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letzte Meldung aus Ghana


6 Monate Ghana sind vorbei… so schnell geht’s…

Mit gemischten Gefühlen geht’s in ein paar Tagen wieder zurück nach Holzgerlingen ;-) .

Jetzt heißt es also verabschieden von allen Menschen mit denen ich hier zu tun hatte. Der Abschied fällt mir sehr schwer, da ich weiß, dass ich viele, die mir hier ans Herz gewachsen sind, nie wieder sehen werde. So viel mir insbesondere der Abschied von meinen Schülern gestern sehr schwer.

Doch andererseits freue ich mich auch sehr wieder nach Hause zu kommen, euch alle wiederzusehen, einfach mal ohne Aufzufallen aus dem Haus gehen zu können, auf das schwäbisch Essen ;-) und noch vieles mehr.

Morgen (Sonntag) geht’s für mich dann nach Accra, da Jennifer schon am Montag nach Deutschland fliegen wird.

Am 7. März um 21.30 Uhr wird dann voraussichtlich mein Flieger in Accra abheben und es heißt: “Byebye Ghana!!! Schön war’s!!!”. Mit Zwischenlandung und Aufenthalt in Istanbul werden wir dann am 8. März um ca. 18 Uhr in München landen.

Ich freue mich euch ganz bald wiederzusehen =)

Ganz liebe Grüße aus Ghana

eure Anja

Eintrag die Erste


Guten Tag meine lieben Freunde und Follower!

An dieser Stelle werde ich, wenn ich denn die Muße dazu habe, die nächsten sechseinhalb Monate über meine Arbeit, meine Reisen und sonstige Erlebnisse in Ghana berichten.

Abflug: In der Nacht von Sonntag auf Montag schlafe ich überhaupt nicht, da ich schon um 4 Uhr morgens aus dem Haus muss (nicht mal die Oscars kann ich zu Ende schauen, was ich nicht alles für dieses Projekt opfere!) und um 2 keine Lust mehr verspüre mich noch ins Bett zu hauen. Als ich um halb 8 endlich in meinem gemütlichen Economy-Class-Sessel sitze bin ich heilfroh und penne bis Istanbul durch. Dort habe ich drei Stunden Aufenthalt, danach geht’s weiter in den Flieger nach Accra mit Zwischenstopp in Niamey (In Ghana gibt es momentan anscheinend kein Kerosin).

Dort angekommen erwartet mich Keke, der Sohn des Präsidenten meiner Entsendeorganisation (Deutsch-Ghanaischer Freundschaftskreis), und bringt mich nach einigen Stunden des Wartens auf seinen Cousin (der mit einer späteren Maschine ankam) in ein gediegenes Hotel wo ich mit einem Bier in der Hand die Ankunft in Ghana feiere. Gegen Mitternacht lege ich mich schlafen.

Reise nach Kumasi: Am nächsten Morgen werde ich von Kwasi, der auch über mehrere Ecken mit Keke verwandt ist, zum Frühstück abgeholt: Es gibt Omelette mit Baked Beans (erstaunlich gut!). Anschließend fahren wir zur Bus Station und holen uns Tickets für den VIP-Bus (der nicht nur so heißt sondern mit Klimaanlage, Flachbildfernseher und Ledersesseln ausgestattet sich auch so anfühlt) nach Kumasi, die mit 1,2mio Einwohnern zweitgrößte Stadt Ghanas. Nach 6-stündiger Fahrt muss ich nur noch 30 Minuten im Taxi nach Denchemuoso verbringen, dann bin ich endlich an meiner Heimstätte für die nächsten sechs Monate angekommen: Der Campus (eher schulhof^^) der Ghanaian German School empfängt mich in Person von Lisa P., eine der vier Volunteers die vor mir hier waren.

Da die vier Mädels schon Freitagmorgens fahren, zeigen Sie mir alles was ich wissen muss und beantworten jede noch so dumme Frage um mich auf meinen Aufenthalt hier vorzubereiten.

Heute ist Freitag, und ich weiß, dass es ein schwieriges halbes Jahr werden wird. Vor allem da ich der einzige Freiwillige bin. Dennoch denke ich, auch wenn die täglichen Strom- und Wasserausfälle sicherlich an mir nagen werden, dass ich gut zurechtkommen werde: Der gemeine Ghanaer ist in der Regel offen und freundlich, einige Kontakte wurden bereits geknüpft. Außerdem interessieren sich die Männer alle für Fußball :-)

Am Montag fange ich als Deutschlehrer und Sportassistent (Mathe und Englisch zum Glück doch nicht) an. Wie ich eben von Maxwell erfahren habe genau einen Tag lang, da am Dienstag die eine Woche andauernde Mid-Term-Break beginnt.

Da ich bisher zu faul war die Kamera einzurichten gibt’s die ersten Bilder im nächsten Blogeintrag.

Beste Grüße aus dem Sommer

David

Konzert & Cultural Center


am Freitag waren wir auf einem konzert und im culture centre in kumasi . es war echt schön obwohl das essen doch seeeehr scharf war!!!
Das konzert sollte eigentlich um 6 beginnen wir doofen pünktlichen deutschen stehen um 6 auf der matte. Geschlagene zwei stunden später tut sich dann auch was ;) jaaa das ist eben ghana
Das Konzert war dann aber echt cool. Es war die ghanaische version von dsds und hieß big in ghana wobei die 4 besten aus kumasi aufgetreten sind. Wir fanden die meisten davon eher fragwürdig aber vlt sind wir noch nicht ganz drin im ghana feeling ;)
Eigentlich sind wir zu dem konzert wegen den fokn bois eine band die die carmen kannte. Um 11 rum war es dann soweit die beiden sollten auftreten!!!! Doch dann…light off. Nun standen wir da haben stundenlang auf ihren auftritt gewartet und dann ist einfach der strom weg = (
Die jenni hat dann aber mit ihrem charmanten art ein bisschen gepöbelt und wir sind in den „backstage“ bereich gekommen. Nachdem wir ein bisschen diskituert hatten , meinten sie das so in 20 minuten ihr auftritt sein wird. Also warteten wir weiter artig. Als es dann soweit war hat es uns aber sehr gut gefallen. Chillige musik, witzige leute.

