Archiv der Kategorie: 2011/2012

Sich Platz geschaffen und eingelebt


Mittlerweile haben wir alle unsere Zimmer gründlich geputzt und entrümpelt. Schränke ausgeräumt, alte abgelaufene Medikamente von unseren Vorgängern entfernt und vieles Nützliches gefunden, wie z. B. Einmalhandschuhe,„Westafrikanisch Kochen“ von Cobbinah, der den Ghana-Führer im Peter Meyer Verlag veröffentlicht hat, oder z.B. PU SChaum ;), mit dem ich versucht habe das Leck unseres Klos zu versiegeln (Es ist mir im Übrigen misslungen.)

Ich teile mir mein Zimmer mit Lisa Pfeffer. Es ist ca.30 qm groß, hat zwei einzelne Betten, einen funktionierenden Kühlschrank und sogar eine Couchgarnitur, die vor ca. 7 Jahren von SChülern der Vocational School hergestellt wurden. Das habe ich aus einem Reisebericht erfahren, den ich beim Ausräumen unseres Schranks gefunden habe. Eine Volunteerin, die im Herbst 2005 für 3 Monate hier war, hat ihre Berichte ausgedruckt und samt Bildern hier gelassen-eine gute Idee.

Seit dem hat sich wohl einiges verändert, was die Schule und die Organisation derselben angeht. Vieles beschreibt sie aber auch genau so, wie wir es hier erleben. Das ständige Angestarrt-werden, die ständigen Obruni-Rufe, die uns als Weiße begrüßen oder belächeln sollen – oder kopfschüttelnd uns bemittleiden.

Wir haben einen neuen Duschvorhang erworben, da unserer am abschimmeln war. Erstaunlicherweise hatte dieser neue, noch verpackte Duschvorhang bereits Risse und Löcher und dort, wo eigentlich die Löcher für die Aufhängungen sein sollten, waren keine zu finden. Das Material ist dermaßen miserabel – das hat mich an meine Kaffeetasse erinnert, die ich ein paar Tage vorher gekauft hatte. Eine Plastiktasse, die so schlecht verarbeitet ist, dass man Obacht geben muss, sich beim Trinken nicht zu verletzt. Was hier zu kriegen ist, scheint von noch schlechter Qualität zu sein, als wir es in Deutschland von Billigprodukten gewohnt sind.

There’s no hurry in life!


Seit dem letzten Blogeintrag sind nur 3 Tage vergangen, aber wir erleben hier gerade so viel Neues und Ungewohntes, das ich euch unbedingt mitteilen will, dass nun schon der nächste kommt ;-)

Am Freitag Abend wollten wir auf ein Konzert nach Kumasi, weil dort eine Band auftrat, die Carmen kennt und gut findet. Außerdem erlebten wir so Ghana endlich auch mal bei Nacht. Bisher waren wir ab Anbruch der Dunkelheit immer in oder vor unseren Zimmern, weil zu dieser Zeit 1. die größte Gefahr besteht, von einer Malaria-Überträger-Mücke gestochen zu werden und 2. die meisten anderen Ghanaer in unserem Dorf auch in ihr Zuhause gehen. Dunkel wird es hier übrigens schon um 18.30 Uhr, das heißt hier ticken die Uhren doch etwas anders. Wann es wirklich hell wird, kann ich euch gar nicht sagen, aber ab 6 Uhr sind zumindest viele Ghanaer auf und das Dorfradio (Lautsprecher, die das ganze Dorf beschallen) läuft auf Hochtouren. Was wiederum bedeutet, dass die Nachtruhe dann beendet ist. Für mich doch eine relativ krasse Umstellung, da ich daheim immer eher spät ins Bett gegangen und dafür auch (zumindest für die hiesigen Verhältnisse) spät aufgestanden bin.

Um 13.30 Uhr sind wir dann am Freitag losgegangen zum Cultural Centre in Kumasi, wo das Konzert stattfinden sollte, damit wir und das ganze Zentrum noch ein bisschen anschauen konnten. Angenommen hatten wir, dass wir für die Fahrt nach Kumasi (inklusive umsteigen von Taxi in Tro-Tro) mindestens eine Stunde unterwegs sein werden. Doch dem war nicht so, weil die Route des Taxifahrers, der uns ab Denchemouso mitnahm praktischerweise sowieso zum Cultural Centre ging. So nahm er uns dorthin mit, worauf wir schon nach einer halben Stunde angekommen sind.

Wir aßen zu Mittag in einem Restaurant dort auf dem Gelände und ich aß zum ersten Mal Fufu, das Nationalgericht Ghanas. Fufu ist so ein Brei aus Yam und schmeckt ähnlich wie Kartoffelbrei. Dazu gibt es Hähnchenschlegel und Soße. Gegessen wird mit der rechten (!) Hand, indem man mit der Handfläche eine Schüssel formt und dann mit Daumen, Zeigefinger und Ringfinger ein bisschen Kartoffelbrei aufnimmt. Es hat wirklich sehr lecker geschmeckt, nur leider war es mega scharf, aber das hat das ghanaische Essen so an sich ;-) .

Anschließend schauten wir uns die ganzen Handwerksläden des Cultural Centres an. Von afrikanischen Masken, über Trommeln und Gemälden, gibt es hier eine riesige Auswahl an Souvenirs.

Das Konzert sollte laut Plakat um 6 pm beginnen. Wir also um 17.45 Uhr mit deutscher Pünktlichkeit hin, worauf wir die Organisatoren beim Aufbau und Soundcheck antrafen. Nachdem uns dann ein Ghanaer einen kurzen Twi-Sprachkurs erteilt hatte und sich einige andere mit uns unterhalten hatten, erfuhren wir dann, dass es erst ’around 8 o’clock’ starten sollte. Tatsächlich beginnt die Talent-Show ’Big In Ghana’ dann um 20.45 Uhr. An die ’ghanaian time’, das heißt, dass alles mindestens eine Stunde später beginnt, als angekündigt, müssen wir uns erst noch gewöhnen. Doch hier ist es völlig normal, dass man eben wartet und wartet und wartet, denn es haben auch alle Zeit. Unser Reiseführer sagt zum Lebensmotto der Ghanaer: „There’s no hurry in life!“.

Nacheinander kamen verschiedene Talente, die eigentlich schon die Besten aus einigen Vorentscheidungen sein sollen auf die Bühne und zeigen ihr Können. Danach spielte die Band dann noch einige Lieder, worauf plötzlich ’lights out’, also Stromausfall, herrschte. Es ist mittlerweile 23.30 Uhr und der erwartete Act ist noch nicht aufgetreten. Immerhin wurden wir dann Backstage (auf der Wiese hinter der Bühne) erwartet, weil wir extra für diese Gruppe so lange gewartet hatten und Carmen Fan sei. Um 0.30 Uhr ging der Strom dann endlich wieder und sie konnten doch noch auftreten.

Für uns ging es dann aber kurze Zeit später in einem Taxi nach Hause. Und diese Taxifahrt war auch ein Abenteuer für sich. Der Taxifahrer fuhr nicht nur sehr gewöhnungsbedürftig (er ließ kein Schlagloch aus und das bei für ghanaische Straßen hoher Geschwindigkeit), sondern verfuhr sich auch noch. In Kwadaso, einem Nachbarort von Denchemouso sagte er, wir seien angekommen, doch wir waren uns sicher, dass wir dort noch nie waren.

Jenny meinte dann: „Denchemouso!”, worauf der Taxifahrer: “Oh, Denchemoooooso!” Wohlbehalten kamen wir dann kurze Zeit später in Denchemouso an und mussten nur 2 Cedis (ca. 1€) pro Person zahlen, obwohl uns mittags versichert wurde, abends sei es teuer.

