Archiv der Kategorie: 2011/2012

Sich Platz geschaffen und eingelebt


Mittlerweile haben wir alle unsere Zimmer gründlich geputzt und entrümpelt. Schränke ausgeräumt, alte abgelaufene Medikamente von unseren Vorgängern entfernt und vieles Nützliches gefunden, wie z. B. Einmalhandschuhe,„Westafrikanisch Kochen“ von Cobbinah, der den Ghana-Führer im Peter Meyer Verlag veröffentlicht hat, oder z.B. PU SChaum ;), mit dem ich versucht habe das Leck unseres Klos zu versiegeln (Es ist mir im Übrigen misslungen.)

Ich teile mir mein Zimmer mit Lisa Pfeffer. Es ist ca.30 qm groß, hat zwei einzelne Betten, einen funktionierenden Kühlschrank und sogar eine Couchgarnitur, die vor ca. 7 Jahren von SChülern der Vocational School hergestellt wurden. Das habe ich aus einem Reisebericht erfahren, den ich beim Ausräumen unseres Schranks gefunden habe. Eine Volunteerin, die im Herbst 2005 für 3 Monate hier war, hat ihre Berichte ausgedruckt und samt Bildern hier gelassen-eine gute Idee.

Seit dem hat sich wohl einiges verändert, was die Schule und die Organisation derselben angeht. Vieles beschreibt sie aber auch genau so, wie wir es hier erleben. Das ständige Angestarrt-werden, die ständigen Obruni-Rufe, die uns als Weiße begrüßen oder belächeln sollen – oder kopfschüttelnd uns bemittleiden.

Wir haben einen neuen Duschvorhang erworben, da unserer am abschimmeln war. Erstaunlicherweise hatte dieser neue, noch verpackte Duschvorhang bereits Risse und Löcher und dort, wo eigentlich die Löcher für die Aufhängungen sein sollten, waren keine zu finden. Das Material ist dermaßen miserabel – das hat mich an meine Kaffeetasse erinnert, die ich ein paar Tage vorher gekauft hatte. Eine Plastiktasse, die so schlecht verarbeitet ist, dass man Obacht geben muss, sich beim Trinken nicht zu verletzt. Was hier zu kriegen ist, scheint von noch schlechter Qualität zu sein, als wir es in Deutschland von Billigprodukten gewohnt sind.

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There’s no hurry in life!


Seit dem letzten Blogeintrag sind nur 3 Tage vergangen, aber wir erleben hier gerade so viel Neues und Ungewohntes, das ich euch unbedingt mitteilen will, dass nun schon der nächste kommt ;-)

Am Freitag Abend wollten wir auf ein Konzert nach Kumasi, weil dort eine Band auftrat, die Carmen kennt und gut findet. Außerdem erlebten wir so Ghana endlich auch mal bei Nacht. Bisher waren wir ab Anbruch der Dunkelheit immer in oder vor unseren Zimmern, weil zu dieser Zeit 1. die größte Gefahr besteht, von einer Malaria-Überträger-Mücke gestochen zu werden und 2. die meisten anderen Ghanaer in unserem Dorf auch in ihr Zuhause gehen. Dunkel wird es hier übrigens schon um 18.30 Uhr, das heißt hier ticken die Uhren doch etwas anders. Wann es wirklich hell wird, kann ich euch gar nicht sagen, aber ab 6 Uhr sind zumindest viele Ghanaer auf und das Dorfradio (Lautsprecher, die das ganze Dorf beschallen) läuft auf Hochtouren. Was wiederum bedeutet, dass die Nachtruhe dann beendet ist. Für mich doch eine relativ krasse Umstellung, da ich daheim immer eher spät ins Bett gegangen und dafür auch (zumindest für die hiesigen Verhältnisse) spät aufgestanden bin.

Um 13.30 Uhr sind wir dann am Freitag losgegangen zum Cultural Centre in Kumasi, wo das Konzert stattfinden sollte, damit wir und das ganze Zentrum noch ein bisschen anschauen konnten. Angenommen hatten wir, dass wir für die Fahrt nach Kumasi (inklusive umsteigen von Taxi in Tro-Tro) mindestens eine Stunde unterwegs sein werden. Doch dem war nicht so, weil die Route des Taxifahrers, der uns ab Denchemouso mitnahm praktischerweise sowieso zum Cultural Centre ging. So nahm er uns dorthin mit, worauf wir schon nach einer halben Stunde angekommen sind.