Sonst ist nicht so viel passiert wir haben eine einführung bekommen und uns so langsam eingerichtet.
Anja ist dann am Dienstag zu ihrer Gastfamilie in tanoso gekommen und bei ihr sowie jenni und lisa hat die Schule bzw der Kindergarten begonnen.
Carmen und ich haben dann noch die zeit genutzt und sind an die küste gefahren. De Ort heisst Teshie und ist in der Nähe von Freunden bei denen sie letztes Jahr schon war.
Von Kumasi nach Accra was rund 300 km sind brauchen wir einen geschlagenen tag inklusive 6x umsteigen…. Das ist eben auch ghana ;)
Abends sind wir dann völlig kaputt bei unserem guesthouse angekommen, das von einer sehr netten schweizerin betrieben wird die schon länger in ghana lebt. Die Zimmer sind sehr schön und sauber und das Frühstück vorzueglich!!
Tagsüber haben wir Ausflüge gemacht oder waren am labadi beach. Sehr schön waren vor allem der Wasserfall in Dodowa. Total im grünen gelegen, ein wunderschöner ort, den es sich wirklich lohnt zu besuchen!!
Auf dem Rückweg von dodowa haben wir dann noch bei der beads factory vorbeigeschaut.
Sie receyclen glas und stellen daraus Perlen her die zum Teil bemalt werden. Es ist alles handgemacht und somit einmalig. In dem Shop haben wir dann kräftig eingekauft.Die Perlen kann man mischen oder so belassen und sich armbänder ketten oder ähnliches „designen“.
Ausserdem haben wir noch einen Ausflug zur trashy bag company gemacht. Auch sie tuen etwas ffür die Umwelt: sie receyclen das Plastik der Wasserbeutel und auch von Werbeplakaten. Wir haben uns die einzelnen Herstellungsprozesse angeschaut und uns auch da im shop das ein oder andere gegönnt.
Die Leute hier sind unglaublich nett und sie helfen einem sehr.Hier kann ich echt bestätigen das die ghanaer ein freundliches volk sid. Bestimmt dreimal wurden wir von leuten durch die halbe stadt geführt weil wir keine ahnnung hatten. Und was uns auch noch sehr positiv aufgefallen ist, dass man in Accra viel weniger angeschaut bzw obruni genannt wird. Die Stadt ist zudem auch sauberer wie Kumasi.
Alles in allem war es eine tolle woche, die wir mit einer reggea party am strand abrundeten =)
Seit gestern sind wir wieder hier. Die rückfahrt verlief ohne Probleme und so konnten wir gleich wieder unser abendlichen light off miterleben…
Heute wurde wieder gewaschen und man merkt erstmal wie viel wäsche man hat. Die Klamotten sind sehr dreckig und vor allem der rote sand und dunst der überall ist setzt sich fest.
Am Montag geht die schule los und wir sind jetzt ttsächlich schon knapp 3 wochen da!!!

Viele Grüße nach freiburg!!!

Endlich angekommen in meiner Gastfamilie ;-)


Hallo ihr Lieben =)