Gestern habe ich dann das erste Mal meine Wäsche von Hand (!) gewaschen. Ich hätte es mir ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt, aber so den richtigen Dreh, wie man mit kaltem Wasser und etwas Waschpulver Flecken aus den Kleidungsstücken bekommt, habe ich noch nicht raus. Naja, immerhin riecht jetzt alles frisch gewaschen und ich habe ja noch eine Weile Zeit zum Üben. Die Ghanaerinnen waschen ihre Wäsche noch mit Kernseife und rubbeln sie solange, bis sie sauber ist, aber das ist mir dann doch zu anstrengend.

Ich lebe übrigens immer noch am Campus, doch voraussichtlich komme ich am Montag in meine Gastfamilie. Aber ob ’ghanaian time’ oder ’german time’ – das werde ich wohl dann erst erfahren ;-) .

Auf jeden Fall wird am Dienstag die Schule beginnen (zumindest, wenn Schüler kommen) und da bin ich schon echt gespannt drauf.

 

Ganz liebe Grüße aus dem warmen Ghana (heute war der erste Tag, an dem es so bewölkt war, dass die Sonne gar nicht rausgeschaut hat)

Eure Anja

Biergartenfeeling und endlich Rauchen!!


n Ghana ist das Rauchen in der Öffentlichkeit unüblich. Wir haben erst nach vier Tagen den ersten Menschen überhaupt hier rauchen sehen. Es war ein etwas verwegen wirkender alter Herr. Ich bin von uns Mädels die einzige Raucherin, die nicht unbedingt vorhatte hier aufzuhören. Bisher habe ich nur abends in der Dunkelheit auf dem Weg hinterm Campus hin und her laufend eine Zigarette geraucht und mich dabei genauso verwegen gefühlt wie dieser ältere Herr. Das hat nun ein Ende, denn auf dem Weg nach Tanaso, wo die örtliche University of Education steht und damit mein Internetcafé, befindet sich ein sog. „Spot“. So nennen sich hier die Kneipen. Dieser Spot erinnert mich stark an einen Biergarten, denn seine Plastiktische und -stühle finden sich von Bäumen überdacht – eben wie bei uns die Kastanienbäume – auf diesem Wege ein Gruß an die Kervansaray.

 

Der Spot wird von einer Frau betrieben, die ihr Baby auf ihrem Rücken gebunden trägt, während sie uns die verschiedensten Sorten Gin anbietet. Gin ist in Ghana wohl sehr beliebt – zumindest bei den Christen, denn die Moslems, die ich bisher als solche kennengelernt habe verweigern den Alkohol. Sie hingegen kauen als Stimuli Tigernuts. Uns eher bekannt als Colanüsse – mit einer anregenden, den Hunger stillenden Wirkung – auf TWI „Atadwe“ genannt. Geschmack und Konsistenz erinnern mich stark an Kokosnuß.

 

Jedenfalls ist in diesem Spot das Rauchen erlaubt – ganz ohne Verwegenheitsgefühl – fehlt nur noch eine Bezugsquelle, denn bisher rauche ich im Zimmer gefundene übriggebliebene Zigaretten – Danke an Unbekannt.

 

Die erste Fahrt nach Kumasi – „8 months, is ist enough time to learn the ghanian way of life??“


Denchemousso, das Dorf in dem unsere Ghanian-German-School und der Kindergarden sind, ist eine Art Vorstadt von Kumasi – eigentlich eher ein Dorf. Kumasi selber, als zweitgrößte Stadt in Ghana mit ca. 1,5 Mio. Einwohnern hat den größten Markt Westafrikas und zeigt sich als hektische, laute, bunte Stadt.

 

Wir besuchen zuerst das In-Viertel ADUM, in dem sich das Vodafone-Center befindet, wo sich einige von uns Internet-Sticks kaufen. Weiterhin gibt es hier Banken, einen Supermarkt, in dem man Nutella für 15 GhCedi, oder Tampons für 20 GhCedi kaufen kann. Ich habe mir eine laminierte Karte von Kumasi und seinen Vierteln gekauft – auf der Rückseite befindet sich dasselbe für Accra. Ich denke, dass sie bei Reisen hilfreich sein kann, da die einzelnen Stadtteile oft anders ausgesprochen werden, als sie geschrieben werden – z.B. schreibt sich die Gegend in der der Central Market ist „Kejetia“, wird aber „Ketja“ gesprochen und leider verstehen sie, die Ghanaer ; ) dich nicht, wenn du die Orte anders aussprichst als sie es kennen.

 

Als ich Kumasi letztes Jahr besuchte, habe ich hier in ADUM übernachtet. Promt laufe ich an unserem damaligen mit 47 GhCedi völlig überteuerten Hotel „the Kingsway“ vorbei. Da ruft ein Ghanaer nach mir und ich erkenne Kwaku wieder, der mich und Jakob letztes Jahr einen Tag durch Kumasi führte. Er hat mit uns Pito getrunken, das eher im Norden übliche Hirsebier, uns die Gegend gezeigt und abends unter einer der wenigen Straßenlaternen seine Bilder gezeigt, die er verkauft.

 

Er hieß mich willkommen in Ghana, und wenn ich denn eine so lange Zeit hier sei, habe ich ja die Möglichkeit „to learn the ghanian way of life and to learn the Twi“, die Sprache des Ashani-Volkes hier in und um Kumasi.

 

Ja das wärs doch! Twi lernen und das ghanaische Leben so verinnerlichen, dass dich die Ghanaer zwar anstarren und Obroni rufen, aber sobald sie mit dir in Kontakt kommen, dich wertschätzen und erkenne, dass du ein tatsächliches Interesse an ihnen und ihrer Kultur hast. Momentan noch werden wir – wie wir als ein Pulk von Weißen, die die hier übliche Gestik und Körpersprache nicht kennen, eher angestarrt und belächelt oder manchmal als unfähig angesehen.

Akwaaba – Willkommen in Ghana =)


4 Tage sind nun vergangen, seit wir in Ghana angekommen sind und es ist schon einiges passiert.

Am 26. ging es für mich um 5.30 Uhr mit meinem Papa und unserem Auto los in Richtung München, wo wir uns um 8.30 Uhr mit den andern am Flughafen trafen. Insgesamt sind wir 5 Mädels, die an verschiedenen Schulen in zwei Ortschaften, die ca. 1,5km auseinander sind, arbeiten werden. Die Blogs der anderen 4 könnt ihr auch gerne lesen, dann lernt ihr noch mehr Facetten von Ghana kennen.

Nach einmal “umsteigen” in Istanbul stiegen wir dann am Sonntag Abend um ca. 20 Uhr (deutsche Zeit: 22 Uhr) in Accra, der Hauptstadt von Ghana, aus dem Flugzeug. Etwas verwundert war ich über das doch recht milde und gar nicht so schwüle Klima wie erwartet.

Nach dem Anstehen am Immigration Schalter fanden wir dann nach einiger Zeit (trotz falscher Ausschilderung) das Gepäckband, auf dem alle Gepäckstücke vom Flug aus Istanbul sein sollten. Doch leider fehlten 2 Gepäckstücke. Zum einen ein Beamer für die Schule und zum anderen mein 30 Liter Rucksack.

Also stellten wir uns am Lost&Found-Schalter an, worauf man uns erst einmal warten ließ um uns dann irgendwann mitzuteilen, dass die zwei Sachen noch in Istanbul seien. Der nächste Flieger würde am Montag Abend landen, da könnten wir unsere Sachen dann abholen.

Nachdem das geklärt war, ging es für uns dann erstmal in ein Hotel in Accra, wo wir relativ erledigt gleich ins Bett fielen. Inzwischen war es 24 Uhr (deutsche Zeit: 2 Uhr).

Am nächsten Morgen wurden wir dann von Kekey, dem Sohn von Albert, abgeholt und in sein Haus zum Frühstücken gebracht. Danach ging es mit dem Auto quer durch Accra zum Busbahnhof.