Wir aßen zu Mittag in einem Restaurant dort auf dem Gelände und ich aß zum ersten Mal Fufu, das Nationalgericht Ghanas. Fufu ist so ein Brei aus Yam und schmeckt ähnlich wie Kartoffelbrei. Dazu gibt es Hähnchenschlegel und Soße. Gegessen wird mit der rechten (!) Hand, indem man mit der Handfläche eine Schüssel formt und dann mit Daumen, Zeigefinger und Ringfinger ein bisschen Kartoffelbrei aufnimmt. Es hat wirklich sehr lecker geschmeckt, nur leider war es mega scharf, aber das hat das ghanaische Essen so an sich ;-) .

Anschließend schauten wir uns die ganzen Handwerksläden des Cultural Centres an. Von afrikanischen Masken, über Trommeln und Gemälden, gibt es hier eine riesige Auswahl an Souvenirs.

Das Konzert sollte laut Plakat um 6 pm beginnen. Wir also um 17.45 Uhr mit deutscher Pünktlichkeit hin, worauf wir die Organisatoren beim Aufbau und Soundcheck antrafen. Nachdem uns dann ein Ghanaer einen kurzen Twi-Sprachkurs erteilt hatte und sich einige andere mit uns unterhalten hatten, erfuhren wir dann, dass es erst ’around 8 o’clock’ starten sollte. Tatsächlich beginnt die Talent-Show ’Big In Ghana’ dann um 20.45 Uhr. An die ’ghanaian time’, das heißt, dass alles mindestens eine Stunde später beginnt, als angekündigt, müssen wir uns erst noch gewöhnen. Doch hier ist es völlig normal, dass man eben wartet und wartet und wartet, denn es haben auch alle Zeit. Unser Reiseführer sagt zum Lebensmotto der Ghanaer: „There’s no hurry in life!“.

Nacheinander kamen verschiedene Talente, die eigentlich schon die Besten aus einigen Vorentscheidungen sein sollen auf die Bühne und zeigen ihr Können. Danach spielte die Band dann noch einige Lieder, worauf plötzlich ’lights out’, also Stromausfall, herrschte. Es ist mittlerweile 23.30 Uhr und der erwartete Act ist noch nicht aufgetreten. Immerhin wurden wir dann Backstage (auf der Wiese hinter der Bühne) erwartet, weil wir extra für diese Gruppe so lange gewartet hatten und Carmen Fan sei. Um 0.30 Uhr ging der Strom dann endlich wieder und sie konnten doch noch auftreten.

Für uns ging es dann aber kurze Zeit später in einem Taxi nach Hause. Und diese Taxifahrt war auch ein Abenteuer für sich. Der Taxifahrer fuhr nicht nur sehr gewöhnungsbedürftig (er ließ kein Schlagloch aus und das bei für ghanaische Straßen hoher Geschwindigkeit), sondern verfuhr sich auch noch. In Kwadaso, einem Nachbarort von Denchemouso sagte er, wir seien angekommen, doch wir waren uns sicher, dass wir dort noch nie waren.

Jenny meinte dann: „Denchemouso!”, worauf der Taxifahrer: “Oh, Denchemoooooso!” Wohlbehalten kamen wir dann kurze Zeit später in Denchemouso an und mussten nur 2 Cedis (ca. 1€) pro Person zahlen, obwohl uns mittags versichert wurde, abends sei es teuer.

Gestern habe ich dann das erste Mal meine Wäsche von Hand (!) gewaschen. Ich hätte es mir ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt, aber so den richtigen Dreh, wie man mit kaltem Wasser und etwas Waschpulver Flecken aus den Kleidungsstücken bekommt, habe ich noch nicht raus. Naja, immerhin riecht jetzt alles frisch gewaschen und ich habe ja noch eine Weile Zeit zum Üben. Die Ghanaerinnen waschen ihre Wäsche noch mit Kernseife und rubbeln sie solange, bis sie sauber ist, aber das ist mir dann doch zu anstrengend.