Mittlerweile bin ich gut angekommen in meiner Gastfamilie. Letzten Dienstag (also doch ’ghanaian time’ ;-) – so wird aus dem Montag der Dienstag…) Abend war es endlich so weit. Es gab wohl mit den letzten Volunteers, die in dieser Familie gelebt haben einige Probleme und deshalb waren sich die Eltern unschlüssig, ob sie noch mal jemand Deutsches aufnehmen sollen. So fuhr ich am Montagabend mit dem Schulleiter der GGS, der (theoretisch) für uns verantwortlich ist, und Jeff, einem anderen Mitglied des Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreis (DTGHF), über den ich hier in Ghana bin, zu der Familie, damit sie entscheiden konnten, ob sie mich aufnehmen wollen oder nicht. Sie entschieden sich dazu mich am nächsten Tag zu empfangen =) *puh*. Auf der Heimfahrt wurde mir dann nahegelegt, mich anständig zu benehmen, weil sie sich dort sonst nicht mehr blicken lassen könnten und nie wieder Deutsche aufgenommen werden würden.
Wieder in Denchemouso angekommen bereute ich es dann, dass ich morgens voller Optimismus montags in die Family zu kommen, alle meine Sachen eingepackt hatte. So musste ich jetzt ohne Licht, da (wie bis jetzt jeden Abend) ’lights out’ also Stromausfall herrschte, die nötigsten Sachen wieder auspacken, damit ich noch eine letzte Nacht bei den anderen am Campus schlafen konnte.
Doch am Dienstagabend war’s dann endlich soweit und ich wurde mit meinen ganzen Habseligkeiten von einem Taxi zu meiner Gastfamilie gefahren. Leider war wieder Stromausfall, so konnte ich nicht mehr auspacken. Wir saßen dann noch einige Zeit zusammen im Wohnzimmer und unterhielten uns. Die Familie ist echt mega nett. Sie haben 5 „Kinder“, wobei die jüngste 19 ist und zwei schon nicht mehr zuhause wohnen, da sie studieren. So darf ich im Zimmer des Sohnes wohnen, der auswärts studiert. Mein Zimmer besteht aus einem riesigen Bett, einem Schrank und einem nicht-funktionierenden Ventilator. Der erste Schock folgte dann noch sofort am ersten Abend. Als ich nach dem ’bathroom’ fragte wurde mir erklärt, es gäbe kein fließendes Wasser. Für mich verwöhnte Deutsche echt ne krasse Umstellung. Wann immer man Wasser braucht, ob für die Klospülung (offener Spülkasten, in den man einen Eimer Wasser schütten und dann an einem Haken ziehen muss), um sich zu waschen, zum Zähneputzen oder zum Kochen, muss man es aus dem Brunnen im Garten holen. Doch mittlerweile hab ich mich ganz gut damit arrangiert und spucke nun halt auch meinen Zahnputzschaum in den Garten, „dusche“ mit einem Eimer voll Wasser und entsorge das benutzte Klopapier in einem Mülleimer anstatt im Klo.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist dagegen, dass man hier zum einen zu sehr interessanten Zeiten isst und zum anderen, dass jeder mit seinem Teller irgendwohin sitzt und dann dort isst. Die Ghanaer gehen normalerweise ohne Frühstück aus dem Haus, doch da ich immer zu früh fertig zum Gehen bin, bekomme ich meist Brot und Kaba (Milo heißt der hier – Pulver, das in heißes Wasser gekippt wird). Um 15 Uhr gibt’s dann Mittagessen – meistens Yam (schmeckt wie Kartoffeln) mit irgendwelchem Gemüse. Und um 17 Uhr gibt’s dann schon wieder Abendessen – ebenfalls warm. Bis jetzt entweder Reis mit irgendeiner Soße oder Fufu (von der Konsistenz her wie Kartoffelbrei – aus Kochbananen und etwas ähnlichem wie Yam). Da ich hier Gast bin wird mir immer eine extragroße Portion rausgeschöpft und behauptet, das sei gar nicht viel… ;-) Obwohl mir ans Herz gelegt wurde, beim Abspülen, Kochen,… zu helfen, wird sobald ich frage, ob ich was helfen kann, abgelehnt. Ich hoffe das ändert sich noch. Doch mein Gastvater erklärte mir, im Haus sei es oft ’boring’ (langweilig) und so brauche ich mich nicht zu wundern, wenn sie mich nichts helfen lassen, da das ihre einzige Beschäftigung ist…
Am Dienstag war Schulbeginn. Das heißt in Ghana aber nicht, dass mit dem Unterrichten angefangen wird, sondern, dass erstmal 4 Tage lang (von 7.30 – 14 Uhr) das komplette Schulgelände geputzt wird. Soll heißen die Lehrer geben den Schülern Anweisungen, was sie zu tun haben (Bänke oder Boden putzen, Rasenmähen mit Messern, Garten umgraben,…) und chillen dann im Lehrerzimmer. Das Lehrerzimmer besteht aus 4 Holztischen und unzähligen Plastikgartenstühlen. Am Mittwoch und Donnerstag haben wir stundenlang im Lehrerzimmer über einen Laptop eine mexikanische Telenovela (auf spanisch mit englischem Untertitel) angeschaut und ansonsten sitzt jeder irgendwo und starrt Löcher in die Wand.
Am Samstag hat mich meine Gastfamilie zu einer Hochzeit in ihrer Kirche (Church of Pentecost) mitgenommen. Leider war das Meiste auf Twi, aber interessant war’s trotzdem =) Vom Aufbau her verläuft eine Hochzeit hier eigentlich ähnlich wie in Deutschland. Nur ist alles viel lauter und lebendiger – soll heißen, es wird lautstark gesungen, gebetet (jeder betet laut(!) vor sich hin) und durch die Gegend getanzt. Laut Liedblatt fing die Hochzeit um 9 Uhr an, wir waren um kurz nach 10 dort und da war noch nicht wirklich viel los. Mir wurde ein Platz in der zweiten Reihe zugewiesen und blöderweise waren überall Leute mit Fotos und Kameras, die meinten, der ’Obruni’ (also ich) müsste unbedingt überall drauf sein. So wusste ich leider nicht wirklich, wie ich mich verhalten sollte, da ich ja nicht verstand, was sie redeten… Um 12 Uhr gingen wir dann wieder heim, weil mein Gastvater Hunger hatte, obwohl die Hochzeit noch in vollem Gange war – Ghana halt ;-)
Am Sonntagmorgen sind wir dann zum Gottesdienst wieder in die Kirche gegangen. Eigentlich sollte ich zur ’English Assembly’ gehen, doch diese fand nicht statt, da ’Children’s Day’ war. Das heißt, dass die ’Sunday Schools’ (entspricht unserer Kinderkirche) den Gottesdienst für die Gemeinde mitgestalten, indem sie singen, tanzen, ein Anspiel machen,… Leider war wieder alles auf Twi, aber zum Zuschauen war’s trotzdem echt interessant.
Irgendwann wurde ich nach vorne gebeten, um mich vorzustellen. Völlig überrumpelt sagte ich ein paar Sätze auf Englisch, die meine Gastmutter dann auf Twi übersetzte. So bin ich jetzt auf jeden Fall der ganzen Gemeinde bekannt ;-)
Ich bin echt froh, dass ich schon 2 Wochen, nachdem ich hier angekommen bin, eine Gemeinde „gefunden“ habe und hoffe, dass die ’English Assembly’ auch so lebendig und ghanaisch ist, ich mich dort schnell eingewöhne und ein Teil der Gemeinde werde =)

Atschire (sprich: Atschäää) – bis bald =)
Eure Anja

Nanam und die Fokn Bois


Hallo Welt

Die letzte Woche war aufregend und wir haben viel Neues erlebt. Es war alles dabei: Das erste Fufu in Ghana, das erste Konzert, die erste Beerdigung, der erste Schultag und vieles mehr…

