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Gedankenspiele


Hallo Leute,
schon mehr als einen Monat bin ich jetzt hier in Denkyemuoso. Die Zeit bisher ist einfach nur wahnsinnig schnell vergangen, weil ich in den ersten Wochen hier so viel Neues, Interessantes und Aufregendes gesehen hab, aber wenn unter der Woche morgens der Wecker klingelt, fühlt sich der Alltag doch schon fast so normal an wie zuhause in Deutschland.
Das Unterrichten in der Grundschule ist in letzter Zeit leider vor allem von ernüchternden Erkenntnissen geprägt:
Zum ersten hab ichs jetzt leider auch erlebt, dass Schüler richtig geschlagen wurden. Das war zum Beispiel, als mehrere Leute ziemlich zu spät kamen, oder als die Schüler Wörter in Englisch buchstabieren sollten und nicht konnten, da bekam dann jeder „Schuldige“ einige recht heftige Hiebe auf Rücken oder Schultern. Die Schüler waren zwar beim Buchstabieren echt erschreckend schlecht (dazu gleich mehr), aber gerade da denk ich nicht, dass man mit der Rute viel bewirken kann. Das Ziel sollte ja eigentlich sein, den Schülern beizubringen, dass Lernen extrem wichtig ist, aber auch Spaß machen kann, und so verkommt es zu stupider Zwangsarbeit. Ich hab nicht das Gefühl, dass das Geschlagenwerden die Schüler besonders fertig macht oder verstört, das ist hier eher wie bei uns eine strenge Ermahnung, sie schauen kurz betroffen und machen dann weiter Blödsinn. Aber gerade darin liegt ja eigentlich das Problem, dass Schlagen und Geschlagenwerden hier eben als etwas Natürliches gesehen werden und so von Generation zu Generation weitergetragen werden. Deswegen hoff ich, dass ich der Lehrerin, aber besonders auch den Kindern zumindest ein wenig zeigen kann, dass man mit anderen Methoden als Schlagen mehr Spaß und Erfolg haben kann.
Das zweite Problem ist, dass die Schüler zum Großteil einfach kein Englisch können. Am Anfang dachte ich ja noch, vielleicht liegts an meiner Aussprache, vielleicht müssen sie sich erstmal an den neuen Unterricht gewöhnen und sind noch etwas zurückhaltend und unsicher. Letztendlich musste ich aber leider feststellen, dass sie, auch wenn ich einfachste Aufgaben eins zu eins aus dem Buch an die Tafel schreib (Look at the bar graph: What is the smallest mass? What is the greatest mass?, so in der Art) größtenteils nicht wissen, was sie machen sollen, geschweige denn, dass jemand einen korrekten Antwortsatz auf Englisch schreiben könnte. Bei der erwähnten Buchstabierübung hats eben auch zehn erfolglose Ansätze gebraucht, bis der elfte Schüler mal ‚money‘ oder ein Wort in der Art richtig buchstabiert hat. Letztens bei einer Übung in Mathe hat ein Schüler schon drei Versuche benötigt, bis er mal seinen Namen richtig an die Tafel geschrieben hatte. Und das ist halt schon deprimierend irgendwie, den Unterricht zu halten und zu wissen, dass einem vielleicht fünf von vierzig Schülern so richtig folgen können. Für das Leben hier brauchen die Schüler zwar eigentlich kein Englisch, muss man dazusagen, weil sich die Leute im Alltag eh auf Twi unterhalten, aber trotzdem: Die Schulbücher, Zeitungen, Fernsehsendungen usw. sind auf Englisch und die Schüler, die die Schule hier besuchen, sollen ja eigentlich später mal nen besseren Beruf erlernen können, wozu Englisch einfach grundlegend ist. Da find ichs dann schon hart, wenn in einer sechsten Klasse in einem Land mit Amtssprache Englisch kaum jemand richtig Englisch kann.
Der dritte Punkt ist, dass ich doch immer mehr ins Nachdenken komme (verbunden mit Entsetzen und Enttäuschung), je mehr ich die Unterrichtsmethoden und Kompetenzen der Klassenlehrerin so miterlebe. Nächste Woche stehen hier die Zwischenprüfungen an und ich sollte mal die Matheaufgaben durchschauen, da musste ich dann erstmal die Netze von Würfel und Kegel richtig hinzeichnen. Die letzten Stunden bestanden aus einer „Revision“ für die Exams, welche folgendermaßen aussah: Die Lehrerin hat sich vorne hingesetzt, die Prüfungsbögen ausgepackt und schonmal eins zu eins die Fragen vorgelesen und beantworten lassen, die dann nächste Woche in den Prüfungen drankommen. Das war umso erstaunlicher, da es sich eigentlich hauptsächlich um Multiple-Choice-Fragen einfachster Art handelte, z.B. in Kunst: Which colour do you get, if you mix red and yellow? – a) grey b) pink c) orange d) green. Der dritte Schüler, der aufgerufen wurde, wusste dann immerhin die richtige Antwort. Also da saß ich hinten drin und hab mir nur gedacht, das kann doch echt nicht wahr sein. Die kleinen Kindergartenkinder hier sind zum Teil richtig clever und selbstständiger als bei uns, das macht einen wirklich bedrückt, wenn man sieht, wie sehr dann in der Schule durch Eintrichtern und Auswendiglernen Potenzial kaputt gemacht wird in einem Land, das gute Ingenieure und Wissenschaftler bitter nötig hätte.
So bin ich insgesamt grad ziemlich hin- und hergerissen, was das Unterrichten in der Grundschule betrifft. Einerseits denk ich mir, was hat es für einen Sinn, wenn ich vorne steh und rede und keiner versteht mich, und die Lehrerin sitzt hinten drin und schaut zu. Wärs nicht besser, irgendwo anders zu helfen? Andererseits denk ich mir, bei der Lehrerin lernen vierzig Leute irgendwas auswendig, ohne dass einer danach irgendwas davon anwenden oder weiterführen könnte, bekommen falsche geometrische Formen vorgesetzt und werden geschlagen, wenn sie etwas nicht wissen. Da ist es vielleicht dann doch besser, wenn ich zumindest einem Teil der Schüler mehr Eigeninitiative und Selbstständigkeit antrainieren und den guten Schülern, die es ohne Zweifel gibt, wirklich etwas beibringen kann. Positiv kann ich vermerken, dass ich mittlerweile so ziemlich alle Namen kann, und ich glaub, einige Schüler schätzen das auch schon, dass sie jetzt mal einen anderen Unterricht bekommen. Am Montagmorgen hab ich mal etwas bisschen Religiös-Besinnlicheres probiert, bin mit den Schülern rausgegangen, wir haben uns im Kreis um einen Baum aufgestellt, mal für einen Moment die Augen geschlossen und ich hab eine Schülerin ein Stück Brot an alle verteilen lassen. Ich hab mir gedacht, dass die mal bisschen zur Ruhe kommen, sich nicht ständig angehen und es mal nicht um Lernen und Gehorsam geht. Am Ende wollte ich gemeinsam ein kurzes Gebet sprechen, da ist mir dann leider die Lehrerin zuvorgekommen und hat einen Schüler strammstehen und vorbeten lassen, fand ich nicht so toll. Naja, insgesamt glaub ich, die meisten wussten noch nicht so recht, wie sie das aufnehmen sollen, aber vielleicht versuch ichs in Zukunft nochmal wieder.
Für meine Deutschkurse musste ich die Woche Examensprüfungen zusammenstellen und ich muss sagen, das hat mir ziemlich Spaß gemacht, sich passende Fragen und Aufgaben zu überlegen. Es sind zwar in jedem Kurs nur ein paar Schüler, die den Unterricht wirklich ernst nehmen, die anderen erscheinen meistens gar nicht zu den Stunden am Nachmittag, aber vielleicht ändert sich das ja nach einigen vernichtenden Nullingern in den Prüfungen ;)
Ansonsten zum Schulleben: Letzte Woche war so eine Art Jugend-debattiert-Wettbewerb an unserer Schule, zwei Vertreter von uns gegen zwei von einer Nachbarschule. War eine recht interessante Veranstaltung, es war sogar irgendein Parlamentsabgeordneter zu Gast. Unserer zwei Sprecher haben gewonnen und danach gings ordentlich ab in der Halle, ein paar Lehrer mittendrin im Geschehen.
Außerdem hab ich mal den sonntäglichen Schulgottesdienst besucht, was dadurch ganz interessant war, dass ein Schüler anstelle des nicht erschienen Pfarrers die Messe hielt und Schüler aller möglichen Glaubensrichtungen anwesend waren. Hab leider vom Twi nicht so viel verstanden, aber ab und zu werd mich wohl mal wieder dazugesellen. Über die Rolle von Glauben und Religion hier schreib ich wenn dann mal an eigener Stelle.
Das absolute Highlight der letzten Tage war zweifellos ein Besuch im Owabi Wildlife Sanctuary letztes Wochenende. So ein kleines Naturreservoir mit Stausee, Urwald und viel Ruhe nicht weit von uns entfernt. Wir sind zu dritt hingefahren mit noch einem Volunteer aus Tanoso und haben eine Nacht dort wunderbar gezeltet. Ein Führer hat uns durch die Landschaft um den Stausee geführt, durch Dschungel, Bambus, Bananenplantagen, Wiesen und Sümpfe, meist mit einem einzigartigen Vogelgezwitscher und interessanten Düften um uns herum. Am beeindruckendsten fand ich, auf so großen Rohren, durch die Kumasi mit Wasser versorgt wird, über eine riesige Fläche voll mit Farnen zu laufen, eingebettet zwischen Urwald und Stausee, und wie an einer Schnur durch die Ungewissheit dieser Abenteuerlandschaft gezogen zu werden. Am Abend hab ich mich dann noch allein auf den Staudamm gesetzt (aufgemerkt, jetzt wird’s noch poetischer), der See hat im Dunkeln magisch geglitzert und eine wohltuende Brise hat mir ins Gesicht geblasen, begleitet vom Zirpen der Grillen, Quaken der Frösche und Rauschen des Wasserfalls. Auf den Tag genau ein Monat nach meiner Ankunft in Ghana war vergangen. Ich hab an Zuhause gedacht, an die liebe Familie und an diejenigen von euch, die sich zu gleicher Zeit auf Jans Feier vergnügt haben. Aber ich hab mir auch gedacht, die Zeit hier vergeht so schnell, was sind schon ein paar verpasste Feiern im Vergleich zu dem Ort, an dem ich mich gerade befinde. Und ich war richtig froh, den Schritt hierher gewagt zu haben. Auch deshalb, weil ich gemerkt hab, dass ich meine Familie, Verwandten und Freunde noch mehr schätze, seit ich sie vermisse.
Abrupter Bruch, zurück zum Alltag:
Was ich schon länger mal erwähnen wollte, weil es mich hier schon sehr beschäftigt, ist die Verschmutzung und Zerstörung von Natur und Umwelt, wie sie hier, wenn man sich nicht gerade in Owabi befindet, allgegenwärtig ist. Allein im unmittelbaren Umkreis der Schule gibts einen kleineren und einen richtig großen Berg aus Plastikmüll und sonstigem Unrat, die in regelmäßigen Abständen einfach abgefackelt werden. Auch sonst ist die Landschaft in der Regel mehr oder weniger übersät mit Müll, vor allem mit den kleinen schwarzen Tüten, die man bei jedem Einkauf bekommt, und mit den durchsichtigen Tüten, in denens das Trinkwasser gibt. Auch Batterien, Rasierklingen, alte Medikamente und sowas werden einfach irgendwo ins Gebüsch oder in die Wiese geworfen. Spül- und Waschwasser werden an Ort und Stelle ausgekippt, sodass sich auf oder neben den Sandstraßen überall kleinere und größere Rinnen gebildet haben, in denen dann zum Teil richtig ekliges giftgrünes Schmutzwasser zusammen mit allerlei rumschwimmendem Abfall in die nächste Senke fließt. Von dem Dreck und Müll, der rumliegt, ernähren sich die Ziegen, Hühner und anderen Tiere auf der Straße, von denen man dann (ich versuchs nicht zu oft zu tun) Fleisch und Eier isst, keine so tolle Vorstellung. Wenn nicht das Bread and Egg so unglaublich lecker wäre …
Das Problem ist, dass ich nicht weiß, wie ich es groß anders machen kann als die Leute hier. Ich schütt mein Seifenwasser in die Dusche in der Hoffnung, dass es so in irgendeine Kläranlage kommt, aber so sicher bin ich mir da auch nicht. Zur Müllentsorgung bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als die Müllberge zu vergrößern, weil man auf Fragen, wo man denn seinen Müll sonst hinbringen kann, keine andere Antwort bekommt. Die Leute lachen schon immer, wenn ich wieder mit meiner Stofftasche zum Einkaufen ins Dorf lauf. Wenn man sagt, man möchte keine Plastiktüte, oder auch das Ganze noch durch Gestik und Mimik untermalt, schauen einen die Verkäufer meist an wie einen Wahnsinnigen, auch die, bei denen man glauben könnte, sie haben zumindest den Inhalt der Bitte verstanden. Ich reiß ihnen dann manchmal einfach freundlich das Zeug aus der Hand und stecks in meine Tasche, das begrüßen sie dann in der Regel doch, denk ich (sparen sich ja auch ne Tüte) . Das ist echt schlimm, dass die Leute hier größtenteils überhaupt kein Bewusstsein für Umweltschutz haben. Man bekommt zum Teil alles einzeln und dreimal verpackt (in einem Pack Klopapier ist zum Beispiel jede Rolle nochmal einzeln eingeschweißt), Margarine und Tomatenmark gibts (nicht nur, aber auch) in winzigen 50g(oder so)-Schachteln bzw. -Dosen, statt wechselbaren Klingen gibt’s vor allem Einwegrasierer, und wenn die Berufsschüler zum Duschen gehen (der Waschraum ist gleich neben unseren Zimmern), hört sich das meistens nach fröhlicher Schaumparty an.
Positiv ist, dass zumindest Gläser und Dosen eigentlich kaum weggeschmissen werden, sondern als Aufbewahrungsbehälter oder so aufgehoben werden. Außerdem muss man natürlich sagen, dass ein Einkauf auf dem Markt hier immer noch deutlich weniger Müll produziert als ein Einkauf bei uns im Supermarkt. Zum Wäschewaschen, Körperwaschen und Spülen gibts halt zum Beispiel normalerweise ein Stück Seife und nicht tausend verschiedene Behälter Wasch-, Dusch und Spülmittel. Allerdings steigen natürlich auch hier die Ansprüche nach mehr Komfort, immer mehr importierte „Supermarktartikel“ werden verkauft, mehr Leute können sich ein eigenes Auto leisten, die Reichen bauen sich einen Pool in den Garten usw.
Einerseits freut man sich natürlich, wenn der Standard hier steigt, aber andererseits, wenn man an das hohe Bevölkerungswachstum in Afrika und dann an die Umwelt denkt, kommt man schon auch sehr ins Nachdenken. Schmutzige Gewässer, verödete Landstriche, Müllberge, die Luft voller Staub und Abgase und dazwischen überall Kinder über Kinder, die meisten ohne ausreichende Bildung, aber alle mit großen Wünschen und Bedürfnissen. Schon jetzt denk ich mir jedesmal, wenn wir nach Kumasi ins Zentrum fahren, die Stadt platzt einfach nur vor Menschen, Waren und Fahrzeugen. Und man fragt sich, wie unsere liebe Erde das in Zukunft nur aushalten soll, grade wenn man bedenkt, dass es an vielen Orten auf der Welt ja noch schlimmer ist als in Ghana.
Naja, genug davon, ein wenig übertrieben hab ich wohl doch, wo ichs mir jetzt so zum zweiten Mal durchlese. Keine Angst, ich ersticke nicht in Müllbergen.
Afrika hat seinen eigenen Rhythmus, die Menschen hier leben anders, aber ich denke zufrieden, und wer weiß, was die Zukunft Glorreiches für uns bereithält :)
In diesem Sinne sei‘s genug. Ihr merkt, der ganze Bericht dreht sich nur ums Nachdenken, aber das nicht ganz zu unrecht. Ich mach mir hier echt, noch viel intensiver als davor, über alles Mögliche meine Gedanken, über die Zukunft, über meine Aufgaben, über Mensch und Natur, über Glauben, über Ziele und Wünsche und zuletzt darüber, was ich studieren soll, wenn ich zurückkomm, wobei nach diesem Bericht wohl Philosophie angebracht wäre. Mal schauen, Landschaftarchitektur klingt ganz gut eigentlich, dann könnte ich der Umwelt mal was Gutes tun.
Also bis zum nächsten Mal, und ich sags gleich: Wer denkt, so langsam müssten mir doch mal die Themen ausgehen, der hat sich getäuscht. Außerdem haben wir bald Ferien und ich hoffe, dass da dann wieder einige spannende Erlebnisse hinzukommen.
Relativ liebe Grüße ;)
Matze

