Schlagwort-Archive: Abschied nehmen

„Und, wie wars?“


Ein letztes Hallo nach Deutschland,  

sorry, ich bin auf die letzten Wochen hin etwas schreibfaul geworden und darum ist dies nun der letzte Blogeintrag mit dem Versuch mein Praxissemester hier in Ghana in ein Fazit zu packen:

Ein Versuch deswegen weil in den vergangenen sechs Monaten so viel passiert ist, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Ich kann nicht sagen ob das halbe Jahr „gut“ oder „schlecht“ war, denn es war sicherlich beides. Es waren glückliche sowie traurige Momente, ich war frustriert, hilflos, orientierungslos aber auch motiviert, interessiert und einfach nur glücklich hier zu sein.

Mit dem Verlauf meines Praktikums bin ich soweit ganz zufrieden: Ich hatte meine Aufgaben und konnte bzw. musste selbst testen was geht und was nicht geht. Man muss sich hier in Ghana seine Arbeit auf jeden Fall selbst suchen, denn da kommt niemand, der einen einführt und sagt was zu tun ist.

Mit Sicherheit machten mir die Kommunikationsprobleme am meisten zu schaffen. Mit der „richtigen“ Sprache ist man den Menschen doch gleich ein Stück näher und so konnte ich mich mit den Kids leider nicht so unterhalten oder Dinge durchführen wie ich es gerne getan hätte. Das waren dann genau die Momente in denen ich mich einfach hilflos fühlte oder sogar von mir selbst enttäuscht war weil ich mehr von mir erwartete und auch wusste, dass ich es kann aber es halt trotzdem nicht hinbekam. Aber man lernt ja glücklicherweise auch aus negativen Erfahrungen…                                                                                                                        Doch es gab natürlich auch ganz viele schöne Momente. Vor allem wenn ich nach einer Unterrichtsstunde in lachende und glückliche Kindergesichter blickte war der ganze Stress gleich wieder vergessen. Ein Moment der mir wohl noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird: Ein kleines Mädchen kam zu mir, nachdem ich in der Pause eine Spritzpistole in die Hand nahm um die Kinder damit nass zu spritzen, schaute mich mit großen Augen an und sagte einfach nur: „Thank you, Madame Lea“. Solche Kleinigkeiten hören sich für uns total banal an sind für die Kinder hier aber nicht selbstverständlich und schon eine kleine Bereicherung ihres Alltages. Hier lernt man auf jeden Fall wieder sich über kleine Dinge zu freuen!

Natürlich habe ich auch außerhalb meines Praktikums viel erlebt und einiges von Land und Leute mitbekommen und ich muss sagen, dass ich auf lange Sicht gesehen Schwierigkeiten hätte in Ghana zu leben.                                                                                                                                                      Mit der Sonderstellung die man als „Weißer“ in Ghana hat könnte ich mich nicht abfinden. Man fällt einfach überall auf und kann nicht einfach durch die Straßen gehen ohne angesprochen zu werden. Als ich mal mit einer ghanaischen Lehrerin in der Stadt war um etwas einzukaufen meinte sie zu mir am Abend, dass sie froh sei in Ghana schwarz zu sein. Es wäre ihr zu anstrengend immer aufzufallen, angesprochen zu werden und immer nett lächeln zu müssen. Ein weiteres Problem wäre für mich die Tatsache, dass jeder mit dir befreundet sein möchte aber das wohl eher um irgendwann mal in Europa zu landen als aus Interesse an deiner Person. Aus diesem Grund ist es echt schwierig Beziehungen aufzubauen und Freundschaften zu schließen.

Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich mit dem „einfachen Leben“ Ghanas so gut zu recht komme. Ich denke ich habe in Ghana, zumindest aus europäischen Augen betrachtet, viel Armut gesehen, jedoch wenig Elend. Natürlich gibt es auch in Ghana Menschen, die absolut nichts haben, aber diese Probleme haben wir auch in Deutschland und das wird leider immer wieder vergessen…                                                             Der ghanaische Standard liegt definitiv weit unter dem deutschen und die Menschen haben einfach viel viel weniger Geld als wir. Jedoch geht es den meisten größtenteils mit den (wenigen) Dingen die sie besitzen gut, da auch die Lebenserhaltungskosten in Ghana sehr gering sind. Auch wenn oft kein Strom und fließend Wasser vorhanden ist sind die Menschen nicht am verhungern und sie haben zumindest so viel Geld um sich und ihre Kinder ausreichend zu ernähren. (Ich habe übrigens zugenommen! ;)                                                            Für einen gewissen „Luxus“ bleibt allerdings nichts übrig.

Braucht man diesen „Luxus“ nun oder nicht?

Es gibt noch viele Themen, die hier angesprochen werden könnten jedoch beende ich an dieser Stelle meinen Bericht und ziehe als Fazit, dass ich dieses halbe Jahr in Ghana mit den Höhen und Tiefen als Bereicherung und Erfahrung sehe, die ich nicht mehr missen möchte.