Nun, das erste Fufu im Cultural Center in Kumasi war nicht jeder Mannssache, denn es war einfach zu scharf. Nach dem Essen haben wir, die Mädchengang, uns erstmal ein bisschen in diesem Center umgesehen. Die ersten Verehrer blieben nicht lange aus und alle 5 Meter wurde jemand von uns nach seiner Nummer gefragt (zum Glück können wir unsere Nummern nicht auswendig und können somit das ganze um ein paar Minuten hinauszögern). Der erste Handelversuch von Lias Hammer wurde auch erfolgreich abgeschlossen und es ging weiter zu unserem eigentlichen Ziel, dem großen Konzert, von dem Carmen uns schon die ganze Woche erzählt hat. Da wir Deutsche sind und somit auch automatisch pünktlich um 18 Uhr dort auftauchten, wurden wir wieder zum Warten gezwungen. Diesmal mussten wir uns drei Stunden gedulden, bis das „Big in Ghana“-Konzert endlich mit einem „Dancebattle“ begann.  Danach kamen die besten  4 Künstler Kumasis nach der Reihe auf die Bühne und präsentierten uns ihre neuen Hits. Die Gestalten auf der Bühne waren uns etwas suspekt und anfangs war uns auch nicht wirklich klar, was an diesem „Gesang“ der Gesang sein sollte; auch das Bühnenoutfit war hin und wieder etwas fragwürdig. Eigentlich waren wir auch gar nicht wegen den neuen „Superstars“ da, sondern wegen den Fokn Bois, die nach einer Stunde Stromausfall und von unserem persönlichen Drängen im Backsagebereich endlich auf die Bühne kamen und uns ihre recht amüsante Show da boten. So gegen 1 haben wir dann das Gelände verlassen und uns auf den Heimweg gemacht. Ja, das sollte jedoch nicht das Ende des Abends sein. Leider wusste der Taxifahrer nicht, wo unser Ort liegt und hat sich gleichmal verfahren (wir total aufgeschmissen und fertig). Angekommen sind wir dann trotzdem irgendwie…
Meine erste Beerdigung war was ganz Neues. Alle sitzen im Kreis auf rot-schwarzen Stühlen im (Hintergrund läuft ghanaische Tanzmusik) und geben keinen Ton von sich. In der Mitte sitzt der Chief (Nanam) und starrt auf das Bild des Verstorbenen. Einen persönlichen Schirmhalter besitzt der Chief auch, dem der Arm schon abfällt, weil der Schirm aus Holz und ziemlich schwer ist. Nach einer Weile durfte er dann aber auch eine Pause machen und etwas essen. Ja, das mit dem Essen war so eine Sache. Mir wurde etwas angeboten und da ich nicht so bin und gerne Neues ausprobiere, habe ich natürlich das Angebot angenommen (mein Bauch hat auch schon geknurrt). Ich nehme also die Styroporbox entgegen und mache sie auf. Meine Augen weiten sich und ich stehe unter Schock. In der Box liegt tatsächlich ein Fischkopf. Schnell klappe ich sie zu… Gelächter von allen Seiten. Haha
An demselben Tag bin ich das erste Mal alleine mit dem Tro-Tro („Klein-Linienbus“) nach Hause. Es war aufregend und man wollte mich mal wieder besch*****, aber jeder der mich kennt weiß, dass man eine Danquah mit Kern-Wurzeln nicht abzocken kann (ein anderer Ghanaer hat sich auch noch für mich eingesetzt. Ein Dankeschön an ihn an dieser Stelle). Das hat dann der „Geldeinsammler“ auch schnell begriffen.
Heute sollte die Schule eigentlich schon um 7.30 Uhr anfangen, aber, da wir ja in Ghana sind, kann man das nicht so ernst nehmen. Mit 1,5 Stunden Verspätung wurden wir also zur Schule neben an gebracht. Wir waren da, aber die Headmistress der Schule leider nicht. Um 10.30 Uhr traten wir unseren zweiten Marsch in Richtung „Headmistress‘ Office“ an. Das Büro der sehr netten Dame ist klein und schmuddelig. Wir werden nach unseren Namen und anderen Daten gefragt. Anschließend wurden meine ghanaischen Wurzeln, die Tatsache, dass ich kein Twi sprechen kann und warum und, was so in etwa meine Aufgaben sein werden, geklärt. Zum Einen soll ich die 6. Klasse in Mathe und Englisch unterrichten und zum Anderen die Lehrer in Deutsch. Wie ich das Letztere anstellen werde ist mir noch nicht so klar, aber ich werde es auf jeden Fall meistern! Mit Lisa Pfeffer zusammen soll ich den Kindergarten gestalten, d.h., dass wir die Wände noch weiter bemalen sollen. Alles schön und gut, nur leider können wir nicht malen… Auch dies werden wir meistern müssen. Nachdem uns der Kindergarten ausführlich gezeigt wurde, gab es Mittagessen für alle. Danach wurden wir zum „relaxen“ nach Hause geschickt.
Was ich in der Grundschule dann genau machen werde und, wie der Unterricht aussehen wird, erfahre ich dann morgen oder nächste Woche… wenn dann mal alle Schüler so gemächlich eingetrudelt sind.
Sonstige news im Hause Hammer-Danquah: Wir haben immer noch kein Gas, die Klospülung ist noch kaputt (wie ich erfahren habe schon seit mind. 1 Jahr), der Kühlschrank riecht streng und wir besitzen mittlerweile schon 2 Stühle in unserem Zimmer ! ;) Ansonsten haben wir’s uns jetzt schon richtig gemütlich gemacht und an den täglichen Stromausfall (der uns trotzdem ab und an zur Weißglut treibt) haben wir uns auch gewöhnt.

So, das war’s dann auch schon wieder von mir aus Ghana.

Pour Adrien:  Les Tapas d’Alicante me manquent!!! -.-

Eure Jennifer

BUSCHNACHRICHT, DIE ERSTE ;)


Hei alle zusammen,

jetzt also mein erster Blogeintrag aus Denchemouso, Ghana. Da mich das Internet im Internetcafé nach einer halben Stunde schon aufgeregt hat, hab ich beschlossen, dass ich mir einen Internetstick zulege, um direkt von unter meinem Fliegenbaldachin berichten zu können.

Nachdem wir Sonntagabend gegen 20.00 Uhr Ortszeit in Accra gelandet sind, mussten wir uns erstmal auf Koffersuche begeben (Gott sei Dank nicht meine). Nach fast 2 Stunden mit dem Lost&Found- Personal haben wir die Koffer dann in Istanbul auf´m Flughafen aufgespürt, sie werden mit dem nächsten Flieger nachgeschickt. Das sollte eigentlich Dienstag Abend sein, bis jetzt sind sie immer noch nicht da…. Aber gut Ding will hier Weile haben, das hab ich auch schon nach 3 Tagen gelernt. ;) Die Nacht haben wir in Accra in einem Hotel verbracht und sind dann am nächsten Morgen mit dem Bus 6 Stunden nach Kumasi gefahren, die nächst größere Stadt zu meinem Dorf Denchemouso. Entgegen allen Erwartungen (ich dachte, der Bus sei gerammelt voll, keine Klima, keine Sitzplätze) war die Fahrt wirklich angenehm! Schöne bequeme Ledersitze, Klima, viel Platz… japanische Qualitätsarbeit eben! ;) Ernsthaft, der Bus war besser als es mancher in Deutschland ist.

In Kumasi angekommen wurden wir von dem Schooladministrator der Schule abgeholt. Ich muss sagen, dass ich immer noch erstaunt bin, wie viel doch in einen Kombi hineinpasst (in unserem Fall waren es 7 Leute und 15 Gepäckstücke).

Ich teile mir mein Zimmer auf dem Campusgelände mit Carmen, angehende Lehrerin aus Bayern (für alle vom AGH, sie erinnert stark an Frau Eisele ^^ ). Unser Zimmer ist an sich gut, das Bad ist halt so eine Sache für sich… ;) Das Klo leckt beim Spülen und die Klobrille fehlt auch. :D Allerdings haben wir beschlossen, eine Klobrille zu kaufen und wollen das Leck mit Silikon abdichten… wenn ich mich denn mal trau, das Klo zu untersuchen (dafür muss es erst mal geputzt werden ;) ). Aber um es mal mit Julian Marstallers Worten auszudrücken, ich lebe luxuriös, denn immerhin muss ich nicht in ein Loch sch*****! ;) Also positiv sehen und darüber lachen. :)