Mal wieder Lese-Nachschub


Nicht viel Zeit ist vergangen seit dem letzten Bericht und doch gibts schon wieder einiges zu erzählen.

Zunächst mal hab ich ja vor etwa eineinhalb Wochen angefangen, hier zu unterrichten. Also ich hab jetzt in einer 6. Klasse (gehört in Ghana noch zur Primary School) den Matheunterricht und eine Stunde Englisch-Writing von der Klassenlehrerin übernommen und mache zwischendurch auch immer mal wieder Kunst mit den Schülern. Der Start hat auch ganz gut geklappt denk ich (Einführung in Geometrie), den Unterricht auf Englisch zu halten krieg ich hin (gibt leider ein paar Schüler, die wahnsinnig schlecht Englisch können) und ich hab mir erstaunlich schnell schon einige Schülernamen merken können.

Da die Klassenlehrerin meistens noch bei mir zuschaut und ich bei ihr, wurden aber auch schnell die Unterschiede zwischen der Schule hier und in Deutschland und die damit verbundenen Schwierigkeiten deutlich. Die Schüler sind es einfach überhaupt nicht gewöhnt, mit in den Unterricht einbezogen zu werden, Transferaufgaben zu lösen oder kreativ zu werden, weil das bis jetzt offensichtlich niemand von ihnen verlangt hat. Die letzte Science-Stunde sah zum Beispiel so aus, dass die Lehrerin eine relativ komplizierte Definition mit allerlei Fachbegriffen an die Tafel geschrieben hat, welche dann dreimal von den Schülern im Chor wiederholt wurde und in der Übungsaufgabe am Ende der Stunde noch einmal eins zu eins wiedergegeben werden sollte.

In Mathe haben wir jetzt z.B. Netze von Raumkörpern durchgenommen und in der Stunde die Beispiele Würfel, vierseitige Pyramide und fünfseitige Pyramide besprochen. Als ich das in der nächsten Stunde abgefragt hab, konntens die meisten einigermaßen gut hinzeichnen. Dann hab ich noch nen Quader und ne dreiseitige Pyramide an die Tafel gemalt und wollte von ihnen das Netz haben, damit waren sie dann aber vollkommen überfordert und haben nur nochmal irgendwelche bereits bekannten Netze hingezeichnet. Das hat mir schon ziemlich zu denken gegeben, weil ich das Thema eigentlich echt ausführlich besprochen hab und auch alle möglichen Formen aus Papier gebastelt hab. War wahrscheinlich ein bisschen zu viel verlangt für den Anfang, weil die Schüler vermutlich bis jetzt nur Körper von der Tafel abzeichnen mussten, ohne wirklich ein räumliches Vorstellungsvermögen zu bekommen, und wahrscheinlich auch zum ersten Mal Formen in gebastelter, dreidimensionaler Form gesehen haben.

Anderes Beispiel, auch wenns wohl schon langweilig zu lesen wird: Ich hab nen Kreis an die Tafel gemalt, zigmal Radius und Durchmesser eingezeichnet und gefragt, wie die zwei zusammenhängen. Verständnislose Blicke. Dann hab ich hingeschrieben: Radius = 1/3 Durchmesser, stimmt das?, und alle haben im Chor ja geantwortet. Also mal schauen, wies jetzt weitergeht, Spaß machen tuts auf jeden Fall trotzdem und ich hab eine interessante, anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen. Das nächste Thema in Mathe ist das Untersuchen von Tabellen und Daten, das klappt dann vielleicht auch besser.