Uns erwartete eine knapp 5-stündige Busfahrt nach Kumasi, der zweitgrößten Stadt Ghanas, in einem so klimatisierten Bus, dass wir tatsächlich langärmlig da saßen und das bei einer Außentemperatur von schätzungsweise 28°C.

Am Busbahnhof in Kumasi wurden wir dann nach einigen Telefonaten und einstündiger Wartezeit vom Direktor der Ghanain-German-School (GGS) abgeholt. In einem mit 10 Koffern und Rucksäcken (+ Handgepäck) und 7 Personen befüllten Opel Astra geht es nun nach Denchemouso, wo sich Schule befindet.

Dort angekommen werden wir dann noch kurz eingewiesen, dass für Lisa, Jenny und mich die Schule am 4. September beginnt und Carmen und Lisa bis zum 16. September frei haben.

Danach können wir die zwei, für uns Volunteers vorgesehenen, Zimmer beziehen.

Da ich im Nachbarort Tanaso arbeiten werde, bin ich eigentlich in einer Gastfamilie untergebracht. Doch da ist wohl noch nicht alles geklärt und so wohne ich jetzt für die erste Zeit mit den andern am Campus.

Denchemouso besteht eigentlich aus einer Hauptstraße mit unzähligen Ständen zum Essen kaufen und einigen Abzweigungen, die ich aber noch nicht erkundet habe.

Am Dienstag hat uns Matthias, der das letzte halbe Jahr hier in Denchemouso verbracht hat, das Internetcafé (von dem aus ich das hier schreibe) und einiges anderes in Tanaso gezeigt.

Gestern waren wir dann in Kumasi. Dort gibt es den zweitgrößten Markt in Westafrika, der aus vielen Blechhütten besteht. Doch bis ich das System wo was verkauft wird verstanden habe, wird es wohl noch einige Zeit dauern… ;-)

Und heute Morgen nach einigen Schwierigkeiten und Telefonaten fuhr ich mit dem Direktor der GGS erneut nach Kumasi um meinen Rucksack, den Kekey mittlerweile vom Flughafen abgeholt und mit dem Bus nach Kumasi geschickt hat, abzuholen. Nach 3-stündigem Hin-und-her-steigen von einem Taxi in ein anderes oder in ein Tro-Tro sind wir dann wieder zurück in Denchemouso. Es hat alles soweit geklappt und ich habe endlich meinen Rucksack wieder =)

Mit den Autos ist das hier auch so eine Sache… Hier fahren alle die Autos rum, die in Deutschland oder Europa keinen TÜV mehr bekommen haben oder würden. Doch sie fahren und das auf Straßen, die man schon fast nicht mehr als solche bezeichnen kann. Die meisten Straßen außerhalb der großen Städte gleichen mehr sehr staubigen Feldwegen mit unzähligen Schlaglöchern, die der Fahrer zwar zu umfahren versucht, was ihm jedoch bei dieser Menge nicht so recht gelingt.

Und dann gibt es noch so genannte Tro-Tros. Das sind Kleinbusse, in die so viele Sitze und Bänke eingebaut werden, wie nur geht. Und diese werden dann mit 15-20 Leuten befüllt und fahren von A nach B. Die Fahrt von Kumasi nach Denchemouso kostet 50 Pesewas, also umgerechnet ca. 25ct für eine dreiviertel Stunde Fahrt (meine Schätzung: ca. 8km).

Ich bin gespannt was wir noch alles erleben werden und vor allem wer meine Gastfamilie sein wird, bei der mein Zuhause für die nächsten 6 Monate sein wird. Wenn ich das nächste Mal im Internetcafé bin, berichte ich euch auf jeden Fall wieder die neusten Neuigkeiten. ;-)

Ganz liebe Grüße nach Deutschland

Eure Anja

Die letzten Tage


Die letzten 9 Tage sind gekommen, Anfangs wurde die Tage gezählt und gehofft, dass ich bald wieder zurück bin, gerade vergeht die Zeit so schnell..

Dass die Entscheidung, für 6 Monate nach Ghana zu gehen wohl eine der Besten war, kann ich definitiv behaupten. Auch wenn die Anfangstage im Kindergarten hart waren. Da einem nie wirklich eine Arbeit zugeteilt wurde, obwohl es genügend zu tun gibt, muss man sich die Arbeit selber suchen. Die Kinder verstehen einen nicht und da man sie nicht schlagen möchte hören sie einem auch nicht wirklich zu. Doch mit der Zeit ist es zum Alltag geworden, ich wusste meine Aufgaben (morgens helfen beim Essen kochen, verteilen und abwaschen, auf Kinder aufpassen, an Wände malen, Spielen, Mathe, Kunst und Schreiben Unterrichten, Mittags Essen verteilen und Abwaschen und alles was sonst noch so anfiel) und die Lehrer und vor allem Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen, weswegen mir der Abschied wirklich sehr schwer fiel. Aber dass wir nicht vergessen werden, dafür haben Matthias und ich schon gesorgt mit unseren Handabdrücken auf der Wand. Und wenn ein Paar veränderte Sachen so beibehalten werden, bin ich schon sehr glücklich! Die Essensvergabe läuft endlich geordnet und die Kinder haben jeder ihren eigenen Sitzplatz wo sie in Ruhe essen können. Das Spielzimmer ist überfüllt mit Spielsachen und die Wände sind bunt. Im Pausenhof haben sie neben dem Karussell jetzt auch noch eine Rutsche, auf Autoreifen hüpfen sie rum und vom nächsten Geld wird noch eine Schaukel gekauft! Außerdem wird nicht mehr in den Pausenhof (oder in den Blumentopf in der Klasse) gepinkelt sondern dafür wird brav aufs Klo gegangen. Leider gilt die Regel „Yellow let it swallow, Brown flush it down“, dementsprechend riechts auch bisschen.

Dass der Unterricht in der Schule vorbei ist erleichtert mich sehr, 50 Schüler die meistens auch noch älter sind, sind auf Dauer leider nur schwer zu ertragen.

Eine schöne Nachricht gibt es auch noch. Kumasi fängt jetzt doch tatsächlich an, sich um die Umwelt zu Sorgen und ich kann Stolz behaupten schon mehrere Mülleimer gesehen zu haben! Trotzdem türmen sich die Müllberge noch in den Abwasserrohren, von Wassersachets über Orangenschalen bis hin zu Schuhen. Vor allem in der Regenzeit gab es deswegen öfter überflutete Straßen da das Wasser nicht mehr ablaufen konnte. Ich wurde auch öfters dumm angeschaut als ich gefragt habe, ob sie hier denn Müll trennen. Und da ich meine Reste nicht so einfach aus dem Auto auf die Straße schmeißen wollte, hab ich‘s immer brav mit nach Hause getragen, in Tüten gesammelt um es dann letztendlich auf den Schuleigenen Müllberg zu schmeißen, der in regelmäßigen Abständen angezündet wird..

Eine unschöne Erfahrung habe ich letztens auch noch gemacht. Ich dachte es sei nur ein Gerücht, dass Diebe, falls sie von der Bevölkerung geschnappt werden, umgebracht werden. Letztens lag jedoch nur ein Paar Meter von meinem Haus entfernt  über 13 Stunden eine Männerleiche an der Hauptstraße. Es wurden Fotos gemacht und keiner hat sich um ihn gekümmert mit der Begründung, sie haben ihn umgebracht weil er in ein Haus eingebrochen ist und die Polizei nichts gegen ihn gemacht hätte. Dass die Polizei korrupt ist, ist aber allgemein klar. Jeder Taxifahrer hat in seinem Geldbeutel neben dem Führerschein einen Cedi und auch mit Freunden bin ich in mehrere Polizeikontrollen (ohne Grund) gekommen, wo wir dann unserem lieben Polizisten „Heeeeyyy my friend“ 20 Cedi zugesteckt haben..