Ich hab hier in den letzten Tagen schon so viel Neues gesehen und erlebt, ich kann das gar nicht alles in Worte packen und geordnet aufschreiben… Ich beginne mal mit den Sachen, ich wirklich toll finde: Als wir mit dem Bus nach Kumasi gefahren sind, haben wir auch sehr viel Natur durchquert. Es ist hier teilweise echt so klischeehaft, wie man das immer so sagt: Links und rechts von der Straße stehen Palmen, Bananenpflanzen, Büsche etc. und dazwischen befinden sich „Häuseransammlungen“ (ich würd es nicht Dörfer nennen). Die sind um einen kleinen Platz herum gebaut und auf dem sitzen dann Frauen um ein Feuer herum und kochen während ganz viele kleine Kinder zwischen den Häusern herum springen und spielen. So klischeehaft es auch klingt, ich finde das wirklich schön. :) Andererseits sieht man an diesen Häusern eben auch, wie arm ein Teil der Bevölkerung ist. Die Wände sind aus provisorisch zusammengezimmerten Holzlatten und die Dächer aus Wellblech… irgendwie auch wieder ein Klischee…

Ein Klischee, dass sich bisher aber nicht bestätigt hat, ist das Thema mit der Zeit bzw. Pünktlichkeit… ;) Bisher waren alle Ghanaer, die uns irgendwo abholen sollten, nicht

unpünktlicher, als ich´s in Deutschland manchmal auch bin. ;)

Allerdings gibt es dann auch doch wieder Dinge, die ich ein wenig merkwürdig finde:

Dazu gehört, dass man wirklich die permanent angestarrt wird. Egal was man tut, egal wie sch**** man der Hitze wegen aussieht, alle starren dich an. Die kleinen Kinder, die teilweise noch nie jemand Weißes gesehen haben, zeigen mit dem Finger auf dich und rufen dir hinterher (was jetzt aber überhaupt nicht wild ist, wir haben als kleines Kind ja alle auch Leute mit anderer Hautfarbe angestarrt :) ). Gestern, als wir uns das Nachbardorf angeschaut haben, kamen zwei kleine Kinder auf mich zu gerannt und haben mich einfach umarmt… (sie war´n ja schon zuckersüß…^^). Bei den Älteren wundert es mich ein bisschen, denn eigentlich müssten in der Gegend ja öfters Weiße rumlaufen, immerhin gibt es das Freiwilligenprojekt ja schon einige Jahre… Ich muss auch zugeben, dass ich (und die anderen Freiwilligen) die Leute an sich viel offener erwartet haben, als sie es bis jetzt sind… zumindest wurde uns immer erzählt, wie freundlich, offen und hilfsbereit die Menschen hier seien. Ich will gar nicht bestreiten, dass das wirklich so ist, ich habe auch schon viele Leute getroffen, die wirklich nett, offen und hilfsbereit sind. Aber eben auch einige, die uns das Gefühl vermittelt haben, dass wir hier nur geduldet sind…zumindest ist das mein Gefühl…Vielleicht gibt sich das noch ein bisschen je länger ich hier bin. Allerdings find ich´s dann doch etwas irritierend, wenn man dann vor uns offen davon spricht, wie unfreundlich und verschlossen die Deutschen doch seien und wie freundlich die Ghanaer dagegen… Aber das ist nur mein Gefühl, vielleicht schätze ich das auch falsch ein.

Was ich dann aber auch wieder lustig finde ist, dass hier mal gar nix nach typisch deutscher Ordnung läuft, eben alles bisschen unkonventioneller. ;) Dazu gehört auch, dass eine Freiwillige, die eigentlich in einer Gastfamilie wohnen sollte, bis jetzt noch bei uns auf dem Campus schläft. Der Schooladministrator meinte am Montag zu ihr, es müssten noch ein oder zwei Dinge mit der Familie geklärt werden, bis sie dorthin kann, würde aber schnell gehen… bis jetzt hat sich da noch nichts getan, wir sind uns nicht mehr ganz sicher, ob es bis jetzt überhaupt eine Familie gibt, zu der sie kann… :D :D Aber wir warten jetzt einfach mal ab ob sich noch was tut, sonst wohnen wir halt zu fünft in zwei Zimmern. :)

Zum Schluss vielleicht noch ein oder zwei Worte zum eigentlichen Grund meines Aufenthaltes hier, der Arbeit im Kindergarten. ;) Gerade haben die süßen Kleinen noch Ferien, die Arbeit beginnt nächste Woche am 4. September. Das ist ganz gut, denn ich hab jetzt noch ein wenig Zeit, um mich hier einzurichten und einzugewöhnen. Aber ich bin auch schon mega gespannt auf die Arbeit mit den Kindern und ob die mal so auf mich hören, wie ich mir das gedacht (vielleicht auch erhofft) habe. ;)

Soo, jetzt bin ich dann aber auch am Ende, auch wenn ich das Gefühl hab, jede Menge vergessen zu haben. :) Aber das schreib ich dann einfach nächstes Mal. Was ich aber noch loswerden wollte, ist die Sache mit den SMS aus Deutschland: Wer Alditalk hat, der kann mir sehr gern auf meine normale Aldinummer schreiben, ich hab das Handy an. Ihr zahlt, wenn ihr die Flat habt, auch nichts dafür. :) Ich werd euch dann von meinem Ghana-Handy antworten, das ist für mich billiger. Allerdings weiß ich nie so recht, ob die SMS wirklich ankommen (manchmal tun sie´s, manchmal aber auch nicht), deshalb seit nicht böse, wenn nichts zurück kommt, die SMS ist dann unterwegs wohl verloren gegangen. :) Das wär´s dann aber auch mal gewesen.

Ich hoffe, euch geht’s gut daheim!

Liebste Grüße,

Lisa :)

Erste Mädchengruppe nach Ghana unterwegs


Erstmals startet eine rein weibliche Gruppe nach Ghana, um dort für ein halbes Jahr ein Praktikum an den verschiedenen Partnereinrichtungen des Deutsch-Ghanaischen Freundschaftskreises zu gestalten. Gemeinsam mit Albert Osei-Wusu sind die fünf jungen Frauen heute morgen aufgebrochen und werden Accra (Ghana) heute Abend erreichen.

Sie unterstützen die Lehrerinnen in den vier Partnereinrichtungen und leben gemeinsam mit Ghanaern. Anja Schweizer wird direkt in einer ghanaischen Familie leben und an den Primary School in Tanoso, einem kleinen Ort nordwestlich von Kumasi, leben. Die anderen fünf Frauen werden auf den Einrichtungen des Schuulcambus von Denchemouso leben und arbeiten.