In Kunst wollte ich in der ersten Stunde, dass sie ein paar Sachen zeichnen, die für sie typisch für Ghana sind, und hab halt an der Tafel paar Beispiele gegeben, aber ausdrücklich gesagt, sie sollen sich eigene Sachen überlegen. Haben dann natürlich nur die wenigsten gemacht, was aber laut meinem Papa bei ihm im Kunstunterricht genauso ist 😉 Jedenfalls haben sie zum Teil echt sehr schön und gut gezeichnet. In der nächsten Stunde wollt ich sie dann eine Landschaft zeichnen lassen, wieder das gleiche Problem. Dann ist allerdings die Lehrerin durch die Reihen gegangen und hat glaub ich, so bisschen auf Englisch, mehr auf Twi, gesagt, sie sollen schön sauber das von mir an der Tafel abzeichnen, was natürlich einiges erklärt.

Sonst so allgemein zur Schule: Ich hab jetzt vor allem die Probleme aufgezählt, aber es ist auf der anderen Seite natürlich auch sehr interessant, schön, aufschlussreich und die Schüler sind teilweise richtig lieb. Mit der Lehrerin komm ich auch ganz gut klar, das ist halt einfach so, dass hier einige Sachen anders sind als bei uns, vor allem muss man bedenken, wie die Lehrerin selbst vor 20-30 Jahren wahrscheinlich erzogen wurde und was sie für eine Ausbildung gemacht hat. Meistens ist der Unterricht auch nicht so diszipliniert und streng, wie das jetzt hier vielleicht klingt, es wird auch wirklich viel gelacht, mal zusammen getanzt und gesungen und vieles ist es auch nicht groß anders als bei uns.

Dass Kinder geschlagen werden, hab ich bis jetzt zum Glück noch nicht richtig heftig erlebt (Lisa im Kindergarten leider schon). Einmal ist die Lehrerin mit ihrem Stock, der schon immer griffbereit im Klassenzimmer liegt, durch die Reihen gegangen und hat mal eher spaßhaft auf den Tisch geklopft, mal aber auch ernstgemeint und fester einigen Schülern auf Rücken oder Schultern geschlagen. Da musst ich dann zwar einerseits feststellen, dass auch ich nicht davon verschont bleibe, aber andererseits sind glaub ich auch Anzeichen für eine Besserung feststellbar, auch wenn das noch einige Zeit dauern wird. Zumindest hab ich noch nicht mitbekommen, dass jemand vor der Klasse richtig verprügelt oder bloßgestellt wurde. Vielleicht machen das die Lehrer auch nur, wenn ich nicht dabei bin, ich weiß es nicht. Das größte Problem beim Schlagen ist meiner Meinung nach, dass sich das so extrem auf die Schüler überträgt, und die wirklich bei jeder Kleinigkeit anfangen, sich gegenseitig anzugehen, eine runterzuhauen oder sich mit Sachen zu bewerfen, das ist echt traurig manchmal.

Was für uns auch ungewohnt ist, die Lehrerin isst oder telefoniert im Unterricht, wenn die Schüler gerade mit Stillarbeit beschäftigt sind, schickt Schüler los, um ihr etwas zu essen oder zu trinken zu holen, oder unterhält sich einfach mal eine halbe Stunde mit einer Kollegin und die Schüler machen, was sie wollen. Also das wechselt sich immer so ab, mal strenger Unterricht und dann geht’s wieder total locker zu und die Lehrer können sich glaub ich auch nicht so richtig entscheiden, was ihnen lieber ist.

Neben dem Unterricht in der Grundschule versuch ich noch dreimal die Woche, den älteren Berufsschülern hier ein bisschen Deutsch beizubringen. Das beschränkt sich zwar trotz dem, dass die meisten eigentlich schon ein halbes bzw. eineinhalb Jahre Deutsch hatten, auf grundlegende Sachen wie Begrüßung, Hobbies, Zahlen und Wochentage, aber es macht echt richtig viel Spaß. Ich komm mit den Schülern super klar und einige wollen sogar noch freiwillig Extrastunden haben, um die German language zu lernen (vor allem natürlich deshalb, weil sie denken, sie lernen mal schnell Deutsch und können dann nach Deutschland kommen). Naja, die Probleme fangen bei der richtigen Aussprache an und in die Tiefen der deutschen Grammatik brauch ich glaub ich eh nicht vorzudringen, aber was solls: Ich denke jedes Wort, jeder Satz ist ein kleiner Gewinn für die Schüler und mich und kürzlich hab ich eh irgendwo gelesen: Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen.

Genug von der Schule, was war sonst noch los:

Am 6. März war der ghanaische Independence Day und das wollten wir natürlich auch miterleben. Wir hatten gehört, dass im Stadion in Kumasi ein großes Fest stattfindet und sind da hin. Weil dort dann aber erstaunlich wenig los war und dafür relativ viel Eintritt verlangt wurde, bin ich als alter Stadiontourist auf eigene Faust rein. Waren etwa zehn Leute drinnen, obwohl die Show schon vor einer halben Stunde hätte anfangen sollen. So konnte ich dafür in Ruhe das Stadion erkunden und hatte von ganz oben auch noch einen herrlichen Blick über Kumasi. Mit der Zeit rührte sich dann auch auf dem Feld etwas und die Haupttribüne war mittlerweile gut gefüllt. Es begann zwar nicht, wie ichs mir vorgestellt hatte, eine Darbietung in der Art wie z.B. bei olympischen Eröffnungsfeiern, aber ein kleiner Gottesdienst, den ich mir noch eine Zeit lang anschaute und dann gemütlich noch ein wenig durch Kumasi lief, vorbei an Handwerkermärkten, einer Moschee und der weithin sichtbaren katholischen Kathedrale, errichtet in der Kolonialzeit, was den Bogen zum Unabhängigkeitstag schließt.

Letzten Samstag haben wir das Unigelände von Kumasi besucht, ein sehr schönes, weitläufiges Areal. Ich hab die meiste Zeit im botanischen Garten dort verbracht, war echt toll. Palmen, Bambus, Pinien, Termitenhügel, allerlei interessante Gewächse und Früchte und vor allem Ruhe und Besinnlichkeit, was sonst in Kumasi eher schwer zu bekommen ist. Im Schatten der Bäume hatten sich verschiedene Gruppen zu Gottesdiensten und Andachten versammelt und sangen und trommelten angenehme Rhythmen, zu denen ich richtig entspannt durch den Park schlendern konnte. Am Ende befanden sich noch einige Bäume, die am hellichten Tag von riesigen Horden Fledermäusen besetzt waren, die bei meinem Näherkommen wild über mir durch die Lüfte flatterten und ein beeindruckendes Schauspiel darboten (es blieb zum Glück bei der Befürchtung, dass mir eine davon auf den Kopf macht).

Am Sonntag war ich dann noch mit einem der Schüler zum zweiten Mal im Stadion, diesmal zum Erstligaspiel Asante Kotoko (der Heimverein aus Kumasi und aktueller Tabellenführer) gegen die Wa Allstars. Das Stadion war nun auch sehr gut gefüllt, Kotoko siegte relativ problemlos 2:0 und wir hatten einen schönen Nachmittag ganz nach meinem Geschmack. Einmal war ich kurz geschockt und dachte, im gegenüberliegenden Block gehen üble Randale los, bis sich herausgestellt hat, dass sich die Leute da nur eine fröhliche Wasserschlacht mit Tütenwasser geliefert haben 🙂

Die letzten zwei Tage gings mir zum ersten Mal nicht besonders gut, die typischen Reisebeschwerden und ich fühlte mich ziemlich matt und war auch nicht in der Schule. Hab aber gleich mit den Leuten hier gesprochen und Malaria wäre schon nochmal ein Stück übler gewesen. Also ich befind mich schon wieder auf dem Weg der Besserung, keine Sorge, und ich habs jetzt heute ja immerhin schon wieder ins Internetcafé in Tanoso geschafft.

Damit belass ichs bei einigen wenigen kurzen Zeilen und melde mich nächstes Mal wieder ausführlicher 😉

Liebe Grüße nach Deutschland, ich fang so langsam an, euch zu vermissen 😉

Matze

Ps: Supercool, meine Hände werden schon ein bisschen afrikanisch, man sieht richtig die Grenze zwischen hell und dunkel 🙂

Heute war mein …


Heute war mein erster Arbeitstag und es war doch schwieriger als erwartet, da ich meine Vorbereitungen für den Deutschunterricht gleich verwerfen konnte. Anscheinend haben sie nämlich im letzen halben Jahr nichts gelernt außer das ABC also haben wir mit den Basics wie dem Vorstellen angefangen. Jedoch ist es sehr schwierig, eine Klasse mit 16 bis 19 Jährigen zu motivieren oder sich Respekt zu verschaffen, da sie vielleicht einen anderen Umgangston gewöhnt sind und ich es eher auf die freundliche Art versucht habe und eigentlich auch so beibehalten möchte ohne laut zu werden.

Den restlichen Tag war ich dann im Kindergarten, was wirklich sehr schön war aber auch sehr anstrengend, wenn ungefähr 100 Kinder auf einen zulaufen, hochgenommen werden wollen oder einen wenigstens irgendwie anfassen wollen. Auch unterhalten kann man sich mit ihnen nicht wirklich, da sie hauptsächlich Twi sprechen und erst jetzt mit Englisch anfangen.

Und auch wenn ich schon mit dem Headmaster und vielen Lehrern über das schlagen geredet habe und sie auch wissen was ich davon halte, musste ich heute leider mit ansehen wie einige mit dem Stock oder mit der Hand auf den Kopf geschlagen wurden und mir selber die Tränen kamen als dann einer neben mir lag und geweint hat. Durchsetzen kann ich mich eh nicht wirklich, entweder weil sie mich nicht verstehen oder es einfach nicht gewöhnt sind, dass man einen Konflikt mit Worten schlichten möchte. Und als ich dann alleine in der Pause war mit 2 weinenden Kindern aufm Arm, gleichzeitig versucht habe 2 Jungs ihre Stöcke aus der Hand zu nehmen mit denen sie sich gegenseitig schlagen und dann ein Dritter plötzlich eine Glasplatte holt, damit um sich schlägt und die dann natürlich in tausend Splitter zerbricht, wusste ich wirklich nicht mehr was ich machen sollte und war froh als mir dann endlich jemand zu Hilfe gekommen ist.