Ich lebe übrigens immer noch am Campus, doch voraussichtlich komme ich am Montag in meine Gastfamilie. Aber ob ’ghanaian time’ oder ’german time’ – das werde ich wohl dann erst erfahren ;-) .

Auf jeden Fall wird am Dienstag die Schule beginnen (zumindest, wenn Schüler kommen) und da bin ich schon echt gespannt drauf.

 

Ganz liebe Grüße aus dem warmen Ghana (heute war der erste Tag, an dem es so bewölkt war, dass die Sonne gar nicht rausgeschaut hat)

Eure Anja

Biergartenfeeling und endlich Rauchen!!


n Ghana ist das Rauchen in der Öffentlichkeit unüblich. Wir haben erst nach vier Tagen den ersten Menschen überhaupt hier rauchen sehen. Es war ein etwas verwegen wirkender alter Herr. Ich bin von uns Mädels die einzige Raucherin, die nicht unbedingt vorhatte hier aufzuhören. Bisher habe ich nur abends in der Dunkelheit auf dem Weg hinterm Campus hin und her laufend eine Zigarette geraucht und mich dabei genauso verwegen gefühlt wie dieser ältere Herr. Das hat nun ein Ende, denn auf dem Weg nach Tanaso, wo die örtliche University of Education steht und damit mein Internetcafé, befindet sich ein sog. „Spot“. So nennen sich hier die Kneipen. Dieser Spot erinnert mich stark an einen Biergarten, denn seine Plastiktische und -stühle finden sich von Bäumen überdacht – eben wie bei uns die Kastanienbäume – auf diesem Wege ein Gruß an die Kervansaray.

 

Der Spot wird von einer Frau betrieben, die ihr Baby auf ihrem Rücken gebunden trägt, während sie uns die verschiedensten Sorten Gin anbietet. Gin ist in Ghana wohl sehr beliebt – zumindest bei den Christen, denn die Moslems, die ich bisher als solche kennengelernt habe verweigern den Alkohol. Sie hingegen kauen als Stimuli Tigernuts. Uns eher bekannt als Colanüsse – mit einer anregenden, den Hunger stillenden Wirkung – auf TWI „Atadwe“ genannt. Geschmack und Konsistenz erinnern mich stark an Kokosnuß.

 

Jedenfalls ist in diesem Spot das Rauchen erlaubt – ganz ohne Verwegenheitsgefühl – fehlt nur noch eine Bezugsquelle, denn bisher rauche ich im Zimmer gefundene übriggebliebene Zigaretten – Danke an Unbekannt.

 

Die erste Fahrt nach Kumasi – „8 months, is ist enough time to learn the ghanian way of life??“


Denchemousso, das Dorf in dem unsere Ghanian-German-School und der Kindergarden sind, ist eine Art Vorstadt von Kumasi – eigentlich eher ein Dorf. Kumasi selber, als zweitgrößte Stadt in Ghana mit ca. 1,5 Mio. Einwohnern hat den größten Markt Westafrikas und zeigt sich als hektische, laute, bunte Stadt.

 

Wir besuchen zuerst das In-Viertel ADUM, in dem sich das Vodafone-Center befindet, wo sich einige von uns Internet-Sticks kaufen. Weiterhin gibt es hier Banken, einen Supermarkt, in dem man Nutella für 15 GhCedi, oder Tampons für 20 GhCedi kaufen kann. Ich habe mir eine laminierte Karte von Kumasi und seinen Vierteln gekauft – auf der Rückseite befindet sich dasselbe für Accra. Ich denke, dass sie bei Reisen hilfreich sein kann, da die einzelnen Stadtteile oft anders ausgesprochen werden, als sie geschrieben werden – z.B. schreibt sich die Gegend in der der Central Market ist „Kejetia“, wird aber „Ketja“ gesprochen und leider verstehen sie, die Ghanaer ; ) dich nicht, wenn du die Orte anders aussprichst als sie es kennen.

 

Als ich Kumasi letztes Jahr besuchte, habe ich hier in ADUM übernachtet. Promt laufe ich an unserem damaligen mit 47 GhCedi völlig überteuerten Hotel „the Kingsway“ vorbei. Da ruft ein Ghanaer nach mir und ich erkenne Kwaku wieder, der mich und Jakob letztes Jahr einen Tag durch Kumasi führte. Er hat mit uns Pito getrunken, das eher im Norden übliche Hirsebier, uns die Gegend gezeigt und abends unter einer der wenigen Straßenlaternen seine Bilder gezeigt, die er verkauft.