Dass ich in dem letzten halben Jahr nicht zugenommen habe (denke ich zumindest) wundert mich sehr! Obwohl meine Gewichtsschwankungen hier von „Madame Lisa, Madame Lisa, stomach BABY!!!!“ bis hin zu „Oh Madame Lisa, sooooooorry no food…“ gingen. Auf die Frage an unsere Schulköchin, warum es denn täglich Reis gibt bekam ich die Antwort, dass das doch gar nicht stimmt! Wir servieren plain rice, fried rice, jollof rice, rice balls und rice mit stew (Bohnen, okro…), außerdem Kenkey oder Bohnen. Aha.. stimmt so ein rice ball besteht ja auch nicht aus Reis. Ob sich mein Magen so schnell wieder an Milchprodukte nach 6 Monaten Entzug gewöhnt bezweifle ich, aber das ist mir egal! Auf jeden Fall wird auch in München ghanaisch gekocht und jeder ist sehr gerne zum Fufu probieren oder mein Lieblingsessen Bohnen mit Gari und palm oil essen eingeladen!
Auch die große Auswahl an Snacks und Obst zwischendurch wird mir fehlen, man hat sich schon so daran gewöhnt aus dem Auto einzukaufen und meine tägliche halbe Wassermelone, Mango, Ananas und Papaya wird in Deutschland nicht gleich schmecken!

Warnen möchte ich euch auch gleich alle noch, ich möchte bitte keinen Kommentar zu meiner Hautfarbe hören. Ja ich weiß ich war 6 Monate in Afrika, ich habe geschwitzt wie noch nie und gelernt, mir mit 3 Wassersachets (jeweils 0,5 Liter) die Haare zu waschen, aber  ich habe versucht die Sonne zu meiden und außerdem ist gerade Regenzeit 😦

Bedanke möchte ich mich noch bei allen, die meine verzweifelten sms, Anrufe oder sonstige Nachrichten ausgehalten haben und mich wieder aufgebaut haben 🙂
Danke auch an mein Moskitonetz, dass mich vor allen möglichen Tierchen beschützt hat, egal ob kleine oder große Gekkos, Spinnen, Kakerlaken, Ameisen und sonstigen Insekten. Bei den Moskitos hast du leider versagt aber ok, 2 Mal Malaria war auch ne Erfahrung wert. Jetzt weiß ich zumindest wie es sich anfühlt zu sterben.
Zum Schluss noch ein ganz großes Dankeschön an den Deutsch Ghanaischen Freundschaftskreis, dass ihr mir diese Erfahrung ermöglicht habt!

Und natürlich an meine Familie und Freunde, ihr seid wirklich die Besten und ich freu mich schon so sehr auf euch ❤

So das war‘s jetzt wirklich von mir, den nächsten Bericht gibt’s wieder in Deutschland, meine letzten Tage verbringe ich am Strand mit Freiluftdusche, im Kakum national Park und in Kumasi. Ich werde es genießen, Kellnerinnen alles 10 mal zu erklären mit dem Resultat, dass sie es immer noch nicht verstanden haben und man mit einem freundlichen SIT DOWN!!!!!!!!!!!! von der Theke gescheucht wird. Nach Toiletten frage ich erst gar nicht, ich suche mir irgendeine Ecke und hoffe, dass ich nicht wieder Besuch von nem Schwein  bekomme. Als nicht-Vegetarierin werde ich mir danach einen schönen Fleischspieß von der Straße holen und hoffe, dass ich nicht gerade die Mama von den kleinen Ziegenbaby daneben esse. Mein iPod bleibt absichtlich zu Hause, im Taxi werden jetzt wieder brav die 5 selben Azonto Lieder gehört und um zu beweisen, dass ich wenigstens ein bisschen ghanaisch tanzen kann, wackel ich mit dem Fuß. Jeder fremde Mensch ist dann plötzlich mein Freund und möchte ein Teil meines Lebens werden. Nach einer freundlichen Diskussion mit dem Ergebnis, dass ich nicht meine Nummer, die meiner Mutter, Freundin, Schwester oder sonstigen Verwandten hergeben werde, obwohl er schon unsere Sprache lernt „ Hallo alles klaaaaar wie geht dir ich Deutschland aber keine Papiere Polizei hart“ verabschiede ich mich von Ghana und freue mich sehr auf München, Familie, Freunde, Umarmungen und Essen!!! (Und ganz ehrlich gesagt, auch auf eine Waschmaschine) Ghana du fehlst mir trotzdem jetzt schon,  wir sehen uns in einem Monat!

Ganz Liebe Grüße und bis Sonntag ❤

 

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Sweet home à la Ghana


Ein herzliches Hallo aus Ghana, vermutlich schon zum letzten Mal,

eigentlich wollte ich noch viele, viele Blogeinträge schreiben, genügend Lust und Erzählstoff hätte ich, aber Reisen, Erleben und Entdecken klingt dann doch noch besser als Schreibtisch und Laptop.

Der Abschied an Schule und Kindergarten war eine Mischung aus traurig und wunderschön, hab sogar noch voll liebe Geschenke bekommen; die ersten Ferientage war ich im Norden in Bolgatanga, Paga, Tamale und Mole und jetzt kommen dann schon die letzten drei Wochen mit meinem Papa. Also die Endphase macht grade nochmal richtig viel Spaß, dazu gibts noch dies und jenes, um das man sich kümmern muss, deswegen an dieser Stelle nur ganz kurz:

Bis bald in Deutschland, ich freu mich inzwischen auch wieder riesig auf Zuhause! Bleibt noch zu hoffen, dass ich alle Fotos, Mitbringsel, Erfahrungen und Erlebnisse sicher über Sahara und Bosporus bringe, dann steht einer fetten Fete in vier Wochen nichts mehr im Wege 😉

Bis dahin eine schöne Zeit, alles Gute, oder wie der Ghanaer zu sagen pflegt: God bless you!

Liebe Grüße

Matze

An der Würze liegen die Pfürze – eine schmackhafte Reise durch ghanaische Gaumenfreuden


„Sir Matthias, you like eating toooo much!“ Was die Ghanaer als Kompliment meinen, ist tatsächlich nicht ganz an der Realität vorbeigeschossen. Riesige Portionen Reis mit ordentlich Palmöl; Gemüse, Brot und Ei schön frittiert; dazwischen gerne mal ein Eis oder fettiges Gebäck; sportliche Betätigung meist nur in Form von Wäschewaschen und Kinder hochheben, da kann man den Blähbauch nicht mehr nur auf die erhöhte Bohneneinnahme schieben. In diesem Sinne begeben wir uns nun also, wie schon lange versprochen, auf einen kurzen Exkurs in die örtliche Kulinarik:

Vornherein zur Erklärung:

Yam: Dürften einige von meiner Abschlussfeier kennen: Eine Wurzel beträchtlichen Ausmaßes (ungefähr so groß wie eine 1,5l-Flasche) und geschmacklich der Kartoffel sehr ähnlich, von der Konsistenz her etwas mehliger.

Cassava: So ähnlich wie Yamwurzeln, nur etwas kleiner, bei uns soweit ich weiß unter dem Namen Maniok bekannt.

Kochbanane (plantain): Also es gibt hier einerseits Bananen, die so schmecken wie unsere und als Obst verzehrt werden, aber so klein sind, dass sie sich nicht nur Olli Kahn vollständig in den Mund schieben kann, und andererseits Bananen, die so groß sind und so aussehen wie die Bananen bei uns im Supermarkt, aber wie Kartoffeln schmecken und verwendet werden, die Kochbananen.