Ich hoffe hiermit ist die eine oder andere „und, wie wars?“-Frage beantwortet! ;)

Diesen Freitag werden wir Denchemouso verlassen und haben noch zwei Wochen Zeit zum Reisen. Um das Wetter noch richtig zu genießen, bevor es wieder ins kalte Deutschland geht, zieht es uns nochmal an die Küste.

Obwohl der Abschied schwer fallen wird freue ich mich doch sehr auf Deutschland, denn eine Sache ist mir klar geworden: Zuhause ist es einfach am Schönsten!

Danke für das fleißige Lesen meiner Berichte, hat mich gefreut!

 

Wir sehen uns in gut zwei Wochen,

Lea

Advertisements

letzte Nachricht aus Ghana


„Verabschiedet euch auch ganz bewusst von eurem alten Ich, wenn ihr geht. Ihr werdet als anderer Mensch zurückkommen.“

Ich weiß jetzt, was mit diesem Satz gemeint ist. Es ist jetzt 5 Monate her, da ich den ersten Bericht geschrieben habe. Und nun ist es an der Zeit meinen letzten Bericht aus Ghana zu schreiben.

Natürlich werde ich in gewisser Weise immer noch eure Eva sein, doch hat sich manch Ansicht, manches Verhalten und Denken, sowie mein Auftreten verändert (und zugegebenermaßen mein Gewicht auch :D). Meine Arbeit hier war oft sehr frustrierend und langweilig und hat mich doch enttäuscht. Ich selber habe schnell herausgefunden, dass ich nicht damit klar komme als eine Befehls gebende Person zu agieren, vor allem, weil meine Schüler doch etwas älter als erwartet waren und ich somit meist gleichaltrig war. Um doch etwas sinnvolles zu tun zu, hatten wir viel versucht zu starten, was alles den Bach runter ging. In Ghana funktioniert eben nicht jeder und alles so wie man will. Auch unser Bibliotheksprojekt hat nun ziemlich spät erst gestartet, dazu aber später noch. Das alles war sehr enttäuschend für mich und hat mich oft sehr heruntergezogen. Daneben hatte ich noch mit Themen wie mit dem Schlagen oder meiner Gastfamilie zu tun, die es mir auch nicht immer leicht gemacht haben.

Doch gerade diese Situationen haben mich hier geprägt und haben mich weiterentwickelt. Meine Standpunkte sind immer deutlicher geworden, meine Wünsche und Ziele hatte ich immer deutlicher vor Augen. Ich habe gelernt meine Meinung, wie sie auch sein mag, selber zu akzeptieren und auf meine Bedürfnisse zu achten, habe gelernt in mich zu hören und mich zu verstehen. Und das ist meiner Meinung nach das wichtigste an diesem Aufenthalt gewesen! Ja, ich komme als eine andere zurück und ich bin unendlich glücklich dieses knappe halbe Jahr in Ghana gewesen zu sein.

Es war auch eine unheimlich bereichernde Zeit, eine Zeit voller Spaß und  Entdeckungen, voller Freude, Erkenntnis und Erlebens. Ich habe viel gesehen, erlebt, gelacht, auch mal geweint, Freunde gefunden und Menschen kennengelernt. Ich würde diese Erfahrungen nie wieder hergeben wollen und empfehle das wirklich jedem jungen Menschen weiter. Egal wie schwer es manchmal war und wie sehr ich manchmal nach Hause wollte, das gehört eben dazu.

Ja, dann ist es für mich auch mal an der Zeit zu danken. (Vorsicht lange Liste… Ich danke gerne 😉 )

Ich danke zuerst einmal meinen Eltern, die diesen Aufenthalt erst für mich möglich gemacht haben. Danke Papa, dass du mit mir so viel recherchiert hast, mich bei der Suche so gut Unterstützt hast und dass du mich immer wieder neu angetrieben hast. Ich würde wohl ohne dich nicht hier sitzen. Und danke, dass du an meinem Geburtstag da warst. Im Nachhinein find ich es lustig, wie du mit den Rastas hier getanzt hast 😀 Danke Mama, dass du mich immer unterstützt hast, dass du mir Mut gemacht hast und dass du so viel Geld fürs telefonieren ausgegeben hast! Ich schätze das sehr, dass du immer für mich da bist!

Ich danke meinen Großeltern, die mich so lieb und so oft über alles informiert haben, mich auch unterstützt haben, mir ganz liebe Briefe, Postkarten und Emails geschickt haben. Danke euch für alles!

Dann danke ich meinen lieben Freunden, die sich so sehr um mich gekümmert und mich unterstützt haben und den Kontakt trotz dem Stress in der Schule, Studium oder Arbeit aufrecht gehalten haben. Danke für eure Unterstützung und für eure Infos aus Deutschland! Danke Lea, Paddy, Dani, Kellya, Lilo, Leo, Niki, Sari und all den anderen!!!