 

Er hieß mich willkommen in Ghana, und wenn ich denn eine so lange Zeit hier sei, habe ich ja die Möglichkeit „to learn the ghanian way of life and to learn the Twi“, die Sprache des Ashani-Volkes hier in und um Kumasi.

 

Ja das wärs doch! Twi lernen und das ghanaische Leben so verinnerlichen, dass dich die Ghanaer zwar anstarren und Obroni rufen, aber sobald sie mit dir in Kontakt kommen, dich wertschätzen und erkenne, dass du ein tatsächliches Interesse an ihnen und ihrer Kultur hast. Momentan noch werden wir – wie wir als ein Pulk von Weißen, die die hier übliche Gestik und Körpersprache nicht kennen, eher angestarrt und belächelt oder manchmal als unfähig angesehen.

Akwaaba – Willkommen in Ghana =)


4 Tage sind nun vergangen, seit wir in Ghana angekommen sind und es ist schon einiges passiert.

Am 26. ging es für mich um 5.30 Uhr mit meinem Papa und unserem Auto los in Richtung München, wo wir uns um 8.30 Uhr mit den andern am Flughafen trafen. Insgesamt sind wir 5 Mädels, die an verschiedenen Schulen in zwei Ortschaften, die ca. 1,5km auseinander sind, arbeiten werden. Die Blogs der anderen 4 könnt ihr auch gerne lesen, dann lernt ihr noch mehr Facetten von Ghana kennen.

Nach einmal “umsteigen” in Istanbul stiegen wir dann am Sonntag Abend um ca. 20 Uhr (deutsche Zeit: 22 Uhr) in Accra, der Hauptstadt von Ghana, aus dem Flugzeug. Etwas verwundert war ich über das doch recht milde und gar nicht so schwüle Klima wie erwartet.

Nach dem Anstehen am Immigration Schalter fanden wir dann nach einiger Zeit (trotz falscher Ausschilderung) das Gepäckband, auf dem alle Gepäckstücke vom Flug aus Istanbul sein sollten. Doch leider fehlten 2 Gepäckstücke. Zum einen ein Beamer für die Schule und zum anderen mein 30 Liter Rucksack.

Also stellten wir uns am Lost&Found-Schalter an, worauf man uns erst einmal warten ließ um uns dann irgendwann mitzuteilen, dass die zwei Sachen noch in Istanbul seien. Der nächste Flieger würde am Montag Abend landen, da könnten wir unsere Sachen dann abholen.

Nachdem das geklärt war, ging es für uns dann erstmal in ein Hotel in Accra, wo wir relativ erledigt gleich ins Bett fielen. Inzwischen war es 24 Uhr (deutsche Zeit: 2 Uhr).

Am nächsten Morgen wurden wir dann von Kekey, dem Sohn von Albert, abgeholt und in sein Haus zum Frühstücken gebracht. Danach ging es mit dem Auto quer durch Accra zum Busbahnhof.

Uns erwartete eine knapp 5-stündige Busfahrt nach Kumasi, der zweitgrößten Stadt Ghanas, in einem so klimatisierten Bus, dass wir tatsächlich langärmlig da saßen und das bei einer Außentemperatur von schätzungsweise 28°C.

Am Busbahnhof in Kumasi wurden wir dann nach einigen Telefonaten und einstündiger Wartezeit vom Direktor der Ghanain-German-School (GGS) abgeholt. In einem mit 10 Koffern und Rucksäcken (+ Handgepäck) und 7 Personen befüllten Opel Astra geht es nun nach Denchemouso, wo sich Schule befindet.

Dort angekommen werden wir dann noch kurz eingewiesen, dass für Lisa, Jenny und mich die Schule am 4. September beginnt und Carmen und Lisa bis zum 16. September frei haben.

Danach können wir die zwei, für uns Volunteers vorgesehenen, Zimmer beziehen.

Da ich im Nachbarort Tanaso arbeiten werde, bin ich eigentlich in einer Gastfamilie untergebracht. Doch da ist wohl noch nicht alles geklärt und so wohne ich jetzt für die erste Zeit mit den andern am Campus.