Albert Osei-Wusu mit Jennifer Danquah, Lisa Pfeffer, Lisa Hammer, Anja Schweizer und Carmen Lubetzki beim Vorbereitungsseminar in München (im Hintergrund: Sebastian Prothmann)

In ihren persönlichen Blogs berichten sie über ihre ganz persönlichen sechs Monate Ghana

Sweet home à la Ghana


Ein herzliches Hallo aus Ghana, vermutlich schon zum letzten Mal,

eigentlich wollte ich noch viele, viele Blogeinträge schreiben, genügend Lust und Erzählstoff hätte ich, aber Reisen, Erleben und Entdecken klingt dann doch noch besser als Schreibtisch und Laptop.

Der Abschied an Schule und Kindergarten war eine Mischung aus traurig und wunderschön, hab sogar noch voll liebe Geschenke bekommen; die ersten Ferientage war ich im Norden in Bolgatanga, Paga, Tamale und Mole und jetzt kommen dann schon die letzten drei Wochen mit meinem Papa. Also die Endphase macht grade nochmal richtig viel Spaß, dazu gibts noch dies und jenes, um das man sich kümmern muss, deswegen an dieser Stelle nur ganz kurz:

Bis bald in Deutschland, ich freu mich inzwischen auch wieder riesig auf Zuhause! Bleibt noch zu hoffen, dass ich alle Fotos, Mitbringsel, Erfahrungen und Erlebnisse sicher über Sahara und Bosporus bringe, dann steht einer fetten Fete in vier Wochen nichts mehr im Wege 😉

Bis dahin eine schöne Zeit, alles Gute, oder wie der Ghanaer zu sagen pflegt: God bless you!

Liebe Grüße

Matze

Enten an den Wänden und Rastas aufm Kopf


Ist jetzt schon ein bisschen länger her, dass ich mich zu Wort gemeldet habe. Dafür gibts heute einen ausführlichen Bericht, zumindest so lange wie ich motiviert bin zu schreiben :)

Fast ist die Hälfte der Zeit um und ja, langsam bekomme ich Panik, dass mir meine restliche Zeit nicht reicht. Die letzten Wochen ist einfach so viel passiert und es gibt trotzdem noch genügend was ich sehen und erleben möchte!

Inzwischen sind meine Essensgelüste so gestiegen, dass ich mir letztens erstmal nen Chickenburger gegönnt habe, nur weil da eine Scheibe Käse drauf war. Auch wenn er trocken war und mir definitiv nicht geschmeckt hat, hab ich seitdem mehrere in Accra gegessen, ich bin eine schlechte Vegetarierin aber ich habs nicht mehr ausgehalten.. Und es ist fast unmöglich hier auf Fleisch zu verzichten, auch wenn einem immer gesagt wir, dass da natürlich kein Fleisch oder Fisch drin ist. Nachdem ich aber mehrere Fischköpfe oder undefinierbare Fleischstücke in meinem Essen gefunden habe, gebe ich es auf und esse drum herum.

Über den Kindergarten kann ich gerade nicht viel sagen, die letzten 3 Wochen waren Ferien, die Erzieher haben mir nach einem kleinen Unfall meine Haut mit ner Bastelschere abgeschnitten (keine Sorge, DANACH wurde sie desinfiziert) und seit 2 Tagen stehe ich vor geschlossenen Türen, obwohl der Unterricht schon gestern anfangen sollte! Ghanaische Arbeitsweise.. Aber anscheinend haben wir endlich fliessend Wasser, die zu großen Rohre wurden die letzte Woche durch kleinere ersetzt, was bedeuten würde, dass wir die Kleinen endlich waschen können und ich mal im Kindergarten aufs Klo kann! Ich glaube es aber erst, wenn ich es selber gesehen habe! Inzwischen haben wir auch eine dicke Ente und eine kleine dicke Eule an den Wänden, die Kinder freuen sich und es wird bunter :) Bilder kommen noch wenn ich es geschafft habe, alles fertig zu malen, dafür muss der KG aber erstmal öffnen.

Unsere Klasse hat sich auch vergrößert, wir haben jetzt ungefähr 40 Schüler, was definitiv zu viele sind! Ein Klassenraum steht noch leer und ich verstehe nicht, warum der nicht genutzt wird, wir sind 7 Lehrer für 3 Klassen, eine 4. würde vieles erleichtern! Erschreckend war auch zu sehen, wie viele Eltern am Ende vom letzten Term die “Kindergartengebühren” in Form von einer Packung Kreide (50 Cent), einer Klorolle (25 Cent) und einem Desinfektionsmittel (nochmal 50 Cent) nicht bezahlen konnten und ihre Kinder mit leeren Händen in den Kindergarten geschickt haben. Und das obwohl beide Elternteile arbeiten, meistens auch noch rund um die Uhr oder der Vater wegzieht um mehr Geld zu verdienen. Da manche Familien aber zu viele Kinder haben und diese nur sehr schwer versorgen können, bleibt die Bildung leider auf der Strecke. Ohne Kindergeld oder sonstigen finanziellen Unterstützungen bleibt alles an den Eltern hängen.

In der Senior High school fanden kurz vor den Ferien die Deutschtests statt. Nach zahlreichen Schummelversuchen mit Blättertauschen, versteckten Büchern und Unterhaltungen in Twi, halten trotzdem noch viele Eisbär Knut für unsere Bundeskanzlerin und ihren “roommate” bezeichnen sie als Raummatte. Und auch wenn viele im Test nicht gut abgeschnitten haben (was vielleicht auch daran lag, dass wir manche Schüler zum ersten mal gesehen haben. Ich frage mich, was sie die letzten 2 Monate gemacht haben), gibt es auch einige bei denen man merkt, dass sie sich wirklich Mühe gegeben haben, was sich auch gelohnt hat!