Es gab heute aber auch wirklich sehr schöne Momente im Kindergarten, alleine wie sehr sie sich freuen wenn man mit ihnen spielt oder sie auf den Arm nimmt und wenn mein Sonnenbrand weg ist wird’s auch nicht mehr so wehtun wenn plötzlich ein Kind auf meinen Rücken springt J Und es ist immer wieder schön wenn die Kleinen einem im Dorf Madame Lisa zurufen und sich freuen, wenn sie uns sehen! Die Reaktion der Kinder auf uns „Abroonies“ ist eh ziemlich unterschiedlich, manche schauen einen nur mit großen Augen an und wenn man auch nur einen Schritt auf sie zugeht, rennen sie ängstlich davon oder sie sind so neugierig, spielen in meinen Haaren rum und begleiten uns ein Stück vom Weg.

Am Wochenende bin ich spontan mit 3 anderen an den See gefahren (daher auch der Sonnenbrand…) und auch wenn es ziemlich lange gedauert hat, hat es sich auf jeden Fall gelohnt und wir werden öfters hinfahren!

Die nächsten 2 Tage sind erstmal frei, für den Unabhängigkeitstag morgen versuchen wir relativ früh nach Kumasi zu kommen da dort anscheinend was Großes geplant ist! Am Donnerstag lerne ich dann wie man Fufu macht im Haus einer Lehrerin aber mal schauen wie weit ich komme mit meinen wahnsinnigen Armmuskeln…

Sonst ist eigentlich nicht so viel passiert, außer dass ich langsam auch alleine in zurechtkomme und auch keine Angst mehr habe alleine mit dem Trotro in die Stadt zu fahren oder Abends bisschen rumzulaufen und ich fühl mich langsam auch richtig wohl, sagen auch viele dass man mir das Ansieht J Es wird zwar noch ein bisschen dauern bis ich selber realisier dass das hier jetzt erstmal mein zu Hause ist weil ich erst seit 9 Tagen hier bin und es mir eher vorkommt als wär ich im Urlaub aber das kommt schon noch!

Ganz liebe Grüße nach Hause, ihr wisst dass ihr mir trotzdem alle sehr fehlt aber dafür sind unsere kurzen Telefongespräche umso toller!

Zwei neue Praktikanten


Wieder machen sich zwei Praktikanten, Lisa Kreilinger und Matthias Oberfrank, nach Ghana auf, um ein sechs Monate in Denchemouso zu leben und zu arbeiten.

Lisa wird am Albert Osei-Wusu Kindergarten anfangen, der im letzten Sommer in ein neues Gebäude umgezogen ist. Matthias wird an der Primary & Junior Secondary School in Denchemouso als Aushilfslehrer arbeiten.

Wir wünschen beiden eine spannende Zeit.

„Und, wie wars?“


Ein letztes Hallo nach Deutschland,  

sorry, ich bin auf die letzten Wochen hin etwas schreibfaul geworden und darum ist dies nun der letzte Blogeintrag mit dem Versuch mein Praxissemester hier in Ghana in ein Fazit zu packen:

Ein Versuch deswegen weil in den vergangenen sechs Monaten so viel passiert ist, dass ich gar nicht weiß wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Ich kann nicht sagen ob das halbe Jahr „gut“ oder „schlecht“ war, denn es war sicherlich beides. Es waren glückliche sowie traurige Momente, ich war frustriert, hilflos, orientierungslos aber auch motiviert, interessiert und einfach nur glücklich hier zu sein.

Mit dem Verlauf meines Praktikums bin ich soweit ganz zufrieden: Ich hatte meine Aufgaben und konnte bzw. musste selbst testen was geht und was nicht geht. Man muss sich hier in Ghana seine Arbeit auf jeden Fall selbst suchen, denn da kommt niemand, der einen einführt und sagt was zu tun ist.

Mit Sicherheit machten mir die Kommunikationsprobleme am meisten zu schaffen. Mit der „richtigen“ Sprache ist man den Menschen doch gleich ein Stück näher und so konnte ich mich mit den Kids leider nicht so unterhalten oder Dinge durchführen wie ich es gerne getan hätte. Das waren dann genau die Momente in denen ich mich einfach hilflos fühlte oder sogar von mir selbst enttäuscht war weil ich mehr von mir erwartete und auch wusste, dass ich es kann aber es halt trotzdem nicht hinbekam. Aber man lernt ja glücklicherweise auch aus negativen Erfahrungen…                                                                                                                        Doch es gab natürlich auch ganz viele schöne Momente. Vor allem wenn ich nach einer Unterrichtsstunde in lachende und glückliche Kindergesichter blickte war der ganze Stress gleich wieder vergessen. Ein Moment der mir wohl noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird: Ein kleines Mädchen kam zu mir, nachdem ich in der Pause eine Spritzpistole in die Hand nahm um die Kinder damit nass zu spritzen, schaute mich mit großen Augen an und sagte einfach nur: „Thank you, Madame Lea“. Solche Kleinigkeiten hören sich für uns total banal an sind für die Kinder hier aber nicht selbstverständlich und schon eine kleine Bereicherung ihres Alltages. Hier lernt man auf jeden Fall wieder sich über kleine Dinge zu freuen!

Natürlich habe ich auch außerhalb meines Praktikums viel erlebt und einiges von Land und Leute mitbekommen und ich muss sagen, dass ich auf lange Sicht gesehen Schwierigkeiten hätte in Ghana zu leben.                                                                                                                                                      Mit der Sonderstellung die man als „Weißer“ in Ghana hat könnte ich mich nicht abfinden. Man fällt einfach überall auf und kann nicht einfach durch die Straßen gehen ohne angesprochen zu werden. Als ich mal mit einer ghanaischen Lehrerin in der Stadt war um etwas einzukaufen meinte sie zu mir am Abend, dass sie froh sei in Ghana schwarz zu sein. Es wäre ihr zu anstrengend immer aufzufallen, angesprochen zu werden und immer nett lächeln zu müssen. Ein weiteres Problem wäre für mich die Tatsache, dass jeder mit dir befreundet sein möchte aber das wohl eher um irgendwann mal in Europa zu landen als aus Interesse an deiner Person. Aus diesem Grund ist es echt schwierig Beziehungen aufzubauen und Freundschaften zu schließen.

Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich mit dem „einfachen Leben“ Ghanas so gut zu recht komme. Ich denke ich habe in Ghana, zumindest aus europäischen Augen betrachtet, viel Armut gesehen, jedoch wenig Elend. Natürlich gibt es auch in Ghana Menschen, die absolut nichts haben, aber diese Probleme haben wir auch in Deutschland und das wird leider immer wieder vergessen…                                                             Der ghanaische Standard liegt definitiv weit unter dem deutschen und die Menschen haben einfach viel viel weniger Geld als wir. Jedoch geht es den meisten größtenteils mit den (wenigen) Dingen die sie besitzen gut, da auch die Lebenserhaltungskosten in Ghana sehr gering sind. Auch wenn oft kein Strom und fließend Wasser vorhanden ist sind die Menschen nicht am verhungern und sie haben zumindest so viel Geld um sich und ihre Kinder ausreichend zu ernähren. (Ich habe übrigens zugenommen! ;)                                                            Für einen gewissen „Luxus“ bleibt allerdings nichts übrig.

Braucht man diesen „Luxus“ nun oder nicht?

Es gibt noch viele Themen, die hier angesprochen werden könnten jedoch beende ich an dieser Stelle meinen Bericht und ziehe als Fazit, dass ich dieses halbe Jahr in Ghana mit den Höhen und Tiefen als Bereicherung und Erfahrung sehe, die ich nicht mehr missen möchte.

Ich hoffe hiermit ist die eine oder andere „und, wie wars?“-Frage beantwortet! ;)

Diesen Freitag werden wir Denchemouso verlassen und haben noch zwei Wochen Zeit zum Reisen. Um das Wetter noch richtig zu genießen, bevor es wieder ins kalte Deutschland geht, zieht es uns nochmal an die Küste.

Obwohl der Abschied schwer fallen wird freue ich mich doch sehr auf Deutschland, denn eine Sache ist mir klar geworden: Zuhause ist es einfach am Schönsten!

Danke für das fleißige Lesen meiner Berichte, hat mich gefreut!

 

Wir sehen uns in gut zwei Wochen,

Lea

07. 02. 2012


Dieser Blogg wird wohl einer der ganz kurzen Sorte. Aber ich sitze gerade im Internetcafe und die Chance muss man natürlich ausnutzen. Also am Freitag ging es mir irgendwie schon wieder nicht so gut, in der Schule gab es nichts zu tun also bin ich spät aufgestanden und dabei ist es den ganzen Tag eigentlich auch geblieben. Ich hatte leichte Halsschmerzen und ein bisschen Husten und das wurde den Abend über, den wir mal wieder in der einen oder anderen Bar verbracht haben auch nicht gerade besser. Am nächsten Morgen hatte ich ziemlich schlimme Halsschmerzen, das war aber weniger das Problem, als dass ich keine Stimme mehr hatte. Das hält auch noch bis heute an, was echt nervt. Heute ist es schon besser. Ich habe aber immer noch Halsschmerzen und Husten. Am Samstag habe ich deshalb dann abends nichts mehr gemacht. Wer hätt’s gedacht? Am Sonntag genauso wenig wie sonst auch gemacht. Am Montag, also gestern habe ich dann mal mein Zimmer aufgeräumt und ordentlich sauber gemacht. Das war auch echt nötig weil immer noch Teile von meinem Reisegepäck auf dem Boden lagen. Von dem Reisegepäck von vor etwa einem Monat. Nunja. Heute bin ich dann relativ früh aufgewacht aber Konrad wollte dann noch kurz Weißwäsche waschen, daraus wurde dann aber nichts und irgendwann bin ich dann eben ins Internetcafe gewandert. Jetzt sitze ich hier und sollte mir mal endlich Gedanken machen was ich so nach meinem Ghanaaufenthalt machen will. Studieren, arbeiten oder einfach doch auswandern weil das Reisen so schön war? Man weiß es nicht und aus dem Grund sollte ich jetzt mal hier Schluss machen und mich auf das Wesentliche konzentrieren. Als wäre ich da jemals gut drin gewesen… 😉

Grüße aus Ghana, Jakob.