Denchemouso besteht eigentlich aus einer Hauptstraße mit unzähligen Ständen zum Essen kaufen und einigen Abzweigungen, die ich aber noch nicht erkundet habe.

Am Dienstag hat uns Matthias, der das letzte halbe Jahr hier in Denchemouso verbracht hat, das Internetcafé (von dem aus ich das hier schreibe) und einiges anderes in Tanaso gezeigt.

Gestern waren wir dann in Kumasi. Dort gibt es den zweitgrößten Markt in Westafrika, der aus vielen Blechhütten besteht. Doch bis ich das System wo was verkauft wird verstanden habe, wird es wohl noch einige Zeit dauern… ;-)

Und heute Morgen nach einigen Schwierigkeiten und Telefonaten fuhr ich mit dem Direktor der GGS erneut nach Kumasi um meinen Rucksack, den Kekey mittlerweile vom Flughafen abgeholt und mit dem Bus nach Kumasi geschickt hat, abzuholen. Nach 3-stündigem Hin-und-her-steigen von einem Taxi in ein anderes oder in ein Tro-Tro sind wir dann wieder zurück in Denchemouso. Es hat alles soweit geklappt und ich habe endlich meinen Rucksack wieder =)

Mit den Autos ist das hier auch so eine Sache… Hier fahren alle die Autos rum, die in Deutschland oder Europa keinen TÜV mehr bekommen haben oder würden. Doch sie fahren und das auf Straßen, die man schon fast nicht mehr als solche bezeichnen kann. Die meisten Straßen außerhalb der großen Städte gleichen mehr sehr staubigen Feldwegen mit unzähligen Schlaglöchern, die der Fahrer zwar zu umfahren versucht, was ihm jedoch bei dieser Menge nicht so recht gelingt.

Und dann gibt es noch so genannte Tro-Tros. Das sind Kleinbusse, in die so viele Sitze und Bänke eingebaut werden, wie nur geht. Und diese werden dann mit 15-20 Leuten befüllt und fahren von A nach B. Die Fahrt von Kumasi nach Denchemouso kostet 50 Pesewas, also umgerechnet ca. 25ct für eine dreiviertel Stunde Fahrt (meine Schätzung: ca. 8km).

Ich bin gespannt was wir noch alles erleben werden und vor allem wer meine Gastfamilie sein wird, bei der mein Zuhause für die nächsten 6 Monate sein wird. Wenn ich das nächste Mal im Internetcafé bin, berichte ich euch auf jeden Fall wieder die neusten Neuigkeiten. ;-)

Ganz liebe Grüße nach Deutschland

Eure Anja

Die letzten Tage


Die letzten 9 Tage sind gekommen, Anfangs wurde die Tage gezählt und gehofft, dass ich bald wieder zurück bin, gerade vergeht die Zeit so schnell..

Dass die Entscheidung, für 6 Monate nach Ghana zu gehen wohl eine der Besten war, kann ich definitiv behaupten. Auch wenn die Anfangstage im Kindergarten hart waren. Da einem nie wirklich eine Arbeit zugeteilt wurde, obwohl es genügend zu tun gibt, muss man sich die Arbeit selber suchen. Die Kinder verstehen einen nicht und da man sie nicht schlagen möchte hören sie einem auch nicht wirklich zu. Doch mit der Zeit ist es zum Alltag geworden, ich wusste meine Aufgaben (morgens helfen beim Essen kochen, verteilen und abwaschen, auf Kinder aufpassen, an Wände malen, Spielen, Mathe, Kunst und Schreiben Unterrichten, Mittags Essen verteilen und Abwaschen und alles was sonst noch so anfiel) und die Lehrer und vor allem Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen, weswegen mir der Abschied wirklich sehr schwer fiel. Aber dass wir nicht vergessen werden, dafür haben Matthias und ich schon gesorgt mit unseren Handabdrücken auf der Wand. Und wenn ein Paar veränderte Sachen so beibehalten werden, bin ich schon sehr glücklich! Die Essensvergabe läuft endlich geordnet und die Kinder haben jeder ihren eigenen Sitzplatz wo sie in Ruhe essen können. Das Spielzimmer ist überfüllt mit Spielsachen und die Wände sind bunt. Im Pausenhof haben sie neben dem Karussell jetzt auch noch eine Rutsche, auf Autoreifen hüpfen sie rum und vom nächsten Geld wird noch eine Schaukel gekauft! Außerdem wird nicht mehr in den Pausenhof (oder in den Blumentopf in der Klasse) gepinkelt sondern dafür wird brav aufs Klo gegangen. Leider gilt die Regel „Yellow let it swallow, Brown flush it down“, dementsprechend riechts auch bisschen.