Karfreitag haben dann unsere Ferien angefangen und wir sind über das Osterwochenende nach Kokrobite an den Strand gefahren, uns am ersten Tag gleich einen schönen Sonnenbrand geholt und die restliche Zeit im Schatten verbracht! Mit Bleistift angemalte Eier und Schokocookies gabs auch, Collins (Ghanaer) war aber sehr irritiert als wir ihm gesagt haben, er muss seine Geschenke jetzt suchen. Nach 2 Tagen in Kumasi gings dann auch schon wieder los in den Norden, Affen füttern, den heiligen Hein besichtigen, bei den Kintampo falls schwimmen. Von Tamale gings dann in den Mole Park, wir hatten Glück und sahen 11 Elefanten, Antilopen, Krokodile, “Pumba” und viele andere Tiere auf unserer Safari zu Fuß und aufm Jeep. Nach 2 Tagen hatten wir alles gesehen und über Bolgatanga gings nach Paga, auf Krokodile setzen bis hin zur Grenze von Burkina Faso, wo wir auch kurz rübergelaufen sind um Fotos zu machen. Nach über 10 Stunden heimfahrt ohne Klima oder wenigstens Ventilatoren (wir dachten oft, bei der nächsten Vollbremsung schwimmen wir einfach vom Sitz) und meiner halben Vergiftung durch die Cashewschale und ihr toxisches Öl, sind wir endlich wieder in Kumasi angekommen, um gleich danach wieder nach Accra zu fahren. Über Accra gibts nicht viel zu sagen, außer dass es die Entspannendsten Tage seit langem waren! Wir durften netterweise in dem Haus einer Bekannten übernachten und nachdem man eher Bettwanzen, Stromausfall und Eimerdusche erwartet, war es wie im Paradies und wir haben es sehr genossen!

Langsam komme ich auch schon zum Ende, Hannah und ich haben uns gestern in einer spontanen Aktion Rastas flechten lassen, wenn man hier wohnt muss man es wenigstens einmal gemacht haben :) Nach 2.5 Stunden Höllenschmerzen war es endlich fertig, das Ergebnis ist gar nicht soooo schlimm wie erwartet aber 2 Packungen Extensions sind schwer.

Das wars erstmal von meiner Seite, so wie es aussieht hab ich heute wieder frei also such ich mir mal eine Beschäftigung, irgendjemand wird schon Hilfe brauchen.

Ganz ganz liebe Grüße!!