02. 02. 2012


Ich wollte mich mal wieder mit einem meiner Blogs melden. Also seit meinem letzten Blog vom Montag den 23. Ist nicht allzu viel passiert. Wie die Meisten die diesen Blog lesen wissen werden, haben wir ja eine Spendenaktion für eine Schulbibliothek gemacht. Dieser Blog soll also hauptsächlich unserer Aktion gewidmet werden. Erst einmal will ich all denen danken die für unser Projekt gespendet haben! Wir haben am Montag erfahren, dass wir sehr wahrscheinlich ein Bücherregal für 100 Cedi durch „Beziehungen“ bekommen. Auf dem Konto waren zu dem Zeitpunkt etwa 500€, also 1.000 Cedi. Alle anderen Schreiner wollten für ein Regal mindestens 200 Cedi die wir nach ein paar Büchern nicht mehr gehabt hätten. Also war es gut, dass eine Freundin von Loszu zufällig auf einer Party einen Schreiner aufgetrieben hat der etwas für unsere Aktion übrig hatte (ein Libanese) und der sich dann bereiterklärt hat ein Regal für uns zu machen. Eigentlich wollten wir 9 Regale haben, dann ist uns aber wieder eingefallen, dass es bei einer Bibliothek eher auf die Bücher als auf die Regale ankommt und so haben wir uns jetzt auf drei Regale insgesamt geeinigt, womit wir dann noch 500 Cedi für Bücher haben. Also sind wir, Eva, ihre Gastmutter, Konrad und ich,  am Mittwoch in die Stadt gefahren und haben etwa 10 Bücherläden abgeklappert und alle möglichen Bücher gekauft. Von Schulbüchern die den Lehrern als Unterrichtsmaterial dienen sollen,  Lernbücher die die Kinder sich ausleihen können wenn sie etwas noch genauer wissen wollen (davon eher weniger, da wir dachten das macht eher wenig Sinn und ist eher für die hochmotivierten die sowieso schon an einer Privatschule sind…) und natürlich Geschichten in jedem Leselevel, das beinhaltet auch ganz einfache Bücher, fast schon Bilderbücher, für die ganz Kleinen und für die die noch nicht so gut lesen können. Konrad ist dann noch in der Stadt geblieben um Stoff für einen Bettbezug zu kaufen. Ich wollte das zwar auch machen lassen, habe mich an dem Tag aber leider nicht so gut gefühlt. Deshalb sind wir dann zu dritt zurück nach Tanoso gefahren wo wir die Bücher noch nummeriert haben. Am nächsten Tag sind Konrad und ich dann auf den Zentralmarkt gefahren weil Konrad zu wenig Stoff bekommen hatte und ich wollte mir auch einen Bettbezug aus den ghanaischen Stoffen machen lassen und außerdem noch einen Kapuzen-„Pulli“ aus irgendeinem bunten traditionellen Stoff. Ich dachte erst das sieht sicher bescheuert aus aber ihr werdet es ja bald selbst sehen wenn ich ein Bild hochladen kann. Später am Tag sind wir dann direkt zum Schneider mit einem von Konrads Bettbezügen aus Deutschland und unseren Stoffen im Gepäck. Für mein Kapuzenteil brauchte der Knilch allerdings auch noch eine Vorlage, obwohl er es drei Tage zuvor schon einmal gemacht hatte. Ich musste also am nächsten Tag nochmal hin. Der Chef von der Schneiderei ist ein echter Profi. Er hat eine Mode- bzw. Designschule besucht, dann aber abgebrochen weil er meinte, es nicht mehr nötig zu haben. Das meinten scheinbar auch die Kunden den jetzt hat er bereits etwa 10 – 15 Angestellte die für ihn die kleinen Arbeiten erledigen und er kümmert sich nur noch um die wichtigeren Sachen wie Anzüge und Aufträge.

Also am Freitag war dann schon Evas letzter Tag in der Schule, da sie Mitte nächster Woche mit Dennis wieder nach Deutschland fliegt. Beiden hat es zwar sehr gefallen aber beide hatten Gründe weswegen sie wieder in Deutschland sein wollten, das ist aber jetzt nicht Teil dieses Blogs. Am Freitag saßen wir also das letzte Mal alle drei zusammen im Lehrerzimmer und haben uns wieder einmal mit den Lehrern unterhalten, Bananenbrot gegessen und getan auf was man eben sonst noch so kommt. Ich bin dann aber bald wieder abgehauen weil ich noch zum Schneider musste. Danach bin ich dann mal wieder im Internetcafe in der Uni gewesen. Dort habe ich dann versucht mich mal endlich für ein Studium zu entscheiden oder zumindest gründlich darüber zu informieren. Der Studientest hat mir prophezeit, dass ich mit meinen Interessen eigentlich gar kein Studium bräuchte was mich dann so entmutigt hat, dass ich das erst mal bleiben lassen habe. Was wir am Abend gemacht haben kann man sich wahrscheinlich schon denken: wir haben uns mit den Leuten aus Denkyemouso getroffen und allesamt den Abschied von Eva und Dennis in einer Bar begossen. Danach haben wir einem Trotro ganze 20 Cedi dafür gegeben, dass es und nach Bantama fährt. Wir waren 10 Leute, es hat sich also schon gelohnt. Da haben wir dann all die anderen getroffen mit denen wir sonst so ausgehen, also die Leute von Loszu. Das ging dann bis spät in die Nacht so weiter. Am Samstag haben wir eigentlich ziemlich wenig gemacht, außer am Abend, da bin ich dann nochmal mit den Leuten von Loszu weggegangen. Als ich dann um halb vier Uhr morgens nachhause gekommen bin, ist der Gastvater ganz aufgeregt aus dem Haus gestürmt gekommen und erst als er mich gesehen hat, hat er mir gesagt, er dachte er hätte einen Dieb beim Einbruch erwischt… uuups. Peinlich… Am Sonntag wollte ich eigentlich waschen, habe es dann aber doch irgendwie verdrängen können. Wer mich kennt weiß, dass ich darin wirklich ein Meister bin… Am Montag habe ich immer noch nicht gewaschen, ich musste ja in die Schule gehen und am Nachmittag war es dann viiiiel zu heiß. Am Dienstag habe ich mir dann vorgenommen, weil es so viel Wäsche war, mir den ganzen Tag zum Waschen frei zu nehmen. Dann habe ich versucht die Waschmaschine die wir zwar besitzen aber nie gebrauchen in Gang zu bekommen. Da wir kein fließend Wasser haben muss man wie ich gehört hatte, einfach Wasser da rein schütten wo normalerweise das Waschmittel reinkommt. Da das Wasser aber auch nicht abfließen kann (wohin auch?) muss man den Schlauch wo das dreckige Wasser rauskommt in einen Eimer hängen den man dann immer mal wieder in den Garten kippt. Das ist ein ganz schönes Heck meck. Aber es lohnt sich dergestalt, dass die Wäsche, die man mit der Hand zu säubern nicht imstande ist, endlich mal wieder sauber wird. Ich liebe verschlungene Sätze, auch wenn das nicht in den sonstigen Wortfluss passt. Dumm war dann nur, dass am Mittag, also kurz nach der ersten Maschine der Strom ausgegangen ist. Wir hatte mal wieder nicht genügend Stromcredits. Das hatte sich also nicht so wirklich gelohnt. Aber als dann die Gastmutter nachhause kam hat sie den Strom irgendwie wieder angemacht und ich konnte noch eine Maschine waschen. Die Weißwäsche habe ich nicht mehr hingekriegt aber nur weil die Leine schon voll war. Am Abend gab es dann Fufu und in der Nacht Bauchschmerzen für mich. Am nächsten Morgen hatte ich dann Durchfall, Husten und immer noch Bauchschmerzen. Also bin ich noch einen Tag zuhause geblieben. Heute bin ich wieder in die Schule gegangen, habe angefangen diesen Blog zu schreiben, habe die Bücher die schon vor unserer Zeit für die Bibliothek vorgesehen waren inspiziert, alte Schulbücher ohne großen Wert. Am Mittag habe ich festgestellt, dass ich mich definitiv an dem Bananenbrot zum Frühstück überfressen habe und bis gegen halb zwei wieder nachhause gegangen. Jetzt habe ich schon wieder so einen langen Blog geschrieben, obwohl der doch jetzt mal kürzer werden sollte. Mist.

Na dann, Bis zum nächsten Mal, euer Jakob.

23. 01. 2012


Am Wochenende (dem 20. Januar) sind wir, das heißt alle von unserer Organisation, Nico und Max, nach Accra gefahren. Dort wollten wir alle zusammen am Freitag Party machen und am Samstag Eva in Accra treffen, die die ganze letzte Woche mit ihrem Vater rumgereist ist und am Samstag Geburtstag hatte. Wir wollten erst mit einem der öffentlichen Busse fahren, die waren aber um halb drei schon alle weg. Also doch mit dem Trotro. Das hat uns natürlich weniger gefreut, besonders als wir mal unseren ungemütlichen Platz hatten. Nach fünf ein halb Stunden waren wir endlich da. Auf dem Weg hatten wir noch einen kleinen Unfall: ein entgegenkommendes Trotro hat einen riesigen Ballen mit Stoffen vom Dach verloren und dieser ist dann mit hundert Sachen in unser, auch etwa 100 km/h fahrendes Trotro geknallt. Gottseidank hat es nur den Frontscheinwerfer und nicht unseren Fahrer erwischt. In Accra sind wir dann zuerst in unser Hostel gegangen. Das wo wir beim letzten Mal übernachtet haben war leider schon voll also mussten wir mit einem Guesthouse direkt nebenan Vorlieb nehmen. Wir haben 3 Cedi mehr gezahlt und haben im Haus von einer ganz netten Frau geschlafen, die einfach zwei Zimmer mit jeweils ein paar Betten vermietet hat. Das Problem war nur, dass wir ein paar mehr als nur „einige“ waren und so mussten dann die zwei Mädels im Wohnzimmer auf dem Bett schlafen. Am Abend sind wir dann so von einer Bar zur anderen gezogen,  waren noch in einem „irish Pub“ der zwar von einem Inder oder so geführt wurde aber alles von dem Flair eines deutschen irish Pub hatte. Hinzu kam noch, dass wir wussten, dass am Freitag dort ein Elektro DJ auflegt. Um halb fünf waren wir im Bett.