Dass der Unterricht in der Schule vorbei ist erleichtert mich sehr, 50 Schüler die meistens auch noch älter sind, sind auf Dauer leider nur schwer zu ertragen.

Eine schöne Nachricht gibt es auch noch. Kumasi fängt jetzt doch tatsächlich an, sich um die Umwelt zu Sorgen und ich kann Stolz behaupten schon mehrere Mülleimer gesehen zu haben! Trotzdem türmen sich die Müllberge noch in den Abwasserrohren, von Wassersachets über Orangenschalen bis hin zu Schuhen. Vor allem in der Regenzeit gab es deswegen öfter überflutete Straßen da das Wasser nicht mehr ablaufen konnte. Ich wurde auch öfters dumm angeschaut als ich gefragt habe, ob sie hier denn Müll trennen. Und da ich meine Reste nicht so einfach aus dem Auto auf die Straße schmeißen wollte, hab ich‘s immer brav mit nach Hause getragen, in Tüten gesammelt um es dann letztendlich auf den Schuleigenen Müllberg zu schmeißen, der in regelmäßigen Abständen angezündet wird..

Eine unschöne Erfahrung habe ich letztens auch noch gemacht. Ich dachte es sei nur ein Gerücht, dass Diebe, falls sie von der Bevölkerung geschnappt werden, umgebracht werden. Letztens lag jedoch nur ein Paar Meter von meinem Haus entfernt  über 13 Stunden eine Männerleiche an der Hauptstraße. Es wurden Fotos gemacht und keiner hat sich um ihn gekümmert mit der Begründung, sie haben ihn umgebracht weil er in ein Haus eingebrochen ist und die Polizei nichts gegen ihn gemacht hätte. Dass die Polizei korrupt ist, ist aber allgemein klar. Jeder Taxifahrer hat in seinem Geldbeutel neben dem Führerschein einen Cedi und auch mit Freunden bin ich in mehrere Polizeikontrollen (ohne Grund) gekommen, wo wir dann unserem lieben Polizisten „Heeeeyyy my friend“ 20 Cedi zugesteckt haben..

Dass ich in dem letzten halben Jahr nicht zugenommen habe (denke ich zumindest) wundert mich sehr! Obwohl meine Gewichtsschwankungen hier von „Madame Lisa, Madame Lisa, stomach BABY!!!!“ bis hin zu „Oh Madame Lisa, sooooooorry no food…“ gingen. Auf die Frage an unsere Schulköchin, warum es denn täglich Reis gibt bekam ich die Antwort, dass das doch gar nicht stimmt! Wir servieren plain rice, fried rice, jollof rice, rice balls und rice mit stew (Bohnen, okro…), außerdem Kenkey oder Bohnen. Aha.. stimmt so ein rice ball besteht ja auch nicht aus Reis. Ob sich mein Magen so schnell wieder an Milchprodukte nach 6 Monaten Entzug gewöhnt bezweifle ich, aber das ist mir egal! Auf jeden Fall wird auch in München ghanaisch gekocht und jeder ist sehr gerne zum Fufu probieren oder mein Lieblingsessen Bohnen mit Gari und palm oil essen eingeladen!
Auch die große Auswahl an Snacks und Obst zwischendurch wird mir fehlen, man hat sich schon so daran gewöhnt aus dem Auto einzukaufen und meine tägliche halbe Wassermelone, Mango, Ananas und Papaya wird in Deutschland nicht gleich schmecken!

