme. Hier gibt es sicherlich von beiden Seiten Verbesserungspotential. Die Deutschen sollen versuchen besser die lokale Sprache Twi zu lernen, während die Ghanaer mehr Englisch sprechen sollen um die Praktikanten mehr einzubeziehen. Hier muss ich auch ganz selbstkritisch gestehen, dass meine anfängliche Motivation die Sprache zu lernen dann doch schnell nachgelassen hat. Ein paar Wörter und die wichtigsten Phrasen beherrsche ich zwar, aber da ich die Sprache wahrscheinlich nicht wieder gebrauchen werde, habe ich dann auch rasch mit dem Lernen aufgehört. Das Problem ist aber auch, dass wir uns die Sprache quasi selber beibringen müssen, es gibt keinen Twi-Unterricht oder dergleichen. Lediglich Fabi spricht mittlerweile recht gut Twi, was vor allem daran liegt, dass er in einer ghanaischen Familie lebt. Von daher halte ich es auch für eine gute Idee, dass die kommenden Freiwilligengenerationen bei Einheimischen untergebracht werden sollen. So lernen sie nicht nur schneller und besser die Sprache, sondern lernen auch das Leben in Ghana viel besser kennen und die Integration wird deutlich vereinfacht.

Ansonsten ging es vor allem darum, wie wir uns fühlen, ob wir zufrieden sind und was uns an unseren jeweiligen Situationen gefällt und nicht gefällt und wie wir diese Sachen ändern können. Insgesamt ein dufter Abend und ich denke, dass sich Albert unsere Anliegen wirklich zu Herzen nimmt und wir somit auch zu Veränderungen beitragen können.

Natürlich ging es auch um das große Thema Kindergarteneröffnung, wobei sich Albert mit dem Stand der Vorbereitungen alles andere als zufrieden gezeigt hat. Die letzten Tage muss auf jeden Fall noch richtig rangeklotzt werden, damit am Donnerstag auch alles bereit ist. Und dass Albert hier ordentlich Druck macht wurde uns dann Dienstagvormittag klar, als ein Planierfahrzeug die doch ziemlich erodierte und kaum noch zu befahrene Lehmstraße an der Schule eingeebnet hat. Ich bin mal gespannt, ob da auch nach der KG-Eröffnung noch was passiert um die Situation langfristig zu verbessern. Wenn nämlich nichts gemacht wird, sieht es in ein paar Monaten wieder genauso aus wie vorher und das kann ja nicht Sinn der Sache sein.

 

So, das soll es auch schon gewesen sein. Morgen ist der große Tag dann endlich da, der neue Kindergarten wird feierlich eröffnet. Ich muss mich jedoch schon während der Zeremonie vom Acker machen, da für mich der Höhepunkt des Tages erst am Abend stattfindet, wenn ich Thomas am Flughafen in Accra abhole. Nach genau vier Monaten sehe ich zum ersten Mal wieder ein vertrautes Gesicht wieder, die Vorfreude kennt keine Grenzen :) Nach einem Tag in Accra geht es dann Samstag nach Kumasi und von dort aus am Dienstag oder Mittwoch in Richtung Voltaregion. Und nach diesem Kurztrip stehen auch schon die letzten Wochen in der Schule an, wir werden zwei Wochen einen jungen Ingenieur bei uns haben und auch sonst wird sicherlich noch viel passieren. Ihr seht, die Zeit vergeht momentan rasend schnell und ich bin mir ziemlich sicher, dass die bis zu meinem Abflug verbleibenden 78 Tage sehr schnell verstreichen wird.

 

Macht es gut und bis die Tage,

Andreas