Am nächsten Morgen waren dann alle entsprechend fit und wir haben ganz viel von Accra gesehen. Der Inhalt unserer Tour: Bread & Egg Stand, Hotelzimmer. Wir haben allerdings auch noch das Hotel gewechselt und sind wieder in unser altbekanntes Hotel vom letzten Mal gegangen weil dort ein großes Zimmer frei geworden ist. Am Abend haben wir uns dann schon wieder fit für die Piste gefühlt und haben uns fertig gemacht um zum „Container“ zu gehen, eine kleine Ansammlung typisch ghanaischer Bar, also „Spots“ auf ghanaisch. Das sind meist entweder ganz einfache Hütten oder eben Container mit lauter Musik und, je nach Größe des Spots, einige bis ganz viele Plastikstühle und –tische. Direkt daneben gibt es einen der in Ghana sehr seltenen Sandwichstände. Also haben wir uns zuerst daran und später am Bier und anderen Dingen gütlich getan. Als Eva dann vom Flughafen kam wo sie ihren Vater hingebracht hatte musste sie, wie ausgemacht, für alle die Getränke zahlen. Das hört sich hart an aber es ist nicht wirklich teuer in Ghana eine Runde zu schmeißen, besonders nicht wenn man sich auf die billigeren Sachen beschränkt. An dem, ach ja an dem Abend davor auch, haben wir einen Typen getroffen dem wir letztes Mal schon von den Loszu Leuten vorgestellt wurden. Er kennt einfach viele Leute und so auch den einen oder anderen von der Organisation „Los zu Ghana“. Später sind wir dann auf seine Empfehlung noch in eine bessere (sehr viel bessere) Bar gegangen wo sie auch Elektro gespielt haben. Außerdem wurden wir von Marvin, dem vorhin beschriebenen Typen, einem weiteren Ghanaer vorgestellt. Dieser arbeitet am Flughafen und kann, sagt er zumindest, umsonst Gepäck für uns verschiffen. Das wäre zwar geil aber in Ghana kann man ja nie wissen. Auf jeden Fall bin ich dann schon gegen halb zwei mit einigen anderen nachhause gegangen und haben uns auf dem Heimweg noch angebratene Nudeln mit Ei und Würstchen geholt, eine Delikatesse die man in Ghana sonst eher nicht findet. Am Sonntag sind wir dann so gegen 10 Uhr morgens aufgebrochen, sind zur Trotro Station gefahren und wurden dort wieder mal enttäuscht: „Nein. Metro Mass Busse fahren am Sonntag keine nach Kumasi…“ Na toll. Wieder ins ein so unglaublich ungemütliches Trotro und fünf Stunden lang die viel zu langen Beine nicht bewegen, geschweige denn ausstrecken können. Hier habe ich dann auch einige Grundsätze zum Trotro fahren aufgestellt die vielleicht interessant sein könnten:

  1. Man nimmt das Trotro nur weil es so billig ist und man als armer Freiwilliger, der am Wochenende auch mal gerne feiern geht, kein Geld hat.
  2. Man denkt sich bei jedem Trotro wieder: „Das ist das schlimmste Trotro was ich je hatte…“
  3. Wenn man es irgendwie zustande bringt im Trotro zu schlafen, dann nur aus Langeweile und um die Zeit totzuschlagen, denn entspannend ist es nie. Denn wenn sich der Körper ausversehen doch einmal entspannt beschwert sich sofort der Nachbar.

Am Sonntagabend haben Konrad und ich dann noch zwei Leute von Loszu getroffen und heute bin ich morgens dann in die Schule. Jetzt sitze ich im Internetcafe und schreibe diesen Blogg.

Das war’s, bis dann, Jakob.

20. 01. 2012


Hallo erst mal. Ich hoffe ihr hattet alle einen guten Start ins neue Jahr, ich hatte jedenfalls einen, dazu aber später mehr. Zuerst einmal will ich euch warnen. Dieser Blogg beinhaltet die Ereignisse von drei Wochen und zwar von drei Reisewochen, was das ganze ziemlich lang werden lassen wird. Dies ist ein Nachtrag dazu. Ich habe auf der Hälfte beschlossen diesen Blog wie ein Kurztagebuch aufzubauen und nur das wirklich wichtige einzubauen. Das startet dann ab dem 24. Dezember. Die Nummerierung ist, wie man sich schon denken kann, das Datum der Ereignisse. Viel Spaß beim Lesen!

Am 23. Dezember sollten also meine Eltern und mein Bruder gegen 8 Uhr abends in Accra ankommen. Das hieß für mich, dass ich mich nicht beeilen musste. Das dachte ich zumindest. Am 22., abends, hat dann ein Arbeitskollege aus Deutschland angerufen, der Ghanaer ist und zurzeit Urlaub hier macht. Wir haben uns also für den nächsten Morgen an der Busstation verabredet. Schon als ich, mit ein paar anderen Freiwilligen die mit mir im Taxi zur Station gefahren sind, ankam war ich etwas geschockt: Die Station war so proppenvoll, dass die Leute bis zur Straße anstanden und zweieinhalb Stunden allein für die Karten warteten um in die teuren aber luxuriösen VIP-Busse zu kommen. Da es aber schon etwa 11 Uhr war als wir (Mychael und ich) das herausgefunden hatten und ich weder Lust noch Zeit hatte fast 3 Stunden dazustehen, haben wir letztendlich ein Trotro nach Kasoa, einen Vorort von Accra, gefunden. Das Problem war nur, dass ich die ganze Zeit aufs Klo musste. Von Kasoa war es dann kein Problem nach Accra rein und zum Flughafen zu kommen. Ich hatte die Telefonnummer von einem Typen den Keykey (der Sohn des Gründers unserer Organisation) irgendwie kannte und der uns als Taxifahrer dienen sollte. Also rief ich ihn an sobald meine Familie angekommen war. Eine halbe Stunde später kam er dann auch vorbei und lehrte meine Eltern das Warten in Ghana. Im Hotel angekommen (nach ewigen Zeiten im Traffic von Accra um die Weihnachtszeit) wurde erst mal geschlafen. Am nächsten Morgen stand wie verabredet der Taxifahrer vor der Tür und hat uns schon gegen 6 Uhr morgens zu unserem „Beach Resort“ in der Nähe von Accra gefahren. Dieses war teuer aber genauso angenehm. Also haben wir den ganzen Tag am Strand entspannt und am Abend haben wir etwas Schönes zu Essen bestellt, es war ja auch der

24. Heiligabend. So kam es einem zwar überhaupt nicht vor, es war trotzdem schade als es mich auf einmal ganz krass erwischt hat. Ich habe mich ganz schwach gefühlt, mir war schlecht, ich hatte auf einmal garkeinen Appetit mehr. Auf dem Weg zurück ins Zimmer habe ich auf der Treppe zwei Pausen eingelegt weil ich nicht mehr konnte. Dann hatte ich die ganze Nacht Durchfall und Fieber.

25. Krank aufgewacht. 39° Fieber, Durchfall und dieses Schwächegefühl. War aber keine Malaria!

26. Strand, chillen. Extra noch einen Tag verlängert.

27. Früher Aufbruch nach Kumasi.  Mit dem Taxi nach Accra und von da mit dem VIP-Bus nach Kumasi. Familie besuchen, Rucksack beim Essen in einer Bar klauen lassen. Das verdirbt echt die Laune. Kamera, Sonnenbrille und Handy weg. Gewohnt haben wir in einem der edelsten Hotels. Unglaublich ungemütlich.

28. Umzug in neues Hotel. Das ganze Hotel für uns. Nette Atmosphäre. Mittags meinen ICT Lehrer treffen und mit ihm die Schule besichtigen, abends in der Ceci bar Rice balls gegessen. Leon wollte auch einen Anzug, also den Schneider über die Nummer  in meinem Anzug angerufen.

29. Morgens früh auf den Markt, Stoff kaufen, Markt zeigen, Schneider angerufen, Taxi geholt. Der Fahrer war ein Vollpfosten und hat es nicht gerafft. Irgendwann dann doch angekommen. Ich hole den Anzug dann ab und bringe ihn mit wenn ich wieder nach Deutschland fliege. Nummer von meiner Gastmutter vergessen, Direktorin von der Schule angerufen um die Nummer zu bekommen. Abends Fufu bei meinen Gasteltern.

30. Früher Aufbruch nach Cape Coast/ Takoradi. Leon und ich nach Cape Coast, Giselle und Werner nach Takoradi. Wir zum Feiern, die zum Entspannen.

31. Am Strand chillen, Abends das geilste Buffet, Feuerwerk und Party mit geiler Musik und jeder Menge cooler Leute.

1. Alle verkatert, chillen am Abend noch ein Bier. Phillip hat vergessen, dass er, nach dem Aufstehen auf der Liege gewesen ist.  Am Morgen sind dann die meisten gegangen.

2. Manche sind in den Kakum Nationalpark gegangen, Leon, ich und ein paar andere haben den Tag am Strand verbrach. Morgens Bread & Egg mit Laughing cow. Am Abend gab‘s ein zweites Silvester mit viel Bier und einem zweiten Feuerwerk. Danach schwimmen mit Ali (dem Besitzer der Lodge) und um 5 nochmal mit Max.

3. Weniger fit am Mittag dann Mutti und Vati im neuen Hotel treffen und dann wieder im Oasis essen gehen.

4. Morgens das Cape Coast Castle angeschaut, dann zu einer  Lodge im Dschungel mit (anscheinend) 40 großen Krokodilen.

5. Früh morgens mit dem Metro Mass Bus Richtung Accra zu Till’s Beach Resort aufgebrochen. Da dann den ganzen Tag noch entspannt und am Abend noch ein schönes Abschlussessen gehabt.

6. Mittags los, Taxi kam nicht, Leon gestresst, neues Taxi über das Hotel bestellt. Hat alles noch gut geklappt. Abschied am Flughafen und dann alleine mit dem Taxi durchs nächtliche Accra. Absteige. Krank (Erkältung), schlaflos (bis um 1 hat die Musik gespielt, in meinem Kopf dann weiter bis 3), Scheiße.

7. Morgens noch kränker aufgewacht. Malaria? Lab gesucht. Sabine & Phillip abgeholt. müde durch Accra gehirscht. Abends Nico, Mirja Jules getroffen Mirja kam etwas später da sie den Metro Mass genommen hat. Danach sind wir noch kurz ins Chicken Inn gegangen, ein Fastfood Lokal mit Parkeinweiser. Danach ins Bett in einem passablen Hotel mit Siebener Schlafräumen für 7 Cedi pro Person.