Im Westen viel Neues


Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. Unter diesem Motto ging es für mich über Ostern in den Westen – fünf Tage geprägt von richtig guten Erlebnissen.
Es ging munter los am Karfreitag – der Herr möge es mir verzeihen – wo ich im Städtchen Wenchi Quartier schlug. Die meiste Zeit dort verbrachte ich allerdings auf der Suche nach selbigem, da die zwei billigeren Hotels aus meinem Reisehandbuch beide ausgebucht waren. So stand ich am Ende vor einer recht teuren Lodge (das heißt 45 Cedi (22€) für ein Zimmer, aber das sind hier halt dreißig Abendessen oder eine Trotrofahrt durch ganz Ghana und zurück) und hab schon mal die dümmsten Alternativen durchgedacht. Die Leute in der Lodge waren dann aber supernett, haben mir erstmal frische Mangos serviert und dann zu einem vierten Hotel gebracht und dort den Preis für mich auf 30C runtergehandelt. So viel Hilfsbereitschaft, ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten, ist zwar auch hier in Ghana eher selten, aber doch häufiger als bei uns, denke ich. Glück im Unglück, Fazit: Vorher buchen oder Zelt kaufen.
Von der übrigen Zeit ging dann nochmal einiges beim verzweifelten und letztendlich erfolglosen Versuch drauf, im Internetcafé ein sechzehnsekündiges Video hochzuladen. Ansonsten hatte Wenchi schon mal viel davon zu bieten, was den Norden Ghanas vom Süden unterscheidet: Mehr Moscheen, mehr Fahrräder, mehr Kühe, und ich denke eine andere Lebensweise; einfacher, traditioneller und bescheidener. In Erinnerung bleibt mir ein Moment abends auf einem kleinen Platz – in der Mitte fußballspielende Kinder, drumherum eine Moschee, ein Ziegenstall, Palmen, darunter Großmütter mit Enkeln beim Kochen und Frauen mit Babys in traditionellen Gewändern beim Wasserholen, dazu der Gesang des Muhidzins – und ich konnte einfach nur ungestört dastehen und genießen und mich am Ende kurz und schmerzlos mit den Leuten unterhalten. Um neun im Hotelzimmer klopfts plötzlich an der Tür, ich mach vorsichtig auf und es kommt ein Typ rein, der mir nur seine Visitenkarte gegeben hat und gemeint hat, sie kümmern sich darum, dass es Fremden in Wenchi gut geht, bei Problemen soll ich ihn einfach anrufen, und ist wieder gegangen. Dubios, aber dabei ist es dann auch geblieben.
Samstagmorgen gings weiter in den Bui-Nationalpark, das ursprüngliche Hauptziel meiner Reise. Dort haben mich zwei Geschäftsleute aus den USA bzw. Indien auf ihrem Pickup mit durch den Park genommen, ein ziemlicher Glücksfall. Die angepriesenen Nilpferde im Volta haben wir zwar nicht gesehen, dafür aber eine artenreiche Savannenlandschaft, traditionelle Fischer und den Staudamm, der dort gerade von einer chinesischen Firma gebaut wird und ab nächstem Jahr zwanzig Prozent des Energieverbrauchs Ghanas liefern wird, sehr beeindruckend. Leider wird der Stausee große Teile des Parks fluten und wohl die Nilpferde vertreiben. So hat auch diese Seite zwei Medaillen (Rudi Völler, glaub ich). Auf einem nahegelegenen Hügel, von dem aus man in schier endlose Weiten blicken konnte, hab ich mir den Sonnenuntergang angeschaut und gedacht, besser gehts eigentlich nicht – doch zu früh gefreut, am Montag kams noch doller.
Zunächst bin ich jedoch am nächsten Morgen mit dem Parkguide hinten aufm Moped ins nächste Dorf gefahren, Banda Nkwanta, wo ich aufs Dach einer sehr bekannten alten Moschee in Lehmbauweise steigen durfte. Unterwegs wurden wir von einem Polizisten angehalten, der recht humorlos meine Tasche und Kamera durchschaute, wohl bezüglich diskreten Informationen über den Damm, aber bis zu den Fotos ist er zum Glück nicht vorgestoßen. Wir haben zwar alles mit offizieller Führung durch einen der Ingenieure gemacht, aber hätte womöglich trotzdem Probleme gegeben. Man kommt sich schon immer ein bisschen vor wie in einem schlechten Film, weil die Polizisten hier alle mit schweren Geräten auf dem Rücken rumlaufen, aber bis auf den einen waren bis jetzt alle recht freundlich. Die zweite Station des Tages war dann Kintampo, wo es zum einen den offiziellen Mittelpunkt Ghanas (laut dortiger Inschrift zugleich das Zentrum des Universums) und zum anderen sehr berühmte Wasserfälle zu bestaunen gab, unter denen man sich erfrischend abduschen konnte, auch wenn mein halbnackter Obruni-Astralkörper leider eine ziemliche Attraktion darstellte 😉
Das unerwartete Highlight der Reise kam dann wie gesagt am Ostermontag. Nachdem ich zwischenzeitig pleite war und das Geldabheben einige Zeit und Umwege gekostet hatte, wollte ich eigentlich nur noch kurz im als sehr schön beschriebenen Benediktinerkloster Kristo Buase nahe Techiman vorbeischauen. Sehr schön war dann allerdings so dermaßen untertrieben, dass ich spontan noch eine Nacht dort dranhängte. Das Kloster lag, durch schattige Obstwälder und wilde Feuchtsavanne abgeschieden vom Rest der Welt, zwischen canyonartigen Felsen und prächtigen Gärten – ein Paradies auf Erden, eine Oase der Ruhe. Oder, ums etwas zeitgemäßer und dennoch religionsnah auszudrücken: Holy shit, göttliche Scheiße! Die Felsen boten eine noch herrlichere Aussicht als der Hügel in Bui, die Natur war noch vielseitiger und in den Klostergärten konnte man zum Beispiel reife Sternfrucht vom Baum pflücken und essen. Auch als Kurzzeitbesucher wurde ich gleich eingegliedert in das Leben der Mönche, unter denen auch zwei Weiße aus Schottland waren. Das heißt alle paar Stunden gemeinsames Gebet, Andacht oder Gottesdienst, was ich für den einen Tag als wirklich gute und einzigartige Erfahrung aufgenommen habe – hätte ich nicht gedacht, aber nach einem komischen Gefühl am Anfang hab ich das Beten und Singen am Ende eigentlich als relativ angenehm empfunden. Und ich hab fernab der Heimat doch noch auf ganz eigene Weise Ostern gefeiert.
Keine Angst, der eine Tag hat mir schon gereicht; soweit ich jetzt sehen kann, würde ich nie ein Leben lang ins Kloster gehen. Aber ich denke, die Zeit hier in Ghana hat mir die Selbstständigkeit und Offenheit gebracht, neue und ungewöhnliche Dinge einfach mal auszuprobieren – ins Kloster zu gehen, alleine durch ein fremdes Land zu reisen ohne einen festen Plan in der Tasche, jedes noch so seltsame Essen zumindest zu probieren, neue Kulturen kennenzulernen (ghanaisch-amerikanisch-indisch-schottisch-deutsch in fünf Tagen), sich womöglich bald die Haare radikal abschneiden zu lassen und so weiter, und dafür bin ich schon jetzt dankbar. Denn wer kann schon von sich sagen, einen Tag in einem afrikanischen Kloster gelebt zu haben.
Aus Kristo Buase in den örtlichen Trubel zurückzukehren, war dann fast so, wie aus einem Traum aufzuwachen. Plötzlich wieder hupende Autos, laute Musik, aufdringliche Verkäufer, enge, schmutzige Gassen, Obruni-Zurufe von allen Seiten – aber letztendlich eben die Rückkehr in den ghanaischen Alltag, den ich hier zu schätzen und lieben gelernt habe, und der – auch wenn man es sich manchmal erst wieder neu bewusst machen muss – einfach immer noch die größte Faszination von allem ist.
Ein sehr sonderbares Déjà-vu ganz zum Schluss bot die Ankunft in Denkyemuoso: Stromausfall, das ganze Dorf stockdunkel, überall unklare Gestalten, ich selbst verschwitzt, müde, hungrig und erschöpft von einer langen Reise, aber glücklich, angekommen zu sein – genau wie in der allerersten Nacht hier.
Viele von euch werden sich wahrscheinlich fragen, warum ich hier so viel alleine unternehme. Es wäre sicherlich etwas anderes, zu zweit oder in einer Gruppe zu reisen – vielleicht manchmal angenehmer, einfacher, ausgelassener, und ich glaube, nicht viele würden es so machen wie ich. Aber wenn ich so von den Shopping-, Strand- und Partyurlauben anderer Volunteers höre, denke ich mir, das ist nicht das, wofür ich persönlich nach Ghana gekommen bin. Ich freue mich jetzt schon wieder ein klein wenig auf gemeinsame Abende mit euch zurück in Deutschland und ich werde auch hier sicherlich nicht als Eremit leben, aber ich denke, ab und zu bietet das eigenständige Reisen doch die besten Möglichkeiten, seine Wünsche zu erfüllen. Suum cuique, wie der alte Lateiner zu sagen pflegt. Und so ganz alleine ist man hier eh nie, egal ob man nun ghanaische Touristenhelfer, indische Geschäftsleute oder schottische Mönche um sich hat.
Genug der Worte, liebe Grüße nach Deutschland, viel Spaß, Glück und Erfolg bei was auch immer ihr gerade macht und vorhabt! Ich hoffe, ihr hattet schöne Osterfeiertage, habt alle Eier gefunden und euch gehts genauso gut wie mir! Meine Ferien gehen jetzt eigentlich erst richtig los, mal sehen, wohin mich meine neu gewonnene Abenteuerlust treibt 😉
Machts gut,
Matze

PS: Noch eine Anmerkung zum letzten Bericht: Ich hoffe, es kam nicht so rüber, als wäre ich hier in Denkyemuoso am Verzweifeln und würde am liebsten zurückwollen – im Gegenteil. Natürlich sind manche Sachen anders und schwierig für mich, aber mein Wunsch und Ziel war und ist es immer noch, Afrika so kennenzulernen, wie es wirklich ist, und genau das tue ich gerade. Ich bin ja nicht hierher gekommen, um das Paradies auf Erden zu finden (auch wenn mir das in Kristo Buase zufällig geglückt ist), sondern um den Alltag zu erleben und mich Problemen zu stellen. Deswegen finde ich es auch weiterhin einfach nur fantastisch, dass ich in dem, was lange Zeit so fern schien, jetzt doch mittendrin bin. Ein Alltag voller Erfahrungen und Reisen voller Erlebnisse, was will man mehr.

So, das war der Bericht, wie ich ihn eigentlich gestern hochladen wollte. Blöderweise kam dann noch ein kurzer Krankenhausbesuch dazwischen (Verdacht auf Malaria und ich nehm jetzt auch die Medikamente, aber so ganz glauben kann ichs eigentlich nicht, dafür fühl ich mich zu gut). Alles halb so wild, muss man auch mal erlebt haben.
Also nochmal schöne Grüße und bis bald 🙂