Nun zu den Gerichten:

Fufu: Gilt als das Nationalgericht Ghanas. Wenn man hier gefragt wird, ob einem Fufu schmeckt, was recht oft vorkommt, und man ehrlich mit ja antworten kann, macht man sich schonmal allseits beliebt. Es handelt sich dabei um einen Kloß aus Plantain-, Cassava- und/oder Yambrei, der von meist sog. „Mothers of Fufu“ mit einem mannshohen Stock in einem Holzbottich (woma und waduro) gestampft wird. Serviert wird das Ganze dann in einer großen Schüssel zum Beispiel mit einer ordentlich scharfen Fleisch-Fischsoße und man zupft mit der rechten Hand kleine Stücke vom gummiartigen Klumpen ab. Also mir schmeckts, solange nicht zu viele Spelter im Fufu und Gräten in der Soße sind, aber mein Lieblingsgericht ist es nicht. Auch habe ich schon mehrere Weiße getroffen, die sich wie ich fragen, warum sich die Ghanaer so wahnsinnig viel Arbeit machen, einen relativ geschmacklosen Breiklumpen zu stampfen, während die einzelnen Zutaten gekocht einen ganz guten Eigengeschmack haben. Gibts aber eh nur in Restaurants, die „canteen woman“ kann ja nicht für zig Leute rummantschen.

Gari and beans: Esse ich hier mit am liebsten und habs auch schon paarmal selber zubereitet – mit annehmbarem Ergebnis. Ist auch ganz einfach, man kocht die Bohnen weich, gibt Palmöl (je nach Wunsch mit angebratenen Zwiebeln) dazu und mixt das Ganze mit Gari, kleingeraspelten Cassavawurzeln, die man rein äußerlich auch mit Parmesan verwechseln könnte.

Daneben gibt’s noch süßes Gari, dazu werden die Raspeln mit einem Schuss Zucker in eine Tasse Wasser gegeben und man bekommt etwas, das so ganz leicht an flüssigen Grießbrei erinnern könnte, auch sehr interessant.

Reis: Gibt’s hier in allen möglichen Varianten und für die Ghanaer ist jede davon ein absolut eigenes Gericht, das man nie einfach nur salopp unter dem Stichwort Reis zusammenfassen würde. Wer damit wenig anfangen kann, sollte besser nicht nach Ghana kommen, in der Regel wird mindestens einmal am Tag Reis gegessen. Ich fühl mich aber recht wohl damit und hab mich auch schon ganz gut an die kleinen Fischköpfe in der Soße gewöhnt.

Waakye: Gibts sehr oft an der Schule, Reis mit viel Bohnen, scharfer Tomatensoße und Fisch, perfekt, wenn man viel Hunger hat. Hab auf dem Weg nach Kumasi aber auch schon eine „Waakye Boutique“ für den stilvollen Genießer gesehen 🙂

Jollof Rice: So bisschen wie der Reis, dens zum Beispiel in Kroatien gibt. An der Schule wird dann noch ein gekochtes Ei dazu gereicht, fertisch.

Rice Balls: Deftige Reisknödel mit meist guter Fleischsoße, manchmal auch schlechter Fischsoße.

Fried Rice: Erinnert stark an den Reis, den man bei uns beim Asiaten bekommt. Bisschen Salat, Karotten, Zwiebeln, Gewürze, ein Hähnchenschenkel und ein Schuss Ketchup und wenn man will, kann man noch Nudeln dazubestellen und bekommt damit eine super afrikanische Nudelbox – erhältlich an jedem gut sortierten Straßenstand.

Plain Rice mit Stew: Erklärt sich von selbst. Kontomire-Stew, eine Variante davon, ist dabei so ähnlich wie Spinat.

Yam (kommt nicht nur ins Fufu):

Boiled Yam: Gekochte kartoffelgroße Yamstücke, meistens mit „bean stew“ oder „garden egg* stew“ (*zu Deutsch: „Äthiopische Eierfrucht“ 🙂 )

Fried Yam: Frittierte Yamschnitze, die ghanaische Form von Pommes, in der Regel erhältlich zusammen mit einem wahrlich atemberaubenden Pepper-Stew

Yam Balls: Sehr lecker, Yambrei mit Karotten und anderem Gemüse in einem leicht angebratenen Knödel. Hab ich leider erst zwei Mal gegessen, im Kloster und in Cape Coast, und sonst noch nirgends gesehen.

Fried Plantain: Sehr fettige, frittierte Kochbananenstücke, ziemlich süß, gibts manchmal zu gari and beans.

Kenkey: Gehört zu den wenigen Dingen, die ich überhaupt nicht mag. Ich hab mich eigentlich ziemlich drauf gefreut, als ich die Beschreibung Maisballen gehört hab, aber hat dann nicht ganz so meinen Geschmack getroffen. Der Maisbrei, den man hier überall als einen in Palm- oder Maisblätter eingewickelten Klumpen am Straßenrand kaufen kann, war recht bitter und säuerlich und in der Schule wurde das Ganze dann noch in einer ziemlich schleimigen Fischsoße serviert, also drei Mal haben mir bis jetzt gereicht. Aber anderen Leuten schmeckts super, also nichts gegen das Gericht.

Banku: Eine Mischung aus Kenkey und Fufu, meiner Meinung nach näher am Kenkey und deswegen weniger betörend.

Bread and Egg: Es wird ja bekanntlich dazu kommen, dass der Döner den Menschen ersetzen wird. Für mich hat hier aber erstmal das Bread and Egg den Döner ersetzt. Fast durchgehend erhältlich, schnell mal im Vorbeigehen zu essen, superlecker und stets mit dem Gedanken verbunden, dass man nicht unbedingt zu viel davon reinhauen sollte (Stichwort Eier aus Freimüllhaltung usw.). Rührei in Toastbrot, soweit der Gaumenschmaus in nüchterne Worte gepackt.

Was gibts sonst noch so zu schnabulieren: Gegrillte Würste, die gar nicht mal schlecht schmecken (für die Zutaten gilt: Was ich nicht weiß, macht nur die Wurst heiß…), Meat Pies, für die dasselbe gilt, Frühlingsrollen oder anders Gebäck mit Bohnen oder Kraut, gekochte oder gegrillte Maiskolben und vieles mehr.

An süßen Sachen wären zu nennen: Bofrot und Sweet Balls, süßes dampfnudel- bzw. kuchenähnliches Gebäck, handgemachte Kekse, Fan-Ice, also so ne Vanilleeiscreme in der Tüte, göttlich, oder unglaublich exquisite Karamell-Nuss-Klötze. Desweiteren taugen verschiedenste Nüsse, salziges Gebäck oder Bananenchips perfekt als Knabberzeugs.

Dazu gibts natürlich noch jede Menge Obst, frische Ananas, Orangen, Bananen, Mangos (is leider grad nicht mehr Hochsaison), Papaya, Avocados (die allerdings meistens zu Reis oder Yam gegessen werden), Kokosnüsse, Zuckerrohr zum Kauen und Ausspucken, Kakaobohnen zum Schluzen und Ausspucken, Wassermelonen usw.

Also alles in allem muss ich sagen, ich bin hier essenstechnisch wirklich sehr zufrieden. Ich hab ja auch zuhause schon ne gute Portion Spätzle dem Lachsschaummousse an Trüffel-Weißwein-Creme vorgezogen, insofern fühl ich mich super wohl damit, dass ich hier mittlerweile ganz gut weiß, was aufn Tisch kommt, und mittags nach der Schule hab ich eh meistens so Hunger, dass mir vieles egal ist.

Mit kulinarischen Kuriositäten wie frittierten Fledermäusen, gedünsteten Gelbbauchunken oder halbgaren Heuschrecken, was manche vielleicht denken, hat die ghanaische Küche von heute wenig zu tun. Ab und zu sieht man mal Leute, die Schnecken, Krebse, Tintenfisch oder Buschratten verkaufen, aber dazu würden unsere Nachbarn im Westen ja auch „Buon appétit“ sagen.