8. Gegen halb 10 (Chillergruppe) aufgestanden, nach Hohoe, ein größeres Dorf in der Voltaregion, gefahren und da am frühen Abend angekommen. Häuslich eingerichtet, manche haben für alle was zu essen geholt und dann wurde in der nächsten Bar etwas gegessen und getrunken.

9. Am nächsten Morgen wieder erst gegen 9 aus dem Bett und direkt weiter zu den Wli Waterfalls. Auf dem Weg das 2. Mal im Melcom, einem Supermarkt mit westlichen Produkten, gewesen. Tütensuppen und Mangosaft gekauft. Vom Hotel in der Nähe der Wasserfälle los. Mirja und Emmi sind nicht mitgekommen. Der Rest hat eine Wanderung im 45° Winkel gemacht. 2 Stunden hoch, 2 Stunden runter. Nassgeschwitz wird man auch nicht gesund. Am Abend eine Suppe gemacht und dann noch Nudeln bestellt. Dann noch Bier.

10. Die Rechnung am nächsten Morgen belief sich auf 30 Cedi allein für’s Essen allein für mich. Dann ewig auf ein Taxi oder ein  Trotro oder was sonst noch in diesem Fleckchen verkehren soll. Erst wollten wir zu noch weiteren Wasserfällen. Dann hatten  wir wegen erneut spätem Aufstehen keine Zeit mehr. Taxi nach Hohoe, dann in das Dorf in der Nähe vom Volta. In der Lodge gewaschen. Die Anderen sind noch an den Volta. Ich hatte noch zu tun und Nico wollte noch telefonieren. Also die Anderen zum Essen und Trinken in einem „Restaurant“ getroffen. Dort hat uns dann mal wieder ein Typ angelabert. Er hat gemeint er ist der Trainer eines 1.-Ligateams aus Accra und ob wir nicht Lust hätten am nächsten Tag zu einem Spiel zu kommen. Wir hatten keine Zeit und haben uns von ihm verabschiedet.

11. Diesmal wirklich früh (gegen halb 8) aufgestanden, mit Nico an den Volta Reis frühstücken und am Ufer sitzen. Verrückte Frau wirft  unsere Schale ins Wasser weil sie keine Kippe kriegt. Dann noch Kaffee gekauft und dann mangels heißen Wassers in der Lodge (sonst gibt es das immer umsonst) Eiskaffee aus dem Wasserbeutel entdeckt. Schmeckt mit Zucker wirklich gut. Gegen 12 Uhr nach Ada Foah aufgebrochen. Nach langer Trotrofahrt gieng es nicht mehr weiter und wir mussten ein Taxi mit drei Reihe für, ich glaube, 70 Cedi nach Ada Foah mieten. Im Ort noch was zu essen gekauft. Die Hütten waren mehreckig mit einem runden Strohdach. Die Moskitos haben sich gefreut. Wir nicht.

12. Am Vormittag haben Phillip, Sabine und Ich eine Bootstour gemacht. Es gab nur Motorräder ins Dorf und da wir nicht ewig Geld und Zeit hatten, haben wir zu dritt ein Motorrad genommen. Dort angekommen haben wir einfach einem Kapitän von den Booten zugestimmt, der vorgeschlagen hat uns mitzunehmen. Er wollte pro Person 5 für den Hin- und 5 Cedi für den Rückweg.  Das war günstig. Also haben wir uns in das große Boot gesetzt und wurden rumgeschippert. Schöne Fahrt, viele Bilder gemacht. Auf dem Rückweg wären wir fast noch Jetski gefahren, das hätte dann aber 30 Cedi für 10 Minuten gekostet. Soviel hatten wir nicht. Wir haben uns dann noch ein bisschen umgehört aber es wollte keiner unter 30 Cedi machen. Also wieder mit dem Motorrad zurück. Wir haben dann doch wenigstens zwei genommen. Mein Fahrer musste bei jedem Anlassen sein Motorrad kurzschließen was mich wieder daran erinnert     hat, dass wir immer noch in Ghana sind. Am Abend habe ich dann noch etwas in dem Restaurant    bestellt die anderen haben Sabine mit dem Motorrad losgeschickt und sobald sie weg war darüber gewitzelt ob sie wohl wieder zurückkommt. Eigentlich wollten Mirja, Emmi und Jules noch am Nachmittag nach Accra fahren, haben sich aber dann doch entschlossen noch eine Nacht zu bleiben.

13. Am Morgen sind Mirja, Emmi und Jules dann nach Accra, der Rest, Phillip, Sabine, Nico und ich, sind noch bis zum Mittag geblieben, dann sind wir mit dem Trotro nach Accra gefahren. Am Abend sind wir dann wieder in dem Hotel gewesen wo wir schon beim ersten Mal waren. Wieder sind wir im „Chicken Inn“ gewesen und dann sind wir noch in ein paar Bars gewesen bevor wir nachts um 3 Uhr Mirja zum Flughafen gebracht haben. Dort durften wir dann bis zum Boarding mitkommen weil es so leer war. Da hat man dann schon mal daran gedacht wie es wohl ist selbst wieder nachhause zu fliegen… Nico, Emmi und Jules sind dann gleich mit dem VIP-Bus nachhause nach Kumasi gefahren, Sabine, Phillip und ich sind noch eine Nacht im Hotel geblieben. Wir hatten nämlich noch am Abend den Trainer aus der Voltaregion wiedergetroffen und der hatte uns Karten für das Spiel am nächsten Tag im großen Stadion von Accra gegeben. Im VVIP-Bereich. Hihihi…

14. Da wir erst gegen 5 Uhr morgens ins Bett gekommen sind, sind wir auch erst ziemlich spät wieder aufgestanden. Als wir dann zu dem Spiel wollten, kam es uns etwas seltsam vor, dass niemand am Stadion war. Drinnen waren nur ein ganz paar Fans, das Spiel war aber trotzdem lustig. Hier haben wir dann noch Eva getroffen die in Accra war, um ihren Vater vom Flughafen abzuholen. Der VVIP-Bereich war einfach die Loge wo der Präsident immer sitzt, wenn er ein Spiel in Accra anschaut. Am Abend sind wir dann noch in eine Bar gegangen. Wir wollten eigentlich Döner essen gehen, beim einzigen Stand in ganz Ghana. Der hatte aber zu. Man kann sich nur schwer vorstellen wie frustriert wir waren. Als Entschädigung gab’s dann lecker Sandwich mit Ei, Salat und Chicken. Sabine und ich wollten dann och tanzen gehen und sind zu der Bar gelaufen wo es den Döner gab. Und auf einmal gab es ihn dann doch. Ich war eigentlich schon satt aber ein Döner geht ja bekanntlich immer. Immerhin, es gab Yufka mit Salat, Ketchup, Mayo, und natürlich Dönerfleisch. Geil… J Danach sind Sabine und ich eigentlich nachhause gegangen aber dann kam aus einem Hinterhof Musik und wir wollten ja eigentlich noch tanzen gehen! Also rein in die Privatparty, wir wurden auch immer wieder herzlich dazu eingeladen. Um punkt 12 Uhr waren wir dann zuhause.

15. Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich noch in einen „Zauberwald“ auf der Strecke nach Kumasi, ich habe mich dann aber nicht so gut gefühlt, hatte Durchfall und wollte auch nach drei Wochen einfach mal wieder nachhause. Also habe ich alleine ein Trotro genommen. Auf dem Weg habe ich dann immer wieder Sabines und Phillips Trotro gesehen. In Kumasi war es irgendwie komisch, dass man sich in Tanoso ganz so heimisch gefühlt hat. Am Abend habe ich mich dann noch mit Nico und ein paar neuen Freiwilligen aus Schweden von Loszu in einer Bar getroffen.

16. Morgens hätte ich eigentlich in die Schule gemusst, ich hatte ja schon eine Woche geschwänzt. Ich war aber zu müde und habe den Tag stattdessen mit Filmeschauen und Schlafen verbracht.

17. Am Dienstag war ich dann zwar in der Schule, kam aber definitiv zu spät zu meinem Unterricht und habe also nichts gemacht. Am Abend dann wieder Nico in einer Bar getroffen.

18. Am Mittwoch habe ich dann bis um 10 Uhr verschlafen und da konnte ich ja dann nicht erst um 11 Uhr in der Schule aufkreuzen, also habe ich es ganz gelassen. Ich hatte nur eine Stunde und ich teile mir die Stunden sowieso mit dem ICT Lehrer dem das, laut ihm, nichts ausmacht wenn ich mal einen Tag nicht komme.

19. Die Schuldirektorin, die auch gleichzeitig Gastmutter von Eva ist, geht jetzt in Rente und jetzt ist unsere Gastmutter als Stellvertreterin die, die das Sagen hat. Am Donnerstag wurde ich gleich von dieser angesprochen. Ich sollte die Ergebnisse der Exams in einer Excel Tabelle festhalten. Na toll. Da war ich bis heute, dem 20. Januar dran. Zwischendurch habe ich dann noch diesen Monsterblogg geschrieben. Heute werden wir alle, das heißt die Leute von unserer Organisation und ein paar von Loszu, nach Accra fahren weil Eva morgen Geburtstag hat. Davon berichte ich aber in einem anderen Blogg, auch wenn ich es heute nicht mehr schaffe diesen hier hochzuladen.

Bis dann, es grüßt euch alle Jakob

Urlaub!! :)


Ein Hallo nach Deutschland,

erst einmal wünsche ich euch allen noch ein verspätetes gutes neues Jahr, ich hoffe ihr hattet ein schönes Silvester und das Jahr hat gut begonnen!?