Warnen möchte ich euch auch gleich alle noch, ich möchte bitte keinen Kommentar zu meiner Hautfarbe hören. Ja ich weiß ich war 6 Monate in Afrika, ich habe geschwitzt wie noch nie und gelernt, mir mit 3 Wassersachets (jeweils 0,5 Liter) die Haare zu waschen, aber  ich habe versucht die Sonne zu meiden und außerdem ist gerade Regenzeit 😦

Bedanke möchte ich mich noch bei allen, die meine verzweifelten sms, Anrufe oder sonstige Nachrichten ausgehalten haben und mich wieder aufgebaut haben 🙂
Danke auch an mein Moskitonetz, dass mich vor allen möglichen Tierchen beschützt hat, egal ob kleine oder große Gekkos, Spinnen, Kakerlaken, Ameisen und sonstigen Insekten. Bei den Moskitos hast du leider versagt aber ok, 2 Mal Malaria war auch ne Erfahrung wert. Jetzt weiß ich zumindest wie es sich anfühlt zu sterben.
Zum Schluss noch ein ganz großes Dankeschön an den Deutsch Ghanaischen Freundschaftskreis, dass ihr mir diese Erfahrung ermöglicht habt!

Und natürlich an meine Familie und Freunde, ihr seid wirklich die Besten und ich freu mich schon so sehr auf euch ❤

So das war‘s jetzt wirklich von mir, den nächsten Bericht gibt’s wieder in Deutschland, meine letzten Tage verbringe ich am Strand mit Freiluftdusche, im Kakum national Park und in Kumasi. Ich werde es genießen, Kellnerinnen alles 10 mal zu erklären mit dem Resultat, dass sie es immer noch nicht verstanden haben und man mit einem freundlichen SIT DOWN!!!!!!!!!!!! von der Theke gescheucht wird. Nach Toiletten frage ich erst gar nicht, ich suche mir irgendeine Ecke und hoffe, dass ich nicht wieder Besuch von nem Schwein  bekomme. Als nicht-Vegetarierin werde ich mir danach einen schönen Fleischspieß von der Straße holen und hoffe, dass ich nicht gerade die Mama von den kleinen Ziegenbaby daneben esse. Mein iPod bleibt absichtlich zu Hause, im Taxi werden jetzt wieder brav die 5 selben Azonto Lieder gehört und um zu beweisen, dass ich wenigstens ein bisschen ghanaisch tanzen kann, wackel ich mit dem Fuß. Jeder fremde Mensch ist dann plötzlich mein Freund und möchte ein Teil meines Lebens werden. Nach einer freundlichen Diskussion mit dem Ergebnis, dass ich nicht meine Nummer, die meiner Mutter, Freundin, Schwester oder sonstigen Verwandten hergeben werde, obwohl er schon unsere Sprache lernt „ Hallo alles klaaaaar wie geht dir ich Deutschland aber keine Papiere Polizei hart“ verabschiede ich mich von Ghana und freue mich sehr auf München, Familie, Freunde, Umarmungen und Essen!!! (Und ganz ehrlich gesagt, auch auf eine Waschmaschine) Ghana du fehlst mir trotzdem jetzt schon,  wir sehen uns in einem Monat!

Ganz Liebe Grüße und bis Sonntag ❤

 

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Sweet home à la Ghana


Ein herzliches Hallo aus Ghana, vermutlich schon zum letzten Mal,

eigentlich wollte ich noch viele, viele Blogeinträge schreiben, genügend Lust und Erzählstoff hätte ich, aber Reisen, Erleben und Entdecken klingt dann doch noch besser als Schreibtisch und Laptop.

Der Abschied an Schule und Kindergarten war eine Mischung aus traurig und wunderschön, hab sogar noch voll liebe Geschenke bekommen; die ersten Ferientage war ich im Norden in Bolgatanga, Paga, Tamale und Mole und jetzt kommen dann schon die letzten drei Wochen mit meinem Papa. Also die Endphase macht grade nochmal richtig viel Spaß, dazu gibts noch dies und jenes, um das man sich kümmern muss, deswegen an dieser Stelle nur ganz kurz:

Bis bald in Deutschland, ich freu mich inzwischen auch wieder riesig auf Zuhause! Bleibt noch zu hoffen, dass ich alle Fotos, Mitbringsel, Erfahrungen und Erlebnisse sicher über Sahara und Bosporus bringe, dann steht einer fetten Fete in vier Wochen nichts mehr im Wege 😉

Bis dahin eine schöne Zeit, alles Gute, oder wie der Ghanaer zu sagen pflegt: God bless you!

Liebe Grüße

Matze