So lass ichs mir also mit Leib und Seele gutgehen – das Bäuchlein wächst und gedeiht. Das praktische hier in Ghana ist, dass einem zumindest in der Stadt das Essen meist noch in Form von großen Kisten auf den Köpfen von Verkäufern aller Altersstufen entgegenläuft, was schon ein bisschen was von Schlaraffenland hat, auch wenn man den meisten Verkäufern natürlich einen anderen Job wünschen würde.

In diesem Sinne wenden wir uns dem Verdauungsschläfchen zu, mehr Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke gibts dann wieder im nächsten Blog.

Bis dann, liebe Grüße, und bei wems bald Essen gibt: An guaden!

Le Chefkoch himself, Matze

Ghana, ein Sommermärchen?


Good afternoon, buona sera!

Eigentlich hab ich nicht viel Zeit, weil ich grade sehr mit Studienbewerbungen beschäftigt bin, aber der Juni ist vorbei, die EM hat ein jähes Ende für Deutschland gefunden und so sehe ich mich in der Pflicht, euch wieder mal auf den neuesten Stand zu bringen. Er hatte so gut angefangen, der Ayewohomommo, wie der Juni hier heißt, mit dem Länderspiel im Baba Yara Stadium, entspannten Aktionen mit den anderen Volunteers und der Vorfreude auf die Europameisterschaft. Letztendlich muss ich jetzt sagen, der Juni war leider nicht so überragend wie die drei Monate zuvor.

Samstag vor zwei Wochen waren wir recht lange bei Peter, nähen, unterhalten, Musik hören, ich wollte dann aber doch um 3 Uhr nachts noch nach Hause, damit ich sonntags gemütlich ausschlafen kann. Keine so gute Idee. Auf halber Strecke ist mir ein dubioser Typ gefolgt, hab mich schon nicht wohl gefühlt, dann haben wir allerdings kurz vor der Schule ein normales Gespräch begonnen und ich war wieder beruhigt, bis er mich nach der Uhrzeit gefragt und mir im richtigen Moment das Handy aus der Hand geschlagen hat (mit so ner Art Buschmesser, das ich erst dann richtig gesehn hab). Naja, hab dann in dem Moment irgendwie gedacht, vielleicht merkt er, dass er mit meinem schon recht alten Handy nicht viel anfangen kann, bei dem schon die erste Taste gefehlt hat, und hab ihm dafür Geld gegeben. Im Nachhinein fast zum Schmunzeln, ich hab meinen Geldbeutel rausgeholt, ihm paar Scheine gegeben und den Geldbeutel wieder eingesteckt, hat eigentlich nur noch das „Stimmt so“ gefehlt. Also obwohl ich laut um Hilfe gerufen hab und kurz danach gestürzt bin und am Boden lag, er hat mir nichts getan, hat fast höflich gefragt, ob ich ne Kamera dabeihab, und ist dann verschwunden. Wusste denk ich selber nicht so genau, was er da macht, und ich hatte auch nicht das Gefühl, der wäre in der Lage, mir wirklich was anzutun. Ich durfte sogar die Schokocreme behalten, die ich dabeihatte, auch wenn die 500g innerhalb der nächsten vier Tage aufgebraucht waren ;) So wars denk ich eine gute Warnung, in Zukunft doch etwas vorsichtiger zu sein, ich hatte zum Glück weder Laptop noch Kamera dabei, wie das auf dem Heimweg nach den Spielen um 9 oder 10 oft der Fall war, und das Handy und die umgerechnet 10 € oder so kann ich gut verkraften (lag eh noch ein Handy von den alten Volunteers in meinem Zimmer und ich bin ein paar nervige Anrufer los). Das blöde ist halt, ich hab mich bis jetzt immer so sicher gefühlt, nie ist mir irgendwas passiert und ich hab nicht im Traum daran gedacht, dass so etwas mal vorkommen könnte. Hab dann erstmal die nächsten zwei Tage in jedem verdächtig ausschauenden Mann auf dem Weg nach Tanoso den möglichen Täter gesehn, weil ich mich nicht wirklich an das Gesicht erinnern konnte, aber das  hat sich auch schnell gelegt. Ich bin nicht von der Realität in einen Alptraum gerutscht, sondern von einem Traum in die Realität. Ich hab mich hier nach einiger Zeit fast sicherer gefühlt als in Deutschland und bin bedenkenlos rumgelaufen, weil die Leute einfach alle so super freundlich und höflich waren.  Jetzt weiß ich, dass ich hier nachts um 3 ebenso wenig alleine rumlaufen sollte wie in den dunkelsten Ecken Hochzolls. Am Tag braucht man sich nix denken, da sind überall Leute unterwegs, Schüler, Kinder, Hausfrauen, Studenten … Ich lauf halt jetzt nicht mehr allein im Dunkeln nach Hause, mein Lehrerkollege und Sportsfreund Mike oder Freunde von ihm haben mich nach jedem Spiel heimbegleitet.

Das ist einer der positiven Punkte, dass ich mit Mike einen Ghanaer gefunden habe, dem ich wirklich vertraue, mit dem ich mich verstehe und der mich als Freund und nicht als Obruni sieht. Ein typischer Ghanaer, der treu seiner Kirche folgt, abartig billige Ghanaian Movies anschaut (ungefähr sowas wie die Verfilmung einer Bravo-Fotostory, köstlich), sich schön in Hemd und Anzughose kleidet, aber in einer Zwei-Zimmer-Wohnung ohne fließendes Wasser lebt und auf dem Boden kocht, gerne mal die Moskitos als „stubborn“ bezeichnet oder „small small pepper“ hinzugibt, sich leidenschaftlich dem FC Chelsea hingegeben hat und nicht gerade durch deutsche Pünktlichkeit glänzt. Aber da haben die Ghanaer eh eine ganz andere Einstellung als wir. Ich habe immer gefragt, ob er Zeit hat, zum Spiel zu kommen, oder ob ichs besser in Denkyemuoso anschaue, damit er mich nicht heimbegleiten muss. Klar kommt er und ich soll natürlich auch kommen, hieß es, was ungefähr bei jedem zweiten Mal nicht der Fall war. Wenn spontan ein anderer Freund was von einem braucht, kurzfristig noch ein Gottesdienst stattfindet oder man auf dem Weg von einem Bekannten angesprochen wird, dann ist es für Ghanaer selbstverständlich, dass dann erstmal das gemacht wird. Auch wenn man eigentlich schon eine Verabredung hat, die ist dann erstmal zweitrangig, hier wird nicht gesagt, tut mir Leid, ich hab schon was vor, oder ich hab im Moment keine Zeit. Das ist eben ein anderes Verständnis von Vereinbarungen und man sollte deswegen nicht einfach sagen, die Ghanaer sind unzuverlässig. Ich musste zwar ein paar Mal länger warten oder rumtelefonieren, aber ich bin nach jenem Tag jedes Mal mit Begleitung sicher nach Hause gekommen.

Das erste, was Ghanaer normalerweise machen, wenn sie dich ein bisschen besser kennen, ist, dass sie dich in ihre Kirche einladen. Davon hat mich Mike bisher zum Glück verschont. Hab noch einmal eine Kirche hier besucht, das ist einfach alles so oberflächlich, laute Musik, kitschige Glitzer-Gewänder, euphorische Amen- und Halleluja-Rufe zu jedem Bibelvers und zum Teil wird halt tatsächlich noch gepredigt, dass der Mann die Frau behüten soll und die Frau dem Mann gehorchen. Auch bietet mir Mike ständig Essen an und bezahlt zum Teil für mich, ich muss schon schauen, dass ich mehr bezahle, sonst geht das hier in eine Richtung, die mir nicht passt (du freust dich ja immer so über Zitate, Vale). Hab ihm vor der EM ein Deutschlandtrikot geschenkt, das hat er zu jedem Spiel getragen, ich wurde schon angesprochen mit „Oh, you germanized him!“  Schade, dass wir davon nur noch ein Trauerbild zusammen machen können.