Ich beginne mal der Reihe nach zu erzählen was ich die letzten drei Wochen so alles erlebte:

Am 22. Dezember haben wir uns auf den Weg Richtung Küste gemacht. Unser erstes Ziel war die „green turtle lodge“, die sich in der Nähe von Takoradi befand. Eine wunderschöne Lodge im Nirgendwo, ein menschenleerer Strand, hohe Wellen, Sonnenschein, Kokosnusspalmen, gute Cocktails und viel Ruhe und Zeit erwarteten uns. Da wir alle urlaubsreif waren beschlossen wir eine Woche Strandurlaub einzulegen. Wir bezahlten fünf Euro die Nacht und schliefen in einem Schlafsaal. Wenn man Glück hatte konnte man abends am Strand Riesenschildkröten beim Nesten beobachten, aber wir hatten leider kein Glück. Doch wir genossen diese Woche sehr und es war echt schön! Von so einem Strandabschnitt kann man am Mittelmeer wohl nur noch träumen… In diesem Fall beschreiben Bilder wohl mehr als Worte:

Unsere Abende am Strand
Unser Motto! ;)
Freiluftduschen: sehr cool!

Auch Weihnachten verbrachten wir in der Lodge, wobei ich sagen muss, dass nicht wirklich viel an unser Weihnachten erinnerte. Es gab Pizza zum Essen, hört sich für euch wahrscheinlich langweilig an, aber für uns war es ein Highlight!! Wir saßen dann gemeinsam am Strand, haben Stille Nacht gesungen und schließlich unsere Wichtelgeschenke ausgepackt. So hatte jeder ein Geschenk über das er sich freuen durfte. ;)

Ansonsten wird Weihnachten in Ghana vor allem in der Kirche gefeiert, ist ja schließlich auch der eigentliche Grund für das Fest. Viele Schüler und Studenten fahren auch hier über die Feiertage zu ihren Familien nach Hause und es wird Jesu Geburt gefeiert. Doch es ist lange nicht so ein „großes Familienfest“ wie bei uns. Es gibt zwar leckeres Essen, doch große Geschenke sowie Weihnachtsdekorationen bleiben aus. Wenn man Weihnahten nicht zu Hause verbringt und dazu noch in einem Land ist, in dem so ziemlich alles anders ist, wird einem doch schnell klar was eigentlich das Wichtigste an Weihnachten ist und das sind sicherlich nicht die Geschenke…

Nach unserer Woche Strandurlaub machten wir uns am 30. Dezember auf nach Cape Coast. Cape Coast liegt ebenfalls direkt an der Küste und ist neben Kumasi die geschichtsträchtigste Stadt in Ghana. Wir quartierten uns im „Oasis Beach Resort“ ein, oder besser gesagt stellten wir unsere Zelte dort auf und verbrachten in der Lodge drei weitere Tage. Da wir uns nun wieder mitten in einer Stadt befanden war es doch ein ziemlich großer Kontrast zu der Woche davor. Es waren sehr viele Leute dort, überwiegend Weiße und somit war die Ruhe erst mal verflogen. Der Strandabschnitt war nicht ganz so schön und die Wellen für mich fast schon zu hoch um überhaupt ins Wasser zu gehen. Aber es war ganz witzig und wir haben auch viele andere Freiwillige wiedergetroffen, die wir schon in den letzten vier Monaten kennengelernt haben. Cape Coast ist wohl die einzige Stadt in Ghana in der Silvester in unserem Sinne gefeiert wird. Die Ghanaer verbringen Silvester nämlich in der Kirche. Es wird Gott für das alte Jahr gedankt und für das neue Jahr wird gebetet. Vor unserer Lodge befand sich ein großer Platz auf dem in der Neujahrsnacht ein großer Gottesdienst stattfand. Vermutlich waren so ziemlich alle Einwohner von Cape Coast anwesend und es wurde viel gesungen und getanzt und es ging vor allem sehr laut zu. Egal ob gesungen oder gebetet wird, volle Lautstärke ist bei den Ghanaern immer dabei!

Da wir aber doch noch nicht so ghanaisch sind und in unserer Lodge fast nur Weiße waren und auch der Besitzer ein Deutsch-Türke ist wurde natürlich ordentlich gefeiert. Zuerst gab es ein großes Buffet mit Reis, Pommes, gegrilltem Fleisch/Fisch, Gulaschsuppe und verschiedenen Salaten (für uns ein kleines Paradies!!) und danach wurde bis in die Morgenstunden gefeiert. Um Mitternacht gab es ein Feuerwerk sowie ein großes Lagerfeuer am Strand. Die Stimmung war ganz gut und so war mit dem nächsten Tag nicht viel anzufangen. ;)

In Cape Coast selber haben wir uns die ehemalige Sklavenburg angeschaut. War auf jeden Fall interessant zu sehen aber doch auch ziemlich erschreckend. Es ist einfach unvorstellbar was da früher los war und wie mit den Menschen gehandelt wurde. Bis zu 2000 Menschen wurden in vier relativ kleine Räume ohne Licht und ohne Kleidung gepfercht. In diesen Kerkern mussten die Gefangenen bis zu drei Monaten vegetieren, bis die Schiffe kamen und sie verladen wurden. Zuvor wurden sie noch mit glühenden Eisen gebrandmarkt. Viele Menschen überlebten diese Bedingungen nicht und starben noch in der der Burg. Als wir in die Kerker kamen und unser Guide kurz das Licht ausmachte, ist mir schon anders geworden!                                                 Die folgenden Bilder sind aus Elmina, ebenfalls eine Hafenstadt westlich von Cape Coast in der wir kurz haltmachten um die dortige Sklavenburg zu besichtigen. Die Menschen wurden hier unter den gleichen menschenunwürdigen Bedingungen „gehalten“.

Innenhof
Blick in den Kerker!

Am 2. Januar ging es dann in den Regenwald, unser Ziel war der Kakum-Nationalpark. Wir benutzten den Canopy Walkway, ein in Baumkronenhöhe an Seilen aufgehängter Pfad. Es war doch eine wacklige Angelegenheit und mir wurde ein bisschen flau im Magen, aber wir haben es alle überlebt! ;) Wilde Tiere bekamen wir leider nicht zu Gesicht, aber es war trotzdem sehr schön. Obwohl eine Gruppe Ghanaer vor und hinter uns waren, die leider nicht wirklich ein Gespür für die Natur haben. Die Ghanaer sind nun mal ein lautes Volk und so wurde auch im Regenwald rumgeschrien, gelacht und gesungen.

Der 3. Januar war dann Abreisetag und es ging wieder ins Landesinnere. Der Weg führte uns in die Voltaregion und unser erstes Ziel war Akosombo. Viel haben wir von der Stadt nicht gesehen, da wir hier nur eine Nacht Zwischenstation machten bevor es am nächsten Tag morgens wieder weiter ging. Und diese Nacht hatte nicht sehr viel mit Ghana zu tun. Wir bekamen ein Zimmer in einer großen und sehr teuren Hotelanlage. Unser Reiseführer führte uns dorthin, doch anstatt wie angenommen 3 Euro für die Nacht in einem Zelt zu bezahlen gab es nur Zimmer, die für 60 Euro die Nacht ausgeschrieben waren. Die Preise waren nicht mal in Cedis (ghanaische Währung) sondern in US-Dollar angegeben. Der Hotelinhaber war ein Inder und hat uns dann aber großzügigerweise ein Zimmer für 40 Euro die Nacht gegeben. Obwohl wir acht Leute waren nahmen wir das Zimmer und nahmen eine zum Teil unangenehme Nacht in Kauf, da fünf von uns mit Isomatten auf dem Boden schliefen mussten. Wir hatten aber ein eigenes Badezimmer und durften den Hoteleigenen Swimmingpool mitbenutzen und so war die Nacht schnell vergessen. Außerdem war die Anlage direkt am Voltasee, es gab einen Billardtisch, Tischtennisplatten, Volleyballfeld…                                                                               Aber die Tatsache, dass viele Menschen in ganz Ghana in einer Hütte ohne Strom und ohne fließendem Wasser leben konnte ich nicht so ganz ausblenden und war daher froh, dass wir am nächsten Tag gleich weitergefahren sind.                                                                                                                                  Da stimmt irgendetwas nicht:

Am 4. Januar ging es weiter nach Hohoe, wo wir für 6 Euro die Nacht in einem relativ kleinen Hotel wohnten. Es war dem ghanaischen Standard angepasst, ziemlich sauber und die Küche war ganz gut. Von Hohoe aus machten wir zwei Tagesausflüge, einer führte uns zu den Wli-Wasserfällen und der andere ging in ein Affenreservat.

Die Wli-Wasserfälle sind die höchsten von Ghana und liegen genau an der Grenze zu Togo. Das Wasser fällt ca. 60 Meter aus einer Bergwand frei herunter. Bevor wir zum Wasserfall gelangten wanderten wir ca. eine Stunde durch die Natur. Wir genossen die Ruhe und freuten uns über die vielen Schmetterlinge, die in diesem Naturschutzgebiet leben.

von links: Maria (Freundin von Konrad), Sarah, ich, Dennis, Max und Konrad

Den Tag darauf fuhren wir mit einem Tro-Tro (wir sind übrigens immer mit Tro-Tros gereist, die fahren im ganzen Land von Stadt zu Stadt)nach Tafi-Atome. Dort befindet sich ein Affenreservat mit Mona-Meerkatzen-Populationen, die dort von Wilderern geschützt werden. Es leben mittlerweile ca. 400 Affen im Reservat, die frühmorgens oder abends kurz vor Sonnenuntergang ins Dorf kommen. Da wir zu diesen Zeiten leider nicht da waren bekamen wir die Affen „nur“ im Wald zu Gesicht. Sie waren total zutraulich und ließen sich von uns Füttern. Die kleineren Äffchen setzten sich sogar auf unsere Schultern. Wir bezahlten „Eintritt“ und bekamen dann auch einen Guide, der die Affen mit Pfeiftönen anlockte. Die Eintrittsgelder werden für die Schulen im Dorf eingesetzt und somit war es auf jeden Fall eine gute Sache.

Am 7. Januar ging es dann wieder Richtung „Heimat“ nach Kumasi. Es waren sehr schöne zwei Wochen und wir haben viel vom Land gesehen. Doch als Tourist in Ghana zu reisen ist nicht immer einfach, da man leider nicht gleichbehandelt wird. Weiße bezahlen zum Beispiel grundsätzlich mindestens das Doppelte an Eintrittsgelder als die Einheimischen. Die Hautfarbe spielt hier noch eine viel zu große Rolle und Weiß ist nicht gleich Schwarz, das bekommt man hier immer wieder zu spüren… Aber davon vielleicht im nächsten Blogeintrag mehr!

Ich habe jetzt noch gut 7 Wochen in Ghana, Endspurt ist angesagt!

Viele liebe Grüße,

Lea