Ich danke meinen lieben Leuten hier, es decir Lea, Sabine, Philipp, Dennis, Konrad und Jakob. Ohne euch wäre ich wohl manchmal verzweifelt (obwohl…. mit euch auch manchmal…;) )! Ihr habt diesen Aufenthalt mit gestaltet und so unvergesslich gemacht. Ich denke nur an die ganzen Ausflüge, an die Ferien und an die Abende, die „Tagesreisen“ nach Adum/Kedetja, das zusammen rumhängen oder arbeiten. All das war doch eigentlich ein rießen Spaß. Ich sage nur: Wir sind unheimlich gewitzt!!

Danke natürlich an meine Gastfamilie Abena, meine Ma, Effe, meine Sister und Kwabena, mein Kumpel ;)! Danke für das Zimmer, das Essen, die Sorge, die Geduld mit mir und die Möglichkeit in einer ghanaischen Familie zu leben! Es war irgendwie eine sehr schöne Zeit.

Dann danke ich den Lehrern, die auch ihren Teil beigetragen haben, ob nun in Auseinandersetzungen, Vergleichen oder Gesprächen über Religionen und Gewohnheiten. Von den Lehrern habe ich eine Menge mitgenommen. Danke Felicia, Kossi, Vincent, Victoria, Pat, Eva, Stephen, Esther und und und…

Ich danke den Leuten an der GGS, mit denen ich auch ziemlich schöne Zeiten und Ausflüge hatte. Als allererstes mal Harriet mit Sewaa! Dann natürlich Martin, Sark, George und Millicent.

Und dann danke ich noch all den Menschen, die meinen Aufenthalt hier mitgestaltet haben. Meine ghanaischen Freunde Richard, Jaffaru, George, Richard (II), Erik meine Nachbarin Ama (Mepe wo!), die netten Friseusinnen von Gegenüber, meine Bananenfrau, meine Kiddies hier, meine lieben Schüler, die Verkäuferinnen an der Schule, die Menschen auf meinem Weg, die mich kennen, der coole Rastamann aus Cape Coast, mit dem ich sehr lange lustige Gespräche hatte, mein Sandwitchmann im Oasis, Bob und Francis von der Green Turtle Lodge, Frank, Harry, meinen Privatautofahrer, die ganzen coolen Verkäufer von dem kulturellen Shop, vor allem Piedro und meine „Mama“, die zwei vom Postoffice („I know you already. Your number is nine zelo zelo four“) und und und…

Und dann noch den ganzen Obrunis, die hier mitgestaltet haben. All die Volunteers, die ich hier kennengelernt habe, Mäxchen, Nico, Peter, Sarah, Barbara, Katie, Yorda, Severin, Jenny, Jenny, Martina, Paulina, Nicole und all die die ich flüchtig kennengelernt habe. Die Leute, die ich auf Reisen kennengelernt habe, Gary, mein lieblings Australier, Jaqueline aus Deutschland mit Sidney (die ich unbewusst dazu gebracht habe den ersten Brief ihres Lebens zu schreiben, mit 5 Jahren), Ali und Mirko vom Oasis, Roger und Carmen aus Holland, Sarah aus Wales, Jesse aus Kanada, die zwei netten Damen aus England, Amber aus Holland, Anette und Dennis ebenfalls aus Holland, Volker aus Deutschland mit seiner ghanaischen Frau Tigri und und und.

Ich danke natürlich auch all denen, die meinen Blog gelesen haben, mich seelisch unterstützt haben und immer für mich ein offenes Ohr hatten. DANKE!

Zum Schluss Danke ich natürlich noch dem Deutsch-Ghanaischem Freundschaftskreis, die mich genommen haben, mir die Chance gegeben haben, mit mir einige Problemchen hatten und doch mir ein unvergessliches Erlebnis möglich gemacht haben. Danke!

Ich verlasse Ghana am Mittwoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das weinende Auge sieht die schöne Zeit und die lieben Menschen, die ich jetzt verlasse. Der Abschied hier wird wohl doch ein wenig härter, da ich ja nicht sicher weiß, wann und ob ich mal wieder zurückkomme.

Das lachende Auge sieht aber all die lieben Menschen, die in Deutschland auf mich warten. Außerdem all die Sachen, auf die ich mich so sehr freue. Angefangen mit einem Käsebrot, über einen guten Kaffee am Morgen, eine dicke Zudecke bis zum Klavier……

In Deutschland wird es dann noch einen ausführlichen Bericht über das Eingewöhnen geben (was ich mir jetzt schon schwer vorstelle)  und natürlich einen Bericht über die Spenden, de bereits eingesetzt wurden!

Man sieht/hört/schreibt sich in Deutschland! Bis dahin, alles Liebe, Ich freu mich auf euch!