So, ne halbe Seite fast nur über ihn, was ist da denn los? Der Matze wird doch nicht mit nem Chelsea-Fan … ? Defitidefinitiv nein. Ebenso wenig will ich mit ihm als Kumpel rumprahlen wie mit einem dressierten Schoßhündchen. Aber vielleicht interessierts ja den ein oder anderen, wie der Ghanaer an sich denn so lebt. Oder biologisch formuliert, wodurch sich der Lebenszyklus des gemeinen Wald- und Wiesenghanaers, der meistverbreiteten Spezies hier, denn so auszeichnet. Mit den Schülern kann man außerhalb der Schule leider wenig machen, weil man sonst halt immer der Onkel ist, der alles zahlt, und zu einigen ist das Vertrauen auch schon weg. Die meisten Lehrer sind nett, ohne dass man jetzt groß was mit ihnen in der Freizeit machen würde. Einer macht auch nur ständig Heiratswitze über mich und meint, wenn er nur lange genug in Twi auf mich einredet, werd ichs schon lernen. So ist halt Mike der einzige, mit dem ich so richtig das ghanaische Leben kennenlerne und deswegen gings jetzt auch hauptsächlich darum.

Das einzige, was ich irgendwie komisch finde, sind seine Freunde, zum Teil recht wohlgenährte Frauen, die nicht gerade vor Elan und Lebensfreude strotzen. Letztens haben wir zusammen Fufu gemacht und zwei Typen wollten mich beim Stampfen fotografieren, wobei ihnen meine Kamera runtergefallen ist, schön aufs Objektiv. Ein kurzes Sorry und danach gings fröhlich weiter; bis auf Mike war sich eigentlich keiner so wirklich bewusst, dass da grade ne recht gute Kamera „gespoiled“ wurde (spoil ist hier der Universalausdruck für kaputtgehen, beschädigen, verschimmeln, verschmutzen, vermiesen etc.). So war auch mein Nachmittag danach ziemlich gespoiled und ich war zum ersten Mal richtig angepisst von der Don’t-worry-Mentalität der Leute hier, weil ich mir einfach gedacht hab, wieso kommt jetzt plötzlich alles so zusammen. Wir sind dann aber am nächsten Tag nach Kumasi rein und in so nen Hinterhof, wo vier Leute an nem Tisch voller Fotozubehör saßen und tatsächlich alles wieder zusammenlöten, kleben, schrauben und ersetzen konnten (Ohne Löten kein Kleben, ohne Klöten kein Leben, fällt mir grad so auf). Danach war ich wieder „total euphorisch“, ums in Mesut Özils engagierter Ausdrucksweise zu sagen, und ziemlich begeistert von dem, was hier in Ghana alles möglich ist – wer repariert dir in Deutschland schon für umgerechnet 20 € ne Kamera mit schräg eingedrücktem Objektiv?

Die Regenzeit ist mittlerweile voll in ihrem Element, es ist fast nur noch bewölkt, merklich kühler und regnet zum Teil stundenlang durch, wahrscheinlich schlägt das auch ein bisschen aufs Gemüt. Wenn der Blog mit Sound wär, müsste jetzt von so ner Darth-Vader-Stimme „Melancholie“ kommen ;) Ist manchmal echt schwierig, die Wäsche noch ordentlich zu trocknen, und da ich zu spät von Boxershorts auf Schlafanzug umgestiegen bin, war ich jetzt auch noch bissl erkältet, wer hätts gedacht, auf natürlichem Wege ohne Klimaanlage.

Also fass mer mal zusammen: Ausgeraubt, Kamera kaputt, Regen, Niederlage gegen Italien, von der Studiensuche genervt. Naja, gehört eben auch dazu. Die ersten drei Monate waren wahrscheinlich einfach zu perfekt, alles hat irgendwie gepasst, keine Probleme weit und breit, war eigentlich klar, dass das nicht immer so bleiben kann. Ich wollte Land und Leute kennenlernen, diesen Monat hatte ich nun halt weniger Land und mehr Leute. Und genug schöne Erlebnisse gab es natürlich auch: Wir waren mal wieder als große Gruppe im italienischen Nationalzirkus, der grade in Kumasi gastiert, bin kein großer Zirkusfan, aber da waren schon paar gute artistische Nummern dabei. Passend dazu gings paar Tage später zum Pizzaessen, ist schon interessant, wie man sich mittlerweile an die Preise hier gewöhnt hat. 12 Cedi für ne Pizza, zunächst einmal wahnsinnig viel, weil Reis halt nur 1 bis 4 Cedi kostet, aber umgerechnet grade mal 6 € und war echt lecker. Trotzdem, ich persönlich brauchs nicht nochmal, Reis und Yam sind auch lecker und ich fühl mich irgendwie blöd, wenn ich wie die Superreichen hier Essen gehe und damit dazu beitrage, dass die Preise auch für die Einheimischen steigen. Auf ner Hochzeit waren wir auch noch, das war unter anderem vom Raumschmuck her so wie Prinzessinnengeburtstag 3. Klasse (der Bräutigam mit edler rosa Fliege), aber muss man auch mal erlebt haben. Lisa und ich haben zusammen Gari and beans gekocht, unser gemeinsames Lieblingsessen, hat viel Spaß gemacht und gar nicht so übel geschmeckt (ist nicht ganz einfach, von Ghanaern ein Rezept zu bekommen, da wird dies und jenes vergessen, weils für die Leute hier klar ist). Aber der nächste Versuch wird ein kulinarischer Orgasmus! Ansonsten hab ichs endlich mal geschafft, paar Stoffe zu kaufen und die zu unserem Schulschneider zu bringen, die ersten Hosen dürften bald fertig sein. Meiner sechsten Klasse hab ich den Trikotsatz übergeben, den ich von den Sportfreunden mit nach Ghana bekommen habe (herzlichen Dank schon mal an dieser Stelle!), danach gings drunter und drüber – also Schuluniformen drunter und Trikots drüber. Sind öfter mal Schulturniere, also die können die schon ganz gut gebrauchen. Die Schüler verstehen zwar immer noch nichts, passen nicht auf und streiten sich (wenn auch deutlich weniger als am Anfang), aber ich hab mir letztens mal Bilder durchgeschaut und mir gedacht, den Haufen werd ich schon vermissen, wenn ich nach Deutschland zurückkomme, so sehr sie mich hier auch nerven ;)

Jetzt bin ich doch irgendwie froh, dass die EM heute rum ist, hab bis auf Spanien gegen Kroatien und ein paar Stromausfälle alles gesehen, was es zu sehen gab. Waren natürlich super Erlebnisse dabei, mit am besten das erste Spiel gegen Portugal mit richtig viel Stimmung in der Unihalle sowie das Viertelfinale gegen Griechenland im Fernsehzimmer eines Studentenwohnheims, in dem sich die Leute sogar mitunter recht niveauvoll humorvoll auf Englisch unterhalten haben. Den griechischen Trainer fand ich eh jedes Mal super, die ganze Krise Griechenlands versinnbildlicht in einer Person, die fleischgewordene Verzweiflung (Auch wenns ja ein Portugiese war, die sind vom selben Schlag ;) ). Ein Spiel hab ich in Denkyemuoso angeschaut, in einem kleinen Innenhof, überdacht von einer Zeltplane, die Männer alle mit Feuereifer dabei, die Frauen nebendran beim Fufustampfen, auch nicht schlecht. Aber wenn jetzt dann die Bewerbungen auch noch fertig sind, kann ich mich hoffentlich wieder voll auf Ghana konzentrieren und das tun, was ich bisher am meisten genossen habe, Ausflüge machen, im Kindergarten malen und den Alltag hier erleben.

Schöner Artikel, Nela! Hat mir gut gefallen, mit viel Fußball, passend zur EM ;) Ich hoffe, meine Äußerungen über das Schulsystem kamen nicht zu negativ und überzogen rüber, ich hab den Fragebogen glaub ich in einer Zeit ausgefüllt, in der ich grade bisschen genervt von allem war ;D Ist inzwischen viel besser. Jetzt war ich in der Zeitung, im Harthauser Pfarrbrief, im Jahresbericht komm ich auch noch, ich geh den Leuten wahrscheinlich langsam ziemlich auf den Sack :D Hier in Ghana gäbs nur eins, was man über einen derart verhaltensauffälligen Störenfried sagen würde: „Foolish boy, don’t mind him!“

Liebe Grüße, und wers schon gar nicht mehr erwarten kann, auch wieder live und hautnah von mir penetriert zu werden: Neun Wochen sinds noch, dann ist die Schonzeit vorbei!

Viel Spaß im Juli an der Uni, in der Freizeit, bei der Arbeit, in der Schule, auf Reisen, beim Lernen, in der Ausbildung, aufm Klo, unter der Brücke, über den Wolken, unter aller Sau, im siebten Himmel oder wo auch immer!

Matze

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Samstag 16.6.2012, 7.50 Uhr: Hannah und ich sitzen auf der Ladefläche eines Jeeps, wir sind auf dem Weg ins children’s village von Kumasi. Ich mit der Einstellung „endlich wieder kleine Kinder zum spielen“, Hannah „joa, schau ich mir schon mal an und dann fahren wir wieder“. Wie es dazu gekommen ist, dass wir uns eine Stunde später schwitzend, mit nem blutenden Zeh und nem Kackeeimer neben uns auf ner Farm im nirgendwo befinden, werdet ihr gleich erfahren..

Aber jetzt erstmal von Anfang an, der letzte Eintrag ist schon wieder länger her, aber ich versuche das die nächsten Monate zu ändern!

Also was ist die letzten Wochen so passiert, die Arbeit hat wieder richtig angefangen und mit richtig meine ich, dass Matthias und ich eher die Deppen für alles sind. Aber ok, macht man ja gerne wenn die Kinder glücklich sind! Die Lehrer verlassen sich darauf dass ich jeden Tag im Kindergarten stehe und so kommt es dazu, dass wir anstatt zu siebt nur zu dritt sind, und das für 100 Kinder mit Essen kochen und verteilen. Dass die Stimmung zwischen den Lehrerinnen deswegen zur Zeit etwas schlecht ist, ist zwar verständlich aber ich hoffe, dass sich das schnell wieder ändert! Auch Entschuldigungen wie „ich habe einen Pickel hinter dem Ohr und der tut mir beim sprechen weh, deswegen musst du heute Unterrichten!“ gab es letzte Woche. Aber gut, man nimmts mit Humor und versucht sich mit seinem kakra kakra (small small) Twi bei den Kindern Respekt zu verschaffen. Hört sich jetzt vielleicht aber schlimmer an als es ist, ich bin immernoch sehr glücklich mit der Arbeit und vor allem den Kindern, ich hätte es glaube ich nicht besser treffen können! (Kompliment an den Deutsch Ghanaischen Freundschaftskreis, im Vergleich zu anderen Kindergärten können sich hier alle wirklich glücklich schätzen!)

Fließend Wasser haben wir auch endlich, jetzt müssen wir den Kleinen nur noch zeigen wie man so ein Klo benutzt…

Nächstes Wochenende heiratet Madame Esther und natürlich sind wir „invited“, Fotos kommen also im nächsten Artikel in unseren ghanaischen Kleidern!

Unterrichten in der Schule macht auf der einen Seite wirklich Spaß, ist aber auch sehr anstrengend. Aber ich glaube sie haben dazugelernt, morgen schreiben wir erstmal nen Test weil sie die letzten 2 Stunden nicht ernst genommen haben! Die letzten 5-10 Minuten dürfen die Schüler immer bestimmen was wir machen, letztens wollten sie die Übersetzung von „I love you“ und „Kiss me“. Ein paar Tage später bekommt also Matthias eine sehr liebe sms von einer meiner Schülerinnen, ich frage mich was sie geschrieben hätte wenn ich ALLES übersetzt hätte was sie wissen wollte…

Ausflüge mit Kindern haben wir auch schon gemacht, erst mit Barbara (du fehlst hier übrigens sehr) und 2 kleinen Jungs aus ihrem Projekt an den See und Sonntag mit Jessica aus meinem Kindergarten in den Zirkus! Und es freut einen natürlich sehr sie so glücklich zu sehen, liegt aber vielleicht auch an den ganzen Keksen, Schokolade und Eis mit denen wir sie immer vollgestopft haben, man kann aber auch nicht nein sagen! Gestern Nachmittag stand dafür die kleine Jessica wieder vor meiner Tür mit einer Nachricht von ihrer Mama, dass sie sie am Abend wieder abholt also werde ich jetzt wohl auch noch zum Babysitter!

Eine letzte Sache noch dann kommt endlich die Kackegeschichte, Verständigungsprobleme sind hier auch nicht selten, das liegt aber eher am ghanaischen Englisch! „If you are angry we have chicken on the menu“, allgemeine Verwirrung, wieso sollte ich ein Hühnchen essen wenn ich wütend bin? Kurz darauf stellt sich heraus er meint hungry.

Jetzt sind wir schon fast beim Schluss, letzten Samstag morgen sind wir also auf dem Weg ins childrens village mit der ghanaischen Organisation von LosZuGhana, vielleicht hätten wir uns doch davor informieren sollen, was uns erwartet. Nach 1 Stunde fahrt auf der Ladefläche ist mein weisser Rock braun vom Staub und mir fällt ein, dass ich vergessen habe mich einzucremen. Aber egal, wir spielen ja gleich. Endlich angekommen sind aber weit und breit keine Kinder zu sehen, dafür Hühner, Schafe, Katzen, Hasen, Fischteiche, unfertige Häuser und viele viele Pflanzen. Kurz darauf erfahren wir, dass hier nächstes Jahr ein Waisenhaus eröffnen soll und durch die Hilfe von Volunteers und einigen Arbeitern die Arbeit erledigt wird, währenddessen streckt er uns Säcke mit Hühnerkacke hin. Da wir anscheinend doch etwas verwirrt aussehen erklären sie uns zum glück noch was uns erwartet, wir sollen die Hühnerkacke als Dünger benutzen und unter jedes Pflänzchen eine Hand voll werfen. Ich erspare euch das Bild, wie wir nach 5 Stunden Hühnerkacke verteilen aussahen, nachdem es mich auch noch über nen Stock gehauen hat und mit Blätter auf den Fuß gedrückt wurden, damit es aufhört zu bluten.

Trotzdem muss ich sagen dass es wirklich ein sehr tolles Projekt ist und ich auf jeden Fall wiederkommen möchte, wenn es fertig ist! Das childrens village ist nicht wie ein tyisches Waisenhaus aufgebaut ist, sondern die Kinder sollen zu dritt mit einer „Erstzmama“ in den Häusern leben und die Schule im nächsten Dorf besuchen. Wenn also genug Spenden gesammelt wurden, können die ersten Kinder im Juni 2013 einziehen.

Tag 115 in Ghana ist auch schon fast vorbei, Matthias und ich haben heute versucht mein lieblings ghanaisches Essen nachzukochen, beans mit gari und palm oil. Das Ergebnis war ok, wir brauchen aber noch ein bisschen Übung 🙂

Liebe Grüße, ihr fehlt mir